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Bundesverwaltungsgericht 10.02.2012 D-4104/2011

10 febbraio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,498 parole·~7 min·4

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. Juni 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4104/2011 Urteil   v om   1 0 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli, mit Zustimmung von Richter Bruno Huber; Gerichtsschreiber Gert Winter. Parteien A._______, geboren (…), alias A._______, geboren (…), Eritrea, vertreten durch lic. iur. Daniel Habte, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl; Verfügung des BFM vom 21. Juni 2011 / N .

D­4104/2011 Sachverhalt: A.  A.a.  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer  –  ein  eritreischer Staatsangehöriger tigrinischer Herkunft – seinen Heimatstaat  am 8. November 2010 und gelangte am 29. März 2011 von Khartoum aus  auf dem Luftweg in die Schweiz. Anlässlich der Befragung vom 19. April  2011  zur  Person  (BzP)  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  M._______ sowie der Direktanhörung vom 4. Mai 2011 durch das BFM  machte er zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen geltend,  er  habe  sich  am  2.  März  2008  mit  einer  ihm  seit  seiner  Kindheit  bekannten Frau verlobt. Nach Abschluss der Technischen Schule sei er  am 12. März 2008 nach Sawa gereist und habe dort vom 17. bis 22. März  2008 die Maturitätsprüfungen abgelegt. Ab dem 24. März 2008 bis zum  24. November 2008 habe er die militärische Grundausbildung absolviert.  Danach sei er nicht wie beabsichtigt  zum Studium zugelassen,  sondern  der  in  N._______  stationierten  mechanisierten  Einheit  74  zugeteilt  worden. Er sei dort zu verschiedenen Einsätzen abkommandiert worden  und  im  Juli  und  August  2010  im  Gefängnis  der  6.  Brigade  in  Sawa  inhaftiert gewesen, weil er sich dem Befehl eines Vorgesetzten, sich nach  O._______ zu begeben, mit der Begründung widersetzt habe, es handle  sich  um  einen  gefährlichen  Ort.  Am  1.  November  2010  sei  er  auf  dienstlichen  Befehl  hin  in  P._______  eingetroffen,  wo  er  die  beiden  folgenden  Tage  mit  andern  damit  beschäftigt  gewesen  sei,  Bewässerungsmaschinen,  sogenannte  Pivots,  zu  installieren.  Am  4.  November 2010 seien drei Kameraden den von Oppositionellen bei den  Pivots gelegten Bomben zum Opfer gefallen. Nach der Beerdigung seiner  Kameraden  sei  er  zusammen  mit  vier  Gefährten  frühmorgens  unvorbereitet  und  waffenlos,  jedoch  in  Uniform,  geflüchtet.  Nach  zwei  Tagen  ohne  Nahrung,  ausgerüstet  lediglich  mit  einem  5­Liter­ Wasserkanister,  seien  sie  frühmorgens  am  8. November  2010  in  Hafir  (Sudan)  angekommen  und  gegen  14  Uhr  ins  Flüchtlingslager  nach  Shegerab  gefahren  worden,  wo  er  bis  zum  26.  Januar  2011  geblieben  sei. Danach sei er weiter nach Khartoum gelangt, von wo aus er am 28.  März  2011,  versehen  mit  einem  gefälschten  Pass,  auf  dem  Luftweg  ausgereist und mit einer Zwischenlandung in Katar am 29. März 2011 in  die Schweiz eingereist sei. A.b.  Der  Beschwerdeführer  reichte  seine  eritreische  Identitätskarte  Nr. (…)  zu  den  Akten,  ferner  einen  Passierschein  Nr.  (…),  gültig  vom 

D­4104/2011 1. November 2011 bis zum 16. November 2010. Des Weiteren reichte er  vier Fotos  sowie diverse  schulische Zeugnisse ein,  die  in Kopie  zu den  Akten  genommen wurden,  darunter  eine Admission Card Nr. (…)  sowie  ein Diplom der Asmara Technical School. B.  Mit Verfügung  vom 21.  Juni  2011  –  eröffnet  am 23.  Juni  2011  –  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft,  wies dessen Asylgesuch vom 3. April 2011 ab, ordnete die Wegweisung  aus  der  Schweiz  an  und  schob  den  Vollzug  der  Wegweisung  wegen  Unzulässigkeit  zugunsten  einer  vorläufigen  Aufnahme  auf.  Zur  Begründung  machte  das  BFM  im  Wesentlichen  geltend,  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  zur  Ausbildung  in  Sawa,  insbesondere  zur  Ausbildung  an  den  Waffen,  seien  vage  und  unsubstanziiert ausgefallen. Gleiches gelte  für seine Angaben bezüglich  seiner späteren Einheit und deren Bewaffnung. Darüber hinaus habe er  seine  Flucht  unsubstanziiert  geschildert  und  sei  nicht  in  der  Lage  gewesen,  zu  wesentlichen  Aspekten  derselben,  etwa  zur  Vorbereitung  und Ausrüstung, zum Ziel und zu den getroffenen Vorsichtsmassnahmen,  plausible Angaben zu machen. Die vom Beschwerdeführer eingereichten  Beweismittel  seien  untauglich,  weil  sie  den  asylrelevanten  Sachverhalt  nicht  glaubhaft  machen  könnten.  So  entfalteten  etwa  die  Fotos  keinen  Beweiswert  wegen  des  wenig  aussagekräftigen  Bildausschnitts.  Hinsichtlich  der  eingereichten  Zeugnisse,  insbesondere  der  "Admission  Card"  sowie  des  Passierscheins  samt  dessen  seltsamer  Gültigkeit,  sei  festzuhalten,  dass  im  Heimatstaat  des  Beschwerdeführers  die  Ausstellungspraxis  von  Dokumenten  uneinheitlich,  um  nicht  zu  sagen  willkürlich  sei.  Das  vorhandene  Vergleichsmaterial  lasse  daher  keine  schlüssige Überprüfung  zu  und  die  Beschaffung  von Vergleichsmaterial  sowie  eine  Überprüfung  der  Dokumente  vor  Ort  seien  kaum  möglich.  Dementsprechend  hielten  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  den  Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht stand. Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  zu  seiner  Studiensituation  und  seiner militärischen Einteilung entfalteten keine asylbeachtliche Relevanz.  Aus  den  Akten  ergäben  sich  auch  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  einschneidende  staatliche  Massnahmen  gegen  ihn  ergriffen  worden  wären.  Allerdings  habe  der  Beschwerdeführer  begründete  Furcht,  bei  einer Rückkehr nach Eritrea ernsthaften Nachteilen  im Sinne von Art.  3  des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31) ausgesetzt  zu  werden,  weshalb  er  die  Flüchtlingseigenschaft  erfülle.  Im  vorliegenden 

D­4104/2011 Fall  seien  die  flüchtlingsrelevanten  Elemente  allerdings  erst  mit  der  illegalen  Ausreise  aus  Eritrea  entstanden.  Dementsprechend  sei  der  Beschwerdeführer  von  der  Asylgewährung  auszuschliessen,  jedoch  als  Flüchtling in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. C.  Mit Beschwerde vom 19. Juli 2011 (Poststempel vom 20. Juli 2011) liess  der Beschwerdeführer die Gewährung von Asyl sowie der unentgeltlichen  Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und den Verzicht auf die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  beantragen.  Auf  die  Begründung  wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. D.  D.a. Mit Zwischenverfügung vom 27. Juli 2011 wies der Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art.  65 Abs.  1  VwVG  sowie  um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ab und forderte  den  Beschwerdeführer  auf,  bis  zum  11.  August  2011  einen  Kostenvorschuss  von  Fr.  600.­  zu  Gunsten  der  Gerichtskasse  zu  überweisen. D.b. Der  Beschwerdeführer  leistete  den  einverlangten  Kostenvorschuss  am 3. August 2011. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 

D­4104/2011 (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Solches liegt in casu nicht vor. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.  4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich  die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken  (Art. 3 AsylG).

D­4104/2011 4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 5.  5.1.  In  seiner  Rechtsmitteleingabe  lässt  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  geltend  machen,  die  Vorinstanz  habe  in  Verletzung  des  Untersuchungsgrundsatzes  keine  Abwägung  der  für  und  gegen  ihn  sprechenden  Sachverhaltselemente  vorgenommen,  sondern  nur  die  angeblich  gegen  ihn  sprechenden  Elemente  erwähnt.  Namentlich  seien  die  vom  Beschwerdeführer  eingereichten  Beweismittel  gänzlich  ausgeklammert  beziehungsweise  willkürlich  gewürdigt  worden.  Zudem  sei die Gesamtheit der Vorbringen des Beschwerdeführers entgegen den  Ausführungen  der  Vorinstanz  nicht  unglaubhaft  ausgefallen.  Insbesondere  zur  Militärausbildung  in  Sawa  und  zur  Flucht  aus  dem  Militärdienst  habe  der  Beschwerdeführer  entgegen  der  Behauptung  der  Vorinstanz  klare,  schlüssige  und  detaillierte  Angaben  gemacht.  Hinzu  kämen  die  Beweise.  So  seien  etwa  auf  den  als  Beweismittel  eingereichten Fotos die Militärkasernen von Sawa im Hintergrund deutlich  zu  sehen.  Auch  treffe  es  nicht  zu,  dass  die  Admission  Card  und  der  Passierschein  eine  seltsame  Gültigkeit  hätten.  Es  liege  lediglich  ein  Tippfehler vor, wie er auch  in der Schweiz vorkommen könne. Falls das  BFM  Zweifel  an  der  Authentizität  der  eingereichten  Dokumente  gehabt  hätte  und  an  einer  Abklärung  interessiert  gewesen  wäre,  hätte  es  eine  Überprüfung  durch  die  Schweizerische  Auslandsvertretung  in  Khartoum  veranlassen  können.  Die  Vorinstanz  sei  ihrer  Begründungspflicht  nicht  nachgekommen.  Schliesslich  sei  mit  Verweis  auf  Entscheidungen  und  Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission  [ARK; EMARK]  2006  Nr.  3  festzuhalten,  der  Beschwerdeführer  habe  sich  durch  seine  Flucht der Dienstpflicht entzogen, weshalb ihm eine unverhältnismässige  Strafe  im  Sinne  der  herrschenden  Rechtsprechung  drohe.  Dementsprechend sei ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. 5.2. Die Rüge der unvollständigen Sachverhaltsfeststellung ist vorweg zu  prüfen,  da  ein  allenfalls  ungenügend  abgeklärter  Sachverhalt  eine 

D­4104/2011 materielle  Behandlung  der  vorliegenden  Beschwerde  verunmöglichen  würde. 5.2.1.  Der  Untersuchungsgrundsatz  gehört  zu  den  allgemeinen  Grundsätzen des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG).  Demnach  hat  die  Behörde  von  Amtes  wegen  für  die  richtige  und  vollständige  Abklärung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  zu  sorgen.  Sie  muss  die  für  das  Verfahren  notwendigen  Sachverhaltsunterlagen  beschaffen  und  die  rechtlich  relevanten  Umstände  abklären  sowie  ordnungsgemäss  darüber  Beweis  führen.  Dieser  Grundsatz  gilt  indes  nicht uneingeschränkt, er findet sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des  Asylsuchenden  (Art.  13  VwVG  und  Art.  8  AsylG).  Trotz  des  Untersuchungsgrundsatzes  kann  sich  nämlich  die  entscheidende  Behörde  in  der  Regel  darauf  beschränken,  die  Vorbringen  des  Gesuchstellers  zu  würdigen  und  die  von  ihm  angebotenen  Beweise  abzunehmen,  ohne  weitere  Abklärungen  vornehmen  zu  müssen.  Eine  ergänzende Untersuchung kann sich jedoch aufdrängen, wenn auf Grund  dieser  Vorbringen  und  Beweismittel  berechtigte  Zweifel  oder  Unsicherheiten  bestehen,  die  voraussichtlich  nur  mit  Ermittlungen  von  Amtes wegen beseitigt werden können (vgl. EMARK 1995 Nr. 23 E. 5a S.  222). 5.2.2.  In  der  Beschwerdeschrift  wird  das  Begehren  nach  weiteren  Beweiserhebungen  durch  die  Vorinstanz  sinngemäss  damit  begründet,  diese habe einseitig  nur  die  gegen den Beschwerdeführer  sprechenden  Sachverhaltselemente  erwähnt  und  es  pflichtwidrig  unterlassen,  weitere  Abklärungen  zu  treffen,  die  es  allenfalls  ermöglicht  hätten,  die  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  in  einem  positiveren  Licht  zu  sehen.  Indessen  ist  an  dieser  Stelle  darauf  hinzuweisen,  dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  BzP  sowie  der  Direktanhörung  durch  das  BFM  Gelegenheit  hatte,  den  schweizerischen  Asylbehörden  seine  Bedrohungssituation  in  extenso  zu  schildern.  Wie  nachstehend  auszuführen  sein  wird,  vermochten  seine  diesbezüglichen  Vorbringen  nicht zu überzeugen, dies im Gleichklang mit den von ihm eingereichten  Beweismitteln.  Dieser  Umstand  generiert  jedoch,  entgegen  der  in  der  Beschwerdeschrift  vertretenen  Auffassung,  an  sich  keinen  weiteren  Abklärungsbedarf.  Aufgrund  der  Aktenlage  kommt  das  Bundesverwaltungsgericht somit zum Schluss, dass das BFM vorliegend  den Sachverhalt  vollständig erstellt  und zu Recht  keine weitergehenden  Abklärungen  –  wie  beispielsweise  eine  Botschaftsabklärung –  vorgenommen hat.

D­4104/2011 Im Folgenden gilt es zu prüfen, ob die Furcht des Beschwerdeführers vor  Verfolgung wegen der angeblichen Desertion zu einer Asylgewährung in  der Schweiz führen kann. In  diesem  Zusammenhang  ist  vorweg  auf  EMARK  2006  Nr.  3  zu  verweisen.  In  jenem Entscheid  stellte  die  vormals  zuständige ARK  fest,  die Desertion  sei  insbesondere nicht  als  subjektiver Nachfluchtgrund  im  Sinne  von  Art.  54  AsylG  zu  verstehen,  da  der  Beschwerdeführer  nicht  durch  seine  Ausreise,  sondern  bereits  durch  seine  Desertion  auf  eritreischem  Territorium  der  zu  befürchtenden  Verfolgung  ausgesetzt  worden sei (vgl. a.a.O., E. 4.12. S. 41). Dem vorliegenden Verfahren liegt  jedoch  in  dem  Sinne  ein  anderer  Sachverhalt  zugrunde,  als  der  Beschwerdeführer nicht in der Lage war, die geltend gemachte Desertion  glaubhaft zu machen. Um überhaupt desertieren zu können, müssten die  eritreischen  Behörden  den  Beschwerdeführer  vorgängig  militärisch  einberufen  und  ausgebildet  haben.  Indessen  erweisen  sich  bereits  die  diesbezüglichen Vorbringen des Beschwerdeführers als unglaubhaft, weil  sich  angesichts  seiner Vorbringen der Eindruck  aufdrängt,  er  könne bei  seiner  Schilderung  des  Militäralltags  nicht  auf  Erinnerungen  an  tatsächliche Begebenheiten zurückgreifen. In diesem Zusammenhang ist  zu  berücksichtigen,  dass  die  eritreische  Gesellschaft  in  erheblichem  Ausmass  militarisiert  ist,  weshalb  auch  Eritreer,  die  nie  Militärdienst  geleistet haben, weil  sie beispielsweise schon seit  Jahren nicht mehr  in  Eritrea  lebten,  einiges  vom  Hörensagen  zu  berichten  wissen,  beispielsweise  eine  Waffe  wie  die  Kalaschnikow  dem  Namen  nach  kennen  und  auch  eine  gängige  Magazingrösse  angeben  können.  Aus  derartigen  Kenntnissen  kann  der  Beschwerdeführer  noch  nichts  zu  seinen  Gunsten  ableiten.  Darüber  hinaus  ist  nicht  anzunehmen,  der  Beschwerdeführer  habe  bei  Fussmärschen  eine  (unbekannte)  Waffe  ohne  militärischen  Verwendungszweck  namens  "Simanov"  mitgeführt  (vgl.  Akten BFM A16/17 F76 S.  9).  Ebenso wenig  ist  anzunehmen,  der  Beschwerdeführer  habe  als  Soldat  der  Division  74,  einer  mit  schweren  Waffen  ausgerüsteten  mechanisierten  Einheit,  unter  Androhung  von  Strafe nicht einmal alle Waffen anschauen dürfen (vgl. A16/17 F83 – F87  S. 10),  oder  der  Umgang  mit  diesen  werde  mangels  eines  aktuellen  militärischen Konflikts nicht geübt (vgl. auch a.a.O., F76 S. 9). An dieser  Betrachtungsweise  vermögen  auch  die  vom  Beschwerdeführer  eingereichten  Beweismittel  nichts  zu  ändern.  So  gibt  es  entgegen  den  Vorbringen  in der Beschwerdeschrift nicht den geringsten Hinweis, dass  die Fotos  tatsächlich  in Sawa aufgenommen worden wären (vgl. A16/17  F33 S. 4; A1/1). Ausserdem pflegt auch in einem afrikanischen Land das 

D­4104/2011 Ende  der  Gültigkeitsdauer  eines  Passierscheins  nicht  vor  dem  Beginn  desselben  zu  liegen,  weshalb  dieses  Dokument  keinerlei  Beweiswert  aufweist.  Dies  gilt  gleichermassen  für  die  in  Form  von  Kopien  vorliegenden  Schulzeugnisse.  Wie  sich  aus  dem  Gesagten  ergibt,  ist  entgegen  der  auf  Beschwerdeebene  vertretenen  Einschätzung  auszuschliessen, dass er sich durch Flucht der Dienstpflicht entzog, dies  umso  weniger,  als  seine  Vorbringen  zur  Flucht  ebenfalls  nicht  den  Schluss zulassen, er habe sie selbst erlebt  (vgl. A9/12 Ziff. 16 S. 7 und  8).  Zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  kann  im  Übrigen  auf  die  zutreffenden  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  verwiesen  werden.  Da  er  mit  der  illegalen  Ausreise  einen  subjektiven  Nachfluchtgrund  geschaffen  hat,  kann  ihm  indessen  kein  Asyl  gewährt  werden  (Art.  54  AsylG).  Die  Vorinstanz  hat  sein  Asylgesuch  zu  Recht  abgelehnt. 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). 6.3. Wegen des Vorliegens eines subjektiven Nachfluchtgrunds im Sinne  von Art. 54 AsylG ordnete das BFM in der angefochtenen Verfügung vom  21.  Juni  2011  die  vorläufige  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  als  Flüchtling an (vgl. die weiterhin zutreffende Praxis in EMARK 2000 Nr. 16  E.  5a  S.  141  f.,  mit  weiteren  Hinweisen).  Somit  erübrigen  sich  in  casu  weitere  Ausführungen  hinsichtlich  der  Durchführbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs. 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

D­4104/2011 8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG),  auf  insgesamt  Fr. 600.­ festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und  mit  dem  am  3.  August  2011  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  zu  verrechnen. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und mit  dem  am  3.  August  2011  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Fulvio Haefeli Gert Winter Versand:

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