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Bundesverwaltungsgericht 16.09.2011 E-4954/2011

16 settembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·658 parole·~3 min·2

Riassunto

Asyl (ohne Wegweisung) | Flüchtlingseigenschaft; Verfügung des BFM vom 8. August 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­4954/2011 Urteil   v om   1 6 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Bruno Huber, mit Zustimmung von Richter Walter Lang; Gerichtsschreiber Peter Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), und (…) B._______, geboren (…), Iran, beide vertreten durch Christian Hoffs, HEKS,  Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende St. Gallen /  Appenzell, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Asyl; Verfügung des BFM vom 8. August 2011 / N (…).

E­4954/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführerin  einige  Tage  vor  der  am  (…)  erfolgten  Geburt  von  B._______  ihrem  jetzigen  Ehemann  (…)  in  die  Schweiz  nachreiste, wo  ihr  der  Kanton C._______  eine Aufenthaltsbewilligung B  erteilte, dass  das  BFM  dem  Ehemann  der  Beschwerdeführerin  mit  Verfügung  vom (…) zufolge subjektiver Nachfluchtgründe die Flüchtlingseigenschaft  zuerkannte  und  ihn  wegen  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  vorläufig aufnahm, dass die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter mit schriftlicher  Eingabe  vom  21.  April  2011  unter  Beilage  verschiedener  Dokumente  (Kopien der Verfügung vom […] und von Aufenthaltstiteln für die Schweiz)  an das BFM gelangte und beantragte, es sei  festzustellen, dass sie und  B._______  originär,  eventualiter  unter  Einbezug  in  die  Flüchtlingseigenschaft  ihres  Ehemannes,  derivativ  die  Flüchtlingseigenschaft erfüllten, dass  sie  zur  Begründung  anführen  liess,  sie  und  B._______  wären  als  Ehefrau und (…) eines anerkannten Flüchtlings bei einer Rückkehr in den  Iran  mit  an  Sicherheit  grenzender  Wahrscheinlichkeit  einer  Reflexverfolgung ausgesetzt, das  das  Bundesamt  dem  Rechtsvertreter  mit  Schreiben  vom  13.  Mai  2011  mitteilte,  das  Asylbegehren  sei  gestützt  auf  Art.  19  Abs.  2  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) bei der zuständigen  Behörde des Kantons C._______ einzureichen, dass  die  Beschwerdeführerin  nach  der  ordnungsgemässen  Einreichung  des Asylgesuchs beim Kanton C._______ zur Anhörung ihrer Asylgründe  beim BFM vorgeladen werde, dass  das  Migrationsamt  des  Kantons  C._______  dem  BFM  mit  als  "Miteinbezug in die Flüchlingseigenschaft" betitelter Eingabe vom 16. Juni  2011  Unterlagen  betreffend  erkennungsdienstliche  Erfassung  und  "Miteinbezug  in  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Ehemannes/Vaters"  (Kurzanhörung und Reisepass) zukommen liess, dass das Bundesamt mit Verfügung  vom 8. August  2011 –  eröffnet  am      9.  August  2011  –  feststellte,  die  Beschwerdeführerin  und  B._______  erfüllten  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  und  das  eventualiter  gestellte 

E­4954/2011 Gesuch  um  Einbezug  in  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Ehemannes  ablehnte, dass  für  die  Begründung  der  angefochtenen  Verfügung  auf  die  Akten  und,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  auf  die  nachfolgenden  Erwägungen verwiesen wird, dass  die  Beschwerdeführerin  durch  ihren  Rechtsvertreter  mit  Rechtsmitteleingabe  vom  8.  September  2011  in materieller  Hinsicht  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  und  die  Rückweisung  der  Sache  an  das  BFM  zur  vollständigen  Ermittlung  des  Sachverhalts,  verbunden  mit  der  Anordnung  einer  ordentlichen  Anhörung  zu  ihren  Asylgründen,  eventualiter  für  sich  und  B._______  den  Einbezug  in  die  Flüchtlingseigenschaft des Ehemannes und Vaters beantragt, dass sie  in prozessualer Hinsicht unter Verzicht auf die Erhebung eines  Kostenvorschusses  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  beantragt, dass auf die Begründung der Rechtsbegehren, soweit  für den Entscheid  wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird, und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31]  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, SR 173.110]), dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  die  Beschwerdeführerin  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 

E­4954/2011 Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  über  offensichtlich  begründete  Beschwerden  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111 Bst. e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend, wie  nachfolgend  aufge­ zeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass der Untersuchungsgrundsatz zu den allgemeinen Grundsätzen des  Asylverfahrens  gehört  (Art.  12  VwVG  i.V.m.  Art.  6  AsylG)  und  die  Behörde  von  Amtes  wegen  für  die  richtige  und  vollständige  Abklärung  des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen hat, dass  der  Grundsatz  des  rechtlichen  Gehörs  (Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 [BV, SR 101], Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass  die  verfügende  Behörde  die  Vorbringen  der  betroffenen  Person  tatsächlich  hört,  prüft  und  bei  der  Entscheidfindung  berücksichtigt,  was  sich  entsprechend  in  der  Entscheidbegründung  niederzuschlagen  hat  (Art. 35  Abs.  1  VwVG,  vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38 E. 6.3), dass  vorliegend  festzustellen  ist,  dass  es  das  BFM  entgegen  seiner  Ankündigung vom 13. Mai 2011 an den Rechtsvertreter unterlassen hat,  die  Beschwerdeführerin  nach  der  ordnungsgemässen  Einreichung  des  Asylgesuchs beim Kanton C._______ vorzuladen und eine Anhörung zu  ihren Asylgründen gemäss Art. 29 f. AsylG durchzuführen, dass die  vom Migrationsamt des Kantons C._______ am 16.  Juni  2011  veranlasste  "Kurzanhörung"  betreffend  "Miteinbezug  in  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Ehemannes/Vaters"  den  gesetzlichen 

E­4954/2011 Anforderungen an eine Anhörung zu den Asylgründen offensichtlich nicht  zu entsprechen vermag, dass zwar eine Missachtung von Verfahrensvorschriften durch das BFM  aufgrund  der  umfassenden  Kognition  des  Bundesverwaltungsgerichts  (Art. 106 AsylG) in bestimmten Schranken geheilt werden kann, dass  indessen  vorliegend  das  BFM  den  Untersuchungsgrundsatz  und  den  Anspruch  der  Beschwerdeführerin  auf  rechtliches  Gehör  in  schwerwiegender  Weise  verletzt  hat,  weshalb  eine  Heilung  nicht  in  Betracht kommt und die angefochtene Verfügung zu kassieren ist, dass  die  Beschwerde  demnach  gutzuheissen,  die  angefochtene  Verfügung vom 8. August 2011 aufzuheben und die Sache zur  richtigen  und vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts unter  Durchführung  einer  Anhörung  der  Beschwerdeführerin  zu  ihren  Asylgründen  sowie  zur  anschliessenden  Neubeurteilung  an  das  BFM  zurückzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 3 VwVG), dass  der  vertretenen  Beschwerdeführerin  zulasten  der  Vorinstanz  eine  Parteientschädigung  für  die  ihr  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen Kosten  zuzusprechen  ist  (Art. 64  Abs.  1  VwVG  i.V.m. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]), dass  zwar  keine  Kostennote  eingereicht  worden  ist,  der  zeitliche  Vertretungsaufwand  für  das  Rechtsmittelverfahren  sich  indessen  aufgrund der Akten zuverlässig abschätzen lässt, dass der Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung der massgebenden  Bemessungsfaktoren (Art. 9 ­ 13 VGKE) und der Entschädigungspraxis in  Vergleichsfällen eine insgesamt auf Fr. 600.− (inkl. Auslagen und allfällige  Mehrwertsteuer)  festzusetzende,  von  der  Vorinstanz  zu  entrichtende  Parteientschädigung zuzusprechen ist (Art. 10 und Art. 14 Abs. 2 VGKE). (Dispositiv nächste Seite)

E­4954/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen  und  die  Verfügung  des  BFM  vom  8. August 2011 wird aufgehoben. 2.  Die  Sache  wird  zur  Feststellung  des  vollständigen  und  richtigen  Sachverhalts unter Durchführung einer Anhörung der Beschwerdeführerin  zu      ihren Asylgründen und zur anschliessenden Neubeurteilung an das  BFM zurückgewiesen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Das  BFM  hat  der  Beschwerdeführerin  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  600.−  zu  entrichten. 5.  Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und (…). Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Peter Jaggi Versand:

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