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Bundesverwaltungsgericht 16.12.2011 D-6106/2011

16 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,388 parole·~7 min·1

Riassunto

Wegweisung und Wegweisungsvollzug (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid) | Vollzug der Wegweisung (Wiedererwägung ); Verfügung des BFM vom 11. Oktober 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­6106/2011 Urteil   v om   1 6 .   D e z embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;   Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig. Parteien A._______, geboren (…), dessen Ehefrau B._______, geboren (…), alias C._______, geboren (…), und deren Kinder D._______, geboren (…) und E._______, geboren (…), Kongo (Kinshasa),  (…), Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), vormals Bundesamt für Flüchtlinge (BFF), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung (Wiedererwägung); Verfügung des BFM vom 11. Oktober 2011 / N _______.

D­6106/2011 Sachverhalt: A.  A.a.  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer  sein  Heimatland  am  28. Oktober  2001  und  reiste  via  ein  afrikanisches  Land  und  F._______  am  29.  Oktober  2001  illegal  in  die  Schweiz,  wo  er  am  folgenden Tag  im Empfangs­  und Verfahrenszentrum  (EVZ) G._______  ein  Asylgesuch  einreichte.  Die  Beschwerdeführerin  verliess  ihre Heimat  gemäss  eigenen  Angaben  am  12.  Februar  2007  und  gelangte  am  13.  Februar 2007 via H._______  illegal  in die Schweiz, wo sie gleichentags  im EVZ G._______ um Asyl nachsuchte. A.b. Mit Verfügungen vom 26. Februar 2003 und 14. März 2007 stellten  das  BFF  beziehungsweise  das  BFM  fest,  die  Beschwerdeführenden  erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnten deren Asylgesuche vom  30.  Oktober  2001  und  13.  Februar  2007  ab  und  ordneten  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den Wegweisungsvollzug  an.  Auf  die  gegen  die  Verfügung  vom  26.  Februar  2003  erhobene Beschwerde  trat die vormals zuständige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK)  mit Urteil vom 1. Mai 2003 nicht ein. Eine gegen die Verfügung vom 14.  März  2007  erhobene  Beschwerde  wies  das  Bundesverwaltungsgericht  mit Urteil  vom 11. Juli 2007 ab. Diese Verfügungen erwuchsen damit  in  Rechtskraft. A.c.  Mit  Verfügung  vom  29.  Mai  2009  wies  das  BFM  ein  erstes  Wiedererwägungsgesuch  der  Beschwerdeführenden  vom  14.  Mai  2009  ab, soweit es darauf eintrat. Auf die dagegen erhobene Beschwerde trat  das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 18. August 2009 nicht ein. B.  Mit  Eingabe  vom  19.  September  2011  ersuchten  die  Beschwerdeführenden  beim  BFM  sinngemäss  um  erneute  Wiedererwägung der Verfügungen  vom 26. Februar  2003 und 14. März  2007  im  Vollzugspunkt.  Zur  Begründung  machten  sie  im Wesentlichen  geltend,  ein  Wegweisungsvollzug  sei  zum  heutigen  Zeitpunkt  absolut  unzumutbar.  Namentlich  stelle  der  inzwischen  über  10  Jahre  dauernde  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  bereits  ein  starkes  Indiz  für  eine  fortgeschrittene  Integration  dar,  was  auch  dadurch  untermauert  werde,  dass  er  sich  im  Laufe  der  Zeit  bei  zahlreichen  humanitären  Projekten  beziehungsweise  Organisationen  ehrenamtlich  engagiert  habe.  Ausserdem  habe  er  eine  ihm  zugesicherte  Arbeitsstelle  in  Aussicht,  weshalb er dringend auf eine vorläufige Aufnahme angewiesen sei, umso 

D­6106/2011 mehr als die Beschwerdeführenden nicht nur des Französischen mächtig  seien,  sondern  auch  mit  den  hiesigen  Wertvorstellungen  und  Gepflogenheiten  vertraut  seien.  Ihnen,  ihrer  zweijährigen  Tochter  und  dem  neugeborenen  Sohn  würden  bei  einem  Wegweisungsvollzug  zweifellos grosse, unzumutbare Nachteile drohen. C.  Mit  Verfügung  vom  11.  Oktober  2011  wies  das  BFM  das  zweite  Wiedererwägungsgesuch der Beschwerdeführenden vom 19. September  2011  ab,  soweit  es  darauf  eintrat,  stellte  die  Rechtskraft  und  Vollstreckbarkeit  der  negativen  Asylentscheide  vom  26.  Februar  2003  und 14. März 2007  fest, erhob eine Gebühr von Fr. 600.­ und hielt  fest,  einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. D.  Mit Eingabe vom 9. November 2011 erhoben die Beschwerdeführenden  gegen  die  Verfügung  vom  11.  Oktober  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragten,  der  angefochtene Entscheid sei aufzuheben. Das BFM sei anzuweisen, sie in  der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Der Beschwerde sei aufschiebende  Wirkung zu erteilen und für das vorliegende Verfahren seien keine Kosten  zu erheben. Zur  Untermauerung  der  Vorbringen  wurden  folgende  bereits  dem  BFM  eingereichte Dokumente ins Recht gelegt: – Entscheid des Amts für (…), vom 30. September 2010 betreffend den  Beschwerdeführer, – Schreiben der (…), vom 5. Oktober 2010 an das Amt für (…), – Antwortschreiben der Sektion (…) an die (…) vom 12. Oktober 2010  und – Mitteilung  der  Sektion  (…)  an  die  Sektion  (…)  vom  16.  November  2010 betreffend den Beschwerdeführer Auf die Beschwerdebegründung wird – soweit entscheidrelevant – in den  Erwägungen eingegangen.

D­6106/2011 E.  Mit  Zwischenverfügung  vom  15.  November  2011  setzte  der  zuständige  Instruktionsrichter  den  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  aus,  wies  das  Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  ab  und  forderte  die  Beschwerdeführenden  unter  Hinweis  auf  die  Säumnisfolge  auf,  innert  Frist einen Kostenvorschuss von Fr. 1'200.­ zu leisten. F.  Der  Kostenvorschuss  wurde  am  29.  November  2011  fristgerecht  einbezahlt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Aus  diesen  Bestimmungen  geht  die  Zuständigkeit  des  Bundesverwaltungsgerichts  für  Beschwerden  gegen  Verfügungen  des  Bundesamts  betreffend  Wiedererwägungsgesuche  nicht  explizit  hervor.  Indes ergibt sie sich aus dem in Lehre und Praxis anerkannten Umstand,  wonach  gegen  negative  Entscheide  der  Vorinstanz  über  Wiedererwägungsgesuche grundsätzlich diejenigen Rechtsmittel ergriffen  werden können, welche gemäss Rechtsmittelordnung gegen die mit dem  Wiedererwägungsgesuch  angefochtene  Verfügung  offenstehen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  ARK  [EMARK]  2003  Nr. 7  E. 2  a.aa).

D­6106/2011 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teil­ genommen,  sind  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art.  37  VGG  i.V.m.  Art. 48  Abs. 1  und  Art. 52  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art.  111  Bst.  e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a Abs. 2 AsylG).  Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.  Die  Wiedererwägung  im  Verwaltungsverfahren  ist  ein  gesetzlich  nicht  geregelter  Rechtsbehelf,  auf  dessen  Behandlung  durch  die  verfügende  Behörde  grundsätzlich  kein  Anspruch  besteht.  Gemäss  herrschender  Lehre  und  ständiger Praxis  des Bundesgerichts wird  jedoch aus Art. 29  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101)  unter  bestimmten  Voraussetzungen  ein  verfassungsmässiger  Anspruch  auf  Wiedererwägung  abgeleitet  (vgl.  BGE 127 I 133 E. 6 S. 137 f. mit weiteren Hinweisen). Danach ist auf ein  Wiedererwägungsgesuch  einzutreten,  wenn  sich  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  seit  dem  ursprünglichen  Entscheid  beziehungsweise  seit  dem  Urteil  der  mit  Beschwerde  angerufenen  Rechtsmittelinstanz  in  wesentlicher  Weise  verändert  hat  und  mithin  die  ursprüngliche  (fehlerfreie)  Verfügung  an  nachträglich  eingetretene Veränderungen  der  Sachlage anzupassen ist (vgl. EMARK 2003 Nr. 7 E. 1 S. 42 f.).

D­6106/2011 5.  Das BFM hat  den Anspruch  der Beschwerdeführenden auf Behandlung  des  Wiedererwägungsgesuchs  nicht  in  Abrede  gestellt  und  ist  auf  das  Gesuch  ­  mit  Ausnahme  des  Antrags  auf  Wohnsitzverlegung  ­  eingetreten. Angesichts dessen, dass sich das Wiedererwägungsgesuch  beziehungsweise die vorliegende Beschwerde ausschliesslich gegen den  Vollzug  der  Wegweisung  richten,  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  in  casu  einzig  zu  prüfen,  ob  seit  Rechtskraft  der  ursprünglichen  vorinstanzlichen Verfügungen vom 26. Februar 2003 und 14. März 2007  eine  massgebende  Veränderung  der  Sachlage  besteht,  die  hinsichtlich  des  angeordneten  Wegweisungsvollzugs  zu  einem  anderen  Ergebnis  führen könnte. 6.  6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, SR 142.20]). 6.2. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung festgestellt, ist ­ unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG ­ die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002  3818). 6.3. Massgeblich  für die Beurteilung des rechtserheblichen Sachverhalts  bezüglich  Vollzug  der  Wegweisung  ist  die  Situation  im  Zeitpunkt  der  Urteilsfällung (vgl. EMARK 1997 Nr. 27 E. 4 f.). 7.  7.1.  Das  BFM  wies  das  Wiedererwägungsgesuch  der  Beschwerdeführenden vom 19. September 2011 im Wesentlichen mit der  Begründung ab, es bestünden keine Anzeichen dafür, dass sie bei einer  Rückkehr  in  ihr  Heimatland  auf  Lebensbedingungen  stossen  würden,  welche  gemessen  an  anderen  dort  lebenden  Familien  in  gesteigertem  Mass  in  Frage  gestellt  wären.  Es  seien  insbesondere  keine  Gründe 

D­6106/2011 ersichtlich, die einer konkreten Gefährdung  im Sinne von Art. 83 Abs. 4  AuG  gleichkämen  beziehungsweise  es  den  Beschwerdeführenden  unzumutbar  machten,  sich  wieder  in  die  in  der  Heimat  herrschenden  Lebensverhältnisse einzugliedern. Demnach sei festzuhalten, dass keine  Gründe  vorlägen,  welche  die  Rechtskraft  der  Verfügungen  vom  26.  Februar  2003  und  14.  März  2007  beseitigen  könnten.  Schliesslich  ergäben sich aus den Akten auch keine anderen Gründe, die gegen eine  Rückkehr  in  die  Demokratische  Republik  Kongo  sprechen  würden,  weshalb der Vollzug dorthin nach wie vor möglich und zumutbar sei. 7.2. Auf Beschwerdeebene wird zunächst in formeller Hinsicht gerügt, die  im vorinstanzlichen Verfahren beantragte Kostenlosigkeit des Verfahrens  sei vom BFM nicht geprüft worden, was einer Verletzung des rechtlichen  Gehörs gleichkomme und eine Aufhebung des angefochtenen Entscheids  rechtfertige. Was den Antrag auf Anordnung der  vorläufigen Aufnahme betrifft,  kann  zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  auf  die  sich  im  Wiedererwägungsgesuch  vom  19.  September  2011  findenden  identischen Ausführungen verwiesen werden. 7.3.  7.3.1. Wie  in  den  folgenden  Erwägungen  aufgezeigt  wird,  besteht  seit  Erlass  der  vorinstanzlichen  Verfügungen  vom  26.  Februar  2003  und 14.  März  2007  keine  zu  einem  Bleiberecht  in  der  Schweiz  führende,  wesentlich veränderte Sachlage, weshalb das BFM gestützt auf Art. 17b  Abs.  1 AsylG  zu Recht  eine Gebühr  erhoben  hat.  Ausserdem wurde  in  der  angefochtenen  Verfügung  dargelegt,  weshalb  eine  Gebühr  zu  erheben  sei  und  somit  die  beantragte  Kostenlosigkeit  implizit  abgewiesen.  Angesichts  dessen  liegt  entgegen  der  in  der  Beschwerde  vertretenen  Einschätzung  keine  Verletzung  des  rechtlichen Gehörs  vor,  so dass sich die entsprechende Rüge als unbegründet erweist und eine  Aufhebung  der  Verfügung  ausser  Betracht  fällt.  Es  liegt  auch  keine  Verletzung der Begründungspflicht vor, hat sich doch die Vorinstanz mit  allen  entscheidrelevanten  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  in  den  Erwägungen der angefochtenen Verfügung auseinandergesetzt. 7.3.2.  7.3.2.1 Gemäss  der  von  der  ARK  in  EMARK  2004  Nr. 33  entwickelten  und  vom  Bundesverwaltungsgericht  fortgeführten  Rechtsprechung  ist  eine Rückkehr in die Demokratische Republik Kongo zumutbar, wenn der 

D­6106/2011 letzte Wohnsitz der betroffenen Person die Hauptstadt Kinshasa gewesen  ist oder eine andere, über einen Flughafen verfügende Stadt  im Westen  des  Landes,  oder  wenn  die  Person  in  einer  dieser  Städte  über  ein  gefestigtes  Beziehungsnetz  verfügt  (vgl.  beispielsweise  Urteil  E­ 3459/2011 vom 26. Juli 2011, E. 11.2., S. 15). Hinsichtlich der Beschwerdeführerin  legte das Bundesverwaltungsgericht  bereits  im Urteil  E­2651/2007  vom 11.  Juli  2007  detailliert  dar, weshalb  der  von  der  Vorinstanz  verfügte  Wegweisungsvollzug  nach  Kongo  (Kinshasa)  zu  bestätigen  sei.  Dabei  wurde  namentlich  ausgeführt,  es  bestünden  keine  persönlichen  Gründe,  welche  einem  Wegweisungsvollzug  entgegenstehen  würden.  Die  Beschwerdeführerin  habe die Möglichkeit, sich  in Kinshasa wieder niederzulassen, zumal sie  dort  seit Mitte  des  Jahres 2005 bis  zur Ausreise bei  ihren Eltern gelebt  habe  und  als  Händlerin  über  ein  Beziehungsnetz  verfügen  sollte  (vgl.  a.a.O., S. 6). Der  Beschwerdeführer  lebte  eigenen  Angaben  zufolge  seit  dem  Jahr  1993 bis zur Ausreise in Kinshasa, während sich die Beschwerdeführerin  dort  seit  ihrer  Kindheit  bis  zur  Ausreise  aufgehalten  haben  will  (vgl.  Befragungsprotokoll  vom  5.  November  2001,  A1  S.  1;  Befragungsprotokoll vom 22. Februar 2007, B1 S. 1).  Angesichts dessen, dass sie mehrere Jahre in Kinshasa verbrachten, darf  auch  davon  ausgegangen  werden,  die  Beschwerdeführenden  könnten  dort auf ein tragfähiges Beziehungsnetz zurückgreifen, welches ihnen bei  einer Wiedereingliederung  eine  Stütze  sein  wird.  Ihr  Vorbringen,  in  der  Heimat  bestehe  kein  Beziehungsnetz  mehr,  vermag  nicht  zu  einer  anderen Beurteilung zu  führen, zumal diese Behauptung durch keinerlei  Beweismittel  belegt  ist.  Sie  gaben  anlässlich  der  Befragungen  vielmehr  an, verschiedene ihrer Familienangehörigen (Kinder, Eltern, Geschwister,  Halbgeschwister) lebten in der Heimat (vgl. A1 und B1 S. 3). 7.3.2.2  Den  Akten  ist  im  Übrigen  zu  entnehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  über  eine  solide  Schulbildung,  eine  Ausbildung  als  Elektriker,  mehrjährige  Berufserfahrung  und  Kenntnisse  des  Französischen  verfügt  (vgl.  A1  S.  2;  Anhörungsprotokoll  vom  21.  Mai  2002,  A6  S.  4).  Die  Beschwerdeführerin  ihrerseits  liess  sich  zur  Sekretärin  ausbilden,  war  im  Kleiderhandel  tätig  und  verfügt  über  Kenntnisse  des  Französischen  (vgl.  B1 S.  2).  Bei  dieser  Sachlage  ist  insgesamt  davon  auszugehen,  dass  es 

D­6106/2011 ihnen  gelingen  wird,  eine  Arbeitsstelle  zu  finden,  um  den  familiären  Unterhalt bestreiten zu können.  In diesem Zusammenhang muss darauf  hingewiesen  werden,  dass  blosse  soziale  und  wirtschaftliche  Schwierigkeiten,  von  denen  die  ansässige  Bevölkerung  im  Allgemeinen  betroffen  ist,  nach  der  Rechtsprechung  der  schweizerischen  Asylbehörden nicht genügen, um eine Gefahr im Sinne von Art. 83 Abs. 4  AuG darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2 S. 512 f., EMARK 2005  Nr.  24 E.  10.1 S.  215). Demnach gelingt  es  den Beschwerdeführenden  nicht,  aus  ihrer  Argumentation,  wonach  es  dem  Beschwerdeführer  aufgrund der sehr hohen Arbeitslosigkeit nicht möglich sein werde, seine  junge Familie zu ernähren, geschweige denn ihr ein sicheres Obdach zu  garantieren, etwas zu ihren Gunsten abzuleiten. 7.3.2.3 Bei den von der angefochtenen Verfügung ebenfalls betroffenen  Kindern  handelt  es  sich  um  Kleinkinder  im  Alter  von  bald  drei  Jahren  beziehungsweise  sechs  Monaten.  Erfahrungsgemäss  stehen  Kinder  in  diesem  Alter  in  einem  sehr  starken  Abhängigkeitsverhältnis  zu  ihren  Eltern,  weshalb  noch  nicht  von  einer  Entwurzelung  aus  einem  stabilen,  vertrauten  Umfeld  gesprochen werden  kann,  welche  die  Kinder  in  ihrer  weiteren  Entwicklung  stark  belasten  würde.  Eine  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  ist  somit  auch  unter  dem  Gesichtspunkt  des  Kindeswohls nicht zu beanstanden. 7.3.2.4 Schliesslich  ist  auch  das  unter  Hinweis  auf  Art.  96  Abs.  1  AuG  geltend  gemachte  Vorbringen,  der  inzwischen  über  10  Jahre  dauernde  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  stelle  ein  starkes  Indiz  für  eine  fortgeschrittene  Integration  dar,  als  unbehelflich  zu  qualifizieren,  zumal  diese Frage nicht  im Asylverfahren  zu prüfen  ist  (Art.  14 Abs.  2 AsylG)  und die Beschwerdeführenden die Schweiz bereits seit mehreren Jahren  hätten  verlassen  müssen  (vgl.  hinsichtlich  Beschwerdeführer:  neu  angesetzte  Ausreisefrist  per  30.  Juni  2003  [Schreiben  des  BFF  vom  5.  Mai 2003], hinsichtlich Beschwerdeführerin: neu angesetzte Ausreisefrist  per 10. August 2007 [Schreiben des BFM vom 13. Juli 2007, B18]). Aus  der  verweigerten Rückkehr  können  die  Beschwerdeführenden  nichts  zu  ihren Gunsten ableiten, ist doch ein solches Verhalten als missbräuchlich  zu  qualifizieren.  Vor  diesem  Hintergrund  sprechen  weder  die  dem  Beschwerdeführer angeblich zugesicherte Arbeitsstelle noch die geltend  gemachten  Kenntnisse  des  Französischen  und  die  Vertrautheit  mit  den  hiesigen Wertvorstellungen  gegen  eine  Rückführung.  Die  eingereichten  Beweismittel können demnach zu keinem anderen Resultat führen.

D­6106/2011 Dem  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  stehen  aufgrund  der  gegenwärtigen  Aktenlage  auch  sonst  keine  Hindernisse  entgegen. 7.3.3.  Nach  dem  Gesagten  ist  zusammenfassend  festzustellen,  dass  beim aktuellen Stand der Akten keine gegenüber der Situation bei Eintritt  der Rechtskraft  der  ursprünglichen Verfügungen  vom  26.  Februar  2003  und  14.  März  2007  entscheidrelevant  veränderte  Sachlage  vorliegt.  Infolgedessen  hat  das  BFM  das  Wiedererwägungsgesuch  der  Beschwerdeführenden  vom  19.  September  2011  zu  Recht  unter  Kostenauflage  abgewiesen.  Auf  die  weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerde  braucht  nicht  eingegangen  zu  werden,  da  diese  zu  keiner  anderen Einschätzung führen würden. 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen. 9.  Bei  diesem Ausgang  des Verfahrens  sind  die Kosten  den Beschwerde­ führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG), auf insgesamt Fr. 1'200.­  festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR  173.320.2])  und mit  dem  am  29.  November  2011  in  gleicher  Höhe  einbezahlten Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite)

D­6106/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die Verfahrenskosten von Fr. 1'200.­ werden den Beschwerdeführenden  auferlegt. Dieser Betrag wird mit dem am 29. November 2011 geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Fulvio Haefeli Karin Schnidrig Versand:

D-6106/2011 — Bundesverwaltungsgericht 16.12.2011 D-6106/2011 — Swissrulings