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Bundesverwaltungsgericht 23.12.2011 E-7590/2009

23 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,649 parole·~13 min·3

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 23. November 2009 / N

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­7590/2009 Urteil   v om   2 3 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richter Kurt Gysi, Gerichtsschreiberin Carmen Wittwer. Parteien A_______, geboren (…), Iran, vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer,  Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 23. November 2009 / N (…).

E­7590/2009 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer,  ein  iranischer Staatsangehöriger  kurdischer Eth­ nie  mit  letztem  Wohnsitz  in  B._______  (C._______,  Hauptstadt  der  Provinz  D._______),  verliess  seinen  Heimatstaat  eigenen  Angaben  zufolge am 11. November 2001 und gelangte nach Aufenthalten  im Irak,  in  Griechenland  und  in  Deutschland  am  27. November  2008  in  die  Schweiz,  wo  er  gleichentags  um  Asyl  nachsuchte.  Die  summarische  Erstbefragung  fand  am  18. Dezember  2008  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum (EVZ) Chiasso und die Anhörung zu den Asylgründen  am 6. Juli 2009 in Bern­Wabern statt. A.a. Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer  geltend,  er  sei  politisch  engagiert  gewesen  und  habe  an  politischen  Demonstrationen teilgenommen. Durch einen Freund, welcher zuvor (…)  im  Gefängnis  gewesen  sei,  habe  er  politische  Flyer  und  Zeitschriften  erhalten  und  diese  verteilt.  Auch  habe  er  nachts  Slogans  an  Wände  geschrieben, und als er dabei ertappt worden sei, habe er  aus Angst um  sein  Leben  das  Land  am  folgenden  Tag,  dem  (…),  in  Richtung  Irak  verlassen. Dort habe er sich der PDKI (Demokratische Partei Kurdistan­ Iran)  angeschlossen;  bis  zu  seiner  Ausreise  aus  dem  Irak  am  15. November  2008  sei  er  Peschmergah  gewesen.  Zum  Verlassen  der  Partei veranlasst hätten ihn einerseits die Unsicherheit in der Region und  anderseits  vor  allem  die  Furcht,  wegen  parteiinternen  Auseinandersetzungen von Kampfgenossen getötet zu werden. A.b.  Im  Rahmen  der  Anhörung  reichte  der  Beschwerdeführer  mehrere  Fotos,  auf  welchen  er  anlässlich  eines  Festivals  im  Jahre  (…)  im  Parteihauptrevier  in  E._______ mit  PDKI­Führungsmitgliedern  zu  sehen  sei,  und  Fotoausdrucke  ein,  des Weiteren  ein  Schulzeugnis  der  ersten  fünf  Jahre  und  ein  Duplikat  seiner  Schenasname  (das  im  Iran  am  häufigsten  verwendete  Identitätsdokument  wird  nach  der  Registrierung  der Geburt ausgestellt, Anm. BVGer). A.c. Am 30. Juli 2009 gab der Beschwerdeführer eine Mitgliedschaftsbe­ stätigung der KDPI Schweiz und am 17. August 2009 ein entsprechendes  Schreiben der KDPI Paris, Büro  für  internationale Beziehungen,  zu  den  Akten. A.d. Mit  Schreiben  vom  12. Oktober  2009  zeigte  die  Rechtsvertretung  dem  BFM  die  Mandatsübernahme  an  und  reichte  für  den 

E­7590/2009 Beschwerdeführer als neue Beweismittel das Original der Identitätskarte,  einen Mitgliederausweis, welchen dieser anlässlich eines Kongresses der  Yekiti erhalten habe, eine Dankesurkunde der KDPI, (…), einen Ausdruck  eines  von  ihm  auf  einer  kurdischen  Internetseite  veröffentlichten  Berichtes und eine Kopie des Paketes, mit welchem  ihm die genannten  Beweismittel zugestellt worden seien, zu den Akten.  B.  Mit  Schreiben  vom  21. Oktober  2009  teilte  der  Dienst  für  Analyse  und  Prävention  (Eidgenössisches  Departement  für  Verteidigung,  Bevölkerungsschutz  und  Sport  [VBS])  dem  BFM  auf  Anfrage mit,  dass  ihm der Beschwerdeführer bisher nicht negativ aufgefallen sei. C.  Am  11. November  2009  wies  das  Bundesamt  den  Beschwerdeführer  darauf  hin,  Abklärungen  hätten  ergeben,  dass  er  –  entgegen  seinen  bisherigen  Angaben  –  am  31. Dezember  2006  in  der  Bundesrepublik  Deutschland  registriert  und  am  22. März  2007  gemäss  Dubliner  Abkommen  nach  Griechenland  abgeschoben  worden  sei,  wozu  es  ihm  das rechtliche Gehör gewährte. In  seiner  im  Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs  erfolgten  Stellungnahme  vom 11. November  2009  führte  der Beschwerdeführer  aus,  er  sei  Ende  des Jahres 2006 über Griechenland nach Deutschland gereist sei, wo er  ein Asylgesuch gestellt habe. Er habe Griechenland verlassen, nachdem  er  in  F._______  festgenommen  worden  sei  und  (…)  im  Gefängnis  verbracht  habe,  ohne  dass  ihm  für  die  Inhaftierung  ein  Grund  genannt  worden  sei.  Nach  der  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens  erfolgten  Rückschiebung  von  Deutschland  nach  Griechenland  habe  er  ungefähr  eineinhalb  Jahre  dort  verbracht,  ohne  dass  über  sein  Asylgesuch  entschieden worden sei. Drei Monate habe er  in einem Park gelebt, vier  Monate illegal in einem Haus und (…) in einer amerikanischen Kirche, wo  ihm gegen Arbeit ein Bett angeboten worden sei. Aus Angst, wieder nach  Deutschland  oder  Griechenland  gebracht  zu  werden  habe  er  seine  dortigen  Aufenthalte  den  schweizerischen  Behörden  gegenüber  verschwiegen. Als  weitere  Beweismittel  gab  er  eine  zweite  Mitgliedsbestätigung  der  PDKI  Schweiz,  dem  Internet  entnommene  Fotos  von  politischen  Veranstaltungen,  Fotos  aus  der  Zeit  im  Irak  und  Fotos  seine  politische  Aktivität in der Schweiz betreffend inklusive zwei CDs zu den Akten. 

E­7590/2009 D.  Mit  Verfügung  vom  23. November  2009  –  eröffnet  am  24. Novem­            ber  2009  –  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die  Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. Auf  die entsprechende Begründung wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.  E.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  7. Dezember  2009  beantragte  der  Beschwerdeführer  in  materieller  Hinsicht  –  unter  Kosten­  und  Entschädigungsfolge  –  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  und  die  Gewährung  von  Asyl  oder  jedenfalls  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft,  eventualiter  die  Feststellung  der  Unzulässigkeit,  allenfalls  der  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  und  die  Anordnung der vorläufigen Aufnahme. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen  Rechtspflege  und  den  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses. F.  Mit  Zwischenverfügung  vom  14. Dezember  2009  hielt  der  Instruktionsrichter  fest,  der  Beschwerdeführer  dürfe  den  Ausgang  des  Rechtsmittelverfahrens  in  der Schweiz  abwarten,  hiess  das Gesuch  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gut und verzichtete auf die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Gleichzeitig  wurde  das  BFM  zur  Einreichung einer Vernehmlassung innert angesetzter Frist eingeladen. G.  Das  Bundesamt  verwies  in  seiner  Vernehmlassung  vom  16. Dezember  2009 auf seine Erwägungen  in der angefochtenen Verfügung, an denen  es  vollumfänglich  festhalte,  und  beantragte  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Die  Stellungnahme  wurde  dem  Beschwerdeführer  am  23. Dezember 2009 zur Kenntnis gebracht. H.  Mit  Schreiben  vom  13. Januar  2010  setzte  das  Evangelisch­reformierte  Pfarramt G._______ das BFM darüber in Kenntnis, der Beschwerdeführer  wolle Christ werden und es sei bereits ein Tauftermin vorgesehen. 

E­7590/2009 Mit Eingabe vom 31. Januar 2010 wurde die Taufbestätigung verbunden  mit  der  Bitte  der  Gottesdienstbesucher,  dem  Beschwerdeführer  ein  Bleiberecht in der Schweiz zu gewähren, eingereicht. I.  Mit  Eingabe  vom  30. März  2010  (Poststempel)  reichte  der  Beschwerdeführer zur Untermauerung seiner politischen Aktivitäten in der  Schweiz  weitere  aus  dem  Internet  bezogene  Dokumente,  einen  Kundgebungsflyer, Fotos von Kundgebungen und eine CD ein. J.  Am 12. Mai 2010 ging dem Gericht eine Kopie des Taufscheins und der  Taufbestätigung zu, und mit Eingabe vom 8. Dezember 2010 stellte der  Beschwerdeführer  Kopien  von  Bewilligungen  der  Stadt  H._______  für  politische  Veranstaltungen  zu  den  Akten,  wovon  zwei  von  ihm  organisierte, zu.  K.  Mit Eingabe vom 16. Dezember 2010 gab der Beschwerdeführer weitere  aus  dem  Internet  abgerufene  Berichte  und  Fotos  zu  seinen  politischen  Aktivitäten in der Schweiz zu den Akten. L.  Das  Bundesverwaltungsgericht  gab  dem  Beschwerdeführer  mit  Verfügung  vom  9.  November  2011  Gelegenheit,  die  eingereichten  fremdsprachigen  Internetausdrucke  in  eine Amtssprache  zu übersetzen.  Die Übersetzungen gingen am 5. Dezember 2011 ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 

E­7590/2009 endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Be­ schwerdeführer  hat  am Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist  durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz­ würdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 108  Abs. 1  AsylG  sowie  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1  und  Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).

E­7590/2009 4. 4.1.  Das  BFM  führte  zur  Begründung  seines  Entscheides  aus,  der  Beschwerdeführer  habe  bis  zum  Zeitpunkt  der  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  die  Tatsache  verschwiegen,  dass  er  zuvor  in  Deutschland  ein  Asylgesuch  gestellt  habe.  Da  die  vorgenommenen  Abklärungen  ergeben  hätten,  dass  er  sich  dort  ab  dem  31. Dezember  2006 aufgehalten habe und zuvor in Griechenland registriert worden sei,  seien die von ihm anlässlich der Befragung und der Anhörung gemachten  Angaben zur Zeit  im  Irak zwischen  (…) und  (…)  tatsachenwidrig. Seine  mehrjährige Tätigkeit für die KDPI im Irak könne ihm somit nicht geglaubt  werden,  woran  auch  die  eingereichten  KDPI­Gruppenfotos  nichts  änderten. Zudem habe der Beschwerdeführer wesentliche,  für  seine Ausreise aus  dem Iran ausschlaggebende Ereignisse ohne erkennbaren Grund erst bei  der  Anhörung  vorgebracht,  weshalb  deren  Wahrheitsgehalt  äusserst  zweifelhaft sei. In der Erstbefragung habe er ausgesagt, er habe den Iran  aus  Angst  vor  einer  drohenden  Verhaftung  verlassen  und  dies  im  Zusammenhang  mit  der  (…)  Haft  seines  Freundes  erwähnt.  In  der  Anhörung  dagegen  habe  er  als  Ausreisegrund  angegeben,  beim  nächtlichen  Sloganschreiben  ertappt  worden  und  dadurch  in  Lebensgefahr  geraten  zu  sein.  Am  Tag  seiner  Ausreise  sei  bei  einer  Hausdurchsuchung  bei  ihm  eine  Pistole  gefunden  und  sein  Freund  festgenommen sowie zunächst  zum Tode verurteilt worden. Die geltend  gemachte  Verfolgungssituation  im  Iran  könne  dem  Beschwerdeführer  damit nicht geglaubt werden. Schliesslich habe sich der Beschwerdeführer auch widersprochen, indem  er bei der Erstbefragung ausgesagt habe, die Behörden hätten nach der  Freilassung  seines  Vaters  weiter  bei  ihm  zu  Hause  nach  ihm  gesucht,  und  im  Gegensatz  dazu  bei  der  Anhörung  erklärt,  die  Behörden  seien  nach  der  Freilassung  seines  Vaters  nicht  mehr  bei  ihm  zu  Hause  aufgetaucht. Die Vorbringen des Beschwerdeführers würden damit den Anforderungen  an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. Was  die  vorgebrachten  exilpolitischen  Aktivitäten  betreffe,  so  könnten  die­se  nur  dann  im  Sinne  von  subjektiven  Nachfluchtgründen  zur 

E­7590/2009 Flüchtlingseigenschaft führen, wenn davon ausgegangen werden müsse,  dass  sie  im  Falle  der  Rückkehr  in  den  Iran  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit ernsthafte Massnahmen zur Folge hätten. Der Beschwerdeführer mache geltend,  in der Schweiz Mitglied der KDPI  zu sein. Die blosse Mitgliedschaft  in dieser Partei vermöge jedoch keine  asylrelevante  Verfolgung  im  Heimatstaat  zu  begründen.  Den  Akten  könnten  keine  Hinweise  entnommen  werden,  dass  die  iranischen  Behörden  von  dieser Mitgliedschaft  auch  nur Kenntnis  genommen  oder  gar  gestützt  darauf  irgendwelche  Massnahmen  zum  Nachteil  des  Beschwerdeführers eingeleitet hätten. Weiter  bringe  der  Beschwerdeführer  vor,  in  der  Schweiz  an  Seminaren  und  Demonstrationen  teilgenommen  und  im  Internet  regimekritische  Aufsätze  publiziert  zu  haben,  was  er  mit  Fotografien  sowie  mit  Ausdrucken  von  Texten  dokumentiere.  Gerade  diese  Beweismitteleingaben,  aber  auch  zahlreiche  weitere,  ähnlich  dokumentierte  Eingaben  zeigten  indessen,  dass  allein  in  der  Schweiz  innert  weniger Monate  unzählige  exilpolitische Anlässe  stattfänden,  von  denen  anschliessend  gestellte,  schulfotomässige  Gruppenaufnahmen  von  insgesamt  Hunderten  von  Teilnehmern  in  einschlägigen  Internetseiten  publiziert  würden,  so  dass  es  den  iranischen  Behörden  unmöglich sein dürfte, all diese, oftmals schlecht erkennbaren Gesichter  konkreten Namen zuzuordnen. Zudem  sei  wohl  auch  den  iranischen  Behörden  bekannt,  dass  viele  iranische  Emigranten  aus  vorwiegend  wirtschaftlichen  Gründen  versuchten,  sich  in  Europa  und  speziell  auch  in  der  Schweiz  bis  zum  Abschluss  ihres  Asylverfahrens  ein  dauerhaftes  Aufenthaltsrecht  zu  erwirken, indem sie regimekritischen Aktivitäten jeglicher Art nachgingen.  Dazu  gehörten  auch  die  Publikation  von  Presseartikeln  mit  Name  und  Foto  in  bestimmten  exiliranischen  Zeitungen,  die  offensichtlich  nur  in  dieser Absicht publiziert und quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit nur  sehr  beschränkt  in  den  entsprechenden  Kreisen  Beachtung  finden  würden. Die iranischen Behörden hätten indessen nur dann Interesse an  der  Identifizierung  von  Personen,  wenn  die  Aktivitäten  als  konkrete  Bedrohung für das politische System wahrgenommen würden. Die Aktivitäten  des Beschwerdeführers wie  die  regelmässige Teilnahme  an  Seminaren  und  Kundgebungen  sowie  die  Publikationen  im  Internet  würden keine konkrete Gefährdung  im Falle einer Rückkehr  in den  Iran 

E­7590/2009 zu  begründen  vermögen.  Sein  Verhalten  in  der  Schweiz  sei  insgesamt  betrachtet  nicht  geeignet,  ein  ernsthaftes  Vorgehen  der  iranischen  Behörden  zu  bewirken,  zumal  keine  Anhaltspunkte  für  die  Annahme  bestünden,  im  Iran  wären  gegen  ihn  aufgrund  der  gelten  gemachten  Aktivitäten behördliche Massnahmen eingeleitet worden. Zusammenfassend  sei  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  über kein politisches Profil verfüge, das ihn bei einer Rückkehr in den Iran  einer  konkreten Gefährdung aussetzen würde. Seine Vorbringen hielten  damit  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG nicht stand, weshalb das Asylgesuch abzulehnen sei. Der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. 4.2. In der Beschwerde hält der Beschwerdeführer der Argumentation der  Vorinstanz  entgegen,  er  habe  zum Reiseweg  deshalb  falsche Angaben  gemacht, weil er nach seiner Flucht aus dem Irak nach Griechenland dort  vergeblich  versucht  habe,  ein  Asylgesuch  zu  stellen.  Die  misslichen  Umstände hätten  ihn schliesslich bewogen, nach Deutschland weiter  zu  flüchten, wo er  in der Folge um Asyl  nachgesucht habe. Die deutschen  Behörden hätten ihn jedoch nach Griechenland abgeschoben. So habe er  fälschlicherweise  angeben  müssen,  den  Irak  erst  im  Jahre  2008  verlassen  zu  haben.  Es  sei  also  allein  die  Angst  davor,  nach  Griechenland  zurückgebracht  zu  werden,  die  ihn  dazu  bewogen  habe,  gegenüber den schweizerischen Behörden den dortigen Aufenthalt nicht  zu erwähnen, und es könne daraus nicht der Schluss gezogen werden, er  habe eine erlogene Fluchtgeschichte verkaufen wollen. Zu  seinen  Aktivitäten  im  Irak  befragt,  habe  der  Beschwerdeführer  detailliert  Auskunft  gegeben.  Zudem  habe  er  eine  Vielzahl  von  Fotos  eingereicht  und  sein  politisches  Tun  in  der  Schweiz  mit  diversen  Beweismitteln dokumentiert. Sein politisches Engagement  im  Irak könne  nicht  mit  der  Begründung  in  Abrede  gestellt  werden,  er  habe  einen  falschen Fluchtweg angegeben. Die Vorinstanz werfe dem Beschwerdeführer vor, er habe anlässlich der  Anhörung  Dinge  vorgebracht,  die  er  bei  der  Befragung  nicht  erwähnt  habe.  Dazu  sei  anzumerken,  dass  die  Erstbefragung  nicht  einmal  eineinhalb Stunden gedauert habe, wogegen man sich bei der Anhörung  über viereinhalb Stunden Zeit genommen habe. Er sei bei der Befragung  angewiesen worden, sich kurz zu halten, dies mit dem Hinweis, er werde 

E­7590/2009 anlässlich  der  Anhörung  genügend  Zeit  haben,  um  alles  vorzubringen.  Das  BFM  behaupte,  er  habe  bei  der  Anhörung  unbegründet  wichtige  Tatsachen nachgeschoben. Angesichts der grossen Zeitspanne vermöge  der  Vorwurf  der  Vorinstanz  indessen  nicht  zu  überzeugen,  sei  es  doch  nicht Sinn und Zweck der Anhörung, Asylsuchende daraufhin zu prüfen,  ob  sie  in  der  Lage  seien,  die  anlässlich  der  Erstbefragung  gemachten  Vorbringen möglichst exakt noch einmal wiederzugeben. Das BFM werfe dem Beschwerdeführer weiter  vor,  er  habe  im Verlaufe  der  Befragung  beziehungsweise  der  Anhörung  Aussagen  gemacht,  die  sich widersprechen würden.  Indessen  führe  die Vorinstanz  eine  einzige  Ungereimtheit  ins Feld, um daraus den Schluss zu ziehen, dass er nicht  die  Wahrheit  erzähle.  Eine  Ungereimtheit  wie  die  vom  BFM  geltend  gemachte spreche entgegen der Ansicht des Bundesamtes gerade für die  Glaubhaftigkeit  des  Beschwerdeführers.  Würden  nämlich  in  grossem  zeitlichen  Abstand  voreinander  gemachte  Aussagen  fast  wörtlich  übereinstimmen, könnte dies den Anschein erwecken, es handle sich um  ein  auswendig  gelerntes  Konstrukt.  Die  Aussagen  seien  genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig  und  plausibel,  weshalb  die  Glaubwürdigkeit nicht in Zweifel zu ziehen sei. Wer  das  iranische  Regime  kritisiere,  riskiere,  Opfer  von  Bedrohungen,  Verhaftungen  und  Eingriffen  in  die  Privatsphäre  zu  werden.  Die  politischen  Handlungen  des  Beschwerdeführers  in  seinem  Heimatstaat  würden  klar  asylrelevante Wirkung  im  Sinn  von  Art.  3  AsylG  entfalten.  Auch  seine  exilpolitischen  Aktivitäten  seien  flüchtlingsrelevant.  Der  Beschwerdeführer verfüge bereits über ein beachtliches politisches Profil.  Er  werde  aufgrund  seiner  politischen  Anschauung  von  den  iranischen  Behörden  verfolgt,  und  es  sei  davon  auszugehen,  dass  er  diesen  als  exilpolitisch engagierte Person aufgefallen sei.  Es  sei  klar,  dass  der  Beschwerdeführer  wegen  seiner  politischen  Aktivitäten  in seinem Heimatland einer Verfolgung ausgesetzt wäre. Aus  diesem  Grunde  sei  der  Vollzug  unzumutbar  und  unzulässig.  Die  rechtliche Folge davon sei die vorläufige Aufnahme in der Schweiz. 5. 5.1. Das  BFM  hat  die  Verfolgungsvorbringen  des  Beschwerdeführers  für  unglaubhaft  erachtet.  Nach  Auffassung  des  Bundesverwaltungsgerichts  basiert  diese  Einschätzung  grösstenteils  auf  nachvollziehbaren  und 

E­7590/2009 überzeugenden Argumenten, auf welche grundsätzlich verwiesen werden  kann. Zwar stellt das Gericht nicht in Abrede, dass der Iran zum Teil sehr  hart  gegen  politische  Oppositionelle  vorgeht,  doch  kommt  es  zum  Schluss,  dass  für  den Beschwerdeführer weder  eine  begründete Furcht  vor  Verfolgung  bestanden  hat  noch  im  Falle  einer Wegweisung  in  den  Iran Anlass für eine solche besteht. 5.2.  Der  Beschwerdeführer  selber  hat  mit  dem  Verschweigen  seiner  Aufenthalte  in  Deutschland  und  Griechenland  berechtigten  Anlass  gegeben,  an  seiner  persönlichen  Glaubwürdigkeit  zu  zweifeln.  Daran  kann  auch  der  Erklärungsversuch  in  der  Beschwerde  (Ziff.  2.1.)  nichts  ändern. Dieser mutet umso unlogischer und unverständlicher an, als sich  der  Beschwerdeführer  im  Vertrauen  auf  ein  korrektes  Verfahren  an  die  schweizerischen  Behörden  wandte,  gleichzeitig  diesen  aber  offenbar  misstraute  und  sich  einen  legalen  Aufenthaltstitel  mit  als  gravierend  zu  qualifizierenden  falschen  Angaben  sichern  wollte.  Entgegen  den  Ausführungen  in  der  Beschwerde  (S.  3)  ist  es  eben  gerade  nicht  realitätsfremd,  der  Beschwerdeführer  habe  nicht  "…  den  Schweizer  Behörden  eine  erlogene  Fluchtgeschichte  verkaufen  wollen.",  vielmehr  hat er dies in einem zentralen Punkt seiner Vorbringen auch getan. 5.3.  Bei  der  Erstbefragung  hat  der  Beschwerdeführer  in  nachstehender  Reihenfolge  ausgeführt,  es  gebe  zwei  Gründe,  weshalb  er  den  Iran  verlassen  habe:  einmal  die  allgemeine  Unsicherheit  in  der  Region  und  sodann  die  Befürchtung,  er  könnte  von  Kampfgenossen  umgebracht  werden.  Im  Befragungsprotokoll  finden  sich  keine  Ausführungen  zu  politischen Aktivitäten mit Ausnahme eines Hinweises auf einen politisch  aktiven  Freund,  welcher  wegen  seiner  Aktivitäten  (…)  lang  inhaftiert  gewesen  sei  (Befragungsprotokoll  Ziff.  15).  In  der  Anhörung  gab  der  Beschwerdeführer  als  ersten  Grund  für  das  Verlassen  seines  Heimatlandes an: "Aus politischen Gründen geriet mein Leben in Gefahr  …"  (Anhörungsprotokoll  F28).  Diese  Aussage  steht  nicht  in  direktem  Widerspruch  zu  den  entsprechenden  Ausführungen  anlässlich  der  Befragung, aber seine weiteren Ausführungen im Rahmen der Anhörung  belegen  klar,  dass  nicht  seine  nicht  eben  engagierten  politischen  Aktivitäten,  sondern  wohl  doch  die  allgemeine  Lage  im  Heimatland  Ursache für die Ausreise aus dem Irak war.  An  dieser  Einschätzung  des  Gerichts  vermag  auch  die  Beschwerde  nichts zu ändern. Vor allem kann dem Vorbringen, würden die Aussagen  anlässlich  der  Befragung  und  der  Anhörung,  welche  ein  halbes  Jahr 

E­7590/2009 auseinanderlägen,  fast  wörtlich  übereinstimmen,  könne  dies  den  Anschein  erwecken,  es  handle  sich  bei  der  Fluchtgeschichte  um  ein  auswendig gelerntes Konstrukt, nicht zugestimmt werden. Vielmehr ist zu  vermuten,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  in  dieser  Zeit  umhörte  und  seine  Vorbringen  in  der  Erwartung,  damit  grössere  Erfolgschancen  zu  haben,  schliesslich  in  einer  Art  konturierte,  die  auffallend  ist  und  schwergewichtig  nicht  mehr  die  allgemeine  unsichere  Lage  oder  die  Bedrohung durch Kampfgenossen, sondern seine politische Tätigkeit  im  Zentrum  steht.  Dies  gilt  ganz  besonders  für  die  vorgebrachten  exilpolitischen  Aktivitäten,  welche  an  Intensität  gemäss  den  Aussagen  und den eingereichten Beweismitteln mit der Zeit laufend zunahmen. 5.4.  Als  Zwischenergebnis  ist  an  dieser  Stelle  ohne  weiteren  Begründungsaufwand  und  unter  Hinweis  auf  die  diesbezüglich  zu  stützenden  Erwägungen  des  BFM  festzuhalten,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  im Zeitpunkt  seiner  Ausreise  aus  dem  Iran  bestehende  oder  unmittelbar  drohende  asylrelevante  Verfolgungsgefahr nachzuweisen oder glaubhaft zu machen.  5.5.  Im  Folgenden  ist  zu  prüfen,  ob  der  Beschwerdeführer  durch  sein  Verhalten  nach  der  Ausreise,  das  heisst  durch  sein  geltend  gemachtes  exilpolitisches  Engagement,  eine  zukünftige  Verfolgung  durch  die  iranischen Behörden  zu  befürchten  hat, wie  er  dies  geltend macht,  und  aus diesem Grund die Flüchtlingseigenschaft erfüllt.  Subjektive  Nachfluchtgründe  sind  gemäss  Praxis  dann  anzunehmen,  wenn eine asylsuchende Person erst durch die Flucht aus dem Heimat­  oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine  Verfolgung  im Sinne  von  Art.  3  AsylG  zu  befürchten  hat.  Personen mit  subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar gemäss Art. 54 AsylG kein  Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. Massgebend  ist, ob die heimatlichen Behörden das Verhalten des Asylsuchenden als  staatsfeindlich einstufen und dieser deswegen bei einer Rückkehr in den  Heimatstaat eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten muss.  Es bleiben damit die Anforderungen an den Nachweis einer begründeten  Furcht massgeblich  (Art.  3  und 7 AsylG). Der Asylausschlussgrund  von  Art.  54  AsylG  ist  absolut  zu  verstehen  und  mithin  unabhängig  davon  anzuwenden,  ob  Nachfluchtgründe  missbräuchlich  gesetzt  worden  sind  oder  nicht.  Es  ist  daher  nicht  entscheidend,  welchen  mutmasslichen  Zweck die asylsuchende Person durch ihre exilpolitischen Tätigkeiten zu  erreichen versucht hat.

E­7590/2009 Die politische Betätigung  für staatsfeindliche Organisationen  im Ausland  ist  seit  der  Neufassung  des  iranischen  Strafrechts  im  Jahr  1996  unter  Strafe  gestellt.  Nach  den  Erkenntnissen  des  Gerichts  wurden  in  der  Vergangenheit  denn  auch  Personen  verhaftet,  angeklagt  und  verurteilt,  welche  sich  unter  anderem  im  Internet  kritisch  zum  iranischen  Staat  äusserten.  Unbestritten  ist  auch,  dass  die  iranischen  Behörden  die  politischen  Aktivitäten  ihrer  Staatsangehörigen  im  Ausland  ziemlich  systematisch erfassen. Mittels Einsatz moderner Software dürfte es ihnen  in  einem  gewissen  Ausmass  auch  möglich  sein,  die  im  Internet  vorhandenen Daten ohne allzu grossen Aufwand auszuwerten. Weiter ist  in  diesem  Kontext  festzustellen,  dass  nach  konstanter  Praxis  bei  iranischen  Asylsuchenden  das  blosse  Einreichen  eines  Asylgesuches  keinen subjektiven Nachfluchtgrund  im Sinne von Art. 54 AsylG darstellt  (BVGE 2009/28 E.  7.4.4). Demgegenüber bleibt  im Einzelfall  zu prüfen,  ob  die  in  der  Schweiz  entwickelten  exilpolitischen  Aktivitäten  bei  einer  allfälligen Ausschaffung in den Iran mit überwiegender Wahrscheinlichkeit  ernsthafte  Nachteile  im  asylrechtlichen  Sinne  nach  sich  ziehen  würden  (a.a.O.  E.7.4.3).  Dabei  ist  davon  auszugehen,  dass  sich  die  iranischen  Geheimdienste auf die Erfassung von Personen konzentrieren, die über  die  massentypischen  und  niedrigprofilierten  Erscheinungsformen  exilpolitischer  Proteste  hinaus  Funktionen  wahrgenommen  und/oder  Aktivitäten entwickelt haben, welche die jeweilige Person aus der Masse  der mit dem Regime Unzufriedener herausheben und als ernsthaften und  gefährlichen  Regimegegner  erscheinen  lassen.  Somit  sind  die  Mitgliedschaft  in  einer  exilpolitischen  Organisation,  die  Teilnahme  an  regimekritischen  Demonstrationen  und  das  hierbei  übliche  Tragen  von  Plakaten  und  Rufen  von  Parolen  nicht  für  die  Einschätzung  einer  Verfolgungsgefahr  von  Bedeutung,  sondern  Positionen,  Form  und  Einfluss von Aktionen. Die  zahlreichen  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  exilpolitischen  Aktivitäten  (dazu  insbesondere  Anhörungsprotokoll  F67  und  F68)  und  die  eingereichten  Beweismittel  (etwa  Eingabe  vom  2.  Dezember  2011)  sollen  dokumentieren,  dass  es  sich  bei  ihm  um  ein  Mitglied  mit  einem  besonderen  Profil  handle,  was  indessen  zu  Recht  schon anlässlich der Anhörung seitens des BFM Zweifel aufkommen liess  (Protokoll F68). In der Beschwerde wird dazu ausgeführt, mit Verfolgung  müsse  rechnen,  wer  über  die  massentypischen  und  niedrigprofilierten  Erscheinungsformen  exilpolitischer  Proteste  hinaus  Funktionen  wahrnehme oder Aktivitäten entwickle, die ihn aus der Masse der mit dem  Regime  Unzufriedenen  heraushebe  (Beschwerde  Ziff.  3.2.). 

E­7590/2009 Massentypisch  ist  vorliegend  indessen  das  Vorgehen  des  Beschwerdeführers, der sich in doch recht kurzer Zeit zu einem wichtigen  Mitglied  der  exilpolitischen  Opposition  entwickelt  haben  soll.  Massentypisch  ist weiter, dass wiederholt Fotos eingereicht wurden, die  den  Beschwerdeführer  bei  Demonstrationen  zeigten,  dies  in  der  vordersten Reihe und  zum Teil  gut  erkennbar  (dazu etwa Eingabe  vom  22. März 2010). Massentypisch  ist schliesslich der Verweis auf Berichte  im Internet, die vom   Beschwerdeführer stammen sollen. Massentypisch  ist  dies  alles  deshalb,  weil  es  genaue  jenem  Vorgehen  entspricht,  das  dem  Gericht  von  einer  Vielzahl  vergleichbarer  Fälle  her  bekannt  ist  beziehungsweise  sich  kaum  von  jenem  anderer  Iraner  abheben.  Das  Gericht geht entgegen den Vorbringen und  in Übereinstimmung mit den  diesbezüglichen  vorinstanzlichen  Ausführungen  denn  auch  davon  aus,  dass  die  iranischen  Behörden  den  Beschwerdeführer  nicht  für  eine  ernstzunehmende  Bedrohung  für  das Regime  betrachten.  Die  öffentlich  vorgetragene  Kritik  weist  insgesamt  nicht  jenen  Exponierungsgrad  auf,  der  zwangsläufig  gezielte  Massnahmen  der  iranischen  Behörden  zur  Folge hätte.   5.6.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  auch  die  geltend  gemachten  subjektiven  Nachfluchtgründe  nicht  geeignet  sind,  eine  flüchtlingsrechtlich  relevante Verfolgungsfurcht  zu  begründen. An  dieser  Einschätzung  vermögen  weder  die  weiteren  Ausführungen  in  der  Rechtsmitteleingabe noch die beigelegten Beweismittel etwas zu ändern. 5.7.  Unter  Berücksichtigung  der  gesamten  Umstände  folgt,  dass  der  Beschwerdeführer  keine  Gründe  nach  Art.  3  AsylG  nachweisen  oder  glaubhaft machen  konnte. Die Vorinstanz  hat  die Flüchtlingseigenschaft  demnach zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 6. 6.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den  Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie  (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2.  Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG).

E­7590/2009 6.3.  ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 6.4.  Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel 2009, Rz. 11.148). 6.5. 6.5.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner  Form zur Ausreise  in  ein  Land gezwungen werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.5.2.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 

E­7590/2009 Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers in den Iran ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5  AsylG rechtmässig. 6.5.3.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Iran  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohen würde  (vgl. EGMR  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124 –127,  mit  weiteren Hinweisen). Dies ist ihm unter Hinweis auf die Erwägungen zum  Flüchtlingspunkt  jedoch  nicht  gelungen.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im Heimatstaat  lässt  den Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  generell  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl­  als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.6. 6.6.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.6.2. Im Iran besteht keine Situation generalisierter Gewalt, die sich noch  dazu über das ganze Staatsgebiet oder weite Teile desselben erstrecken  würde.  Eine  gänzlich  unsichere,  von  bewaffneten  Konflikten  oder  permanent  drohenden  Unruhen  dominierte  Lage,  aufgrund  derer  der  Beschwerdeführer sich bei einer Rückkehr unvermeidlich einer konkreten  Gefährdung ausgesetzt sehen würde, besteht mithin nicht. 6.6.3.  Der  noch  junge  Beschwerdeführer  hat  bezüglich  seines  Berufes  anlässlich  der  Befragung  "combattente"  angegeben  und  auch  bei  der 

E­7590/2009 Anhörung keine näheren Angaben zu seiner schulischen und beruflichen  Ausbildung  gemacht.  Dagegen  hat  er  bestätigt,  dass  alle  seine  Verwandten  im  Iran  leben  (Protokoll  F22  ff.). Es  ist  davon auszugehen,  dass diese ihn bei einer Rückkehr zumindest anfänglich unterstützen und  er sich im Iran wieder eine Existenz aufbauen kann.  6.6.4.  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  auch als zumutbar. 6.7.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  allenfalls  noch  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb  der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83  Abs. 2 AuG). 7. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  erachtet.  Nach  dem  Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 –4 AuG). 8. Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG).  Da  sein  Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Rahmen der  Instruktion  jedoch  gutgeheissen  wurde,  sind  indessen  keine  Kosten  aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite)

E­7590/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  das  Migrationsamt des Kantons H._______. Die vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Carmen Wittwer Versand:

E-7590/2009 — Bundesverwaltungsgericht 23.12.2011 E-7590/2009 — Swissrulings