Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 30.08.2011 C-843/2010

30 agosto 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,566 parole·~8 min·1

Riassunto

Schengen-Visum | Visum zu Besuchszwecken

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­843/2010 Urteil   v om   3 0 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richterin Ruth Beutler, Richter Blaise Vuille, Gerichtsschreiberin Denise Kaufmann. Parteien A._______,    Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Visum zu Besuchszwecken.

C­843/2010 Sachverhalt: A.  Die  1975  geborene  ghanaische  Staatsangehörige  B._______  (im  Folgenden:  Gesuchstellerin)  beantragte  am  5.  November  2009  bei  der  Schweizerischen  Botschaft  in  Accra  ein  Schengen­Visum  für  einen  sechswöchigen  Besuchsaufenthalt  bei  A._______  (im  Folgenden:  Gastgeber  bzw. Beschwerdeführer)  in Zürich. Die Schweizer Vertretung  lehnte es ab, in eigener Kompetenz ein Visum zu erteilen und leitete das  Gesuch zur Prüfung und zum Entscheid an die Vorinstanz weiter. B.  Zum Antrag begrüsst, holte das Migrationsamt des Kantons Zürich beim  Gastgeber  ergänzende  Auskünfte  ein  und  leitete  sie  an  die  Vorinstanz  weiter.  Letztere  lehnte  es  in  einer  Verfügung  vom  22.  Januar  2010  ab,  das beantragte Besuchsvisum zu erteilen. Dies  im Wesentlichen mit der  Begründung,  die  anstandslose  und  fristgerechte  Wiederausreise  nach  einem  Besuchsaufenthalt  könne  nicht  als  gesichert  betrachtet  werden.  Die Gesuchstellerin stamme aus einer Region, aus welcher als Folge der  dort  insbesondere  in wirtschaftlicher Hinsicht herrschenden Verhältnisse  ein  anhaltend  starker  Zuwanderungsdruck  festzustellen  sei.  Bei  der  Gesuchstellerin  selbst  seien  weder  familiäre  noch  gesellschaftliche  Verpflichtungen  erkennbar,  die  trotz  der  allgemeinen  Verhältnisse  besondere  Gewähr  für  eine  Wiederausreise  bieten  könnten.  Allein  der  Umstand,  dass  sie  einem  Studium  nachgehe,  könne  angesichts  des  wirtschaftlichen Umfeldes und der schlechten sozialen Absicherungen vor  Ort zu keiner anderen Beurteilung führen. Schliesslich bestehe auch kein  Anlass,  trotz  Fehlens  von  Einreisevoraussetzungen  aus  besonderen,  beispielsweise  humanitären  Gründen  ein  Visum  mit  beschränkter  Gültigkeit zu erteilen. Dem Gastgeber sei es unbenommen, seinen Gast  im Ausland zu treffen. C.  Mit  Beschwerde  vom  10.  Februar  2010  beantragt  der  Gastgeber  beim  Bundesverwaltungsgericht,  die  vorinstanzliche  Verfügung  sei  aufzuheben,  und  das  beantragte  Besuchsvisum  sei  zu  erteilen.  Zur  Begründung  macht  er  geltend,  die  Vorinstanz  gehe  zu  Unrecht  davon  aus,  dass  die  Wiederausreise  der  Gesuchstellerin  nach  einem  Besuchsaufenthalt  nicht  gesichert  wäre.  Diese  sei  alleinerziehende  Mutter eines beinahe erwachsenen Sohnes, um den sie sich immer noch  kümmern  müsse.  Im  Übrigen  habe  sie  keinerlei  Anlass,  aus 

C­843/2010 wirtschaftlichen  Gründen  Ghana  zu  verlassen.  Sie  stamme  aus  gutem  Hause und arbeite nebst  ihrem Studium noch Teilzeit bei einer Firma  in  Accra.  Sie  habe  sich  verpflichtet,  über  den  Abschluss  ihres  Studiums  hinaus  für  dieses  Unternehmen  tätig  zu  sein.  Im  Weiteren  bringt  der  Beschwerdeführer  vor,  er  habe  zur  Gesuchstellerin  ein  rein  freundschaftliches  Verhältnis,  und  er  garantiere  für  deren  fristgerechte  Ausreise nach einem Besuchsaufenthalt in der Schweiz. D.  Die Vorinstanz schliesst  in  ihrer Vernehmlassung vom 6. April  2010 auf  Abweisung der Beschwerde.  E.  In einer Replik vom 12. Mai 2010 hält der Beschwerdeführer seinerseits  an  seinem  Rechtsbegehren  und  an  dessen  Begründung  fest.  In  Ergänzung  zur  bisherigen  Begründung  macht  er  geltend,  die  Gesuchstellerin  werde  ihr  Studium  noch  im  laufenden  Monat  abschliessen und ab Oktober 2010 während eines Jahres den in Ghana  obligatorischen  Staatsdienst  in  der  Firma  leisten,  für  welche  sie  bereits  jetzt tätig sei. Nach Absolvierung des Staatsdienstes wolle sie im gleichen  Unternehmen  weiter  arbeiten  und  ihr  Studium  mit  dem  Ziel  eines  Masterabschlusses fortsetzen.  Zusammen  mit  der  Replik  reichte  der  Beschwerdeführer  diverse  Beweismittel zu den Akten. F.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  und  die  eingereichten  Dokumente  wird,  soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  welche  von  einer  in  Art.  33  VGG  aufgeführten  Behörde  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  u.a.  Verfügungen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengen­Visums  zu  Besuchszwecken  verweigert  wird.  In  dieser Materie  entscheidet  das 

C­843/2010 Bundesverwaltungsgericht  endgültig  (Art.  83  Bst. c  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Sofern  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt,  richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem  VwVG (Art. 37 VGG). 1.3.  Der  Beschwerdeführer  ist  gemäss  Art.  48  Abs.  1  VwVG  zur  Beschwerde  berechtigt.  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Rechts­  und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.451/2002  vom  28. März  2003 E. 1.2, nicht publiziert in BGE 129 II 215). 3.  Der  angefochtenen  Verfügung  liegt  das  Gesuch  einer  ghanaischen  Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums  für  einen sechswöchigen  Aufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich die Gesuchstellerin nicht auf  die  EU/EFTA­Personenfreizügigkeitsabkommen  berufen  kann  und  die  beabsichtigte  Aufenthaltsdauer  drei  Monate  nicht  überschreitet,  fällt  die  vorliegende  Streitsache  in  den  persönlichen  und  sachlichen  Anwendungsbereich  der  Schengen­Assoziierungsabkommen,  mit  denen  die  Schweiz  den  Schengen­Besitzstand  und  die  dazugehörigen  gemeinschaftsrechtlichen  Rechtsakte  übernommen  hat.  Das  Ausländergesetz  vom 16. Dezember  2005  (AuG, SR  142.20)  und  seine  Ausführungsverordnung  gelangen  nur  soweit  zur  Anwendung,  als  die  Schengen­Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen  enthalten (Art. 2 Abs. 2 bis Abs. 5 AuG).

C­843/2010 4.  Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im  Anwendungsbereich des Schengen­Rechts wie folgt: 4.1.  Das  schweizerische  Ausländerrecht  kennt  weder  ein  allgemeines  Recht  auf  Einreise  noch  gewährt  es  einen  besonderen  Anspruch  auf  Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch  – grundsätzlich  nicht  gehalten,  Ausländerinnen  und  Ausländern  die  Einreise  zu  gestatten.  Vorbehältlich  völkerrechtlicher  Verpflichtungen  handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum  Bundesgesetz  über  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8. März  2002,  BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen­Recht  schränkt  die  nationalstaatlichen  Befugnisse  insoweit  ein,  als  es  einheitliche  Voraussetzungen  für  Einreise  und  Visum  aufstellt  und  die  Mitgliedstaaten  verpflichtet,  die Einreise bzw. das Visum zu verweigern,  wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise  bzw. Visum vermittelt auch das Schengen­Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI /  TOBIAS  D.  MEYER,  in:  Martina  Caroni  /  Thomas  Gächter  /  Daniela  Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die  Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2.  Angehörige  von  Drittstaaten  dürfen  über  die  Aussengrenzen  des  Schengen­Raums  für  einen  Aufenthalt  von  höchstens  drei  Monaten  je  Sechsmonatszeitraums  einreisen,  wenn  sie  im  Besitz  gültiger  Reisedokumente  sind,  die  zum  Grenzübertritt  berechtigen.  Ferner  benötigen  sie  ein  Visum,  falls  ein  solches  nach  Massgabe  der  Verordnung  (EG)  Nr.  539/2001  des  Rates  vom  15.  März  2001  zur  Aufstellung  der  Liste  der  Drittländer,  deren  Staatsangehörige  beim  Überschreiten der Aussengrenzen  im Besitz eines Visums sein müssen,  sowie  der  Liste  der  Drittländer,  deren  Staatsangehörige  von  dieser  Visumpflicht  befreit  sind,  erforderlich  ist.  Kein  Visum  benötigen  Drittstaatsangehörige,  die  Inhaber  eines  gültigen  Aufenthaltstitels  sind  oder über ein gültiges Visum  für den  längerfristigen Aufenthalt  verfügen  (vgl.  Art. 5  Abs. 1  Bst. a  AuG,  Art. 2  Abs. 1  der  Verordnung  vom  22. Oktober  2008  über  die  Einreise  und  die  Visumerteilung  [VEV,  SR  142.204]  i.V.m.  Art. 5  Abs. 1  Bst. a  und  b  der  Verordnung  (EG)  Nr.  562/2006  des  Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom  15. März  2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen  durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105  vom 13.04.2006, S. 1­32], Art. 4 VEV).

C­843/2010 4.3.  Im  Weiteren  müssen  Drittstaatsangehörige  den  Zweck  und  die  Umstände  ihres  beabsichtigten  Aufenthalts  belegen  und  hierfür  über  ausreichende  finanzielle Mittel verfügen  (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2  Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst.  a–c  der  Verordnung  [EG]  Nr. 810/2009  des  Europäischen  Parlaments  und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft  [nachfolgend:  Visakodex]).  Namentlich  haben  sie  in  diesem  Zusammenhang  zu  belegen,  dass  sie  den  Schengen­Raum  vor  Ablauf  des  bewilligungsfreien  Aufenthaltes  verlassen,  bzw.  ausreichende  Gewähr  für  eine  fristgerechte Wiederausreise  zu  bieten  (Art.  14  Abs.  1  Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu  PHILIPP  EGLI  /  TOBIAS D. MEYER,  a.a.O.  Art.  5  N. 33).  Weiterhin  dürfen  Drittstaatsangehörige nicht  im Schengener  Informationssystem (SIS) zur  Einreiseverweigerung  ausgeschrieben  sein  und  keine  Gefahr  für  die  öffentliche  Ordnung,  die  innere  Sicherheit,  die  öffentliche  Gesundheit  oder  die  internationalen  Beziehungen  eines  Mitgliedstaats  darstellen  (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4. Eine Gefahr  für die öffentliche Ordnung  im Sinne von Art. 5 Abs. 1  Bst.  e SGK  ist  auch  dann  anzunehmen, wenn  die  drittstaatsangehörige  Person  nicht  bereit  ist,  das  Hoheitsgebiet  des  Schengen­Raums  fristgerecht  wieder  zu  verlassen  (vgl.  dazu  PHILIPP  EGLI  /  TOBIAS  D.  MEYER,  a.a.O.,  Art.  5  N. 33;  ferner  Urteil  des  deutschen  Bundesverwaltungsgerichts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die  Behörden haben daher zu prüfen und drittstaatsangehörige Personen zu  belegen, dass die Gefahr einer  rechtswidrigen Einwanderung oder einer  nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art.  21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesicherten Wiederausreise, wie  sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt  vorgesehen  ist,  steht  mit  dieser  Regelung  im  Einklang  (vgl.  BVGE  2009/27  E.  5  mit  Hervorhebung  des  Zusammenhangs  zum  Einreiseerfordernis  des  belegten  Aufenthaltszwecks  nach  Art.  5  Abs.  1  Bst. c SGK). 4.5.  Sind  die  vorerwähnten  Einreisevoraussetzungen  (Visum  ausgenommen) nicht erfüllt, darf ein  für den gesamten Schengen­Raum  geltendes  "einheitliches  Visum"  (Art.  2  Ziff.  3  Visakodex)  nicht  erteilt  werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es  jedoch ein Mitgliedstaat aus  humanitären  Gründen,  aus  Gründen  des  nationalen  Interesses  oder  aufgrund  internationaler  Verpflichtungen  für  erforderlich,  so  ist  er  berechtigt,  der  drittstaatsangehörigen  Person,  welche  die  ordentlichen 

C­843/2010 Einreisevoraussetzungen  nicht  erfüllt,  ausnahmsweise  ein  "Visum  mit  räumlich  beschränkter  Gültigkeit"  zu  erteilen  (Art.  2  Ziff.  4  Visakodex).  Dieses  Visum  ist  grundsätzlich  nur  für  das  Hoheitsgebiet  des  ausstellenden  Staates  gültig  (Art.  32  i.V.m.  Art.  25  Abs.  1  Bst.  a  Visakodex;  unter  denselben  Voraussetzungen  kann  einer  drittstaatsangehörigen  Person  die  Einreise  an  den  Aussengrenzen  gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5.  5.1. Die Gesuchstellerin unterliegt  als ghanaische Staatsangehörige der  Visumspflicht  (Anhang  I  zur  Verordnung  (EG)  Nr. 539/2001  des  Rates  vom 15. März 2001). Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach  Art.  5  Abs.  1  SGK  steht  die  Frage  der  gesicherten Wiederausreise  im  Vordergrund,  welche  die  Vorinstanz  aufgrund  der  allgemeinen  Lage  im  Heimatland  sowie  der  persönlichen  Verhältnisse  der  Gesuchstellerin  anzweifelt.  Dazu  lassen  sich  in  der  Regel  keine  gesicherten  Feststellungen, sondern lediglich Prognosen treffen. Dabei sind sämtliche  Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 5.2.  Anhaltspunkte  zur  Beurteilung  der  Gewähr  für  eine  fristgerechte  Wiederausreise  können  sich  aus  der  allgemeinen  Situation  im  Herkunftsland  der  Besucherin  oder  des  Besuchers  ergeben.  Einreisegesuche  von  Bürgerinnen  und  Bürgern  aus  Staaten  bzw.  Regionen  mit  politisch  oder  wirtschaftlich  vergleichsweise  ungünstigen  Verhältnissen  können  darauf  hindeuten,  dass  die  persönliche  Interessenlage  in  solchen  Fällen  nicht  mit  dem  Ziel  und  Zweck  einer  zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Einklang steht.  5.3.  5.3.1.  Trotz  der  mehrheitlich  positiven  wirtschaftlichen  Entwicklung  Ghanas  in  den  letzten  Jahren  lässt  die  Breitenwirksamkeit  des  Wirtschaftswachstums weiterhin zu wünschen übrig. Die weit verbreitete  Armut und deren Bekämpfung stellen nach wie vor ungelöste Probleme  dar  (zur Wirtschaftslage  vgl.  die  Länderinformationen  auf  der Webseite  des Deutschen Auswärtigen Amtes: www.auswaertiges­amt.de > Aussen­  und  Europapolitik  >  Länderinformationen  >  Auswahl  Ghana  >  Wirtschaftspolitik,  Stand:  Januar  2011,  besucht  im  August  2011).  Mehr  als  die  Hälfte  der  Bevölkerung  hat  weniger  als  umgerechnet  zwei  US­ Dollar  pro  Tag  zur  Verfügung.  Zu  Problemen  führt  zudem  das  hohe  Bevölkerungswachstum von jährlich rund 2% (Quelle: Bundesministerium  für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung [BMZ]: www.bmz.de  http://www.auswaertiges-amt.de http://www.bmz.de

C­843/2010 >  was  wir  machen  >  Länder  >  Afrika  südlich  der  Sahara  >  Ghana  >  Situation und Zusammenarbeit, besucht im August 2011). Auf dem Index  der menschlichen Entwicklung von 2010 steht Ghana auf dem 130. Platz  von  169  Ländern  (Quelle:  Human  Development  Report:  www.hdr  undp.org  >  Indices  &  Data  >  Getting  and  Using  Data  >  HRD  2010  Statistical Tables, besucht im August 2011).  5.3.2.  Eine  Folge  dieser  Situation  ist  eine  anhaltend  hohe  Emigration  ghanaischer  Staatsangehöriger,  nicht  zuletzt  nach  Nordamerika  und  Europa. Ghana hat sich gegen Ende des 20. Jahrhunderts zu einem der  Hauptemigrationsländer  Westafrikas  entwickelt.  Die  Migration  umfasst  sowohl qualifizierte als auch unqualifizierte Arbeitskräfte, wobei der Anteil  von  Frauen  markant  hoch  ist.  In  Deutschland  sollen  unter  der  ausländischen Bevölkerung ghanaischer Herkunft sogar mehr Frauen als  Männer  sein  (vgl.  Dr.  NADINE  SIEVEKING  und  MARGRIT  FAUSER,  Migrationsdynamiken und Entwicklung in Westafrika: Untersuchungen zur  entwicklungspolitischen Bedeutung von Migration  in und aus Ghana und  Mali, COMCAD Arbeitspapiere No. 68, 2009 [im Internet zu finden unter:  www.afrique­europe­interact.net  >  Themen  >  Afrika  &  Migration  >  Westafrika],  S. 37  ff.).  Mit  Ausnahme  des  Gesundheitssektors  wurden  seitens  der  ghanaischen  Regierung  bisher  keine  Anstrengungen  unternommen,  um  die  Migration  der  Bildungseliten  zu  verhindern.  Dies  vor  allem  mit  Blick  auf  die  grosse  ökonomische  Bedeutung  von  Rücküberweisungen  ghanaischer  Migranten,  die  nach  Kakao  und  Gold  den  drittgrössten  Devisenbringer  darstellen.  Der  Anteil  von  Rücküberweisungen  am  ghanaischen  Bruttoinlandprodukt  wird  auf  13%  bis 15% geschätzt (a.a.O. S. 48, Fn. 34). Ein zumindest vorübergehender  Auslandaufenthalt  bringt  schliesslich  Studienabgängern  nebst  erhöhtem  Ansehen auch klare Vorteile auf dem heimischen Arbeitsmarkt (a.a.O. S.  64). 5.4.  Bei  der  Risikoanalyse  sind  allerdings  nicht  nur  die  erwähnten  allgemeinen  Umstände  und  Erfahrungen,  sondern  auch  sämtliche  Gesichtspunkte  des  konkreten  Einzelfalles  zu  berücksichtigen.  Obliegt  einer  gesuchstellenden  Person  im  Heimatland  beispielsweise  eine  besondere  berufliche,  gesellschaftliche  oder  familiäre  Verantwortung,  kann  dieser  Umstand  durchaus  die  Prognose  für  eine  anstandslose  Wiederausreise begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer  Heimat  keine  besonderen  Verpflichtungen  haben,  das  Risiko  für  ein  ausländerrechtlich  nicht  regelkonformes  Verhalten  (nach  bewilligter  Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt werden. http://www.afrique-europe-interact.net

C­843/2010 6.  6.1.  Bei  der  Gesuchstellerin  handelt  es  sich  um  eine  36­jährige  unverheiratete  Frau.  Gemäss  den  Angaben  des  Beschwerdeführers  in  der  Rechtsmitteleingabe  soll  sie  einen  Sohn  haben.  In  diesem  Zusammenhang  unterliess  es  der  Beschwerdeführer  allerdings,  ein  entsprechendes  Beweismittel  einzureichen  oder  zumindest  genaue  Auskünfte über dessen Personalien abzugeben. Anhand der Akten kann  daher nur geschlossen werden, dass besagter Sohn der Gesuchstellerin  inzwischen erwachsen sein dürfte. Vor Ort leben offenbar auch die Eltern  der  Gesuchstellerin,  so  der  Beschwerde  zu  entnehmen.  Die  Gesuchstellerin  dürfte  daher  in  ihrer  Heimat  durchaus  enge  familiäre  Bindungen  haben.  Eigentliche  Verpflichtungen,  welche  die  Prognose  einer  fristgerechten  Wiederausreise  nach  einem  Besuchsaufenthalt  begünstigen  könnten,  sind  in  diesem  Zusammenhang  jedoch  keine  erkennbar. 6.2.  Im  Zeitpunkt  des  Visumantrags  absolvierte  die  Gesuchstellerin  ein  Buchhaltungsstudium  am  "Institute  of  Professional  Studies"  (IPS)  in  Legon – Accra. Dieses Studium hat sie offenbar  im Mai 2010 mit einem  Bachelor­Degree  abgeschlossen  (dies  gemäss  eigener  Darstellung  in  einem Schreiben vom 2. Mai 2010, welches zusammen mit der Replik zu  den  Akten  gereicht  wurde).  Ab Oktober  2010  soll  sie  einen  einjährigen  obligatorischen  Staatsdienst  angetreten  haben,  um  danach  weiter  zu  studieren.  Über  die  wirtschaftlichen  Verhältnisse,  in  denen  die  Gesuchstellerin  und  ihre  Angehörigen  leben,  fehlen  konkrete  Angaben.  Der  Beschwerdeführer  gab  in  diesem  Zusammenhang  lediglich  an,  ihr  Vater  sei  Bauunternehmer  und  die  Mutter  Lehrerin.  Vorliegend  kann  insgesamt nicht davon ausgegangen werden, dass die Gesuchstellerin in  beruflicher  und  wirtschaftlicher  Hinsicht  in  ihrer  Heimat  fest  verankert  wäre bzw. keinen Anreiz für eine Emigration haben könnte. 6.3.  Nichts  Besonderes  für  sich  ableiten  kann  die  Gesuchstellerin  aus  dem Umstand, dass sie im Jahre 2006 ein vier Monate gültiges Visum für  Reisen nach Südafrika  erwirken  konnte und  sich dann nur  knapp einen  Monat  dort  aufgehalten  haben will. Über  die weiteren Umstände  dieses  Aufenthalts  ist nichts bekannt, so dass sich keine Rückschlüsse auf das  aktuell zu beurteilende Gesuch ziehen lassen.

C­843/2010 6.4.  Vor  dem  allgemeinen  und  persönlichen  Hintergrund  durfte  die  Vorinstanz demnach davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr  für  eine  fristgerechte  und  anstandslose  Wiederausreise  der  Gesuchstellerin  nach  einem  Besuchsaufenthalt  besteht.  An  dieser  Einschätzung  vermag  die  gegenteilige  Zusicherung  des  Beschwerdeführers nicht zu ändern. Als Gastgeber kann er mit  rechtlich  verbindlicher  Wirkung  zwar  für  gewisse  finanzielle  Risiken  im  Zusammenhang  mit  dem  Besuchsaufenthalt,  nicht  aber  für  ein  bestimmtes  Tun  oder  Unterlassen  seines  Gastes  einstehen  (vgl.  in  diesem Zusammenhang BVGE 2009/27 E. 9). Aus dem gleichen Grund  können  weder  die  zusammen  mit  der  Replik  eingereichten  Empfehlungsschreiben  noch  die  Tatsache  entscheidend  sein,  dass  der  Beschwerdeführer  früher  einmal  seinen  in  Ghana  lebenden  leiblichen  Sohn bei sich zu Besuch hatte. 6.5. Gründe  für die Ausstellung eines Visums mit  räumlich beschränkter  Gültigkeit  (vgl.  E.  4.5)  wurden  vom  Beschwerdeführer  nicht  geltend  gemacht und sind auch nicht ersichtlich. 7.  Aus  vorstehenden Erwägungen  folgt,  dass  die  angefochtene Verfügung  im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist  daher abzuweisen. 8.  Entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  wird  der  unterliegende  Beschwerdeführer  kostenpflichtig  (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art.  1, 2 und 3  Bst.  b  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]). Dispositiv S. 11

C­843/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Beilage: Akten Ref­Nr. ZEMIS […]) – das Migrationsamt des Kantons Zürich ad ZH […] Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Andreas Trommer Denise Kaufmann Versand: