Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 08.02.2012 D-22/2012

8 febbraio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,329 parole·~7 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 1. Dezember 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­22/2012 law/auj/sed Urteil   v om   8 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichter Walter Lang, mit Zustimmung von Richter Gérard Scherrer;  Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger. Parteien A._______, geboren am […], Marokko, vertreten durch Tobias Heiniger,  Bildungsdirektion Kanton Zürich,  Amt für Jugend und Berufsberatung, Zentralstelle MNA,  […],  Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 1. Dezember 2011 / N […].

D­22/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die aus Z._______ stammende […]­jährige Beschwerdeführerin am  3. August  2011  legal  mit  einem  Schengen­Visum  von  Casablanca  kommend am Flughafen Zürich in die Schweiz einreiste, um ihre in Zürich  lebende Tante mütterlicherseits zu besuchen,  dass  die  Beschwerdeführerin  am  12. September  2011,  einen  Tag  vor  Ablauf des Visums, in der Schweiz um Asyl nachsuchte,  dass sie zur Begründung des Gesuchs im Wesentlichen geltend machte,  ihr  Vater  habe  sie  gegen  ihren  Willen  mit  einem  Arbeitskollegen  verheiraten wollen,  dass  der Vater  sie  ein  Jahr  vor  dem Abschluss  des Baccalauréat  auch  habe  zwingen  wollen,  die  Schule  abzubrechen,  und  sie  in  letzter  Zeit  ständig  habe  schlagen  wollen,  weil  sie  sich  geweigert  habe,  die  Zwangsverheiratung zu akzeptieren,  dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  1. Dezember  2011  –  eröffnet  am  5. Dezember  2011  –  das Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  ablehnte,  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  verfügte  und  den  Vollzug  der  Wegweisung anordnete,  dass  das  Bundesamt  zur  Begründung  im  Wesentlichen  ausführte,  die  Beschwerdeführerin  habe  erst  nach  Ablauf  des  Visums  um  Asyl  nachgesucht,  obwohl  ihr  eine  frühere  Einreichung  eines  Gesuches  möglich und zumutbar gewesen wäre,  dass  ihre  Vorbringen  unsubstanziiert,  nicht  plausibel  und  teilweise  nachgeschoben  seien  und  daher  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftmachung  gemäss  Art. 7  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  nicht  standhielten,  so  dass  ihre  asylrechtliche  Relevanz nicht geprüft werden müsse,  dass das BFM den Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin als  zulässig, zumutbar und möglich bezeichnete,  dass  die  Beschwerdeführerin  am  3. Januar  2012  mittels  ihrer  Rechtsvertretung  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  beantragen  liess,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben  und  die  Sache  zu 

D­22/2012 weiterführenden  Abklärungen  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen;  eventualiter  sei  festzustellen, dass sie die Flüchtlingseigenschaft  erfülle,  und  es  sei  ihr  Asyl  zu  gewähren;  subeventualiter  seien  die  Unzumutbarkeit,  Unzulässigkeit  und  Unmöglichkeit  der  Wegweisung  festzustellen, und sie sei in der Schweiz vorläufig aufzunehmen,  dass sie in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragen liess, es sei ihr die  unentgeltliche  Rechtspflege  zu  gewähren  und  in  der  Person  des  Unterzeichnenden ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen,  dass sie ferner in prozessualer Hinsicht um Anordnung von vorsorglichen  Massnahmen  ersuchen  liess,  mit  welchen  die  Vollzugsbehörden  anzuweisen  seien,  die  Kontaktaufnahme  mit  dem  Heimatstaat  sowie  jegliche  Weitergabe  von  Daten  an  denselben  bis  zum  Entscheid  der  Beschwerde  zu  sistieren,  und  vor  einer  allfälligen  Ablehnung  der  Beschwerde  seien  eventuell  bereits  erfolgte  Datenweitergaben  offenzulegen und ihr dazu das rechtliche Gehör im Hinblick auf subjektive  Nachfluchtgründe zu gewähren,  dass der Instruktionsrichter mit Zwischenverfügung vom 16. Januar 2012  feststellte, die Beschwerdeführerin könne den Ausgang des Verfahrens in  der  Schweiz  abwarten  und  ihren  Antrag  auf  Anordnung  vorsorglicher  Massnahmen abwies,  dass  er  ferner  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  und  Abs. 2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  abwies  und  die  Beschwerdeführerin  aufforderte,  bis  am  31. Januar  2012  einen  Kostenvorschuss  von  Fr. 600.–  zu  leisten,  verbunden mit  dem Hinweis,  auf  die  Beschwerde werde  nicht  eingetreten,  falls  der  Kostenvorschuss  innert der angesetzten Frist nicht bezahlt werde, dass die Beschwerdeführerin am 31. Januar 2012 den Kostenvorschuss  leistete,  dass  die  Rechtsvertretung  mit  Eingabe  vom  3. Februar  2012  unter  anderem  Gespräche  der  Beschwerdeführerin  mit  Spezialisten  des  […]  ankündigte,  eine  nicht  unterzeichnete  Vorlage  einer  Ermächtigungserklärung  ihrer  Eltern  zur  Visumserteilung  und  zur  Ausreise  ihrer Tochter einreichte und sinngemäss nochmals den Antrag  stellte, es seien weitere Abklärungen vorzunehmen, 

D­22/2012 und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  die  Beschwerdeführerin  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),  dass  der  erhobene  Kostenvorschuss  am  31. Januar  2012  innert  angesetzter Frist geleistet wurde und somit auf die frist­ und formgerecht  eingereichte Beschwerde einzutreten  ist  (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105  AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),  dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),  dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  auf  einen  Schriftenwechsel  verzichtet wurde,  dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die  in  ihrem Heimatstaat oder 

D­22/2012 im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG),  dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 AsylG),  dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  die  Verfolgungsvorbringen  der  Beschwerdeführerin  zu  Recht  als  ausgesprochen  vage,  unsubstanziiert  sowie  realitätsfremd  und  daher  unglaubhaft beurteilt hat,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  der  Tat  weder  die  Existenz  eines  konkreten, bereits bestimmten, zukünftigen Gatten, noch eine unmittelbar  bevorstehende und gegen ihren Willen erfolgende Eheschliessung, noch  den  angeblich  bevorstehenden  Schulabbruch  plausibel  zu  machen  vermochte,  zumal  ihre  diesbezüglich  konkreteste  Aussage  aus  einem  Zitat  der  angeblichen  Äusserung  ihres  Vaters  am  Telefon  besteht:  "Sie  wird  die  Schule  beenden,  dann  heiraten."  (vgl.  BFM­act.  A19/15  S. 11  Antwort auf Frage 127),  dass auch die Einschätzung des BFM zu bestätigen ist, wonach der Vater  für seine Tochter mit Sicherheit im Februar 2011 nicht einen neuen Pass  beantragt und sein Einverständnis zum Besuch der Tante in der Schweiz  gegeben hätte, wenn er angesichts der ablehnenden Haltung der Tante  und  der  Tochter  seinen  Heiratsplänen  gegenüber  damit  hätte  rechnen  müssen, dass die Tochter nach ihrer Ausreise in die Schweiz nicht nach  Marokko zurückkehren würde,  dass  auch  den  Erwägungen  des  BFM  zum  üblichen  Vorgehen  bei  Eheschliessungen  in  Marokko  (sorgfältige  Auswahl  des  potentiellen  Bräutigams  unter  Einbezug  der  Familien,  Bemühen  um  Einverständnis  der Frau) beizupflichten ist, zumal es sich bei der Beschwerdeführerin um  eine  junge  Frau  mit  für  Marokko  weit  überdurchschnittlichem  Bildungsniveau  handelt,  und  es  gemäss  ihren  Angaben  in  ihrer  Familie  bisher zu keinem Fall von Zwangsverheiratung gekommen  ist, hingegen  zu  –  in  Marokko  wie  in  vielen  anderen  Staaten  üblichen,  wegen  der  fehlenden  Zwangssituation  allerdings  asylrechtlich  nicht  relevanten –  arrangierten Heiraten (vgl. act. A19/15 S. 11), 

D­22/2012 dass übereinstimmend mit dem BFM gegen eine unmittelbare Bedrohung  auch die Tatsache  spricht,  dass die Beschwerdeführerin  ihr Asylgesuch  erst  über  einen  Monat  nach  der  Einreise  und  in  engem  zeitlichen  Zusammenhang  mit  dem  Ablauf  des  Visums  und  der  Rückreise  nach  Marokko eingereicht hatte,  dass die Einwände  in der Beschwerde an der  fehlenden Glaubhaftigkeit  der  Verfolgungsvorbringen  der  Beschwerdeführerin  nichts  zu  ändern  vermögen,  dass  die  Darstellung  in  der  Beschwerde,  die  Reise  der  Beschwerdeführerin  in  die  Schweiz  sei  von  ihrer  Tante,  der Mutter  und  einem Onkel mütterlicherseits und ohne Wissen und Einverständnis des  Vaters  organisiert  worden  (vgl.  Beschwerde  Ziff.  B  2  S. 3  und  B  3.2.1  S. 5),  offensichtlich  ebenso  wahrheitswidrig  ist  wie  die  entsprechende  Auskunft der Beschwerdeführerin in der Anhörung (vgl. act. A19/15 Frage  81 S. 7), geht aus den Visumsunterlagen doch hervor, dass beide Eltern  am  25. April  2011  eine  Ermächtigung  der  zuständigen  Behörde  zur  Visumserteilung  an  ihre  minderjährige  Tochter  und  zur  Ausreise  derselben aus Marokko unterzeichnet hatten,  dass  in  der  Eingabe  vom  3. Februar  2012  vorgebracht  wird,  die  Eltern  hätten die Ermächtigung zur Visumserteilung im Hinblick auf eine für das  Ende  des  Schuljahres  2010/11  geplante  Schulreise  der  Beschwerdeführerin  nach  Ägypten  unterschrieben,  und  ihre  Mutter  und  die Brüder hätten das Dokument anschliessend zweckentfremdet und für  die Ausreise in die Schweiz verwendet,  dass  keine  konkreten  Hinweise  für  die  Richtigkeit  dieser  Behauptung  vorliegen  und  diese  auch  angesichts  der  vorstehend  aufgezeigten  Unglaubhaftigkeit  der  Verfolgungsvorbringen  sowie  der  erschütterten  Glaubwürdigkeit  der  Beschwerdeführerin  als  nachgeschoben  und  damit  unglaubhaft betrachtet werden muss, dass  demnach  auch  der  Erklärungsversuch,  "Ziel  dieses  nicht  genehmigten Urlaubs in der Schweiz sei es, gemäss der Tante, gewesen,  dem Vater die Konsequenzen seines Handelns aufzuzeigen und ihn zum  Einlenken  zu  bewegen,  indem  seine  Tochter  seinem  Machtbereich  entzogen wurde" (vgl. Beschwerde Ziff. B 3.2.2 S. 5) jeglicher Grundlage  entbehrt, 

D­22/2012 dass es sich beim Vorbringen, die Beschwerdeführerin  "fürchte sich vor  der physischen Gewalt  ihres Vaters und damit um  ihr Leben", entgegen  der  in  der Eingabe  vom 3.  Februar  2012  (vgl. S. 1)  vertretenen Ansicht  nicht  um  einen  "Nachfluchtgrund"  handelt,  sondern  um  den  unbehelflichen  Versuch  der  Beschwerdeführerin,  bereits  anlässlich  der  Anhörung  geltend  gemachte  und  in  der  angefochtenen  Verfügung  als  unglaubhaft  beurteilte  Vorbringen  ("Er  wollte  mich  mehrmals  schlagen"  [vgl. act. 19/15 S. 5]; "Ich habe sehr grosse Angst vor meinem Vater" und  "er  könnte  mir  etwas  antun"  [vgl.  act.  A19/15  S. 12])  noch  etwas  akzentuierter  zu  formulieren,  in  der  Hoffnung,  damit  einen  asylrechtlich  relevanten Sachverhalt zu konstruieren,  dass  sich  auch  für  die  Existenz  von  in  der  Eingabe  angedeuteten  psychischen  Problemen  der  Beschwerdeführerin  in  den  Akten  keine  Hinweise finden lassen und solche Beschwerden, so sie denn seit Erlass  der  Zwischenverfügung  vom  16. Januar  2012  aufgetreten  wären,  im  Zusammenhang mit der in der Verfügung aufgezeigten Aussichtslosigkeit  der Beschwerdebegehren zu sehen wären,  dass sich die Andeutung in der Eingabe vom 3. Februar 2012 (vgl. S. 1),  es gebe "ein weiteres Thema, welches ihr grosse Mühe bereite", und das  sie  mit  niemandem  besprechen  könne,  "ausser  möglicherweise  einem  Arzt",  nahtlos  in  das  Gesamtbild  von  vagen  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  und  in  letzter  Minute  nachgeschobenen,  jedoch  wiederum nicht substanziierten neuen Vorbringen einfügt,  dass weder  die  in  der Eingabe  vom 3. Februar  2012 nachgeschobenen  Gründe  noch  "heftige  Gefühlsausbrüche"  der  Beschwerdeführerin  (vgl.  S. 1) – deren Ursache sich naturgemäss Aussenstehenden, so auch der  Rechtsvertretung,  entzieht  –  an  der  Unglaubhaftigkeit  ihrer  Vorbringen  etwas zu ändern vermögen,  dass  schliesslich  den  Befragungsprotokollen  und  der  angefochtenen  Verfügung  keine  Hinweise  auf  eine  nicht  altersgerechte  Befragung  der  Beschwerdeführerin und/oder Auswertung ihrer Antworten zu entnehmen  sind,  dass  der  Kassationsantrag  abzuweisen  ist,  da  der  rechtserhebliche  Sachverhalt vorliegend hinreichend erstellt ist,  dass auch keine Veranlassung besteht, weitergehende Abklärungen, wie  insbesondere eine Befragung der Tante oder medizinische Abklärungen 

D­22/2012 vorzunehmen  oder  neue  Beweismittel  zu  bereits  beurteilten  Vorbringen  einzureichen,  dass  es  der  Beschwerdeführerin  somit  nicht  gelingt,  die  Flüchtlingseigenschaft  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen,  weshalb  das  Bundesamt  das  Asylgesuch  zu  Recht  abgelehnt  hat, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer solchen besteht, weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit  den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach vom Bundesamt zu  Recht angeordnet wurde  (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9  S. 733,  BVGE  2008/34  E. 9.2  S. 510,  Entscheidungen  und Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21),  dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  regelt,  wenn  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 

D­22/2012 (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  es  der  Beschwerdeführerin  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet,  dass  ferner  keine  Anhaltspunkte  für  eine  der  Beschwerdeführerin  in  Marokko  drohende  menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ersichtlich  sind,  ist  es  ihr  doch  nicht  gelungen,  diesbezüglich  eine  tatsächlich  bestehende  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachzuweisen oder glaubhaft zu machen,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass weder die allgemeine Lage in Marokko noch individuelle Gründe auf  eine  konkrete  Gefährdung  der  Beschwerdeführerin  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen  lassen,  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend zumutbar  ist,  zumal  sich aus den Akten keine Anhaltspunkte  ergeben, die darauf schliessen liessen, sie würde im Falle der Rückkehr  in  den Heimatstaat  aus  sozialen,  wirtschaftlichen  oder  gesundheitlichen  Gründen in eine existenzbedrohende Situation geraten,  dass die bald volljährige, gesunde und kurz vor dem Maturitätsabschluss  stehende Beschwerdeführerin an ihrem Herkunftsort Z._______ über ein  tragfähiges  familiäres  Beziehungsnetz  verfügt,  auf  das  sie  nach  einer  sehr  kurzen  Landesabwesenheit  ohne  Weiteres  wird  zurückgreifen  können,  zumal  die  geltend  gemachten  Probleme  mit  ihrem  Vater  vorliegend als unglaubhaft beurteilt wurden, 

D­22/2012 dass der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin nach Marokko  schliesslich möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen  (Art. 83  Abs. 2  AuG)  und  die  Beschwerdeführerin  über  einen  gültigen  marokkanischen Reisepass verfügt,  dass  es  der  Beschwerdeführerin  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzen,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellen  oder  unangemessen  sein  sollte  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.–  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  mit  dem  am  31. Januar  2012  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss zu verrechnen sind.  (Dispositiv nächste Seite)

D­22/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt  und  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  in  gleicher  Höhe  verrechnet.  3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Jacqueline Augsburger Versand:

D-22/2012 — Bundesverwaltungsgericht 08.02.2012 D-22/2012 — Swissrulings