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Bundesverwaltungsgericht 07.02.2012 D-1900/2010

7 febbraio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,150 parole·~16 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 25. Februar 2010

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­1900/2010 Urteil   v om   7 .   Februar   2012 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richter Gérald Bovier,    Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Parteien A._______, geboren (…), Somalia,   vertreten durch lic. iur. Claudia Tamuk, (…), Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 25. Februar 2010 / N (…).

D­1900/2010 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführerin  verliess  ihren  Heimatstaat  eigenen  Angaben  zufolge am 2. Dezember 2008 und gelangte am 8. Dezember 2008 in die  Schweiz,  wo  sie  gleichentags  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ) B._______ um Asyl nachsuchte. Am 15. Dezember 2008 wurde sie  im EVZ  zu  ihren Personalien  und  –  summarisch  –  zu  den Asylgründen  befragt. Mit Verfügung vom 17. Dezember 2008 wies das Bundesamt die  Beschwerdeführerin dem Kanton C._______ zu. Ihre Anhörung durch das  BFM fand am 6. Oktober 2009 statt. Anlässlich  ihrer Befragung  sowie  im Rahmen der Anhörung brachte  die  Beschwerdeführerin  vor,  sie  habe  bis  zu  ihrer  Ausreise  in  D._______  gelebt und gehöre dem Clan der Asharaf an. Sie habe mit  ihren beiden  Kleinkindern,  ihrem  Ehemann,  ihrer  Mutter  sowie  dem  Stiefvater  zusammengewohnt.  Ein Grund  für  ihre  Ausreise  sei  die  Armut  und  der  Hunger  in  ihrem Heimatland.  Als  Angehörige  eines  kleines Clans  seien  sie  besonders  vom  Bürgerkrieg  betroffen.  Zudem  seien  am  1. Januar  2008 zwei Männer  in  ihr Haus gekommen, wo sie  sich alleine mit  ihren  beiden  Kindern  aufgehalten  habe,  und  hätten  sie  vergewaltigt.  Danach  habe  sie  nicht mehr  in  ihrem Heimatland  leben wollen  und  sei  deshalb  ausgereist. B.  Mit  Verfügung  vom  25. Februar  2010  –  eröffnet  am  26. Februar  2010 –  stellte  das  BFM  fest,  die  Beschwerdeführerin  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft nicht,  lehnte das Asylgesuch ab und wies sie aus  der  Schweiz  weg.  Der  Wegweisungsvollzug  wurde  indessen  zufolge  Unzumutbarkeit aufgeschoben und die vorläufige Aufnahme angeordnet. Zur  Begründung  seines  Entscheides  führte  das  Bundesamt  zusammengefasst  aus,  die  Beschwerdeführerin  habe  zu  wesentlichen  Punkten widersprüchliche Angaben gemacht, weshalb ihre Aussagen den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  im  Sinne  von  Art. 7  des  Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  (AsylG, SR 142.31)  nicht  standhielten.  Der  eingereichte  ärztliche  Bericht  vermöge  die  Darstellung  der  Beschwerdeführerin nicht zu stützen. Die weiteren Vorbringen zu Hunger,  Armut  und  der  ständigen  Unsicherheit  würden  die  somalische  Bevölkerung  in  gleichem  Mass  treffen  und  hielten  deshalb  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  nicht  stand.

D­1900/2010 C.  Gegen  diese  Verfügung  liess  die  Beschwerdeführerin mit  Eingabe  vom  23. März 2010 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und  in  materieller  Hinsicht  beantragen,  die  Dispositiv­Ziffern  1  und  2  der  angefochtenen  Verfügung  seien  aufzuheben,  es  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführerin  festzustellen  und  es  sei  ihr Asyl  zu  gewähren.  In  verfahrensrechtlicher Hinsicht  ersuchte  sie  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Als  Beweismittel  lagen  der  Beschwerdeschrift  zwei  Fotos  (je  in  Kopie)  sowie  eine  Bestätigung  über  den  Bezug  von  wirtschaftlicher  Sozialhilfe  durch die Beschwerdeführerin bei. Für  die  Begründung  der  Beschwerdeanträge  sowie  die  eingereichten  Beweismittel  wird,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  auf  die  nachfolgenden Erwägungen verwiesen. D.  Mit Verfügung vom 30. März 2010 hielt der zuständige Instruktionsrichter  fest, über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  werde zu einem späteren Zeitpunkt befunden und auf die Erhebung eines  Kostenvorschusses  werde  verzichtet.  Gleichzeitig  wurde  die  Vorinstanz  zur Einreichung einer Stellungnahme eingeladen. E.  Das  Bundesamt  beantragte  mit  seiner  Vernehmlassung  vom  29. April  2010  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Mit  Verfügung  vom  4. Mai  2010  wurde  der  Beschwerdeführerin  Gelegenheit  zur  Replik  eingeräumt.  Mit  Eingabe  vom  12. Mai  2010  machte  die  Beschwerdeführerin  von  ihrem  Äusserungsrecht Gebrauch. F.  Die  Rechtsvertretung  der  Beschwerdeführerin  teilte  dem  Bundesverwaltungsgericht  mit  Schreiben  vom  10. September  2010  mit,  die Beschwerdeführerin habe erfahren, dass  ihre Kinder und  ihre Mutter  im  Heimatland  entführt  worden  seien  und  von  ihr  (der  Beschwerdeführerin)  nun  ein  Lösegeld  gefordert  werde.  Es  gehe  der  Beschwerdeführerin  psychisch  sehr  schlecht  und  sie  bitte  dringend  um  einen Entscheid über ihre Beschwerde. G.  Mit Schreiben vom 30. Dezember 2010 informierte die Rechtsvertretung, 

D­1900/2010 dass  die  Kinder  der  Beschwerdeführerin  nach  Übergabe  einer  Lösegeldsumme  freigelassen  worden  seien.  Sie  seien  jedoch –  zusammen  mit  der  Mutter  der  Beschwerdeführerin  –  nach  wie  vor  in  Gefahr. Sie ersuche deshalb um einen raschen Entscheid. H.  Mit Eingaben  vom 20. Februar  2011 und  vom 10. Oktober  2011 an das  Bundesverwaltungsgericht  sowie  vom  7. März  2011  an  das  Bundesamt  machte die Beschwerdeführerin erneut auf die schwierige Situation  ihrer  Kinder  und  ihrer  Mutter  in  Somalia  aufmerksam.  Das  Bundesverwaltungsgericht  teilte  der  Beschwerdeführerin  mit  Schreiben  vom 17. Oktober 2011 mit,  ein  verbindlicher Zeitpunkt  für das Vorliegen  eines Entscheides könne nicht genannt werden. I.  Am  6. Oktober  2011  heiratete  die  Beschwerdeführerin  in  der  Schweiz  einen somalischen Staatsangehörigen. Die Angaben  im Rubrum wurden  entsprechend  angepasst.  Als  Folge  der  Heirat  wurde  die  Beschwerdeführerin  neu dem Aufenthaltskanton  ihres Ehemannes,  dem  Kanton E._______, zugeteilt. J.  Mit  Eingabe  vom  12. Januar  2012  liess  die  Beschwerdeführerin  durch  ihre  Rechtsvertreterin  mitteilen,  ihr  Ehemann  gehöre  dem  Clan  der  Hawiye  an,  Subclan  Abgal.  Aufgrund  dieser  unterschiedlichen  Clan­ Zugehörigkeit  sei  die  Beschwerdeführerin  bei  einer  allfälligen  Rückkehr  nach Somalia an Leib und Leben bedroht.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 

D­1900/2010 endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme liegt nicht vor. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.   3.1. Unter  dem  Titel  "Rechtliches  Gehör"  lässt  die  Beschwerdeführerin  einwenden,  die  Vorinstanz  habe  bezüglich  ihrer  Clanzugehörigkeit  den  Sachverhalt  nicht  richtig  festgestellt.  Aufgrund  des  Familiennamens  der  Beschwerdeführerin,  kombiniert  mit  leicht  zugänglichen  Hintergrundinformationen,  hätte  die  Clanzugehörigkeit  zweifelsfrei  festgestellt werden müssen. Des Weiteren  sei  im angefochtenen Entscheid der ärztliche Bericht  des  Ambulatoriums für Folter­ und Kriegsopfer vom 19. Januar 2010, welcher  dem Bundesamt am 24. Februar 2010 via Postfach zugestellt worden sei,  offensichtlich nicht berücksichtigt worden. Der Bericht erhärte den schon  im ärztlichen Bericht vom 17. Dezember 2009 geäusserten Verdacht auf  eine posttraumatische Belastungsstörung. Er hätte von der Vorinstanz im  Zuge  der  Sachverhaltsfeststellung  zum  zentralen  Punkt  der  Vergewaltigung gewürdigt werden müssen. 3.2.  Der  Grundsatz  des  rechtlichen  Gehörs  (Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 [BV, SR 101], Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass 

D­1900/2010 die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört,  sorgfältig und ernsthaft prüft und  in der Entscheidfindung berücksichtigt,  was  sich  entsprechend  in  der  Begründung  des  Entscheids  niederschlagen  muss  (vgl.  Art.  35  Abs.  1  VwVG).  Die  Abfassung  der  Begründung  soll  es  dem  Betroffenen  möglich  machen,  den  Entscheid  gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was nur möglich ist, wenn sich  sowohl  der  Betroffene  als  auch  die  Rechtsmittelinstanz  über  die  Tragweite des Entscheides ein Bild machen können  (BGE 129  I 232 E.  3.2  S.  236  f.).  Dabei  muss  sich  die  verfügende  Behörde  nicht  ausdrücklich  mit  jeder  tatbeständlichen  Behauptung  und  jedem  rechtlichen  Einwand  auseinander  setzen,  sondern  darf  sich  auf  die  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken  (BGE  126  I  97  E.  2b).  Die  Begründungsdichte  richtet  sich  nach  dem  Verfügungsgegenstand,  den  Verfahrensumständen  und  den  Interessen  des  Betroffenen,  wobei  die  bundesgerichtliche  Rechtsprechung  bei  schwerwiegenden  Eingriffen  in  die  rechtlich  geschützten  Interessen  des  Betroffenen  eine  sorgfältige  Begründung verlangt (BGE 112 Ia 110; vgl. auch BVGE 2008/47 E. 3.2 S.  674  f.,  mit  weiteren  Hinweisen).  Demgegenüber  ist  die  Beschwerdeführerin  gesetzlich  verpflichtet,  an  der  Feststellung  des  Sachverhalts  mitzuwirken  und  anzugeben,  weshalb  sie  um  Asyl  nachsucht (Art. 8 Abs. 1 Bst. c AsylG). 3.3.  Inwiefern  der  Vorinstanz  im  Zusammenhang  mit  der  geltend  gemachten  Clanzugehörigkeit  eine  Verletzung  des  Anspruches  auf  rechtliches Gehör vorzuwerfen wäre, ist nicht ersichtlich. Das Bundesamt  führte zwar  in der angefochtenen Verfügung an, die Beschwerdeführerin  habe sich uneinheitlich zu ihrer Clanzugehörigkeit geäussert, daraus lässt  sich jedoch nicht ableiten, es sei von einer anderen Clanzugehörigkeit der  Beschwerdeführerin auszugehen. Soweit in der Beschwerdeschrift auf die  Namensgebung  bei  der  Gruppe  der  Asharaf  beziehungsweise  auf  den  Namen  der  Beschwerdeführerin  Bezug  genommen  wird,  ist  immerhin  darauf  hinzuweisen,  dass  die  Beschwerdeführerin  weder  im  vorinstanzlichen Verfahren noch auf Beschwerdeebene rechtsgenügliche  Identitätspapiere  einreichte  (vgl.  BVGE  2007/7).  Aus  den  unbelegt  gebliebenen Namensangaben liesse sich deshalb von vorneherein nichts  in  Bezug  auf  die  Clanzugehörigkeit  der  Beschwerdeführerin  ableiten,  weshalb sich das Bundesamt dazu auch nicht explizit äussern musste. Hinsichtlich  des  eingereichten  Berichtes  des  Ambulatoriums  für  Folter­  und Kriegsopfer ist der Beschwerdeführerin darin zuzustimmen, dass sich  das  Bundesamt  dazu  in  der  angefochtenen  Verfügung  nicht  äusserte. 

D­1900/2010 Aus  den  vorinstanzlichen  Akten  ergibt  sich,  dass  dieser  Bericht  samt  Begleitschreiben  am  24. Februar  2010  beim  BFM  einging  (vgl.  Eingangsstempel). Dies wird vom Bundesamt  in seiner Vernehmlassung  denn  auch  bestätigt.  Dort  wird  weiter  ausgeführt,  das  Schreiben  habe  sich  aufgrund  des  Systems  des  internen  Kurierdienstes  und  der  Postverteilung im BFM mit dem angefochtenen Entscheid, datierend vom  25. Februar  2010,  gekreuzt.  Diese  Erklärung  ist  zwar  nachvollziehbar,  ändert  aber  nichts  daran,  dass  der  fragliche  Bericht  vor  Erlass  der  angefochtenen  Verfügung  bei  der  Vorinstanz  einging,  in  die  Entscheidfindung  hätte  einfliessen  müssen  und  im  Entscheid  selber  zu  behandeln  gewesen wäre. Dass  die Behörden  umgehend Kenntnis  von  allfälligen  Parteieingaben  erhalten  und  diese  entsprechend  berücksichtigen  können,  liegt  ausschliesslich  im  Verantwortungsbereich  der Behörde selber. Indem das BFM die Eingabe der Beschwerdeführerin  unberücksichtigt liess, verletzte es den Anspruch der Beschwerdeführerin  auf rechtliches Gehör. 3.4.  Eine  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  führt  grundsätzlich  –  das  heisst  ungeachtet  der  materiellen  Auswirkungen  –  zur  Aufhebung  des  daraufhin  ergangenen Entscheides. Die Heilung einer Gehörsverletzung  aus  prozessökonomischen  Gründen  auf  Beschwerdeebene  ist  jedoch  möglich, sofern das Versäumte nachgeholt wird, die beschwerdeführende  Partei  dazu  Stellung  nehmen  kann  und  der  Beschwerdeinstanz  im  streitigen  Fall  die  freie  Überprüfungsbefugnis  in  Bezug  auf  Tatbestand  und Rechtsanwendung zukommt, sowie die festgestellte Verletzung nicht  schwerwiegender  Natur  ist  und  die  fehlende  Entscheidreife  durch  die  Beschwerdeinstanz  mit  vertretbarem  Aufwand  hergestellt  werden  kann  (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 S. 676 f., mit weiteren Hinweisen). Im  Rahmen  der  auf  Beschwerdeebene  eingeleiteten  Vernehmlassung  holte die Vorinstanz  ihr Versäumnis – wie die Ausführungen  in E. 6.3.2.  nachfolgend  zeigen  werden  –  nach.  Die  Beschwerdeführerin  ihrerseits  legte  bereits  in  ihrer Rechtsmitteleingabe  entsprechende Argumente  ins  Recht. Überdies wurde ihr mit Verfügung vom 4. Mai 2010 die Möglichkeit  eingeräumt, zu den Ausführungen der Vorinstanz in der Vernehmlassung  Stellung  zu  nehmen.  Infolgedessen  ist  ihr  aus  der  unterbliebenen  Berücksichtigung  des  eingereichten  Beweismittels  sowie  der  daraus  folgenden  unzureichenden  Begründung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  kein Rechtsnachteil erwachsen. Eine Rückweisung des Verfahrens an die  Vorinstanz käme einem prozessrechtlichen Leerlauf gleich, insbesondere  auch  deshalb,  weil  die  Beschwerdeinstanz  über  eine  umfassende  http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/47 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/47 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/47

D­1900/2010 Kognition  verfügt;  daraus  erhellt,  dass  die  vorgängig  festgestellte  Verletzung des rechtlichen Gehörs auf Beschwerdeebene geheilt worden  ist.  Der  Verfahrensmangel  wird  indessen  im  Entschädigungspunkt  zu  berücksichtigen  sein  (Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2003  Nr.  5,  vgl.  nachstehend E. 10). 4.  4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen  (Art.  7  Abs.  1  AsylG).  Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie genügend substantiiert, in sich  schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen  erschöpfen  oder  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen und sie dürfen nicht widersprüchlich sein oder der inneren  Logik  entbehren.  Darüber  hinaus  muss  die  asylsuchende  Person  persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall  ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel  abstützt  (Art. 7  Abs. 3  AsylG),  wichtige  Tatsachen  unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen  auswechselt  oder  unbegründet  nachschiebt,  mangelndes  Interesse  am  Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung  bedeutet  –  im  Gegensatz  zum  strikten  Beweis  –  ein  reduziertes  Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel  an den Vorbringen des Beschwerdeführers. Eine Behauptung gilt bereits  als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von  ihrer Wahrheit nicht völlig  überzeugt  ist,  sie  aber  überwiegend  für  wahr  hält,  obwohl  nicht  alle  Zweifel  beseitigt  sind.  Für  die  Glaubhaftmachung  reicht  es  demgegenüber  nicht  aus, wenn  der  Inhalt  der Vorbringen  zwar möglich  ist,  aber  in  Würdigung  der  gesamten  Aspekte  wesentliche  und  überwiegende  Umstände  gegen  die  vorgebrachte 

D­1900/2010 Sachverhaltsdarstellung  sprechen.  Entscheidend  ist  im  Sinne  einer  Gesamtwürdigung,  ob  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  überwiegen  oder  nicht;  dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen  (vgl.  die  von  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  begründete  Rechtsprechung  in  EMARK  2005  Nr.  21  E.  6.1  S.  190  f.,  mit  weiteren  Hinweisen, welche vom Bundesverwaltungsgericht weitergeführt wird). 4.3. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft  ist die  Frage nach der  im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder  begründeten  Furcht  vor  einer  solchen.  Die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheids ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  wesentlich.  Veränderungen  der  objektiven  Situation  im  Heimatstaat  zwischen  Ausreise  und  Asylentscheid  sind  deshalb  zugunsten und  zulasten der  das Asylgesuch  stellenden Person  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.4  S. 38  f., WALTER STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 5.  5.1. Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung zunächst aus,  die  Beschwerdeführerin  habe  widersprüchliche  Aussagen  gemacht.  So  habe  sie  anlässlich  der  Bundesbefragung  angegeben,  sie  sei  fast  nie  einkaufen gegangen, meistens sei  ihr Mann einkaufen gegangen, da die  Frauen nie einkaufen würden, sondern die Männer. Demgegenüber habe  sie  bei  der  Summarbefragung  auf  entsprechende  Frage  nicht  erwähnt,  dass sie fast nie einkaufen gegangen sei, sondern angegeben, sie habe  meistens  auf  dem  Markt  F._______  eingekauft.  Zudem  habe  sie  substanziierte Angaben zu Lebensmittelpreisen auf dem Markt gemacht.  Widersprüchlich habe sie auch zu ihrer Clanzugehörigkeit, unter welcher  sie zu  leiden gehabt habe, ausgesagt. Anlässlich der Summarbefragung  habe  sie  ausgeführt,  sie  gehöre  dem Clan  Asharaf  an,  ihr  Subclan  sei  Hassan.  Es  gebe  nur  zwei  Subclans  der  Asharaf,  nämlich  Hassan  und  Hussein. Bei der Bundesbefragung habe sie jedoch geltend gemacht, sie  gehöre dem Clan Asharaf und dem Subclan Hussein an. Überdies habe  sie  sich  auch  bezüglich  der  Vergewaltigung  uneinheitlich  geäussert,  indem sie einmal angegeben habe, irgendein Mann habe sie vergewaltigt,  dieser sei ihr völlig fremd gewesen; sie habe ihn noch nie gesehen. In der  zweiten  Befragung  habe  sie  hingegen  von  zwei  Männern  gesprochen,  welche ihr dies angetan hätten.

D­1900/2010 Weiter hielt das Bundesamt fest, der ärztliche Bericht vom 17. Dezember  (gemeint:  2009)  vermöge  die  geltend  gemachten  Vorbringen  nicht  zu  stützen;  da  die  dort  festgestellten  körperlichen  Beschwerden  auf  verschiedene  Ursachen  zurückzuführen  seien.  Der  eingereichte  Arztbericht  vermöge  deshalb  die  von  der  Beschwerdeführerin  geltend  gemachten Nachteile nicht zu belegen. Aufgrund des Gesagten müsse an  der  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  gezweifelt  werden.  Sie  hielten  den  Anforderungen  an  die  Glaubwürdigkeit  (recte:  Glaubhaftigkeit)  gemäss  Art. 7 AsylG nicht stand. Schliesslich  führte  das  BFM  aus,  die  Beschwerdeführerin  mache  zusätzlich geltend,  sie habe  ihr Land verlassen, da sie den Hunger, die  Armut und die ständige Unsicherheit nicht mehr ertragen habe, denn sie  wolle einfach ein ganz normales Leben führen. Gemäss ständiger Praxis  und Rechtsprechung werde alleine aufgrund einer bürgerkriegsbedingten  Situation  den  Betroffenen  nicht  Asyl  gewährt.  Gegenwärtig  seien  Teile  Somalias  von  Kampfhandlungen  zwischen  Kräften  der  Übergangsregierung und verschiedenen Milizen betroffen. Die allgemeine  Unsicherheit, die als unausweichliche Folge dieses Konflikts in gewissen  Teilen  des  Landes  herrsche,  betreffe  die  gesamte  somalische  Bevölkerung  in  gleichem  Masse.  Diese  Vorbringen  hielten  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  nicht  stand. 5.2. Die Beschwerdeführerin  lässt dagegen im Wesentlichen einwenden,  der Umstand, dass sie fast nie selbst einkaufen gegangen sei, stehe nicht  im  Widerspruch  dazu,  dass  sie  zu  Lebensmittelpreisen  substanziierte  Angaben habe machen können. Nahrungspreise würden im Kontext einer  schwierigen  ökonomischen  Lebenssituation  eine  zentrale  Stelle  einnehmen und seien deshalb allen erwachsenen Familienmitgliedern, ob  sie nun selbst einkauften oder nicht, wohl bekannt. Nicht vorwerfen könne  man  der  Beschwerdeführerin,  dass  sie  in  der  Summarbefragung  nicht  erwähnt habe, in ihrer Kultur seien die Männer für den Einkauf zuständig,  da  sie  auf  die  konkrete  Frage  Antwort  gegeben  habe,  wo  sie  ihre  Lebensmittel denn einkaufe. Selbst wenn die Aussagen in diesem Punkt  aber  als  widersprüchlich  zu  qualifizieren  wären,  wäre  dies  für  den  Entscheid  unerheblich.  Widersprüche  zwischen  der  Summarbefragung  und  der  Bundesbefragung  dürften  nur  dann  für  die  Beurteilung  der  Glaubwürdigkeit  herangezogen werden, wenn  klare Aussagen diametral  voneinander  abweichen  würden  oder  bestimmte  Ereignisse  oder  Befürchtungen, die später als zentrale Asylgründe genannt würden, in der 

D­1900/2010 Empfangsstelle  nicht  zumindest  ansatzweise  erwähnt  würden,  was  vorliegend nicht der Fall sei. In  Bezug  auf  die  Clanzugehörigkeit  macht  die  Beschwerdeführerin  geltend,  sie  führe  ihre Clan­  und  Subclanbezeichnung  –  beim Clan  der  "Asharaf"  also  "Hussein"  oder  "Hassan"  –  offensichtlich  im  Familiennamen,  was  allein  als  Beweis  genüge.  Zusätzlich  habe  sie  sowohl  in  der  BzP  (recte:  EVZ)  als  auch  an  der  Bundesbefragung  übereinstimmend  ihren  Subclan  mit  "Omar"/"Sharif  Umar"  angegeben,  wobei die verschiedene phonetische Transkription keine Rolle spiele. Weiter  bringt  die  Beschwerdeführerin  vor,  im  Hinblick  auf  die  von  ihr  geschilderte  Vergewaltigung  sei  zu  beachten,  dass  sich  der  vom  BFM  monierte Widerspruch  auf  eine  grammatikalische  Auslegung  stütze,  die  näherer  Betrachtung  bei  Berücksichtigung  des  Kontextes  nicht  standhalte.  Zudem gelte  es,  die  derzeitige medizinische Behandlung  zu  berücksichtigen.  Forschungen  zu  Erinnerungen  an  traumatische  Inhalte  zeigten,  dass  Widersprüche  bei  traumatischen  Erlebnissen  sehr  wahrscheinlich  seien.  In  Anbetracht  der  medizinischen  Sachlage  erscheine die monierte Ungenauigkeit als vernachlässigbar. Im Gegenteil  habe  die  Beschwerdeführerin  anlässlich  der  Bundesbefragung  sehr  genaue  Angaben  zu  Zeit,  Ort  und  in  den  Vorfall  involvierte  Personen  machen können. Fakt sei, dass die Vergewaltigung glaubhaft dargebracht  worden sei. Ob nun Mann im Singular oder Plural stehe, sei selbst ohne  endgültig  diagnostizierte  posttraumatische  Belastungsstörung  kein  verfängliches  Argument,  das  den  Vorwurf  von  widersprüchlichen  Angaben  zu  einem  wesentlichen  Punkt  rechtfertigen  würde.  Die  Schilderung  erscheine  im  Kontext  der  Diskriminierung  des  Clans  der  Beschwerdeführerin  sowie  der  Situation  der  einer  "Minderheit  angehörigen Frauen"  als  schlüssig  und  plausibel.  Im Übrigen  erscheine  die Beschwerdeführerin durch detaillierte und logische Aussagen auch in  Punkten,  die  nicht  das  Kernargument  der  Verfolgung  betreffen  würden,  als persönlich glaubwürdig. Soweit die Vorinstanz sodann den ärztlichen Bericht vom 17. Dezember  2009  als  untaugliches Beweismittel würdige,  sei  festzuhalten,  dass  sich  dieses Zeugnis nicht zu den möglichen Ursachen äussere. Das bedeute,  dass  die  Ursächlichkeit  der  Verletzung  (chronische  […])  aus  einer  Vergewaltigung weder bejaht noch verneint werde. Keinesfalls  führe das  ärztliche  Zeugnis  die  (…)  auf  verschiedene  Ursachen  zurück,  wie  dies  vom BFM dargestellt werde.

D­1900/2010 Schliesslich  lässt die Beschwerdeführerin darlegen, auch in Kriegs­ oder  Bürgerkriegssituationen  könne  sich eine gezielte,  asylrechtlich  relevante  und  den Kriterien  von Art. 3 AsylG entsprechende Verfolgung  ereignen.  Die  Beschwerdeführerin  gehöre  einem  Minderheitenclan  an  und  im  Kontext  des  somalischen  Bürgerkrieges  seien  Muster  von  Vergewaltigungen  dokumentiert,  die  sich  vorwiegend  gegen  Frauen  richteten,  welche  solchen  Minderheitenclans  angehörten.  Die  Beschwerdeführerin  sei  demnach  nicht  im  gleichen  Masse  wie  die  gesamte  Bevölkerung  von  der  allgemeinen  Unsicherheit  als  Folge  des  Bürgerkrieges  betroffen,  sondern  durch  ihre  Kondition  als  Frau  und  Asharaf  ungleich  verletzlicher.  Ihre  Vergewaltigung  sei  als  gezielte  Verfolgung in einer Bürgerkriegssituation einzustufen, motiviert durch ihre  Zugehörigkeit  zu  einer  nachweislich  von  der  Mehrheitsbevölkerung  diskriminierten sozialen Gruppe. 6.   6.1.  Im  Sinne  einer  Vorbemerkung  ist  auf  ein  offensichtliches  Missverständnis  hinzuweisen.  Dies  betrifft  den  ärztlichen  Bericht  vom  17. Dezember  2009,  worin  bei  der  Beschwerdeführerin  eine  (…)  diagnostiziert  wird.  Wenn  die  Vorinstanz  dazu  in  der  angefochtenen  Verfügung  (Ziff.  I.2.  S. 3)  festhielt,  die  dort  festgestellten  körperlichen  Beschwerden  der  Beschwerdeführerin  ([…])  seien  auf  verschiedene  Ursachen  zurückzuführen, meinte  sie  damit  zweifellos  – wovon  auch  in  der  Beschwerde  ausgegangen wird  –,  dass  verschiedene Ursachen  für  die diagnostizierte (…) denkbar seien. Hingegen brachte das BFM damit  nicht  zum  Ausdruck,  das  ärztliche  Zeugnis  führe  die  (…)  auf  verschiedene  Ursachen  zurück.  Die  vom  Bundesamt  gezogene  Schlussfolgerung,  der  ärztliche  Bericht  vermöge  die  geltend  gemachten  Vorbringen  –  mithin  die  erlittene  Vergewaltigung  –  nicht  zu  stützen,  ist  deshalb nicht zu beanstanden. 6.2. Entgegen der Darstellung in der Beschwerdeschrift (Ziff. 2.2.3 S. 8 f.)  vertrat die Vorinstanz  im Weiteren auch nicht die Auffassung,  in Kriegs­  oder  Bürgerkriegssituationen  könne  sich  keine  gezielte,  asylrechtlich  relevante,  den  Kriterien  von  Art. 3  AsylG  entsprechende  Verfolgung  ereignen. Vielmehr erwog das Bundesamt – zutreffend –, die Vorbringen  der  Beschwerdeführerin,  sie  habe  ihr  Land  auch  deshalb  verlassen,  da  sie  den  Hunger,  die  Armut  und  die  ständige  Unsicherheit  nicht  mehr  ertragen habe, denn sie wolle einfach ein ganz normales Leben haben,  stellten  Nachteile  dar,  welche  unausweichliche  Folgen  des  Bürgerkriegskonfliktes  seien  und  die  gesamte  somalische  Bevölkerung 

D­1900/2010 betreffen würden. Alleine aufgrund dieser bürgerkriegsbedingten Situation  werde gemäss ständiger Praxis und Rechtsprechung kein Asyl gewährt.  Es ist nicht ersichtlich, inwiefern diese Einschätzung unzutreffend wäre. 6.3.  Angesichts  des  vorstehend  Gesagten  sowie  der  Vorbringen  auf  Beschwerdeebene bleibt einerseits zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin  aufgrund  ihrer  (behaupteten)  Clanzugehörigkeit  sowie  der  allgemeinen  Situation in Somalia die Flüchtlingseigenschaft erfüllt. Wird dies verneint,  stellt  sich  die  Frage  nach  der  Glaubhaftigkeit  der  erlittenen,  konkreten  Verfolgungsvorbringen, mithin der erlittenen Vergewaltigung.  6.3.1.  Die  Anforderungen  an  die  Feststellung  einer  Kollektivverfolgung  sind, gemäss einer auch für das Bundesverwaltungsgericht nach wie vor  geltenden Rechtsprechung der ARK, sehr hoch. Alleine die Zugehörigkeit  zu  einem  Kollektiv,  welches  in  seinen  spezifischen  Eigenschaften  Ziel  einer  Verfolgungsmotivation  ist,  reicht  in  der  Regel  nicht,  um  eine  Kollektivverfolgung  zu  begründen.  Vielmehr  kommen  auch  bei  geltend  gemachter  Verfolgung  aufgrund  der  blossen  Zugehörigkeit  zu  einem  bestimmten  Kollektiv  die  Kriterien  der  ernsthaften  Nachteile  oder  der  begründeten  Furcht  gemäss  Art. 3  AsylG  zur  Anwendung.  Solange  die  Übergriffe gegen das Kollektiv nicht derart intensiv und häufig sind, dass  jedes  Gruppenmitglied  befürchten  muss,  getroffen  zu  werden,  müssen  besondere  Umstände  vorliegen,  damit  bereits  aufgrund  der  blossen  Zugehörigkeit  zu  einem  bestimmten  Kollektiv  die  Ernsthaftigkeit  der  Nachteile  oder  Begründetheit  der  Furcht  als  erfüllt  betrachtet  werden  können  (vgl.  BVGE  2009/29  E. 4.4  und  BVGE  2008/34  E. 7.2,  je  mit  Hinweis auf EMARK 2006 Nr. 1 E. 4.3 S. 3 f.). Aus der vorinstanzlichen Verfügung ergibt sich – wie bereits vorstehend  erwähnt  –  nicht  eindeutig,  ob die Zugehörigkeit  der Beschwerdeführerin  zur ethnischen Gruppe der Ashraf (auch als Asharaf, Asharaaf, Ashraaf,  Asheraf und Sharifians bezeichnet) als glaubhaft erachtet wird. Einzig aus  dem  Hinweis,  sie  habe  sich  einmal  als  dem  Subclan  der  Hassan  und  einmal als demjenigen der Hussein zugehörig bezeichnet, lässt sich keine  eindeutige  Schlussfolgerung  ziehen.  Letztlich  braucht  die  Frage  jedoch  auch  nicht  abschliessend beantwortet  zu werden,  da  eine  asylrelevante  Kollektivverfolgung alleine aufgrund der genannten Clanzugehörigkeit zu  verneinen  ist.  Gestützt  auf  die  Analyse  des  österreichischen  Bundesasylamtes (Somalia: Die Ashraf 2011 – Herkunft, Status, aktuelle  Lage.  Update  zur  Analyse  Ashraf  vom  Dezember  2009,  Wien,  am  5. September  2011  [zit.  im  Folgenden:  Somalia:  Die  Ashraf  2011])  ist 

D­1900/2010 davon  auszugehen,  dass  es  sich  um  eine  schwierig  einzuordnende  Personengruppe  handelt,  welche  je  nach  Autor  als  Clan,  Sub­Clan,  adoptierte  Gruppe  oder  Minderheit  beschrieben  wird.  In  Bezug  auf  die  Herkunft wird  in  der Beschwerdeschrift  zutreffend  ausgeführt,  dass  sich  die  Ashraf  als  direkte  Abkommen  des  Propheten  Mohammed  sehen,  dessen  Tochter  zwei  Söhne  hatte,  Hassan  und  Hussein.  Jeder  Ashraf,  der älter als zwei Jahre  ist,  rechnet sich einem dieser beiden Enkel des  Propheten zu (vgl. Somalia: Die Ashraf 2011, S. 4). Das Hauptgebiet der  Ashraf  bildet  die  Küstenregion  Südsomalias,  und  hier  vor  allem  das  urbane Umfeld von Brava (Braawe), Merka, Kismayo und die Region der  Hauptstadt Mogadischu  (Benadir).  Innerhalb Mogadischus konzentrieren  sich  die  Ashraf  hauptsächlich  in  den  Bezirken  Shangaani  und  Xamar  Weyne.  Die  Verbreitung  der  Untergruppen  ist  sehr  heterogen.  Die  Hussein sollen überwiegend in den Küstenstädten leben und werden den  Benadiri  zugerechnet.  Hingegen  finden  sich  die  Hassan  vorwiegend  im  Hinterland (vgl. a.a.O. S. 5 f.). Hinsichtlich des Status kommt die Analyse  zum Schluss, dass die Ashraf generell als eigene Gruppe, welche von der  rechtlichen  somalischen  Bevölkerung  unterschieden  werden  könne,  existieren.  Dabei  müsse  aber  auch  eine  pragmatische  Einteilung  nach  ihrer tatsächlichen Lebenssituation erfolgen: a) Ashraf, die aufgrund ihrer  geografischen Lokalisierung als den Benadiri zugehörig gewertet werden  (also  im  Sinne  des  Wortes  Küstenbewohner  sind)  sowie  andere  geographische  Zuordnungen;  b)  Ashraf,  welche  unter  den  Rehanweyn  leben; und c) ein Menge anderer Ashraf, die bei oder mit anderen Clans  und Gruppen  leben.  Zur  aktuellen  Lage  hält  die  Analyse  fest,  während  des Bürgerkrieges seien die Ashraf gezielt angegriffen worden, vor allem  in Mogadischu seien Angehörige dieser Gruppe getötet, vergewaltigt und  ihr  Eigentum  geplündert  worden.  Die  Gründe  für  die  Übergriffe  seien  vielfältig.  Einerseits  würden  Ashraf  aufgrund  ihres  eigenen  Selbstverständnisses  (arabische  Herkunft)  und/oder  ihrer  äusserlichen  Merkmale  von  den  Somali­Clans  als  Fremde,  als  "Araber"  angesehen.  Andererseits seien sowohl ihre Religiosität als auch ihre Nichtbewaffnung  als  Schwäche  ausgenutzt  worden.  Das  Fehlen  eines  natürlichen  Rückzugsgebietes, eines eigenen "Heimatterritoriums", habe für manche  ebenfalls ein Problem dargestellt.  Insgesamt schienen die Ashraf  jedoch  nicht als Gruppe oder aufgrund ihres Status angegriffen worden zu sein,  sondern  vielmehr  als  einzelne,  schutzlose  Individuen.  Mittlerweile  habe  sich die Situation für die Benadiri insgesamt etwas gebessert, doch seien  sie  im  Vergleich  zu  grossen  Clans  nach  wie  vor  leichter  angreifbar.  Zusammenfassend  wird  festgehalten,  es  gebe  keine  gesamtgültige  Zuordnung  der  Ashraf,  lediglich  die  Tatsache,  dass  sie  sich  sowohl 

D­1900/2010 selbst,  als  auch  die  Mehrheits­Clans  sie  als  andersartig  werten,  könne  festgehalten werden. Es könne keiner der unterschiedlichen Bewertungen  durch diverse Autoren widersprochen werden: Die Ashraf seien teils Clan,  teils  Sub­Clan,  teils  adoptiert  und  teils Minderheit.  Keinesfalls  seien  sie  jedoch  ausschliesslich  eines  davon.  Dementsprechend  sei  es  durchaus  sinnvoll,  einen Angehörigen der Ashraf  nicht  durch die blosse Zuteilung  zu  dieser  Gruppe,  sondern  mittels  Hinterfragung  des  persönlichen,  geographischen  und  sozialen  Hintergrunds  sowie  der  Eruierung  der  Verortung  des  Individuums  innerhalb  der  somalischen  Clanstruktur  zu  definieren.  Die  blosse  Behauptung  der  Zugehörigkeit  zu  den  Ashraf  unterminiere  die  Glaubwürdigkeit  einer  Person.  Der  den  Ashraf  zukommende  Schutz  hänge  stark  von  geographischer  Position  und  Integration  ab.  Habe  sich  eine  Gruppe  von  Ashraf  erfolgreich  einem  grossen Clan anschliessen können, sei ihm also durch eine Art Adoption  beigetreten, dann könne dieser auch Schutz bieten. Für die Gruppe der  Ashraf,  die  Teil  der  Benadiri  in  städtischen  Regionen  seien,  sei  die  Bedrohungslage als erhöht einzustufen, für jene Ashraf, die sich auf dem  Territorium  der  al  Shabaab  befänden,  könne  dies  noch  zusätzliche  Probleme mit sich bringen. Zusammenfassend könne also gerade bei den  Ashraf festgehalten werden, dass sie niemals als Gesamtgruppe beurteilt  werden  könnten,  sondern  die  genaue  soziale  und  geographische  Herkunft  massgeblich  für  das  exakte  Bedrohungsszenario  ausschlaggebend seien. Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  allein  aufgrund  der  Zugehörigkeit  zur  ethnischen  Gruppe  der  Ashraf  die  hohen  Anforderungen  an  die  Annahme  einer  Kollektivverfolgung  nicht  erfüllt  sind. Dabei ist insbesondere der zwischenzeitlich erfolgte Rückzug der Al  Shabaab­Miliz  aus  Mogadischu  zu  berücksichtigen.  Zum  andern  dürfte  sich auch die Heirat der Beschwerdeführerin mit einem Angehörigen der  Hawiye  grundsätzlich  positiv  auf  ihre  Gefährdungssituation  ausgewirkt  haben (vgl. nachstehend E. 6.4). 6.3.2. Im Hinblick auf die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten  Vergewaltigungen  ist der Vorinstanz zunächst darin beizupflichten, dass  sich  diese  durch  das  eingereichte  Arztzeugnis,  welches  eine  (…)  bezeugt,  nicht  belegen  lässt.  Zur  Ursache  dieser  gesundheitlichen  Beeinträchtigung äussert sich das Arztzeugnis vom 17. Dezember 2009,  wie  vorstehend  bereits  erwähnt,  nicht,  allerdings  wird  angeführt,  die  Beschwerden  seien  seit  Jahren  vorhanden.  Bereits  aus  diesem  Grund 

D­1900/2010 scheinen die Vergewaltigungen vom Januar 2008 als Ursache für die (…)  wenig wahrscheinlich. Die  Beschwerdeführerin  vermag  im  Weiteren  die  von  der  Vorinstanz  aufgeführten  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  ihrer  Angaben  nicht  zu  entkräften.  Zwar  mag  es  zutreffen,  dass  auch  eine  Person,  die  nicht  selbst  einkauft,  die  gängigen  Marktpreise  kennt.  Zu  beachten  ist  aber,  dass  die  Beschwerdeführerin  anlässlich  ihrer  Befragung  im  Empfangszentrum  auf  die  Frage,  wo  sie  ihre  Lebensmittel  eingekauft  habe,  antwortete:  "Auf  dem  Markt  F._______.  Dort  ging  ich  meistens  einkaufen. F._______ ist in Howl Wadag". Diese klare Antwort muss sich  die  Beschwerdeführerin  entgegenhalten  lassen,  mithin  hat  das  Bundesamt zu Recht auf den Widerspruch zur Aussagen anlässlich der  direkten  Anhörung,  wonach  die  Beschwerdeführerin  fast  nie  selbst  einkaufen  gegangen  sei,  hingewiesen.  Allerdings  ist  der  Beschwerdeführerin  insoweit  zuzustimmen,  als  diesem  Widerspruch  keine zentrale Bedeutung zukommen kann.  Als  massgebend  erweisen  sich  vielmehr  die  Angaben  der  Beschwerdeführerin  zu  der  von  ihr  geltend  gemachten  konkreten  Verfolgungshandlung.  Dazu  weist  das  Bundesamt  zunächst  zutreffend  auf  den  Widerspruch  in  den  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  hin,  wonach sie in der summarischen Befragung von einem Vergewaltiger, in  der Bundesanhörung hingegen von zwei Männern gesprochen habe. Die  Ausführungen  auf  Beschwerdeebene,  der  Widerspruch  sei  durch  eine  posttraumatische  Belastungsstörung  zu  erklären,  überzeugt  nicht.  Zwar  fand  gemäss  Schreiben  des  Ambulatoriums  für  Folter­  und  Kriegsopfer  des Universitätsspitals  Zürich  am 19. Januar  2010  ein Erstgespräch mit  der Beschwerdeführerin statt, doch liegen dem Gericht keine Unterlagen  darüber  vor,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  der  Folge  tatsächlich  eine  Behandlung  in  Anspruch  genommen  hätte.  Zudem  wird  im  erwähnten  Schreiben  ausdrücklich  ausgeführt,  es  liessen  sich  zum  damaligen  Zeitpunkt  keine  direkten  Schlüsse  auf  eine  posttraumatische  Belastungsstörung hin  ziehen. Vielmehr  bestätigt  sich der Eindruck,  der  sich  auch  aus  den  Befragungen  der  Beschwerdeführerin  und  ihren  weiteren Eingaben ergibt, dass sie nämlich – aus gut nachvollziehbaren  Gründen – sehr unter der Trennung von ihren Kindern sowie ihrer Mutter  und  der  Unsicherheit  über  deren  Befinden  leidet.  Es  erscheint  nur  natürlich,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  ihrer  Situation  bedrückt  und  sehr  niedergeschlagen  wirkt.  Entgegen  der  in  der  Beschwerdeschrift  vertretenen  Auffassung  vermag  denn  auch  die  Schilderung  der 

D­1900/2010 Beschwerdeführerin  ihrer  Vergewaltigung  nicht  zu  überzeugen.  Nebst  dem  bereits  vorstehend  erwähnten  Widerspruch  fällt  auf,  dass  die  Angaben  der  Beschwerdeführerin  wenig  konkret  ausgefallen  sind  und  zumindest  teilweise  aus  der  Luft  gegriffen  scheinen.  So  gab  sie  an,  es  seien  Diebe  gewesen,  die  schon  mehrere  Frauen  vergewaltigt  hätten,  obschon  sie  die  Männer  nicht  kannte  (vgl.  BFM  Akten  A  17/13  S. 7).  Entsprechend wenig nachvollziehbar antwortete sie auf die Frage, woher  sie gewusst habe, dass die Männer Diebe gewesen seien  (vgl. A 17/13  S. 8).  Zudem  konnte  die  Beschwerdeführerin  die  Männer  auch  nicht  ansatzweise beschreiben (vgl. A 17/13 S. 8 F 66). Schliesslich lässt auch  die  Darstellung  der  Beschwerdeführerin  der  Situation  nach  der  Vergewaltigung  nicht  den  Eindruck  entstehen,  sie  schildere  hier  tatsächlich selbst Erlebtes (vgl. A 17/13 S. 9). Des Weiteren blieb wenig  nachvollziehbar,  weshalb  die  Beschwerdeführerin  erst  Ende  November  und  damit  fast  ein  Jahr  nach  der  Vergewaltigung  ausreiste,  zumal  sie  angab,  es  sei  für  sie  klar  gewesen,  dass  sie  nicht  länger  dort  bleiben  würde  (vgl.  A  17/13  S. 9  f.).  Selbstverständlich  ist,  dass  gewisse  Vorbereitungshandlungen  nötig  gewesen  sein  dürften.  Allerdings  schilderte  die  Beschwerdeführerin  keine  Vorkehrungen,  die  mehrere  Monate in Anspruch genommen hätten (vgl. A 17/13 S. 11). Insgesamt  kommt  auch  das  Bundesverwaltungsgericht  zum  Schluss,  dass  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  zu  der  erlittenen  Vergewaltigung den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit  im Sinne von  Art. 7 AsylG nicht standhalten.  6.3.3.  Hinsichtlich  der  allgemein  schwierigen  Situation  in  Somalia,  insbesondere  in  Zentral­  und  Südsomalia  kann  auf  die  zutreffende  Einschätzung  in  der  vorinstanzlichen  Verfügung  (Ziff.  I.3)  verwiesen  werden. Weitere Ausführungen dazu erübrigen sich. 6.4.  Soweit  die  Beschwerdeführerin  schliesslich  neu  eine  Gefährdung  durch ihre Heirat geltend macht, erscheint auch dieses Vorbringen wenig  glaubhaft.  Zwar  kann  nicht  ausgeschlossen  werden,  dass  sich  bei  Heiraten  unter  verschiedenen  Clans  Schwierigkeiten  ergeben  können,  generelle  Aussagen  dazu  sind  jedoch  nicht  möglich  (vgl.  ACCORD  Anfragebeantwortung vom 29. April 2010: Somalia: 1) Lage der Asharaf;  Gehören die Asharaf dem Sub­Clan der Hassan und dem Hauptclan der  Arab  an?  2)  Heirat  zwischen  Angehörigen  von  Minderheiten  und  Mehrheitsclanangehörigen;  3)  Situation  von  Frauen  [Gefahren  für  alleinstehende Frauen], publiziert auf <http://www.ecoi.net> > file_upload 

D­1900/2010 >  response,  besucht  am  10.  Januar  2012).  Immerhin  erscheinen  Heiratsbeziehungen  unter  verschiedenen  Clans  dennoch  keine  Seltenheit,  gibt  es  doch  dafür  mit  "Mukulal  Madow"  eine  spezielle  Bezeichnung  für  die  Knüpfung  von  Heiratsbeziehungen  zwischen  Rer  Hamar­Haushalten  (und anderen Benadiri­Gruppen)  und den mächtigen  "noblen"  Clans  (insbesondere  den  Hawiye­Gruppen  Abgal  und  Habr  Gedir)  (vgl.  ACCORD,  Clans  in  Somalia,  Bericht  zum  Vortrag  von  Dr.  Joakim  Gundel  beim  COI­Workshop  in  Wien  am  15. Mai  2009  [überarbeitete  Neuausgabe],  Veröffentlicht  im  Dezember  2009,  S. 19).  Der  heutige  Ehemann  der  Beschwerdeführerin  gab  an,  er  gehöre  der  Clanfamilie der Hawiye an, Subclan Abgal (vgl. BFM­Akten N 515 951 A  10/13  S. 4).  Bereits  aus  diesem  Grund  ist  das  neue  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  –  bei  welchem  es  sich  um  eine  reine  Behauptung  handelt  –  nicht  geeignet,  die  Flüchtlingseigenschaft  aufgrund  eines  subjektiven Nachfluchtgrundes (vgl. Art. 54 AsylG) zu begründen. 7.  Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den  Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie  (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.1. Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9). 7.2. Das  BFM  ordnete mit  seiner  Verfügung  vom  25. Februar  2010  die  vorläufige  Aufnahme  der  Beschwerdeführerin  an.  Diese  Anordnung  besteht nach wie vor. Ausführungen zum Wegweisungsvollzug erübrigen  sich damit. 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  an  sich  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Sie  ersuchte 

D­1900/2010 jedoch  im  Rahmen  der  Beschwerdebegehren  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege.  Gemäss  Art. 65  Abs. 1  VwVG  befreit  die  Beschwerdeinstanz  nach  Einreichung  der  Beschwerde  eine  Partei,  die  nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung  der  Verfahrenskosten,  sofern  ihr  Begehren  nicht  aussichtslos  erscheint.  Gesamthaft  betrachtet  kann  der  Beschwerdeführerin  nicht  vorgehalten  werden,  ihrer  Beschwerde  habe  es  im  Zeitpunkt  der  Beantragung  der  unentgeltlichen Rechtspflege mit Blick auf die Erfolgssaussichten an der  nötigen  Ernsthaftigkeit  gefehlt  (vgl.  BGE  125  II  265  E. 4b  S. 275).  Angesichts  der  eingereichten  Bestätigung  über  den  Bezug  von  Sozialleistungen  der  Gemeinde  G._______  vom  10. März  2010  ist  sodann  von  der  prozessualen  Bedürftigkeit  der  Beschwerdeführerin  auszugehen. Damit sind beide kumulativ erforderlichen Voraussetzungen  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  erfüllt.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  ist  deshalb  gutzuheissen,  und  die  Beschwerdeführerin ist von der Pflicht zur Kostentragung zu befreien.  10.  Der  Beschwerdeführerin  ist  trotz  des  Umstandes,  dass  sie  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  letztlich  mit  ihren  Rechtsbegehren  nicht  durchgedrungen  ist,  eine  Parteientschädigung  für  die  ihr  aus  der  Beschwerdeführung  erwachsenen  notwendigen  Kosten  zuzusprechen.  Eine Parteientschädigung ist jedoch nur für diejenigen Aufwendungen zu  gewähren,  die  auf  die  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  durch  die  Vorinstanz  zurückzuführen  sind.  Dementsprechend  und  in  Berücksichtigung der in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art.  8  f.  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  ist  die  Parteientschädigung  auf  insgesamt  Fr.  300.­­  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteuer)  festzusetzen.  Dieser  Betrag  ist  der  Beschwerdeführerin durch das BFM zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­1900/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  der  Beschwerdeführerin  eine  Parteientschädigung von Fr. 300.­­ auszurichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand:

D-1900/2010 — Bundesverwaltungsgericht 07.02.2012 D-1900/2010 — Swissrulings