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Bundesverwaltungsgericht 15.11.2011 E-6108/2011

15 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·705 parole·~4 min·1

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch (Identitätstäuschung) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 2. November 2011 / N

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6108/2011 Urteil   v om   1 5 .   No v embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Markus König, mit Zustimmung von Richter Daniel Willisegger;  Gerichtsschreiberin Karin Maeder­Steiner. Parteien A._______, alias B._______, Georgien,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 2. November 2011 / N (…).

E­6108/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 26. August 2011 in der Schweiz um Asyl  nachsuchte  und  sein  Gesuch  anlässlich  der  Summarbefragung  vom  13. September 2011 im Wesentlichen mit dem Vorbringen begründete, er  sei  in  Tiflis  Zeuge  eines  Tötungsdelikts  geworden  und  befürchte  nun,  dass der Täter auch ihn ermorde, um straffrei bleiben zu können, dass  der  Beschwerdeführer  am  14.  September  2011  ergänzend  zu  seinen  Personalien  befragt  wurde  und  dabei  die  Identität  B._______  bestätigte, dass  das  BFM  dem  Beschwerdeführer mit  Verfügung  vom  19.  Oktober  2011 das  rechtliche Gehör  zum Ergebnis  seiner Abklärungen gewährte,  wonach seine Identität in Wirklichkeit A._______ laute, und die Ausfällung  eines  Nichteintretensentscheids  gemäss  Art.  32  Abs.  2  Bst.  b  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) androhte, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  28.  Oktober  2011  fristgerecht  das  Ergebnis  der  Abklärungen  des  BFM  bestätigte  und  die  Gründe für seine Angabe einer falschen Identität nannte, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  2.  November  2011  –  eröffnet  am  folgenden Tag –  in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG auf das  Asylgesuch nicht eintrat und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den  Vollzug anordnete, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe  vom 9. November 2011 gegen  diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und  unter  anderem  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  die  materielle Behandlung seines Asylgesuch in der Schweiz beantragte, und das Bundesverwaltungsgericht erwägt, dass  es  auf  dem Gebiet  des  Asyls  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des Bundesgesetzes  vom 20. Dezember 1968 über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem die  beschwerdeführende Person Schutz  sucht  (Art. 105 AsylG  i.V.m.  Art. 31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005 

E­6108/2011 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32­35a  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht  eingetreten  ist,  weshalb  auf den Antrag des Beschwerdeführers nicht eingetreten werden kann, es  sei  ihm  im  Rahmen  des  vorliegenden  Verfahrens  unter  Anerkennung  seiner Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewähren, dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich,  wie  nachfolgend  aufgezeigt  wird,  hier  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  vorliegend  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  gemäss  Art.  32  Abs.  2  Bst.  b  AsylG  auf  Asylgesuche  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  die  Behörden  über  ihre  Identität  täuschen  und  diese  Täuschung  aufgrund  der  Ergebnisse  der  erkennungsdienstlichen Behandlung oder anderer Beweismittel feststeht, dass der Begriff der  Identität  im asylrechtlichen Sinn unter anderem den  Namen, den Vornamen und das Geburtsdatum umfasst (Art. 1a Bst. a der 

E­6108/2011 Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR 142.311]), dass  der  Beschwerdeführer  ausdrücklich  anerkennt,  dass  er  die  erstinstanzliche  schweizerische  Asylbehörde  in  diesem Sinn  über  seine  Identität  getäuscht  hat,  womit  das  BFM  Art.  32  Abs.  2  Bst.  b  AsylG  vorliegend korrekt angewendet hat,  dass  an  dieser  Feststellung  auch  der  Versuch  des  Beschwerdeführers,  die Identitätstäuschung zu erklären, nichts zu ändern vermag, zumal das  Vorbringen  als  offensichtlich  unglaubhafte  Schutzbehauptung  zu  qualifizieren  ist,  er  sei  aus  Furcht,  in  der  Schweiz  vom  georgischen  Mörder  entdeckt  zu  werden,  zur  Nennung  einer  falschen  Identität  gezwungen gewesen, dass  das  BFM  somit  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers nicht eingetreten ist, dass auch von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs (vgl. Beschwerde  S. 4) nicht die Rede sein kann, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.  9),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt ebenfalls zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  zulässig  im  Sinn  von  Art.  83  Abs. 3  AuG  ist,  weil  das  in  Art. 5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  beim  vorliegenden  Ausgang  des  Asylverfahrens  praxisgemäss  keine  Anwendung  finden  kann  und  angesichts  der  offensichtlich  haltlosen  Asylvorbringen  auch  keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im Sinn 

E­6108/2011 von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ersichtlich  sind,  die  dem  Beschwerdeführer im Heimatland drohen würde, dass weder die allgemeine Lage im Heimatstaat des Beschwerdeführers  noch  individuelle  Gründe  auf  eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen  lassen,  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend zumutbar im Sinn von Art. 83 Abs. 4 AuG ist, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  dem  Beschwerdeführer  in  den  Heimatstaat  schliesslich  auch möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), dass somit auch der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Wegweisung  zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststelle oder  unangemessen  sei  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  –  soweit  darauf einzutreten ist – abzuweisen ist, dass  das  Gesuch  des  Beschwerdeführers  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  und  Verbeiständung  schon  wegen  der  Aussichtslosigkeit  der Beschwerdebegehren abzuweisen  ist  (vgl. Art.  65  Abs.  1  VwVG)  und  das  Gesuch  um  Befreiung  von  der  Kostenvorschusspflicht  mit  dem  vorliegenden  Entscheid  in  der  Sache  gegenstandslos wird, dass  bei  diesem Verfahrensausgang  die  Kosten  von  Fr.  200.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG).

E­6108/2011 (Dispositiv nächste Seite) Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 2.  Das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen  Prozessführung  und Verbeiständung  (Art.  65 Abs.  1  und  2 VwVG) wird  abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 200.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale  Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Karin Maeder­Steiner Versand:

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