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Bundesverwaltungsgericht 17.01.2012 E-6467/2011

17 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,606 mots·~8 min·2

Résumé

Asyl und Wegweisung | Verfügung des BFM vom 28. Oktober 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6467/2011 Urteil   v om   1 7 .   J a nua r   2012   Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli;   Gerichtsschreiberin Blanka Fankhauser. Parteien A._______, B._______, C._______, D._______, E._______, F._______, G._______, Serbien,   alle vertreten durch Dr. iur. Tamara Nüssle, Rechtsanwältin,  (…),  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 28. Oktober 2011 / N (…).

E­6467/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführerin  –  eine  aus  H._______  stammende  ethnische  Roma  mit  letztem Wohnsitz  in  I._______  –  Serbien  eigenen  Angaben zufolge anfangs Juni 2010 mit  ihren fünf Kindern  in einem PW  verliess und unter Umgehung der Grenzkontrolle am 13. Juni 2010 in die  Schweiz  einreiste,  wo  sie  gleichentags  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum (EVZ) J._______ um Asyl nachsuchte, dass sie anlässlich der Kurzbefragung  im K._______ vom 21. Juni 2010  sowie  der  direkten  Bundesanhörung  vom  1. Juli  2010  zur  Begründung  ihres  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  geltend  machte,  ihre  Kinder  seien  wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit  in der Schule und auf der Strasse  geschlagen worden,   dass  ihr Mann mit  einem Polizeiinspektor  namens  L._______ Probleme  gehabt habe, weshalb er weggegangen sei,  dass  sie  die  Übergriffe  auf  ihre  Kinder  unzählige  Male  bei  der  Polizei  gemeldet habe, diese  jedoch nichts unternommen und stattdessen auch  sie malträtiert habe,  dass etwa zwei Wochen vor der Ausreise die Tochter von einem anderen  Kind  mit  einem  Stein  auf  den  Kopf  getroffen  worden  sei,  sodass  die  Wunde habe genäht werden müssen,  dass  sie  dies  auf  dem  Polizeiposten  gemeldet  habe,  worauf  sie  von  L._______ mit Knüppel auf den Arm geschlagen worden sei,   dass  sie  zudem  nach  dem  Verschwinden  ihres  Ehemannes  von  L._______  mehrmals  aufgesucht  und  nach  dessen  Aufenthalt  befragt  worden sei,  dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge seine Heimatstadt  I._______  am  28.  März  2010  verlassen  habe  und  via  Ungarn,  die  Slowakei  und  Tschechien  nach  Hamburg  gereist  sei,  wo  er  während  dreier Monate geblieben sei, dass er unverzüglich in die Schweiz gekommen sei, als er erfahren habe,  dass sich seine Frau in der Schweiz befinde,

E­6467/2011 dass er am 24. Juni 2010 im EVZ J._______ um Asyl nachsuchte, am 7.  Juli 2010 im K._______ summarisch befragt und am 17. September 2010  zu seinen Asylgründen angehört wurde,  dass  er  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  geltend  machte,  seit  etwa  zwei  bis  zweieinhalb  Jahren  vom  Polizeiinspektor  L._______  immer wieder  belästigt worden  zu  sein,  da  dieser  die  ganze  A._______­Familie hasse und alle Roma vernichten wolle, dass  der  Beschwerdeführer  einmal  eine  Anzeige  gegen  ihn  erstattet  habe,  worauf  dieser  während  eines  halben  Jahres  suspendiert  worden  sei,  dass nach seiner Rückkehr alles noch schlimmer geworden sei,   dass  er,  als  er  auf  dem  Markt  gehandelt  habe,  mehrere  Male  von  L._______  auf  den  Polizeiposten  mitgenommen  und  die  ganze  Nacht  festgehalten worden sei,   dass  in  Belgrad  wegen  eines  Diebstahls,  den  nicht  er,  sondern  sein  Cousin begangen habe, eine Gerichtsverhandlung gegen ihn laufe,  dass  der  Cousin  bei  seiner  Verhaftung  die  Personalien  des  Beschwerdeführers angegeben habe,  dass  sein  Cousin  zwar  ein  Geständnis  abgelegt  habe  und  festgestellt  worden  sei,  dass  die  Unterschrift  des  Beschwerdeführers  nicht  mit  derjenigen  seines  Cousins  übereinstimme,  der  Untersuchungsrichter  indes  von  den  Polizisten  die  Bestätigung  verlangt  habe,  dass  der  Beschwerdeführer nicht der Täter sei,  dass  die  Polizisten  ihren  Irrtum  nie  zugeben  würden,  weil  sie  Angst  hätten, ihre Stelle zu verlieren,   dass  die  Gerichtsverhandlung  vertagt  worden  sei,  unter  anderem  weil  noch eine Untersuchung gegen den Mittäter im Gange sei, der als Zeuge  ausgesagt habe,    dass  der  Beschwerdeführer  nach  der  Verhandlung  noch  vier Monate  in  seiner Heimat geblieben sei, 

E­6467/2011 dass  er  jedoch  ständig  von  L._______  auf  den  Polizeiposten  mitgenommen und malträtiert worden sei, weshalb er Serbien in Richtung  Deutschland verlassen habe,   dass  er  im Übrigen  im  Jahre  2002/2003  unrechtmässig  zu  zwei  Jahren  Haft verurteilt worden sei, weil  ihn ein Freund seines Neffen beschuldigt  habe, einen Diebstahl begangen zu haben,      dass dieses Verfahren abgeschlossen sei,  dass  er  zu  Untermauerung  seiner  Vorbringen  unter  anderem  diverse  Gerichtsdokumente zu den Akten reichte,    dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  28.  Oktober  2011  –  eröffnet  am  31. Oktober  2010  –  die Asylgesuche  der Beschwerdeführer  abwies,  die  Wegweisung aus der Schweiz verfügte und den Vollzug anordnete, dass  es  vorab  zur  Begründung  seiner  Verfügung  ausführte,  mit  der  geltend gemachten Haftstrafe in den Jahren 2002/2003 könne kein enger  Kausalzusammenhang  zur  Flucht  aus  dem  Heimatland  erstellt  werden,  weshalb  diesem  Ereignis  keine  asylrechtlich  relevante  Bedeutung  zukomme,  dass  ferner  das  vom  Beschwerdeführer  beschriebene  Vorgehen  der  Behörden  bezüglich  der  Entlassung  seines  Cousins  aus  der  Haft  und  seiner Festnahme der allgemeinen Logik des Handelns widerspreche,   dass es nicht nachvollziehbar sei, weshalb die Polizei einen Täter aus der  Haft entlasse, den sie auf  frischer Tat ertappt habe, und dann aufgrund  dessen  Angaben  jemand  anderen,  in  vorliegendem  Falle  den  Beschwerdeführer, festnehme,  dass er  sich zudem bezüglich des Namens des Cousins widersprochen  habe,  indem  er  einmal  gesagt  habe,  sein  Cousin  würde  ganz  anders  heissen (A10, S. 8), ein anderes Mal hingegen ausgeführt habe, praktisch  den gleichen Namen, nämlich A._______ zu haben (A13, S. 8), dass  insgesamt  die  widersprüchlichen  und  unlogischen  Angaben  des  Beschwerdeführers  darauf  schliessen  lassen  würden,  dass  sich  die  Ereignisse in Wahrheit nicht tatsächlich so abgespielt hätten, wie er dies  geschildert habe, 

E­6467/2011 dass  auch  die  eingereichten Dokumente  das BFM nicht  zu  überzeugen  vermögen,  würden  diese  doch  lediglich  das  rechtstaatlich  legitime  Vorgehen der Behörden belegen,   dass  es  sich  ferner  bei  den  vorgebrachten  Verfolgungsgründen  der  Beschwerdeführerin  um  Übergriffe  Dritter  handle,  die  nicht  asylrelevant  seien,  dass nämlich Übergriffe durch Dritte oder Befürchtungen, künftig solchen  ausgesetzt zu sein, nur dann asylrelevant seien, wenn der Staat nicht  in  der Lage sei, Schutz zu gewähren, dass  dieser  generell  gewährleistet  sei,  wenn  der  Staat  geeignete  Massnahmen  treffe,  um  die  Verfolgung  zu  verhindern,  beispielsweise  durch  wirksame  Polizei­  und  Justizorgane  und  wenn  Antragssteller  Zugang zu diesem Schutz hätten,  dass  in  Serbien  die  Roma  als  nationale  Minderheit  anerkannt  worden  seien,  und  gemäss  dem  Minderheitsgesetz  vom  25.  Februar  2002  die  Minoritäten das Recht auf Schulbildung  in der Muttersprache sowie das  Recht auf Information in eigener Sprache hätten,  dass  vereinzelte  Übergriffe  durch  Drittpersonen  auf  Roma  zwar  nicht  restlos  ausgeschlossen  werden  könnten,  solchen  Verfolgungsmassnahmen  in  der  Regel  keine  asylrelevante  Intensität  zukomme,   dass  der  serbische  Staat  grundsätzlich  schutzfähig  und  –willig  sei  und  dort  jeweils  eine  funktionierende,  effiziente  Schutzinfrastruktur  zur  Verfügung stehe, dass gemäss Aussagen des Beschwerdeführers L._______ aufgrund der  eingereichten Anzeigen bereits  einmal  suspendiert worden  sei, weshalb  sein  Verhalten  den  Vorgesetzten  bekannt  sei  und  sie  sich  auch  willig  gezeigt hätten, sein Vergehen zu bestrafen,  dass  sich  im  Übrigen  die  Beschwerdeführerin  in  ihren  diesbezüglichen  Ausführungen  widersprochen  habe,  indem  sie  bei  der  Erstbefragung  gesagt habe, sie habe versucht, L._______ bei seinem Vorgesetzten zu  verzeigen  (A1,  S.  8),  bei  der  Anhörung  jedoch  dargelegt  habe,  nichts  unternommen  zu haben, weil  sie  nicht  gewusst  habe,  an wenn  sie  sich  hätte wenden sollen, 

E­6467/2011 dass der Vollzug der Wegweisung zulässig, zumutbar und möglich sei,  dass für den weiteren Inhalt der vorinstanzlichen Verfügung auf die Akten  zu verweisen ist, dass  die  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  29.  November  2011 –  Eingabe  und  Poststempel  –  gegen  die  Verfügung  des  BFM  vom  28.  Oktober 2011 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und  beantragen  liessen,  die  vorinstanzliche  Verfügung  sei  aufzuheben,  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführer  seien  gutzuheissen,  eventualiter  seien die Beschwerdeführer in der Schweiz vorläufig aufzunehmen,  dass  sie  in  verfahrensrechtlicher Hinsicht  beantragen  liessen,  ihnen  sei  die  unentgeltliche  Prozessführung  und  Rechtsverbeiständung  gemäss  Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zu gewähren,  dass  auf  die  Begründung  der  Beschwerde,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich, in den Erwägungen eingegangen wird, dass  sie  mit  Eingabe  vom  1.  Dezember  2011  einen  Arztbericht  vom  M._______  vom  29.  November  2011,  der  dem  Beschwerdeführer  eine  posttraumatische  Belastungsstörung  attestierte,  sowie  eine  Fürsorgebestätigung  der  Sozialbehörde  N._______  vom  30.  November  2011 zu den Akten reichen liessen, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom  5. Dezember  2011  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  Verbeiständung  wegen  Aussichtslosigkeit  der  Beschwerdebegehren  abwies  und  die  Beschwerdeführer  aufforderte,  innert Frist einen Kostenvorschuss von Fr. 600.­ zu leisten, dass sie diesen fristgemäss zu Gunsten der Gerichtskasse einzahlten, und zieht in Erwägung, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  in  der  Regel  –  so  auch  vorliegend  –  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet  (Art. 105  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31)  i. V. m. Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005  [VGG, SR 173.32]; 

E­6467/2011 Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, SR 173.110]), dass  die  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  sind  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  im Übrigen auf die  frist­ und  formgerecht eingereichte Beschwerde  (Art. 108  Abs. 1  AsylG;  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 52  Abs. 1 VwVG) einzutreten ist,  dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  im vorliegenden Verfahren gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf  die Einholung einer Vernehmlassung verzichtet wurde, dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die  in  ihrem Heimatstaat oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden  (Art. 3 Abs. 1 AsylG) und den  frauenspezifischen Fluchtgründen  Rechnung zu tragen ist (Art. 3 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält, dass  Vorbringen  insbesondere  dann  unglaubhaft  sind,  wenn  sie  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen, da sie der allgemeinen Erfahrung  oder der Logik des Handeln zuwiderlaufen, 

E­6467/2011 dass das BFM in der angefochtenen Verfügung vorab zutreffend darlegte,  weshalb  die  geltend  gemachten  Verfolgungsvorbringen  den  Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht genügen,  dass die angeblich unrechtmässige Verurteilung des Beschwerdeführers  im  Jahre  2002/2003  zu  einer  Freiheitsstrafe  von  zwei  Jahren  nicht  für  seine Ausreise kausal gewesen war, zumal er sich danach noch mehrere  Jahre  in  seiner  Heimat  aufhielt,  weshalb  dieses  Ereignis  nicht  asylrelevant ist, dass  zudem,  wie  bereits  in  der  Zwischenverfügung  vom  5.  Dezember  2011  ausgeführt,  der  besagte  Gefängnisaufenthalt  als  solcher  offenbar  nicht  vordergründig  war,  da  er  bei  der  Erstbefragung  erst  auf  konkrete  Nachfrage gegen Schluss angeführt wurde (vgl. A10, S 8), dass  jener  Aufenthalt  anlässlich  der  Anhörung,  ausser,  dass  der  Beschwerdeführer diesbezüglich Dokumente einreichte, mit keinem Wort  erwähnt wurde,     dass weiter die Behauptung, der Cousin des Beschwerdeführers sei bei  einem Diebstahl erwischt worden und habe sich mit den Personalien des  Beschwerdeführers ausgegeben, worauf er entlassen worden sei und die  Polizei  in  der  Folge  den  Beschwerdeführer  angeklagt  habe,  als  bar  jeglicher Realität einzustufen ist,          dass nämlich nicht geglaubt werden kann, dass die Polizei in Belgrad die  Angaben  des Cousins  einfach  hingenommen und  dessen  Identität  nicht  überprüft  hätte,  zumal  es  sich  bei  A._______  um  einen  sehr  häufigen  Namen handelt, der sogar im Schweizer Telefonbuch achtmal vorkommt,   dass  zudem  die  serbische  Richterin  bei  der  Betrachtung  der  Befragungsprotokolle  festgestellt  haben  soll,  die  Unterschrift  des  Beschwerdeführers  stimme  nicht  mit  derjenigen  auf  dem  Protokoll  überein  (A17,  S.  7)  und  der  Mittäter  (des  Cousins)  habe  eine  für  den  Beschwerdeführer  entlastende  Aussage  gemacht  (A17,  S.  8  oben),  weshalb aufgrund des Geschilderten kein Grund für eine Verurteilung des  Beschwerdeführers bestanden hätte,  dass  die  Erklärung  in  der  Beschwerde,  der  serbischen  Polizei  gehe  es  gar  nicht  um  den  wahren  Täter,  sondern  lediglich  darum,  einen  Schuldigen  zu  haben,  um  diesen  dem  Gericht  vorführen  zu  können, 

E­6467/2011 angesichts  der  erwähnten  Umstände,  die  gegen  die  Schuld  des  Beschwerdeführers sprächen, als undifferenziert erscheint,  dass weiter  in  der  Beschwerde  im Wesentlichen  die  bereits  bekannten,  zur  Begründung  der  Asylgesuche  geltend  gemachten  Sachverhaltselemente  wiederholt  werden  und  an  der  Glaubhaftigkeit  beziehungsweise asylrechtlichen Relevanz derselben festgehalten wird, dass  jedoch  keine  neuen,  erheblichen  Argumente  vorgetragen  werden,  die  allenfalls  geeignet  wären,  zu  einer  von  derjenigen  des  BFM  abweichenden Beurteilung der Asylgesuche zu gelangen, dass  die  Beschwerdeführer  auch  bei  einer  allfälligen  Bedrohung  durch  Dritte  bei  den  serbischen  Behörden  Schutz  suchen  und  bei  höheren  Instanzen gegen den Polizeiinspektor L._______ vorgehen könnten, wie  sie dies bereits einmal gemacht haben,  dass die Vorinstanz diesbezüglich  zutreffend ausführte,  dass  in Serbien  die  zuständigen  Behörden  –  im  Rahmen  ihrer  Möglichkeiten –  systematisch  gegen  Bedrohungen  und  Übergriffe  Dritter  vorgehen  und  faktisch von einem präventiven und konkreten Schutzwillen und von einer  weitgehenden Schutzfähigkeit Serbiens auszugehen sei, dass  vollständigkeitshalber  darauf  hinzuweisen  ist,  dass  selbst  wenn  weiter  eine  lokal  begrenzte  Gefährdung  bestünde  (die  Probleme  der  Beschwerdeführer sollen hauptsächlich wegen L._______ bestehen), die  Beschwerdeführer  im  Sinne  des  Subsidiaritätsprinzips  gleichwohl  nicht  auf  den  Schutz  der  Schweiz  angewiesen  wären,  da  ihnen  ein  innerstaatlicher  Wohnsitzwechsel  zur  Verfügung  steht  und  sie  sich  in  einem anderen Teil Serbiens niederlassen könnten,   dass  es  den  Beschwerdeführern  somit  nicht  gelingt,  die  Flüchtlingseigenschaft  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen, weshalb das BFM die Asylgesuche zu Recht abgelehnt hat,  dass die Ablehnung eines Asylgesuchs in der Regel die Wegweisung aus  der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  zudem  kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.  9  S. 733,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte 

E­6467/2011 Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  UEBERSAX/RUDIN/HUGI  YAR/GEISER [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  es  den  Beschwerdeführern  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet,  und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK, SR 0.101) ersichtlich sind, die ihnen in Serbien drohen,

E­6467/2011 dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  der  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass weder die allgemeine Lage in Serbien noch individuelle Gründe auf  eine konkrete Gefährdung der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr  schliessen lassen,  dass  sie  gemäss  ihren  Aussagen  über  ein  breites  verwandtschaftliches  Beziehungsnetz  in  I._______  und  H._______  verfügen  (der  Beschwerdeführer: (…); die Beschwerdeführerin: (…)), dass  sie  somit  allenfalls  in  I._______,  von  wo  die  Beschwerdeführerin  stammt und wo ihre ganze Familie wohnt, niederlassen können, um sich  somit allfälligen weiteren Behelligungen L._______ zu entziehen und sich  dort eine Existenz aufzubauen,   dass ferner in I._______ eine bedeutende Roma­Minderheit lebt und es in  der  Gemeinde  Projekte  gibt,  um  insbesondere  Roma­Kindern  den  Zugang  zu  Bildung  und  somit  zur  aktiven  Teilnahme  an  der  Zivilgesellschaft zu ermöglichen, weshalb davon auszugehen ist, dass die  Kinder  der  Beschwerdeführer  in  ihrer  Heimat  in  die  Schule  gehen  und  eine Ausbildung  machen können,  dass  schliesslich  auch  die  gesundheitlichen  Probleme  des  Beschwerdeführers  keinen  ausreichenden  Grund  darstellen,  um  den  Vollzug der Wegweisung als unzumutbar erscheinen zu lassen,  dass  gemäss  dem ärztlichen Bericht  vom 29. November  2011  zwar  die  Diagnose auf PTBS (ICD.10 F43.0) lautet,  dass  im  Bericht  lediglich  erwähnt  wird,  der  Beschwerdeführer  brauche  zum Schlafen vier (…) Tabletten, jedoch nicht ausgeführt wird, ob er eine  weitere  medikamentöse  Behandlung  oder  eine  solche  mit  stützenden  Gesprächen benötige, weshalb davon auszugehen ist, dass dies nicht der  Fall ist,  dass  daher  der  Arztbericht  in  Bezug  auf  benötigte  Behandlung  und  die  Prognose als vage zu betrachten ist, 

E­6467/2011 dass  zudem  das  erwähnte  Arztzeugnis  gewisse  Zweifel  an  der  professionellen Sachlichkeit des behandelnden Arztes aufkommen  lässt,  zumal  sich  dieser  offenbar  als  berechtigt  erachtet,  über  den  Wegweisungsvollzug  des Beschwerdeführers  zu  befinden,  indem  er  die  Asylbehörden  als  "verantwortungslos"  erachtet,  falls  sie  den  Beschwerdeführer in seine Heimat zurückschicken sollten,   dass  somit  im  Wesentlichen  nicht  behauptet  werden  kann,  der  Beschwerdeführer  wäre  durch  Wegfall  einer  unerlässlichen  medizinischen  Behandlung  im  Falle  einer  Rückkehr  in  konkreter Weise  einer  Gefährdung  ausgesetzt,  zumal  in  Serbien  psychische  Störungen  behandelt werden können,  dass  der  Beschwerdeführer  in  Übrigen  die  Möglichkeit  hat,  individuelle  medizinische  Rückkehrhilfe  zu  beantragen  (vgl.  Art.  75  des  Asylverordnung vom 11. August 1999 über Finanzierungsfragen (AsylV 2,  SR 142.312), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  Anbetracht  der  Aktenlage  nicht  unzumutbar ist, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführer  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es ihnen obliegt, bei der Beschaffung  gültiger  Reisepapiere mitzuwirken  (der  Beschwerdeführer  ist  im Besitze  einer   Licna  Karta  und  eines  gültigen  Reisepasses,  die  Beschwerdeführerin besitzt eine Licna Karta) (Art. 8 Abs. 4 AsylG), dass  es  den  Beschwerdeführern  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist,  dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.–  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) den Beschwerdeführern aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG), dass  die  Kosten  durch  den  in  derselben  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss gedeckt und mit diesem zu verrechnen sind.

E­6467/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  den  Beschwerdeführern  auferlegt.  Sie  sind  durch  den  geleisteten Kostenvorschuss  gedeckt  und  werden mit diesem verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführer, das BFM und die zuständige  kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Blanka Fankhauser Versand:

E-6467/2011 — Bundesverwaltungsgericht 17.01.2012 E-6467/2011 — Swissrulings