Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 21.07.2011 C-3654/2010

21 luglio 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,677 parole·~8 min·1

Riassunto

Schengen-Visum | Visum zu Besuchszwecken

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­3654/2010 Urteil   v om   2 1 .   Juli   2011 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richterin Marianne Teuscher, Richter Jean­Daniel Dubey, Gerichtsschreiberin Denise Kaufmann. Parteien A._______,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Visum zu Besuchszwecken.

C­3654/2010 Sachverhalt: A.  Die  1983  geborene  thailändische  Staatsangehörige  B._______  (im  Folgenden:  Gesuchstellerin)  beantragte  am  19.  Februar  2010  bei  der  Schweizerischen Botschaft  in  Bangkok  ein Schengenvisum  für  einen  9­ tägigen  Besuchsaufenthalt  bei  A._______  (im  Folgenden:  Gastgeber  bzw. Beschwerdeführer) in C._______ (ZH). B.  Unmittelbar zuvor, am 10. und 16. Februar 2010, war der Gastgeber mit  zwei  Einladungsschreiben  an  die  Schweizer  Vertretung  gelangt.  Darin  führte  er  unter  anderem  aus,  er  habe  die  Gesuchstellerin  erstmals  im  Januar 2010 während zweier Wochen in Thailand persönlich getroffen. In  dieser  Zeit  hätten  sie  sich  ineinander  verliebt.  An  einem  Besuchsaufenthalt seiner Freundin bei ihm in der Schweiz liege ihm viel,  da er sie mit seiner Familie und seinen Freunden bekannt machen und ihr  seine Lebensart und seine Berufstätigkeit näher bringen möchte. C.  Die  Schweizer  Vertretung  weigerte  sich  in  der  Folge,  das  Visum  in  eigener Kompetenz zu erteilen und  leitete das Gesuch zur Prüfung und  zum Entscheid an die Vorinstanz weiter. D.  Zum Antrag begrüsst, holte das Migrationsamt des Kantons Zürich beim  Gastgeber  ergänzende  Auskünfte  ein  und  leitete  sie  an  die  Vorinstanz  weiter. Letztere lehnte es in einer Verfügung vom 26. April 2010 ab, das  beantragte  Besuchsvisum  zu  erteilen.  Dies  im  Wesentlichen  mit  der  Begründung,  die  anstandslose  und  fristgerechte  Wiederausreise  der  Gesuchstellerin nach einem Besuchsaufenthalt könne nicht als gesichert  betrachtet  werden.  Die  Gesuchstellerin  stamme  aus  einer  Region,  aus  der  als  Folge  der  dort  insbesondere  in  wirtschaftlicher  Hinsicht  herrschenden  Verhältnisse  ein  anhaltend  starker  Zuwanderungsdruck  festzustellen sei. Die Gesuchstellerin selbst sei jung, ledig und habe noch  keine Kinder. Sie stehe auch nicht in einem festen Anstellungsverhältnis.  Bei  ihr  seien  daher  weder  familiäre  oder  gesellschaftliche  Verantwortlichkeiten noch berufliche Verpflichtungen erkennbar, die trotz  der allgemeinen Verhältnisse besondere Gewähr für eine Wiederausreise  bieten  könnten.  Es  bestehe  auch  kein  Anlass,  trotz  Fehlens  von  Einreisevoraussetzungen  aus  besonderen,  beispielsweise  humanitären 

C­3654/2010 Gründen ein Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit zu erteilen. Dem  Gastgeber sei es unbenommen, seinen Gast im Ausland zu besuchen. E.  Mit  Beschwerde  vom  20.  Mai  2010  beantragt  der  Gastgeber  beim  Bundesverwaltungsgericht  implizit,  die  vorinstanzliche  Verfügung  sei  aufzuheben und das Schengenvisum für einen Besuchsaufenthalt sei zu  erteilen.  Zur  Begründung  rügt  er,  die  Vorinstanz  sei  zu  Unrecht  davon  ausgegangen, dass die Wiederausreise der Gesuchstellerin nach einem  Besuchsaufenthalt  nicht  gesichert  wäre.  Die  Gesuchstellerin  habe  durchaus berufliche und familiäre Verpflichtungen. Sie verfüge über einen  Universitätsabschluss  und  sei  im  Zeitpunkt  des  Visumsantrags  nur  vorübergehend arbeitslos gewesen. Seit dem 1. März 2010 sei sie wieder  erwerbstätig und würde nach einem Besuchsaufenthalt in der Schweiz an  ihrem Arbeitsplatz zurück erwartet. Die Gesuchstellerin habe seit Jahren  in Bangkok eine Wohnung angemietet, die sie selbst bewohne und in der  sie auch ihre jüngere Schwester untergebracht habe. Für deren Lebens­  und Studienkosten komme sie auf. Aber auch zu  ihren  in Nong Khai,  im  Nordosten  Thailands  lebenden  Eltern  habe  sie  starke  Bindungen.  Sie  besuche  ihre  Eltern  regelmässig  und  kümmere  sich  intensiv  um  ihre  schwer  an Krebs erkrankte Mutter. Zusammen mit der Beschwerde wurde eine Arbeitgeberbestätigung – die  Gesuchstellerin betreffend – zu den Akten gereicht. F.  Die  Vorinstanz  schliesst  in  einer  Vernehmlassung  vom  6.  August  2010  auf Abweisung der Beschwerde.  G.  Der  Beschwerdeführer  hält  in  einer  Replik  vom  3.  September  2010  an  seinem Rechtsbegehren und an dessen Begründung fest.  Zusammen  mit  der  Replik  reichte  der  Beschwerdeführer  zwei  ärztliche  Berichte – die Mutter der Gesuchstellerin betreffend – zu den Akten. H.  Auf  die  eingereichten  Beweismittel  und  den  übrigen  Akteninhalt  wird,  soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

C­3654/2010 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.    Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  welche  von  einer  in  Art.  33  VGG  aufgeführten  Behörde  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  u.a.  Verfügungen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengen­Visums  zu  Besuchszwecken  verweigert  wird.  In  dieser Materie  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig  (Art.  83  Bst. c  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.    Sofern  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt,  richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem  VwVG (Art. 37 VGG). 1.3.    Der  Beschwerdeführer  ist  gemäss  Art.  48  Abs.  1  VwVG  zur  Beschwerde  berechtigt.  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Rechts­  und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.451/2002  vom  28. März  2003 E. 1.2, nicht publiziert in BGE 129 II 215). 3.  Der  angefochtenen  Verfügung  liegt  das  Gesuch  einer  thailändischen  Staatsangehörigen  um  Erteilung  eines  Visum  für  einen  9­tägigen  Aufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich die Gesuchstellerin nicht auf  die  EU/EFTA­Personenfreizügigkeitsabkommen  berufen  kann  und  die 

C­3654/2010 beabsichtigte  Aufenthaltsdauer  drei  Monate  nicht  überschreitet,  fällt  die  vorliegende  Streitsache  in  den  persönlichen  und  sachlichen  Anwendungsbereich  der  Schengen­Assoziierungsabkommen,  mit  denen  die  Schweiz  den  Schengen­Besitzstand  und  die  dazugehörigen  gemeinschaftsrechtlichen  Rechtsakte  übernommen  hat.  Das  Ausländergesetz  vom 16. Dezember  2005  (AuG, SR  142.20)  und  seine  Ausführungsverordnung  gelangen  nur  soweit  zur  Anwendung,  als  die  Schengen­Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen  enthalten (Art. 2 Abs. 2 bis Abs. 5 AuG). 4.  Die Voraussetzungen  für di Erteilung eines Visums präsentieren sich  im  Anwendungsbereich der genannten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1.    Das  schweizerische  Ausländerrecht  kennt  weder  ein  allgemeines  Recht  auf  Einreise  noch  gewährt  es  einen  besonderen  Anspruch  auf  Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch  – grundsätzlich  nicht  gehalten,  Ausländerinnen  und  Ausländern  die  Einreise  zu  gestatten.  Vorbehältlich  völkerrechtlicher  Verpflichtungen  handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum  Bundesgesetz  über  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8. März  2002,  BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen­Recht  schränkt  die  nationalstaatlichen  Befugnisse  insoweit  ein,  als  es  einheitliche  Voraussetzungen  für  Einreise  und  Visum  aufstellt  und  die  Mitgliedstaaten  verpflichtet,  die Einreise bzw. das Visum zu verweigern,  wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise  bzw. Visum vermittelt auch das Schengen­Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI /  TOBIAS  D.  MEYER,  in:  Martina  Caroni  /  Thomas  Gächter  /  Daniela  Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die  Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2.    Angehörige  von  Drittstaaten  dürfen  über  die  Aussengrenzen  des  Schengen­Raums  für  einen  Aufenthalt  von  höchstens  drei  Monaten  je  Sechsmonatszeitraums  einreisen,  wenn  sie  im  Besitz  gültiger  Reisedokumente  sind,  die  zum  Grenzübertritt  berechtigen.  Ferner  benötigen  sie  ein  Visum,  falls  ein  solches  nach  Massgabe  der  Verordnung  (EG)  Nr.  539/2001  des  Rates  vom  15.  März  2001  zur  Aufstellung  der  Liste  der  Drittländer,  deren  Staatsangehörige  beim  Überschreiten der Aussengrenzen  im Besitz eines Visums sein müssen,  sowie  der  Liste  der  Drittländer,  deren  Staatsangehörige  von  dieser  Visumpflicht  befreit  sind,  erforderlich  ist.  Kein  Visum  benötigen 

C­3654/2010 Drittstaatsangehörige,  die  Inhaber  eines  gültigen  Aufenthaltstitels  sind  oder über ein gültiges Visum  für den  längerfristigen Aufenthalt  verfügen  (vgl.  Art. 5  Abs. 1  Bst. a  AuG,  Art. 2  Abs. 1  der  Verordnung  vom  22. Oktober  2008  über  die  Einreise  und  die  Visumerteilung  [VEV,  SR  142.204]  i.V.m.  Art. 5  Abs. 1  Bst. a  und  b  der  Verordnung  (EG)  Nr.  562/2006  des  Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom  15. März  2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen  durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105  vom 13.04.2006, S. 1­32], Art. 4 VEV). 4.3.    Im  Weiteren  müssen  Drittstaatsangehörige  den  Zweck  und  die  Umstände  ihres  beabsichtigten  Aufenthalts  belegen  und  hierfür  über  ausreichende  finanzielle Mittel verfügen  (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2  Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst.  a–c  der  Verordnung  [EG]  Nr. 810/2009  des  Europäischen  Parlaments  und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft  [nachfolgend:  Visakodex]).  Namentlich  haben  sie  in  diesem  Zusammenhang  zu  belegen,  dass  sie  den  Schengen­Raum  vor  Ablauf  des  bewilligungsfreien  Aufenthaltes  verlassen,  bzw.  ausreichende  Gewähr  für  eine  fristgerechte Wiederausreise  zu  bieten  (Art.  14  Abs.  1  Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu  PHILIPP  EGLI  /  TOBIAS D. MEYER,  a.a.O.  Art.  5  N. 33).  Weiterhin  dürfen  Drittstaatsangehörige nicht  im Schengener  Informationssystem (SIS) zur  Einreiseverweigerung  ausgeschrieben  sein  und  keine  Gefahr  für  die  öffentliche  Ordnung,  die  innere  Sicherheit,  die  öffentliche  Gesundheit  oder  die  internationalen  Beziehungen  eines  Mitgliedstaats  darstellen  (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4. Eine Gefahr  für die öffentliche Ordnung  im Sinne von Art. 5 Abs. 1  Bst.  e SGK  ist  auch  dann  anzunehmen, wenn  die  drittstaatsangehörige  Person  nicht  bereit  ist,  das  Hoheitsgebiet  des  Schengen­Raums  fristgerecht  wieder  zu  verlassen  (vgl.  dazu  PHILIPP  EGLI  /  TOBIAS  D.  MEYER,  a.a.O.,  Art.  5  N. 33;  ferner  Urteil  des  deutschen  Bundesverwaltungsgerichts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die  Behörden haben daher zu prüfen und drittstaatsangehörige Personen zu  belegen, dass die Gefahr einer  rechtswidrigen Einwanderung oder einer  nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art.  21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesicherten Wiederausreise, wie  sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt  vorgesehen  ist,  steht  mit  dieser  Regelung  im  Einklang  (vgl.  BVGE  2009/27  E.  5  mit  Hervorhebung  des  Zusammenhangs  zum 

C­3654/2010 Einreiseerfordernis  des  belegten  Aufenthaltszwecks  nach  Art.  5  Abs.  1  Bst. c SGK). 4.5.    Sind  die  vorerwähnten  Einreisevoraussetzungen  (Visum  ausgenommen) nicht erfüllt, darf ein  für den gesamten Schengen­Raum  geltendes  "einheitliches  Visum"  (Art.  2  Ziff.  3  Visakodex)  nicht  erteilt  werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es  jedoch ein Mitgliedstaat aus  humanitären  Gründen,  aus  Gründen  des  nationalen  Interesses  oder  aufgrund  internationaler  Verpflichtungen  für  erforderlich,  so  ist  er  berechtigt,  der  drittstaatsangehörigen  Person,  welche  die  ordentlichen  Einreisevoraussetzungen  nicht  erfüllt,  ausnahmsweise  ein  "Visum  mit  räumlich  beschränkter  Gültigkeit"  zu  erteilen  (Art.  2  Ziff.  4  Visakodex).  Dieses  Visum  ist  grundsätzlich  nur  für  das  Hoheitsgebiet  des  ausstellenden  Staates  gültig  (Art.  32  i.V.m.  Art.  25  Abs.  1  Bst.  a  Visakodex;  unter  denselben  Voraussetzungen  kann  einer  drittstaatsangehörigen  Person  die  Einreise  an  den  Aussengrenzen  gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5.  5.1.    Die  Gesuchstellerin  unterliegt  als  thailändische  Staatsangehörige  der Visumspflicht (Anhang I zur Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates  vom 15. März 2001). Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach  Art.  5  Abs.  1  SGK  steht  die  Frage  der  gesicherten Wiederausreise  im  Vordergrund,  welche  die  Vorinstanz  aufgrund  der  allgemeinen  Lage  im  Heimatland  sowie  der  persönlichen  Verhältnisse  der  Gesuchstellerin  anzweifelt.  Dazu  lassen  sich  in  der  Regel  keine  gesicherten  Feststellungen, sondern lediglich Prognosen treffen. Dabei sind sämtliche  Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 5.2.    Anhaltspunkte  zur  Beurteilung  der  Gewähr  für  eine  fristgerechte  Wiederausreise  können  sich  aus  der  allgemeinen  Situation  im  Herkunftsland  der  Besucherin  oder  des  Besuchers  ergeben.  Einreisegesuche  von  Bürgerinnen  und  Bürgern  aus  Staaten  bzw.  Regionen  mit  politisch  oder  wirtschaftlich  vergleichsweise  ungünstigen  Verhältnissen  können  darauf  hindeuten,  dass  die  persönliche  Interessenlage  in  solchen  Fällen  nicht  mit  dem  Ziel  und  Zweck  einer  zeitlich  befristeten  Einreisebewilligung  in  Einklang  steht.  Das  Abstützen  auf  die  Herkunft  einer  gesuchstellenden  Person  und  die  Inanspruchnahme bestimmter allgemeiner Kriterien bei der Prüfung eines  Gesuchs  sind  –  entgegen  der  Meinung  des  Beschwerdeführers –  durchaus  recht­  und  auch  zweckmässig.  Die  unterschiedliche 

C­3654/2010 Behandlung  je  nach  Herkunftsland  ist  schon  in  der  Regelung  der  Visumspflicht bzw. Visumsbefreiung angelegt.  5.3.  5.3.1.    In Thailand  sind –  insbesondere  in den  ländlichen Gebieten des  Nordostens, aus denen die Gesuchstellerin ursprünglich stammt – breite  Bevölkerungsschichten  von  kargen  ökonomischen  und  sozialen  Lebensbedingungen  betroffen.  Die  Region  der  Nordostprovinzen  gilt  im  landesweiten  Vergleich  als  ärmste  der  insgesamt  sechs  Regionen  (vgl.  www.thaiweb­sites.com  >  Economy  and  Politics  in  Thailand  >  Thailand  GDP Graphs and Analysis; besucht im Juli 2011). 5.3.2.  Vom Druck zur wirtschaftlichen Existenzsicherung sind in Thailand  häufig Frauen besonders betroffen, die mit  ihrem Einkommen oft  für die  Überlebenschancen  ihrer  eigenen  Haushalte  und  ganzer  Gemeinden  sorgen  müssen  und  deren  Arbeitsplätze  in  Zeiten  angespannter  wirtschaftlicher Verhältnisse – je nach Sektor – besonders gefährdet sind.  Entsprechend  hat  die  wirtschaftlich  motivierte  Emigration  von  Thailänderinnen  nach  1997  zugenommen  (Quelle:  Schlussbericht  vom  13. Mai  2002  der  Kommission  des Deutschen  Bundestags  zum Thema  Globalisierung  der  Weltwirtschaft  –  Herausforderungen  und  Antworten,  Ziff.  6.2.2.2  S.  317  f.,  online  abrufbar  als  Bundesdrucksache  14/9200  unter www.bundestag.de > Dokumente & Recherche > Drucksachen; zu  den  wirtschaftlichen  Eckdaten  allgemein  vgl.  Staatssekretariat  für  Wirtschaft  >  Themen  >  Aussenwirtschaft  >  Länderinformationen  >  Asien/Ozeanien  >  Thailand,  <http://www.seco.admin.ch>,  Stand:  Januar  2011, besucht im Juli 2011). 5.3.3.    Im  Falle  der  Schweiz  wird  die  Tendenz  zur  Immigration  erfahrungsgemäss dort noch begünstigt, wo durch die Anwesenheit  von  Verwandten  oder  Freunden  bereits  ein  minimales  soziales  Beziehungsnetz besteht. Angesichts der restriktiven Zulassungsregelung  werden dabei nicht selten ausländerrechtliche Bestimmungen umgangen,  indem versucht wird, den Aufenthalt – einmal eingereist – auf eine ganz  andere  rechtliche oder  faktische Basis zu stellen und sich so der Pflicht  zur  Wiederausreise  zu  entziehen.  Solche  Umstände  und  Erfahrungen  sind beim Entscheid über die Erteilung eines Visums zu berücksichtigen. http://www.seco.admin.ch/

C­3654/2010 5.4.    Bei  der  Risikoanalyse  sind  allerdings  nicht  nur  die  erwähnten  allgemeinen  Umstände  und  Erfahrungen,  sondern  auch  sämtliche  Gesichtspunkte  des  konkreten  Einzelfalles  zu  berücksichtigen.  Obliegt  einer  gesuchstellenden  Person  im  Heimatland  beispielsweise  eine  besondere  berufliche,  gesellschaftliche  oder  familiäre  Verantwortung,  kann  dieser  Umstand  durchaus  die  Prognose  für  eine  anstandslose  Wiederausreise begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer  Heimat  keine  besonderen  Verpflichtungen  haben,  das  Risiko  für  ein  ausländerrechtlich  nicht  regelkonformes  Verhalten  (nach  bewilligter  Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt werden. 6.  6.1.   Die Gesuchstellerin  ist 28­jährig,  ledig und hat noch keine eigenen  Kinder.  Sie  lebt  zusammen  mit  einer  jüngeren  Schwester  in  einer  Mietwohnung  in Bangkok.  In der Hauptstadt  hält  sich noch ein weiteres  Geschwister der Gesuchstellerin auf, so aus den schriftlichen Auskünften  des  Beschwerdeführers  gegenüber  dem  Migrationsamt  des  Kantons  Zürich zu schliessen. Die Eltern sind  in Nong Khai  in der gleichnamigen  Nordostprovinz  wohnhaft.  Als  Besonderheiten  in  den  familiären  Verhältnissen der Gesuchstellerin hebt der Beschwerdeführer hervor, die  Gesuchstellerin  kümmere  sich  intensiv  um  ihre  ernsthaft  kranke Mutter.  Zudem finanziere sie das Studium ihrer jüngeren Schwester und gewähre  ihr  auch  Unterkunft.  Die  solchermassen  geltend  gemachten  Verpflichtungen gilt es  insofern zu relativieren, als die Gesuchstellerin  in  relativ  grosser  räumlicher  Distanz  zu  ihren  Eltern  lebt  und  arbeitet.  Es  dürfte  ihr  deshalb  schon  heute  nicht  möglich  sein,  die  Eltern  häufig  zu  besuchen  und  ihnen  vor  Ort  regelmässig  substantielle  Hilfe  zu  leisten.  Was  die  jüngere  Schwester  betrifft,  so  ist  deren  Abhängigkeit  von  der  Gesuchstellerin  offenbar  in  erster  Linie  finanzieller Natur. Unterstützung  dieser  Art  könnte  die  Gesuchstellerin  ihrer  Schwester  aber  problemlos  auch aus dem Ausland zukommen lassen. Im Übrigen äusserte sich der  Beschwerdeführer  nicht  zum  weiteren,  ebenfalls  in  der  Stadt  Bangkok  lebenden  Geschwister,  und  es  ist  nicht  auszuschliessen,  dass  dieses  Geschwister  die  Rolle  der Gesuchstellerin  für  kürzere  oder  gar  längere  Zeit übernehmen könnte.  Aus  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  zu  schliessen  hat  die  Gesuchstellerin  zwar  in  ihrer  Heimat  nahe  Verwandte,  zu  denen  sie  intakte  Beziehungen  pflegt.  Eigentliche  Verpflichtungen  diesen  Angehörigen  gegenüber,  die  die  Prognose  für  eine  fristgerechte  und 

C­3654/2010 anstandslose Wiederausreise begünstigen könnten, sind  jedoch nicht zu  erkennen.  6.2.    Im  Zeitpunkt  des  Visumantrags  war  die  Gesuchstellerin  offenbar  arbeitslos.  Das  bestätigte  der  Beschwerdeführer  noch  in  seiner  Stellungnahme  vom  24.  März  2010  an  die  Adresse  des  kantonalen  Migrationsamtes.  In  seiner  Rechtsmitteleingabe  vom  20.  Mai  2010  machte  er  demgegenüber  geltend,  die  Gesuchstellerin  sei  "nach  einer  kurzen Arbeitslosigkeit seit dem 1. März 2010 probehalber und seit dem  1.  April  2010  wieder  in  einem  festen  Anstellungsverhältnis".  Letzteres  wird mit dem Attest einer Firma in Bangkok bestätigt. Demnach verdient  sie  dort  als Buchhalterin monatlich  12'000 Baht  (umgerechnet  rund 333  CHF).  Selbst  wenn  davon  ausgegangen  werden  kann,  die  Stelle  sei  tatsächlich  zum  behaupteten  Zeitpunkt  angetreten  worden  und  der  Beschwerdeführer  darüber  einfach  nicht  von  Anfang  an  informiert  gewesen,  so  gilt  doch  zu  bedenken,  dass  noch  nicht  von  einem  mehrjährigen Arbeitsverhältnis und entsprechend nur von einer geringen  beruflichen  Verankerung  ausgegangen  werden  kann.  Daran  vermag  nichts  zu  ändern,  dass  die  Gesuchstellerin  zuvor  schon  andere  Arbeitsstellen gehabt haben soll. Solchermassen  sind  auch  in  den  beruflichen  und  damit  wirtschaftlichen  Verhältnissen  der  Gesuchstellerin  keine  Besonderheiten  erkennbar,  welche  die  Gefahr  einer  raschen  Emigration  als  unwahrscheinlich  erscheinen liessen. 6.3.    Es  ist  demnach  nicht  zu  beanstanden,  wenn  die  Vorinstanz  unter  den gegebenen Umständen zum Schluss gelangte, die fristgerechte und  anstandslose  Wiederausreise  der  Gesuchstellerin  nach  einem  Besuchsaufenthalt  sei  nicht  gewährleistet.  An  dieser  Risikobeurteilung  vermag  die  gegenteilige  Zusicherung  des  Beschwerdeführers  im  Gesuchsverfahren  nichts  zu  ändern.  Als  Gastgeber  kann  er  zwar  für  bestimmte  finanzielle  Risiken  im  Zusammenhang  mit  dem  Besuchsaufenthalt,  nicht  aber  für  ein  bestimmtes  Tun  oder Unterlassen  seines Gastes einstehen (vgl. in diesem Zusammenhang BVGE 2009/27  E. 9). Ohne an den guten Absichten des Beschwerdeführers zweifeln zu  wollen,  ist  schliesslich  mit  in  Betracht  zu  ziehen,  dass  er  die  Gesuchstellerin noch nicht besonders  lange kennt. Er  ist erstmals Ende  2009 per Internet mit ihr in Kontakt getreten und hat sie anschliessend im  Januar  2010  in  Thailand  besucht. Ob  es  seither  zu weiteren  Besuchen  gekommen  ist,  kann  den  Akten  nicht  entnommen  werden.  Vorbehalte 

C­3654/2010 sind  unter  den  gegebenen  Umständen  am  Platz,  wenn  es  beim  Beschwerdeführer  darum  geht,  mögliche  Entwicklungen  in  den  Vorstellungen  seiner  Freundin  über  eine  kurz­  oder  mittelfristige  Lebensplanung  abzuschätzen.  Daran  ändert  grundsätzlich  nichts,  dass  der  Beschwerdeführer  für  sich  in  Anspruch  nimmt,  die  thailändische  Kultur  und Lebensart  aufgrund  seiner  inzwischen gescheiterten Ehe mit  einer Thailänderin bereits gut zu kennen. 6.4.  Gründe für die Ausstellung eines Visums mit räumlich beschränkter  Gültigkeit  (vgl.  E.  4.5)  wurden  vom  Beschwerdeführer  nicht  geltend  gemacht und sind auch nicht ersichtlich. 7.  Aus  vorstehenden Erwägungen  folgt,  dass  die  angefochtene Verfügung  im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist  daher abzuweisen. 8.  Entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  wird  der  unterliegende  Beschwerdeführer  kostenpflichtig  (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art.  1, 2 und 3  Bst.  b  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]). Dispositiv S. 12

C­3654/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  800.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Beilage: Akten Ref­Nr. Zemis […]) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Andreas Trommer Denise Kaufmann Versand:

C-3654/2010 — Bundesverwaltungsgericht 21.07.2011 C-3654/2010 — Swissrulings