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Bundesverwaltungsgericht 26.07.2011 E-4023/2011

26 luglio 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,172 parole·~6 min·3

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 11. Juli 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­4023/2011 Urteil   v om   2 6 .   Juli   2011 Besetzung Einzelrichter Bruno Huber, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;  Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea,   vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan,  Advokatur Kanonengasse,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 11. Juli 2011 / N _______.

E­4023/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest  dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  7.  Januar  2011  auf  ein  erstes  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  vom  14.  August  2010  gestützt  auf  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31) nicht eintrat und die Wegweisung nach Italien sowie den Vollzug  anordnete, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  die  gegen  diese  Verfügung  erhobene Beschwerde vom 28. Februar 2011 mit Urteil  vom 3. Februar  2011 abwies, dass  der  Beschwerdeführer  am  23.  März  2011  nach  Italien  überführt  wurde, dass  er  am  27.  März  2011  erneut  in  die  Schweiz  einreiste  und  am  28. März 2011 im (…) unter Einreichung einer Vorladung der Questura di  Roma vom 23. März 2011 ein zweites Asylgesuch stellte,  dass  am  3.  Mai  2011  im  (…)  eine  summarische  Befragung  des  Be­ schwerdeführers  stattfand  und  ihm dabei  das  rechtliche Gehör  zu  einer  mutmasslichen Zuständigkeit Italiens für das vorliegende Verfahren sowie  zu einer allfälligen Wegweisung dorthin gewährt wurde, dass  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  mit  als  "Gesuch  um  Wiedererwägung" bezeichneter Eingabe vom 9. Juni 2011 unter Beilage  einer  Vollmacht  des  Beschwerdeführers  die  Übernahme  des  Vertretungsmandats  anzeigte  und  beantragte,  die  Verfügung  vom  7.  Januar 2011 sei  in Wiedererwägung zu ziehen und auf das Asylgesuch  sei einzutreten, dass er zur Begründung ausführte, entgegen seinen bisherigen Angaben  habe er sich vor der erstmaligen Einreise  in die Schweiz am 14. August  2010  nicht  in  Italien,  sondern  in  Griechenland  aufgehalten,  wo  er  auch  registriert worden sei, dass  die  Zuständigkeit  Griechenlands  12  Monate  nach  seiner  illegalen  Einreise  in dieses Land erloschen sei und somit gemäss Art. 10 Abs. 2  der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  Asylantrags  zuständig  ist,  den 

E­4023/2011 ein Staatsangehöriger eines Drittlandes in einem Mitgliedstaat gestellt hat  (Dublin­II­VO), die Schweiz für sein Asylgesuch zuständig geworden sei, dass  eine  Zuständigkeit  Italiens  nicht  gegeben  sei,  da  der  Beschwerdeführer  sich  nur  wenige  Tage  in  diesem  Land  aufgehalten  habe, dass  der  Beschwerdeführer  zum  Beleg  dieser  Vorbringen  einen  Wegweisungsentscheid der griechischen Behörden vom 22. Januar 2010  in Kopie zu den Akten reichte, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  11.  Juli  2011  in  Anwendung  von  Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  nach  Italien  sowie  den  Vollzug  anordnete, dass  das  Bundesamt  den  Beschwerdeführer  aufforderte,  die  Schweiz  spätestens  am Tag  nach Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  den  Kanton  B._______  verpflichtete,  die  Wegweisungsverfügung  zu  vollziehen,  feststellte, eine allfällige Beschwerde gegen diese Verfügung  habe  keine  aufschiebende  Wirkung,  und  dem  Beschwerdeführer  die  editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte, dass  es  zur  Begründung  im  Wesentlichen  ausführte,  der  Beschwerdeführer  sei  am 23. März  2011  an  die  italienischen Behörden  überstellt worden,  nachdem diese die Zuständigkeit  für  die Prüfung des  Asylgesuchs  des  Beschwerdeführers  nach  Art.  10  Abs.  1  Dublin­II­VO  übernommen hätten,  dass  das  BFM  erneut  ein  Ersuchen  um  Übernahme  des  Beschwerdeführers an die italienischen Behörden gestellt habe, dass Italien innerhalb der festgelegten Frist nicht geantwortet habe, wes­ halb gestützt auf Art. 20 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­VO die Zuständigkeit  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  auf  Italien  übergegangen sei, dass  somit  Italien  gestützt  auf  das  Abkommen  vom  26. Oktober  2004  zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­Assoziierungsabkommen 

E­4023/2011 [DAA,  SR  0.142.392.68]),  auf  das  Übereinkommen  vom  17. Dezember  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft,  der  Republik  Island und dem Königreich Norwegen über die Umsetzung, Anwendung  und Entwicklung des Schengen­Besitzstands und über die Kriterien und  Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines  in  der  Schweiz,  in  Island  oder  in  Norwegen  gestellten  Asylantrags  (Übereinkommen  vom  17.  Dezember  2004,  SR 0.362.32)  sowie  in  Berücksichtigung  der  Dublin­II­VO  sowie  der  Verordnung  ([EG]  Nr.  1560/2003  der  Kommission  vom  2.  September  2003  mit  Durchführungsbestimmungen  zur  Dublin­II­VO  [Dublin­DVO])  für  die  Durchführung des Asylverfahrens zuständig sei, dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder  Verlängerung  der  Frist  –  bis  spätestens  am  20.  Dezember  2011  zu  erfolgen habe, dass  die  vom  Beschwerdeführer  in  der  Eingabe  vom  9.  Juni  2011  gemachten  Ausführungen,  welche  als  ergänzende  Stellungnahme  zum  vorliegenden  Asylverfahren  entgegengenommen  werde,  nicht  geeignet  seien, seine Rückführung nach Italien zu verhindern, dass  Italien bereits zweimal die Zuständigkeit  für das Asylbegehren des  Beschwerdeführers  übernommen  habe  und  es  Sache  der  italienischen  Behörden  gewesen  wäre,  auf  eine  allenfalls  fehlende  Zuständigkeit  hinzuweisen, dass die neu erhobene Behauptung des Beschwerdeführers, sich vor der  ersten  Einreise  in  die  Schweiz  nicht  in  Italien  aufgehalten  zu  haben,  seinen früheren Angaben widerspreche und jeder Grundlage entbehre,  dass keine Hinweise auf eine mögliche Verletzung des Non­Refoulement­ Gebots  oder  von  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101)  im  Falle  einer  Rückführung  des  Beschwerdeführers  nach  Italien  bestehen  und weder die dort herrschende Situation noch andere Gründe gegen die  Zumutbarkeit der Wegweisung in diesen Staat sprechen würden, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  18. Juli  2011  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob  und  dabei  im  Wesentlichen  beantragte,  diese  sei  vollumfänglich  aufzuheben  und  es  sei  die  Zuständigkeit  der 

E­4023/2011 schweizerischen  Asylbehörden  für  die  Durchführung  des  vorliegenden  Asylverfahrens festzustellen, dass er in formeller Hinsicht beantragte, der Vollzug der Wegweisung sei  auszusetzen,  und  die  zuständige  Fremdenpolizeibehörde  sei  anzuweisen, von allfälligen Vollzugsmassnahmen einstweilen abzusehen, dass  er  des  weiteren  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  der  Verbeiständung  gemäss  Art.  65  Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG,     SR 172.021) sowie um Verzicht auf die  Erhebung eines Kostenvorschusses ersuchte, dass  auf  die Beschwerdebegründung  –  soweit  entscheidwesentlich  –  in  den Erwägungen eingegangen wird, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  22.  Juli  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  die  Beschwerde  frist­  und  formgerecht  eingereicht  wurde,  der  Beschwerdeführer am Verfahren vor dem BFM teilgenommen hat, durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung hat und daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art.  108  Abs.  2  AsylG  sowie Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52  VwVG), weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist,

E­4023/2011 dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  respektive  einer  zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2  AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  auf  einen  Schriftenwechsel  verzichtet wurde, dass  die  angefochtene  Verfügung  des  BFM  vom  11.  Juli  2011  an  den  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  adressiert  wurde,  aufgrund  der  Aktenlage  aber  nicht  nachzuweisen  ist,  ob  sie  tatsächlich  diesem  zugestellt  oder  aber  − wie  in  der  Beschwerdeschrift  gerügt  wird  −  dem  Beschwerdeführer persönlich eröffnet wurde, dass in letzterem Fall eine fehlerhafte Eröffnung vorliegen würde, da der  Rechtsvertreter des Beschwerdeführers sich bereits mit Eingabe an das  BFM vom 9. Juni 2011 als Bevollmächtigter ausgewiesen hat, dass  indessen  eine  allenfalls  fehlerhafte  Eröffnung  als  durch  die  Kenntnisnahme der angefochtenen Verfügung durch den Rechtsvertreter  prozessual  geheilt  zu  betrachten  ist,  zumal  der  beschwerdeführenden  Partei  dadurch  offensichtlich  kein  Nachteil  erwachsen  ist  und  in  der  Beschwerdeeingabe  keine  erneute  Eröffnung  der  Verfügung  der  Vorinstanz beantragt wird, dass im vorliegenden Beschwerdeverfahren deshalb einzig zu prüfen ist,  ob das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch  des Beschwerdeführers zu Recht nicht eingetreten ist und infolgedessen  die Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat,  dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer  selbständigen  materiellen  Prüfung  enthält,  die  angefochtene  Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zur  neuen  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.),

E­4023/2011 dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs jedoch  materiell  geprüft  hat,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  grundsätzlich  volle  Kognition  zukommt,  wobei  sich  diese  Fragen  –  namentlich  diejenigen  hinsichtlich  des  Bestehens  von  Vollzugshindernissen  (Durchführbarkeit  der  Überstellung  an  den  zuständigen  Staat)  –  in  den  Dublin­Verfahren  bereits  vor  Erlass  des  Nichteintretensentscheids stellen, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  –  nachdem  die  italienischen  Behörden  auf  die  Rückübernahmebegehren der Schweiz vom 20. September 2010 und 19.  Mai 2011 innert Frist nicht antworteten – gemäss Art. 18 Abs. 7 Dublin­II­ VO  davon  auszugehen  ist,  dass  sie  dem  Gesuch  stillschweigend  stattgegeben haben, dass die italienischen Behörden mit Eintritt der Verfristung ex lege für das  Asylgesuch des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dublin­II­ VO  zuständig  geworden  sind,  unabhängig  davon,  ob  die  Zuständigkeit  gemäss  den  Kriterien  des  dritten  Kapitels  der  Dublin­Verordnung  tatsächlich  gegeben  war  (vgl.  CHRISTIAN  FILZWIESER/ANDREA  SPRUNG,  Dublin­II­Verordnung, 3., überarb. Aufl., Wien/Graz 2010, K16 zu Art. 18;  MATHIAS HERMANN, Das Dublin System, Zürich/Basel/Genf 2008, S. 140),  dass  von  einem  Verstoss  gegen  Treu  und  Glauben  durch  die  Übernahmegesuche an Italien nicht die Rede sein kann, da diese auf den  Angaben des Beschwerdeführers zu seinem Reiseweg beruhten, und es  Sache  der  italienischen  Behörden  gewesen  wäre,  die  erforderlichen  Überprüfungen hinsichtlich ihrer Zuständigkeit vorzunehmen (Art. 18 Abs.  1 Dublin­II­VO), dass  nicht  davon  ausgegangen  werden  kann,  Italien  anerkenne  seine  Zuständigkeit nicht, zumal der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben  der  zu  den  Akten  gereichten  Vorladung  der  Questura  di  Roma  vom         23. März 2011 keine Folge leistete, dass bei dieser Sachlage die Frage der Glaubhaftigkeit der Behauptung  des Beschwerdeführers in seiner Eingabe vom 9. Juni 2011, er habe sich  entgegen seinen früheren Angaben vor der ersten Einreise in die Schweiz 

E­4023/2011 nicht  in  Italien,  sondern  in  Griechenland  aufgehalten,  offengelassen  werden kann,  dass  im  Weiteren  für  eine  Zuständigkeit  der  Schweiz  für  das  Asylbegehren  des  Beschwerdeführers  gestützt  auf  Art.  10  oder  Art.  13  Dublin­II­VO keine Grundlage besteht,  dass  die  Humanitäre  Klausel  (Art.  15  Abs.  1  Dublin­II­VO)  vorliegend  nicht anwendbar ist, dass nämlich diese Bestimmung nur dann zur Anwendung kommt, wenn  sich  der  Gesuchsteller  nicht  in  dem  Staat  aufhält,  der  sich  aus  humanitären  Erwägungen  zuständig  erklären  könnte,  humanitäre  Erwägungen aber dafür sprechen, das Asylverfahren im gemäss Art. 6 –  14 Dublin­II­VO nicht zuständigen Staat durchzuführen, dass  in  diesem  Fall  jener  Mitgliedstaat  auf  Ersuchen  eines  anderen  Mitgliedstaats den Asylantrag der betroffenen Person prüft, dass demnach die Vorinstanz zu Recht nicht vom Selbsteintrittsrecht aus  humanitären  Gründen  gemäss  Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO  Gebrauch  gemacht hat, dass  Italien  unter  anderem Signatarstaat  des Abkommens  vom 28.  Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30),  der  EMRK und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter  oder  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist, dass  keine  Hinweise  dafür  bestehen,  wonach  Italien  sich  nicht  an  die  massgebenden  völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot oder die einschlägigen Normen der EMRK, halten  würde,  dass aufgrund der Aktenlage  insbesondere nicht davon auszugehen  ist,  Italien  werde  den  Beschwerdeführer  in  Verletzung  der  vorgenannten  völkerrechtlichen Abkommen in sein Heimatland zurückschaffen, dass  insgesamt  keine  schwerwiegenden  humanitären Gründe  im  Sinne  von  Art.  29a  Abs.  3  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  zu  erkennen  sind,  die  einer  Überstellung  des  Beschwerdeführers  nach  Italien  entgegenstehen  und 

E­4023/2011 aus diesem Grunde einen Selbsteintritt als angezeigt erscheinen  lassen  würden, dass das BFM nach dem Gesagten zu Recht  in Anwendung von Art. 34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten ist, dass sich die Frage nach der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in  Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht unter dem Aspekt von  Art. 83 Abs. 1 und 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]) stellt, sondern vor  der  Prüfung  des  Nichteintretens  im  Rahmen  der  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  (Art.  3  Dublin­II­VO)  oder  gegebenenfalls  –  wenn  sich Familienmitglieder  in verschiedenen Dublin­Mitgliedstaaten befinden  und  zusammengeführt  werden  sollen  –  bei  der  Ausübung  der  sogenannten Humanitären Klausel (Art. 15 Dublin­II­VO), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  der  Beschwerdeführer  nicht  darzutun  vermag,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen ist  (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist,  dass mit dem Entscheid  in der Hauptsache ohne vorgängige  Instruktion  die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  hinfällig  werden, dass  die  mit  der  Beschwerde  gestellten  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  der  Verbeiständung  gemäss  Art.  65  Abs.  1  und  2  VwVG  unbesehen  der  behaupteten  Bedürftigkeit  (eine  entsprechende Bestätigung  liegt  der Beschwerde  nicht  bei)  abzuweisen  sind,  da  die  Begehren  –  wie  sich  aus  den  vorstehenden  Erwägungen  ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen waren,  dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG).

E­4023/2011 (Dispositiv nächste Seite)

E­4023/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die Gesuche  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  und  der  Verbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG werden abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.−  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführers, das BFM und das Amt für  Migration des Kantons B._______. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Nicholas Swain Versand:

E-4023/2011 — Bundesverwaltungsgericht 26.07.2011 E-4023/2011 — Swissrulings