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Bundesverwaltungsgericht 08.02.2012 D-2635/2009

8 febbraio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,553 parole·~13 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. März 2009

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­2635/2009 Urteil   v om   8 .   Februar   2012 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richterin Nina Spälti Giannakitsas; Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren am (…), Pakistan, vertreten durch lic. iur. Fritz Tanner, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 26. März 2009 / N (…).

D­2635/2009 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  –  ein  aus  B._______,  C._______,  D._______  stammender  pakistanischer  Staatsangehöriger  –  verliess  seine  Heimat  eigenen  Angaben  zufolge  am  12. Februar  2009  auf  dem  Luftweg  und  gelangte nach einer Zwischenlandung in Dubai am 15. Februar 2009 mit  einem angeblich gefälschten,  indessen mit einem Visum für die Schweiz  versehenen Pass, den er allerdings – gemäss eigenen Angaben – dem  Schlepper habe übergeben müssen, nach Zürich­Kloten. Am 16. Februar  2009  suchte  der  Beschwerdeführer  in  der  Schweiz  um  Asyl  nach.  Am  26. Februar 2009 erhob das BFM im Empfangs­ und Verfahrenszentrum  (EVZ)  Kreuzlingen  seine  Personalien  und  befragte  ihn  zu  seinem  Reiseweg  sowie  –  summarisch  –  zu  seinen  Ausreisegründen.  Am  10. März  2009  befragte  ihn  das  BFM  in  Bern­Wabern  einlässlich  zu  seinen Asylgründen. Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer geltend, zwei Führer der  in  der Region C._______  erstarkten  Taliban  hätten  seinen Vater,  einen  vormals  einflussreichen  Mann,  wiederholt  aufgefordert,  ihnen  sein  Gästehaus zu Ausbildungszwecken zu überlassen, was dieser abgelehnt  habe. In der Folge hätten die Taliban am 4. Dezember 2008 seinen (des  Beschwerdeführers)  älteren  Bruder  entführt  und  am  nächsten  Tag  ein  Lösegeld  von  sieben  Millionen  pakistanischen  Rupien  für  dessen  Freilassung  gefordert.  Daraufhin  hätten  seine  Eltern  und  er  sich  aus  Angst  vor den Taliban unverzüglich zu einem  in E._______ wohnhaften  Freund  seines  Vaters  begeben.  Am  23. Dezember  2008  hätten  die  Taliban  den  entführten  Bruder  getötet,  nachdem  es  seinem  Vater  nicht  gelungen sei, seine Ländereien zu veräussern und damit das für dessen  Freilassung  benötigte  Lösegeld  aufzutreiben  beziehungsweise  bezahlen  zu  können.  Noch  am  selben  Tag  sei  der  Getötete  in  B._______  im  Beisein  seines  Vaters  und  seiner  selbst  beerdigt  worden.  Am  28. Dezember  2008  hätten  die  Taliban  seinen  Vater  in  B._______  während  der  Beerdigungsfeier  eines  Freundes  entführt.  Seine  Mutter  habe  ihn  daraufhin  aus  Angst  um  sein  Leben  eindringlich  gebeten,  Pakistan zu verlassen. Ihre Bitten hätten ihn veranlasst, sein Versteck in  E._______ am 31. Dezember 2008 zu verlassen. Anschliessend habe er  bis  zu  seiner  Ausreise  aus  Pakistan  im  Februar  2009  in  F._______  gelebt.  Bis  heute  sei  über  das  weitere  Schicksal  seines  Vaters  nichts  bekannt geworden. Er selbst hege die Befürchtung, die Taliban trachteten 

D­2635/2009 ihm  als  letztem  männlichen  Angehörigen  seiner  Familie  nach  wie  vor  nach dem Leben. B.  Mit  Verfügung  vom  26. März  2009  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte sein  Asylgesuch  ab.  Zur  Begründung  führte  das BFM namentlich  aus,  seine  Vorbringen  genügten  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht. So konzentriere sich der Einfluss­ und Machtbereich der Taliban in  Pakistan  vor  allem  auf  die  C._______­Region  beziehungsweise  auf  die  D._______.  Dem  Beschwerdeführer  sei  es  zuzumuten,  sich  den  lokal  begrenzten  Verfolgungsmassnahmen  seitens  der  Taliban  durch  einen  innerstaatlichen  Wohnsitzwechsel  zu  entziehen,  weshalb  er  zufolge  Bestehens  einer  innerstaatlichen  Fluchtalternative  nicht  auf  den  Schutz  der  Schweiz  angewiesen  sei.  Gleichzeitig  verfügte  das  BFM  die  Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den  Vollzug der Wegweisung an. C.  Mit Eingabe vom 24. April 2009 erhob der Beschwerdeführer gegen den  Entscheid des BFM vom 26. März 2009 beim Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben  und  es  sei  ihm  Asyl  zu  gewähren.  Eventuell  sei  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben  und  die  Sache  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  Subeventuell  sei  festzustellen,  dass  die  Wegweisung  unzulässig  sei  und  ihm  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren.  Im  Weiteren  stellte  er  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  den  Antrag,  es  sei  die  unentgeltliche  Rechtspflege  unter  Einschluss  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  zu  gewähren  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten.  Zur  Begründung  wurde  ausgeführt,  die  Annahme  der  Vorinstanz,  wonach  ihm  eine  innerstaatliche  Fluchtalternative  gegen  die  Nachstellungen  durch  die  Taliban  offenstehe,  gehe  fehl,  da  die  Taliban  überall  in  Pakistan  anzutreffen  seien  und  ein  grosses  Interesse  daran  hätten  ihn  zu  liquidieren,  zumal  sein  Vater  als  Angehöriger  des  Dorfältestenrates  in  B._______  über  einen  prominenten  Status  verfügt  habe.  Im  Weiteren  habe  er  immer  wieder  das  Bild  des  blutigen  Leichnams  seines  massakrierten Bruders und die emotionale Betroffenheit seiner Mutter ob  dessen  Todes  vor  Augen,  weshalb  er  psychisch  enorm  leide  und  zwischenzeitlich auch die Hilfe eines Psychiaters in Anspruch nehme. Als  Beilage  reichte  der  Beschwerdeführer  eine  von  ihm  unterzeichnete  und 

D­2635/2009 vom  17. April  2009  datierende  Entbindungserklärung  der  ihn  behandelnden Ärzteschaft  von deren beruflicher Schweigepflicht  zu den  Akten  und  stellte  die  Nachreichung  eines  entsprechenden  ärztlichen  Berichtes in Aussicht. D.  Am  30.  April  2009  ging  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  für  den  Beschwerdeführer  ausgestellte  Bestätigung  der  Fürsorgeabhängigkeit  des Durchgangszentrums G._______ vom 28. April 2009 zu. E.  Mit  Zwischenverfügung  vom  8. Mai  2009  hielt  der  zuständige  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  fest,  der  Beschwerdeführer dürfe den Ausgang seines Verfahrens  in der Schweiz  abwarten.  Gleichzeitig  wies  er  dessen  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) wegen Aussichtslosigkeit der  Beschwerdebegehren  ab  und  forderte  ihn  auf,  bis  zum  25. Mai  2009  einen Kostenvorschuss im Betrage von Fr. 600.– einzuzahlen, ansonsten  auf die Beschwerde nicht eingetreten werde. F.  Mit  Eingabe  vom  25. Mai  2009  ersuchte  der  Beschwerdeführer  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  Beifügung  eines  ärztlichen  Berichts  in  Kopie  von  med.  pract.  H._______  (psychiatrisches  Ambulatorium  I._______)  vom  25. Mai  2009  darum,  wiedererwägungsweise  auf  die  Erhebung des Kostenvorschusses zu verzichten. Zur Begründung  führte  er  namentlich  aus,  aus  dem  Arztbericht  gehe  hervor,  dass  er  aufgrund  der  drohenden  Ausschaffung  in  eine  akute  Krise  geraten  sei  und  Suizidgedanken  hege.  Der  Arzt  schliesse  in  seinem  Bericht  nicht  aus,  dass  er  sich  im  Rahmen  einer  allfälligen  Ausschaffung  oder  nach  der  Rückkehr nach Pakistan das Leben nehme. Der behandelnde Arzt habe  bei  ihm  eine  mittelgradig  depressive  Episode  (F32.1)  bei  andauernd  belastender Lebenssituation diagnostiziert und nehme weiter an, dass er  an  einer  posttraumatischen  Belastungsstörung  (F43.1)  leiden  könnte.  Aktuell  konsumiere  er  das  Medikament  Sertralin.  Eine  weiterführende  ambulante Betreuung werde dringend empfohlen. Überdies habe sich die  Situation  in  Pakistan  seit  dem  Entscheid  des  BFM  und  der  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  8.  Mai  2009  weiter  verschlechtert. Aktuell  befänden sich zwei Millionen Menschen  in 

D­2635/2009 Pakistan auf der Flucht vor den Kriegshandlungen in seiner Heimatregion  C._______.  Unter  diesen  Umständen  sei  auch  eine  medizinische  Betreuung der Flüchtlinge in Pakistan und eine adäquate Versorgung mit  Lebensmitteln,  Trinkwasser  und  Schlafgelegenheiten  nicht  mehr  gewährleistet. G.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  28. Mai  2009  hiess  das  Bundesverwaltungsgericht  das  vom  Beschwerdeführer  sinngemäss  gestellte  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut, hob seine Zwischenverfügung vom  8. Mai  2009  parziell  wiedererwägungsweise  auf  und  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Demgegenüber  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht  in  der  nämlichen  Verfügung  fest,  die  Zwischenverfügung  vom 8. Mai  2009 bleibe  in Bezug auf  die Frage der  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  gültig,  da  einerseits  in  der  Eingabe  vom  25. Mai  2009  kein  Antrag  auf  deren  wiedererwägungsweise Überprüfung gestellt worden sei und andererseits  das  vorliegende Verfahren  ungeachtet  der Frage der Aussichtslosigkeit/  Nichtaussichtslosigkeit  weder  in  tatsächlicher  noch  rechtlicher  Hinsicht  besonders  komplex  erscheine,  weshalb  ein  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG auch mangels  Notwendigkeit  abzuweisen  gewesen  wäre.  Schliesslich  lud  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Vorinstanz  zur  Vernehmlassung  bis  zum  15. Juni 2009 ein. H.  Mit Begleitschreiben vom 29. Mai 2009 reichte der Beschwerdeführer via  das HEKS  (Hilfswerk  der  Evangelischen  Kirchen  Schweiz)  das Original  des  ärztlichen  Berichtes  von med.  pract.  H._______  vom  25. Mai  2009  ein. I.  Das  BFM  beantragte  in  seiner  Vernehmlassung  vom  3. Juni  2009  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Ergänzend  hielt  die  Vorinstanz  fest,  sie  schliesse  sich  der  Einschätzung  des  Bundesverwaltungsgerichts  in  dessen  Zwischenverfügung  vom  8. Mai  2009  an,  wonach  die  geltend  gemachten  psychischen  Probleme  des  Beschwerdeführers  einerseits  teilweise  mit  der  ihn  persönlich  (wie  viele  andere  Asylsuchende  in  ähnlicher Lage auch) belastenden Situation einer möglichen Rückführung  in  seinen  Heimatstaat  im  Zusammenhang  stünden,  andererseits  eine 

D­2635/2009 spezialärztliche  Behandlung  des  Beschwerdeführers  auch  in  Pakistan  ausserhalb des Einflussbereichs der Taliban als möglich erscheine. J.  Das  Bundesverwaltungsgericht  stellte  dem  Beschwerdeführer  am  11. Juni  2009  die  Vernehmlassung  des  BFM  vom  3. Juni  2009  zur  Kenntnisnahme zu und räumte ihm die Gelegenheit ein, bis zum 26. Juni  2009 eine Replik einzureichen. K.  Mit  Schreiben  vom  26. Juni  2009  teilte  Rechtsanwalt  F.  Tanner,  J._______  dem  Bundesverwaltungsgericht  die  Mandatsübernahme  im  vorliegenden  Verfahren  unter  Beifügung  der  entsprechenden  Vollmacht  mit.  Gleichzeitig  ersuchte  er  das  Gericht  um  Zustellung  der  relevanten  Akten  und  um  angemessene  Erstreckung  der  Frist  zur  Einreichung  der  Replik. L.  Mit  Zwischenverfügung  vom  2. Juli  2009  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht  hinsichtlich  des  Akteneinsichtsgesuchs  fest,  dass  die  Vorinstanz  dem  Beschwerdeführer  auf  dessen  Gesuch  vom  6. April 2009 hin die entscheidwesentlichen Akten bereits zugestellt habe,  was  aus  act.  A16  und  A17  des  Aktenverzeichnisses  des  BFM  hervorgehe.  Demgegenüber  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht  dem  Rechtsvertreter  die  von  dessen  Mandanten  an  das  Gericht  gesandte  Beschwerde inklusive des anhangsweise beigefügten ärztlichen Berichtes  von med.  pract.  H._______  vom  25. Mai  2009  zu,  da  ungewiss  sei,  ob  jener  von  den  beiden  Aktenstücken  Kopien  für  sich  angefertigt  habe.  Hinsichtlich der vom Bundesverwaltungsgericht an den Beschwerdeführer  gerichteten Eingaben sei davon auszugehen, dass diese sich  in seinem  Besitze  befinden  würden.  Weiter  teilte  das  Bundesverwaltungsgericht  dem  Rechtsvertreter  mit,  dass  es  auch  im  Besitze  einer  auf  seinen  Mandanten  lautenden  Fürsorgebestätigung  vom  28. April  2009  sowie  einer  von  diesem  unterzeichneten  Entbindungserklärung  der  ihn  behandelnden Ärzteschaft  von  ihrer  Schweigepflicht  vom  17. April  2009  sei.  Schliesslich  erstreckte  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Frist  zur  Einreichung einer allfälligen Replik bis zum 20. Juli 2009. M.  Der  Rechtsvertreter  führte  in  seiner  Replik  vom  20. Juli  2009  im  Wesentlichen aus, sein Mandant leide an einem schweren Kriegstrauma, 

D­2635/2009 das  in  der  Schweiz  nur  von  einem  kleinen  Kreis  spezialisierter  Ärzte  behandelt werden könne, weshalb nicht davon auszugehen sei, dass ihm  in  Pakistan  eine  adäquate  medizinische  Hilfe  zuteil  werden  könne.  Diesbezüglich werde beantragt, Herrn med. pract. H._______ als Zeugen  zu befragen. Darüber hinaus erscheine eine spezialärztliche Behandlung  des  Beschwerdeführers  auch  deshalb  undenkbar,  weil  bei  dessen  Rückkehr  in die Heimat die Gefahr einer Retraumatisierung bestehe.  Im  Weiteren  erneuerte  der  Rechtsvertreter  den  Antrag  auf Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung,  da  sein  Mandant  "aufgrund  des  bekannten Krankheitsbildes" nicht in der Lage sei, seine Interessen selbst  zu wahren. Der Rechtsvertreter  fügte  seiner Eingabe  vom 20. Juli  2009  ein  Schreiben  der  Familie  K._______  vom  13. Juli  2009,  ein  Schreiben  der Evangelisch­reformierten Kirchgemeinde  I._______ vom 9. Juli 2009  sowie ein Schreiben der Freien Evangelischen Gemeinde I._______ vom  13. Juni 2009 bei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Der  Beschwerdeführer  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt,  hat ein schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 

D­2635/2009 (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  27  VGG  und  Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  (Art. 108  Abs. 1  AsylG;  Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG) ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich  die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken  (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1. Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch im Wesentlichen  damit,  sein  älterer  Bruder  sei  im  Dezember  2008  von  den  Taliban  ermordet  worden,  weil  sich  sein  Vater  geweigert  habe,  diesen  sein  Gästehaus zu Ausbildungszwecken zu überlassen. Dies sei letztlich auch  der  Grund  dafür  gewesen,  weshalb  auch  sein  Vater  Ende  Dezember  2008  von  Taliban  entführt  worden  und  seither  verschwunden  sei.  Aus  diesem Grunde fürchte er, als  letztes männliches Mitglied seiner Familie  ebenfalls Opfer eines Tötungsdelikts seitens der Taliban zu werden.

D­2635/2009 4.2. Wie die Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 26. März 2009 zutreffend  erwogen  hat,  erstreckt  sich  der Macht  und­  Einflussbereich  der  Taliban  nicht  auf  ganz  Pakistan,  weshalb  dem  Beschwerdeführer  grundsätzlich  die Möglichkeit bleibt, sich allfälligen Belästigungen von ihrer Seite durch  Wegzug in einen anderen Landesteil seines Heimatlandes zu entziehen.  Das  Bestehen  einer  sogenannten  "innerstaatlichen  Fluchtalternative"  schliesst  gleichzeitig  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  aus  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 5 E. 5b S. 5). 4.3.  Hinzu  kommt,  dass  es  aus  heutiger  Sicht  nicht  hinreichend  wahrscheinlich  ist, dass der Beschwerdeführer mehr als drei Jahre nach  der Entführung seines Vaters noch Gefahr läuft, als dessen Sohn zufolge  dessen  früherer  Weigerung,  den  Taliban  sein  Gästehaus  zu  Ausbildungszwecken  zur  Verfügung  zu  stellen,  lokal  einer  Reflexverfolgung  ausgesetzt  zu  sein.  Das  Asylgesuch  ist  demzufolge  auch  deshalb  abzuweisen,  weil  der  Beschwerdeführer  nicht  mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft damit rechnen  muss,  einer  künftigen Reflexverfolgung  aus  den  vorgenannten Gründen  ausgesetzt zu sein (vgl. EMARK 1995 Nr. 2 E. 3a S. 17). 4.4. Zusammenfassend  ist  festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Verfolgungsgefahr  nachzuweisen oder  zumindest  glaubhaft  zu machen. Das BFM hat  sein  Asylgesuch  demnach  zu  Recht  und  mit  zutreffender  Begründung  abgelehnt. 5.  5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733; EMARK 2001 Nr. 21). 6.  6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 

D­2635/2009 den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art. 83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des 

D­2635/2009 Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen). Laut  dem  vorliegenden  Arztbericht  von  med.  pract.  H._______  vom  25. Mai  2009  leidet  der  Beschwerdeführer  an  einer  mittelgradig  depressiven  Episode  (F.32.1)  bei  andauernder  belastender  Lebenssituation.  Darüber  hinaus  bestehe  ein  Verdacht  auf  eine  posttraumatische  Belastungsstörung  (F.43.1).  Diese  gesundheitlichen  Probleme  stellen  aber  selbst  dann  unter  dem  Blickwinkel  von  Art.  3  EMRK  kein  völkerrechtliches  Vollzugshindernis  dar,  wenn  der  medizinische Standard im Heimatland schlechter als in der Schweiz wäre  (vgl.  BVGE  2009/52  E.  10.1  S.  756  f.,  BVGE  2009/51  E.  5.5  S.  748,  BVGE 2009/2 E. 9.3.2 S. 21). Diese nationale Rechtsprechung steht  im  Einklang  mit  derjenigen  der  Strassburger  Organe,  wonach  allein  die  Tatsache,  dass  die  Umstände  der  medizinischen  Versorgung  im  Heimatland für den Betroffenen weniger vorteilhaft wären als jene, die er  im Aufenthaltsstaat hat, für die Beurteilung unter dem Gesichtspunkt  von  Art. 3 EMRK nicht entscheidend ist (vgl. Urteil des EGMR vom 6. Februar  2001  i.S. Bensaid gegen Vereinigtes Königreich [Grossbritannien], E. 38  [Beschwerde  Nr.  44599/98];  Entscheid  des  EGMR  vom  29.  Juni  2004  über  die  Zulassung  der  Beschwerde  i.S.  Salkic  und  andere  gegen  Schweden  [Beschwerde  7702/04];  Urteil  des  EGMR  vom  27. Mai  2008  i.S. N. gegen Vereinigtes Königreich, Ziffn. 34 und 42 –44  [Beschwerde  Nr. 26565/05]). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Pakistan  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  praxisgemäss  nicht als unzulässig erscheinen.

D­2635/2009 Selbst  im  Falle  drohender  Suizidalität  wäre  nach  dem  EGMR  der  wegweisende  Staat  nicht  verpflichtet,  vom  Vollzug  der  Wegweisung  Abstand zu nehmen; solange er Massnahmen ergreift, um die Umsetzung  der Suiziddrohung zu verhindern,  vermag die Ausschaffung nicht gegen  Art.  3  EMRK  zu  verstossen  (vgl.  den  Unzulässigkeitsentscheid  des  EGMR vom 7. Oktober 2004 i.S. Dragan und andere gegen Deutschland,  Nr. 33743/03,  angeführt  in  EMARK  2005  Nr.  23  E.  5.1  S.  212).  Einer  allfällig  erneut  auftretenden  Suizidalität  des  Beschwerdeführers  wäre  vorliegend durch Heranziehen von medizinischem Fachpersonal  bei  der  Ausschaffung Rechnung zu tragen. Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002  3818). 6.5.  Auf  Beschwerdeebene  wird  geltend  gemacht,  der  Wegweisungsvollzug  sei  aufgrund  der  psychischen  Erkrankung  des  Beschwerdeführers  als  unzumutbar  zu  qualifizieren.  Das  Bundesverwaltungsgericht  vermag  diese  Einschätzung  indessen  –  wie  nachfolgend aufzuzeigen sein wird – nicht zu teilen. 6.5.1. Der Beschwerdeführer  leidet  gemäss  dem auf Beschwerdeebene  eingereichten ärztlichen Bericht von med. pract. H._______ vom 25. Mai  2009 an einer mittelgradig depressiven Episode (F.32.1) bei andauernder  belastender Lebenssituation und es besteht nach dem Dafürhalten dieses  Arztes  auch  ein  Verdacht  auf  eine  posttraumatische  Belastungsstörung  (F.43.1). Dabei belasteten  ihn die Erinnerungen an seinen  toten Bruder,  die Angst vor einer Ausschaffung und die allgemeine Perspektivelosigkeit  aufgrund  der  ungeklärten  Aufenthaltssituation.  Im  Falle  einer  Rückführung  nach  Pakistan  bestehe  überdies  die  Gefahr  einer  Retraumatisierung mit erneuter krisenhafter Zuspitzung und Suizidalität.

D­2635/2009 6.5.2.  Nach  konstanter  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  führen  medizinische  Aspekte  nur  dann  zur  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs, wenn eine  notwendige medizinische Behandlung  im Heimatland nicht  zur Verfügung steht und sich daraus eine konkrete  Gefährdung für die betroffene Person ergibt. Dabei muss eine allgemeine  und  dringliche  medizinische  Behandlung,  welche  zur  Gewährleistung  einer menschenwürdigen Existenz  absolut  notwendig  ist,  verfügbar  sein  (vgl.  BVGE  2009/2  E.  9.3.2  S.  21).  Demgegenüber  liegt  noch  keine  Unzumutbarkeit  vor,  wenn  im  Heimatstaat  eine  dem  schweizerischen  Standard  nicht  entsprechende  medizinische  Behandlung  zur  Verfügung  steht. 6.5.3. Vorliegend  geht  das  BFM  in  seiner  Vernehmlassung  davon  aus,  dass  eine  spezialärztliche  Behandlung  für  den  Beschwerdeführer  an  einem  Ort  in  Pakistan  ausserhalb  des  Einflussbereichs  der  Taliban  möglich ist. 6.5.4. Demgegenüber  wird  auf  Beschwerdeebene  geltend  gemacht,  die  Behandlung  des  Beschwerdeführers  müsse  zwingend  in  der  Schweiz  erfolgen.  Bei  einer  Rückkehr  nach  Pakistan  sei  mit  einem  ungünstigen  Krankheitsverlauf  zu  rechnen  und  somit  eine  schlechte  Prognose  zu  stellen, da mit einer Retraumatisierung und einer erhöhten Gefahr akuter  Suizidalität zu rechnen sei. 6.5.5.  Das  Bundesverwaltungsgericht  gelangt  aufgrund  der  Aktenlage  und  der  medizinischen  Infrastruktur  im  Herkunftsland  des  Beschwerdeführers  zum  Schluss,  dass  eine  allfällige  psychiatrische  Weiterbehandlung  seiner  Person  auch  in  Pakistan  erfolgen  kann.  So  existieren  psychiatrische  Abteilungen  in  Pakistan  sowohl  in  öffentlichen  Spitälern  als  auch  in  privaten  Kliniken,  wobei  die  psychiatrische  Versorgung in den ländlichen Gegenden schlechter als in den Städten ist.  Führend  in  der  Psychotherapie  ist  in  Pakistan  das  "Fountain  House"  in  Lahore,  wo  gar  eine  tägliche  Behandlung  für  Patienten  mit  schweren  depressiven Störungen und einer Persönlichkeitsveränderung möglich ist.  Die  genannte  Institution  bietet  dank  internationalen  Spenden  sogar  kostenlose Behandlungen  für 125  interne und 125 externe Patienten an  (vgl.  FLORENCE  SAVIOZ,  ALEXANDRA  GEISER,  Schweizerische  Flüchtlingshilfe,  Pakistan,  Medizinische  Versorgung,  14. Mai  2009).  An  dieser  Einschätzung  ändert  auch  die  Aussage  des  Rechtsvertreters  in  seiner  Replik  nichts,  Herr  K._______,  (welcher  im  Rahmen  der  Replik  auch eine vom 13. Juli 2009 datierende Stellungnahme verfasst hat), sei 

D­2635/2009 vom behandelnden Arzt  (mündlich) dahingehend orientiert worden, dass  der Beschwerdeführer unter einem schweren Kriegstrauma leide, das nur  im Ambulatorium  für Folter und Kriegsopfer des Schweizerischen Roten  Kreuzes  in  Bern  behandelt  werden  könne  (vgl.  Replik  S.  2).  Zunächst  handelt  es  sich  hierbei  im  Ergebnis  um  die  Verlautbarung  einer  Drittperson,  die  letztlich  eine  reine  Behauptung  darstellt.  Zum  anderen  fällt auf, dass med. pract. H._______  in seinem Arztbericht vom 25. Mai  2009  keine  entsprechende  Aussage  gemacht,  sondern  dort  sub  Ziff.  8  vielmehr  festgehalten  hat,  eine  Behandlung  seines  Patienten  erscheine  grundsätzlich auch in dessen Heimat möglich. Der Rechtsvertreter hat es  überdies  bis  heute  unterlassen,  einen  aktuellen  Arztbericht  nachzureichen,  womit  er  auch  die  in  Art.  8  Abs.  1  AsylG  statuierte  Mitwirkungspflicht  verletzt  hat.  So  besehen,  bestehen  für  das  Bundesverwaltungsgericht in Ausübung der freien Beweiswürdigung (Art.  40  des  Bundesgesetzes  vom  4. Dezember  1947  über  den  Bundeszivilprozess  [BZP, SR 273]  i.V.m. Art. 19 VwVG) einige  Indizien,  welche  dafür  sprechen,  dass  der  Beschwerdeführer  zwischenzeitlich  durch  die  in  der  Schweiz  erfahrene  medizinische  Betreuung  eine  Stabilisierung  seines  vormals  labilen  seelischen Gleichgewichts  erreicht  hat. Hierfür spricht  letztlich auch die Tatsache, dass er  laut Abklärungen  bei  den  zuständigen  Behörden  seit  anfangs  Juli  2010  einer  Erwerbstätigkeit  nachgeht. Nur  nebenbei  sei  deshalb  erwähnt,  dass  die  (früheren) seelischen Leiden des Beschwerdeführers  laut dem ärztlichen  Bericht  vom  25. Mai  2009  nicht  nur  auf  verstörenden  Erlebnissen  des  Beschwerdeführers  in  der  Heimat,  sondern  auch  auf  einer  generellen  Angst vor einer Ausschaffung und der vorerwähnten Perspektivelosigkeit  ob  seines  unsicheren  Aufenthaltstatus'  beruhen.  Dabei  handelt  es  sich  indessen  um  Phänomene,  welche  –  wie  das  BFM  in  seiner  Vernehmlassung vom 3. Juni 2009 zutreffend erwogen hat – eine Vielzahl  von  Asylsuchenden  betreffen,  welche  ebenfalls  mit  der  Situation  einer  möglichen Rückführung in ihr Heimatland konfrontiert sind, weshalb ihnen  unter  dem  Gesichtspunkt  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  grundsätzlich  keine  eigenständige  Bedeutung  zukommt.  Vor  diesem  Hintergrund  kann  darauf  verzichtet  werden,  med.  pract.  H._______  als  Zeuge  zur  Notwendigkeit  einer  psychiatrischen  Weiterbehandlung  des  Beschwerdeführers  in  der  Schweiz  anzuhören,  weshalb  der  entsprechende Antrag in der Replik (a.a.o., S. 3) abzuweisen ist. 6.5.6. Was die gelegentlichen, von Herrn K._______ in dessen Schreiben  vom 13. Juli  2009 erwähnten Ohnmachtsanfälle  des Beschwerdeführers  anbelangt, kommt diesen angesichts fehlender entsprechender ärztlicher 

D­2635/2009 Berichte  keine  entscheidwesentliche  Bedeutung  zu,  weshalb  sich  diesbezüglich weitere Ausführungen erübrigen. 6.5.7.  Angesichts  der  im  ärztlichen  Bericht  thematisierten  Gefahr  einer  allfälligen Suizidalität im Falle einer Rückführung des Beschwerdeführers  in seine Heimat kann zwar nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass  sich  nach  Erhalt  des  Urteils  des  Bundesverwaltungsgerichts  suizidale  Tendenzen  erneut  akzentuieren.  Diesen  wäre  mit  geeigneten  medikamentösen  oder  allenfalls  auch  psychotherapeutischen  Massnahmen  und/oder  einer  ärztlichen  Rückbegleitung  entgegenzuwirken.  Der  Beschwerdeführer  ist  nicht  zuletzt  in  diesem  Zusammenhang auf die Möglichkeit hinzuweisen, beim BFM einen Antrag  auf medizinische Rückkehrhilfe zu stellen (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG). 6.5.8.  Schliesslich  ist  auch  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Heimat  über  ein  soziales  Beziehungsnetz  verfügt:  So  hat  er  nach  den  Vorkommnissen  im  Dezember  2008  gemeinsam mit seiner Mutter bei einem Freund seines Vaters und später  bei einem Schulfreund in F._______ gelebt (vgl. act. A9/16 S. 3 F8 ff. und  S.  6  F40  ff).  Darüber  hinaus  besitzt  er  eine  Tante  mütterlicherseits,  welche  in  L._______  lebt  (vgl.  act.  A9/16  S.  7  F.61  ff.).  Zudem  hat  er  zehn  Jahre  lang  die  Schule  besucht.  Ausserdem  lassen  seine  Schilderungen  hinsichtlich  des  familiären  Hintergrunds  durchaus  darauf  schliessen,  dass  er  gehobenen  familiären  Verhältnissen  entstammt.  Dementsprechend  ist  davon  auszugehen,  dass  es  ihm  grundsätzlich  möglich  sein  wird,  sich  in  seiner  Heimat  wieder  eine  neue  Existenzgrundlage  aufzubauen.  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  der  Vollzug der Wegweisung nicht als unzumutbar. 6.6.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), weshalb der Vollzug der  Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.  Insgesamt  ist  die  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Wegweisung  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  deren  Vollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt die Anordnung  der vorläufigen Aufnahme nicht in Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG).

D­2635/2009 8.  Aus  diesen  Erwägungen  folgt,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen. 9.  Bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens wären  die  Kosten  des  Verfahrens  grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1, Sätze  1  und  2  VwVG).  Wiewohl  der  Beschwerdeführer  seit  dem  1. Juli  2010  einer Erwerbstätigkeit in der Schweiz nachgeht und dabei zumindest seit  Juli 2011 ein Einkommen erzielt und damit unter Umständen nicht mehr  als  bedürftig  anzusehen  wäre,  ist  vorliegend  gestützt  auf  die  Besonderheiten  des  Falls  ausnahmsweise  auf  die  Erhebung  von  Verfahrenskosten zu verzichten (vgl. Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG); mithin  ist  auf  das  mit  Zwischenverfügung  vom  28. Mai  2009  wiedererwägungsweise  gutgeheissene  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  (Art.  65  Abs.  1  VwVG)  nicht  zurückzukommen. 10.  Der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  hat  in  seiner  Replik  ein  Gesuch  um  wiedererwägungsweise  Gutheissung  des  (am  8.  Mai  2009  abgewiesenen)  Gesuches  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung gestellt. Dieses  ist  jedoch mangels Notwendigkeit  einer  amtlichen  Rechtsverbeiständung  und  unter  Hinweis  auf  die  im  vorliegenden Verfahren herrschende Untersuchungsmaxime abzuweisen. (Dispositiv nächste Seite)

D­2635/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Das  am  20. Juli  2009  (wiedererwägungsweise)  gestellte  Gesuch  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung wird abgewiesen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Philipp Reimann Versand: