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Bundesverwaltungsgericht 14.11.2011 D-4411/2011

14 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,412 parole·~12 min·1

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch (Papierlosigkeit) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 5. August 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4411/2011 Urteil   v om   1 4 .   No v embe r   2011 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Gérard Scherrer,    Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. Parteien A._______, geboren am …, Sri Lanka,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 5. August 2011 / N … .

D­4411/2011 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer – ein Staatsangehöriger von Sri Lanka tamilischer  Ethnie  –  reichte  am  11.  Juli  2011  in  der  Schweiz  ein  Asylgesuch  ein,  worauf  er  vom  BFM  am  19. Juli  2011  summarisch  befragt  und  am  3.  August 2011 einlässlich zu seinen Gesuchsgründen angehört wurde.  Dabei  führte er zu seiner Person aus, er stamme ursprünglich aus dem  Dorf X._______ bei Y._______  (Nordprovinz),  er  habe  jedoch  seit  zirka  seinem  elften  Lebensjahr  (zirka  1996)  bei  seiner  Schwester  und  ihrem  Ehemann  in  Z._______  (Zentralprovinz)  gelebt,  wo  er  den  Rest  seiner  Schulzeit verbracht habe. Aufgrund des im Norden herrschenden Krieges  seien  damals  auch  seine  Eltern  nach  Z._______  gezogen,  die  Eltern  seien  jedoch  nach  vier  oder  fünf  Jahren  wieder  nach  Y._______  zurückgekehrt,  wo  sie  bis  heute  wohnhaft  seien.  Er  sei  in  Z._______  ordentlich  angemeldet  und  wahlberechtigt  gewesen.  Ab  2010  habe  er  seiner  Schwester  und  seinem  Schwager  in  deren  Geschäft  im  Lebensmittelgrosshandel  geholfen  und  im  Übrigen  sei  er  von  seinem  Vater  und  von  einem  seiner  in  Europa  lebenden  Brüder  unterstützt  worden.  Auf  die  Fragen  nach  seinen  weiteren  familiären  Verbindungen  gab er an, er habe  in London zwei ältere Brüder, welche beide über die  britische Staatsangehörigkeit verfügten, eine ältere Schwester halte sich  als  Flüchtling  in  Indien  auf  und  in  der  Schweiz  lebten  eine  ältere  Schwester und ein älterer Bruder, welche beide über die schweizerische  Staatsangehörigkeit verfügten.  Zur  Begründung  seines  Gesuches  machte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen geltend, er sei in der Vergangenheit an seinem Wohnort in  Z._______  von  seinem Cousin B._______ besucht worden, welcher  bei  der  LTTE  sei.  Nach  diesen  Besuchen,  respektive  erstmals  zu  Anfang  2006  sei  er  von  der  Polizei  zuhause  aufgesucht  oder  auf  der  Strasse  angehalten  und  nach  der  Person  seines Besuchers  befragt worden.  Zu  ihm  nach  Hause  sei  die  Polizei  dreimal  gekommen,  wobei  es  auch  zu  Hausdurchsuchungen  gekommen  sei.  Die  polizeilichen  Fragen  hätten  über  all  die  Jahre  angedauert,  obwohl  der  Krieg  vorbei  sei  und  er  von  seinem Cousin schon lange nichts mehr gehört habe. Am 5. Mai 2011 sei  er schliesslich in Z._______ von der Polizei auf offener Strasse verhaftet  und  aufgrund  der  in  seiner  Identitätskarte  verzeichneten  Herkunft  aus  dem Norden  nach Y._______  gebracht  worden.  Bei  dieser Gelegenheit  habe die Polizei  seine  Identitätskarte  nicht  behalten,  sonder  ihm wieder 

D­4411/2011 ausgehändigt.  In  Y._______  sei  er  von  der  Polizei  für  zwei  Tage  festgehalten, nach dem Aufenthaltsort seines Cousins befragt und dabei  geschlagen worden. Zwar habe  ihn die Polizei nach zwei Tagen wieder  freigelassen,  unter  der  Auflage,  im  Ort  zu  bleiben,  fünf  Tage  später  respektive  bereits  am  7. oder  10.  Mai  2011  sei  er  jedoch  am Wohnort  seiner Eltern wieder verhaftet worden. Zu einer Hausdurchsuchung sei es  dort  aber nicht gekommen. Er  sei  daraufhin nochmals  für  vier oder  fünf  Tage  in  Haft  gekommen,  dabei  wieder  geschlagen  worden  und  schliesslich  nur  freigekommen,  weil  sein  Vater  jemanden  bestochen  habe. Gleich nach  seiner Entlassung  sei  er  in  einem Van nach Mannar  gebracht worden, von wo er Sri Lanka auf dem Seeweg verlassen habe.  Zu  seinem Reiseweg  brachte  er  vor,  er  habe  seine Heimat  am 17. Mai  2011 verlassen, indem er mit Hilfe eines Schleppers und ausgestattet mit  einem  ihm  nicht  zustehenden Reisepass  von Mannar  auf  dem Seeweg  nach Thailand gereist  sei. Die Seereise habe  rund zehn Tage gedauert  und  nach  fünfzehn  Tagen  Aufenthalt  in  einem  Haus  an  einem  ihm  unbekannten Ort habe er Thailand ebenfalls auf dem Seeweg verlassen.  Die  zweite  Seereise  habe  acht  Tage  gedauert  und  ihn  in  ein  ihm  unbekanntes  Land  geführt.  Er  habe  dort  in  der  Folge während  zwanzig  Tagen mit anderen Flüchtlingen in einem geschlossenen Haus an einem  ihm  unbekannten  Ort  verbracht,  bis  er  von  dort  mit  einem  Auto  in  die  Schweiz  gebracht  worden  sei.  Die  Autofahrt  habe  rund  zehn  Stunden  gedauert  und  er  habe  die  Schweiz  in  der  Nacht  auf  den  11. Juli  2011  erreicht, wobei er  sich an der Grenze mit  einem  ihm nicht  zustehenden  Reisepass  ausgewiesen  habe.  Anlässlich  der Gesucheinreichung  erhob  das BFM beim Beschwerdeführer  einen  vom 13. Mai  2011  datierenden  Auszahlungsbeleg einer  Londoner Bank. Der Beschwerdeführer  erklärte  diesen Beleg als  ihm nicht zustehend, mithin der Beleg während seines  20­tägigen  Aufenthalts  in  dem  geschlossenen  Haus  zufälligerweise  in  seinen Besitz gelangt sei.  Anlässlich  der  Gesuchseinreichung  legte  er  keine  Reise­  oder  Identitätspapiere im Original, sondern lediglich die englische Übersetzung  eines  Geburtsregisterauszuges  vor.  Auf  die  Frage  nach  dem  Verbleib  seiner Papiere  führte er  in der Folge an, er habe zwar einen Reisepass  besessen,  dieser  sei  jedoch  schon  vor  fünf  Jahren  abgelaufen  und  er  wisse nicht, wo sich der Pass heute befinde. Nachdem sich seine Eltern  und  er  im  Jahre  2004  erfolglos  um  ein  Visum  für  die  Schweiz  bemüht  hätten, habe er den Pass nicht mehr verlängert. Er verfüge  im Weiteren  über eine im Jahre 2002 oder 2003 ausgestellte Identitätskarte, diese sei 

D­4411/2011 aber  vermutlich  bei  seiner  Schwester  in  Z._______  zurückgeblieben.  Anlässlich  der  Kurzbefragung  brachte  er  vor,  er  werde  sich  um  die  Zustellung  seiner  Identitätskarte  bemühen,  und  im  Verlauf  der  einlässlichen Anhörung gab er an, sein in der Schweiz befindlicher Bruder  habe die Zustellung der Identitätskarte in die Wege geleitet.  B.  Mit Verfügung vom 5. August 2011 – eröffnet am gleichen Tag – trat das  BFM  in  Anwendung  von  Art.  32  Abs.  2  Bst.  a  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  ein  und  ordnete  dessen Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug  an.  Auf  die  Entscheidbegründung wird  –  soweit  wesentlich  –  in  den  nachfolgenden  Erwägungen eingegangen.  C.  Gegen  diesen  Entscheid  erhob  der  Beschwerdeführer  am  10.  August  2011  Beschwerde,  wobei  er  in  seiner  Eingabe  die  Aufhebung  der  angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache ans BFM zwecks  Eintreten  auf  sein  Asylgesuch,  eventualiter  die  Feststellung  der  Unzulässigkeit  und Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzuges  und  die  Gewährung einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz beantragte sowie  um  Erlass  der  Verfahrenskosten  und  um  Befreiung  von  der  Kostenvorschusspflicht  ersuchte.  Mit  der  Beschwerde  reichte  er  eine  Identitätskarte  im Original  und  ein  Zustellcouvert  aus  Sri  Lanka  zu  den  Akten. Auf die Beschwerdebegründung und die vorgelegten Beweismittel  wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.  D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  16.  August  2011  wurde  dem  Gesuch  um  Erlass  der  Verfahrenskosten  entsprochen  und  auf  das  Erheben  eines  Kostenvorschusses antragsgemäss verzichtet (Art. 65 Abs. 1 und Art. 63  Abs.  4  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]). Gleichzeitig wurde das BFM  unter Zustellung der Akten zur Vernehmlassung eingeladen (Art. 57 Abs.  1 VwVG).   E.  In  seiner  Vernehmlassung  vom  24.  August  2011  hielt  das  BFM  unter  Verweis  auf  seine  bisherigen  Erwägungen  an  der  angefochtenen  Verfügung  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Die 

D­4411/2011 vorinstanzliche  Vernehmlassung  wurde  dem  Beschwerdeführer  am  24.  August  2011  zur  Kenntnisnahme  zugestellt,  und  nachdem  dieser  Zustellungsversuch erfolglos war, nochmals am 29. September 2011. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  unter  anderem  zuständig  für  die  Behandlung  von  Beschwerden  gegen  Verfügungen  des  BFM;  dabei  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl.  dazu  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  31  und  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32] sowie  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, SR 173.110]). 1.2. Auf dem Gebiet des Asyls kann mit Beschwerde die Verletzung von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.3. Das Verfahren  richtet  sich nach dem VwVG,  soweit  das VGG oder  das AsylG nichts anderes bestimmen (vgl. dazu Art. 37 VGG sowie Art. 6  und 105 AsylG).  1.4.  Auf  die  frist­  und  formgerechte  Beschwerde  des  legitimierten  Beschwerdeführers  ist  einzutreten  (vgl.  dazu Art. 108 Abs.  2 AsylG und  Art. 52 Abs. 1 VwVG sowie Art. 48 Abs.1 VwVG).  2.  Gemäss  Art.  32  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  wird  auf  ein  Asylgesuch  nicht  eingetreten,  wenn  Asylsuchende  den  Behörden  nicht  innerhalb  von  48  Stunden  nach  Einreichung  des  Gesuchs  Reise­  oder  Identitätspapiere  abgeben.  Diese  Bestimmung  findet  jedoch  keine  Anwendung,  wenn  Asylsuchende  glaubhaft  machen  können,  sie  seien  dazu  aus  entschuldbaren Gründen nicht  in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG),  oder wenn auf Grund der Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG  die Flüchtlingseigenschaft  festgestellt wird (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG),  oder wenn sich auf Grund der Anhörung die Notwendigkeit  zusätzlicher  Abklärungen  zur  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses ergibt (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG). 

D­4411/2011 3.   3.1. Im Rahmen der Begründung seines Entscheides hält das BFM vorab  fest,  der  Beschwerdeführer  habe  innert  der  Frist  von  48  Stunden  nach  Einreichung  seines  Asylgesuchs  und  auch  noch  bis  zur  Anhörung  vom  3. August 2011 keine Reise­ oder  Identitätspapiere abgegeben, sondern  lediglich  eine  nicht  rechtsgenügliche  englische  Übersetzung  eines  Geburtsregisterauszuges,  und  für  das  Fehlen  hinreichender  Papiere  lägen  keine  entschuldbaren  Gründe  vor.  So  dürfte  dem  Beschwerdeführer  sehr  wohl  bewusst  gewesen  sein,  dass  er  mit  der  Übersetzung  eines  Geburtsregisterauszuges  keinesfalls  ein  rechtsgenügliches  Dokument  vorgelegt  habe.  Aufgrund  der  Akten  sei  zudem  davon  auszugehen,  er  bediene  sich  bei  der  Beschaffung  von  Papieren  aus  der  Heimat  einer  Hinhaltetaktik.  Schliesslich  seien  auch  seine  mangelhaften  Angaben  über  den  angeblich  verwendeten  Reisepass,  über  welchen  er  nichts  berichten  könne,  nicht  nachvollziehbar.  Daran  anschliessend  führt  das  Bundesamt  aus,  aufgrund  einer  offenkundig  mangelnden  Substanziierung  der  Gesuchsvorbringen,  welche  jeden  Eindruck  subjektiven  Erlebens  und  einer  persönlichen  Betroffenheit  vermissen  liessen,  sowie  aufgrund  von  Widersprüchen  im Sachverhaltsvortrag sei offenkundig, dass es sich bei  den  Verfolgungsvorbringen  um  ein  Sachverhaltskonstrukt  handle.  Der  Beschwerdeführer erfülle daher die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3  und  7  AsylG  nicht,  und  aufgrund  der  Aktenlage  seien  auch  keine  zusätzlichen  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegeweisungsvollzugshindernisses  erforderlich.  Bei  dieser  Sachlage sei nach der Bestimmung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG auf  das  Asylgesuch  nicht  einzutreten.  Dabei  wird  vom  Bundesamt  im  Rahmen  der  Erwägungen  zur  Frage  des  Wegweisungsvollzuges  angemerkt,  der  Beschwerdeführer  habe  bereits  seit  1996  in  Z._______  (Zentralprovinz) gelebt und die dort herrschende Sicherheitslage spreche  nicht gegen den Wegweisungsvollzug.  3.2.  In  seiner  Beschwerde  macht  der  Beschwerdeführer  unter  Vorlage  einer  Identitätskarte  im Original und eines Zustellcouverts aus Sri Lanka  (mit Poststempel mutmasslich vom 26. Juli 2011) vorab geltend,  ihm sei  erst im Rahmen der Kurzbefragung bewusst geworden, dass der von ihm  anlässlich  der  Gesuchseinreichung  vorgelegte  Geburtsregisterauszug  unzureichend  sei.  Er  habe  sich  in  der  Folge  umgehend  über  seinen  Bruder um die Beschaffung seiner Identitätskarte bemüht, welche jedoch  erst  im Verlauf  der  ersten Augustwoche bei  seinem Bruder  eingetroffen  sei.  So  treffe  es  zwar  zu,  dass  er  die  gesetzliche  Frist  zur  Beibringung 

D­4411/2011 dieses  Papiers  versäumt  habe,  jedoch  seien  seine  Bemühungen  zu  dessen  Beschaffung  klar  erkennbar,  womit  entschuldbare  Gründe  vorlägen.  Im  Folgenden  führt  er  an,  ein  Nichteintretensentscheid  in  Anwendung  von  Art. 32  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  müsse  auch  von  daher  ausser  Betracht  fallen,  da  er  in  seiner  Heimat  gefährdet  sei  und  die  Flüchtlingseigenschaft  erfülle.  So  sei  er  wegen  seines  Cousins  B._______ zweimal verhaftet, befragt und misshandelt worden. Dabei sei  ergänzend anzumerken, dass er damals von der Polizei auch noch nach  zwei weiteren  engen Freunden  befragt worden  sei,  sowie  insbesondere  nach  seinem  in  London  lebenden  Bruder,  welcher  in  England  Asyl  erhalten  habe.  Die  Beamten  hätten  ihn  damals  gefragt,  ob  diese  Personen  zur  LTTE  gehörten  oder  die  Tigers  unterstützt  hätten.  In  diesem  Zusammenhang  macht  er  geltend,  aufgrund  seiner  schlimmen  Erlebnisse  in der Heimat sei er bei der Kurzbefragung und  ihm Rahmen  der einlässlichen Anhörung nicht in der Lage gewesen, alles zu erzählen.  So  habe  das  BFM  seine  Angstblockade  nicht  erkannt,  womit  der  Sachverhalt  ungenügend  erstellt  sei.  Ihm  sei  daher  die  Möglichkeit  einzuräumen,  seine  Vorbringen  zu  ergänzen.  In  seinen  weiteren  Ausführungen  hält  er  an  seinen  Gesuchsvorbringen  betreffend  eine  zweimalige Verhaftung und betreffend erlittene Misshandlungen fest, und  er macht Ausführungen über eine LTTE­Unterstützungstätigkeit seiner im  Ausland  befindlichen  Geschwister,  aufgrund  welcher  er  ebenfalls  gefährdet sei. Da er aus X._______ bei Y._______ stamme und wegen  vermuteter  LTTE­Kontakte  bereits  Nachstellungen  erlitten  habe,  sei  in  seinem  Fall  von  einem  erheblich  gesteigerten  Verfolgungsrisiko  auszugehen,  weshalb  ihm  zumindest  eine  vorläufige  Aufnahme  in  der  Schweiz  zu  gewähren  sei.  Entgegen  dem  BFM  könne  nicht  von  einer  grundsätzlichen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges (mit Ausnahme  des  Vanni­Gebietes)  ausgegangen  werden,  sondern  aufgrund  der  im  Lande  herrschenden  Verhältnisse  sei  für  Angehörige  der  tamilischen  Minderheit,  insbesondere  wenn  der  Verdacht  auf  eine  LTTE­ Zugehörigkeit bestehe, der Wegweisungsvollzug weiterhin als unzulässig  und  unzumutbar  zu  erkennen,  sei  doch  die Gefahr  einer mit  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  unvereinbaren  Behandlung  absehbar. 4.  4.1. Der  Beschwerdeführer  hat  im  erstinstanzlichen  Verfahren  lediglich  die  englische  Übersetzung  eines  Geburtsregisterauszuges  vorgelegt,  welche  –  wie  vom  BFM  zu  Recht  erkannt  –  den  gesetzlichen 

D­4411/2011 Anforderungen an ein Reise­ oder Identitätspapier in keiner Weise genügt  (vgl.  für die diesbezüglichen Anforderungen BVGE 2007/7 E. 4  ­ 6). Da  demzufolge  innert  der  gesetzlichen  Frist  von  48  Stunden  nach  Einreichung  des  Gesuches  kein  rechtsgenügliches  Papier  vorgelegt  wurde,  ist die Grundvoraussetzung  für einen Nichteintretensentscheid  in  Anwendung  von  Art. 32  Abs. 2  Bst. a  AsylG  erfüllt.  Zwar  hat  der  Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene eine  Identitätskarte  im Original  nachgereicht,  das  verspätete  Nachreichen  führt  jedoch  praxisgemäss  nicht  zu  einer  Aufhebung  des  Nichteintretensentscheides  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 1999 Nr. 16 E. 5/c/aa).  Nachdem die Grundvoraussetzung  für  einen Nichteintretensentscheid  in  Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG erfüllt ist, ist im Folgenden zu  prüfen,  ob  dem  vorinstanzlichen  Entscheid  einer  der  Ausschlussgründe  nach Art. 32 Abs. 3 Bst. a ­ c AsylG entgegen steht.  4.2.  4.2.1.  Entschuldbare  Gründe  im  Sinne  von  Art. 32  Abs. 3  Bst. a  AsylG  liegen  grundsätzlich  dann  vor,  wenn  dem  Umstand,  dass  die  asylsuchende  Person  nicht  in  der  Lage  ist,  innerhalb  von  48  Stunden  Reise­  oder  Identitätspapiere  abzugeben,  nicht  die  Absicht  zugrunde  liegt,  den  Aufenthalt  in  der  Schweiz  unrechtmässig  zu  verlängern.  Vermag  die  asylsuchende  Person  glaubhaft  darzutun,  dass  sie  beispielsweise deshalb nicht in der Lage ist, Reise­ oder Identitätspapiere  innerhalb von 48 Stunden seit Einreichung des Gesuchs abzugeben, weil  sie ihre Reise­ oder Identitätspapiere im Heimatstaat zurückgelassen hat,  und  bemüht  sie  sich  umgehend  und  ernsthaft  um  deren  Beschaffung  innert  angemessener  Frist,  ist  die Anwendung  von Art. 32 Abs. 2 Bst. a  AsylG ausgeschlossen (vgl. BVGE 2010/2 E. 5.6 und E. 6).  4.2.2. Der Beschwerdeführer macht in seiner Eingabe das Vorliegen einer  entschuldbaren  Verspätung  im  vorgenannten  Sinne  geltend.  So  will  er  anlässlich seiner Ausreise aus Sri Lanka sowohl seinen angeblich bereits  abgelaufenen Reisepass  als  auch  seine  Identitätskarte  zurückgelassen,  sich dann aber nach seiner Einreise  in die Schweiz über seinen Bruder  innert nützlicher Frist und erfolgreich um die Beschaffung immerhin seiner  Identitätskarte  bemüht  haben.  Zwar  legt  er  dabei  gleichzeitig  ein  mutmasslich am 26. Juli 2011 in Sri Lanka abgestempeltes Zustellcouvert  vor,  die  Vorbringen  betreffend  eine  angeblich  insgesamt  entschuldbare  Verspätung können jedoch aufgrund der Akten nicht überzeugen. 

D­4411/2011 4.2.3.  In  dieser  Hinsicht  ist  vorab  festzuhalten,  dass  sich  die  Ausführungen des Beschwerdeführers zu seinem angeblichen Reiseweg  als insgesamt haltlos erweisen. Zunächst werfen bereits die Angaben zur  Reise  auf  dem Seeweg  von Mannar  in  zehn  Tagen  nach  Thailand  und  von  dort  in  nur  acht  Tagen  nach  Europa  gewichtige  Zweifel  auf.  Diese  Zweifel  werden  durch  die  unsubstanziierten  und  vagen  Aussagen  zum  Reiseweg  bestätigt.  So  war  der  Beschwerdeführer,  welcher  auch  Englisch  spricht,  ausserstande,  nähere  Angaben  zu  seinen  Aufenthaltsorten  während  seiner  Reise  zu  machen.  Der  Beschwerdeführer will sich dabei während einer beachtlichen Zeitdauer –  nämlich während  fast drei Wochen und zusammen mit vielen anderen –  nur zehn Autostunden von der Schweiz entfernt aufgehalten haben, über  diesen  Ort  jedoch  gar  nichts  berichten  können,  was  nicht  überzeugen  kann. Das Vorbringen,  er  habe  die  ganze  Zeit  in  einem  geschlossenen  Haus verbracht und  in der ganzen Zeit nichts über den Ort  in Erfahrung  bringen  können,  ist  daher  als  blosse  Schutzbehauptung  zu  erkennen.  Schliesslich  wurde  beim  Beschwerdeführer  ein  Auszahlungsbeleg  einer  Londoner Bank vom 13. Mai 2011 gefunden, was auf einen Aufenthalt in  England,  wo  der  Beschwerdeführer  im  Übrigen  über  sehr  enge  persönliche  Anknüpfungspunkte  verfügt,  hinweist.  Das  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  der  Beleg  sei  durch  einen  Kleidertausch  mit  einer  ihm unbekannten Person an dem  ihm unbekannten Ort  in seinen Besitz  gelangt, muss als unglaubhafte Schutzbehauptung qualifiziert werden.  4.2.4. Zusammenfassend sind die Vorbringen des Beschwerdeführers zu  seinem  Reiseweg,  und  damit  auch  zum  angeblichen  Verbleib  seiner  Papiere  in  der  Heimat  und  der  angeblichen  erst  nach  der  Gesuchseinreichung  möglichen  Beschaffung  seiner  Identitätskarte,  als  offenkundig  haltlos  zu  erkennen.  Im Resultat  ist  aufgrund  der  Akten  zu  schliessen,  vom  Beschwerdeführer  seien  nicht  nur  die  Angaben  zu  seinem tatsächlichen Reiseweg, sondern bis dahin auch ihm zustehende  Reisepapiere  bewusst  unterdrückt  worden,  was  nach  dem  Willen  des  Gesetzgebers sanktioniert werden soll (vgl. BVGE 2010/2 E. 5 S. 24 ff.). 4.3.  4.3.1. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in BVGE 2007/8 zur Frage  des Prüfungsumfangs bei der Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a und  Abs.  3  AsylG  respektive  der  Anwendung  der  Ausschlussbestimmungen  von Art. 32 Abs. 2 Bst. b und c AsylG geäussert, wobei es das Folgende  festgehalten  hat:  Führt  eine  summarische  Prüfung  zum  Ergebnis,  dass  der  Asylgesuchsteller  die  Flüchtlingseigenschaft  offensichtlich  erfüllt,  ist 

D­4411/2011 auf  das  Asylgesuch  einzutreten  (Art.  32  Abs.  3  Bst.  b  AsylG).  Führt  umgekehrt eine ebenso summarische Prüfung im Sinne von Art. 40 AsylG  zum  Ergebnis,  dass  der  Asylgesuchsteller  die  Flüchtlingseigenschaft  offenkundig  nicht  erfüllt  und  offenkundig  keine  Wegweisungsvollzugshindernisse  bestehen,  wird  auf  sein  Asylgesuch  nicht eingetreten.  Anzumerken  bleibt  in  diesem  Zusammenhang,  dass  als  "Wegweisungsvollzugshindernisse" nach Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG nur  Hindernisse  geltend,  die  sich  auf  die  Zulässigkeit  des  Vollzuges  auswirken  können,  nicht  aber  solche,  welche  (bloss)  die  Zumutbarkeit  oder Möglichkeit des Vollzuges betreffen (vgl. BVGE 2009/50 E. 5 ­ 8 S.  725 ff.). 4.3.2.  Unter  Beachtung  dieser  Praxis  ist  vorliegend  dem  Schluss  der  Vorinstanz,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  offenkundig  nicht,  zu  folgen,  wobei  sich  die  Vorinstanz  auf  eine  summarische Prüfung  beschränken  konnte.  So  blieben  die Angaben  zu  den angeblich verfolgungsauslösenden Besuchen des Cousins  inhaltlich  völlig vage und in zeitlicher Hinsicht widersprüchlich. Nicht zu überzeugen  vermag auch, dass die Polizei  jahrelang nachgefragt, sich aber stets mit  der  Antwort  begnügt  haben  soll,  bei  dem  Besucher  habe  es  sich  um  einen  Kollegen  gehandelt.  Diese  Ausführungen  lassen  sich  denn  auch  nicht  ansatzweise  mit  dem  bis  heute  überaus  konsequenten  Vorgehen  der  srilankischen  Sicherheitskräfte  in  Sicherheitsfragen  vereinbaren.  Auch  die  Ausführungen  zur  Haft  im  Jahre  2011  erweisen  sich  als  in  keiner  Weise  substanziiert,  obwohl  sie  Ereignisse  unmittelbar  vor  der  Ausreise betreffen sollen, und auch bei diesen Vorbringen bestehen klare  Widersprüche  in  zeitlicher  Hinsicht.  Aufgrund  der  aktenkundigen  Befragungs­  und Anhörungsprotokolle  ist  schliesslich mit  der Vorinstanz  darin einig zu gehen, dass die Schilderungen des Beschwerdeführers den  Eindruck  einer  persönlichen  Betroffenheit  vermissen  lassen  und  insgesamt  von  konstruierten  Gesuchsvorbringen  auszugehen  ist.  Zwar  macht  der  Beschwerdeführer  auf  Beschwerdeebene  geltend,  er  sei  wegen  einer  Angstblockade  nicht  zu  grundsätzlich  übereinstimmenden,  hinreichend  vertieften  und  damit  insgesamt  nachvollziehbaren  Schilderungen  in  der  Lage  gewesen.  Dieses  Vorbringen  findet  in  den  Akten jedoch keinerlei Stütze und muss als Schutzbehauptung qualifiziert  werden. Erst auf Beschwerdeebene macht der Beschwerdeführer sodann  geltend, er sei einer Reflexverfolgung ausgesetzt, weil seine Geschwister  in  Europa  die  LTTE  finanziell  unterstützen  würden.  Auch  dieses 

D­4411/2011 Vorbringen  muss  jedoch  als  offensichtlich  nachgeschoben  und  unglaubhaft  beurteilt  werden.  Wäre  den  srilankischen  Behörden  das  Verhalten  der  Geschwister  in  Europa  aufgefallen,  so  hätten  sie  den  Beschwerdeführer  zweifellos  bereits  vor  seiner  Ausreise  dazu  befragt,  befinden sich die Geschwister doch bereits seit Jahren im Ausland.  4.3.3.  Der  Beschwerdeführer  macht  schliesslich  auf  Beschwerdeebene  geltend, er sei ein junger Tamile aus dem Norden, weshalb er nur schon  aufgrund  der  allgemeinen  Lage  in  seiner  Heimat  gefährdet  sei.  Seine  diesbezüglichen Ausführungen gehen jedoch an den Akten vorbei, da er  im Zeitpunkt seiner Ausreise bereits seit Jahren in Z._______ lebte, wo er  ordentlich  angemeldet  und  stimmberechtigt  war.  Alleine  aus  der  ursprünglichen  Herkunft  aus  dem  Norden  lässt  sich  keine  Gefährdung  ableiten, und es besteht weder aufgrund seiner ursprünglichen Herkunft  noch  seines  ethnischen  Hintergrundes  ein  Bedarf  an  weiteren  Abklärungen (vgl. dazu auch nachfolgende Erwägungen).  4.4. Nach vorstehenden Erwägungen sind die Voraussetzungen für einen  Nichteintretensentscheid  nach  32  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  erfüllt,  und  einer  Anwendung dieser Bestimmung steht auch keiner der Ausschlussgründe  nach Art. 32 Abs. 3 Bst. a ­ c AsylG entgegen. Bei dieser Sachlage ist der  Nichteintretensentscheid des BFM zu bestätigen.  5.  5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; vgl. auch BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.w.H.). 6.  6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]).

D­4411/2011 Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  sowie  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2.  6.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner  Form zur Ausreise  in  ein  Land gezwungen werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 0.142.30]).  Sodann  darf  gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK  niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder  Behandlung unterworfen werden. 6.2.2. Die  Vorinstanz  weist  in  der  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5  AsylG  rechtmässig.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür, dass er für den Fall einer Rückführung in den Heimatstaat dort mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK  verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener 

D­4411/2011 des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohen würde  (vgl. EGMR  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124 ­ 127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Dies  gelingt  dem  Beschwerdeführer  nicht,  da  die  geltend  gemachte  Bedrohungslage  wegen  eines  angeblichen  "LTTE­ Cousins" sich als offensichtlich unglaubhaft erwiesen hat. Zwar macht der  Beschwerdeführer  das  Vorliegen  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  aufgrund  seines  ethnischen  Hintergrundes  als  Tamile  geltend.  Die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  der  Zentralprovinz  –  dem  Heimatort  des  Beschwerdeführers  seit  1996  –  lässt  indes  den  Wegweisungsvollzug  nicht  als  unzulässig  erscheinen  (vgl.  dazu  auch  nachfolgende  Erwägungen). 6.2.3. Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im  Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung festgestellt, so ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.3.1. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich  letztmals  in BVGE 2008/2  ausführlich  mit  der  Sicherheitslage  in  Sri  Lanka  auseinandergesetzt  (Grundsatzurteil).  Dabei  hat  es  –  in  Bestätigung  und  Fortsetzung  der  Praxis  der  ARK  –  den  Wegweisungsvollzug  in  die  Nord­  und  die  Ostprovinz  von  Sri  Lanka  als  unzumutbar  erkannt,  und  gleichzeitig  für  Asylsuchende tamilischer Ethnie, welche aus diesen Gebieten stammen,  die  Inanspruchnahme  einer  innerstaatliche  Aufenthaltsalternative  im  Süden  des  Landes  nur  unter  der  Voraussetzung  günstiger  Einzelfallumstände  als  zumutbar  erklärt.  Die  bisherige  Praxis  dürfte  aufgrund  der  seitherigen  Entwicklungen  in  Sri  Lanka,  namentlich  der  kompletten Niederlage der LTTE und einer zunehmenden Beruhigung im  Lande,  in  nächster  Zeit  einer  Überprüfung  unterzogen  werden.  Auf  Erwägungen dazu kann in vorliegender Sache jedoch verzichtet werden,  da der Beschwerdeführer seinen Wohnsitz vor der Ausreise nicht wie auf  Beschwerdeebene sinngemäss behauptet im Norden, sondern schon seit 

D­4411/2011 1996  in  der  Stadt  Z._______  – …  [ein  grosser  Ort  in  der]  Zentralprovinz  –  und  damit  im  Süden  des  Landes hatte. Der Vollzug der Wegweisung in dieses Gebiet wurde stets  als grundsätzlich zumutbar eingeschätzt (vgl. diesbezüglich EMARK 2006  Nr. 6, EMARK 2001 Nr. 16 und EMARK 1994 Nr. 3).  6.3.2.  Beim  Beschwerdeführer  handelt  es  sich  gemäss  den  Akten  um  einen jungen und gesunden Mann, dessen Eltern angeblich in Y._______  leben  sollen.  Er  selbst  war  jedoch  von  seiner  Kindheit  an  und  bis  zu  seiner  Ausreise  aus  Sri  Lanka  ununterbrochen  in  Z._______  ansässig,  wo er ordentlich angemeldet und stimmberechtigt war.  In Z._______ hat  er  soweit  ersichtlich  stets  bei  seiner  Schwester  und  seinem  Schwager  gelebt,  welche  dort  ein  Geschäft  im  Lebensmittelgrosshandel  führen.  Nachdem  der  Beschwerdeführer  seinen  Lebensmittelpunkt  schon  seit  dem Jahre 1996 und damit mehr als sein halbes Leben in Z._______ hat,  darf davon ausgegangen werden, er verfüge dort neben seiner Schwester  und  seinem  Schwager  auch  noch  über  mannigfache  andere  Anknüpfungspunkte. Wird weiter berücksichtigt, dass er seinen Angaben  zufolge nicht nur  tamilisch,  sondern auch gut  singhalesisch spricht,  darf  davon ausgegangen werden, er könne sich  in Z._______ ohne weiteres  reintegrieren.  Zusammenfassend  sind  keine  Gründe  ersichtlich,  welche  gegen die Zumutbarkeit eines Wegweisungsvollzugs sprechen würden.  6.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art. 8  Abs. 4  AsylG),  weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist  (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.5. Nachdem sich  der Vollzug  der Wegweisung als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  erweist,  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 ­ 4  AuG).  Die  Anordnung  des  Wegweisungsvollzuges ist demnach zu bestätigen.  7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 

D­4411/2011 8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Verfahrenskosten  grundsätzlich  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Aufgrund  der  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs.  1  VwVG  ist  jedoch  von  einer  Kostenauflage  abzusehen.  9.  Die  vom  Beschwerdeführer  auf  Beschwerdeebene  vorgelegte  Identitätskarte  ist  zuhanden  des  BFM  sicherzustellen  (Art.  10  Abs.  2  AsylG). (Dispositiv nächste Seite)

D­4411/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Dem Beschwerdeführer werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Die nachgereichte Identitätskarte wird zuhanden des BFM sichergestellt. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer Versand:

D-4411/2011 — Bundesverwaltungsgericht 14.11.2011 D-4411/2011 — Swissrulings