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Bundesverwaltungsgericht 19.01.2012 D-6272/2009

19 gennaio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,956 parole·~15 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. August 2009

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­6272/2009 Urteil   v om   1 9 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richterin Contessina Theis,  Richter Bendicht Tellenbach; Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 28. August 2009 / N (…).

D­6272/2009 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer – ein sri­lankischer Staatsangehöriger  tamilischer  Ethnie – suchte am 4. Mai 2008 in der Schweiz um Asyl nach.  A.a  Zur  Begründung  brachte  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Erstbefragung  im  Transitzentrum  (heute:  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum) B._______ vom 2. Juni 2008 und der Anhörung nach  Art. 29  Abs. 1  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  durch das BFM vom 3. April  2009  im Wesentlichen vor,  er  stamme aus  C._______, habe aber von 1982 bis 1983 als (Beruf)  im D._______ und  von 1989 bis 2004 als (Beruf) in E._______ gearbeitet und sich nach der  Rückkehr nach Sri Lanka im Jahr 2004 in F._______ niedergelassen. Er  habe sein Heimatland am 2. Dezember 2007 wegen Problemen mit  der  Armee,  den  "Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam"  (LTTE)  und  Anhängern  der "Eelam People's Democratic Party" (EPDP) verlassen. Zu Beginn des  Jahres 2005 hätten zwei Angehörige der LTTE von ihm verlangt, dass er  sie  entweder  finanziell  unterstütze  oder  eines  seiner  Kinder  zu  ihnen  schicke. Als er sich geweigert habe, hätten sie ihre Forderung wiederholt,  seien danach aber weggegangen. Seit dem 15. Februar 2005 habe er als  (Beruf) für G._______ gearbeitet. Da das betreffende G._______­Büro in  C._______  gewesen  sei,  habe  er  seither  in  H._______/C._______  gewohnt,  während  seine  Frau  und  seine  Kinder  weiterhin  im  Haus  der  Familie  in F._______ gelebt hätten. Er sei alle drei bis vier Monate von  C._______ nach I._______ geflogen und von dort aus mit dem Zug nach  F._______ gefahren, um seine Familie  zu besuchen. Bei der Ausübung  seines Berufs – (…) – habe er Angst vor der Armee gehabt. Die Soldaten  hätten  ihn  bei  Kontrollstellen  öfters  nicht  durchfahren  lassen,  obwohl  G._______­Fahrzeuge weder von der Armee noch von den LTTE hätten  kontrolliert werden dürfen. Erst wenn er in Begleitung einer weisshäutigen  Person  aus  dem  G._______­Büro  zurückgekehrt  sei,  habe  er  die  Checkpoints  passieren  können.  Die  Soldaten  seien  wütend  gewesen,  wenn er weisse G._______­Mitarbeiter  zu Hilfe geholt  habe, und hätten  ihn  deshalb  beschimpft  und  seine  Adresse  notiert.  Wenn  er  alleine  unterwegs  gewesen  sei,  hätten  ihn  Armeeangehörige  auch  manchmal  aufgefordert, sie von einem Camp zu einem anderen zu  fahren. Da  ihm  aufgrund einer Weisung der G._______ untersagt gewesen sei, Armee­  oder  LTTE­Angehörige  mitzunehmen,  habe  er  sich  jeweils  geweigert,  worauf  die Soldaten  die Autonummer  und  seine Adresse  notiert  hätten.  Die  Armee  habe  Zivilisten  auch  zur  Überlassung  privater  Fahrzeuge 

D­6272/2009 aufgefordert. Sein Motorrad, das die Soldaten auch verlangt hätten, habe  er  nicht  abgegeben,  da  er  es  für  den  Arbeitsweg  gebraucht  habe.  Er  wisse  von  einer  Person,  die  erschossen  worden  sei,  weil  sie  sich  geweigert  habe,  ihr  Privatfahrzeug  abzugeben.  Seine  Frau  sei  zudem  öfters  von  Soldaten  belästigt  worden,  die  in  einem  Camp  gegenüber  ihrem  Haus  in  F._______  stationiert  gewesen  seien.  Nachdem  er  dies  dem G._______­Büro in F._______ gemeldet habe, habe ein Angestellter  des Büros regelmässig bei seiner Frau vorbeigeschaut. Seither sei sie in  Ruhe gelassen worden. Wegen der Kämpfe zwischen der Armee und den  LTTE in F._______ habe er seine Frau und die Kinder  im Februar 2007  nach  J._______  gebracht.  Seither  lebten  sie  in  K._______  in  einem  gemieteten  Haus.  Er  sei  nach  ein  paar  Wochen  nach  Sri  Lanka  zurückgekehrt,  um  seine  Arbeit  bei  G._______  wieder  aufzunehmen.  Seine Frau sei noch zwei oder drei Mal – letztmals im November 2007 –  nach F._______ gekommen. Dort hätten sie immer wieder Probleme mit  einem Nachbarn gehabt. Dieser gehöre der EPDP an und habe gewusst,  dass er (der Beschwerdeführer) in E._______ gut verdient habe. Anfangs  November 2007, als sich seine Frau  letztmals  in F._______ aufgehalten  habe, seien zwei EPDP­Anhänger zu ihrem Haus gekommen und hätten  verlangt, dass er sich bei  ihnen melde. Am 10. November 2007 habe er  sich  im  Camp  der  EPDP  in  F._______  gemeldet.  Er  sei  aufgefordert  worden, einen Geldbetrag zu  leisten. Als er gesagt habe, dass er dafür  erst sein Haus verkaufen müsste, sei er bedroht worden. In der Folge sei  er mit seiner Frau nach I._______ gereist und habe sie nach J._______  zurückgeschickt.  Als  ihm  ein  (Verwandter)  telefonisch  mitgeteilt  habe,  dass sich erneut zwei EPDP­Anhänger nach ihm erkundigt hätten, sei er  am  2. Dezember  2007  mit  seinem  eigenen  Pass  aus  Sri  Lanka  ausgereist. Von I._______ sei er via L._______, M._______, N._______  und O._______ am 30. April 2008 nach P._______ gelangt, von wo aus  er  nach  Q._______  weitergeflogen  sei.  Die  (…)  Behörden  hätten  ihm  jedoch  die  Einreise  verweigert  und  ihn  am  1. Mai  2008  in  die  Schweiz  zurückgeschoben. In Sri Lanka lebten noch vier Geschwister: ein Bruder  und  eine  Schwester  in  der  Nähe  von  F._______,  eine  Schwester  in  R._______  und  eine  Schwester  in  H._______.  Zudem  wohne  eine  (Verwandte)  in  I._______. Er habe sie manchmal besucht, wenn er sich  beruflich  in  I._______  aufgehalten,  oder  seinen  Urlaub  dort  verbracht  habe.  Seit  seiner  Ausreise  habe  er  keinen  Kontakt  mehr  mit  seinen  Verwandten im Heimatland. Die beiden Häuser, die sie besessen hätten,  habe  seine  Ehefrau  dem Schlepper  als  Entgelt  überschrieben.  Er  habe  zudem gesundheitliche Beschwerden; er leide an (…). 

D­6272/2009 A.b Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten  des rechtserheblichen Sachverhalts wird auf die Protokolle bei den Akten  verwiesen (vgl. Akten Vorinstanz A1 und A10).  B.  B.a  Mit  Verfügung  vom  28. August  2009  –  eröffnet  am  1. September  2009  –  stellte  das  BFM  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfülle.  Es  lehnte  das  Asylgesuch  ab  und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug an.  B.b  Zur  Begründung  führte  das  BFM  im  Wesentlichen  aus,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hielten  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. Die Aufforderung  zweier  LTTE­Angehöriger  anfangs  2005,  sie  finanziell  zu  unterstützen  oder ein Kind zur Organisation zu schicken, könne nicht als unmittelbarer  Anlass  für  die  erst  im  Dezember  2007  erfolgte  Ausreise  des  Beschwerdeführers  gewertet  werden.  Es  habe  sich  dabei  um  ein  einzelnes  Vorkommnis  gehandelt,  in  dessen  Folge  ihm  keine  weiteren  Nachteile erwachsen seien. Dieses Vorbringen sei deshalb asylrechtlich  unbeachtlich.  Auch  die  Schwierigkeiten  beim  Passieren  militärischer  Checkpoints  vermöchten  die  Wahrscheinlichkeit  einer  asylrelevanten  Bedrohung nicht  hinlänglich  zu begründen. Der Beschwerdeführer  habe  seit  anfangs  2005  von  C._______  nach  I._______  beziehungsweise  F._______ fahren können und es sei ihm abgesehen von den genannten  Schwierigkeiten  nie  etwas  passiert.  Gemäss  eigenen  Angaben  sei  er  einigermassen  sicher  gewesen,  solange  er  bei  G._______  gearbeitet  habe. Auch seine Frau sei nach der Intervention der G._______ von den  Soldaten,  die  sie  belästigt  hätten,  in  Ruhe  gelassen  worden.  Der  Beschwerdeführer  habe  zudem  regelmässig  nach  I._______  fliegen  können, um zu seiner Frau nach F._______ zu gelangen. Hätte  ihm die  Armee  misstraut,  wäre  dies  sicher  nicht  der  Fall  gewesen.  Es  sei  ihm  auch möglich gewesen, seine Familie nach J._______ zu begleiten und  wieder  nach  Sri  Lanka  zurückzukehren.  Seine  Furcht  vor  künftigen  asylrelevanten Nachteilen seitens der Armee sei daher unbegründet,  so  dass  auch  dieses  Vorbringen  asylrechtlich  irrelevant  sei.  Bezüglich  der  vorgebrachten Probleme mit EPDP­Anhängern sei festzustellen, dass der  sri­lankische  Staat  grundsätzlich  gewillt  sei,  Schutz  vor  Verfolgung  seitens Dritter zu gewähren. Es lägen keine Hinweise vor, dass der Staat  diese Taten aus asylrelevanten Gründen gefördert oder ein Einschreiten  willkürlich unterlassen hätte. Es ergäben sich auch keine Anhaltspunkte 

D­6272/2009 dafür,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  um  staatlichen  Schutz  bemüht  hätte, der ihm verweigert worden wäre. Die Angst des Beschwerdeführers  vor  zukünftigen  Behelligungen  sei  zwar  subjektiv  nachvollziehbar,  aber  aus  objektiver  Sicht  unbegründet,  so  dass  auch  diese  Vorbringen  asylrechtlich  unbeachtlich  seien.  Schliesslich  könne  sich  der  Beschwerdeführer  den  lokal  oder  regional  beschränkten  Verfolgungsmassnahmen  durch  einen  Wegzug  in  einen  anderen  Landesteil  –  beispielsweise  nach  Colombo  oder  in  den  Süden  des  Landes  –  entziehen,  so  dass  er  nicht  auf  den  Schutz  der  Schweiz  angewiesen  sei.  Es  sei  nicht  davon  auszugehen,  dass  er  eine  landesweite  Verfolgung  zu  befürchten  hätte,  zumal  er  nicht  das  Profil  einer  Person  mit  exponierter  politischer  oder  militärischer  Stellung  besitze. Bei offensichtlich fehlender Asylrelevanz könne darauf verzichtet  werden,  auf  die  Unglaubhaftigkeitselemente  in  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  einzugehen.  Er  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  weshalb  das  Asylgesuch  abzulehnen  und  die  Wegweisung  anzuordnen  sei.  Der  Wegweisungsvollzug  sei  zulässig,  zumutbar  und  möglich. Der Krieg zwischen der sri­lankischen Regierung und den LTTE  sei im Mai 2009 zu Ende gegangen. Da der dem Bürgerkrieg zu Grunde  liegende  Konflikt  aber  vorerst  ungelöst  bleibe  und  sich  die  Sicherheits­  und  Menschenrechtslage  im  Norden  und  Osten  des  Landes  nicht  massgeblich  verändert  habe,  sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den  Norden  Sri  Lankas  nicht  zumutbar.  Gestützt  auf  die  Niederlassungsfreiheit  könne  er  jedoch  in  einem  anderen  Landesteil – beispielsweise im Grossraum Colombo – Wohnsitz nehmen.  Zwar gebe es auch dort strenge Sicherheitskontrollen, aber es sei davon  auszugehen, dass sich die Sicherheitslage  in dieser Region stabilisieren  und  verbessern  werde.  Insgesamt  bestehe  im  Süden  und  Westen  des  Landes  keine Situation  allgemeiner Gewalt  im Sinne  von Art. 83 Abs. 4  des Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR 142.20),  so  dass  der  Wegweisungsvollzug  dorthin  nicht  generell  als  unzumutbar  zu  bezeichnen  sei.  Dem  Beschwerdeführer  sei  eine  Wohnsitznahme  in  I._______  auch  zuzumuten. Er sei berufs­ und ferienhalber öfters dort gewesen und habe  seine (Verwandte) besucht. Es sei deshalb davon auszugehen, dass er in  I._______ über ein soziales Beziehungsnetz verfüge und sich angesichts  seiner beruflichen Erfahrungen eine Existenz aufbauen könne.  C.  C.a Mit Eingabe vom 1. Oktober 2009 erhob der Beschwerdeführer beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und ersuchte um Aufhebung der 

D­6272/2009 vorinstanzlichen  Verfügung  und  um  Gewährung  des  Asyls,  eventualiter  um Feststellung  der Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  und  um  Gewährung  der  vorläufigen Aufnahme.  In  formeller Hinsicht  ersuchte  er  zudem  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses,  wobei  er  diesbezüglich  eine  Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung vom 15. September 2009 einreichte. C.b Zur Begründung brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor,  er  sei  als  tamilischer  Mitarbeiter  der  G._______  von  der  Armee  verdächtigt  worden,  für  die  LTTE  Waren  zu  schmuggeln  und  Informationen  zu  verbreiten.  Durch  die  Weigerung,  das  G._______­ Fahrzeug an den Checkpoints durchsuchen zu lassen, habe er den Zorn  der Armee auf sich gezogen. Er fürchte sich vor den Armeeangehörigen,  die seine Adresse und ID­Nummer notiert hätten. G._______­Mitarbeiter  hätten auch nach Beendigung des Krieges einen schweren Stand, da sie  als LTTE­freundlich gälten. Einige seiner Vorgesetzten seien erschossen  oder  gefangen genommen worden,  ohne dass die G._______  zu deren  Befreiung  habe  beitragen  können.  Nebst  den  Problemen  bei  den  Checkpoints sei er im Zusammenhang mit einem Angriff in C._______ im  Jahr  2006  von der Armee beschuldigt worden,  der  LTTE Zugang durch  sein Haus gewährt und dadurch deren Angriff auf die Armee unterstützt  zu  haben.  Nach  diesem  Vorfall  sei  er  eingeschüchtert  und  bedroht  worden. Hinsichtlich der geltend gemachten Verfolgung durch die EPDP  treffe es zwar zu, dass es sich zunächst um einen Nachbarschaftsstreit  und somit um eine private Angelegenheit gehandelt habe. Als er im Camp  der  EPDP  auf  viele  Anhänger  getroffen  sei,  die  die  Aufforderung  zur  Geldzahlung  mit  Todesdrohungen  unterstrichen  und  ihm  ein  Ultimatum  gestellt hätten, habe sich die Sachlage jedoch geändert. Da er das Geld  selbst bei einem Hausverkauf nicht hätte aufbringen können, habe er aus  F._______  flüchten  müssen.  Die  Intensität,  mit  der  die  Geldzahlung  verlangt  worden  sei,  und  die Drohungen  für  den  Fall  der  Nichterfüllung  der  Forderung  würden  zeigen,  dass  es  sich  nicht  mehr  um  nachbarschaftliche  Streitigkeiten,  sondern  um  kriminelle  Handlungen  einer  Organisation  gehandelt  habe.  Bei  seiner  Flucht  habe  er  Haus,  Grundstück und alle Vermögenswerte  zurückgelassen und auch die gut  bezahlte  Stelle  bei  G._______  verloren;  es  sei  ihm  gekündigt  worden,  nachdem  er  aufgrund  der  Fluchtvorbereitungen  nicht  mehr  zur  Arbeit  erschienen  sei.  Viele  Tamilen,  die  sich  geweigert  hätten,  Zahlungen  an  die  EPDP  zu  leisten,  seien  erschossen  worden.  Er  habe  deshalb 

D­6272/2009 begründete  Furcht,  in  Sri  Lanka  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  zu  sein.  Der  Wegweisungsvollzug  sei  nicht  zumutbar.  Obwohl  der  Bürgerkrieg  im  Mai  2009  zu  Ende  gegangen  sei,  habe  sich  die  Sicherheitslage im Raum Colombo nicht gebessert. Es bestehe dort mehr  denn je eine Situation allgemeiner Gewalt. Tamilen aus dem Norden oder  Osten des Landes seien stark gefährdet, der Zugehörigkeit zu den LTTE  verdächtigt  und  gegebenenfalls  in  ein  Internierungslager  verbracht  zu  werden.  Für  ihn  erhöhe  sich  diese  Gefahr  zusätzlich,  da  verschiedene  Familienmitglieder  Verbindungen  zu  den  LTTE  gehabt  hätten,  u.a.  (Aufzählung). Zwar habe er sich im Jahr 2005 geweigert, einen Sohn zu  den  LTTE  zu  schicken,  jedoch  hätten  seine  Kinder  häufig  Freunde mit  Verbindungen zu den LTTE eingeladen, wodurch der Eindruck einer den  LTTE  gegenüber  freundlich  gesinnten  Familie  entstanden  sei.  Er  befürchte,  dass  seine  Verwandten  durch  Folter  zu  falschen  Geständnissen  gezwungen  worden  seien,  die  ihn  bei  einer  Rückkehr  zusätzlich  belasten  würden.  Es  bestehe  die  Gefahr,  dass  er  nach  der  Kontrolle  am  Flughafen  in  Colombo  oder  bei  einem  Checkpoint  in  der  Umgebung  entführt  oder  sogar  aussergerichtlich  hingerichtet  würde.  Entgegen  der  Auffassung  des  BFM  verfüge  er  in  I._______  über  kein  tragfähiges Beziehungsnetz und auch keine realistische Aussicht auf eine  gesicherte  Einkommens­  und  Wohnsituation,  so  dass  keine  innerstaatliche  Aufenthaltsalternative  gegeben  sei.  Die  beruflichen  Aufenthalte in I._______ seien jeweils nur von kurzer Dauer gewesen und  er habe dabei nie Kontakte knüpfen können, zumal er kein Singhalesisch  spreche  und  Tamilen  generell  auf  Misstrauen  stossen  würden.  Seine  (Verwandte)  habe  er  zwar  öfters  besucht,  wenn  er  geschäftlich  dort  gewesen sei, er habe  jedoch davon abgesehen, bei  ihr zu übernachten,  wenn  ihn  seine  Frau  begleitet  habe. Mit  seiner  Frau  habe  er  jeweils  in  einer  Lodge  übernachtet,  ohne  Kontakte  nach  aussen.  Bei  einer  Wohnsitznahme  in  I._______  würde  er  nicht  mehr  umhinkommen,  sich  bei  den  Behörden  anzumelden.  Da  er  nicht  nur  vom  Militär  als  LTTE­ Sympathisant  gesucht  werde,  sondern  auch  von  der  EPDP  verfolgt  werde, dürfte die (Verwandte) kaum mehr bereit sein,  ihn aufzunehmen,  so  dass  er  gänzlich  auf  sich  allein  gestellt  wäre.  Trotz  der  langjährigen  Berufserfahrung als (…) könne bei den gegenwärtigen Verhältnissen und  seinem fortgeschrittenen Alter nicht angenommen werden, dass  ihm der  Aufbau  einer  neuen  Existenz  in  I._______  möglich  sei.  Eine  Neuanstellung  bei  G._______  sei  auszuschliessen,  zumal  er  ohne  Absprache mit dem Arbeitgeber nicht mehr zur Arbeit erschienen sei. 

D­6272/2009 D.  Mit Zwischenverfügung vom 8. Oktober 2009 stellte der Instruktionsrichter  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  könne.  Den  Entscheid  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  verwies  er  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  und  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  E.  In seiner Vernehmlassung vom 24. November 2011 beantragte das BFM  die Abweisung der Beschwerde. Diese enthalte keine neuen erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel,  die  eine  Änderung  seines  Standpunkts  rechtfertigen  könnten.  Der  Beschwerdeführer  stamme  aus  C._______  und  habe  die  drei  letzten  Jahre  vor  der  Ausreise  aus  Sri  Lanka  in  H._______  gewohnt.  Im  Zeitpunkt  des  Erlasses  der  angefochtenen  Verfügung  sei  der Wegweisungsvollzug  in  den Norden Sri  Lankas nicht  zumutbar  gewesen.  Am  27. Oktober  2011  habe  das  Bundesverwaltungsgericht  die  in  Sri  Lanka  herrschende  Situation  neu  analysiert und die vom BFM per 1. März 2011 eingeleitete Anpassung der  Wegweisungspraxis  bestätigt.  So  erachte  auch  das  Gericht  den  Wegweisungsvollzug für aus der Nordprovinz stammende Personen – mit  Ausnahme  des  Vanni­Gebiets  –  als  grundsätzlich  zumutbar,  wobei  bei  Personen, deren letzter Aufenthalt dort vor Beendigung des Bürgerkriegs  datiere,  begünstigende  Faktoren  (Beziehungsnetz,  konkrete  Möglichkeiten  der  Sicherung  des  Existenzminimums  und  der  Wohnsituation)  vorliegen  müssten.  Der  Beschwerdeführer  verfüge  im  Norden Sri Lankas über ein Beziehungsnetz. Er habe in F._______ einen  Bruder und eine Schwester und in C._______ eine weitere Schwester.  F.  In seiner Replik vom 12. Dezember 2011 brachte der Beschwerdeführer  im Wesentlichen vor, er verfüge in Sri Lanka weder über ein tragfähiges  Beziehungsnetz  noch  über  eine  gesicherte Wohnsituation.  Er  habe  bei  der  Erstbefragung  zwar  erwähnt,  dass  vier  (nicht  drei,  wie  vom  BFM  angeführt)  Geschwister  in  Sri  Lanka  leben  würden,  jedoch  auch  festgehalten, dass er mit seinen Verwandten keinen Kontakt mehr habe.  Die  einzige  Person  in  Sri  Lanka,  zu  der  er  sporadischen  telefonischen  Kontakt pflege, sei seine Schwester in R._______. Diese sei mittlerweile  Witwe  und  lebe  mit  ihren  (…)  Kindern  in  prekären  Verhältnissen.  Ansonsten habe er – abgesehen von seiner Ehefrau und seinen Kindern  – keinen  Kontakt  zu  Angehörigen  oder  Verwandten.  Durch  den 

D­6272/2009 fünfzehnjährigen  Aufenthalt  in  E._______  habe  er  sich  von  seinen  Geschwistern  entfremdet  und  es  erstaune  deshalb  nicht,  dass  er  den  Kontakt  schon  seit  langem  nicht  mehr  gesucht  habe.  Bezeichnenderweise  habe  das  BFM  in  der  Vernehmlassung  darauf  verzichtet, auf die gemäss Rechtsprechung notwendigen begünstigenden  Faktoren einzugehen. Solche seien nicht vorhanden. Zudem sei er in Sri  Lanka  nach  wie  vor  gefährdet.  Ihm  würden  Racheaktionen  von  Armeeangehörigen  und  von  Privaten  sowie  Erpressungen  seitens  paramilitärischer  Gruppierungen  drohen.  Er  habe  sich  während  der  Tätigkeit  als  (…)  bei  den  Sicherheitskräften  zahlreiche  Feinde  geschaffen. Er sei um seinen Wohlstand beneidet worden und die EPDP  habe  versucht,  ihn  zu  erpressen,  was  ihn  schlussendlich  zur  Flucht  bewogen  habe.  Das  Bundesverwaltungsgericht  habe  in  seinem  Grundsatzurteil  vom 27. Oktober 2011 anerkannt, dass der sri­lankische  Staat  wohlhabenden  Tamilen  keinen  Schutz  vor  Erpressung  und  Entführung  gewähre.  Er  gehöre  zu  dieser  Risikogruppe.  Er  habe  in  Sri  Lanka  zwei  Häuser  (auf  einem  Grundstück)  und  drei  Fahrzeuge  besessen  und  über  ein  beträchtliches  Vermögen  und  einen  überdurchschnittlichen  Lohn  verfügt.  Auch  wenn  er  die  Häuser  dem  Schlepper  überschrieben  habe,  zähle  er  in  den  Augen  der  Armee  und  Paramilitärs  nach  wie  vor  zu  den  Wohlhabenden.  Die  Probleme  mit  diesen  hätten  an  allen Aufenthaltsorten  bestanden,  auch  in C._______.  G._______  habe  ihn  zwar  weitgehend  vor  den  Übergriffen  durch  Armeeangehörige  schützen können,  in Bezug auf die Erpressung durch  die EPDP habe er indes nicht auf diesen Schutz zählen können, weshalb  er  das  Land  verlassen  habe.  Heute  könne  er  auch  in  Bezug  auf  Armeeangehörige nicht mehr  vom Schutz der G._______ profitieren,  so  dass  er  Racheaktionen  schutzlos  ausgeliefert  wäre.  Insbesondere  drei  Armeeangehörige,  die  wegen  ihrem  Verhalten  ihm  gegenüber  auf  Intervention  der G._______  hin  von  ihren Vorgesetzten  bestraft  worden  seien, dürften sich an ihm rächen wollen.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 

D­6272/2009 Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer  hat  am  vorinstanzlichen  Verfahren  teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 108  Abs. 1  AsylG  sowie  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1  und  Art. 52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist  somit  einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, indem sie zuletzt  wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer  bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit  sowie  Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den  frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).  3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 

D­6272/2009 auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG).  Entscheidend  ist,  ob  eine  Gesamtwürdigung  der  Vorbringen  ergibt,  dass  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Gesuchstellers  sprechen,  überwiegen  oder  nicht  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr. 1  E. 5  S. 4  ff.). 4.  4.1.  Das  BFM  erachtete  die  geltend  gemachten  Ausreisegründe  des  Beschwerdeführers als den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  nicht  genügend.  Dieser  Einschätzung  ist  beizupflichten. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann vorab auf die  nicht zu beanstandenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung  verwiesen  werden.  Den  Rechtsmitteleingaben  sind  diesbezüglich  keine  stichhaltigen  Entgegnungen  zu  entnehmen,  die  geeignet  wären,  eine  Änderung  der  angefochtenen  Verfügung  hinsichtlich  der  Flüchtlingseigenschaft und des Asyls herbeizuführen.  4.2. Der Beschwerdeführer machte  geltend,  Sri  Lanka  am 2. Dezember  2007  wegen  Problemen mit  den  LTTE,  der  Armee  und  Anhängern  der  EPDP verlassen zu haben.  4.2.1. Massgeblich  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  nach  Art. 3  AsylG  ist  die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheids,  wobei  erlittene Verfolgung oder begründete Furcht vor Verfolgung  im Zeitpunkt  der  Ausreise  aus  dem  Heimatland  ein  Hinweis  auf  weiterbestehende  Gefährdung  sein  kann  (vgl.  BVGE  2008/4  Nr. 5.4  mit  weiteren  Hinweisen). Für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft muss zudem  zwischen  den  geltend  gemachten  Verfolgungsmassnahmen  und  der  Ausreise  aus  dem  Heimatland  ein  sowohl  in  zeitlicher  als  auch  in  sachlicher  Hinsicht  enger  Zusammenhang  bestehen  (vgl.  EMARK  1999  Nr. 7, EMARK 2000 Nr. 2 und EMARK 2003 Nr. 8). Diese Anforderungen  sind  hinsichtlich  der  vorgebrachten  Probleme  mit  den  LTTE  –  der  Beschwerdeführer  sei  anfangs  2005  von  zwei  LTTE­Angehörigen  aufgefordert  worden,  sie  finanziell  zu  unterstützen  oder  eines  seiner  Kinder  zu  den  LTTE  zu  schicken  –  nicht  erfüllt.  Das  BFM  hat  diesbezüglich  zutreffend  festgestellt,  dass  zwischen  diesem  singulären  Vorkommnis  und  der  erst  im  Dezember  2007  erfolgten  Ausreise  des  Beschwerdeführers  aus  Sri  Lanka  kein  zeitlich  und  sachlich  enger  Zusammenhang  gegeben  ist.  Im Übrigen  kann  eine  heutige  Verfolgung 

D­6272/2009 durch  die  LTTE  ausgeschlossen  werden,  nachdem  diese  im  gesamten  Land  als  zerschlagen  gelten.  Dieses  Vorbringen  vermag  daher  die  Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht zu begründen.  4.2.2.  Die  geltend  gemachten  Probleme  mit  Armeeangehörigen  –  der  Beschwerdeführer habe als (…) beim Passieren militärischer Checkpoints  wiederholt  Schwierigkeiten  gehabt  und  seine  Ehefrau  sei  von  in  F._______  stationierten  Soldaten  belästigt  worden  –  vermögen  den  Anforderungen  an  eine  asylrechtlich  relevante Verfolgung  im Sinne  von  Art. 3 AsylG ebenfalls nicht zu genügen. Nach Lehre und Praxis ist für die  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  erforderlich,  dass  die  asylsuchende  Person  ernsthafte  Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat,  die  ihr  gezielt  zugefügt  worden  sind  (vgl.  EMARK  2005  Nr. 21). Die vorgebrachten Schikanen waren nicht von einer solch hohen  Intensität  und  es  lässt  sich  daraus  nicht  ableiten,  dass  dem  Beschwerdeführer  darüber  hinaus  mit  hoher  Wahrscheinlichkeit  asylrechtlich  relevante Nachteile  seitens der Armee gedroht  hätten. Der  Beschwerdeführer  konnte  die  Strecke  von  I._______  nach  C._______  von anfangs 2005 bis Ende 2007 befahren, ohne dass ihm – abgesehen  von  den  genannten  Schwierigkeiten  beim  Passieren  der  Checkpoints –  etwas passiert ist. Er konnte auch regelmässig per Flugzeug und Zug zu  seiner Familie  in F._______  reisen und auf dem Luftweg aus Sri Lanka  aus­ und wieder einreisen, ohne von der Armee in asylrechtlich relevanter  Weise behelligt worden zu sein. Die Belästigungen seiner Ehefrau haben  nach der Intervention der G._______ ebenfalls aufgehört. Im Übrigen hat  sich die Lage in Sri Lanka seit der Beendigung des Bürgerkriegs im Mai  2009  wesentlich  verändert  und  es  ist  nicht  anzunehmen,  dass  der  Beschwerdeführer mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit  noch  im heutigen  Zeitpunkt – mehr als vier Jahre nach seiner Ausreise – auf seine Person  bezogene,  in  Zusammenhang  mit  der  vormaligen  Tätigkeit  als  (…)  stehende,  asylrechtlich  relevante  Verfolgungsmassnahmen  von  Seiten  Armeeangehöriger  befürchten  müsste.  Den  Akten  lassen  sich  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  entnehmen,  dass  er,  der  sich  in  seinem  Heimatland nicht politisch betätigt habe, im heutigen Zeitpunkt vom Militär  beziehungsweise  den  Sicherheitskräften  als  politisch  oppositionell  wahrgenommen respektive als LTTE­Sympathisant gesucht würde, auch  wenn  seine  Kinder,  die  seit  Februar  2007  in  J._______  leben,  früher  gelegentlich Freunde mit Verbindungen zu den LTTE eingeladen hätten.  4.2.3. Der geltend gemachte Erpressungsversuch seitens privater Dritter  – der  Beschwerdeführer  sei  von  EPDP­Anhängern  im  November  2007 

D­6272/2009 zur  Zahlung  eines Geldbetrages  aufgefordert  worden,  da  er  um  seinen  Wohlstand  beneidet  worden  sei,  von  dem  sein  Nachbar  in  F._______  (ebenfalls  ein  EPDP­Angehöriger)  Kenntnis  gehabt  habe  –  vermag  die  Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG ebenfalls nicht zu begründen.  Der Einwand des Beschwerdeführers in seiner Replik vom 12. Dezember  2011,  er  sei  zur  Risikogruppe  der  wohlhabenden  Tamilen  zu  zählen,  denen der sri­lankische Staat keinen genügenden Schutz vor Erpressung  oder  Entführung  gewähre,  vermag  nicht  zu  greifen.  Bei  dem  Erpressungsversuch  im  Jahr  2007  handelte  sich  um  eine  aus  einem  Nachbarschaftsstreit hinaus entstandene, in Bereicherungsabsicht – nicht  wegen  eines  politischen  Profils  des  Beschwerdeführers  –  begangene  gemeinrechtliche Straftat, bezüglich derer dem sri­lankischen Staat nicht  von vornherein jeglicher Schutzwille abgesprochen werden kann. Zudem  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  noch  im  heutigen  Zeitpunkt  als  reicher  Geschäftsmann  beziehungsweise  als  besonders  wohlhabende  Person  wahrgenommen  würde.  Er  habe  bei  seiner  Ausreise  alles  zurückgelassen  und  sei  nicht  mehr  im  Besitz  der  vormals nach aussen hin sichtbaren Zeichen des Wohlstands (die beiden  Häuser  in  F._______).  Bei  der  Einreise  in  die  Schweiz  verfügte  der  Beschwerdeführer  über  keinerlei  Barmittel  (vgl.  A1  S. 2).  Gemäss  der  Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung  vom  15. September  2009  ist  er  vielmehr  auf  die  Unterstützung  durch  die  öffentliche  Hand  angewiesen.  Mangels  Erwerbstätigkeit  dürfte  sich  dies  seither  nicht  geändert  haben.  Damit  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  er  heute  in  Sri  Lanka  wegen  offensichtlich erkennbaren Reichtums einem erhöhten Risiko unterliegen  würde, Opfer von Erpressungs­ oder Entführungsaktionen zu werden.  4.3.  Der  Beschwerdeführer  erfüllt  damit  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss Art. 3 AsylG nicht, weshalb das Bundesamt das Asylgesuch zu  Recht abgelehnt hat.  5.  Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz (Art. 44 Abs. 1  AsylG).  Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf  Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  daher  zu  Recht  angeordnet  (vgl.  BVGE 2009/50  E. 9  S. 733,  BVGE  2008/34  E. 9.2  S. 510).  6. 

D­6272/2009 6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Gemäss ständiger Rechtsprechung sind die genannten drei Bedingungen  für  einen  Verzicht  auf  den  Vollzug  der  Wegweisung  –  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit,  Unmöglichkeit  –  alternativer  Natur.  Sobald  eine  davon  erfüllt ist, ist der Vollzug als undurchführbar zu betrachten und die weitere  Anwesenheit  der  betroffenen  Person  in  der  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  zu  regeln  (vgl.  BVGE  2009/51  E. 5.4  S. 748).  Gegen  eine  allfällige  Aufhebung  dieser  vorläufigen  Aufnahme  steht  dem  weggewiesenen  Asylsuchenden  wiederum  die  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  offen  (Art. 112 AuG i.V.m. Art. 84 Abs. 2 AuG). In diesem Verfahren wäre dann  der  Wegweisungsvollzug  vor  dem  Hintergrund  sämtlicher  Vollzugshindernisse  von  Amtes  wegen  nach  Massgabe  der  in  diesem  Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse zu prüfen.  6.2. Gemäss Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  der Wegweisung  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  BVGE 2009/51 E. 5.5 S. 748, BVGE 2009/41 E. 7.1 S. 576  f.;  Botschaft  zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März  2002, BBl 2002 3818).  6.2.1. Das  Bundesverwaltungsgericht  nahm  im Urteil  BVGE  2008/2  zur  Frage  der  Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  nach Sri  Lanka  eine  Lageanalyse  vor.  Gemäss  der  damals  festgelegten  Praxis  war  der  Wegweisungsvollzug  in  die  Nordprovinz  (die  Distrikte  Kilinochchi,  Mannar, Vavuniya, Mullaitivu und Jaffna umfassend) und die Ostprovinz  (die  Distrikte  Trincomalee,  Batticaloa  und  Ampara  umfassend)  nicht  zumutbar. Bei abgewiesenen Asylsuchenden  tamilischer Ethnie, die aus  dem  Grossraum  Colombo  oder  dessen  Umgebung  stammten  und  dort  über Verwandte oder engere Bekannte verfügten, war grundsätzlich von  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  diese  Gebiete  auszugehen.  Bei  Tamilen  aus  den  Nord­  und  Ostprovinzen  setzte  die  Anerkennung einer  innerstaatlichen Aufenthaltsalternative  im Süden des 

D­6272/2009 Landes  das  Vorliegen  besonders  begünstigender  Faktoren  –  wie  die  Existenz  eines  tragfähigen  familiären  oder  sozialen  Beziehungsnetzes  und die Aussichten auf eine gesicherte Einkommens­ und Wohnsituation  – voraus (vgl. BVGE 2008/2 E. 7.6.1 und 7.6.2 S. 20 ff.).  6.2.2. Im zur Publikation bestimmten Urteil E­6220/2006 vom 27. Oktober  2011 hat das Bundesverwaltungsgericht angesichts der veränderten Lage  nach  dem  Ende  des  sri­lankischen  Bürgerkriegs  im  Mai  2009  eine  erneute  Beurteilung  vorgenommen.  Demzufolge  ist  seit  dem  Ende  des  bewaffneten Konflikts von einer erheblich verbesserten Menschenrechts­  und Sicherheitslage  auszugehen, wobei  sich  die Situation  nicht  in  allen  Landesteilen  gleich präsentiert.  In  das  sogenannte  "Vanni­Gebiet"  –  die  Distrikte  von  Kilinochchi  und  Mullaitivu  und  die  nördlichen  Teile  der  Distrikte  von Mannar  und  Vavuniya  sowie  einen  schmalen  Landstreifen  an der Ostküste des Jaffna­Distrikts südlich von Nagarkovil umfassend –  ist  eine  Rückkehr  aufgrund  der  weitgehend  zerstörten  Infrastruktur  und  der Verminung weiterhin unzumutbar.  In das übrige Staatsgebiet  ist  der  Wegweisungsvollzug  grundsätzlich  zumutbar,  wobei  bei  aus  der  Nordprovinz stammenden Personen – wie dem Beschwerdeführer – wie  folgt  zu  differenzieren  ist:  Für  Personen,  die  aus  der  Nordprovinz  stammen und dieses Gebiet erst nach Beendigung des Bürgerkrieges im  Mai 2009 verlassen haben,  ist  die Rückkehr als grundsätzlich  zumutbar  zu  beurteilen,  wenn  davon  ausgegangen  werden  kann,  dass  die  betreffende  Person  auf  die  gleiche  oder  gleichwertige  Lebens­  und  Wohnsituation  zurückgreifen  kann,  und  dem Wegweisungsvollzug  auch  anderweitig  nichts  entgegensteht.  Liegt  der  letzte  Aufenthalt  der  betreffenden  Person  in  der  Nordprovinz  indessen  längere  Zeit  zurück  oder  gehen  konkrete  Umstände  aus  den  Verfahrensakten  hervor,  dass  sich die Lebensumstände seit der Ausreise massgeblich verändert haben  könnten,  sind  die  aktuell  vorliegenden  Lebens­  und  Wohnverhältnisse  sorgfältig  abzuklären.  Liegen  keine  begünstigenden  Faktoren  wie  die  Existenz  eines  tragfähigen  Beziehungsnetzes  und  die  konkrete  Möglichkeit der Sicherung des Existenzminiums und der Wohnsituation in  der  Nordprovinz  vor,  ist  die  Zumutbarkeit  einer  innerstaatlichen  Aufenthaltsalternative im übrigen Staatsgebiet, namentlich im Grossraum  Colombo,  zu  prüfen  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­ 6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 13.2.1.2 – 13.3).  6.2.3. Der Beschwerdeführer stammt aus C._______ und liess sich nach  der  Rückkehr  aus  E._______  im  Jahr  2004  in  F._______  nieder.  F._______  und  C._______  liegen  in  der  Nordprovinz,  ausserhalb  des 

D­6272/2009 "Vanni­Gebiets".  Der  Beschwerdeführer  ist  anfangs  Dezember  2007 –  mithin  lange  vor  Beendigung  des  Bürgerkriegs  im  Mai  2009  –  aus  Sri  Lanka ausgereist. Eine Rückkehr in die Herkunftsprovinz ist für ihn somit  nur  zumutbar,  wenn  er  dort  nach  wie  vor  über  ein  tragfähiges  Beziehungsnetz,  die  konkrete  Möglichkeit  der  Sicherung  des  Existenzminimums und eine gesicherte Wohnsituation verfügt (vgl. Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­6220/2006  vom  27. Oktober  2011  E. 13.2.1.2). Solche begünstigenden Faktoren liegen vorliegend nicht vor.  Die Eltern des Beschwerdeführers sind verstorben und seine Ehefrau und  die  Kinder  haben  Sri  Lanka  bereits  im  Februar  2007  in  Richtung  J._______  verlassen,  wo  diese  offenbar  nicht  über  einen  geregelten  Aufenthaltsstatus verfügen und zu welchen der Beschwerdeführer heute  nur noch gelegentlich telefonischen Kontakt pflegt (vgl. A10 S. 4 F20 und  F28).  In Sri Lanka  leben noch vier Geschwister des Beschwerdeführers:  eine  Schwester  im  zum  "Vanni­Gebiet"  gehörenden  R._______,  ein  Bruder und eine Schwester in der Nähe von F._______ und eine weitere  Schwester  in  H._______.  Aufgrund  der  berufsbedingten  langen  Landesabwesenheit  des  Beschwerdeführers  von  1989 ­ 2004  sei  der  Kontakt  zu  seinen  Geschwistern  indes  schon  lange  nicht  mehr  eng  gewesen. Heute habe er nur noch sporadischen telefonischen Kontakt zu  einem der Geschwister, der Schwester  in R._______  im "Vanni­Gebiet",  die dort  zudem  in prekären Verhältnissen  lebe. Damit  kann nicht  davon  ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer im heutigen Zeitpunkt  in dem nicht  zum  "Vanni­Gebiet"  gehörenden Teil  der Nordprovinz über  ein  tragfähiges  familiäres  Beziehungsnetz  und  eine  gesicherte  Wohnsituation  verfügt,  zumal  er  nicht  mehr  im  Besitz  des  Hauses  in  F._______  sei.  Eine  Rückkehr  in  die  Nordprovinz  ist  dem  Beschwerdeführer deshalb gegenwärtig nicht zuzumuten. Damit bleibt zu  prüfen,  ob  ihm  eine  Wohnsitznahme  im  restlichen  Staatsgebiet,  namentlich  in  I._______, zuzumuten  ist. Dies  ist ebenfalls zu verneinen,  da  auch  in  I._______  nicht  vom  Vorliegen  begünstigender  Faktoren –  tragfähiges  Beziehungsnetz,  gesicherte  Wohnsituation,  konkrete  Möglichkeit  der  Existenzsicherung  –  ausgegangen  werden  kann.  Zwar  verfügt der Beschwerdeführer dort über eine (Verwandte), die er ab und  zu  besucht  habe,  jedoch  lassen  vereinzelte  Besuche  nicht  auf  ein  besonders  enges  und  nach  wie  vor  bestehendes  soziales  Netz  schliessen.  Der  Beschwerdeführer  habe  während  der  mittlerweile  mehr  als  vierjährigen  Landesabwesenheit  keinen  Kontakt  mehr  zu  seiner  (Verwandten) gepflegt. Zudem dürfte es ihm selbst bei einer anfänglichen  Aufnahme  durch  die  (Verwandte)  äusserst  schwer  fallen,  sich  in  I._______  eine  neue  Existenz  aufzubauen,  zumal  aufgrund  seines 

D­6272/2009 fortgeschrittenen Alters – er wird nächstens (…) Jahre alt – und fehlender  singhalesischer  Sprachkenntnisse  nicht  ohne  Weiteres  davon  ausgegangen werden  kann,  dass  er  in  der  Lage wäre,  innert  nützlicher  Frist wieder eine Anstellung zu finden. 6.3. Der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  erweist  sich  somit  zum  gegenwärtigen  Zeitpunkt  als  unzumutbar.  Die  Voraussetzungen  für  die  Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme  sind  erfüllt. Umstände  im Sinne von Art. 83 Abs. 7 AuG, die einer vorläufigen  Aufnahme  entgegenstehen  würden,  lassen  sich  den  Akten  nicht  entnehmen.  7.  Die  Beschwerde  ist  nach  dem Gesagten  insoweit  gutzuheissen,  als  sie  den Vollzug der Wegweisung betrifft. Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs  der Verfügung des BFM vom 28. August 2009 sind aufzuheben und die  Vorinstanz  ist anzuweisen, den Beschwerdeführer wegen gegenwärtiger  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  der  Schweiz  vorläufig  aufzunehmen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.  8.  Zufolge  Unterliegens  im  Asyl­  und  Wegweisungspunkt  geht  das  Bundesverwaltungsgericht  von  einem  hälftigen  Durchdringen  des  Beschwerdeführers aus.  Ihm wäre damit grundsätzlich ein entsprechend  ermässigter  Anteil  der  Verfahrenskosten  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Da  die  Beschwerde  jedoch  nicht  als  aussichtslos  betrachtet  werden  konnte  und  mangels  Erwerbstätigkeit  nach  wie  vor  von  der  Bedürftigkeit  des Beschwerdeführers auszugehen  ist,  ist  in Gutheissung  des in der Beschwerdeeingabe vom 1. Oktober 2009 gestellten Gesuchs  um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1  VwVG von der Kostenerhebung abzusehen.  9.  Dem  vertretenen  Beschwerdeführer  ist  angesichts  seines  teilweise  Obsiegens  in  Anwendung  von Art. 64  Abs. 1  VwVG  i.V.m.  Art. 7  Abs. 1  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 173.320.2)  eine  praxisgemäss  um  die  Hälfte  reduzierte  Entschädigung  für  die  ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten  zuzusprechen.  Eine  Kostennote  wurde  bisher  nicht  zu  den  Akten  gereicht.  Auf  das  Nachfordern  einer  solchen  kann  indes  verzichtet 

D­6272/2009 werden, da sich der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Akten  hinreichend zuverlässig abschätzen lässt (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Gestützt  auf die  in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren  (Art. 8­13 VGKE)  ist  dem Beschwerdeführer  zu  Lasten  der Vorinstanz  eine  um die Hälfte  reduzierte Parteientschädigung von insgesamt Fr. 800.– zuzusprechen.  (Dispositiv nächste Seite)

D­6272/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen,  soweit  sie  den  Vollzug  der  Wegweisung betrifft. Im Übrigen wird sie abgewiesen. 2.  Die Ziffern 4  und  5  des Dispositivs  der  vorinstanzlichen Verfügung  vom  28. August  2009  werden  aufgehoben.  Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführer  wegen  gegenwärtiger  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen.  3.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen.  4.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  5.  Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor  dem Bundesverwaltungsgericht eine  reduzierte Parteientschädigung von  Fr. 800.– auszurichten.  6.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Susanne Burgherr Versand:

D-6272/2009 — Bundesverwaltungsgericht 19.01.2012 D-6272/2009 — Swissrulings