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Bundesverwaltungsgericht 11.08.2011 D-4289/2011

11 agosto 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,096 parole·~5 min·3

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. Juli 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4289/2011 Urteil   v om   1 1 .   Augus t   2011 Besetzung Einzelrichter Robert Galliker, mit Zustimmung von Richter Hans Schürch;   Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Parteien A._______, geboren (…), Somalia, und deren Kind  B._______, geboren (…), Somalia (eventuell Südafrika),   beide vertreten durch lic. iur. Kathrin Stutz, (…) Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­ Verfahren); Verfügung des BFM vom 26. Juli 2011 /  N (…).

D­4289/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführenden  am  15. Januar  2009  erstmals  in  der  Schweiz um Asyl nachsuchten, dass  das BFM mit Verfügung  vom 20. August  2009 gestützt  auf Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  das  Asylgesuch  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  nach  Italien  anordnete, dass  die  gegen  diese  Verfügung  erhobene  Beschwerde  vom  Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 7. Februar 2011 (D­7549/2009)  abgewiesen wurde, dass  die  Beschwerdeführenden  am  (…)  2011  nach  Italien  überstellt  wurden, dass die Beschwerdeführenden am 25. Mai 2011 erneut  in die Schweiz  einreisten und gleichentags im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ)  C._______ ein zweites Asylgesuch einreichten, dass  am  30. Mai  2011  im EVZ C._______  die  summarische  Befragung  der  Beschwerdeführerin  stattfand, wobei  sie  angab,  sie  habe  sich  nach  ihrer  Rückkehr  nach  Italien  am  (…)  2011  bei  Kollegen  in  D._______  aufgehalten und sei dort bis zu ihrer erneuten Einreise in die Schweiz am  25. Mai 2011 geblieben, dass ihre Aufenthaltsbewilligung in Italien ("permesso di soggiorno") noch  bis am (…) 2011 gültig sei, dass  der  Beschwerdeführerin  anlässlich  ihrer  Befragung  auch  das  rechtliche  Gehör  zu  einer  möglichen  Zuständigkeit  Italiens  für  das  vorliegende  Verfahren  sowie  zu  einer  allfälligen  erneuten  Wegweisung  dorthin gewährt wurde, dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  26. Juli  2011  –  eröffnet  am  28. Juli  2011 – wiederum  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf die  Asylgesuche  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  nach  Italien  anordnete,  wobei  es  festhielt,  einer  allfälligen  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung  komme keine aufschiebende Wirkung zu,

D­4289/2011 dass  die  Beschwerdeführenden  aufgefordert  wurden,  die  Schweiz  spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, dass den Beschwerdeführenden gleichzeitig die editionspflichtigen Akten  gemäss  Aktenverzeichnis  ausgehändigt  wurden  und  der  Kanton  E._______ mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt wurde, dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  auf  ein  Asylgesuch  werde  nicht  eingetreten,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  könnten,  der  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig sei, dass  sich  die  Schweiz  mit  der  Umsetzung  des  Abkommens  vom  26.  Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­ Assoziierungsabkommen [DAA], SR 0.142.392.689) verpflichtet habe, die  Dublin­II­Verordnung  ([Dublin­II­VO]  Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren  zur Bestimmung des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines von einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrages  zuständig ist) anzuwenden, dass der Abgleich der Fingerabdrücke mit der Zentraleinheit EURODAC  nachweise,  dass  die  Beschwerdeführenden  am  6. Juli  2008  in  Italien  Asylgesuche eingereicht hätten, dass  die  italienischen  Behörden  vom  BFM  am  20. Juni  2011  um  Übernahme der Beschwerdeführenden im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Bst. c  Dublin­II­VO ersucht worden seien,  dass  die  italienischen  Behörden  zum  Übernahmeersuchen  innert  Frist  keine Stellung genommen hätten, womit die Zuständigkeit, das Asyl­ und  Wegweisungsverfahren  durchzuführen,  am  5. Juli  2011  an  Italien  übergegangen sei, dass  die  Überstellung  nach  Italien  –  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung oder Verlängerung der Überstellung – bis spätestens am  5. Januar 2012 zu erfolgen habe, dass somit auf das Asylgesuch nicht eingetreten werde,

D­4289/2011 dass  die  Beschwerdeführerin  geltend  gemacht  habe,  sie  und  ihr  Sohn  verfügten in Italien über keine Unterkunft und ihr Sohn sei in der Schweiz  zur Schule gegangen, dass diesbezüglich festzuhalten sei, dass Italien die Richtlinie 2003/9/EG  des Rates vom 27. Januar 2003 (sogenannte Aufnahmerichtlinie), welche  zahlreiche  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  und  Betreuung  von  Asylsuchenden  beinhalte,  ohne  Beanstandungen  von  Seiten  der  Europäischen  Kommission  umgesetzt  habe  und  der  Sohn  der  Beschwerdeführerin  gemäss  Art. 10  dieser  Aufnahmerichtlinie  auch  in  Italien das Recht auf Schulbesuch habe,  dass  es  den  Beschwerdeführenden  zumutbar  sei,  sich  an  die  dafür  zuständigen Behörden zu wenden, dass  somit  weder  die  in  Italien  herrschende  Situation  noch  andere  Gründe gegen die Zumutbarkeit  der Wegweisung nach  Italien  sprechen  würden und der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und praktisch  durchführbar sei, dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 3. August 2011 gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhoben  und dabei beantragten, die Verfügung vom 26. Juli 2011 sei aufzuheben  und das BFM sei  anzuweisen,  sein Recht  zum Selbsteintritt  auszuüben  und sich für das vorliegende Asylgesuch für zuständig zu erklären, dass  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen  und  die  Vollzugsbehörden  anzuweisen  seien,  von  einer  Überstellung  nach  Italien  abzusehen,  bis  das  Bundesverwaltungsgericht über die vorliegende Beschwerde entschieden  habe, dass  auf  die Erhebung  eines Kostenvorschusses  zu  verzichten  und  die  unentgeltliche Prozessführung zu gewähren sei, dass  auf  die  Begründung  dieser  Begehren  –  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  4. August  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

D­4289/2011 und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme nicht vorliegt, dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

D­4289/2011 dass  sich  aus  den  Akten  ergibt,  dass  die  Beschwerdeführenden  am  6. Juli 2008 in Italien (F._______) ein erstes Asylgesuch einreichten und  entsprechend in der EURODAC­Datenbank erfasst worden sind, dass das BFM ein Ersuchen um Übernahme der Beschwerdeführenden  an Italien gestellt hat, dass  dieses  bis  zum  Ablauf  der  festgelegten  Frist  unbeantwortet  geblieben  ist  und  demnach  die  Zuständigkeit  für  das  vorliegende  Verfahren durch Italien als akzeptiert gilt, dass  die  grundsätzliche  Zuständigkeit  Italiens  gemäss  Art. 3  Abs. 1  Dublin­II­VO  in  der  Beschwerde  nicht  bestritten,  hingegen  geltend  gemacht wird,  das BFM hätte  vorliegend  von Art. 3  Abs. 2 Dublin­II­VO  Gebrauch  machen  müssen,  da  den  Beschwerdeführenden  eine  Rückschaffung  nach  Italien  aufgrund  der  dortigen  Verhältnisse  nicht  zumutbar sei, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Befragung  im EVZ zu einer  Rückführung nach Italien meinte, sie habe mit ihrem Sohn nicht in Italien  leben können, sie habe keine Bleibe dort und bei Kollegen aus Somalia  bleiben müssen (vgl. Akten BFM B 5/9 S. 5), dass  auch  auf  Beschwerdeebene  auf  die  schwierigen  Verhältnisse  für  Asylsuchende  in  Italien  im  Allgemeinen  und  die  Schwierigkeiten  der  Beschwerdeführerin  als  alleinerziehende  Mutter  im  Besonderen  hingewiesen wird, dass  Italien  unter  anderem  Signatarstaat  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30),  der  EMRK und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist, dass Italien als nach Art. 3 Abs. 1 Dublin­II­VO zuständiger Staat zudem  gehalten  ist,  unter  anderem  die  Richtlinie  2005/85/EG  des  Rates  vom  1. Dezember  2005  über  Mindestnormen  für  Verfahren  in  den  Mitgliedstaaten  zur  Zuerkennung  und  Aberkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  (sog.  Verfahrensrichtlinie)  und  die  Richtlinie  2003/9/EG  des  Rates  vom  27. Januar  2003  zur  Festlegung  von  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  von Asylbewerbern  in Mitgliedstaaten  (sog. Aufnahmerichtlinie) anzuwenden respektive umzusetzen,

D­4289/2011 dass  das  Gericht  auch  in  Berücksichtigung  der  mit  den  Kapazitätsengpässen  im  Zusammenhang  stehenden  schwierigen  Aufenthalts­  sowie  Lebensbedingungen  nicht  zum  Schluss  gelangt  und  keine Hinweise dafür bestehen, wonach Italien in genereller Weise seinen  völkerrechtlichen  Verpflichtungen  nicht  nachkommen  respektive  in  völkerrechtswidriger Weise gegen die Verfahrens­ und Aufnahmerichtline  verstossen  würde  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­ 7654/2010 vom 20. April 2011 E. 5.8.1), dass  das  italienische  Fürsorgesystem  für  Asylsuchende  und  andere  bedürftige  Immigranten  zwar  in  der Kritik  steht,  in  den Aufenthalts­  und  Verfahrensbedingungen  für  Personen,  welche  sich  im  Rahmen  eines  Asylverfahrens  oder  mit  einem  "permesso  die  soggiorno"  in  Italien  aufhalten, indessen kein Vollzugshindernis zu erkennen ist,  dass  die  Beschwerdeführerin  gemäss  eigenen  Angaben  in  Italien  nicht  obdachlos war, sondern sich bei Bekannten aufgehalten hat, und weder  von  der  Beschwerdeführerin  anlässlich  ihrer  Befragung  noch  in  der  Beschwerde  konkret  dargelegt  wird,  ob  und  inwiefern  sich  die  Beschwerdeführerin  bei  den  zuständigen  Behörden  überhaupt  um  Hilfeleistungen bemühte, dass aufgrund der Angaben der Beschwerdeführerin davon auszugehen  ist,  sie  verfüge  in  Italien  über  ein  soziales Netz,  welches  ihr  und  ihrem  Sohn wieder Unterstützung bieten könnte, dass  im  Übrigen  auch  die  allgemeine  Situation  von  Asylsuchenden  in  Italien  nicht  darauf  schliessen  lässt,  die  Beschwerdeführenden  würden  bei ihrer Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Gefahr laufen, die  notwendige  soziale  Hilfe  zur  Bewältigung  des  existenziellen  Lebensbedarfs nicht erhalten und das Gericht  in den –  im Vergleich zur  Schweiz  –  erschwerten  Aufenthaltsbedingungen  kein  Grund  für  eine  grundsätzliche  Nichtanwendung  der  einschlägigen  Bestimmungen  der  Dublin­II–VO  erkennt  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­ 7654/2010 vom 20. April 2011 E. 5.8.1 mit weiteren Hinweisen), dass  nach Kenntnis  des Gerichts Dublin­Rückkehrende und  verletzliche  Personen  bezüglich  Unterbringung  von  den  italienischen  Behörden  bevorzugt behandelt werden und sich – neben den staatlichen Strukturen  – auch  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von  Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen,

D­4289/2011 dass  beispielsweise  die  Organisation  Arci  con  Fraternità  seit  dem  1. Januar  2009  die  Betreuung  der  Flüchtlinge  im  Flughafen  Fiumicino  (Rom)  organisiert  und  dort  den  Asylsuchenden  kostenlose  Rechtsberatung anbietet, dass  in  der  Beschwerdeschrift  lediglich  pauschal  behauptet  wird,  die  Beschwerdeführenden  hätten  keine  Unterkunft  erhalten  und  sich  selbst  organisieren müssen, dass  sich  damit  weder  die  vorinstanzlichen  Ausführungen  noch  die  gerichtliche Auffassung widerlegen lassen, dass  unter  diesen  Umständen  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  ersichtlich sind, die darauf hindeuten, die Beschwerdeführenden würden  im Falle einer Rückkehr nach Italien in eine existenzielle Notlage geraten,  dass  selbst  wenn  den  Beschwerdeführenden  bei  ihrer  Rückkehr  nicht  sofort  eine  Unterkunft  zugeteilt  werden  könnte,  darin  per  se  noch  kein  mittelbarer Verstoss gegen die Aufnahmerichtlinie respektive gegen Art. 3  EMRK  zu  erblicken  wäre,  zumal  bis  dato  auch  nicht  angenommen  werden kann, die  von  Italien bereitgestellten Geldleistungen würden zur  Deckung des notwendigen Lebensunterhaltes eines Asylsuchenden nicht  ausreichen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D­7654/2010 vom  20. April 2011 E. 5.8.1), dass den Beschwerdeführenden ausserdem die Möglichkeit offen stünde,  sich  mit  Hilfe  einer  Rechtsberatungsstelle  einer  italienischen  Hilfsorganisation  in  Italien  gegen  eine  allfällige  Nichteinhaltung  der  gemäss Aufnahmerichtlinie geltenden Mindeststandards (und damit auch  gegen die Verweigung eines Schulbesuchs) zu wehren, dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG  zu  Recht  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  nicht  eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), wobei in Verfahren  nach  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  die  Frage  nach  der  Zulässigkeit  und  Möglichkeit  des Wegweisungsvollzugs bereits Voraussetzung  (und nicht  erst Regelfolge)  des Nichteintretensentscheides  und  deshalb  vorliegend  nicht zu prüfen ist (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2),

D­4289/2011 dass sich die Frage nach der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in  Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht  unter  dem Aspekt  von  Art. 83  Abs. 1  und  4  AuG  stellt,  sondern  vor  der  Prüfung  des  Nichteintretens im Rahmen der Ausübung des Selbsteintrittsrechts (Art. 3  Dublin­II­VO, Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999  über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]), dass nach dem Gesagten der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Weg­ weisung nach Italien zu bestätigen ist, dass die Beschwerde abzuweisen ist,  dass die Gesuche, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu  gewähren  und  es  sei  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten,  angesichts  des  vorliegenden  Entscheids  in  der  Hauptsache  gegenstandslos werden, dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  zufolge  Aussichtslosigkeit  der  Beschwerde abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1 und 5 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­4289/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand:

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