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Bundesverwaltungsgericht 28.10.2011 D-3926/2008

28 ottobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,513 parole·~18 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM 13. Mai 2008

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­3926/2008 law/auj Urteil   v om   2 8 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Maurice Brodard, Richter Fulvio Haefeli;  Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger. Parteien A._______, geboren am […],  dessen Ehefrau  B._______, geboren am […],  und deren Kinder  C._______, geboren am[…],  D._______, geboren am[…], E._______, geboren am[…], Afghanistan,  alle vertreten durch Urs Ebnöther, Rechtsanwalt,  […],  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 13. Mai 2008 / N […].

D­3926/2008 Sachverhalt: A.  Die  aus  Z._______  (Y._______,  Provinz  Wardat)  stammenden  Beschwerdeführenden  verliessen  ihr  Heimatland  eigenen  Angaben  zufolge  mit  ihren  Kindern  Ende  Februar  respektive  Anfang  März  1999.  Über  Pakistan  und  die  Türkei  gelangten  sie  am  18. März  1999  in  die  Schweiz,  wo  sie  am  selben  Tag  um  Asyl  nachsuchten.  Anlässlich  der  Befragung vom 31. März 1999 (BzP) erhob das damalige Bundesamt für  Flüchtlinge  (BFF;  heute  BFM)  im  Transitzentrum  Altstätten  die  Personalien der Beschwerdeführenden und befragte sie summarisch zum  Reiseweg und  zu  den Ausreisegründen. Nach  diesen Erhebungen wies  das Bundesamt sie für die Dauer des Verfahrens dem Kanton X._______  zu, wo sie von der zuständigen kantonalen Behörde am 23. April 1999 zu  den Asylgründen angehört wurden.  B.  B.a. Zur Begründung des Asylgesuches machte der Beschwerdeführer im  Wesentlichen  geltend,  im Frühling  1998  hätte  die Hezb­e Wahdat  ihn –  wie alle männlichen Hazara  im Alter  von 16 bis 50 Jahren – zum Krieg  gegen  die  Taliban  eingezogen.  Nach  der  Eroberung  von Bamian  durch  die Taliban im Herbst 1998 habe er die Front verlassen und sich mit Frau  und  Kindern  zu  einem  Onkel  nach  Kabul  begeben.  Während  des  fünfmonatigen  Aufenthalts  in  Kabul,  wo  er  sich  nicht  auf  die  Strasse  getraut  habe,  habe er  erfahren,  dass die Taliban bei  ihm zu Hause am  12. Oktober 1998 eine Hausdurchsuchung durchgeführt und dabei Bilder  von  ihm  mitgenommen  sowie  einen  Bruder,  welcher  als  Mitglied  der  Wahdat­Partei gegen die Taliban gekämpft habe, verschleppt hätten. Die  Taliban  hätten  seinen  Vater  während  der  Eroberung  von  Bamian  im  Zeitraum zwischen dem 13. September 1998 und dem 30. Oktober 1998  getötet,  weil  dieser  den Krieg  in Bamian  finanziell  unterstützt  habe. Ein  Bruder  sei  im  Krieg  gefallen.  Bei  einer  Rückkehr  nach  Afghanistan  befürchte er, von den Taliban ermordet und von der Wahdat­Partei in den  Krieg  geschickt  zu  werden.  Zudem  brachte  er  vor,  mit  diversen  Splittergruppen der Hazara Probleme gehabt zu haben, da diese ihn (und  andere  Hazara)  für  den  Kriegsdienst  oder  für  materielle  Unterstützung  hätten gewinnen wollen. Sodann gehe es  ihm auch um die Zukunft und  die Ausbildung seiner Kinder.  B.b.  Die  Beschwerdeführerin  machte  geltend,  sie  habe  eine  Verschleppung  durch  die  Taliban  befürchtet,  weil  diese  Frauen  und 

D­3926/2008 Kinder der von ihnen gesuchten Männer als Geiseln nähmen, damit sich  die Gesuchten stellten. Zudem habe sie Angst um ihre Kinder gehabt, da  die Taliban immer wieder Knaben und junge Frauen entführten. Während  ihres  mehrmonatigen  Aufenthalts  in  Kabul  habe  ein  Talib  sie  einmal  geschlagen beziehungsweise  ihr gedroht, sie umzubringen, als sie ohne  Burka das Haus verlassen habe.  C.  Mit Schreiben vom 21. Mai  1999  teilte die  kantonale Behörde dem BFF  mit,  gemäss Mitteilung der Dolmetscherin nach der Befragung dürfte es  sich bei den Beschwerdeführenden um iranische Staatsbürger handeln.  D.  Am  7. Juni  1999  ging  beim  BFF  ein  anonymes  fremdsprachiges  Denunziationsschreiben  ein,  in  welchem  erklärt  wird,  die  Beschwerdeführenden hätten die  letzten 14 Jahre  in  Iran gelebt und die  Kinder sprächen Persisch.  E.  Am  7. August  2000  reichte  der  Beschwerdeführer  einen  Parteiausweis  der  Wahdat  sowie  ein  Schreiben  zu  den  Akten,  worin  der  Chefkommandant  der Wahdat  bestätigt,  der Beschwerdeführer  habe  für  die Partei gekämpft und werde von den Taliban gesucht.  F.  Am […] gebar die Beschwerdeführerin eine Tochter, E._______.  G.  Das  Bundesamt  liess  in  der  Folge  durch  die  Fachstelle  LINGUA  Herkunftsabklärungen  vornehmen.  Die  beiden  beauftragten  Experten  legten  dem  BFF  ihre  –  in  einem  Telefongespräch  mit  dem  Beschwerdeführer  beziehungsweise  aufgrund  von  auf  Tonband  festgehaltenen  Sprachaufzeichnungen  desselben  gewonnenen –  Erkenntnisse am 18. Februar 2002 respektive am 11. März 2002 vor.  H.  Mit  Verfügung  vom  25. Juli  2003  stellte  das  Bundesamt  fest,  die  Beschwerdeführenden  erfüllten  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus  der  Schweiz,  ordnete  jedoch  aufgrund  einer  schwerwiegenden  persönlichen  Notlage  im  Falle  eines  zwangsweisen  Vollzugs  der 

D­3926/2008 Wegweisung  die  vorläufige  Aufnahme  der  Beschwerdeführenden  und  ihrer Kinder an.  I.  Mit  Urteil  vom  17. November  2006  hiess  die  Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK)  eine  gegen  diesen  Entscheid  erhobene  Beschwerde  wegen  Verfahrensfehlern  der  Vorinstanz  (Verletzung  des  Anspruchs  auf  rechtliches  Gehör)  gut,  hob  die  Ziffern  1  bis  3  der  Verfügung vom 25. Juli 2003 – die Flüchtlingseigenschaft,  das Asyl und  die  Wegweisung  betreffend  –  auf  und  wies  das  Verfahren  an  das  Bundesamt zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen zurück.  J.  Das BFM veranlasste am 22. Dezember 2006 weitere Herkunftsanalysen  durch  die  Fachstelle  LINGUA. Die  beiden  beauftragten  Experten  legten  dem BFM  ihre  –  in Telefongesprächen mit  der Beschwerdeführerin  und  dem  Sohn  F._______  gewonnenen  –  Erkenntnisse  am  7.  Februar  respektive am 26. Februar 2007 vor.  K.  Mit  Eingabe  vom  18.  Februar  2008  gingen  dem  Gericht  ein  den  Beschwerdeführer betreffendes Arztzeugnis vom 23. Oktober 2007 sowie  ein vom 12. Dezember 2007 datiertes und vom Beschwerdeführer sowie  acht  in  der  Schweiz  wohnhaften  afghanischen  Staatsangehörigen  unterzeichnetes  Schreiben  ein,  in  welchem  die  Aussagen  im  Denunziationsschreiben als unwahr bezeichnet werden.  L.  Mit  Verfügung  vom  18. März  2008  gewährte  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  das  rechtliche  Gehör  zum  Inhalt  des  Denunziationsschreibens  vom  Sommer  1999  und  zum  wesentlichen  Inhalt sämtlicher Herkunftsanalysen.  M.  Mit Eingabe vom 28. März 2008 nahmen die Beschwerdeführenden dazu  Stellung.  N.  Mit  Verfügung  vom  3. April  2008  gewährte  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  das  rechtliche  Gehör  zu  weiteren  Abklärungsergebnissen,  wonach  die  Mutter,  zwei  Brüder  und  zwei  Schwestern  der  Beschwerdeführerin  im  Jahre  1992  aus  Iran  in  die 

D­3926/2008 Schweiz  gelangt  seien,  die  Familie  einschliesslich  der  Beschwerdeführerin  sich  seit  1980  in  Iran  als  Flüchtlinge  aufgehalten  hätten,  drei  Schwestern  (darunter  die  Beschwerdeführerin)  aus  wirtschaftlichen  Gründen  bereits  im  Alter  von  […]  Jahren  verheiratet  worden  seien  und  die  Beschwerdeführerin  falsche  Angaben  zu  ihren  Personalien  gemacht  habe.  Ferner  äusserte  das  BFM  die  Vermutung,  auch  der  Beschwerdeführer  habe  vor  der  Einreise  in  die  Schweiz  mindestens zehn Jahre in Iran gelebt. Die Beschwerdeführenden nahmen  dazu  mit  Eingabe  vom  15. April  2008  unter  Beilage  der  Niederschrift  eines  Interviews Stellung, welches der Rechtsvertreter mit  einem der  in  der  Schweiz  lebenden  […]  der  Beschwerdeführerin  am  Vortag  geführt  hatte.  O.  Mit Verfügung vom 13. Mai 2008 – eröffnet am 14. Mai 2008 – stellte das  BFM  fest,  die  Beschwerdeführenden  erfüllten  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte  die  Asylgesuche  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz,  ordnete  jedoch  infolge  Unzumutbarkeit  des  Vollzugs  die  vorläufige  Aufnahme  der  Beschwerdeführenden  und  ihrer Kinder an.  P.  Mit Eingabe vom 13. Juni 2008  liessen die Beschwerdeführenden durch  ihren  Rechtsvertreter  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  beantragen,  die  Punkte  1  bis  3  des  Dispositivs  der  vorinstanzlichen  Verfügung  (Nichterfüllen  der  Flüchtlingseigenschaft,  Ablehnung  der  Asylgesuche,  Anordnung der Wegweisung; Anm. des Gerichts) seien aufzuheben, und  die  Sache  sei  zur  hinreichenden  Abklärung  des  Sachverhaltes  und  zur  Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei direkt  gestützt auf die Akten die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und Asyl in  der  Schweiz  zu  gewähren.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  liessen  sie  beantragen,  es  sei  ihnen  umgehend  das  Denunziationsschreiben  zu  edieren,  und es  sei  die  unentgeltliche Rechtspflege  zu gewähren  sowie  auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten.  Q.  Mit Verfügung vom 10. Juli 2008 verzichtete der Instruktionsrichter auf die  Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig wies er das Gesuch um  Edition des Denunziationsschreibens und Offenlegung der Identitäten der  Verfasser ab und lud das BFM unter Beizug der Akten N […] der Mutter 

D­3926/2008 und  von  Geschwistern  der  Beschwerdeführerin  ein,  innert  Frist  eine  Vernehmlassung zur Beschwerde einzureichen.  R.  In  seiner  Vernehmlassung  vom  28. Juli  2008  beantragte  das  BFM  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Der  Instruktionsrichter  liess  die  Vernehmlassung  den  Beschwerdeführenden  am  31. Juli  2008  zur  Kenntnisnahme zustellen.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden sind durch die angefochtene Verfügung besonders  berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art.  37 VGG und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist  einzutreten. 2.  Mit Beschwerde  können die Verletzung  von Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

D­3926/2008 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1.   4.1.1.  Das  BFM  hält  zur  Begründung  seines  ablehnenden  Asylentscheides  fest,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  hielten  den Anforderungen an die Glaubhaftmachung (Art. 7 AsylG) nicht stand.  Im Einzelnen  führt  es  aus,  die Beschwerdeführenden  hätten  behauptet,  vor ihrer im März 1999 erfolgten Ausreise aus Afghanistan nie im Ausland  gelebt  zu  haben.  Gemäss  dem  Denunziationsschreiben,  welches  dem  Bundesamt  im  Sommer  1999  zugestellt  worden  sei,  hätten  die  Beschwerdeführenden  jedoch vor  ihrer Einreise  in die Schweiz 14 Jahre  lang im Iran gelebt und sich vor der Einreichung des Asylgesuches beim  Bruder  der  Beschwerdeführerin  (in  W._______:  Anm.  des  Gerichts)  aufgehalten.  Die  im  Frühjahr  2002  erstellte  Analyse  der  Fachstelle  LINGUA habe zwar ergeben, dass der Beschwerdeführer  in Afghanistan  sozialisiert  worden  sei.  Der  Umstand,  dass  er  einige  typische  Farsi­ Ausdrücke  verwendet  habe,  deute  jedoch  auf  einen  Aufenthalt  im  Iran  hin.  Am  18.  März  2008  sei  den  Beschwerdeführenden  dazu  das  rechtliche  Gehör  gewährt  worden.  In  der  Stellungnahme  vom  28.  März  2008  hätten  diese  einen  vorgängigen  Aufenthalt  in  Iran  bestritten.  Hingegen  hätten  sie  eingeräumt,  dass  Verwandte  der 

D­3926/2008 Beschwerdeführerin  –  Halbbrüder,  nicht  wie  im  Denunziationsschreiben  angegeben,  Brüder  –  in  W._______  wohnten.  Weitere  Abklärungen  hätten  in  der  Folge  ergeben,  dass  im  Jahr  1992  die  Mutter  und  auch  Geschwister der Beschwerdeführerin im Rahmen einer Sonderaktion von  Iran  aus  in  die Schweiz  eingereist  seien.  Gemäss  Befragungsnotiz  des  UNHCR  vom  Dezember  1990  habe  die  Mutter  der  Beschwerdeführerin  erklärt, sie habe zusammen mit ihren Kindern seit 1980 in Iran gelebt. Die  drei ältesten Töchter hätten aus wirtschaftlichen Gründen bereits mit 14  Jahren  verheiratet  werden  müssen  und  lebten  nicht  mehr  bei  ihr  zu  Hause. Mit  Schreiben  vom  15. April  2008  (recte:  3. April  2008)  sei  den  Beschwerdeführenden  Gelegenheit  zur  Stellungnahme  eingeräumt  worden. In der Eingabe vom 15. April 2008 hätten diese anerkannt, dass  die Verwandten in der Schweiz nicht lediglich Halbbrüder, sondern Brüder  der  Beschwerdeführerin  seien.  Ebenfalls  bestätigt  hätten  sie,  dass  die  Beschwerdeführerin im Jahre 1980 nach Iran gereist sei. Bestritten hätten  sie  hingegen,  dass  die  Beschwerdeführerin  mindestens  zehn  Jahre  in  Iran gelebt habe. Vielmehr habe sie sich im Zeitraum zwischen 1984 und  1986 zu ihrem Ehemann nach Afghanistan begeben und dort eine Familie  gegründet.  Es  stehe  somit  fest,  dass  die  Beschwerdeführenden  wiederholt  in  tatsachenwidriger  Weise  angegeben  hätten,  die  Beschwerdeführerin  habe  sich  nicht  in  Iran  aufgehalten.  Die  Abklärungsergebnisse seien bloss teilweise akzeptiert worden. Die zuletzt  vorgebrachte  Behauptung,  die  Beschwerdeführerin  sei  zwischen  1984  und  1986  von  Iran  nach  Afghanistan  zurückgekehrt,  sei  deshalb  als  Versuch  zu  taxieren,  den  Sachverhalt  nochmals  an  die  vorgehaltenen,  objektiv  nicht  mehr  bestreitbaren  Abklärungsergebnisse  anzupassen.  Schliesslich  falle  auf,  dass  dem  Beschwerdeführer  der  Name  einer  afghanischen  Geldeinheit  sowie  ein  für  die  Geschichte  Afghanistans  bedeutsames  Datum  (Abdankung  Nadschibullahs)  nicht  bekannt  gewesen  sei,  und  er,  nachdem  ihm  beide  Nationalhymnen  abgespielt  worden  seien,  die  pakistanische  als  Nationalhymne  Afghanistans  zu  erkennen  geglaubt  habe  (BFM­act.  A7/24  S.  17  f.).  Diese  elementaren  Wissenslücken  seien  zusätzliche  Indizien  dafür,  dass  sich  der  Beschwerdeführer vor der Einreise in die Schweiz schon seit  langer Zeit  in  einem  Drittstaat  aufgehalten  habe.  Angesichts  der  Aktenlage  sei  es  deshalb  unglaubhaft,  dass  die  Beschwerdeführenden  bis  1999  in  Afghanistan gelebt hätten. An dieser Einschätzung vermöchten auch die  vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel, ein Mitgliederausweis  der  Wahdat  sowie  ein  Bestätigungsschreiben  des  Chefkommandanten  der Wahdat, wonach der Beschwerdeführer vom 1.1.1377 bis 23.6.1377  (afghanischer Kalender) im Einsatz gestanden sei, nichts zu ändern. Die 

D­3926/2008 Erfahrung  im  afghanischen  Kontext  zeige  nämlich,  dass  solche  Dokumente  leicht  käuflich  erwerbbar  seien  und  keinen  genügenden  Beweiswert  besässen.  Der  Beschwerdeführer  habe  überdies  vorgetragen,  sein  Bruder  habe  anlässlich  von  Kampfhandlungen  den  Bruder  eines  Hazara­Kommandanten  getötet,  welcher  mindestens  200  bewaffnete  Kämpfer  unter  seinem  Kommando  gehabt  habe.  Der  Beschwerdeführer  befürchte  deshalb,  Opfer  eines  Blutracheaktes  zu  werden. Da er dies erst im Rahmen der Beschwerde an die ARK vom 13.  August  2003  und  somit  mehr  als  vier  Jahre  nach  der  Einreichung  des  Asylgesuchs,  vorgetragen  habe,  sei  dieses  Sachverhaltselement  als  nachgeschoben  und  angesichts  der  Aktenlage  als  unglaubhaft  zu  qualifizieren.  4.1.2. Das BFM  führte weiter aus, der Beschwerdeführer habe während  der Anhörung ferner angegeben, er fürchte sich wegen seiner Ethnie und  seines mehrmonatigen militärischen Einsatzes für die Wahdat gegen die  Taliban vor einer Verfolgung durch Letztere. Überdies habe er erklärt, bei  einer Rückkehr damit rechnen zu müssen, von der Wahdat  in den Krieg  geschickt  zu  werden.  Angesichts  der  seither  grundlegend  veränderten  Lage  in Afghanistan werde mit  diesen Vorbringen  jedoch  keine aktuelle  Gefährdungssituation  mehr  dargelegt.  Diese  Vorbringen  würden  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  nicht  standhalten.  4.2.  4.2.1.  In  der  Beschwerde  wird  demgegenüber  geltend  gemacht,  die  verweigerte Offenlegung  des Denunziationsschreibens  und  der  Identität  seiner Autoren  verletze das  rechtliche Gehör der Beschwerdeführenden  und  beeinträchtige  ihr  Recht  auf  eine  wirksame  Beschwerde.  Ohne  Kenntnis  des  genauen  Inhalts  des  Schreibens  sei  nicht  eruierbar,  weshalb  das  BFM  ihm  derart  viel  Gewicht  beimesse,  dass  es mehrere  Herkunftsanalysen  veranlasst  habe. Namentlich  sei  nicht  ersichtlich,  auf  welche  Informationsquellen  sich  die  Verfasser  des  Schreibens  gestützt  hätten. Es bestehe kein öffentliches Interesse an der Geheimhaltung der  Autoren, und das Dokument sei zu edieren.  4.2.2.  Zu  den  Herkunftsanalysen  der  Fachstelle  LINGUA  wird  in  der  Beschwerde  ausgeführt,  die  afghanische  Herkunft  des  Beschwerdeführers werde im Gutachten nicht bezweifelt. Der Experte Nr.  314  habe  fälschlicherweise  aus  der  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  einige  typische  Farsi­Wörter  verwendet  habe,  auf 

D­3926/2008 einen Aufenthalt desselben  in  Iran geschlossen. Die verwendeten Farsi­ Wörter  hätten  jedoch  durch  zahlreiche  aus  Iran  zurückkehrende  afghanische  Flüchtlinge  in  den  täglichen  Sprachgebrauch  der  in  Afghanistan lebenden afghanischen Bevölkerung Eingang gefunden. Das  den  Beschwerdeführer  betreffende  Gutachten  des  Experten  PA03  vom  Frühjahr  2002  sowie  die  zwei  Herkunftsanalysen  desselben Gutachters  für  die  Beschwerdeführerin  und  den  Sohn  F._______  enthielten  keine  Hinweise auf einen Aufenthalt  in Iran. Es würden somit widersprüchliche  Gutachten vorliegen. Der Verfügung sei nicht zu entnehmen, weshalb das  BFM  das  eine  Gutachten  stärker  gewichte  und  wieso  es  den  Umstand  nicht berücksichtigt habe, dass in drei anderen Gutachten keine Hinweise  auf  einen  Aufenthalt  im  Iran  festgestellt  worden  seien,  obwohl  die  Tatsache,  dass  der  Experte  PA03  sowohl  die  beschwerdeführenden  Eltern als auch den Sohn begutachtet habe, für eine stärkere Gewichtung  von  dessen  Analyseergebnissen  spreche.  Die  Sprachanalyse  des  Sohnes  sei  insofern  von  grosser Relevanz,  als  Kinder  und  Jugendliche  die  Sprache  und  den Dialekt  des  Aufenthaltsortes  bekanntlich  verstärkt  aufnähmen. Das BFM habe die stärkere Gewichtung des Gutachtens des  Experten  314  nicht  hinreichend  begründet  und  damit  den Anspruch  der  Beschwerdeführenden auf rechtliches Gehör verletzt. Die Würdigung der  Expertisen sei zudem willkürlich.  4.2.3.  In  der  Beschwerde  wird  sodann  eingeräumt,  die  Beschwerdeführerin  habe  tatsächlich  verschwiegen,  dass  sie  1980  mit  ihrer Familie  in den  Iran gereist sei und dort gelebt habe, und dass  ihre  Familie  sich  seit  1992  in  der  Schweiz  aufhalte.  Der  paschtunische  Dolmetscher im Transitzentrum habe offenbar ethnisch­religiös motivierte  Ressentiments  gegen  die  Beschwerdeführenden  gehegt  und  diesen  daher geraten, die Anwesenheit von Familienangehörigen in der Schweiz  sowie  den  Aufenthalt  der  Beschwerdeführerin  in  Iran  zu  verschweigen.  Der  Dolmetscher  der  Erstbefragung  habe  auch  die  Rückübersetzung  teilweise  verweigert,  was  der  Beschwerdeführer  bereits  anlässlich  der  kantonalen Anhörung moniert habe. Zudem habe der Dolmetscher unter  Verletzung  seiner  Geheimhaltungspflichten  innerhalb  der  afghanischen  Exilgemeinschaft  Gerüchte  und  Verleumdungen  über  die  Beschwerdeführenden verbreitet, was im Denunziationsschreiben an das  BFM  gegipfelt  habe.  Der  Dolmetscher  trage  eine  persönliche  Fehde  gegen  die  Beschwerdeführenden  aus  und  gehöre  zu  den  Autoren  des  Schreibens. Seine falschen und völlig haltlosen Anschuldigungen, denen  das BFM nachgegangen sei,  hätten sich auch nicht  durch die LINGUA­ Gutachten  bestätigen  lassen.  Nur  die  Behauptung,  die  Familie  der 

D­3926/2008 Beschwerdeführerin lebe in der Schweiz, treffe zu – diese Tatsache habe  der  Dolmetscher  gekannt,  da  er  selber  den  Beschwerdeführenden  anlässlich der Befragung geraten habe, sie zu verschweigen. Einzig das  BFM  wisse  derzeit  mit  Sicherheit,  ob  der  besagte  Dolmetscher  zu  den  Autoren  des  Denunziationsschreibens  gehöre;  sollte  dies  der  Fall  sein,  würde dadurch die Aussagekraft der Empfangsstellenbefragung erheblich  beeinträchtigt.  Die  Beweiswürdigung  des  BFM  bezüglich  des  Denunziationsschreibens  erscheine  fragwürdig.  Das  BFM  messe  einer  unbestätigten  Aussage  von  Privatpersonen,  die  einen  Asylsuchenden  diffamierten, mehr Gewicht zu als einem Bestätigungsschreiben, mit dem  sich mehrere Personen dafür verbürgten, dass der besagte Asylsuchende  die Wahrheit gesagt habe. Dass die Beschwerdeführerin gegenüber dem  unterzeichnenden Rechtsanwalt zunächst behauptet habe, bei den in der  Schweiz  lebenden  Verwandten  handle  es  sich  nur  um  ihre  Halbbrüder,  sei  verständlich,  hätten  die  Beschwerdeführenden  doch  eine  Weile  gebraucht,  um Vertrauen  zum während  des Beschwerdeverfahrens  neu  mandatierten Rechtsvertreter aufzubauen. Deshalb hätten sie  ihm  leider  erst sehr spät anvertraut, dass die Familie der Beschwerdeführerin in der  Schweiz  lebe. Diese  Tatsache  sei  dem BFM mittels  Stellungnahme  zur  Kenntnis gebracht worden. Bei den Ausführungen in der Eingabe vom 15.  August  2008,  welche  das  BFM  ohne  nähere  Begutachtung  als  Schutzbehauptung  abgetan  habe,  handle  es  sich  keineswegs  um  den  Versuch, den Sachverhalt an die Abklärungsergebnisse anzupassen. Ein  Bruder der Beschwerdeführerin, G._______ (N […]) habe im am 14. April  2008  durch  den  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführenden  durchgeführten  Interview  (vgl.  act.  A56/3)  bestätigt,  dass  die  Beschwerdeführerin 1980 mit der Familie – der Mutter und den anderen  Geschwistern  –  nach  Iran  gekommen  sei.  Die  Beschwerdeführerin  sei  allerdings "nicht sehr  lange"  in Iran geblieben, da sie "schon etwa 1984"  an  den  Beschwerdeführer  verheiratet  worden  und  nach  Afghanistan  zurückgekehrt sei (vgl. Ziff. 3.4 Seite 8 der Beschwerde). Das BFM habe  das  Interview mit  dem Bruder  der Beschwerdeführerin mit  keinem Wort  erwähnt  und  somit  nicht  beachtet,  was  ebenfalls  einer  Verletzung  des  rechtlichen Gehörs gleichkomme.  4.2.4. Die von der Vorinstanz als mangelhaft beanstandeten Afghanistan­ Länderkenntnisse  des  Beschwerdeführers  werden  in  der  Beschwerde  damit erklärt, dieser sei  in einem Dorf  in einer sehr abgelegenen Region  des  Landes  aufgewachsen,  wo  er  die  Nationalhymne  wohl  nicht  oft  zu  hören  bekommen  habe,  was  auch  für  die  übrigen,  ihm  vermeintlich  fehlenden Kenntnisse zutreffe. Zahlreiche Fragen zu Afghanistan habe er 

D­3926/2008 völlig  richtig  beantwortet.  Die  LINGUA­Herkunftsgutachten  hätten  übereinstimmend ergeben, dass die Beschwerdeführenden afghanischer  Herkunft seien und ihre Sozialisierung in Afghanistan stattgefunden habe.  Hätten sich die Beschwerdeführenden tatsächlich mehrere Jahre vor der  Einreise  in  die  Schweiz  bereits  im  Ausland  aufgehalten,  wäre  dies  anhand  der  sprachlichen  Sozialisierung  des  Sohnes  F._______  zweifelsohne feststellbar. In den Herkunftsgutachten werde aber vielmehr  festgehalten,  es  lägen  keine Hinweise  auf  einen  Auslandaufenthalt  vor.  Die Vorinstanz gewichte ohne sachliche Gründe einzelne Indizien stärker  als ein fachliches Gutachten von kompetenter Stelle.  4.2.5.  Den  eingereichten  Beweismitteln  habe  das  BFM  in  antizipierter  Beweiswürdigung  jeglichen  Beweiswert  abgesprochen  mit  der  Begründung,  solche  Dokumente  seien  leicht  käuflich  erwerbbar,  dies,  ohne  allfällige  Fälschungsmerkmale  oder  konkrete  Hinweise  für  diese  Annahme  darzutun.  Die  eingereichten  Dokumente  seien  echt  und  auf  ordentliche Weise beschafft worden. Der Argumentation der Vorinstanz,  das  Vorbringen  der  Tötung  des  Bruders  eines  Hazara­Kommandanten  durch den Bruder des Beschwerdeführers sei nachgeschoben und damit  unglaubhaft,  wird  in  der  Beschwerde  entgegengehalten,  aufgrund  der  durch  den  paschtunischen  Dolmetscher  verursachten  feindseligen  Stimmung habe sich der Beschwerdeführer nicht getraut, ausführlich über  sämtliche Probleme seiner Familie  zu berichten. Deshalb müsse dieses  erst  auf  Beschwerdeebene  geltend  gemachte  Vorbringen  berücksichtigt  werden.  Die  Taliban  seien  in  Afghanistan  wieder  stark  im  Aufwind,  weshalb  der  Beschwerdeführer  als  ehemaliger  Kämpfer  für  die Wahdat  nach wie  vor  ernsthaft  damit  rechnen müsse,  bei  einer Rückkehr Opfer  eines Racheaktes der Taliban zu werden. Hinzu komme die Bedrohung  seitens der Familie des Hazara­Kommandanten. Zusammenfassend wird  festgehalten, das BFM stütze seine Einschätzung grösstenteils auf wenig  überzeugende  Argumente  sowie  auf  Mutmassungen.  Die  verweigerte  Offenlegung des Denunziationsschreibens verletze das rechtliches Gehör  der  Beschwerdeführenden.  Der  angefochtene  Entscheid  sei  in  verschiedener Hinsicht  ungenügend  begründet  und  stütze  sich  auf  eine  willkürliche  Beweiswürdigung.  Die  Sache  sei  daher  zur  hinreichenden  Abklärung des Sachverhaltes und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz  zurückzuweisen.  5.   5.1.  Das  BFM  hat  den  Beschwerdeführenden  am  18.  März  2008  den  wesentlichen  Inhalt  des Denunziationsschreibens  offengelegt  und  ihnen 

D­3926/2008 das  rechtliche  Gehör  dazu  gewährt.  Aus  diesem  Grund  und  weil  ein  Anwendungsfall  von  Art.  27  Abs.  1  Bst.  b  VwVG  vorliegt,  hat  das  Bundesverwaltungsgericht mit Verfügung vom 10. Juli 2008 das Gesuch  der  Beschwerdeführenden  um  Edition  des  Denunziationsschreibens  abgewiesen. Eine Gehörsverletzung liegt somit nicht vor. Festzuhalten ist  jedoch, dass  in der Beschwerde zu Recht geltend gemacht wird, es sei  unklar,  aus  welchen  Quellen  die  Aussagen  stammten,  die  Beschwerdeführenden hätten 14 Jahre als Flüchtlinge in Iran gelebt, und  ein  Bruder  des  Beschwerdeführers  sei  bei  einem  Motorradunfall  ums  Leben  gekommen  und  nicht,  wie  vom  Beschwerdeführer  behauptet,  im  Krieg gegen die Taliban. Weder ist gesichert, wer das Schreiben verfasst  hat,  noch steht  fest,  ob die darin enthaltenen  Informationen auf eigener  Wahrnehmung  der  anonym  bleibenden  Autoren  oder  auf  Informationen  von  unbekannten  Drittpersonen  beruhen.  Daher  lässt  sich  aus  dem  Denunziationsschreiben  nichts  zu Ungunsten  der Beschwerdeführenden  ableiten.  Im  Gegensatz  zur  Vorinstanz  misst  das  Bundesverwaltungsgericht  dem Denunziationsschreiben  bei  der Prüfung  der Asylvorbringen denn auch keinerlei Beweiswert bei.  5.2.  Entgegen  der  in  der  Beschwerde  vertretenen  Ansicht  bestehen  zwischen  den  verschiedenen  Herkunftsgutachten  zur  Frage  eines  allfälligen  vorgängigen  Aufenthalts  der  Beschwerdeführenden  in  Iran  keine  Widersprüche.  Widersprüchliche  Ergebnisse  zwischen  dem  Gutachten  des  Experten  Nr.  314  und  den  drei  Analysen  des  Experten  PA03  würden  nur  dann  vorliegen,  wenn  Letztere  explizit  zum  Ergebnis  kämen, es bestünden keine Hinweise auf einen Aufenthalt in Iran. Dies ist  vorliegend  nicht  der  Fall,  äussern  sich  doch  weder  das  den  Beschwerdeführer  betreffende  Gutachten  des  Experten  PA03  vom  Frühjahr  2002  noch  die  zwei  Herkunftsanalysen  desselben  Gutachters  über  die  Beschwerdeführerin  und  den  Sohn  F._______  zu  einem  Aufenthalt  in Iran. Dass beim Sohn keine Hinweise auf Farsi­Kenntnisse  erwähnt werden, erstaunt angesichts der Tatsache nicht, dass er im Alter  von  […]  Jahren  in  die  Schweiz  eingereist  ist  und  die  Herkunftsanalyse  erst  im  Alter  von  fast  […]  Jahren  erstellt  wurde.  Die  Frage,  ob  die  Beschwerdeführenden  bis  kurz  vor  ihrer  Einreise  in  die  Schweiz  tatsächlich  in  Afghanistan  gelebt  haben,  wie  sie  vorbringen,  oder  sich  während  einer  ungewissen Zeit  in  einem Drittstaat  aufgehalten  haben –  wovon  die  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung  ausgeht  –  kann  vorliegend offenbleiben, weil sich nach Prüfung der Akten ergibt, dass die  Verfolgungsvorbringen  der  Beschwerdeführenden  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  sowie  teilweise  tatsachenwidrig, 

D­3926/2008 widersprüchlich  und  nachgeschoben  sind,  weshalb  sie  den  Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 Asyl G ohnehin nicht  zu genügen vermögen.  5.3.  5.3.1.  Vorweg  ist  festzuhalten,  dass  die  Beschwerdeführenden  verschwiegen  haben,  dass  die  Beschwerdeführerin  ab  1980  zumindest  einige Jahre  lang mit  ihrer Mutter und  ihren Geschwistern  in  Iran gelebt  hat.  Entgegen  der  in  der  Beschwerde  vertretenen  Ansicht  hat  die  Beschwerdeführerin  dies  nicht  nur  an  der  BzP  verheimlicht,  an  der  sie  "unter dem Einfluss des böswilligen Dolmetschers" gestanden haben soll  (vgl. Ziff. 3.5 Seite 8 der Beschwerde), sondern auch an der Anhörung zu  den Asylgründen, bei welcher der genannte Dolmetscher nicht anwesend  war (vgl. act. A6/25 S. 8). Die Aussage, die Beschwerdeführenden hätten  sich  vor  ihrer  Ausreise  aus  Afghanistan  nie  in  einem  anderen  Land  aufgehalten,  ist  zumindest  in  Bezug  auf  den  Aufenthalt  der  Beschwerdeführerin  offensichtlich  wahrheitswidrig.  Die  Beschwerdeführenden  haben  ferner  tatsachenwidrig  zu  Protokoll  gegeben,  sie  hätten  in  der  Schweiz  ausser  dem  Ehegatten  und  den  gemeinsamen  Kindern  keine  Familienangehörigen  (vgl.  act.  A2/9  S.  2,  A1/10  S.  3,  A6/25  S.  7,  A7/24  S.  6);  dass  sich  die  Brüder  der  Beschwerdeführerin  in  der  Schweiz  aufhalten,  haben  sie  verschwiegen.  Die  diesbezüglichen  Rechtfertigungsversuche  in  der  Beschwerde  überzeugen nicht, ist doch nicht ersichtlich, weshalb es eines besonderen  Vertrauensverhältnisses  zum  neu  mandatierten  Rechtsvertreter  bedurft  hätte, um diesem mitzuteilen, dass die Brüder der Beschwerdeführerin in  der Schweiz leben, beziehungsweise, weshalb die Beschwerdeführenden  ihm erst anvertrauten, dass Brüder – und nicht Halbbrüder – hier lebten,  nachdem sie ein Vertrauensverhältnis zu ihm aufgebaut hätten. Vielmehr  ergibt  sich  aus  den  Akten,  dass  die  Beschwerdeführenden  erst  einräumten,  die  Familie  der  Beschwerdeführerin  lebe  in  der  Schweiz,  nachdem sie mit den entsprechenden Abklärungsergebnissen konfrontiert  worden waren.  5.3.2.  Für  die  in  der  Beschwerde  erhobene  Behauptung,  der  paschtunische  Dolmetscher  im  Transitzentrum  habe  ethnisch­religiös  motivierte Ressentiments gegen die Beschwerdeführenden gehegt sowie  mit diesen eine persönliche Fehde ausgetragen und ihnen daher während  der  BzP  geraten,  die  Anwesenheit  von  Familienangehörigen  in  der  Schweiz  sowie  den  Aufenthalt  der  Beschwerdeführerin  in  Iran  zu  verschweigen, finden sich in den Akten keinerlei Hinweise. Sie ist ebenso 

D­3926/2008 spekulativ  und  nicht  plausibel  wie  die  durch  keinerlei  Hinweise,  geschweige  denn  Beweise  belegte  Unterstellung,  der  Dolmetscher  sei  Mitautor des dem BFM zugegangenen Denunziationsschreibens. Aus der  Perspektive  des  Dolmetschers  ist  nicht  ersichtlich,  weshalb  dieser  den  Beschwerdeführenden  den  –  ihre  Erfolgschancen  im  Asylverfahren  mutmasslich erhöhenden – Rat gegeben haben sollte, einen Aufenthalt in  Iran  zu  verheimlichen,  wenn  er  ihnen  tatsächlich  hätte  schaden wollen.  Aus der Sicht der Beschwerdeführenden ist sodann nicht nachvollziehbar,  weshalb  sie  auf  den Rat  eines Dolmetschers  gehört  haben  sollten,  von  dem sie den Eindruck hatten, dieser sei ihnen feindlich gesinnt. Als völlig  haltlos  erweist  sich  auch  die  in  der  Beschwerde  vorgebrachte  Behauptung,  aufgrund  der  durch  den  paschtunischen  Dolmetscher  verursachten  feindseligen  Stimmung  habe  sich  der  Beschwerdeführer  nicht  getraut,  ausführlich  über  sämtliche  Probleme  seiner  Familie  zu  berichten, weshalb er die angebliche Tötung des Bruders eines Hazara­ Kommandanten  durch  den  Bruder  des  Beschwerdeführers  im  erstinstanzlichen  Verfahren  nicht  erwähnt  habe.  Diese  Aussagen  erweisen  sich  auch  deshalb  als  nicht  plausibel,  weil  bei  der  Anhörung  sowohl  des  Beschwerdeführers  als  auch  der  Beschwerdeführerin  ein  anderer  Dolmetscher  anwesend  war  als  der  ihnen  angeblich  feindlich  gesinnte  paschtunische  Dolmetscher  an  der  BzP.  Wenn  sich  die  Beschwerdeführenden  tatsächlich  in der Gegenwart des paschtunischen  Dolmetschers an der BzP unwohl gefühlt hätten, vermag dies noch nicht  zu erklären, weshalb sie auch anlässlich der Anhörung nicht die Wahrheit  sagten,  hätten  sie  doch  dazu  ausreichend  Gelegenheit  gehabt,  und  wurden sie zu Beginn der Anhörung ausdrücklich auf die Wahrheitspflicht  sowie  die  nachteiligen  Folgen  einer  Verletzung  derselben  hingewiesen  (vgl. act. A7/24 S. 3, A6/25 S. 3). Der Beschwerdeführer hat zudem mit  seiner Unterschrift bezeugt, dass das Protokoll der BzP seinen Aussagen  entspricht  (vgl.  act.  1/10  S.  8),  und  er  hat  anlässlich  der  Anhörung  bestätigt,  dass  er  an  der  Empfangsstelle  alle  wichtigen  Asylgründe  vortragen konnte (vgl. act. A//24 S. 4). Auch die anlässlich der Anhörung  geäusserte  Aussage  des  Beschwerdeführers,  der  paschtunische  Dolmetscher habe das Protokoll der BzP nicht vollständig rückübersetzt,  wird  nicht  weiter  substanziiert.  Solche  abenteuerlichen  Verschwörungstheorien  sind  nicht  geeignet,  die  bereits  zweifelhafte  Glaubwürdigkeit  der  Beschwerdeführenden  zu  erhöhen,  sondern  tragen  im Gegenteil eher dazu bei, diese weiter zu schmälern.  5.3.3.  Der  Beschwerdeführer  macht  als  wesentliche  Asylvorbringen  geltend,  die  Taliban  wollten  ihn  aus  Rache  ermorden,  weil  er  mit  der 

D­3926/2008 Wahdat zwischen März/April 1998 und Mitte September 1998 gegen sie  gekämpft  habe.  Der  behauptete  Fronteinsatz  auf  Seiten  der  Wahdat  gegen  die  Taliban  erweist  sich  indes  als  unglaubhaft,  da  der  Beschwerdeführer  den  angeblich  geleisteten  und  als  Hauptasylgrund  angegebenen fünfmonatigen Kampfeinsatz gegen die Taliban nicht in der  erforderlichen Detailliertheit und Anschaulichkeit zu schildern vermochte.  Von  sich  aus  äusserte  er  sich  gar  nicht  zum  angeblichen  bewaffneten  Kampf gegen die Taliban. Erst auf Nachfrage hin machte er – einsilbige –  Angaben  zum  Ort  der  Kämpfe,  zur  Anzahl  auf  der  Seite  der  Hazara  kämpfender  Männer  sowie  zu  den  Namen  der  Kommandanten.  Ferner  äusserte er sich zu den verwendeten Waffen, wobei er den zum Einsatz  gekommenen Raketentyp nicht angeben konnte und die übrigen Waffen  nur oberflächlich beschrieb:  "Wir hatten M1 und Minen.  Ich hatte ein 11  Schussgewehr  und  die  Leibwächter  der  Kommandanten  hatten  Kalaschnikov"  (vgl.  act.  A7/24  S.  15).  Die  Unglaubhaftigkeit  des  Fronteinsatzes  gegen  die  Taliban  wird  sodann  durch  das  völlige  Schweigen  der  Ehefrau  zu  diesem Thema  bestätigt.  Von  einer  Ehefrau  und Mutter,  deren Ehemann über  fünf Monate  lang an der Front  gegen  die Taliban gekämpft haben will, wäre zu erwarten gewesen, dass sie zu  einer  solchen  für  sie  und  die  Kinder  sicherlich  belastenden  Situation  Ausführungen  machen  würde,  und  sei  dies  auch  nur,  indem  sie  ihre  Angst  um  den  an  der  Front  kämpfenden  Ehemann  und  Vater  in  irgendeiner  Form  ausgedrückt  oder  sich  zum  (allenfalls  schwierigen)  Alltag  in  seiner  Abwesenheit  geäussert  hätte.  Auch  mit  einer  sehr  wohlwollenden  Betrachtungsweise  lässt  sich  schliesslich  aus  folgender  Antwort der Beschwerdeführerin nach den Problemen  ihres Ehemannes  im Heimatland kein Hinweis auf einen Fronteinsatz desselben gegen die  Taliban entnehmen: "Ich weiss von seinen Problemen wirklich nichts. Als  die  Taliban  unser Dorf  umzingelt  hatten,  konnte mein Mann  nicht mehr  seiner Arbeit nachgehen. Er hatte einen Laden" (vgl. act. 6/25 S. 11). Die  Aussage des Beschwerdeführers, auch wenn man ihn nicht  in den Krieg  eingezogen hätte, würden die Taliban ihn ermorden, weil sie die Gebiete  der Hazara übernommen hätten (vgl. act. A7/24 S. 15), ist nicht geeignet,  die Glaubhaftigkeit des Fronteinsatzes zu erhöhen.  5.3.4.  Auch  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  zum  befürchteten  Racheakt der Taliban  im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan blieben  praktisch  durchgehend  sehr  allgemein  und  oberflächlich.  "Die  Taliban  wissen ganz genau, dass  ich  im Jahre 1377  (1998: Anm. des Gerichts)  gegen sie gekämpft habe, nun suchen sie mich. Ich bin nicht der Einzige,  welcher  von  den  Taliban  gesucht  wird,  sondern  jeder  einzelne  wird 

D­3926/2008 gesucht"  (vgl.  act.  A7/24  S.  8).  Auch  seine  Begründung,  weshalb  die  Taliban  ein  Foto  von  ihm  benötigten,  wirkt  konstruiert:  "Die  Taliban  bringen mein  Foto  zu  ihrem Kommandanten  um  verhindern  zu  können,  dass ich über die Grenze nach Pakistan gehen kann, um meine Ausreise  nach  Pakistan  zu  verhindern"  (vgl.  act.  A7/24  S.  12).  Den  meisten  konkreten  Fragen  wich  er  aus,  so  auch  derjenigen,  wo  sein  Bruder  H._______ von den Taliban gefangen gehalten werde: "Man hat  ihn von  Zuhause  abgeholt."  Auf  die  Aufforderung  des  Befragers,  die  gestellte  Frage zu beantworten, entgegnete er:  "Ich habe keine Ahnung" (vgl. act  A7/24 S. 8). Sodann gab er an, weder vor Beginn des Fronteinsatzes im  März/April  1998  gegen  die  Taliban  noch  nach  Beendigung  desselben  (Mitte  September  1998)  bis  zur  Ausreise  am  28.  Februar  1999  persönliche Probleme oder Kontakt zu den Taliban gehabt zu haben (vgl.  act. A7/24 S. 9, 14).  5.3.5. Der Beschwerdeführer  gab  anlässlich  der Anhörung  zu Protokoll,  nach dem Fall von Bamian (am 13. September 1998) von der Front nach  Hause  zurückgekehrt,  von  dort  mit  seiner  Frau  und  den  Kindern  nach  Kabul gezogen und sich dort bis zur Ausreise während gut fünf Monaten  bei  einem Onkel  aufgehalten  zu  haben  (vgl.  act.  7/24  S.  8,  15).  Seine  konkreten  Ausreisegründe  beziehungsweise  den  unmittelbaren  Anlass  zur  Ausreise  vermochte  er  nicht  plausibel  und  widerspruchsfrei  darzulegen. Fragen, weshalb er gerade  im angegebenen Zeitpunkt  sein  Heimatdorf  verlassen  und  nach  Kabul  gegangen  sei,  beziehungsweise  welches der konkrete Anlass für die spätere Ausreise in die Schweiz war,  wich  er  aus  oder  beantwortete  sie  unpräzise,  unsubstanziiert  und  widersprüchlich. Der Frage, ab welchem Zeitpunkt die Kriegssituation so  schlimm  geworden  sei,  dass  er  sich  zur  Ausreise  entschlossen  habe,  versuchte  er  zu  entgehen,  indem  er  sagte:  "Ich  werde  ihnen  noch  anderes  erzählen.  Die  Taliban  hacken  die  rechte Hand  der männlichen  Kinder  ab,  damit  sie  nicht  ein Gewehr  gegen  sie  erheben  können". Auf  die  Frage,  was  ihn  veranlasst  habe,  am  23.  September  1998  seinen  Heimatort Z._______  (in Richtung Kabul) zu verlassen, gab er zunächst  an, nach dem Fall von Bamian am 13. September 1998 Angst gehabt zu  haben,  weil  der  Feind  immer  näher  gerückt  sei.  Als  Anlass  für  den  Weggang  aus  Kabul  und  die  Ausreise  aus  Afghanistan  Ende  Februar  1999  nannte  er  zunächst  die  Eroberung  aller  Gebiete  des  Hazarajat  durch die Taliban sowie die Tatsache, dass er von der Ermordung seines  Vaters  und  eines  Bruders  erfahren  habe.  Im  weiteren  Verlauf  der  Anhörung  musste  der  Beschwerdeführer  dann  einräumen,  nicht  zu  wissen,  ob  der  Tod  des  Vaters  und  des  Bruders  vor  oder  nach  dem 

D­3926/2008 Zeitpunkt  erfolgt  sei,  in welchem er  seinen Herkunftsort  verlassen habe  (vgl. act. A7/24 S. 13). Die Begründung, weshalb er nicht bereits am 23.  September  1998  ausgereist  sei,  sondern  vom  Heimatdorf  zum  Onkel  nach Kabul gezogen sei, wirkt reichlich banal, ja unverfroren: "Weil mein  Weg  ins  Ausland  über  Kabul  führte"  (vgl.  act.  A7/24  S.  14).  Der  Beschwerdeführer war  ferner  nicht  in  der  Lage,  das  genaue Datum der  Einnahme seines Herkunftsortes Z._______ durch die Taliban zu nennen  (vgl. act. A1/10 S. 5). Nicht nachvollziehbar ist, wie der Beschwerdeführer  wissen konnte, dass sein Bruder H._______ auf einen Sieg der Wahdat  über die Taliban gehofft habe, gab er doch an anderer Stelle an, nicht zu  wissen, wo dieser Bruder  von den Taliban  festgehalten werde  (vgl.  act.  A7/24  S.  13,  10).  Eine  gewisse  Unbekümmertheit  im  Umgang  mit  der  Wahrheit  scheint  ferner  aus  den  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  zu  Afghanistan  sowie  den  Erklärungsversuchen  für  die  teilweise  bescheidenen  aktuellen  Länderkenntnisse  durch.  An  der  kantonalen  Anhörung  wurden  dem  Beschwerdeführer  die  afghanische,  die  pakistanische und die  iranische Nationalhymne vorgespielt. Nachdem er  zunächst  angab,  seit  Jahren  weder  Radio  gehört  noch  ferngesehen  zu  haben,  bezeichnete  er  die  pakistanische  Nationalhymne  als  die  afghanische und fügte an, diese habe er während seiner Schulzeit häufig  gehört. Zwar wurde die afghanische Nationalhymne mehrere Male durch  eine neue ersetzt, doch erklärt dies nicht, wie er dazu kommt, zu Protokoll  zu  geben,  die  pakistanische  Hymne  als  Kind  häufig  gehört  zu  haben.  Auch seine Begründung, weshalb er nicht  in der Lage war, die Farbe(n)  der  afghanischen  Flagge  anzugeben  –  "Ich  habe  seit  Jahren  keine  einzige Flagge gesehen,  ich  lebe  in  einem Dorf"  (vgl.  act. A7/24 S.  17)  vermag  nicht  zu  überzeugen,  zumal  Flaggen  üblicherweise  nicht  nur  in  Städten  wehen,  sondern  auch  in  Dörfern,  und  nach  allgemeiner  Lebenserfahrung  jedes  Kind  die  Flagge  seines  Wohnsitz­  oder  Heimatstaates  kennt,  unabhängig davon, ob es  in einer  ländlichen oder  städtischen Umgebung aufwächst. Zudem gab der Experte im Gutachten  an,  beim  Beschwerdeführer  handle  es  sich  aufgrund  seiner  Ausdrucksweise  um  eine  gebildete  Person.  Auch  ist  sehr  unwahrscheinlich,  dass  die  Beschwerdeführenden  während  ihres  angeblichen fünfmonatigen Aufenthalts in Kabul vor der Ausreise nie eine  afghanische  Flagge  gesehen  haben wollen,  zumal  ihnen  nicht  geglaubt  werden kann, dass sie das Haus des Onkels kaum verlassen haben.  5.3.6. Die Beschwerdeführerin vermochte auf zahlreiche konkrete Fragen  keine  Antwort  zu  geben  und  antwortete  häufig  mit  "Bitte  fragen  Sie  meinen Mann, ich weiss es nicht" (vgl. act. A6/25 S. 10­12). So konnte sie 

D­3926/2008 nicht  angeben,  wann  ihr  Dorf  von  den  Taliban  umzingelt  wurde  (vgl.  act. A 6/25  S.  14).  Zu  den  Asylgründen  ihres  Mannes  vermochte  sie  ausser  der  Aussage,  dass  die Wahdat­Partei  ihn  gezwungen  habe,  am  Krieg  teilzunehmen,  keine  Angaben  zu  machen.  War  eine  konkrete  Stellungnahme nicht zu vermeiden, verstrickte sie sich  in Widersprüche.  Als  Zeitpunkt,  ab  welchem  ihr  Ehemann  seinen  Laden  im  Heimatdorf  nicht mehr habe  führen können, bezeichnete sie zunächst den Moment,  als die Taliban das Dorf umzingelt  hätten  (vgl.  act. A6/25 S. 11), wobei  sie  diesen  zeitlich  nicht  zu  nennen  vermochte  (vgl.  act.  A  6/25  S.  14);  später  sagte  sie:  "Als  die  Taliban  Kabul  übernommen  haben"  (vgl.  act.  A6/25 S. 14). Bei der Schilderung des Vorfalls, als sie mit  ihren Kindern  einmal  in Kabul  ohne Burka auf  der Strasse gewesen sein will,  gab sie  anlässlich der BzP zu Protokoll, "sie" hätten sie geschlagen und mit dem  Tod  bedroht,  wenn  sie  das  Haus  noch  einmal  mit  unverschleiertem  Gesicht verlassen würde (vgl. act. A2/9 S. 5). An der Anhörung beschrieb  die  Beschwerdeführerin  dieses  Ereignis  zunächst  so,  dass  ein  Angehöriger  der  Taliban  ihr  nachgeschrien  habe,  sie  solle  sofort  nach  Hause zurückkehren, ansonsten sie ausgepeitscht würde (vgl. act. A6/25  S.  10);  auf  eine  spätere Frage  der Hilfswerksvertreterin  gab  sie  an,  ein  Talib habe ihr mit dem Gewehrkolben auf die Schulter geschlagen und ihr  zu verstehen gegeben, sie solle ihr Gesicht bedecken (vgl. act. A6/25 S.  18). Zusätzlich zu den widersprüchlichen Beschreibungen dieses Vorfalls  ist  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  sie  –  die  angab,  vor  den  Taliban  "schreckliche  Angst"  zu  haben  (vgl.  act. A6/25  S.  12)  –  das  Risiko  eingegangen sein sollte, mit unverschleiertem Gesicht auf die Strasse zu  gehen  und  damit  eine  Konfrontation  mit  den  Taliban  geradezu  zu  provozieren.  5.3.7.  Die  eingereichten  Beweismittel  sind  vor  dem  Hintergrund  der  Unglaubhaftigkeit  der  Verfolgungsvorbringen  –  sechsmonatiger  Fronteinsatz  für die Wahdat und daher Befürchtung vor Racheakten der  Taliban  –  zu  würdigen.  Angesichts  der  vorstehend  aufgezeigten  Unglaubhaftigkeitselemente in den Vorbringen der Beschwerdeführenden  kommt dem Bestätigungsschreiben des Chefkommandanten der Wahdat  sowie dem angeblich von der Wahdat ausgestellte Ausweis offensichtlich  bloss  Gefälligkeitscharakter  und  somit  kein  Beweiswert  zu,  zumal  der  Beschwerdeführer  sich  auch  nicht  dazu  äusserte,  wie  er  in  den  Besitz  dieser Dokumente  gelangt  ist.  Auf  diese  ist  nicht  näher  einzugehen,  da  sie  nach  den  obigen  Erwägungen  nicht  geeignet  sind,  das  Prüfungsergebnis zu beeinflussen, aufgrund der bestehenden Aktenlage  der  rechtlich  erhebliche  Sachverhalt  für  genügend  geklärt  erachtet  und 

D­3926/2008 ohne  Willkür  vorweg  die  Annahme  getroffen  werden  kann,  weitere  Beweiserhebungen  vermöchten  keine  wesentlichen  Erkenntnisse  zu  vermitteln  und  mithin  zu  keiner  anderen  Entscheidung  zu  führen  (antizipierte  Beweiswürdigung;  vgl.  BVGE  2008/24  E. 7.2  S. 355  f.,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2003  Nr. 13  E. 4a  S. 84).  Es  besteht  daher keine Veranlassung zu weiteren Abklärungen wie einer amtlichen  Übersetzung  des  eingereichten  Bestätigungsschreibens  und  des  Parteiausweises.  Sodann  sind  weder  das  von  acht  afghanischen  Staatsangehörigen  unterzeichnete  Schreiben  vom  12.  Dezember  2007  noch die Aussagen eines Bruders der Beschwerdeführerin  in einem am  14.  April  2008  mit  dem  Rechtsvertreter  geführten  Gespräch  geeignet,  asylrechtlich  relevante  Sachverhalte  zu  belegen.  Schliesslich  hat  der  Beschwerdeführer  seine  bereits  anlässlich  der  BzP  am  31.  März  1999  geäusserte und an der Anhörung vom 23. April 1999 bekräftigte Absicht,  die bei seiner Mutter befindliche Identitätskarte zu beschaffen (vgl. A1/10  S. 3 f.,  A7/24  S.  5),  offenbar  nie  in  die  Tat  umgesetzt,  hat  er  doch  bis  heute keine Identitätskarte eingereicht.  5.4.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  bezüglich  der  geltend  gemachten  Asylgründe  hinreichend  erstellt ist. Es besteht daher kein Grund, die Sache zur Neubeurteilung an  die Vorinstanz zurückzuweisen. Der diesbezügliche Kassationsantrag  ist  demnach  abzuweisen.  Den  Beschwerdeführenden  ist  es  zudem  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Verfolgungsgefahr  nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Das Bundesamt hat  ihre Asylgesuche daher im Ergebnis zu Recht abgelehnt. 6.   6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein, verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).  6.2.  Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  (Art. 32  Bst. a  der  Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]) noch über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  (vgl.  BVGE  2009/50  E. 9  S. 733,  BVGE  2008/34  E. 9.2  S. 510,  EMARK 2001  Nr. 21).  Die  Wegweisung wurde demnach zu Recht verfügt. 

D­3926/2008 6.3.  Nachdem  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  vom  13. Mai  2008  die  vorläufige  Aufnahme  der  Beschwerdeführenden  wegen  Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung angeordnet hat, erübrigen  sich  Ausführungen  zur  Durchführbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs.  Gegen  eine  allfällige  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  stünde  den  Beschwerdeführenden  wiederum  die  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  offen  (Art. 112  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]  i.V.m. Art. 31  ff.  VGG).  In  diesem Verfahren wäre  dann  der  Wegweisungsvollzug  vor  dem  Hintergrund  sämtlicher  Vollzugshindernisse  von  Amtes  wegen  nach  Massgabe  der  in  diesem  Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse zu prüfen.  7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist daher abzuweisen.  8.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich  vollumfänglich  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs. 1  VwVG).  Der  Beschwerdeführer  ist  seit  Ende  2008  nicht  mehr  erwerbstätig.  Zwar  geht  die  Beschwerdeführerin  nach  einer  früheren  Tätigkeit als […] seit Mitte Juni 2011 einer Erwerbstätigkeit als […] nach,  und  der  Sohn  C._______  arbeitet  seit  August  2010  als  […],  doch  ist  davon  auszugehen,  dass  sie  dadurch  keine  Einkünfte  erzielen,  welche  über  den  für  fünf Personen  geltenden Grundbedarf  hinausgehen. Somit  sind die Beschwerdeführenden als prozessual bedürftig im Sinne von Art.  65  Abs.  1  VwVG  zu  erachten.  Da  die  Rechtsbegehren  ferner  nicht  als  aussichtslos  zu  bezeichnen  waren,  ist  das Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gutzuheissen.  Demnach  sind  keine  Verfahrenskosten aufzuerlegen.  (Dispositiv nächste Seite)

D­3926/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  gutgeheissen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Jacqueline Augsburger Versand:

D-3926/2008 — Bundesverwaltungsgericht 28.10.2011 D-3926/2008 — Swissrulings