Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 15.12.2011 D-3555/2008

15 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·4,438 parole·~22 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 2. Mai 2008

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­3555/2008 law/joc/sps Urteil   v om   1 5 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz),  Richterin Gabriela Freihofer, Richter Fulvio Haefeli,  Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. Parteien A._______ geboren am (…), Sri Lanka,   vertreten durch lic. iur. Claudia Tamuk, Caritas Schweiz, Abteilung Anwaltschaft, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 2. Mai 2008 / N (…).

D­3555/2008 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer, ein ethnischer Tamile und Hindu, verliess seinen  Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 3. Oktober 2006 und reiste am  24. November  2006  in  die  Schweiz  ein,  wo  er  am  gleichen  Tag  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Kreuzlingen  um  Asyl  nachsuchte. Dort wurde er am 5. Dezember 2006 zu seiner Person, zum  Reiseweg  und  summarisch  zu  den  Gründen  für  das  Verlassen  seines  Heimatlandes  befragt.  Am  15. Januar  2007  hörte  ihn  die  zuständige  kantonale Behörde einlässlich zu den Asylgründen an.  Im  Rahmen  dieser  Anhörungen  gab  er  zur  Begründung  seines  Asylgesuches  hauptsächlich  zu  Protokoll,  er  sei  in  B._______  (Nordprovinz)  geboren  und  in C._______  bei D._______  aufgewachsen  und habe dort bis Ende Mai 2004 gewohnt. Danach habe er bis August  2004  in  E._______  und  von  August  2004  bis  am  9. Juli  2006  in  F._______, Bezirk G._______, und schliesslich bis zur seiner Ausreise im  Oktober 2006 in H._______ gelebt. In Sri Lanka habe er von 1998 bis Juli  2006  die  LTTE  (Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam;  Rebellengruppe  Befreiungstiger von Tamil Eelam, "Tamil Tigers") unterstützt, indem er an  deren Mitglieder Waffen  geliefert  habe.  Am  11.  September  2001  sei  er  unterwegs  nach  B._______  gewesen,  um  ein  LTTE­Mitglied  zu  treffen,  als eine Bombe explodiert sei. Bei seiner Rückkehr nach C._______ sei  er  verhaftet  und  ins  Camp  der  sri­lankischen  Armee  in  I._______  verbracht worden. Dort habe man ihn zirka zwei Monate lang gefoltert. Er  sei mit Sand gefüllten Plastikröhren geschlagen worden. Man habe  ihm  die  Hände  auf  dem  Rücken  zusammengebunden  und  er  sei  an  den  Füssen  aufgehängt  und  sein  Kopf  sei  unter  Wasser  getaucht  worden.  Auch habe er den Rauch von verbranntem Chilipulver einatmen müssen.  Während sie geschlafen hätten, seien sie zudem mit den Füssen getreten  worden.  Sechs  Monate  später,  nach  dem  Friedensabkommen  im  März  2002,  sei  er  freigelassen  worden.  Danach  habe  er  bis  im  Jahre  2004  Kinder der 5. und 6. Klasse in C._______ in Englisch unterrichtet und die  LTTE weiterhin unterstützt. Diese habe ihn aufgefordert, nach K._______  zu gehen und dort ein Training zu absolvieren. Ende Mai 2004 habe er  dies  getan  und  habe  dabei  die  singhalesische Sprache  lernen müssen.  Ein  Mann  der  LTTE  namens  I._______  habe  ihm  in  E._______  die  Personalien  von  vier  Personen  samt  Passbildern  gegeben.  Mit  diesen  Passbildern sei er mit zwei Männern, L._______ und M._______, anfangs  August  2004  nach G._______  gereist,  wo  sie  von  einem  LTTE­Mitglied 

D­3555/2008 empfangen und nach F._______ gebracht worden seien. Dort hätten zwei  weitere Männer gewartet. Ein Vorgesetzter namens N._______ habe sie  informiert, wann die Waffen eintreffen würden. Diese seien an der Küste  von  G._______  eingetroffen  und  sie  hätten  die  Waffen  an  diese  vier  Personen,  deren  Rufnamen  O._______,  P._______,  Q._______  und  S._______ gewesen seien, liefern müssen. Diese Tätigkeit habe er etwa  zwei Jahre lang, bis Ende Juni 2006, in G._______ ausgeübt, weshalb er  auch  im Besitz einer  Identitätskarte aus G._______ gewesen sei. Dabei  hätten sie durchschnittlich vier Mal im Monat an erwähnte vier Personen  Waffen geliefert.  Im Weiteren erklärte der Beschwerdeführer,  im Auftrag  von N._______ am 2. Juli  2006 mit  L._______ nach R._______  in  eine  Lodge gegangen zu sein, um Geld zu holen. Sie hätten geplant, dass sie  am  nächsten  Tag  um  fünf  Uhr morgens  nach  F._______  zurückkehren  würden.  Um  halb  vier  Uhr  morgens  hätten  sie  von  N._______  die  Nachricht erhalten, dass ein Boot erwischt worden sei und sie nicht nach  F._______ reisen müssten, sondern zu einem anderen Ort. Daher seien  sie  um sechs Uhr  nach U._______ gereist. N._______ und ein  anderer  Mann namens V._______ seien dorthin gekommen. Diese hätten erzählt,  nicht genau zu wissen, was in G._______ passiert sei, überall sei jedoch  Polizei  präsent  gewesen.  Das  Boot  sei  am  3. Juli  2006  in  G._______  beschlagnahmt  worden.  Darauf  hätten  sich  zwei  Personen  der  LTTE  befunden.  Diese  seien  befragt  und  geschlagen  worden  und  hätten  ihre  Namen verraten, weshalb er und andere durch die Armee in W._______  und  G._______  gesucht  worden  seien.  Von  K._______  aus  seien  sie  informiert  worden,  sofort  zurückzukehren.  Sie  seien  jedoch  nicht  sofort  zurückgekehrt.  Am  Vormittag  des  4.  Juli  2006  habe  der  Beschwerdeführer  einen  Anruf  von  seiner  Mutter  aus  C._______  erhalten,  die  ihm  erzählt  habe,  Soldaten  der  Armee  seien  zu  Hause  gewesen  und  hätten  nach  seinem  Aufenthaltsort  gefragt.  Sie  habe  geantwortet,  dass  er  sich  im  Ausland  befinden  würde.  Dann  hätten  sie  seine  Geschwister  verhört.  Am  9.  Juli  2006  hätten  sie  sich  nach  K._______  begeben  und  in  den  nächsten  beiden  Tagen  seien  sie  von  einem  LTTE­Mann  namens  X._______  getrennt  befragt  worden.  Er,  L._______  und  V._______  seien  verdächtigt  worden,  der  Armee  Informationen über das Boot geliefert zu haben. Er habe die Frage, ob er  Waffen schmuggeln würde, verneint. Damals sei er krank gewesen. Dann  seien  sie  gezwungen  worden,  ein  Kampftraining  zu  absolvieren.  Da  er  von der Armee gesucht worden sei, habe er keine andere Wahl gehabt  und  zugesagt.  Die  beiden  anderen  seien  mitgenommen  und  nach  Y._______ gebracht worden. Er hingegen habe wegen seiner Krankheit  im Haus  von  Z._______  in  der  Nähe  des  LTTE­Camps  bleiben  dürfen. 

D­3555/2008 Am  11. Juli  2006  hätte  er  eigentlich  offiziell  Mitglied  der  LTTE  werden  sollen. Da  er  jedoch  das Training  aufgrund  seiner Krankheit  nicht  habe  absolvieren  können,  sei  es  nicht  zum  Beitritt  gekommen.  Am  21. Juli  2006  sei  er  nach  H._______  geflüchtet,  wo  er  sich  bis  am  2. Oktober  2006 aufgehalten habe. Dann sei er nach Colombo gereist und von dort  aus am 3. Oktober 2006 auf dem Luftweg nach AA._______ und danach  mittels  eines  indischen Reisepasses  via BB._______ nach CC._______  gelangt. Am 24. November 2006 sei er  schliesslich mit  dem Auto  in die  Schweiz  gereist.  Da  er  geflüchtet  sei,  würde  er  von  der  LTTE  gesucht.  Diese  würde  davon  ausgehen,  dass  er  Waffen  geschmuggelt  habe.  Ausserdem würde sie annehmen, dass er der Armee Informationen über  den  Waffenschmuggel  geliefert  habe.  Im  Weiteren  gab  der  Beschwerdeführer  zu  Protokoll,  vom  14. Juli  bis  am  26. Juli  2005  im  Auftrag von N._______ in AA._______ gewesen zu sein, wo er eine Akte  habe abholen müssen.  Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  eine  Identitätskarte, ausgestellt am 29. August 1997, und ein Foto, auf dem er  mit dem damaligen Chef der LTTE­(…) zu sehen sei, zu den Akten.  B.  Mit  Verfügung  vom  2. Mai  2008  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das  Asylgesuch  vom  24. November  2006  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung  an.  Zur Begründung seines Entscheid führte das BFM im Wesentlichen aus,  die Vorbringen des Beschwerdeführers seien als nicht glaubhaft im Sinne  von  Art. 7  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  zu  erachten.  Insbesondere seien die Beschreibung des Beschwerdeführers  seiner  Tätigkeiten  für  die  LTTE  sowie  auch  seine  Erlebnisse  im  LTTE­ Lager  sehr  allgemein  gehalten  und  substanzarm  ausgefallen.  Ebenso  verhalte  es  sich mit  der  angeblich  erfolgten  Flucht  aus  dem Kreise  der  LTTE  oder  jener  aus  seinem  Heimatland.  Dass  der  Beschwerdeführer  mittels  Hilfe  eines  Essenlieferanten  habe  flüchten  können,  sei  nicht  nachvollziehbar.  Auch  würden  sich  Unstimmigkeiten  über  seinen  angeblichen Beitritt zur LTTE und der in dieser Organisation ausgeübten  Funktion sowie zum Ort der jeweiligen Waffenlieferungen und zu seinem  Aufenthaltsort vor seiner Flucht aus der LTTE ergeben. Unterschiedliche 

D­3555/2008 Darstellungen würden auch hinsichtlich des Fluchtgrundes vor der LTTE  vorliegen.  C.  Gegen  diese  Verfügung  liess  der  Beschwerdeführer  mittels  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  30. Mai  2008  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  beantragen,  der  Entscheid des BFM vom 2. Mai 2008 sei aufzuheben und es sei ihm Asyl  zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit und die Unzumutbarkeit  des Vollzuges der Wegweisung festzustellen und ihm als Folge davon die  vorläufige Aufnahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess  der  Beschwerdeführer  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  und Rechtsverbeiständung ersuchen.  In  der  Beschwerde  wird  im  Wesentlichen  geltend  gemacht,  der  Beschwerdeführer habe seine Erlebnisse sehr detailliert geschildert. Zur  Art  und Weise  der  Befragung  durch  die  LTTE  und  seiner  Flucht  sei  er  nicht näher befragt worden. Er habe die LTTE seit 1998 auf verschiedene  Weise  unterstützt,  indem  er  Hilfsgüter,  Esswaren  und  Kleider  an  geflüchtete  LTTE­Mitglieder  verteilt  habe.   Dabei  habe  er  auch  Leute  rekrutiert, welche anschliessend ebenfalls Hilfeleistungen erbracht hätten.  2004 habe er ein Training  in K._______ absolviert und sei dort auch für  grössere  Einsätze  wie  der  von  ihm  genannte  Waffenhandel  geschult  worden.  Zuvor  habe  er  bereits  in  C._______  am  Waffenhandel  teilgenommen  und  diesen  dann  in  G._______  fortgesetzt,  wo  er  stationiert  gewesen  sei.  Die Waffenpakete  der  LTTE  seien  strengstens  geheim gewesen und daher in G._______ nie geöffnet worden, da dieses  in  jener  Zeit  durch  die  Armee  kontrolliert  worden  sei.  Daher  habe  er  lediglich die Befehle  seiner Vorgesetzten befolgt  und  sich nicht  um den  genauen  Inhalt  der Pakete gekümmert. Er habe  lediglich gewusst, dass  es  sich um Waffen gehandelt  habe. Das LTTE­Mitglied,  das der Armee  seinen  Namen  verraten  habe,  sei  in  der  gleichen  Gegend  wie  er  aufgewachsen. Daher habe dieses seinen Namen gekannt. Innerhalb der  LTTE  seien  ansonsten  nur  Decknamen  oder  ein  Teil  des  Namens  verwendet  worden.  Einzig  die  obersten  Mitglieder  der  LTTE  hätten  die  wirklichen  Namen  gekannt.  Er  habe  den  Essenslieferanten  sehr  gut  gekannt,  da  sie  2004  zusammen  in  K._______  gewesen  seien,  wo  sie  gemeinsam  Singhalesisch  gelernt  hätten.  Er  sei  nicht  vom  Camp  aus,  sondern vom Haus von Herrn Z._______ aus geflüchtet. Nicht nur wegen  des  Verdachtes  der  LTTE,  mit  der  Armee  kollaboriert  zu  haben,  sei  er  geflüchtet,  sondern  auch  da  er  befürchtet  habe,  in  den  bewaffneten 

D­3555/2008 Kampf  geschickt  zu  werden.  Denn  er  hätte  in  K._______  ein  Kampftraining  absolvieren  müssen.  Seit  der  sri­lankischen  Armee  der  Waffenschmuggel bekannt geworden sei, werde er durch diese gesucht.  Ob  er  Mitglied  der  LTTE  gewesen  sei  oder  diese  aber  in  erheblichem  Masse  unterstützt  habe,  sei  letztlich  irrelevant.  In  G._______  habe  er  über  eine  Mitgliedsbestätigung  verfügt,  ein  offizieller  Beitritt  habe  ansonsten  nicht  stattgefunden.  Im Weiteren  habe  er  Colombo mit  Hilfe  eines  Schleppers,  der  ihn  an  den  Kontrollen  vorbeigeschleust  habe,  verlassen.  Unter  Bezugnahme  auf  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­2775/2007  vom  14. Februar  2008  wird  ferner  ausgeführt,  als  Tamile  sei  der  Beschwerdeführer  generell  gefährdet,  von  den  staatlichen  Sicherheitsbehörden  willkürlich  verhaftet  und  auf  unbestimmte  Zeit  festgehalten  zu  werden.  Auf  dem  beim  BFM  eingereichten  Foto,  welches  während  seines  Trainingsaufenthalts  in  K._______ gemacht worden sei, sei in der Mitte I._______, der Chef der  (…)  zu  sehen.  Rechts  davon  befinde  sich  DD._______,  der  Mann,  der  aus der gleichen Gegend stamme und ihn verraten habe. Neben diesem  stehe seine Mutter, die zu Besuch gekommen sei. Der Mann ganz  links  sei sein Vater und daneben sei der Beschwerdeführer und sein Kollege  L._______  abgebildet. Dieses Foto  beweise,  dass  er mit  dem Chef  der  (…)  der  LTTE  Kontakt  gehabt  habe.  Im  Weiteren  gelte  es  zu  berücksichtigen, dass in allen Gebieten Sri Lankas eine Lage allgemeiner  Gewalt  herrsche,  da  dort  ein  Bürgerkrieg  tobe  und  gemäss  erwähntem  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  eine  Rückkehr  nach  C._______  nicht zumutbar sei. Zudem habe er nicht eine in G._______, sondern eine  in C._______ ausgestellte Identitätskarte abgegeben. In G._______ habe  er eine gefälschte, auf den Namen EE._______ lautende, Identitätskarte  verwendet. Dort  verfüge er über kein Beziehungsnetz mehr, da er nach  seiner  Flucht  nicht  mehr  von  seinen  Beziehungen  zur  LTTE  profitieren  könne. D.  Mit Verfügung vom 12. Juni 2008 hiess der zuständige Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgericht  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  gut  und  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG  wies er hingegen ab.

D­3555/2008 E.  Mit  Vernehmlassung  vom  26.Juni  2008  beantragte  das  BFM  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Dabei  hielt  es  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  der  vorinstanzlichen  Anhörungen  nie  geltend  gemacht  habe,  in  G._______  über  eine  von  der  LTTE  organisierte, auf einen anderen Namen lautende Identitätskarte verfügt zu  haben. Zudem habe er in der Erstbefragung dargelegt, dass sein Vater in  G._______  einem  Herzschlag  erlegen  sei,  was  eine  gewisse  Nähe  zu  diesem Ort aufscheinen lasse. Im Übrigen habe er an der Erstbefragung  nicht erklärt, mit Hilfe eines Schleppers von Colombo aus das Heimatland  verlassen  zu  haben.  Das  von  ihm  eingereichte  Foto  sei  sodann  nicht  aussagekräftig,  da  es  unwahrscheinlich  erscheine,  dass  sich,  bekannte,  gesuchte,  hohe  Funktionäre  der  LTTE  an  einem  identifizierbaren  Ort  ablichten lassen würden.  F.  Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  11. Juli  2008  liess  der  Beschwerdeführer  eine  Replik  einreichen,  wobei  er  im  Wesentlichen  entgegnete,  er  sei  nicht  genauer  zu  seiner  Identitätskarte  in G._______  befragt worden, weshalb er  dazu auch  keine Details  erwähnt  habe. Die  Familie  habe  keinen  Bezug  zu  G._______  gehabt,  da  der  Vater  dort  lediglich  zweimal  zu  Besuch  gewesen  sei,  wobei  er  beim  zweiten  Mal  einen  Herzschlag  erlitten  habe.  Er  sei  durch  zwei  Schlepper  begleitet  worden, der erste habe  ihn durch die Kontrollen  in Colombo geschleust  und  der  zweite  habe  ihn  nach  AA._______  begleitet.  Das  Foto  mit  I._______  sei  aufgrund  des  grossen Vertrauens  zum Beschwerdeführer  ausnahmsweise gemacht worden.  G.  Mit  Schreiben  vom  30. April  2009  reichte  die  Rechtsvertreterin  namens  des  Beschwerdeführers  ein  Schreiben  von  DD._______,  einem  Parlamentsmitglied  in  K._______  zu  den  Akten,  indem  bestätigt  werde,  dass dieser den Beschwerdeführer kenne und ihm bekannt sei, dass er in  Sri Lanka bedroht werde.  H.  Mit  Zwischenverfügung  vom  15.  November  2011  forderte  der  Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts den Beschwerdeführer  auf, bis zum 30. November 2011 eine weiterhin bestehende prozessuale  Bedürftigkeit zu belegen. 

D­3555/2008 I.  Mittels  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  23.  November  2011  teilte  der  Beschwerdeführer  dem  Bundesverwaltungsgericht  mit,  dass  er  abgesehen von kleineren Unterbrüchen seit längerer Zeit berufstätig und  derzeit  zu  100%  in  einem  Restaurantbetrieb  angestellt  sei.  Ausserdem  hielt  er  fest,  trotz  Beendigung  des  Bürgerkrieges  sei  seine  Verfolgungssituation weiterhin aktuell. Seit er sein Heimatland verlassen  habe,  hätten  Angehörige  des  CID  (Criminal  Investigation  Department)  sich  mehrmals  bei  seiner  Familie  nach  seinem  Verbleiben  erkundigt.  Seine  Brüder,  die  wie  er  die  LTTE  unterstützt  hätten,  seien  mehrmals  mitgenommen,  befragt  und  gefoltert  worden.  Wegen  der  starken  Bedrohungssituation  hätten  inzwischen  alle  drei  Brüder  Sri  Lanka  verlassen.  Einer  habe  sich  vor  drei  Jahren  nach  EE._______  begeben  und sei dort als Flüchtling anerkannt worden. Einer sei vor ungefähr zwei  Jahren nach FF._______ geflohen und  lebe dort  als Asylbewerber. Der  Dritte habe Sri Lanka vor zwei Wochen mit seiner Familie verlassen und  sei nach GG._______ gereist. In C._______ lebe nur noch die Mutter. Sie  sei aufgrund ihres Alters und Geschlechts in Ruhe gelassen worden.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; es  entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend  – endgültig  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1  AsylG;  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 52  VwVG).  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochten  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 

D­3555/2008 (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist einzutreten.  2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).  3.2. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft  ist die  Frage nach der  im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder  begründeten  Furcht  vor  einer  solchen.  Die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheides  ist  jedoch  im  Rahmen  der  Prüfung  nach  der  Aktualität  der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  wesentlich.  Veränderungen  der  objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid  sind  deshalb  zugunsten  und  zulasten  der  das  Asylgesuch  stellenden  Person  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.4  S. 38 f.;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 2 E. 8a S. 20; WALTER STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.17 und 11.18).  3.3.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7 

D­3555/2008 AsylG).  Grundsätzlich  sind  die  Vorbringen  eines  Gesuchstellers  dann  glaubhaft,  wenn  sie  genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig  und  plausibel sind; sie dürfen sich nicht  in vagen Schilderungen erschöpfen,  in  wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein  oder  der  inneren  Logik  entbehren  und  auch  nicht  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen.  Darüber  hinaus  muss  die  gesuchstellende  Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht  der  Fall  ist,  wenn  sie  ihre  Vorbringen  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abstützt,  aber  auch  dann,  wenn  sie  wichtige  Tatsachen  unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nachschiebt,  mangelndes  Interesse  am  Verfahren  zeigt  oder  die  nötige  Mitwirkung  verweigert.  Glaubhaftmachung  bedeutet  ferner  –  im  Gegensatz  zum  strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum  für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers.  Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Asylsuchenden  sprechen,  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise abzustellen (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 3.4.  Infolge  des  in  Sri  Lanka  im Mai  2009  beendeten Bürgerkriegs  und  der  seither  massgeblich  verbesserten  Sicherheitslage  (vgl.  dazu  nachstehend  E. 3.6)  ist  aus  heutiger  Sicht  zwar  auszuschliessen,  dass  der Beschwerdeführer wie von ihm geltend gemacht, bei einer Rückkehr  Verfolgungsmassnahmen  durch  die  LTTE  zu  gewärtigen  hätte,  da  die  LTTE  im gesamten Staatsgebiet  von Sri  Lanka  zerschlagen worden  ist.  Eine  Glaubhaftigkeitsprüfung  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  drängt sich indessen auf, da – wie unter E. 3.6 nachstehend aufgezeigt –  allfällige  und  wie  vorliegend  vom  Beschwerdeführer  angegebene  Kontakte  zur  LTTE  respektive  zu  einem  Kadermitglied  der  LTTE  auch  nach  Beendigung  des  Bürgerkriegs  in  flüchtlingsrechtlicher  Hinsicht  asylrechtlich relevant sein können.  3.5.  3.5.1. Übereinstimmend mit  dem BFM  ist  vorweg  festzuhalten,  dass die  Vorbringen des Beschwerdeführers unsubstanziiert, widersprüchlich und  nicht  nachvollziehbar  sind.  Er  vermochte  weder  seinen  Aufenthalt  im  Trainingslager  der  LTTE  im  Jahre  2006  noch  die  konkreten  Umstände  oder den Inhalt der Befragung durch das LTTE­Mitglied X._______ oder  seine  anschliessende  Flucht  aus  dem  Lager  der  LTTE  näher  zu  beschreiben.  Seine  Vorbringen,  wonach  er  wegen  des  Verdachtes  der 

D­3555/2008 Weitergabe  von  Informationen  an  die  Armee  hinsichtlich  der  Waffenlieferungen am 10. und 11. Juli 2006 befragt worden sei (vgl. act.  A1/12 S. 6, A16/18 S. 6), sind wenig detailreich ausgefallen, ebenso wie  die Beschreibung, er habe aus dem Haus respektive dem Camp flüchten  können, da er einem Mann namens HH._______, der das Essen geliefert  habe,  von  seinen  Problemen  erzählt  habe  und  dieser  ihn  dann  mittels  Passierschein  seines  Sohnes  nach H._______  gebracht  habe  (vgl.  act.  A1/12  S.  7,  A16/18  S. 10).  Der  Beschwerdeführer  verstrickt  sich  diesbezüglich  zugleich  in Widersprüche.  Einmal  legte  er  dar,  er  sei  am  21. Juli  2006  aus  einem Haus  in  der Nähe  des Camps,  in  dem er  sich  wegen seiner Krankheit aufgehalten habe, mit dem Bus nach H._______  geflüchtet  (vgl.  act. A1/17 S. 7),  an anderer Stelle erklärte er  jedoch, er  sei  aus  dem  Camp,  in  dem  er  wegen  seiner  Krankheit  geblieben  sei,  geflüchtet (vgl. act. A16/18 S. 6 und S. 10 f.). Als Grund für seine Flucht  gab  er  zudem  zunächst  an,  er  sei  wegen  des  Verdachtes  der  Kollaboration mit der Armee vor der LTTE geflüchtet (vgl. act. A1/12 S. 6,  act. A16/18 S. 6), währendem er später ausführte, er habe nicht kämpfen  wollen  und  sei  deshalb  geflüchtet  (vgl.  act.  A16/18  S. 10).  Im Weiteren  leuchtet  nicht  ein,  weshalb  dem  Beschwerdeführer  trotz  bestehendem  Kollaborationsverdachtes  die Flucht  aus einem Lager  der  LTTE,  einer –  wie  das  BFM  zu  Recht  festhält  –  rigoros  operierenden  Organisation,  lediglich  mittels  Hilfe  eines  Essenlieferanten  respektive  eines  Passierscheins  dessen  Sohnes  gelungen  sein  soll.  Dem  BFM  ist  auch  darin  beizupflichten,  dass  angesichts  der  langjährigen  Tätigkeit  als  Waffenlieferant für die LTTE erstaunt, dass der Beschwerdeführer nicht in  der Lage war,  die Art  der Waffen  zu beschreiben  (vgl.  act. A1/12 S. 3).  Zudem wusste er nicht, wie die tatsächlichen Namen der vier Empfänger  der Waffenlieferungen  lauteten  (vgl.  act.  A1/12  S. 7).  Dies  ist  nicht  nur  angesichts seiner weiteren Aussage, zuvor habe er deren Foto erhalten  und deren Personalien auswendig  lernen müssen  (vgl.  act. A1/12 S. 6),  nicht  plausibel,  sondern  auch  aufgrund  des  Umstandes  nicht  nachvollziehbar, dass eines der beiden Mitglieder, die bei dem mit Waffen  beschlagnahmten  Boot  in  G._______  von  der  Polizei  festgenommen  worden  sein  sollen,  den  wirklichen  Namen  des  Beschwerdeführers  kannte  und  diesen  preisgegeben  haben  soll  (vgl.  act.  16/18 S. 7). Dem  BFM  ist  ferner  darin  zuzustimmen,  dass  hinsichtlich  seines  Beitritts  zur  LTTE  respektive  seiner  Mitgliedschaft  sowie  seiner  Funktion  in  dieser  paramilitärischen  Organisation  widersprüchliche  und  ungereimte  Angaben  des  Beschwerdeführers  vorliegen.  Im  Rahmen  der  Erstbefragung  legte  er  dar,  er  habe  die  LTTE  nicht  nur  unterstützt,  sondern er sei auch deren Mitglied gewesen (vgl. act. A1/16 S. 3 und 7). 

D­3555/2008 Anlässlich  der  einlässlichen  Anhörung  verneinte  er  hingegen  zunächst,  Mitglied  der  LTTE  zu  sein,  da  es  aufgrund  seiner  Krankheit  respektive  mangels  Trainings  nicht  mehr  zum  offiziell  vorgesehenen  Beitritt  am  11. Juli  2006  gekommen  sei  (vgl.  act.  A16/18 S. 7). Gleichzeitig  gab  er  aber  an,  seit  1998  Mitglied  gewesen  zu  sein,  jedoch  nie  gekämpft  zu  haben  (vgl.  act.  A16/18  S. 7).  Nebst  den  an  der  Erstbefragung  bereits  geschilderten  Waffenlieferungen  für  die  LTTE  machte  der  Beschwerdeführer an der kantonalen Anhörung zudem geltend, er habe  für die LTTE Leute  rekrutiert  (vgl. act. A16/18 S. 7). Dass er eine derart  wichtige Aufgabe nicht bereits anlässlich der Erstbefragung erwähnte, ist  nicht  plausibel.  Ausserdem  gab  er  zu  Protokoll,  er  sei  von  der  Armee  gesucht worden und sei der LTTE beigetreten, um sich vor der Armee zu  verstecken  (vgl.  act.  A16/18  S. 6).  Diese  Erklärung  ist  jedoch  vor  dem  Hintergrund, dass er – wie erwähnt – ebenfalls erklärte, erstmals im Jahre  2001  von  der  Armee  gesucht  und  bereits  seit  1998  Mitglied  der  LTTE  gewesen  zu  sein  (vgl.  act.  A1/12  S. 6 f.,  act.  A16/18  S. 7 f.),  nicht  einleuchtend.  Wie  das  BFM  zutreffend  festhält,  bestehen  zudem  Unstimmigkeiten betreffend den Ort und die genaue Tätigkeit hinsichtlich  der  angeblichen Waffenlieferungen.  Einerseits  legte  er  dar,  die  Waffen  seien jeweils an der Küste von G._______, das heisst im Südwesten von  Sri  Lanka,  wo  er  für  die  LTTE  in  einem Waffenlager  tätig  gewesen  sei  respektive Waffen versteckt habe, eingetroffen,  und er habe die Waffen  an LTTE­Mitglieder geliefert. Andererseits erklärte er  jedoch, die Waffen  habe er bei einem Waldrand in C._______, und damit  im Norden seines  Heimatlandes, für die LTTE versteckt und bei Bedarf an deren Mitglieder  herausgegeben (vgl. act. A1/12 S. 6 f., act. A16/18 S. 8). Was schliesslich  die Ausreise des Beschwerdeführers aus dem Heimatland anbelangt,  ist  angesichts  der  damals  herrschenden  strengen Sicherheitskontrollen  am  Flughafen  von  Colombo  nicht  wahrscheinlich,  dass  es  ihm  als  eine  angeblich von der Armee Sri Lankas gesuchten Person mit Verbindungen  zur LTTE möglich gewesen sein sollte, mit seinem eigenen Reisepass die  Flughafenkontrollen zu passieren (vgl. act. A1/12 S. 8, act. A16/18 S. 13). 3.5.2.  Die  Einwände  in  der  Beschwerde  sind  nicht  geeignet,  die  festgestellten  Unglaubhaftigkeitselemente  plausibel  zu  entkräften.  Darin  wird  nichts  Substanziiertes  über  den  Inhalt  erwähnter  Befragung  des  Beschwerdeführers  durch  die  LTTE  vorgetragen,  weshalb  die  Behauptung, dieser  sei nicht weiter  zum  Inhalt  der Befragung durch die  LTTE  befragt  worden,  nicht  stichhaltig  ist.  Ebenso  wenig  vermag  die  Argumentation  zu  überzeugen,  die  Waffen  seien  in  G._______  in  Paketen, die der Beschwerdeführer nie geöffnet habe, verpackt gewesen, 

D­3555/2008 zumal  er  –  wie  bereits  erwähnt  –  diese  Tätigkeit  jahrelang  ausgeübt  haben  soll.  Mit  dem  nachträglichen  und  als  nachgeschoben  zu  erachtenden Einwand, wonach ein Mitglied der LTTE seinen Namen der  Armee habe verraten können, da dieses  in der gleichen Gegend wie er  aufgewachsen  sei,  wird  zudem  nicht  überzeugend  erklärt,  weshalb  der  Beschwerdeführer  nicht  in  der  Lage  ist,  dessen  tatsächlichen  Namen  sowie  die  Namen  der  weiteren  Personen  zu  nennen,  wurden  doch  die  Waffen  von  Juli  2004  bis  August  2006  stets  an  die  gleichen  Personen  geliefert, deren Personalien er zu kennen erklärte. Im Gesamtkontext als  nachgeschoben  und  damit  als  unglaubhaft  erscheinen  auch  die  Einwände, wonach er den Essenslieferanten sehr gut gekannt habe, da  er  dies  ebenso  wie  den  Umstand,  er  sei  mit  diesem  zusammen  2004  schon in K._______ gewesen, bis anhin nie erwähnte, und es wird damit  auch nicht überzeugend erklärt, wie es ihm gelungen sein soll, aus einem  LTTE­Kampftrainingslager  zu  entfliehen.  Dass  der  Beschwerdeführer –  wie  in  der  Beschwerde  ausgeführt  –  bereits  vor  seinem  Training  in  K._______ 2004 in C._______ am Waffenhandel teilgenommen habe, ist  ebenfalls nicht glaubhaft, zumal er anlässlich der Erstbefragung lediglich  von Waffenlieferungen in G._______ erzählte. Zudem lässt sich dies nicht  mit seiner weiteren Behauptung vereinbaren, wonach er erstmals 2004 in  K._______  für  grössere Einsätze wie  erwähnten Waffenhandel  geschult  worden  sei.  Nicht  zutreffend  ist  auch  die  Darstellung,  der  Beschwerdeführer habe nie dargelegt, er sei aus dem Camp geflüchtet,  da er – wie zuvor zitiert – wörtlich zu Protokoll gab,  im Camp geblieben  zu sein. Im Weiteren lässt sich feststellen, dass der Beschwerdeführer im  Rahmen  der  vorinstanzlichen  Anhörung  zu  Protokoll  gab,  er  habe  über  eine  in  G._______  ausgestellte  Identitätskarte  verfügt,  wobei  er  –  wie  vom  BFM  in  der  Vernehmlassung  zu  Recht  ausgeführt  –  nie  explizit  erklärte,  diese  sei  gefälscht  gewesen.  Die  diesbezügliche  Rüge  in  der  Replik  vom  11. Juli  2008,  der  Beschwerdeführer  sei  dazu  nicht  näher  befragt  worden,  vermag  deshalb  nicht  zu  überzeugen.  Aus  dem  beim  BFM  eingereichten  Foto,  auf  welchem  unter  anderem  der  Beschwerdeführer  und  Mitglieder  seiner  Familie  in  ziviler  Kleidung  angeblich  zusammen  mit  dem  Chef  der  damaligen  (…)  der  LTTE  zu  sehen  seien,  lässt  sich  ebenfalls  nichts  zu  Gunsten  des  Beschwerdeführers  ableiten,  da  damit  weder  die  von  ihm  geltend  gemachten  Tätigkeiten  für  die  LTTE  noch  dessen  angebliche  Mitgliedschaft  bestätigt  werden.  Das  mit  Eingabe  vom  30. April  2009  eingereichte,  vom 14. März  2009  datierende Bestätigungsschreiben  von  DD._______,  ist  ebenfalls  nicht  geeignet,  die  vom  Beschwerdeführer  behauptete Verfolgungslage glaubhaft  darzutun. Vorab  fällt  nämlich auf, 

D­3555/2008 dass darin als Geburtsort des Beschwerdeführers W._______ bezeichnet  wird, was nicht mit  der Aussage des Beschwerdeführers übereinstimmt,  er  sei  in  B._______  geboren  worden.  Die  darin  enthaltene  weitere  Behauptung,  der  Beschwerdeführer  sei  im  Jahr  2001  für  zwei  Monate  inhaftiert  gewesen,  lässt  sich  zudem  nicht  mit  der  Darstellung  des  Beschwerdeführers,  wonach  er  sechs  Monate  in  Haft  gewesen  sei,  vereinbaren.  Zudem  sprach  der  Beschwerdeführer  bis  anhin  weder  davon,  dass  der  Unterzeichnende  versucht  hätte,  ihn  aus  der  Haft  zu  befreien  noch darüber,  dass er  unter Auflagen  freigelassen worden  sei,  weshalb  die  entsprechenden  Angaben  im  Bestätigungsschreiben  mit  jenen  des  Beschwerdeführers  divergieren.  Nachdem  der  Beschwerdeführer  bis  dato  nicht  einmal  andeutete,  er  habe  eine  politische  Partei  unterstützt  beziehungsweise  er  sei  politisch  tätig  gewesen,  kann  auch  die  im  Bestätigungsschreiben  enthaltene  Behauptung,  der  Beschwerdeführer  habe  die  TNA  (Tamil  National  Alliance)  respektive  DD._______  bei  seinem  letzten  regionalen  Wahlkampf  tatkräftig  unterstützt,  nicht  der  Wahrheit  entsprechen.  Das  Bestätigungsschreiben  erweist  sich  deshalb  als  blosses  Gefälligkeitsschreiben, dem kein Beweiswert beigemessen werden kann.  3.5.3. Die Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach er die LTTE seit  1998 unterstützt habe und er deswegen von der Armee gesucht und von  der LTTE der Kollaboration verdächtigt worden sei, sind demzufolge als  nicht glaubhaft zu erachten.  3.5.4.  Die  Erklärung  im  Schreiben  vom  23.  November  2011,  wonach  Angehörige des CID mehrmals die Familie des Beschwerdeführers nach  seinem  Verbleiben  befragt  und  deswegen  seine  Brüder  mitgenommen  und  gefoltert  hätten,  ist  im  Übrigen  als  blosse  Schutzbehauptung  zu  werten. Denn  – wie  aufgezeigt  –  erscheint  die  behördliche Suche  nach  dem  Beschwerdeführer  als  nicht  glaubhaft.  Ausserdem  erhellt  nicht,  weshalb  er  dieses  Vorbringen  erst  zu  einem  solch  späten  Zeitpunkt  einbringt,  hatte  doch  angeblich  einer  seiner  Brüder  wegen  erwähnter  Vorfälle  bereits  vor  zirka  drei  Jahren  die  Flucht  aus  Sri  Lanka  ergriffen  und  sich  nach  FF._______  abgesetzt.  Unterstützungstätigkeiten  seiner  Brüder  für  die  LTTE  brachte  der  Beschwerdeführer  zudem  bis  dato  nie  vor,  sondern  legte  vielmehr  dar,  aus  keiner  politischen  Familie  zu  stammen.  Bezeichnenderweise  legt  der  Beschwerdeführer  auch  keinen  einzigen  Beleg  für  die  von  ihm  behauptete  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft seines Bruders in FF._______ vor.

D­3555/2008 3.6. Seit Erlass der angefochtenen Verfügung vom 2. Mai 2008 hat sich  die  allgemeine  Lage  in  Sri  Lanka  massgeblich  verändert.  Seit  Beendigung  des  militärischen  Konflikts  zwischen  der  sri­lankischen  Armee  und  den  LTTE  im  Mai  2009  ist  von  einer  inzwischen  erheblich  verbesserten Lage in Sri Lanka auszugehen. Militärisch gelten die LTTE  als  vernichtet.  Die  Sicherheitslage  hat  sich  in  bedeutsamer  Weise  stabilisiert,  auch  wenn  sich  das  Land  immer  noch  in  einem  Entwicklungsprozess  befindet.  Die  Menschenrechtslage  hat  sich  allerdings  namentlich  hinsichtlich  der  Meinungsäusserungs­  und  der  Pressefreiheit  verschlechtert.  Politisch  Oppositionelle  jeglicher  Couleur  werden  seitens  der  Regierung  als  Staatsfeinde  betrachtet  und  müssen  mit  entsprechenden  Verfolgungsmassnahmen  rechnen  (vgl.  Urteil  E­ 6220/2006  vom  27. Oktober  2011  E. 7)  und  es  bestehen  verschiedene  Risikogruppen,  welche  auch  nach  Beendigung  des  Krieges  verdächtigt  werden,  mit  den  LTTE  in  Verbindung  zu  stehen  beziehungsweise  gestanden  zu  haben.  Auch  unabhängige  Journalisten  beziehungsweise  regierungskritische Medienschaffende haben ein erhöhtes Risikoprofil. Im  Weiteren  ist  bei  Opfern  und  Zeugen  von  Menschenrechtsverletzungen  und Personen, die entsprechende Übergriffe behördlich angezeigt haben,  mit  erhöhter  Verfolgungsgefahr  zu  rechnen.  Ausserdem  laufen  abgewiesene tamilische Asylsuchende aus der Schweiz unter Umständen  Gefahr,  bei  der  Rückkehr  behördlich  belangt  zu  werden,  weil  ihnen  Kontakte  zu  führenden  LTTE­Kadern  in  der Schweiz  unterstellt werden.  Wegen  drohender  Erpressung,  Kidnapping  und  anderen  Verfolgungshandlungen  bilden  schliesslich  Personen,  welche  über  beträchtliche  finanzielle  Mittel  verfügen,  eine  weitere  Risikogruppe.  Bei  allen Personen, die dieser Risikogruppe angehören, muss allerdings bei  der  Prüfung  der  Flüchtlingseigenschaft  das  Motiv  der  jeweiligen  Verfolgungshandlungen  sorgfältig  untersucht  werden.  Sofern  ausschliesslich ein finanzielles Verfolgungsinteresse auszumachen ist, ist  diesem Aspekt bei der Prüfung der Wegweisungshindernisse Rechnung  zu tragen (vgl. Urteil E­6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 8). 3.7.  Zufolge  seiner  nicht  glaubhaften  Aussagen  hinsichtlich  seiner  Unterstützungsleistungen  respektive  Mitgliedschaft  bei  der  LTTE  kann  nicht davon ausgegangen werden, der Beschwerdeführer habe  je dieser  militanten tamilischen Rebellenorganisation angehört. Aufgrund des zuvor  erwähnten  Fotos  (vgl.  E. 3.5.2),  welches  ihn  in  privatem  Rahmen  angeblich mit dem früheren (…) der LTTE zeigt, kann zudem nicht etwa  geschlossen werden, die sri­lankischen Behörden hätten davon Kenntnis.  Anhaltspunkte  dafür,  dass  der  Beschwerdeführer  verdächtigt  werden 

D­3555/2008 könnte, mit der LTTE  respektive einem  ranghohen Mitglied der LTTE  in  Verbindung  gestanden  zu  haben,  liegen  ebenfalls  keine  vor.  Die  Verfahrensakten  lassen  auch  nicht  darauf  schliessen,  der  Beschwerdeführer  habe  während  seines  Aufenthaltes  in  der  Schweiz  nahe Kontakte  zu  den  LTTE  respektive  einem LTTE­Kader  unterhalten.  Auch sonst gehört der Beschwerdeführer keiner der soeben unter E. 3.6  umschriebenen  Risikogruppen  an.  Eine  Verfolgung  alleine  aufgrund  seiner  Eigenschaft  als  Zugehöriger  zu  einer  vermögenden  Familie  (vgl.  act.  A16/18  S. 10)  ist  unwahrscheinlich,  zumal  den  Akten  nicht  entnommen  werden  kann,  diese  sei  in  einem  als  brisant  oder  politisch  heikel  zu  bezeichnenden  Geschäftsbereich  tätig  gewesen  oder  ziehe  alleine  aufgrund  ihres  Vermögens  das  Augenmerk  der  sri­lankischen  Behörden oder ihnen nahestehender paramilitärischer Gruppierungen auf  sich  und  müsse  daher  inskünftig  mit  entsprechenden  Behelligungen  rechnen.  Im Weiteren weist  der  Beschwerdeführer  auch  kein  Profil  auf,  nach  welchem  sich  darauf  schliessen  liesse,  dass  er  seitens  der  sri­ lankischen  Behörden  als  dissident  oder  politisch  oppositionell  wahrgenommen würde. Der Beschwerdeführer  ist denn seinen Angaben  zufolge politisch nicht tätig gewesen und er stammt auch nicht aus einer  politisch aktiven Familie. Zudem wurde er nie verurteilt und gegen ihn ist  kein Verfahren hängig (vgl. act. A1 S. 8, act. A16/18 S. 11).  3.8.  Es  ist  demzufolge  nicht  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  von  den  sri­lankischen  Sicherheitskräften  oder  von  paramilitäri­schen  Gruppierungen  landesweit  gesucht  wird  beziehungsweise in Zukunft verfolgt würde. Alleine der Umstand, dass er  seit etwas mehr als fünf Jahren landesabwesend gewesen ist und in der  Schweiz  ein  Asylgesuch  eingereicht  hat,  vermag  seine  Flüchtlingseigenschaft ebenfalls nicht zu begründen.  3.9. Angesichts  der  vorstehenden Erwägungen  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren  Ausführungen  in  der  Rechtsmitteleingabe  des  Beschwerdeführers im Einzelnen einzugehen, da sie am Ergebnis nichts  zu ändern vermögen. Der Beschwerdeführer vermag keine Gründe nach  Art. 3  AsylG  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen.  Das  BFM hat das Asylgesuch demnach zu Recht abgelehnt.  4.   4.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 

D­3555/2008 ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 4.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 4.3.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]).  Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. STÖCKLI, a.a.O., Rz. 11.148).   4.4.  4.4.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner  Form zur Ausreise  in  ein  Land gezwungen werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 0.142.30]).  Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen  werden. 

D­3555/2008 4.4.2. Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement schützt nur  Personen,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5  AsylG  rechtmässig.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Sri  Lanka  dort mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK  verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohen würde  (vgl. EGMR  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124 ­ 127,  mit  weiteren Hinweisen).  4.4.3. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat sich  wiederholt  mit  der  Gefährdungssituation  im  Hinblick  auf  eine  EMRK­ widrige  Behandlung  für  Tamilen  befasst,  die  aus  einem  europäischen  Land  nach  Sri  Lanka  zurückkehren  müssen  (vgl.  E­6220/2006  vom  27. Oktober  2011  E. 10.4.2  mit  weiteren  Hinweisen).  Der  Gerichtshof  unterstreicht dabei, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei,  zurückkehrenden  Tamilen  drohe  unmenschliche  Behandlung;  eine  entsprechende  Risikoeinschätzung  müsse  vielmehr  verschiedene  Faktoren  in  Betracht  ziehen,  aus  denen  sich  insgesamt  im  Einzelfall  schliessen  lasse,  dass  der  Betreffende  ernsthafte  Gründe  für  die  Befürchtung  habe,  die  Behörden  hätten  an  seiner  Festnahme  und  Befragung ein Interesse. Als derartige risikobegründende Faktoren nenne  der  EGMR  namentlich  Aspekte  wie  eine  frühere  Registrierung  als  verdächtigtes  oder  tatsächliches  LTTE­Mitglied,  das  Bestehen  einer  Vorstrafe  oder  eines  offenen  Haftbefehls,  die  Flucht  aus  der  Haft  oder  aus  Kautionsauflagen,  die  Unterzeichnung  eines  Geständnisses  oder  ähnlicher Dokumente, die Anwerbung als Informant der Sicherheitskräfte,  die Existenz von Körpernarben, die Rückkehr nach Sri Lanka von London  oder  von  einem  anderen  Ort,  welcher  als  LTTE­ Finanzmittelbeschaffungszentrum gelte, das Fehlen von ID­Papieren oder  anderen  Dokumenten,  die  Asylgesuchstellung  im  Ausland  oder  die 

D­3555/2008 Verwandtschaft  mit  einem  LTTE­Mitglied.  Gleichzeitig  hält  der  EGMR  fest,  dass  dem  Umstand  gebührende  Beachtung  geschenkt  werden  müsse,  dass  diese  einzelnen  Faktoren,  für  sich  alleine  betrachtet,  möglicherweise  kein  "real  risk"  darstellten,  jedoch bei  einer  kumulativen  Würdigung  diese  Schwelle  erreicht  sein  könnte,  namentlich  unter  der  weiteren  Berücksichtigung  der  aktuellen,  gegebenenfalls  erhöhten,  Sicherheitsvorkehrungen  aufgrund  der  im  Lande  herrschenden  allgemeinen Lage.  4.4.4. Was die Prüfung derartiger Risikofaktoren betreffend die Situation  des  Beschwerdeführers  anbelangt,  ist  an  dieser  Stelle  auf  die  vorangegangenen  Erwägungen  zu  verweisen,  aus  welchen  sich  ergibt,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Hinblick  auf  die  Erfüllung  der  Flüchtlingseigenschaft  keiner  Risikogruppe  zugerechnet  werden  kann  (vgl.  E. 3.7).  Nachdem  der  Beschwerdeführer  nicht  glaubhaft  gemacht  hat,  dass  er  befürchten  müsse,  bei  einer  Rückkehr  ins  Heimatland  die  Aufmerksamkeit der sri­lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich  relevanten  Ausmass  auf  sich  zu  ziehen,  bestehen  auch  keine  Anhaltspunkte  dafür,  ihm  würde  aus  demselben  Grund  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Heimatland  drohen.  Weder  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Sri  Lanka  noch  individuelle  Faktoren  in  Bezug  auf  die  Situation  des  Beschwerdeführers  lassen  demnach  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 4.5.   4.5.1.  Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  insbesondere  dann  nicht  zumutbar,  wenn  die  beschwerdeführende  Person  bei  einer  Rückkehr  in  ihren  Heimatstaat  einer  konkreten  Gefährdung  ausgesetzt  wäre.  Diese  Bestimmung  wird  vor  allem  bei  Gewaltflüchtlingen  angewendet,  das  heisst  bei  Ausländerinnen  und  Ausländern,  die  mangels  persönlicher  Verfolgung  weder  die  Voraussetzungen  der  Flüchtlingseigenschaft  noch  jene  des  völkerrechtlichen  Non­Refoulement­Prinzips  erfüllen,  jedoch  wegen  der  Folgen  von  Krieg,  Bürgerkrieg  oder  einer  Situation  allgemeiner  Gewalt  nicht  in  ihren Heimatstaat  zurückkehren  können.  Im Weiteren  findet  sie  Anwendung  auf  andere  Personen,  die  nach  ihrer  Rückkehr  ebenfalls  einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwendige  medizinische  Versorgung  nicht  erhalten  könnten  oder  –  aus  objektiver 

D­3555/2008 Sicht  –  wegen  der  vorherrschenden  Verhältnisse  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich  in völlige Armut gestossen würden,  dem  Hunger  und  somit  einer  ernsthaften  Verschlechterung  ihres  Gesundheitszustands,  der  Invalidität  oder  sogar  dem  Tod  ausgeliefert  wären (vgl. Urteil E­6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 11.1, vgl. BVGE  2009/28 E. 9.3.1 S. 367).  4.5.2.  In  der  angefochtenen Verfügung  vom  2. Mai  2008  hielt  das BFM  zur  Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzuges  im Wesentlichen  fest,  ein  Ende  der  gewalttätigen  Auseinandersetzungen  zwischen  der  sri­ lankischen Regierung und der LTTE und eine substanzielle Verbesserung  der  Sicherheits­  und  Menschenrechtslage  seien  im  Norden  und  Osten  von Sri Lanka nicht in Sicht. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in die  Nordprovinz  sei  daher  nicht  zumutbar,  indessen  eine  solche  in  den  Südwesten  des  Landes.  Für  die  Zumutbarkeit  einer Wohnsitznahme  im  Südwesten  des  Landes  spreche  aufgrund  der  Aktenlage  vor  allem  der  Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer  gemäss  eigenen  Angaben  im  Bezirk  G._______  gewohnt  habe,  und  über  eine  dort  ausgestellte  Identitätskarte verfüge. Zudem spreche er Singhalesisch, sei gesund und  verfüge  über  Erfahrungen  als  Lehrer  sowie  über  wohlhabende  Familienangehörige.  4.5.3. Seit  Ende  des  bewaffneten  Konflikts  zwischen  der  sri­lankischen  Armee  und  den  LTTE  im Mai  2009  hat  sich  die  allgemeine  Lage  in Sri  Lanka  erheblich  verbessert.  Die  Situation  in  der  Ostprovinz  hat  sich  weitgehend stabilisiert und normalisiert, so dass der Wegweisungsvollzug  in  das  gesamte  Gebiet  der  Ostprovinz  als  grundsätzlich  zumutbar  zu  erachten ist (vgl. Urteil E­6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 13.1). Die  Lage  in  der  Nordprovinz  von  Sri  Lanka  ist  indes  differenziert  zu  betrachten,  da  sich  die  Situation  gebietsweise  sehr  unterschiedlich  präsentiert.  So  ist  in  den  Gebieten,  die  bereits  seit  längerer  Zeit  unter  Regierungskontrolle stehen, das heisst in den Distrikten Jaffna und in den  südlichen  Teilen  der  Distrikte  Vavuniya  und  Mannar,  der  Alltag  eingekehrt. Die Lage in Jaffna hat sich namentlich nach der Öffnung der  Verbindungsstrasse  A9  (Hauptverkehrsachse  zwischen  Kandy  in  der  Zentralprovinz  nach  Jaffna)  im  November  2009  deutlich  gebessert  und  die Versorgungslage  ist entspannt. Die Militärpräsenz  in Jaffna hat zwar  abgenommen, ist aber nach wie vor praktisch auf jeder Strasse sichtbar.  Gleichzeitig  haben  die  Polizei­  und  Zivilbehörden  ihre  Funktionen  und  Tätigkeiten  aufgenommen  beziehungsweise  von  den  Militärbehörden  übernommen.  Gemäss  UNOCHA  hat  die  UNO  guten  Zugang  zu  den 

D­3555/2008 Rückkehrgebieten  im  Norden  ("return  areas").  Der  Fortschritt  in  diesen  Gebieten soll beeindruckend sein. Einige Schulen sind wiedereröffnet und  Spitäler wieder eingerichtet worden, wobei noch einige Lücken innerhalb  des  Basisdienstleistungsangebots  feststellbar  sind  und  die  wirtschaftlichen Aktivitäten limitiert bleiben. Das UNHCR betont, dass der  Zugang  zu  Land  und Wohnraum  für  die Rückkehrer  ein massgebliches  Problem  darstellt;  das  UNHCR  und  andere  Organisationen  in  Mannar,  Jaffna,  Vavuniya,  Batticaloa  und  Trincomalee  stellen  unentgeltlichen  Rechtsbeistand  zur  Verfügung,  um  die  Rückkehrer  in  rechtlichen  Angelegenheiten  zu  unterstützen,  wobei  nicht  alle  Regionen  abgedeckt  sind.  In den genannten Gebieten (Distrikt Jaffna und die südlichen Teile  der Distrikte Vavuniya und Mannar, mit anderen Worten: die Nordprovinz  unter  Ausschluss  des  sogenannten  "Vanni­Gebietes")  herrscht  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  und  die  dortige  politische  Lage  ist  nicht  dermassen  angespannt,  dass  eine  Rückkehr  dorthin  als  generell  unzumutbar  eingestuft  werden  müsste.  Angesichts  der  im  humanitären  und wirtschaftlichen Bereich nach wie vor fragilen Lage drängt sich aber  beim  Wegweisungsvollzug  in  dieses  Gebiet  eine  sorgfältige,  zurückhaltende  Beurteilung  der  individuellen  Zumutbarkeitskriterien  auf.  Nebst  der  allgemeinen  Zumutbarkeit  (u.a.  sozio­ökonomische  und  medizinische  Aspekte,  Kindeswohl  etc.),  ist  dabei  auch  dem  zeitlichen  Element  gebührend  Rechnung  zu  tragen.  Für  Personen,  die  aus  der  Nordprovinz  stammen  und  dieses  Gebiet  erst  nach  Beendigung  des  Bürgerkrieges im Mai 2009 verlassen haben, ist der Wegweisungsvollzug  (zurück) in dieses Gebiet als grundsätzlich zumutbar zu beurteilen, wenn  davon  ausgegangen werden  kann,  dass  die  betreffende Person  auf  die  gleiche  oder  gleichwertige  Lebens­  und  Wohnsituation  zurückgreifen  kann,  die  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  geherrscht  hat  und  dem  Wegweisungsvollzug zurück dorthin nichts im Wege steht. Liegt der letzte  Aufenthalt der betreffenden Person  in der Nordprovinz  indessen  längere  Zeit zurück (vor Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009) oder gehen  konkrete  Umstände  aus  den  Verfahrensakten  hervor,  dass  sich  die  Lebensumstände seit der Ausreise massgeblich verändert haben können,  sind  die  aktuell  vorliegenden  Lebens­  und  Wohnverhältnisse  sorgfältig  abzuklären und auf die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges hin zu  überprüfen.  In  diesem  Zusammenhang  erscheinen  namentlich  die  Existenz  eines  tragfähigen  Beziehungsnetzes  und  die  konkreten  Möglichkeiten  der  Sicherung  des  Existenzminimums  und  der  Wohnsituation  als massgebliche  Faktoren.  Falls  solche  begünstigenden  Faktoren  in  der  Nordprovinz  nicht  vorliegen,  ist  die  Zumutbarkeit  einer  innerstaatlichen  Aufenthaltsalternative  im  Übrigen  Staatsgebiet, 

D­3555/2008 namentlich  im  Grossraum  Colombo  zu  prüfen  (vgl.  Urteil  E­6620/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 13.2.1).  4.5.4.  Im  sogenannten  "Vanni­Gebiet"  präsentiert  sich  die  Lage  demgegenüber  einiges  schwieriger.  Bis  heute  sollen  ca. 180'000  intern  Vertriebene  (IDP)  in  dieses  Gebiet  zurückgekehrt  sein,  wobei  diese  in  prekären  Verhältnissen  leben.  Es  fehlt  den  Menschen  an  einer  Lebensgrundlage.  Das  "Vanni­Gebiet"  ist  zudem  sehr  stark  militarisiert.  Dabei  wird  als  "Vanni­Gebiet"  jene  Region  bezeichnet,  die  im  Januar  2008  noch  von  den  LTTE  kontrolliert  worden  war,  nachdem  die  sri­ lankische Regierung die Waffenstillstandsvereinbarung von 2002 offiziell  aufgekündigt hat. Es ist mithin jenes Gebiet, in welchem sich in der Folge  bis zur endgültigen Besiegung der LTTE die Kriegshandlungen abgespielt  haben.  Dieses  "LTTE"­  respektive  "Vanni­Gebiet"  umfasst  die  Distrikte  von  Kilinochchi  und  Mullaitivu  (samt  diesen  beiden  Städten)  sowie  die  nördlichen  Teile  der  Distrikte  von  Mannar  und  Vavuniya  sowie  einen  schmalen  Landstreifen  an  der Ostküste  des  Jaffna­Distrikts  südlich  von  Nagarkovil. Die Städte Mannar und Vavuniya ebenso wie Jaffna und die  Jaffna­Halbinsel,  liegen ausserhalb des "Vanni­Gebietes". Dieses Gebiet  war  damals  durch  eine  südliche  und  nördliche  Frontlinie  ("Forward  Defence  Line";  FDL)  vom  Regierungsgebiet  abgegrenzt.  Die  nördliche  FDL verlief auf der Jaffna­Halbinsel südlich der Achse Kilali­Muhamalai­ Nagarkovil.  Das  Gebiet  entlang  der  FDL  war  auf  beiden  Seiten  von  starken militärischen Kräften besetzt. Die südliche FDL verlief südlich der  Ortschaft  Adampan  (auf  dem  Festland  im  westlichen  Teil  des  Mannar­ Bezirkes),  entlang  der  Hauptstrassen  A14  und  A30  bis  zur  Ortschaft  Pandisurichchan.  Von  dort  führte  die  Linie  nördlich  der  Stadt  Vavuniya  über die Ortschaften Vellankulam und Vannankulam bis zum Checkpoint  Omanthai. Danach führte die südliche FDL weiter Richtung Südosten ins  unwegsame Gebiet  über  Karunkalikkulam,  Richtung  Süden  bis  fast  zur  Ortschaft  Madukanda,  von  dort  über  die  Grenze  der  Nordprovinz/Nord­ Zentral­Provinz  hinweg  bis  zum  grossen  Bewässerungsee  Padawiya  (Padawiya  Tank)  nach  Norden  bis  südöstlich  der  Ortschaft  Paddikkudiyiruppu und schliesslich über das Kokkilai Vogel­Reservat an  die Ostküste  in die Lagune von Kokkilai. Das  in diesem Sinne definierte  "Vanni­Gebiet" respektive die Infrastrukturen in dieser Region sind in sehr  starkem  Ausmass  vom  Krieg  in  Mitleidenschaft  gezogen  worden.  Die  meisten  Häuser  sind  zerstört,  der  Zugang  zu  Schulen  und  Spitälern  ist  erschwert. Das Gebiet ist noch sehr stark vermint und militarisiert. Es wird  nach  wie  vor  von  der  PTF  (Presidential  Task  Force)  kontrolliert.  Die  internationalen  Hilfsorganisationen  haben  nur  einen  sehr  beschränkten 

D­3555/2008 Zugang. Namentlich aufgrund dieser weitgehend  zerstörten  Infrastruktur  und  der  Verminung  ist  der  Wegweisungsvollzug  in  dieses  definierte  Vanni­Gebiet  daher  als  unzumutbar  einzustufen.  Für  die  aus  diesem  Gebiet stammenden Personen ist daher zu prüfen, ob eine im Sinne der  Rechtsprechung zumutbare Aufenthaltsalternative existiert. Im Sri Lanka­ Kontext erfordert die Annahme einer solchen zumutbaren innerstaatlichen  Aufenthaltsalternative  für  Personen,  die  aus  dem  "Vanni­Gebiet"  stammen und in andere Landesteile von Sri Lanka weggewiesen werden,  das  Vorliegen  besonders  begünstigender  Faktoren,  insbesondere  die  Existenz  eines  tragfähigen  familiären  oder  sozialen  Beziehungsnetzes  sowie  die  Aussichten  auf  eine  gesicherte  Einkommens­  und  Wohnsituation (vgl. Urteil E­6620/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 13.2.2). 4.5.5.  Im  Weiteren  ist  der  Wegweisungsvollzug  für  Personen,  die  aus  dem  übrigen  Staatsgebiet  von  Sri  Lanka  stammen  (das  heisst:  die  Provinzen  North  Central,  North Western,  Central,  Western  [namentlich:  der  Grossraum  Colombo],  Southern,  Sabarugamuwa  und  die  Uva­ Provinz)  und  dorthin  zurückkehren,  als  grundsätzlich  zumutbar  zu  erachten (vgl. Urteil E­6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 13.3).   4.5.6.  Der  Beschwerdeführer  wurde  eigenen  Angaben  zufolge  in  B._______ (Nordprovinz) geboren und wuchs in C._______ auf (vgl. act.  A1/12  S. 1 ff.,  act.  A16/18  S. 1  und  4).  C._______  liegt  nicht  im  oben  definierten  "Vanni­Gebiet".  Im  Weiteren  lebte  der  Beschwerdeführer  seinen  Angaben  zufolge  einige  Jahre  in  G._______  (Westprovinz)  (vgl.  act. A1/12 S. 2 ff., act. A16/18 S. 1 und 4). Der Beschwerdeführer verfügt  über  eine  gute  Schulbildung,  er  hat  Berufserfahrung  als  Englischlehrer  und  verfügt  über  singhalesische  Sprachkenntnisse  (vgl.  act.  A1/12  S. 4  und  S. 6,  act.  A  16/18  S. 5).  Im  Rahmen  seiner  Befragungen  hat  er  zudem  erklärt,  dass  seine  Familie  vermögend  sei.  Seinen  Angaben  zufolge  lebt  zudem  seine  Mutter  nach  wie  vor  in  C._______  (vgl.  act.  A1/12 S. 4, act. A16/18 S. 4). Es ist daher davon auszugehen, dass der  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  auf  ein  existierendes, tragfähiges soziales Netz stossen wird und ihm der Aufbau  einer wirtschaftlichen Existenz – allenfalls auch mit Hilfe seiner Familie –  möglich  sein wird. Auch wenn der Beschwerdeführer  seit Oktober  2006  und  somit  mehrere  Jahre  lang  landesabwesend  gewesen  ist,  bestehen  keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass er bei einer Rückkehr nach Sri  Lanka  in  eine  existenzielle  Notlage  geraten  würde.  Sollte  er  aus  persönlichen  Gründen  eine  Reintegrierung  in  der  Nordprovinz  nicht  in  Betracht ziehen, bleibt  festzuhalten, dass er sich auch nach G._______, 

D­3555/2008 seinem  angeblich  mehrjährigen,  früheren  Wohnort,  begeben  könnte.  Seine  Mutter  und  allenfalls  auch  die  sich  angeblich  im  Ausland  befindlichen  Geschwister  könnten  ihm  dabei  ebenfalls  finanzielle  Hilfe  leisten.  4.5.7.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  erweist  sich  demnach  nicht  als  unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG.  4.6.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG),  weshalb der Vollzug der Wegweisung nicht als unmöglich zu bezeichnen  ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 4.7. Nach  dem  Gesagten  ergibt  sich,  dass  das  BFM  im  Ergebnis  den  Wegweisungsvollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  qualifiziert hat. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt daher nicht  in Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG). 5.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen. 6.  6.1.  Im  Schreiben  vom  23. November  2011  wird  bestätigt,  dass  der  Beschwerdeführer  abgesehen  von  kleineren  Unterbrüchen  seit  längerer  Zeit  erwerbstätig  war.  Derzeit  ist  er  in  einem  Restaurant  zu  100%  angestellt. Nach Kenntnissen des Gerichts handelt es sich dabei um eine  Stelle  als  Hilfskoch.  Wie  hoch  sein  monatliches  Einkommen  ist,  ist  allerdings  nach  wie  vor  unklar,  da  die  tatsächlichen  Einkommensverhältnisse  in  der  Eingabe  vom  23.  November  2011  nicht  offengelegt  werden.  Es  ist  demnach  androhungsgemäss  davon  auszugehen, dass er nicht mehr als bedürftig im Sinne von Art. 65 Abs. 1  VwVG  zu  erachten  ist.  Die  ihm  mit  Verfügung  vom  12. Juni  2008  gewährte unentgeltliche Rechtspflege ist daher zu widerrufen.  6.2. Die  Verfahrenskosten  sind  demzufolge  dem  Beschwerdeführer  als  unterliegender Partei aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind auf  insgesamt  Fr. 600.–  festzusetzen  (Art.  1­3  des  Reglements  vom 

D­3555/2008 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) 

D­3555/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  dem Beschwerdeführer mit  Verfügung  vom  12. Juni  2008  gewährte  unentgeltliche Rechtspflege wird widerrufen.  3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg Versand:

D-3555/2008 — Bundesverwaltungsgericht 15.12.2011 D-3555/2008 — Swissrulings