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Bundesverwaltungsgericht 25.11.2011 D-2359/2011

25 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,159 parole·~11 min·3

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. März 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­2359/2011 Urteil   v om   2 5 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Robert Galliker, Gerichtsschreiber Gert Winter. Parteien A._______, geboren (…), alias A._______, geboren (…), Syrien, vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. März 2011 / N .

D­2359/2011 Sachverhalt: A.  A.a  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer  seinen  Heimatstaat  am  27.  Oktober  2010  auf  dem  Landweg  und  gelangte  am  3. Februar  2011 von Athen aus auf  dem Luftweg  in die Schweiz, wo er  noch  am  selben  Tag  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  M._______  um  Asyl  nachsuchte.  Anlässlich  der  Befragung  vom  8.  Februar  2011  zur  Person  (BzP)  im  EVZ  M._______  sowie  der  Direktanhörung  vom  23.  Februar  2011  durch  das  BFM  machte  der  Beschwerdeführer zur Begründung seines Asylgesuchs  im Wesentlichen  geltend, er sei im Sommer 2009 oder 2010 im Touristenort N._______ bei  Damaskus als Kellner  im Restaurant  "O._______"  tätig  gewesen. Eines  Tages habe dort ein Sicherheitsbeamter in Begleitung einer Frau getafelt.  Als dieser erfahren habe, dass es sich bei ihm um einen Angehörigen der  kurdischen Ethnie handle, habe er sich geweigert, die Rechnung für das  Essen  zu  bezahlen.  Darüber  hinaus  habe  er  ihm  eine  Backpfeife  verabreicht.  In  der  Folge  sei  der  renitente  Gast  vom  Eigentümer  des  Restaurants und dem Buchhalter verprügelt worden. Daraufhin habe der  Mann  die  Rechnung  schliesslich  doch  noch  bezahlt.  Kurz  darauf  sei  indessen  eine  Polizeipatrouille  im  Restaurant  erschienen  und  habe  ihn  festgenommen.  Er  sei  verhört,  vor  Gericht  gebracht  und  ins  Gefängnis  von  P._______  gebracht  worden,  wo  er  eine  fünfmonatige  Haftstrafe  habe absitzen müssen. Nach der Haftentlassung sei er zurück zu seinen  Eltern  nach  Q._______  gegangen.  In  der  Folge  habe  sich  dieser  Restaurantkunde in seiner Abwesenheit mehrfach bei seinem Vater nach  ihm erkundigt und den Vater beschimpft. Dies habe ihn dazu veranlasst,  sein  Elternhaus  zu  verlassen.  Er  sei  zuerst  für  einen  Monat  nach  R._______  und  dann  nach  S._______  gegangen,  wo  er  eine  Arbeit  an  einer Tankstelle angenommen habe. Von seinem Vater sei er wiederholt  darüber informiert worden, dass dieser Kunde ihn noch immer suche. Aus  Angst  um seine Sicherheit  habe er  sich  schliesslich dazu entschlossen,  sich  ins Ausland abzusetzen. Am 27. Oktober  2010 habe er S._______  verlassen  und  sei  in  Begleitung  eines  Schleppers  via  R._______  unter  Vorweisung  seines  syrischen  Reisepasses  legal  in  die  Türkei  gelangt.  Von  dort  aus  sei  er  weiter  nach  Griechenland  gereist,  wo  er  von  den  griechischen  Behörden  registriert  und  daktyloskopiert  worden  sei.  Nach  einem dreimonatigen Aufenthalt in Athen habe er sich auf die Reise in die  Schweiz aufgemacht.

D­2359/2011 A.b Der Beschwerdeführer gab keinerlei  Identitätspapiere zu den Akten.  Er  reichte  nachträglich  eine  Faxkopie  seiner  gemäss  seinen  Aussagen  bei seinen Eltern befindlichen syrischen Identitätskarte ein. B.  Mit Verfügung vom 21. März 2011 – eröffnet am 28. März 2011 – stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte  das  Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  ordnete  es  die  Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. Zur Begründung hielt  die Vorinstanz im Wesentlichen fest, der Bericht des Beschwerdeführers  sei,  so müsse  festgestellt  werden,  geprägt  von  sowohl  unplausiblen  als  auch  widersprüchlichen  Angaben,  die  insgesamt  eine  unglaubhafte  Geschichte  ergäben.  So  habe  sich  der  Beschwerdeführer  bereits  bezüglich der Zeitangaben zu den von  ihm geschilderten Ereignissen  in  eklatante  Widersprüche  verstrickt.  Des  Weiteren  seien  auch  die  Vorbringen des Beschwerdeführers zu den Umständen seiner Festnahme  als  unplausibel  zu  beurteilen.  Während  der  Zweitanhörung  habe  der  Beschwerdeführer zu Protokoll gegeben, der Restaurantbesitzer und der  Buchhalter seien noch am selben Abend von der Polizei  festgenommen  worden, derweil ihm selber die Flucht gelungen sei. Am nächsten Tag sei  er  wie  gewohnt  wieder  zur  Arbeit  gegangen,  und  auch  der  Restaurantbesitzer und der Buchhalter seien wieder vor Ort gewesen. Am  späten  Abend  seien  die  Behörden  sodann  erneut  ins  Restaurant  gekommen  und  hätten  ihn  festgenommen.  Die  Erklärung  des  Beschwerdeführers, aufgrund seiner Unschuld nichts befürchtet zu haben  und  deswegen  wie  gewohnt  zur  Arbeit  gegangen  zu  sein,  stehe  in  krassem Gegensatz zu seiner Angabe, am Vorabend die Flucht ergriffen  zu  haben.  Sodann  sei  es  dem  Beschwerdeführer  weder  möglich  anzugeben,  von welcher Behörde genau er  festgenommen worden sein  wolle, noch sei er in der Lage, den Namen des Gerichts zu nennen, das  ihn  verurteilt  habe.  Auch  den  Namen  seines  angeblichen  Verfolgers  könne er nicht nennen. Seine Erklärungen hierzu, er könne weder  lesen  noch  schreiben,  zudem  erhalte  man  in  Syrien  keinerlei  Gerichtsunterlagen,  vermöchten  in  keiner  Weise  zu  überzeugen.  Schliesslich  entbehrten  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers,  wonach  dieser  Sicherheitsbeamte  ihn  nach  seiner  Haftentlassung  weiterhin gesucht, verfolgt und sich wiederholt bei seinem Vater nach ihm  erkundigt  haben  solle,  jeglicher  vernünftigen  Grundlage,  da  es  diesem  Sicherheitsbeamten  kraft  seiner  Funktion  ein  Leichtes  gewesen  wäre,  den  Beschwerdeführer  erneut  offiziell  verhaften  zu  lassen.  Nach  dem  Gesagten  hielten  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  den 

D­2359/2011 Anforderungen  an  die Glaubhaftigkeit  gemäss Art.  7  AsylG  nicht  stand,  weshalb  ihre  Asylrelevanz  nicht  geprüft  werden müsse.  Im  Übrigen  sei  der Vollzug der Wegweisung zulässig, zumutbar und möglich. C.  Mit  Beschwerde  vom  21.  April  2011  liess  der  Beschwerdeführer  die  nachfolgend  aufgeführten  Rechtsbegehren  stellen:  Dem  Beschwerdeführer sei Einsicht in die Akten A7/1 und A10/1 zu gewähren.  Eventualiter sei  ihm das rechtliche Gehör zu diesen Akten zu gewähren.  Im  Anschluss  an  die  Gewährung  der  Akteneinsicht  sei  dem  Beschwerdeführer  eine  angemessene  Frist  zur  Einreichung  einer  Beschwerdeergänzung  anzusetzen.  Die  Verfügung  des  BFM  vom  21.  März 2011 sei aufzuheben und die Sache an das BFM zur vollständigen  und  richtigen  Abklärung  und  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts sowie zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Eventualiter sei  die  Verfügung  des  BFM  vom  21.  März  2011  aufzuheben  und  dem  Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Verfügung des  BFM  vom  21. März  2011  aufzuheben,  und  es  seien  die  Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  des  Beschwerdeführers  festzustellen.  Auf  die  Begründung  wird,  soweit  wesentlich,  in  den  nachfolgenden Erwägungen eingegangen. D.  D.a  Mit  Zwischenverfügung  vom  29.  April  2011  teilte  der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  dem  Beschwerdeführer  den  Inhalt  der  Akten  A7/1  und  A10/1  mit,  wies  das  Gesuch um Ansetzung einer angemessenen Frist  zur Einreichung einer  Beschwerdeergänzung ab und forderte den Beschwerdeführer auf, innert  30 Tagen ab Erhalt dieser Verfügung ein aktuelles ärztliches Gutachten  sowie  eine  Erklärung  über  die  Entbindung  von  der  ärztlichen  Schweigepflicht gegenüber den Asylbehörden einzureichen. D.b Mit Eingabe vom 6. Juni 2011  liess der Beschwerdeführer  folgende  Dokumente  (Beschwerdebeilagen  3  –  10)  einreichen:  ein  Arztzeugnis  vom  23.  Mai  2011,  zwei  Entbindungserklärungen,  zwei  Briefe  vom  26. und  31.  Mai  2011,  acht  Fotos,  die  Fotokopie  eines  vom  Beschwerdeführer  verteilten  Flugblatts,  Ausdrucke  von  Filmen  auf  www.youtube.com,  welche  anlässlich  der  Demonstration  vom  29.  April  2011 vor der (…) in U._______ aufgenommen worden seien. http://www.youtube.com

D­2359/2011 D.c In der Folge liess der Beschwerdeführer am 7. Juni 2011 ein Gesuch  um Ansetzung einer angemessenen Frist zur Einreichung eines weiteren  Arztberichts stellen. D.d  Mit  Zwischenverfügung  vom  16.  Juni  2011  wies  der  Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts dieses Gesuch ab und  überwies die Akten an die Vorinstanz zur Vernehmlassung. D.e  In  einer  weiteren  Eingabe  vom  5.  Juli  2011  liess  der  Beschwerdeführer die Fax­Kopie eines Arztberichts  (Beschwerdebeilage  11), mit  Eingabe  vom  12.  Juli  2011  die  Kopie  der  Beitrittserklärung  zur  "Yekiti Schweiz" einreichen (Beschwerdebeilage 12). E.  E.a Mit Vernehmlassung vom 20. Juli 2011 hob das BFM die Ziffern 3, 4  und  5  der  Verfügung  vom  21.  März  2011  auf  und  hielt  fest,  die  Wegweisung  werde  zurzeit  wegen  Unzumutbarkeit  nicht  vollzogen  und  der  Vollzug  wegen  Unzumutbarkeit  zu  Gunsten  einer  vorläufigen  Aufnahme  aufgeschoben.  Zur  Begründung  machte  die  Vorinstanz  im  Wesentlichen  geltend,  in  Anbetracht  der  aktuellen  Situation  in  Syrien  werde  vom  Vollzug  der  Wegweisung  abgesehen,  weil  ein  solcher  im  heutigen Zeitpunkt nicht zumutbar sei. E.b  In  seiner  Replik  vom  11.  August  2011  liess  der  Beschwerdeführer  mitteilen,  er  halte  an  seinen  Anträgen  fest,  soweit  diese  nicht  gegenstandslos  geworden  seien.  Ausserdem  reichte  er  ein  Foto  von  Demonstrationsteilnehmern  sowie  zwei  Ausdrucke  betreffend  Filme  auf  www.youtube.com  zur  Demonstration  vom  (…)  in  U._______  (Beschwerdebeilagen 13 – 15) zu den Akten. E.c  Schliesslich  liess  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  6.  September  2011  weitere  Unterlagen  betreffend  seine  Teilnahme  an  Demonstrationen gegen das syrische Regime einreichen  (Beilagen 16 –  18). http://www.youtube.com

D­2359/2011 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 

D­2359/2011 wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1.  In  der  Beschwerdeschrift  macht  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen geltend, das BFM habe dem Beschwerdeführer die Einsicht  in  die  Akten  A7/1  und  A10/1  zu  Unrecht  verweigert.  Zudem  habe  die  Vorinstanz  insofern  den  Sachverhalt  unvollständig  erfasst,  als  sie  wesentliche  Sachverhaltselemente  mit  keinem  Wort  erwähnt  habe.  So  habe die Vorinstanz nicht erwähnt, dass der Beschwerdeführer vier oder  fünf  Jahre  vor  der  ergänzenden  Anhörung  bereits  in  T._______  im  Gefängnis  gewesen  sei.  Dabei  handle  es  sich  um  ein  wesentliches  Sachverhaltselement, weil es zum einen das Verhalten der Behörden als  nachvollziehbar erscheinen lasse und zum anderen die Anforderungen an  die  begründete  Furcht  vor  asylrelevanter  Verfolgung  herabsetze.  Desgleichen  habe  die  Vorinstanz  nicht  erwähnt,  dass  der  Beschwerdeführer  während  der  fünfmonatigen  Haft  geschlagen  worden  sei.  Dementsprechend  liege  eine  schwere  Verletzung  der  Begründungspflicht  und  des  Anspruchs  auf  rechtliches  Gehör  vor.  Ausserdem  habe  die  Vorinstanz  entgegen  sonstigen  Gepflogenheiten  und  trotz  geltend  gemachtem  Gerichtsverfahren  keine  Botschaftsabklärung  vorgenommen,  weshalb  sie  den  Sachverhalt  nicht  richtig abgeklärt habe. Des Weiteren habe es das BFM unterlassen, eine  medizinische  Abklärung  zu  veranlassen,  welche  die  Probleme  des  Beschwerdeführers  bei  der  Datierung  von  Geschehnissen  abkläre.  Dementsprechend  müsse  die  Verfügung  schon  wegen  mangelhafter  Abklärung aufgehoben werden. Im Übrigen sei es absurd, wenn das BFM 

D­2359/2011 dem  Beschwerdeführer  vorwerfe,  mit  "letztem  Sommer"  den  Sommer  2010 gemeint zu haben. Eine Person, welche fünf Monate im Gefängnis  verbringe,  danach  mehrere  Monate  lang  im  Land  verbleibe  und  schliesslich  eine  mehrmonatige  Reise  nach  Europa  mache,  könne  mit  "letzten Sommer  "  bei  einer Befragung  im Februar  2011 unmöglich  das  Jahr  2010  gemeint  haben.  Die  Erwägungen  des  BFM  zur  Unglaubhaftigkeit wirkten denn auch konstruiert und vermöchten nicht zu  überzeugen. So sei das Verhalten des Beschwerdeführers  im Nachgang  zu  den  Ereignissen  im  erwähnten  Restaurant  keineswegs  unplausibel:  Nach  dem  Vorfall  mit  dem  Kunden  seien  der  Chef  des  Beschwerdeführers  und  der  Buchhalter  verhaftet  worden.  Der  Beschwerdeführer  habe  demgegenüber  fliehen  können.  Angesichts  der  Verhaftung  der  beiden  andern  Personen  habe  er  verständlicherweise  befürchtet,  ebenfalls  verhaftet  zu  werden.  Ebenso  nachvollziehbar  sei  sein  Erscheinen  an  nächsten  Tag  im  Restaurant.  Er  sei  nämlich  zum  Schluss gekommen,  ihm könne nichts  vorgeworfen werden, weil  er  den  Kunden  nicht  geschlagen  habe.  Zudem  seien  sein  Chef  und  der  Buchhalter  freigelassen  worden.  Dementsprechend  habe  er  nicht  damit  rechnen müssen, nochmals verhaftet zu werden. Des Weiteren habe der  Beschwerdeführer  ausdrücklich  mitgeteilt,  der  erwähnte  Kunde  arbeite  mit  dem  Geheimdienst  zusammen,  weshalb  die  Behörden  die  Identität  dieser  Person  logischerweise  geheim  gehalten  hätten.  Überdies  könne  die  Unglaubhaftigkeit  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  nicht  mit  der angeblichen Unlogik des Verhaltens der Verfolger begründet werden.  Vielmehr sei  in casu massgebend, dass der Beschwerdeführer während  Monaten  immer wieder gesucht und bedroht worden sei.  Im Übrigen sei  der Beschwerdeführer in der Schweiz für die Partei "Yekiti" tätig und habe  sich an mehreren Demonstrationen beteiligt. 4.2.  4.2.1. Was  die  Verweigerung  der  Akteneinsicht  anbelangt,  so  kann  an  dieser Stelle auf die Erwägungen in der Zwischenverfügung vom 29. April  2011 verwiesen werden. Nach dem dort Gesagten kann bestenfalls von  einer  geringfügigen  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  die  Rede  sein,  welche geheilt ist und eine Kassation der angefochtenen Verfügung nicht  zu  rechtfertigen vermag. Bezüglich der Rüge, die Vorinstanz habe nicht  erwähnt,  dass  der  Beschwerdeführer  vier  oder  fünf  Jahre  vor  der  ergänzenden Anhörung bereits in T._______ im Gefängnis gewesen sei,  stellt  sich  die  Frage,  welche  Bedeutung  diesem  Vorbringen  im  Kontext  der geltend gemachten Verfolgungssituation zukommt. Offensichtlich liegt 

D­2359/2011 eine vor vier oder fünf Jahren erlittene fünfmonatige Haft zum einen – bei  Wahrunterstellung  –  zu  lange  zurück,  um  noch  in  einem  kausalen  Verhältnis zur Ausreise des Beschwerdeführers am 27. Oktober 2010 zu  stehen, und sie stellt zum anderen namentlich deshalb kein wesentliches  Sachverhaltselement  dar,  weil  die  geltend  gemachte  aktuelle  Verfolgungssituation  –  wie  nachstehend  auszuführen  sein  wird  –  nicht  geglaubt  werden  kann.  Dementsprechend  kann  vorliegend  von  einer  unvollständigen  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts,  einer  Verletzung  der  Begründungspflicht  und  des  rechtlichen  Gehörs  keine  Rede sein. 4.2.2.  Entgegen  den  Vorbringen  in  der  Beschwerdeschrift  lassen  die  Vorbringen des Beschwerdeführers nicht auf ein medizinisches Problem  im  Zusammenhang  mit  der  Nennung  von  Daten  schliessen.  Vielmehr  drängt  sich  der  Eindruck  auf,  der  Beschwerdeführer  habe  bei  seinen  Schilderungen  nicht  auf  Erinnerungen  an  tatsächliche  Begebenheiten  zurückgreifen  können,  sondern  die  geltend  gemachte  Verfolgungssituation  vollumfänglich  erfunden.  Charakteristisches  Indiz  hiefür sind die Schwierigkeiten des Beschwerdeführers bei der zeitlichen  Einordnung  angeblicher  Erlebnisse.  Sie  äussern  sich  im  Ergebnis  in  chronologischen  Unstimmigkeiten,  etwa  wenn  der  Beschwerdeführer  beinahe in einem Atemzug erwähnt, der Vorfall  im Restaurant habe sich  am 15. Oktober  2010 ereignet,  und er  habe deswegen  vom 15.  Januar  2010  bis  März  2010  eine  (fünfmonatige)  Haftstrafe  abgesessen  (A8/11  F16 S. 3, F19 und F20 S. 4). Konstruiert oder absurd sind somit nicht die  diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz, sondern die Schilderungen  des Beschwerdeführers zur angeblichen Verfolgungssituation, dies umso  mehr,  als  es  sich  bei  der  entsprechenden  Fehlleistung  keineswegs  um  das  einzige  Indiz  handelt,  welches  auf  die  Unglaubhaftigkeit  der  Vorbringen  schliessen  lässt.  Die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  zeichnen  sich  nämlich  zusätzlich  insbesondere  dadurch  aus,  dass  sie  wirklichkeitsfremd  erscheinen.  Angefangen  vom  angeblichen  Streit  mit  dem Geheimdienstmitarbeiter,  der  mit  einer  Frau  getafelt  und  aufgrund  der  Präsenz  eines  kurdischen  Kellners  eine  grössere  tätliche  Auseinandersetzung  in  Kauf  genommen  habe,  bis  zur  Weigerung  des  Beschwerdeführers,  seine  Tatsachenbehauptungen  vor  dem  syrischen  Richter zu beschwören,  finden sich zahlreiche weitere Hinweise auf den  fehlenden  Realitätsbezug  seiner  Vorbringen.  Insbesondere  ist  nicht  anzunehmen,  der  Geheimdienstarbeiter  habe  den  Beschwerdeführer  gefragt, weshalb er – für die Bewirtung – Geld von ihm verlangt habe; er  sei  doch  Kurde  aus  R._______  (A8/11  F16  S.  3).  Angesichts  des 

D­2359/2011 Gesagten  versteht  es  sich  von  selbst,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  zur  angeblichen  Verfolgungssituation  keinen  Bezug  zur Realität haben, weshalb die Vorinstanz zu Recht davon absah, eine  Botschaftsabklärung  oder  eine  medizinische  Abklärung  des  Beschwerdeführers  in  Auftrag  zu  geben,  weil  derartige  Beweiserhebungen  vorliegend  nicht  zu  einer  veränderten  Betrachtungsweise  hätten  führen  können  und  folglich  auch  nicht  auf  Beschwerdeebene  vorzunehmen  sind.  Zur  Vermeidung  von  Wiederholungen kann im Übrigen auf die zutreffenden Erwägungen in der  angefochtenen Verfügung verwiesen werden. 4.2.3. Bei  dieser Sachlage  erübrigt  es  sich,  auf weitere Vorbringen  und  Beweismittel  des  Beschwerdeführers  weiter  einzugehen  oder  die  angefochtene  Verfügung  zu  kassieren  und  zu  neuem  Entscheid  zurückzuweisen.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  für  den  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  aus Syrien eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder  glaubhaft zu machen. 4.3.  In  den  Beschwerdeergänzungen  machte  der  Beschwerdeführer  sinngemäss  geltend,  er  habe  sich  in  der  Schweiz  exilpolitisch  betätigt,  weshalb er sich zusätzlich auf subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von  Art. 54  AsylG  berufe.  Zum  Beweis  seiner  exilpolitischen  Tätigkeiten  reichte er verschiedene Beweismittel zu den Akten (vgl. Bstn. D. und E.  vorstehend). 4.3.1.  Flüchtlingen  wird  kein  Asyl  gewährt,  wenn  sie  erst  durch  ihre  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  oder  wegen  ihres  Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge  im Sinne von Artikel 3 wurden  (Art.  54  AsylG). Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  ­  insbesondere  durch  politische  Exilaktivitäten  ­  eine  Gefährdungssituation  erst  geschaffen  worden  ist,  sich somit auf das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe (Art. 54 AsylG)  beruft, hat begründeten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn  der  Heimat­  oder  Herkunftsstaat mit  erheblicher Wahrscheinlichkeit  von  den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei einer  Rückkehr  in  flüchtlingsrechtlich  relevanter Weise  verfolgt  würde  (BVGE  2009/29 E. 5.1 S. 376 f., BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 

D­2359/2011 2006 Nr. 1 E. 6.1 S. 10, UNHCR, Handbuch über Verfahren und Kriterien  zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, Genf 1993). 4.3.2. Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe am 29. März 2011  ein Beitrittsgesuch  für die Partei  "Yekiti" gestellt und sich  insofern  in der  Schweiz  exilpolitisch  betätigt,  als  er  an  Demonstrationen  teilgenommen  und Flugblätter verteilt habe. 4.3.3.  Die  syrischen  Sicherheits­  und  Geheimdienste  verfügen  über  umfassende  Sondervollmachten  und  unterstehen  keinen  gesetzlichen  oder  administrativen  Kontrollen.  Der  syrische Geheimdienst  ist  auch  im  Ausland aktiv, wo eine  seiner Aufgaben  im Wesentlichen darin  besteht,  syrische  Oppositionelle  und  deren  Kontaktpersonen  auszuforschen  und  zu überwachen sowie Exilorganisationen syrischer Kurden zu  infiltrieren.  Bei  realistischer  Betrachtung  ist  davon  auszugehen,  dass  eine  solche  Spitzeltätigkeit sich auf die Erfassung von Personen konzentriert, welche  im Ausland  Funktionen wahrnehmen  und Aktivitäten  entwickeln,  die  sie  als  ernsthafte  und  potentiell  gefährliche  Regimegegner  erscheinen  lassen.  Dass  die  syrischen  Sicherheitsbehörden  ihrerseits  bei  der  Auswertung  zugetragener  Informationen  zwischen  tatsächlich  politisch  engagierten Regimekritikern und Exilaktivisten, die mit  ihren Aktionen  in  erster Linie die Chancen auf ein Aufenthaltsrecht im Ausland zu erhöhen  versuchen,  zu  unterscheiden  vermögen,  darf  auch  unter  den  aktuellen  syrischen Verhältnissen vorausgesetzt werden. 4.3.4. Gemäss den Akten hat der Beschwerdeführer seit seiner Einreise  in die Schweiz an regimekritischen Kundgebungen teilgenommen, wo er  Flugblätter  verteilt  haben will.  Als  Beweis  dafür  reichte  er  verschiedene  Ausdrucke  von  im  Internet  veröffentlichten  Fotos  beziehungsweise  Originalfotos  ein,  die  ihn  als  Teilnehmer  an  diversen  Kundgebungen  zeigen. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Wahrscheinlichkeit, dass  der  Beschwerdeführer  anhand  dieser  Fotografien  von  den  syrischen  Geheimdiensten wahrgenommen und erkannt worden  ist, nur gering  ist.  Dies  insbesondere  auch  deshalb,  weil  in  der  Schweiz  unzählige  exilpolitische  Anlässe  durchgeführt  werden,  sodass  es  den  syrischen  Behörden  unmöglich  sein  dürfte,  alle  diese  Anlässe  genau  zu  überwachen.  Inwiefern  er  aus  der  Masse  der  exilpolitischen  aktiven  Kurdinnen  und  Kurden  hervorgetreten  sein  und  dadurch wahrscheinlich  eine Registrierung durch die syrischen Behörden bewirkt haben sollte, ist  nicht einzusehen. Durch die blosse Teilnahme an Kundgebungen und mit  dem  Verteilen  von  Flugblättern,  die  sich  teilweise  an  Russland  richten, 

D­2359/2011 hebt er sich nicht von der breiten Masse der exilpolitisch  tätigen Kurden  ab. Insgesamt  lassen  die  eingereichten  Beweismittel  nicht  auf  ein  wesentliches  exilpolitisches  Engagement  des  Beschwerdeführers  schliessen, aufgrund dessen dieser damit  rechnen müsste, dass er dem  syrischen  Geheimdienst  als  ernsthafter  Regimegegner  aufgefallen  und  entsprechend  registriert  worden  wäre.  Dieser  Einschätzung  liegt  die  Erkenntnis zugrunde, dass nicht primär das Hervortreten  im Sinne einer  optischen Erkennbarkeit, sondern die Fähigkeit zu einem Verhalten in der  Öffentlichkeit  massgebend  ist,  welches  aufgrund  der  Persönlichkeit  des  Asylsuchenden,  der  äusseren  Form  seines  Auftretens  und  nicht  zuletzt  aufgrund  des  Inhaltes  der  abgegebenen  Erklärungen  den  Eindruck  erweckt,  er  stelle  eine  Gefahr  für  das  von  der  Baath­Partei  und  dem  Präsidenten Baschar al­Assad dominierte politische System in Damaskus  dar.  Ein  dermassen  erhöhter  Exponierungsgrad  kann  dem  Beschwerdeführer klarerweise nicht bescheinigt werden. Den Akten sind  denn  auch  keine  Anhaltspunkte  dafür  zu  entnehmen,  dass  in  Syrien  gegen  ihn  aufgrund  der  geltend  gemachten Mitgliedschaft  in  der  Partei  "Yekiti"  sowie  der  vorgebrachten  exilpolitischen  Aktivitäten  behördliche  Massnahmen  eingeleitet  worden  wären.  Daher  ist  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  der  Rückkehr  nach  Syrien  nicht  mit  einer  ernsthaften  Benachteiligung  seitens  der  dortigen  Behörden  zu  rechnen  hat.  Daran  ändert  auch  die  Tatsache  nichts,  dass  der  Beschwerdeführer  in  der  Schweiz  um  Asyl  nachgesucht  hat,  da  keine  Anhaltspunkte  dafür  bestehen,  dass  die  Einreichung eines Asylgesuchs  für  sich alleine bei einer Rückkehr nach  Syrien regelmässig zu behördlicher Verfolgung führt. Zusammenfassend  ist  somit  festzuhalten,  dass  die  geltend  gemachten  subjektiven Nachfluchtgründe nicht geeignet sind, eine flüchtlingsrechtlich  relevante  Verfolgungsfurcht  zu  begründen.  Es  ist  daher  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  auch  unter  dem  Aspekt der subjektiven Nachfluchtgründe nicht erfüllt. 5.  5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

D­2359/2011 5.2. Wie  sich  auch  den  Erwägungen  der  Verfügung  vom  20.  Juli  2011  entnehmen  lässt,  verfügt  der  Beschwerdeführer  weder  über  eine  ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf  Erteilung einer solchen. Bei dieser Sachlage ist von Gesetzes wegen die  Wegweisung anzuordnen (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9  S. 733). Die Vorinstanz verfügte demgegenüber  in  ihrer Verfügung vom  20. Juli  2011  auch  die  Aufhebung  von  Ziffer  3  des  Dispositivs  der  Verfügung  vom  21.  März  2011,  weshalb  sie  anzuweisen  ist,  in  der  Dispositivziffer  1  ihrer  Verfügung  vom  20. Juli  2011  die  Ziffer  3  der  Verfügung vom 21. März 2011 nicht aufzuheben. 6.  Mit Verfügung vom 20. Juli 2011 hob das BFM auch die Ziffern 4 und 5  des  Dispositivs  der  Verfügung  vom  21.  März  2011  auf  und  schob  den  Vollzug  der  Wegweisung  zu  Gunsten  einer  vorläufigen  Aufnahme  auf.  Dementsprechend  ist  der  Eventualantrag  auf  Feststellung  der  Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs gegenstandslos geworden (vgl.  FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 326). 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  – soweit  sie  zu  beurteilen  war  –  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde  ist  nach  dem  Gesagten abzuweisen, soweit sie nicht gegenstandslos geworden ist. 8.  Der Beschwerdeführer  ist  im  vorliegenden Verfahren  unterlegen,  soweit  es um die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft,  die Gewährung des  Asyls  und  die  Wegweisung  als  solche  geht,  weshalb  er  insoweit  kostenpflichtig  wird  (vgl.  Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Das  Bundesverwaltungsgericht veranschlagt im Asylbeschwerdeverfahren bei  Konstellationen wie in casu das partielle Unterliegen mit der Hälfte. Dem  Beschwerdeführer  sind  somit  die  hälftigen  Kosten  von  Fr. 300.­  aufzuerlegen. Dem Beschwerdeführer ist – als teilweise obsiegende Partei – für die ihm  im  Beschwerdeverfahren  erwachsenen  notwendigen  Kosten  eine  praxisgemäss  um  die  Hälfte  zu  reduzierende  Parteientschädigung  zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG 

D­2359/2011 i.V.m.  Art. 5  und  15  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE,  SR 173.320.2).  Mit  Eingabe  vom  11.  August  2011  liess  der  Beschwerdeführer  eine Kostennote  einreichen,  die  den Arbeitsaufwand,  die Auslagen und den in Rechnung gestellten Tarif ausweist, wobei der in  Rechnung  gestellte  Aufwand  zum  einen  leicht  überhöht  erscheint  und  zum  anderen  nicht  den  gesamten  Aufwand  bis  zum  Abschluss  des  Verfahrens  umfasst.  In  Anwendung  von  Art.  8,  9  und  11  VGKE  ist  die  Entschädigung  deshalb  pauschal  auf  Fr.  1'880.­  (inkl.  Auslagen  und  MWSt)  festzusetzen  und  ausgehend  von  einem  hälftigen  Obsiegen  auf  Fr.  940.­  zu  reduzieren.  Das  BFM  ist  anzuweisen,  diesen  Betrag  dem  Beschwerdeführer als Parteientschädigung auszurichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­2359/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  abgewiesen,  soweit  sie  nicht  gegenstandslos  geworden ist. 2.  Das BFM wird angewiesen, in der Dispositivziffer 1 seiner Verfügung vom  20. Juli  2011  die  Ziffer  3  des  Dispositivs  der  Verfügung  vom  21. März  2011 nicht aufzuheben. 3.  Dem Beschwerdeführer werden die hälftigen Verfahrenskosten im Betrag  von Fr. 300.­ auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des  Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dem Beschwerdeführer wird  zu  Lasten  des BFM eine  hälftig  reduzierte  Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 940.­ (inkl. MWSt und Auslagen)  ausgerichtet. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Fulvio Haefeli Gert Winter Versand:

D-2359/2011 — Bundesverwaltungsgericht 25.11.2011 D-2359/2011 — Swissrulings