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Bundesverwaltungsgericht 26.09.2011 E-4565/2008

26 settembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,319 parole·~12 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung (2. Asylverfahren); Verfügung des BFM vom 6. Juni 2008

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­4565/2008 Urteil   v om   2 6 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter François Badoud, Gerichtsschreiber Thomas Hardegger. Parteien A._______, geboren am (…), Iran, vertreten durch Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, Advokatur Kanonengasse, Militärstrasse 76, Postfach 2115,  8021 Zürich, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung (2. Asylverfahren);  Verfügung des BFM vom 6. Juni 2008 / N (…) .

E­4565/2008 Sachverhalt: A.  A.a.    Das  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF;  seit  1.  Januar  2005:  BFM)  wies  mit  Verfügung  vom  25.  Januar  2001  ein  am  29.  Juni  2000  eingereichtes  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab,  verfügte  seine  Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. A.b. Die am 27. Februar 2001 dagegen erhobene Beschwerde wurde mit  Urteil  der  damals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK) vom 9. Juli 2001 gutgeheissen, die Verfügung aufgehoben und das  BFF angewiesen, die Angelegenheit neu zu beurteilen. A.c. Das BFF wies das Asylgesuch mit Verfügung vom 23. August 2002  erneut  ab,  verfügte  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz und ordnete den Vollzug an. A.d. Die  dagegen  am  vom  20.  September  2002  erhobene Beschwerde  wurde mit Urteil der ARK vom 25. Februar 2003 abgewiesen.  A.e.  Auf  das  am  17.  Dezember  2004  eingereichte  Revisionsgesuch  wurde mit Urteil der ARK vom 13. Januar 2005 nicht eingetreten.  A.f.  Der  Beschwerdeführer  wurde  im  Rahmen  einer  polizeilichen  Personenkontrolle  im  Kanton  (…)  am  18.  April  2007  angetroffen  und  wegen des Verdachts auf illegalen Aufenthalt verhaftet und befragt. B.  B.a.    Am  27.  April  2007  liess  der  Beschwerdeführer  beim  BFM  unter  Beilage  von  18  Beweismitteln  ein  zweites  Asylgesuch  stellen  mit  den  Anträgen,  es  sei  seine  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  Eventualiter  sei  er  wegen  Unzulässigkeit  oder Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  vorläufig  aufzunehmen.  Er  ersuchte  um  Anordnung  vollzugshindernder  Massnahmen,  Ausstellung  eines  neuen  Asylbewerberausweises,  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  und  Verzicht  auf  die  Erhebung eines Kostenvorschusses.  Das Asylgesuch wurde begründet mit dem Umstand, dass sich seit dem  25.  Februar  2003  neue  Tatsachen  ergeben  hätten.  Er  sei  ein  aktives  Mitglied der (eine iranische Oppositionspartei) geworden und nehme seit  Januar 2005 regelmässig an deren Kundgebungen und Demonstrationen 

E­4565/2008 teil. Die (eine  iranische Oppositionspartei) habe sich darauf spezialisiert,  Missstände  und  Menschenrechtsverletzungen  im  Iran  offen  anzuprangern. Er habe sich auch mit Exponenten der Oppositionsszene  am 25. Januar 2005 getroffen, namentlich mit (…). Am 10. Februar 2005  habe  er  gegenüber  der  iranischen  Botschaft  in  Bern  an  der  von  der  Demokratischen  Vereinigung  für  Flüchtlinge  (DVF)  organisierten  Kundgebung  teilgenommen.  Es  seien  viele  weitere  Aktionen  der  (eine  iranische Oppositionspartei), meist in (…) oder (…), gefolgt, für welche er  teilweise  verantwortlich  gezeichnet  oder  sich  jedenfalls  daran  beteiligt  habe.  Im  Februar  2007  habe  seine  Bewegung  mit  (andere  iranische  Oppositionsparteien)  in  einer  grösseren Kundgebung  vor  der  iranischen  Botschaft  in  Bern  und  anlässlich  des  28.  Jahrestag  der  Gründung  der  Republik  Iran gegen das  iranische Regime protestiert. Am 8. März 2007  hätten  Mitglieder  der  (diverse  iranische  Oppositionsparteien)  demonstriert.  Er  weise  nun  ein  politisches  Profil  auf,  das  glaubhaft  sei  und  ihn  von  der  Masse  der  exilpolitisch  tätigen  Iranern  in  Westeuropa  herausragen  lasse. Er  sei  bei  einer Rückkehr  in  den  Iran wegen  seiner  exilpolitischen  Aktivitäten  in  flüchtlingsrechtlich  relevanter  Weise  gefährdet und erfülle die Voraussetzungen an die Flüchtlingseigenschaft;  ein Wegweisungsvollzug sei unzulässig. B.b.   Mit  Zwischenverfügung  vom  3. Mai  2007  forderte  das  BFM  unter  Androhung  des  Nichteintretens  auf  das  Asylgesuch  die  Leistung  eines  Gebührenvorschusses, der in der Folge fristgerecht geleistet wurde. B.c. Mit Schreiben vom 19. September 2007 reichte der Rechtsvertreter  eine  34  Namen  umfassende  Mitgliederliste  der  (eine  iranische  Oppositionspartei) ein, auf dem sein Mandant namentlich und mit seiner  N­Nummer  aufgeführt  ist.  Weiter  wurde  diverse  Teilnahmen  des  Beschwerdeführers an Aktionen der (eine iranische Oppositionspartei)  in  (…) geltend gemacht  und durch Fotos  und weitere Beweismittel  belegt.  Gewisse Aktionen seien im Internet abrufbar. B.d.    Mit  im  Schuldspruch  rechtskräftig  gewordenem  Urteil  des  (ein  Gericht)  vom  24.  Oktober  2007  wurde  der  Beschwerdeführer  wegen  illegalen  Aufenthalts  schuldig  gesprochen.  Im  Strafpunkt  wurde  gegen  das Urteil Berufung erhoben. B.e.  Mit Schreiben vom 12. März 2008 teilte der Rechtsvertreter mit, sein  Mandant  übe  weiterhin  für  die  (eine  iranische  Oppositionspartei)­  die  Funktion eines Hauptverantwortlichen aus. Name und Funktion seien  im 

E­4565/2008 Internet  abrufbar.  Es  folgte  eine  Auflistung  von  weiteren  Kundgebungsteilnahmen  im  Jahr  2007  und  2008  in  (…) mit  Fotos  und  Kopien der Flugblätter. Weiter  sei  seine Teilnahme an der Kundgebung  vom 8. März  2008  gegen  die Aufhebung  der Geschlechter­Apartheit  im  Internet  dokumentiert.  Schliesslich  liess  der  Beschwerdeführer  ein  persönliches  Unterstützungsschreiben  der  (...)vom  2.  März  2008  einreichen.  B.f.  Das  BFM  hörte  am  29.  April  2008  den  Beschwerdeführer  zu  den  Beweggründen  des  zweiten  Asylgesuchs  an.  Im  Rahmen  dieser  Befragung  gab  er  an,  einen  iranischen  Identitätsausweis  (Schenasnameh)  zu  besitzen.  Er  sei  bereit,  diesen  dem  BFM  einzureichen,  wenn  Gewähr  geboten  sei,  dass  er  nicht  in  den  Iran  zurückgeschafft werde. Er sei seit ungefähr dem 25. Januar 2005 Mitglied  der  (eine  iranische  Oppositionspartei).  Er  sei  der  Organisation  beigetreten, weil Präsident Katami das Volk belogen habe. Die Regierung  handle rücksichtslos, das Volk werde unterjocht und martialisch bestraft.  Jeder  Widerstand  gegen  das  Regime  werde  im  Keim  erstickt.  Die  Volksmiliz  (Basidjis)  habe  freie  Hand.  Die  (eine  iranische  Oppositionspartei) trete deshalb für die Wahrung der Menschenrechte ein  und  prangere  die  Fehlentwicklungen  im  Iran  öffentlich  an.  Er  sei  mittlerweile Koordinator der  (eine  iranische Oppositionspartei) und plane  und organisiere die Veranstaltungen der Organisation in der Schweiz. Er  unterstehe direkt  (...),  dem Vorsitzenden  respektive Generalsekretär der  (eine iranische Oppositionspartei) in der Schweiz. Beispielsweise habe er  kürzlich  den  Internationalen  Tag  der  Frau  vom  8.  März  2008  mitorganisiert,  die nötigen Bewilligungen hierfür  eingeholt  und bezüglich  Präsentation  der  Information  zur  Situation  im  Iran  Vorschläge  gemacht.  Nachdem er via  Internet die Absprachen mit der (...)getätigt habe, seien  von dieser die entsprechenden deutschen Texte druckreif verfasst und an  ihn geliefert worden. Er habe in der Folge die nötigen Kopien erstellt und  sie  später  an  Interessierte  verteilt.  Die  Organisation  und  Durchführung  der Veranstaltungen beanspruche jeweils viel Zeit und Arbeit. B.g.  Am 30. April 2008 reichte er den iranische Identitätsausweis ein.  B.h. Am 27. Mai 2008 ersuchte er um Akteneinsicht,  die  ihm vom BFM  am 29. Mai 2008 gewährt wurde. B.i.  Das BFM wies mit Verfügung vom 6. Juni 2008, eröffnet am 9. Juni  2008,  das  zweite  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab,  verfügte  die 

E­4565/2008 Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz,  ordnete  den  Vollzug und erhob eine Gebühr von Fr. 600.–. C.   Mit  Eingabe  vom  9. Juli  2008  erhob  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen  die  BFM­Verfügung  mit  den  Anträgen,  es  sei  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben,  die  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  Asyl  zu  gewähren,  eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit  oder  zumindest  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  formeller  Hinsicht  beantragte  er  die  Rückerstattung  der  von  der  Vorinstanz  erhobenen  Gebühr,  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  und  den  Verzicht  auf  Erhebung  eines  Kostenvorschusses. Mit  der  Beschwerde  wurden  Kopien  einer  Vollmacht  und  der  angefochtene  Verfügung,  Fotos,  ein  Bericht  der  Demonstration  vom  6.  Juni 2008 sowie eine Fürsorgebestätigung vom 9. Juni 2008 eingereicht. D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  14.  Juli  2008  sah  das  Bundesverwaltungsgericht  von  der  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  ab,  verschob  die  Behandlung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  auf  später  und  lud  das  BFM  zur  Vernehmlassung ein. E.  Mit  Vernehmlassung  vom  15. Juli  2008,  die  dem Beschwerdeführer  am  18.  Juli  2008  zur  Kenntnis  gebracht  wurde,  stellte  das  BFM  fest,  die  Beschwerdeschrift  enthalte  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel,  die  eine  Änderung  seines  Standpunktes  rechtfertigen  würden, und beantragte die Abweisung der Beschwerde.  F.  Das  Obergericht  des  Kantons  (…)  bestrafte  den  Beschwerdeführer  im  Berufungsverfahren  (vgl. vorn sub A.f und B.d) am 12. September 2008  mit einer nicht aufschiebbaren Geldstrafe von 60 Tagessätzen. G.  Mit Schreiben vom 21. Oktober 2008, 10. Februar, 6. Mai, 31. August und  31.  Oktober  2009  reichte  der  Beschwerdeführer  Sachverhaltsergänzungen und die folgenden Beweismittel zu den Akten: 

E­4565/2008 ­ eine Kopie und Übersetzung des iranischen Identitätsausweises;  ­ Fotos  oder/und  Hinweise  (beispielsweise  Flyer,  E­Mailausdrucke,  Hinweise  auf  Dokumentationen  in  Rundfunk­,  Video­  [Youtube]  und  anderen Internet­ und Medienforen) zu den Aktionen vom 1. und 2. Mai,  10.  und  19.  Juli,  16.  August,  10.  Oktober,  15.  November,  6.  und  15.  Dezember 2008, 8. und 12. März, 3., 12. und 24. Juni, 9., 24. und 25.  Juli, 4. und 15. August, 10. Oktober 2009; ­ eine  Bestätigung  vom  22.  Januar  2009  betreffend  seine  Wahl  zum  Vizepräsidenten der (eine iranische Oppositionspartei). H.  Mit  Schreiben  vom  3.  Mai  2010  liess  der  Beschwerdeführer  weitere  Sachverhaltsergänzungen  und  Beweismittel  nachtragen,  namentlich  zu  den Aktionen vom 11. Februar 2010 in Bern vor der iranischen Botschaft,  vom 15. Februar 2010 in Genf in der Nähe des Sitzes der United Nations,  und zu weiteren Kundgebungen vom 14. Mai 2010, 5. und 12. Juni 2010.  I.  Mit Schreiben vom 23. Februar 2011 teilte der Beschwerdeführer mit, (ein  Verwandter)  sei  vom  iranischen  Staatssicherheitsdienst  unter  dem  Vorwand,  es  gebe  Fragen  zu  seiner  zwei  Wochen  vorher  erfolgten  beruflichen  Beförderung,  vorgeladen,  verhört  und  umgehend  verhaftet  worden.  (ein  Verwandter)  habe  sich  seit  den  Studentenprotesten  des  Jahres  1999  aktiv  im  Rahmen  der  Studentenbewegung  gegen  das  aktuelle Regime betätigt. Die Verhaftung sei im (…) 2010 erfolgt und zwar  weil  die  Behörden  geglaubt  hätten,  dass  er  es  ihm  (dem  Beschwerdeführer)  nachmachen  und  untertauchen  könnte.  (ein  Verwandter)  lasse  sich  in  seinem  Verfahren  anwaltlich  vertreten.  Der  Anwalt  habe  nach  Wochen  der  Haft  erstmals  Zugang  zum  (ein  Verwandter)  erhalten  und  bei  seinem  Besuch  erfahren,  dass  das  politisches  Engagement  seines  Mandanten,  sein  Kontakt  zu  Oppositionellen  im  Ausland  und  weitere  unbekannte  Gründe  zur  Verhaftung  geführt  hätten.  Den  Computer  des  (ein  Verwandter)  und  weitere  Beweismittel  oppositioneller  Art  hätten  die  Sicherheitskräfte  bereits  beschlagnahmt.  Im  (…)  2011  sei  (ein  Verwandter)  aus  der Haft  freigekommen,  ohne  dass  das  hängige  Verfahren  gegen  ihn  eingestellt  worden  wäre.  (ein  Verwandter)  habe  die  Auflage  erhalten,  die  Heimatstadt  nicht  zu  verlassen.  Der  Beschwerdeführer  gab  in  diesem  Kontext an, er sei seit dieser Zeit mehrmals unter der Identität seines (ein  Verwandter)  per  "(…)"  angeschrieben  worden.  Er  könne  dazu  mit  Sicherheit sagen, dass diese Anfragen nicht von seinem (ein Verwandter) 

E­4565/2008 stammen  würden.  Er  vermute  daher,  dass  der  Sicherheitsdienst  belastendes  Material  für  das  Strafverfahren  gegen  seinen  (ein  Verwandter)  sammle.  Aus  diesen  Gründen  habe  er  sich  entschlossen,  sein  politisches  Engagement  in  der  Schweiz  vorübergehend  zu  reduzieren,  um  seinen  (ein  Verwandter)im  Iran  nicht  zu  gefährden.  Er  vermeide zur Zeit weitestgehend öffentliche Auftritte, stehe aber weiterhin  seinen  politischen  Freunden  als  politischer  Ansprechpartner  zur  Verfügung.  Am  (…)  2010  sei  er  auf  diese  Weise  beispielsweise  Mitorganisator der Grossdemonstration in Genf gewesen.  J.  Die  nach  richterlicher  Aufforderung  eingereichte  Honorarnote  des  Rechtsvertreters  im  Gesamtbetrag  von  Fr.  3654.70  datiert  vom  16.  August 2011. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021). Das BFM gehört  zu den Behörden nach Art. 33 VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG  liegt nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsgrundes des Staates, vor welchem die beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  richtet sich nach  dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt,  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 

E­4565/2008 beziehungsweise  Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 37  VGG,  Art.  48  Abs.  1  und  Art.  52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist  einzutreten. 1.4. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  2.1. Die Schweiz gewährt Flüchtlingen auf Gesuch hin Asyl, sofern keine  Asylausschlussgründe vorliegen (Art. 2 Abs. 1, Art. 49, Art. 50 ­ 55 AsylG).  2.2. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  sind  oder  begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen Druck bewirken (vgl. Art. 3 AsylG). Als  Flüchtlinge  gelten  auch  Personen,  die  erst  durch  ihre  Ausreise  aus  dem Heimat­ oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der  Ausreise  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  sind  (sog.  subjektive  Nachfluchtgründe).  Massgebend  für  die  Annahme  subjektiver  Nachfluchtgründe  ist,  ob  die  heimatlichen  Behörden  das  Verhalten  der  asylsuchenden Person als staatsfeindlich einstufen und diese deswegen  bei einer Rückkehr eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten  muss.  2.3.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). Diese Anforderungen an den Nachweis einer begründeten Furcht 

E­4565/2008 im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  sind  auch  massgebend  bei  der  Ermittlung  subjektiver Nachfluchtgründen. 2.4. Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten gemäss Art. 54  AsylG kein Asyl, werden  jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen,  da  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  den  verfolgenden  Heimatstaat  unzulässig  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG  i.V.m.  Art. 83  Abs. 3  des  Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und  Ausländer  [AuG,  SR 142.20]).  Der  Asylausschlussgrund  von  Art.  54  AsylG  ist  absolut  zu  verstehen und unabhängig davon anzuwenden,  ob  Nachfluchtgründe  missbräuchlich  gesetzt  worden  sind  oder  nicht.  Nicht  von  Interesse  ist  daher,  was  die  asylsuchende  Person  durch  ihre  exilpolitischen Tätigkeiten zu erreichen versucht hat. 3.   3.1.    Das  BFM  begründete  die  angefochtene  Verfügung  mit  dem  Umstand, im abgeschlossenen Asylverfahren habe der Beschwerdeführer  nicht  glaubhaft  darlegen  können,  aus  politischen  Gründen  im  Iran  Festnahmen und Vorladungen ausgesetzt gewesen zu sein. Somit könne  er  als  Gegner  des  Regimes  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  nicht  im  Fokus  iranischer  Behörden  gestanden  sein  und  es  sei  demzufolge  auch  nicht  davon  auszugehen,  dass  er  nach  seiner  Ankunft  in  der  Schweiz  unter  spezieller Beobachtung der  iranischen Behörden gestanden habe. Zwar  gebe  er  an,  als Organisator  und Planer  für  einen  Teil  der  Aktionen  der  (eine  iranische  Oppositionspartei)  verantwortlich  gewesen  zu  sein.  Aus  den  Schilderungen  liesse  sich  jedoch  nicht  ableiten,  dass  er  ein  überdurchschnittliches  politisches  Profil  im  Rahmen  der  (eine  iranische  Oppositionspartei) beziehungsweise der exilpolitischen Szene der  Iraner  in der Schweiz bekleidet habe. Was die Internetauftritte betreffe dürfte es  den  iranischen Behörden nicht möglich sein, die  riesigen Mengen an  im  Internet  kursierenden  Informationen  und  Dokumenten  gezielt  und  umfassend  zu  überwachen.  Zudem  sei  davon  auszugehen,  dass  die  iranischen  Behörden  politische  Aktivisten  und  Regimegegner,  die  eine  reelle Gefahr  für  ihr herrschendes politisches System darstellen würden,  von  anderen  Personen  unterscheiden  könnten,  die  sich  oft  zeitlich  befristet  mit  exilpolitischen  Tätigkeiten  in  engem  Zusammenhang  mit  einem  hängigen  Asylgesuch  engagieren.  Der  Beschwerdeführer  sei  aufgrund  seines  durchschnittlichen  politischen  Profils  keine  Gefahr  für  das  iranische  System.  Er  würde mit  hoher Wahrscheinlichkeit  bei  einer  Rückkehr  in  den  Iran  nicht  verfolgt.  Die  geltend  gemachten  subjektiven  Nachfluchtgründe  würden  den  Anforderungen  an  die 

E­4565/2008 Flüchtlingseigenschaft  nicht  standhalten, weshalb der Beschwerdeführer  nicht als Flüchtling anerkannt werde.  3.2.  Der  Argumentation  des  BFM  wurde  in  der  Beschwerde  und  den  Ergänzungen  im  Wesentlichen  auf  die  seit  25.  Januar  2005  die  aktenkundigen  exilpolitischen  Veranstaltungen  und  Aktionen  entgegengehalten,  die  mit  unzähligen  Beweismitteln  dokumentiert  und/oder  im  Internet  abrufbar  seien.  Insbesondere  habe  der  Beschwerdeführer  mit  verschiedenen  Organisationen  zusammengearbeitet,  so mit  der  (…). Beispielweise habe er am 6.  Juni  2008 vor dem Sitz der  International Labor Organisation  in einer von der  WCP  und  IFIR  organisierten  Kundgebung  demonstriert,  habe  den  Rauswurf  des  Irans  aus  der  ILO  gefordert  und  die  ILO  im  Auftrag  der  Oppositionsbewegung  als  Delegationsteilnehmer  aufgefordert,  die  iranische  Delegation  in  Genf  nicht  zu  empfangen.  Neben  ihm  hätten  (diverse  Persönlichkeiten  exiliranischen  Bewegungen),  agiert.  Die  Zeitschrift der (eine iranische Oppositionspartei) und die Internetseite der  (eine  iranische  Oppositionspartei)  hätten  mit  Bild  über  die  Aktion  berichtet.  Auf  der  Foto  sei  er  zu  erkennen.  In Weiterführung  der Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  zu  anerkennen;  ein  Wegweisungsvollzug  sei  unzulässig und zudem unzumutbar. 3.3.  Der  Beschwerdeführer  reichte  mit  Verweis  auf  seine  bisherigen  politischen Tätigkeiten  in der Schweiz eine Fülle  von Beweismitteln und  Belegstellen  seiner  politischen  Aktionen  ein.  Die  geltend  gemachten  Aktivitäten  und  Rollen  innerhalb  der  exiliranischen  Szene  der  Schweiz  wurden im Kern vom BFM nicht  in Frage gestellt. Der Beschwerdeführer  war  erwiesenermassen  in  der  Schweiz  seit  Januar  2005  respektive  seinem  zweiten  Asylgesuch  bis  zumindest  (…)  2010  regelmässig  öffentlich politisch tätig. Es kann im Folgenden – was die Aktivitäten und  Rollen  des Beschwerdeführers  in  der  Schweiz  betrifft  – weitgehend  auf  dessen Darstellungen abgestellt werden. 4.  Vorab  ist  festzustellen, dass das vorinstanzliche Verfahren – auch wenn  der Beschwerdeführer  formell um Asyl nachgesucht hat – sich  inhaltlich  auf die Geltendmachung und Prüfung von subjektiven Nachfluchtgründen  beschränkte.  Auch  auf  Beschwerdestufe  ist  trotz  der  weitergehenden  Formulierung  des  Beschwerdeantrags  auf  Asylerteilung  die  einzige  strittige  Frage,  ob  der  Beschwerdeführer  wegen  subjektiver  Nachfluchtgründe  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllt  und  deswegen  in 

E­4565/2008 Nachachtung  der  einschlägigen  Gesetzesbestimmungen  als  Flüchtling  vorläufig  aufzunehmen  ist. Namentlich  ist  aus  der mit  Eingabe  vom 23.  Februar  2011  geltend  gemachten  Verhaftung  (ein  Verwandter)des  Beschwerdeführers  nicht  zu  schliessen,  Letzterer  sei  neu  auch  wegen  drohender  Reflexverfolgung  zum  Flüchtling  geworden.  Dies  wird  denn  auch in keiner Weise geltend gemacht. Der Beschwerdeführer hat mithin  weder im Zeitpunkt seiner Ausreise die Flüchtlingseigenschaft erfüllt noch  ist  er  aufgrund  objektiver  Nachfluchtgründe  nachträglich  zum  Flüchtling  im Sinne von Art. 3 AsylG geworden ist.  Damit  ist  die  Beschwerde  jedenfalls  hinsichtlich  des  –  trotz  anderslautender  Begründung  –  in  der  Beschwerdeschrift  ausdrücklich  formulierten  Antrages  auf  Asylgewährung  in  diesem  Punkt  (Dispositiv­ Ziffer 2 der angefochtenen Verfügung) abzuweisen. 5.   5.1.  Die  vom  Beschwerdeführer  in  zahllosen  Beweismitteln  (darunter  Fotoaufnahmen,  die  ihn  anlässlich  von  Standaktionen,  Kundgebungen,  Sitzungen  oder  Kongressen  zeigen)  dokumentierten  exilpolitischen  Tätigkeiten gehen deutlich über das hinaus, was typisch  ist  für  iranische  Staatsangehörige,  "die  sich  oft  zeitlich  befristet  und mit  Tätigkeiten  der  oben  beschriebenen  Art  und  in  engem  Zusammenhang  mit  einem  hängigen Asylverfahren exilpolitisch engagieren" (so die Formulierung der  Vorinstanz  in der angefochten Verfügung, S. 4 oben).  Im Gegensatz zur  Auffassung  des  BFM  ist  angesichts  der  Anzahl,  aber  noch  viel  mehr  wegen  der  Qualität  der  belegten  Exiltätigkeiten  grundsätzlich  von  einer  qualifizierteren exilpolitischen Aktivität und Rolle des Beschwerdeführers  in der Schweiz auszugehen. Er war offensichtlich nicht einfach Mitläufer,  sondern spielte (beziehungsweise spielt) in exilpolitischen Kreisen seiner  Landsleute und bei der Vorbereitung und Durchführung solcher Aktionen  eine  führende  Rolle  –  wie  die  Fotos  belegen  ist  er  oft  inmitten  der  politischen  Führungsriege,  im  Zentrum  oder  an  der  Spitze  einer  Kundgebung  anzutreffen  –,  führte  oft  das Wort  und  trat  gegenüber  der  Presse  und  der  Öffentlichkeit  in  erkennbarer  und  in  der  Wortwahl  deutlicher  Weise  auf.  Der  Beschwerdeführer  war  zudem  mehrfach  Ansprechpartner  der  (eine  iranische  Oppositionspartei)  gegenüber  den  schweizerischen  Behörden  und  diverser  Kantone  im  Rahmen  verschiedener  Aktionen  gewesen. Die Kontakte  des Beschwerdeführers  zur  bekannten  (...)  und  zu  anderen  Exponenten  der  exiliranischen  Oppositionsbewegungen  sind  nachgewiesen  und  konnten  in  der  Öffentlichkeit  erkannt  werden.  Insbesondere  hat  sich  der 

E­4565/2008 Beschwerdeführer stark exponiert, als er im Rahmen der Mitorganisation  und der anschliessenden Demonstrationen  in Bern  (iranische Botschaft)  und  in Genf  (ILO) den  iranischen Behörden durch die Themenwahl und  seinen  Forderungskatalog  negativ  aufgefallen  sein  musste.  Seine  Forderungen  und  das  in  der  Öffentlichkeit  erfolgte  und  von  der  Presse  aufgegriffene  Anschwärzen  des  iranischen  Regimes  bei  den  internationalen  Organisationen  dürften  ihn  mitunter  als  hartnäckigen  Gegner  des  heutigen  iranischen  Machtapparats  erkennbar  gemacht  haben.  Als  delegierter  Gesprächsunterhändler  im  Rahmen  der  in  Genf  aufgetretenen  exiliranischen  Opposition  dürfte  er  mit  Leichtigkeit  identifizierbar  gewesen  sein. Bei  diesen Aktionen,  über welche auch  im  Fernsehen  berichtet  wurde,  traf  er  den  iranischen  Staat  in  einem  sensiblen  Bereich.  Es  ist  überwiegend  wahrscheinlich,  dass  der  Beschwerdeführer  iranischen  Spitzeln  bei  diesen  Aktionen  aufgefallen  und  von  ihnen  beobachtet  und  fichiert  worden  ist.  Die  offiziellen  iranischen  Kreise  dürften  über  die  nicht  unbedeutende  Rolle  und  die  Aktivitäten  des  Beschwerdeführers,  namentlich  bei  der  (eine  iranische  Oppositionspartei) in der Schweiz, im Bild sein. Da der Beschwerdeführer  über das Netzwerk exiliranischer Oppositionskreise und  ihre Kontakte  in  der  Schweiz  und  verschiedenen  europäischen  Ländern  Europas  eine  Vielzahl  von  exilpolitisch  aktiven  Landsleuten  mit  Führungsfunktionen  kennengelernt  haben  wird  und  über  Jahre  organisatorische  und  planerische  Aufgaben  ausgeführt  hat,  dürften  die  iranischen  Sicherheitsbehörden an einer Informationsgewinnung durchaus Interesse  haben.  Als  im  erwähnten  Ausmass  exilpolitisch  tätige  Führungsperson  der  iranischen Exilszene hätte der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr  in  sein  Heimatland  mit  hoher  Wahrscheinlichkeit  damit  zu  rechnen,  bereits  bei  der  Einreise  einem  Verhör  unterzogen  und  in  der  Folge  inhaftiert zu werden. Hinsichtlich der zu erwartenden Verhöre und seiner  Behandlung  während  der  Untersuchungen  und  der  Inhaftierung  ist  aufgrund  der  dem  Gericht  in  anderen  Fällen  bekannt  gewordenen  Handlungsweisen  der  iranischen  Staates  und  seiner  Organe  mit  erheblicher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass seitens der iranischen  Sicherheitsbehörden  Menschenrechtsverletzungen  begangen  werden,  welche  die  Intensität  ernsthafter  Nachteile  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  erreichen. Somit hat der Beschwerdeführer eine objektiv nachvollziehbare  begründete Furcht, nach einer Rückkehr  in den  Iran verfolgt zu werden.  Angesichts  der  weitreichenden  Vollmachten  und  Macht  iranischer  Sicherheits­  und Geheimdienste  ist  auszuschliessen,  dass  er  in  seinem 

E­4565/2008 Heimatland  an  einem  Ort  ausserhalb  seiner  Herkunftsprovinz  vor  Verfolgung  sicher  wäre,  so  dass  ihm  auch  keine  innerstaatliche  Fluchtalternative offen stehen dürfte. 5.2.  Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  aufgrund  seiner  exilpolitischen  Tätigkeit  zu  bejahen  ist. Von der Asylgewährung  ist  der Beschwerdeführer  indessen  in Anwendung von Art. 54 AsylG ausgeschlossen. 6.  Die  Ablehnung  des  Asylgesuchs  hat  in  der  Regel  die  Verfügung  der  Wegweisung aus der Schweiz zur Folge, es sei denn, die asylsuchende  Person  sei  im  Besitz  einer  gültigen  Aufenthalts­  oder  Niederlassungsbewiligung oder habe einen Anspruch darauf (Art. 44 Abs.  1 AsylG  sowie Art.  32 der Asylverordnung 1  vom 11. August  1999 über  Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311). Der Beschwerde ist nicht im Besitz einer entsprechenden Bewilligung und  hat  auch  keinen  Anspruch  darauf,  weshalb  die  Wegweisung  von  der  Vorinstanz zu Recht verfügt worden ist. 7.  Der Wegweisungsvollzug  ist  wegen Erfüllens  der  Flüchtlingseigenschaft  unzulässig (Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 25 Abs. 2 der Bundesverfassung der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR  101),  weshalb die angefochtene Verfügung in diesem Punkt aufzuheben ist.  8.  Die vorinstanzliche Verfügung ist auch im Kostenpunkt (Dispositiv­Ziffer 4)  aufzuheben.  Auch  wenn  das  BFM  das  Asylgesuch  zu  Recht  abgelehnt  hat,  ist  darin  nicht  ein  Teilunterliegen  zu  erkennen,  da  der  Beschwerdeführer  im  vorinstanzlichen  Verfahren  sich  auf  die  Beantragung  der  Erteilung  der  vorläufige  Aufnahme  als  Flüchtling  beschränkt  hat,  wozu  er  aufgrund  der  verfahrensrechtlichen  Vorgaben  nicht  anders  als  durch  die  Einreichung  eines  zweiten  Asylgesuchs  gelangen konnte  (vgl. Art. 18, Art.  32 Abs. 2 Bst.  e und Art.  54 AsylG).  Die überschiessende Antragstellung ist mithin systemimmanent und nicht  als Teilunterliegen zu qualifizieren. 9.  Die  Beschwerde  ist  bezüglich  der  Ziffern  1  (Verneinung  der  Flüchtlingseigenschaft),  4  (Gebühr  von  Fr.  600.–),  5  (Aufforderung  zum 

E­4565/2008 Verlassen  der  Schweiz)  und  6  (Auftrag  an  den  Wohnsitzkanton  zum  Vollzug  der  Wegweisung)  gutzuheissen  und  bezüglich  der  Ziffern  2  (Abweisung  des  Asylgesuchs)  und  3  (Anordnung  der  Wegweisung)  abzuweisen. Der Beschwerdeführer ist als Flüchtling zu anerkennen und  das  BFM  ist  anzuweisen,  ihn  als  solchen  vorläufig  aufzunehmen.  Das  BFM  ist  ferner  anzuweisen,  dem  Beschwerdeführer  die  für  die  Behandlung  des  zweiten  Asylgesuchs  erhobene  Gebühr  von  Fr.  600.–  zurückzuerstatten, sofern sie bezahlt worden ist. 10.  Praxisgemäss wären dem Beschwerdeführer aufgrund seines als hälftig  zu  bewertenden  Obsiegens  die  Hälfte  der  üblichen  Kosten  für  das  Beschwerdeverfahren  im  Umfang  von  Fr.  600.–  zu  auferlegen.  In  Anwendung von Art. 63 Abs. 1 Satz 3 VwVG wird ausnahmsweise auf die  Auferlegung  von  Verfahrenskosten  verzichtet.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG,  dessen  Behandlung  mit  Zwischenverfügung  vom  14.  Juli  2008  vom Bundesverwaltungsgericht auf einen späteren Zeitpunkt verschoben  worden ist, fällt damit als gegenstandslos dahin. 11.  Die  Beschwerdeinstanz  kann  gemäss  Art.  64  Abs.  1  VwVG  der  obsiegenden  Partei  von  Amtes  wegen  oder  auf  Begehren  eine  Entschädigung  für  die  ihm  erwachsenen,  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen  Kosten  zusprechen.  Der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  reichte  mit  Eingabe  vom  16.  August  2011  eine  Kostennote  ein,  mit  welcher  er  bei  einem  Zeitaufwand  von  15,65  Stunden, einem Stundenansatz von Fr. 200.– und unter Geltendmachung  von  Barlauslagen  in  der  Höhe  von  Fr.  265.40  und  dem  Mehrwertsteueranteil  (Mischansätze)  von Fr. 259.30 Aufwendungen von  Fr. 3654.70 geltend macht. Der  im einzelnen ausgewiesene Aufwand  ist  nachvollziehbar  und  erscheint  angemessen.  Dem  Beschwerdeführer  ist  somit  vom  BFM  eine  dem  hälftigen  Obsiegen  entsprechende  Parteientschädigung  von  Fr.  1827.35  (inklusive  Auslagen  und  Mehrwertsteueranteil) zu entrichten.  (Dispositiv nächste Seite)

E­4565/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen und die Ziffern 1, 4, 5 und 6  des  Dispositivs  der  Verfügung  des  BFM  vom  6. Juni  2008  werden  aufgehoben. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  die  Gebühr  im  Umfang  von  Fr.  600.–  für  den  Fall  der  erfolgten  Bezahlung  zurückzuerstatten. 3.  Der  Beschwerdeführer  wird  als  Flüchtling  anerkannt.  Das  BFM  wird  angewiesen, ihn als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 4.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 5.  Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  in  der  Höhe  von Fr. 1827.35 zu entrichten. 6.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Thomas Hardegger Versand:

E-4565/2008 — Bundesverwaltungsgericht 26.09.2011 E-4565/2008 — Swissrulings