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Bundesverwaltungsgericht 28.11.2011 D-6155/2011

28 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,604 parole·~8 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 18. Oktober 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­6155/2011  law/auj Urteil   v om   2 8 .   No v embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Walter Lang, mit Zustimmung von Richter Bruno Huber;  Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger. Parteien A._______, geboren am […],  dessen Ehefrau  B._______, geboren am […], und deren Töchter  C._______, geboren am […], D._______, geboren am […], Armenien,  […],   Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 18. Oktober 2011 / N […].

D­6155/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,  dass  die  beschwerdeführenden  Eltern  –  armenische  Staatsangehörige  aus Erevan – am 25. Dezember 2010 für sich und  ihre beiden Kinder  in  der Schweiz um Asyl nachsuchten,  dass  das  BFM  am  29. Dezember  2010  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Vallorbe  die  Personalien  der  Eltern  und  der  […]­jährigen Tochter erhob und sie zum Reiseweg sowie – summarisch –  zu den Asylgründen befragte,  dass  das Bundesamt  die  Beschwerdeführenden mit  Zwischenverfügung  vom 30. Dezember  2010  für  die Dauer  des Asylverfahrens  dem Kanton  X._______ zuwies, dass  das BFM  die  Eltern  und  die  […]­jährige  Tochter  am  24. Mai  2011  einlässlich zu den Asylgründen anhörte,  dass  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Asylgesuches  im  Wesentlichen vorbrachte, er sei als Mitarbeiter des […] in Erevan für die  Ausstellung von […] und […] zuständig gewesen,  dass  sein  Vorgesetzter  in  seiner  Abwesenheit  im  Jahr  2006  einem  einflussreichen  russischen  Geschäftsmann  armenischer  Herkunft  eigenmächtig einen […] ausgestellt habe,  dass  er  im Februar  2007  diesen Korruptionsfall  der  […]  gemeldet  habe  und  anschliessend  von  einem  […]  befragt worden  sei, worauf man  den  Vorgesetzten zum […] degradiert habe,  dass  er  in  der  Folge  von  Kumpanen  oder  Leibwächtern  des  Geschäftsmannes  wiederholt  telefonisch  und  mündlich  bedroht,  zum  Widerruf  seiner  Aussagen  aufgefordert  und  einmal  mit  Messerstichen  verletzt worden sei,  dass er während 18 Jahren an dieser Stelle gearbeitet habe und in zwei  Jahren in Rente hätte gehen können,  dass  der  degradierte  […]  im Oktober  2008 wieder  befördert worden  sei  und  ihn  an  den  […]  versetzt  und  zur  Kündigung  seiner  Arbeitsstelle  gedrängt habe, 

D­6155/2011 dass man  ihn täglich bedroht habe und er  in Angst zur Arbeit gegangen  sei,  dass  er  2008  beziehungsweise  im  März  2009  seine  Stelle  gekündigt  habe, jedoch auch nach der Kündigung bedroht worden sei,  dass der […] beziehungsweise der […] Probleme mit dem korrupten […]  gehabt  und  dafür  ihn,  den  Beschwerdeführer,  verantwortlich  gemacht  habe, und er zwischen dem […] auf der einen Seite und dem […] sowie  dem Geschäftsmann auf der anderen Seite gestanden sei,  dass  der  […]  ihn  vor  der  Ausreise  vier  Mal,  letztmals  im  Juli  2010,  vorgeladen habe, er diese Vorladungen jedoch jeweils ignoriert habe, um  sich  und  seine  Familie  nicht  durch  weitere  Aussagen  zu  kriminellen  Machenschaften beziehungsweise zur Korruption zu gefährden,  dass  die  Beschwerdeführenden  Armenien  schliesslich  am  9. Dezember  2010  verlassen  hätten,  zunächst  in  der  Absicht,  sich  in  Minsk  (Weissrussland) niederzulassen,  dass  der  Beschwerdeführer  dort  in  den  eineinhalb  Tagen  ihres  Aufenthaltes  erfahren  habe,  dass  die  Verfolger  Kenntnis  von  der  Anwesenheit der Familie  in Minsk erhalten hätten, und sie deshalb über  die Ukraine, Polen und Deutschland in die Schweiz weitergereist seien,  dass  seine  Ehefrau  und  die  Tochter  keine  eigenen  Asylgründe  geltend  machten  und  angaben,  ihren  Heimatstaat  wegen  der  Probleme  ihres  Ehemannes beziehungsweise Vaters verlassen zu haben,  dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  9. August  2011  –  eröffnet  am  11. August  2011  –  in  Anwendung  von  Art. 32  Abs. 2  Bst. a  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf die Asylgesuche  nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz verfügte und den Vollzug  der Wegweisung anordnete,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  die  gegen  diesen  Entscheid  am  17. August  2011  erhobene  Beschwerde  mit  Urteil  D­4531/2011  vom  3. Oktober  2011  gutgeheissen,  die  Verfügung  des  BFM  vom  9. August  2011  aufgehoben  und  die  Sache  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückgewiesen hat, 

D­6155/2011 dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  18. Oktober  2011  –  eröffnet  am  20. Oktober  2011  –  feststellte,  die  Beschwerdeführenden  würden  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllen,  die  Asylgesuche  ablehnte,  die  Wegweisung aus der Schweiz verfügte und den Vollzug der Wegweisung  anordnete,  dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  die  Ausführungen des Beschwerdeführers zu seiner angeblichen Gefährdung  liessen  Realkennzeichen  weitgehend  vermissen  und  seien  widersprüchlich,  realitätsfremd  sowie  in  wichtigen  Punkten  nachgeschoben  und  daher  unglaubhaft,  weshalb  ihre  asylrechtliche  Relevanz nicht geprüft werden müsse,  dass  der  Beschwerdeführer  widersprüchliche  Angaben  zu  den  ihn  bedrohenden Personen ([…] beziehungsweise Leibwächter des dubiosen  Geschäftsmannes)  zu  seiner Anzeige  (bei  […]  oder  der  […])  und deren  Konsequenzen  (sofortige  Degradierung  des  Vorgesetzten  respektive  Untätigkeit der Behörden wegen der Hochrangigkeit des betroffenen […])  sowie zum Zeitpunkt der Kündigung seiner Arbeitsstelle (2008 oder März  2009) gemacht habe,  dass der Beschwerdeführer an der Erstbefragung im EVZ die Person des  […] und dessen Rolle nicht erwähnt habe, obwohl er von diesem gemäss  seiner Aussage an der Anhörung angeblich vier Mal vorgeladen worden  sei und sich durch ihn bedroht gefühlt habe,  dass  er  im  EVZ  auch  nicht  erwähnt  habe,  dass  die  ihn  bedrohenden  Leibwächter ihn mit Messerstichen verletzt hätten,  dass  die  Beschwerdeführenden  ferner  bis  zu  ihrer  Ausreise  trotz  der  angeblich  täglich  drohenden  Übergriffe  und  der  behaupteten  Behelligungen  durch  die  staatlichen  Untersuchungsorgane  ohne  ersichtlichen  Grund  eineinhalb  Jahre  bis  zur  Ausreise  aus  Armenien  hätten  verstreichen  lassen  und  ein  solches  Verhalten  in  keiner  Weise  demjenigen  von  tatsächlich  verfolgten  Personen  entspreche  sowie  mit  dem geltend gemachten Ausmass der Übergriffe nicht zu vereinbaren sei,  dass  sie  während  dieser  Zeit  auch  keine  Anzeige  bei  den  staatlichen  Organen  erstattet  hätten,  obwohl  ihnen  die  Täterschaft  und  die  Hintergründe der Bedrohung bekannt gewesen seien, 

D­6155/2011 dass dem Beschwerdeführer angesichts der angeblichen Befürchtungen  und  der  beabsichtigten  Flucht  aus  Armenien  nicht  geglaubt  werden  könne, er habe in der Schule seiner Kinder sein beabsichtigtes Reiseziel  Minsk  erwähnt,  hätte  er  dadurch  doch  den  Fluchtort  unnötig  preisgegeben, wofür gar kein Grund bestanden habe,  dass  das  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  die  Leibwächter  des  dubiosen  Geschäftsmannes  hätten  ihn  durch  ihre  Drohungen  zum  Widerruf  seiner  Aussage  bewegen  wollen  und  damit  die  Ursachen  der  angeblichen Gefährdung  kaum  nachzuvollziehen  seien,  da  ein  späterer  Widerruf  der  bereits  aktenkundigen  Aussage  am  Ergebnis  der  durchgeführten Untersuchung gar nichts mehr hätte ändern können,  dass  schliesslich  die  Kündigung  der  Arbeitsstelle  asylrechtlich  nicht  relevant  sei,  habe  sie  doch  aufgrund  ihrer  Art  und  Intensität  keine  Zwangssituation begründet, welcher sich der Beschwerdeführer nur durch  Flucht ins Ausland hätte entziehen können, dass  die  Beschwerdeführenden  sodann  keine  Reisepapiere  eingereicht  hätten  und  deshalb  weder  das  genaue  Ausreisedatum  noch  die  tatsächliche Reiseroute feststünden,  dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  vom  11. November  2011  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhoben,  dass  aus  der  Beschwerdebegründung  hervorgeht,  dass  sie  an  der  geltend  gemachten  Gefährdung  in  ihrer  Heimat  festhalten  und  sinngemäss die Gewährung von Asyl beantragen,  und zieht in Erwägung,  dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  Beschwerde  führende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32]; 

D­6155/2011 Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  sind  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG  und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art.  111  Bst.  e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG)  dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die  in  ihrem Heimatstaat oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 AsylG),

D­6155/2011 dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält, dass  Vorbringen  insbesondere  dann  unglaubhaft  sind,  wenn  sie  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden, dass  der  Beschwerdeführer  gemäss  den  Befragungsprotokollen  den  Korruptionsfall  der  […]  gemeldet  hat  (vgl.  BFM­act.  A17/21  S. 8  Frage  75), und er fünf bis sechs Tage später durch einen […] zur Sache befragt  worden  ist  (vgl.  act.  A  17/21  S. 8  Fragen  78­80)  beziehungsweise  gegenüber  […]  eine  Aussage  gemacht  hat  (vgl.  act. A8/10  S. 5),  und  darin entgegen der Einschätzung der Vorinstanz keine Widersprüche zu  erkennen sind,  dass  auch  die  Aussage  des  BFM,  der  Beschwerdeführer  habe  sich  widersprüchlich  zu  den  ihn  bedrohenden  Personen  geäussert,  so  nicht  zutrifft,  hat  er doch bereits an der Befragung  im EVZ nicht  nur den  […]  erwähnt, sondern auch andere Personen (vgl. act. A8/10 S. 5 f.), wobei er  erst  an  der  Anhörung  präzisierte,  es  habe  sich  dabei  um  Leute  beziehungsweise  Leibwächter  des  Geschäftsmannes  gehandelt  (vgl.  act. A17/21 S. 8 Frage 82, S. 9 Frage 93),  dass  indessen  die  übrigen  Erwägungen  des  BFM  vollumfänglich  zu  bestätigen sind,  dass die Widersprüche  in  den Aussagen des Beschwerdeführers  in  der  Tat unauflösbar sind, wenn er an der Anhörung angibt, der Vorgesetzte  sei  nach  Bekanntwerden  des  Korruptionsfalles  umgehend  degradiert  worden  (vgl.  act.  A17/21  S. 8  Frage  78),  während  er  bei  der  Erstbefragung  im  EVZ  ausgesagt  hat,  die  Behörden  seien  untätig  geblieben,  da  es  sich  beim  korrupten  Beamten  um  eine  hochrangige  Person gehandelt habe (vgl. act. A8/10 S. 5),  dass  der  Auffassung  des  BFM  beizupflichten  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  auch  nicht  in  der  Lage  war,  den  Zeitpunkt  seiner  Kündigung widerspruchsfrei anzugeben,  dass  die  in  der  Beschwerde  erfolgende  Beschreibung  der  angeblichen  tätlichen Übergriffe auf den Beschwerdeführer mit einem Messer im Jahr 

D­6155/2011 2008  auf  offener  Strasse  –  "die  Unbekannten  hatten  sich  von  hinten  angeschlichen und durch meine Kleidung hindurch gestochen und dabei  Drohungen ausgesprochen"  (vgl. Seite  3  der Beschwerde)  –  konstruiert  wirkt und ausserdem in der Anhörung nicht von unbekannten Tätern die  Rede  war,  sondern  von  Leibwächtern  des  Geschäftsmannes  (vgl.  act. A17/21 S. 9 Frage 93),  dass  ferner  nicht  nachvollziehbar  ist,  dass  die  Beschwerdeführenden,  wären sie denn tatsächlich verfolgt gewesen, vor der Flucht ihre Kinder in  der  Schule  abgemeldet  und  den  zunächst  vorgesehenen  Zufluchtsort  Minsk (Weissrussland) bekanntgegeben hätten, dies auch nicht mit der in  der Beschwerde  (auf Seite  3)  nachgeschobenen Begründung,  sie  seien  verpflichtet gewesen, der Schule zu sagen, wo sie hinreisen würden, und  sie hätten erst im Nachhinein gemerkt, dass es ein Fehler gewesen sein  könnte, da die Verfolger so ihren Aufenthaltsort herausfinden könnten,  dass des Weiteren nicht nachvollziehbar  ist, dass der Beschwerdeführer  vier  angeblichen  Vorladungen  des  […]  keine  Folge  geleistet  (vgl.  act. A17/21  S. 16  Fragen  175­178),  dafür  aber  die  ihn  bedrohenden  Leibwächter  des  Geschäftsmannes  über  die  Vorladungen  informiert  haben  will,  anlässlich  derer  er  gegen  seinen  Vorgesetzten  und  den  Geschäftsmann  hätte  aussagen  sollen  (vgl.  act.  A17/21  S. 16  Fragen  171­173),  dass sich zudem die Darstellung in der Beschwerde, da die Verfolger den  Aufenthaltsort der Familie herausgefunden hätten, hätten sich ihre Pläne  bezüglich  des  Ziellandes  "im  Laufe  der  Zeit"  geändert,  nicht  mit  den  Angaben  des  Beschwerdeführers  anlässlich  der  Anhörung  vereinbaren  lässt,  wonach  die  Familie  bereits  nach  einem  eineinhalbtägigen  Aufenthalt  in  Minsk  in  Richtung  Schweiz  weitergereist  sei  (vgl.  act.  A17/21 S. 18 Frage 188),  dass vor diesem Hintergrund auch die für die verzögerte Ausreise in der  Beschwerde  abgegebene  Erklärung,  sie  hätten  erst  nach  eineinhalb  Jahren über die finanziellen Mittel für die kostspielige Reise verfügt, nicht  zu  überzeugen  vermag,  ist  aus den Akten  doch  zu  schliessen,  dass es  sich bei den Beschwerdeführenden um wohlhabende Leute handelt (vgl.  act. A8/10 S. 2, A17/21 S. 3 Fragen 17 ff.), für welche die Reise bis nach  Minsk,  ihrem  angeblich  ursprünglichen  Zielland,  ohne  Weiteres  erschwinglich gewesen wäre, 

D­6155/2011 dass  das  BFM  sodann  zutreffend  festgehalten  hat,  die  Ursachen  der  angeblichen  Gefährdung  seien  kaum  nachzuvollziehen,  war  der  Beschwerdeführer doch an der Anhörung nicht  in der Lage, hinreichend  detailliert und konkret anzugeben, inwiefern er auch nach der Kündigung  seiner Arbeitsstelle bedroht worden sei (vgl. act. A17/21 S. 14­16),  dass er sich stattdessen mit wenig ergiebigen Antworten begnügte, indem  er  beispielsweise  auf  die  Frage,  inwiefern  er  für  die  ihn  bedrohenden  Leute interessant gewesen sei, ausführte: "Ja, irgendeine Bedeutung hat  das  ja, dass sie mich bedrohen.  Ich muss  ja aus  irgendeinem Grund für  diese Leute wichtig sein." (vgl. act. A17/21 S. 15 Frage 160),  dass  sich  sodann  für  den  Einwand  in  der  Beschwerde,  es  sei  dem  Beschwerdeführer anlässlich der Befragungen "oft nicht gestattet worden  frei  zu erzählen"  (Beschwerde S. 3),  er  sei  häufig unterbrochen worden  und habe auf Fragen oft  kurz mit  "ja"  oder  "nein" antworten müssen,  in  den Akten keine Bestätigung findet,  dass  vielmehr  aus  dem  Anhörungsprotokoll  hervorgeht,  dass  der  Beschwerdeführer auf die zahlreich gestellten offenen Fragen auffallend  wenig  konkrete,  dafür  umso  zahlreichere  ausweichende Antworten  gab,  beispielsweise,  wenn  er  auf  die  Frage,  vor  wem  er  denn  Angst  habe,  entgegnete: "Ich habe Angst vor diesen Leuten. Ich will, dass diese Leute  mich vergessen, dass  ich nicht mehr existiere, es gibt mich nicht mehr."  (vgl. act. A17/21 S. 15 Frage 159), oder auf die Frage, was man von ihm  nach seiner Kündigung gewollt habe, antwortete: "Rufen, Fragen stellen,  mich in eine schlechte Position bringen, alles Mögliche." (vgl. act. A17/21  S. 14 Fragen 151 f.),  dass seine Vorbringen schliesslich auch deshalb unglaubhaft sind, weil er  sich  in  unauflösbare  Widersprüche  verstrickt,  indem  er  einerseits  zu  Protokoll gibt, der  […] kenne die Geschichte ganz genau und könne die  Sache  jederzeit ohne  ihn zum Abschluss bringen (vgl. act. A17/21 S. 14  Frage  150),  andererseits  aber  darauf  beharrt,  man  habe  ihn  mit  den  Drohungen zu einem Rückzug seiner Aussagen zwingen wollen (vgl. act.  A17/21 S. 14 Frage 153), auf Nachfrage hin aber nicht  in der Lage war,  zu präzisieren, welche Aussagen er denn hätte zurückziehen sollen (vgl.  act. A17/21 S. 14 Frage 156),  dass auch die in der Beschwerde vorgebrachten diffusen Befürchtungen,  die Beschwerdeführenden würden bei einer Rückkehr nach Armenien  in 

D­6155/2011 eine  bedrohliche  Lage  geraten,  weil  sich  die  Situation  in  keiner  Weise  verbessert  habe  und  die  genannten  Personen  noch  Macht  und  Kraft  besässen, um die Drohungen in die Tat umzusetzen, nicht geeignet sind,  zu einer anderen Einschätzung zu führen,  dass  es  den  Beschwerdeführenden  somit  nicht  gelingt,  die  Flüchtlingseigenschaft  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen,  weshalb  das  Bundesamt  das  Asylgesuch  zu  Recht  abgelehnt  hat, dass die Ablehnung eines Asylgesuchs in der Regel die Wegweisung aus  der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  zudem  kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E. 9  S. 733,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde,  dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 

D­6155/2011 (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und  auch  keine  Anhaltspunkte  für  eine  den  Beschwerdeführenden  in  Armenhien  drohende menschenrechtswidrige  Behandlung  im Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK, SR 0.101) ersichtlich sind,  dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass weder  die  allgemeine  Lage  in  Armenien  noch  individuelle Gründe  auf  eine  konkrete Gefährdung  der Beschwerdeführenden  im Falle  einer  Rückkehr  schliessen  lassen,  zumal  sich  aus  den  Akten  keine  Anhaltspunkte  ergeben,  die  darauf  schliessen  liessen,  sie  würden  im  Falle  der  Rückkehr  nach  Armenien  aus  sozialen,  wirtschaftlichen  oder  gesundheitlichen Gründen in eine existenzbedrohende Situation geraten, dass  es  sich  beim  beschwerdeführenden  Ehemann  und  Vater  gemäss  Aktenlage  um  einen  diplomierten  Ökonomen  und  wohlhabenden  Mann  mit  langjähriger Berufserfahrung handelt, der nach der Kündigung seiner  […]stelle als Grossist im Handel mit […] und […] tätig war (vgl. act. A8/10  S. 2) und daher  in der Lage sein wird,  für sich und seine Familie erneut  eine  wirtschaftliche  Lebensgrundlage  zu  schaffen,  so  dass  nicht  zu  befürchten  ist,  die  Beschwerdeführenden  würden  nach  einer  Rückkehr  nach Armenien in eine existenzbedrohende Situation geraten,

D­6155/2011 dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  nach  Armenien schliesslich möglich ist, da keine Vollzugshindernisse bestehen  (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es  ihnen obliegt, bei der Beschaffung gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und  dazu  auch  BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), dass es den Beschwerdeführenden demnach nicht gelungen ist darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzen,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellen  oder  unangemessen  sein  sollte  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.–  (Art. 1 ­ 3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1 VwVG).  (Dispositiv nächste Seite)

D­6155/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Jacqueline Augsburger Versand:

D-6155/2011 — Bundesverwaltungsgericht 28.11.2011 D-6155/2011 — Swissrulings