Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 17.01.2012 E-6768/2011

17 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,193 mots·~6 min·1

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 7. Dezember 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6768/2011 Urteil   v om   1 7 .   J a nua r   2012 Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, mit Zustimmung von Richter Walter Lang, Gerichtsschreiberin Tu­Binh Truong. Parteien A._______, geboren am (…), dessen Ehefrau B._______, geboren am (…), deren gemeinsame Kinder  C._______, geboren am (…) und D._______, geboren am (…), Mazedonien, ehemalige jugoslawische Republik,  (…) Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 7. Dezember 2011 / N (…).

E­6768/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der ethnisch albanische Beschwerdeführer erstmals am 14. Oktober  2002 ein Asylgesuch  in der Schweiz gestellt und dabei  im Wesentlichen  staatliche  Verfolgungsmassnahmen  im  Zusammenhang  mit  Unterstützungstätigkeiten  für  die  Befreiungsarmee  Kosovos  (UÇK)  geltend gemacht hatte, dass das BFM mit Verfügung vom 17. Februar 2003 dieses Asylgesuch  abgelehnt  sowie  die Wegweisung  und  deren  Vollzug  angeordnet  hatte,  wogegen der Beschwerdeführer am 21. März 2003 Beschwerde bei der  damals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  erhoben hatte, auf die die ARK mit Entscheid vom 1. Mai 2003 mangels  Bezahlung des Kostenvorschusses nicht eingetreten war,  dass  der  Beschwerdeführer  gemäss  Meldung  der  Behörden  seines  damaligen Aufenthaltskantons vom 20. Mai 2003 seit dem 13. Mai 2003  als verschwunden gegolten hatte, dass  die  Beschwerdeführenden  eigenen  Angaben  zufolge  am  25.  Mai  2011 (der Beschwerdeführer) respektive am 17. Juli 2011 (seine Ehefrau  und  die  zwei  gemeinsamen  Kinder)  auf  dem  Landweg  und  mit  den  eigenen  Pässen  in  die  Schweiz  eingereist  seien,  wo  sie  –  der  Beschwerdeführer  am  26.  Mai  2011  zum  zweiten  Mal  respektive  die  Ehefrau am 18. Juli 2011 zum ersten Mal – um Asyl nachsuchten, dass  sie  anlässlich  der  Kurzbefragung  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  E._______  vom  9.  Juni  2011  (Beschwerdeführer)  respektive  vom  26.  Juli  2011  (Ehefrau)  sowie  der  Anhörung  vom  17.  August 2011 zur Begründung der Asylgesuche  im Wesentlichen geltend  machten,  sie  seien  in  die  Schweiz  gekommen,  um  die  Epilepsieerkrankung  des  Beschwerdeführers  behandeln  zu  lassen  und  um  eine  Lösung  für  ihre  aufgrund  der  bereits  angefallen  Behandlungskosten eingetretenen Verschuldung zu finden (vgl. B4/10 S.  4 f., B18/14 S. 3, B11/11 S. 6 und B19/6 S. 2 ), dass es  ferner keine anderen Gründe gebe, weshalb sie  in der Schweiz  Asyl  beantragen  würden,  insbesondere  auch  nicht  die  im  ersten  Asylgesuch des Beschwerdeführers  vorgebrachten  (vgl. B4/10 S.  6  und  B18/14 S. 3), 

E­6768/2011 dass die Beschwerdeführenden verschiedene mazedonische, griechische  und  kroatische  Dokumente  sowie  ihre  mazedonischen  Gesundheitsbüchlein  zu  den  Akten  reichten,  um  die  gesundheitlichen  Vorbringen des Beschwerdeführers zu belegen, dass die Vorinstanz im Rahmen des Asylverfahrens Stellungnahmen bei  den  Ärzten  des  Beschwerdeführers  einholte,  wobei  zum  Gesundheitszustand  des  Beschwerdeführers  festgehalten  werden  kann,  dass  dieser  gemäss  dem  Kurzbericht  des  Direktors  der  Klinik  für  Neuroradiologie des (Spitals) vom 17. Oktober 2011 (vgl. B35/2) sehr gut  und seine Gefässmissbildung im Gehirn geheilt sei, und dass gemäss der  anfangs  behandelnden  Fachärztin  für  Neurologie  (vgl.  Stellungnahme  vom  31.  Oktober  2011  zum  Bericht  des  Klinikdoktors  [vgl.  B37/2])  im  Rahmen der weiteren Behandlung Kontrollen mit Elektroentzephalografie  (EEG) und antiepileptische Medikamente wie Phenobarbital und Tegretol  benötigt werden,  dass den Beschwerdeführenden am 1. November 2011 zu den ärztlichen  Stellungnahmen das rechtliche Gehör gewährt wurde, worauf sie in ihrer  Eingabe vom 8. November 2011  (vgl. A40/5) zu diesen  festhielten, eine  effektive Behandlung der Epilepsie  sei  in Mazedonien nicht möglich,  da  Mazedonien keine Krankenpflegeversicherung habe und es ihrer Familie  an  finanziellen Möglichkeiten  fehle,  weshalb  eine Rückkehr  dorthin  den  Beschwerdeführer in Todesgefahr bringen würde, dass  sie  ferner  darin  geltend  machten,  der  Beschwerdeführer  sei  depressiv  und  benötige  entsprechende  "medikamentöse  psychiatrische  Behandlung", welche in Mazedonien zu teuer sei, und dass er schliesslich  aufgrund  seiner  Kritik  an  den  gesellschaftlichen  Verhältnissen  in  Mazedonien  und  als  Angehöriger  einer  ethnischen  Minderheit  für  die  mazedonischen  Behörden  eine  unerwünschte  Person  sei,  und  deshalb  psychischer Druck auf ihn ausgeübt worden sei, dass das BFM die Asylgesuche der Beschwerdeführenden mit Verfügung  vom 7. Dezember 2011 – eröffnet am 8. Dezember 2011 – ablehnte und  die Wegweisung sowie deren Vollzug anordnete, dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  vom  19.  Dezember  2011  (Poststempel:  16.  Dezember  2011)  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhoben  und  dabei  sinngemäss  beantragten, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und ihnen sei 

E­6768/2011 Asyl  zu  gewähren;  eventualiter  seien  sie  vorläufig  in  der  Schweiz  aufzunehmen, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom  20.  Dezember  2011  gestützt  auf  Art.  63  Abs.  4  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  die  Beschwerdeführenden  zur  Bezahlung  eines  Kostenvorschusses  bis  zum 4.  Januar 2012 aufforderte, mit  der Androhung des Nichteintretens  auf die Beschwerde für den Unterlassungsfall,  dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 29. Dezember 2011 ein  Gesuch  um  Erlass  der  Zahlung  des  Kostenvorschusses  wegen  mangelnder finanzieller Mittel einreichten, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  am  13.  Januar  2012  auf  die  Einforderung des Kostenvorschusses verzichtete, und zieht in Erwägung,  dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31]  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 

E­6768/2011 beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  sind  (Art. 105  AsylG  und  Art. 48  Abs. 1  VwVG),  weshalb  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG),  dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die  in  ihrem Heimatstaat oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält, dass  Vorbringen  insbesondere  dann  unglaubhaft  sind,  wenn  sie  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden, dass  das  BFM  zur  Begründung  seines  abweisenden  Entscheides  zu  Recht  anführte,  das  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  er  habe  sein 

E­6768/2011 Heimatland aus medizinischen Gründen verlassen, könne nicht im Sinne  von Art. 3 Abs. 1 AsylG zur Flüchtlingseigenschaft führen, dass  ferner  die  in  der  Stellungnahme  vom  8.  November  2011  geltend  gemachten  staatlichen  Verfolgungsmassnahmen  weder  anlässlich  der  BzP  noch  der  Anhörung  vorgebracht  wurden,  weshalb  diese  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  nicht  standhalten,  denn  es  ist  davon  auszugehen,  dass  eine  tatsächlich  verfolgte Person solche gewichtigen Ausreisegründe nicht erst so spät im  Verfahren erwähnen würde, dass  auch  der  Beschwerde  dazu  lediglich  eine  Wiederholung  der  Vorbringen zu entnehmen ist, weshalb sie diesbezüglich als unbehelflich  zu betrachten ist,  dass  die  angeblichen  behördlichen  Belästigungen  somit  als  nachgeschoben zu erachten sind,  dass die Beschwerdeführerin keine eigenen Asylgründe geltend machte,  dass  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  somit  insgesamt  weder  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  noch  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  standhalten,  weshalb  sie  offensichtlich  keine  asylrelevante  Vorbringen  darstellen, dass das Bundesamt das Asylgesuch folglich zu Recht abgelehnt hat, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.  9),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]),

E­6768/2011 dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ersichtlich  sind,  die  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  droht, dass gesundheitliche Probleme unter dem Blickwinkel  von Art.  3 EMRK  gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  nur  dann  ein  völkerrechtliches  Vollzugshindernis  darstellen,  wenn  die  Erkrankung  gravierend  ist  und  ausserordentliche  Umstände  vorliegen  (vgl.  EGMR  vom  7.  Oktober  2004  i.S.  Dragan  und  andere 

E­6768/2011 gegen  Deutschland,  Nr.  33743/03,  angeführt  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2005  Nr. 23 E. 5.1),  dass  vorliegend  die  Voraussetzungen  einer  gravierenden  Erkrankung  bzw.  ganz  aussergewöhnliche  Umstände  ("very  exceptional  circumstances"), wie sie der EGMR in seinem Urteil vom 2. Mai 1997 i.S.  D.  gegen  Grossbritannien  feststellte,  unter  Berücksichtigung  der  oben  erwähnten  medizinischen  Berichte  –  deren  Richtigkeit  vom  Bundesverwaltungsgericht  nicht  angezweifelt  wird  –  bei  einer  Rückkehr  nach Mazedonien ausgeschlossen werden können,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  somit  auch  in  Berücksichtigung  der  gesundheitlichen Situation als zulässig erweist,  dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass  in  Mazedonien  weder  Krieg  noch  Bürgerkrieg  oder  eine  Situation  allgemeiner Gewalt herrschen,  dass gemäss der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts im Rahmen der  Tatbestandsvariante der medizinischen Notlage im Sinne von Art. 83 Abs.  4  AuG  nur  dann  auf  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  geschlossen  wird,  wenn  eine  notwendige  medizinische  Behandlung  im  Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen  und  lebensgefährdenden  Beeinträchtigung  des  Gesundheitszustandes  der  betroffenen  Person  führt,  wobei  als  wesentlich  die  allgemeine  und  dringende  medizinische  Behandlung  erachtet  wird,  welche  zur  Gewährleistung einer menschenwürdigen Behandlung absolut notwendig  ist,  und  die  Unmöglichkeit  einer  dem  schweizerischen  Standard  entsprechenden  medizinischen  Behandlung  im  Heimat­  und  Herkunftsstaat allein noch nicht die Unzumutbarkeit des Vollzugs bewirkt  (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2, mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a  und 5b),  dass  vorliegend  die  Voraussetzungen  einer  medizinischen  Notlage  offensichtlich  nicht  gegeben  sind,  weshalb  es  sich  erübrigt  auf  die  einzelnen  diesbezüglichen  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  einzugehen, 

E­6768/2011 dass  folglich  weder  die  allgemeine  Lage  im  Heimatstaat  der  Beschwerdeführenden  noch  individuelle  Gründe  auf  eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen  lassen,  weshalb  der  Vollzug der Wegweisung vorliegend zumutbar ist, dass  es  den  Beschwerdeführenden  offen  steht,  bei  Bedarf  im  Rahmen  der  individuellen  Rückkehrhilfe  –  vgl.  Ziffer  4.2.5.  der  Weisung  des  Bundesamtes  für  Migration  vom  1.  Januar  2008  –  zusätzliche  medizinische Hilfeleistungen zu beantragen (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG  i.V.m.  Art.  75  der  Asylverordnung  vom  11.  August  1999  über  Finanzierungsfragen (AsylV 2, SR 142.312),  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen  (Art. 83 Abs. 2 AuG), und die Beschwerdeführenden  im Besitz  von gültigen mazedonischen Reisepässen sind,  dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass es den Beschwerdeführenden demnach nicht gelungen ist darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­6768/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Tu­Binh Truong Versand:

E-6768/2011 — Bundesverwaltungsgericht 17.01.2012 E-6768/2011 — Swissrulings