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Bundesverwaltungsgericht 01.12.2011 E-5225/2009

1 décembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,895 mots·~14 min·2

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 14. Juli 2009 / N

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­5225/2009 Urteil   v om   1 .   D e z embe r   2011   Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richter Martin Zoller, Richter François Badoud,    Gerichtsschreiberin Laura Wayllany. Parteien A._______, geboren (…), Türkei, vertreten durch Ismet Bardakci, Fürsprecher, (…),  Beschwerdeführer,   gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz,  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 14. Juli 2009 / N (…).

E­5225/2009 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer,  ein  alevitischer  Kurde  mit  letztem  Wohnsitz  in  B._______  (Provinz  C._______),  verliess  die  Türkei  gemäss  eigenen  Angaben  am  (…)  und  gelangte  am  8.  Juni  2009  in  die Schweiz, wo  er  gleichentags im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ um  Asyl nachsuchte. A.a.  Im  Rahmen  der  Erstbefragung  vom  12.  Juni  2009  brachte  der  Beschwerdeführer zu seinen Gesuchsgründen vor, seit sein (…) im Jahre  (…)  wegen  Unterstützung  der  PKK  (Partiya  Karkerên  Kurdistan)  festgenommen worden  sei,  seien er  und  seine Familienangehörigen als  Terroristen  verschrien worden. Während des Gymnasiums habe  ihn die  Polizei  aufgrund  des  Verdachtes,  die  Schüler  politisch  zu  organisieren,  zum ersten Mal festgenommen. Im Jahre (…) habe er Militärdienst in den  kurdischen Regionen  E._______  und  F._______  geleistet.  In  der  Folge  habe  er  begonnen,  sich  für  die  demokratischen  Rechte  der  Kurden  einzusetzen.  Im  Jahre  (…)  sei  er  örtlicher  Funktionär  der  DEAHP  (Demokratik  Halk  Partisi)  von  B._______  gewesen,  und  am  (…)  desselben  Jahres  sei  er  zusammen  mit  seinem  (…)  festgenommen  worden.  Dieser  sei  zwei  Tage  später  erneut  verhaftet  und  gefoltert  worden, worauf er geflüchtet sei. Nach dem Verbot der DEHAP habe er  das Parteilokal der DTP (Demokratik Toplum Partisi) besucht, weswegen  ihm seine Arbeitsstelle gekündigt worden sei. Bei den Wahlen vom  (…)  sei er als Urnenwächter für die DTP tätig gewesen und von den Behörden  massiv unter Druck gesetzt worden. Am (…) sei er nach dem Verlassen  einer Protestkundgebung im Parteilokal der DTP in C._______ von einem  zivilen  Fahrzeug  angehalten  und  aufgefordert  worden,  auf  den  Posten  mitzukommen.  Die Männer  hätten  ihn  gewaltsam  ins  Fahrzeug  gezerrt,  ihm  Handschellen  angelegt  und  die  Augen  verbunden.  Anschliessend  habe  er  eine  Treppe  hinuntersteigen  müssen.  Er  sei  beschimpft  und  schwer  geschlagen  und  nach  eineinhalb  Stunden  einzig  deshalb  freigelassen worden, weil  er auf die Aufforderung zur Spitzeltätigkeit  für  die Polizei eingegangen sei. Am (…) seien zivile Beamte gemeinsam mit  dem  (...)  zur  Wohnung  der  Familie  gekommen  und  hätten  diese  durchsucht.  Beim  Verlassen  hätten  sie  ihm  nahegelegt,  "in  Zukunft  vorsichtig zu sein". A.b.  In  der  Bundesanhörung  vom  24.  Juni  2009  wiederholte  der  Beschwerdeführer  die  von  ihm  bereits  gemachten  Vorbringen  zu  den 

E­5225/2009 Gesuchsgründen.  Zu  seiner  Festnahme  nach  der  Protestkundgebung  vom (…) führte er aus, er sei von einem Polizeistreifenwagen angehalten  und  mitgenommen  worden.  Nebst  den  bereits  anlässlich  der  summarischen  Befragung  geltend  gemachten  Schlägen  und  Beschimpfungen und der Frage nach dem Aufenthaltsort seines (…) sei  ihm  zudem  vorgeworfen  worden,  mit  anderen  Parteifunktionären  eine  neue Partei gründen zu wollen. Er habe aufgrund der Schläge einmal das  Bewusstsein  verloren,  und  als  die  Männer  zurückgekommen  seien,  hätten sie ihm die Zusammenarbeit angeboten, welche er aus Angst habe  annehmen  müssen.  Er  sei  ins  Fahrzeug  gesetzt  und  auf  der  Strasse  zurückgelassen worden. Nach  der Hausdurchsuchung  vom  (…)  sei  ihm  klar geworden, dass die Polizei ihn nie in Ruhe lassen werde, weshalb er  zu einem früheren Schulkollegen nach G._______ geflüchtet sei.  A.c.  Der  Beschwerdeführer  reichte  auf  erstinstanzlicher  Ebene  seine  türkische Identitätskarte (Nüfus), eine Wahlbeobachterkarte der DTP und  ein  Bestätigungsschreiben  des  (...)  in  türkischer  Sprache  samt  Zustellcouvert aus seinem Heimatland zu den Akten. B.  Mit Verfügung vom 14. Juli 2009 – eröffnet am 16. Juli 2009 – stellte das  BFM  fest,  der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung  aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. Auf  die entsprechende Begründung wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.  C.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  17.  August  2009  erhob  der  Beschwerdeführer  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde.  In  materieller  Hinsicht  beantragte er – unter Kosten­ und Entschädigungsfolge – die Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  die  Gewährung  von  Asyl  sowie  eventualiter unter Anordnung der vorläufigen Aufnahme die Feststellung  der  Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges.  In  prozessualer  Hinsicht  beantragte  er  die Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  den  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.

E­5225/2009 In  der  Beilage  fanden  sich  als  neue  Beweismittel  ein  Schreiben  des  Bundesamtes  für  Flüchtlinge  (BFF,  heute: BFM)  vom  (…)  (Gutheissung  des  Asylgesuches  von  H._______,  dem  […]  des  Beschwerdeführers),  den  Flüchtlingsstatus  von  I._______  ([…]  des  Beschwerdeführers)  betreffende Dokumente und verschiedene, die politische Situation  in der  Türkei  schildernde und aus dem  Internet  bezogene Berichte  sowie eine  Fürsorgebestätigung des Zentrums für Asylsuchende J._______ vom 30.  Juli 2009. D.  Mit Zwischenverfügung vom 25. August 2009 teilte der Instruktionsrichter  dem  Beschwerdeführer  mit,  er  dürfe  den  Ausgang  des  Rechtsmittelverfahrens  in  der Schweiz  abwarten,  hiess  das Gesuch  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gut und verzichtete auf die  Erhebung eines Kostenvorschusses.  E.  Das  BFM  hielt  in  seiner  Vernehmlassung  vom  9.  September  2009  vollumfänglich an seiner Verfügung vom 14. Juli 2009 fest und beantragte  die Abweisung der Beschwerde. F.  Mit Replik  vom 30. September 2009 hielt  der Beschwerdeführer an den  gestellten Rechtsbegehren  fest. Gleichzeitig  reichte  er  einen Newsletter  der  Friedrich  Ebert  Stiftung  vom Mai  2009  (Nr.  15)  zur  Situation  in  der  Türkei,  einen  aus  dem  Internet  heruntergeladenen  Bericht  der  WELT  Online mit dem Titel  "Folter  in  türkischen Polizeiwachen nimmt zu" vom       27.  Juni  2008  und  ein  Schreiben  der  DTP  Bezirk  K._______  vom  (…),  inklusive  deutscher  Übersetzung  und  türkischem  Zustellcouvert,  zu  den  Akten. G.  Mit  Verfügung  vom  8.  Juli  2011  ordnete  das  Bundesverwaltungsgericht  einen neuerlichen Schriftenwechsel an. H.  Das  BFM  hielt  in  seiner  Stellungnahme  vom  21.  Juli  2011  an  seiner  Verfügung vollumfänglich fest und ersuchte um Bestätigung derselben. I.  Mit  Duplik  vom  6.  September  2011  hielt  der  Beschwerdeführer  an  den  gestellten  Rechtsbegehren  fest  und  reichte  eine  Übersetzung  des 

E­5225/2009 Bestätigungsschreiben des  (...)  (vorgenommen durch die  J._______)  zu  den Akten.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 

E­5225/2009 3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1.  Zur  Begründung  des  angefochtenen  Entscheides  führte  die  Vorinstanz  aus,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  zu  seinen  Problemen  mit  den  Behörden  im  Jahre  (…)  seien  widersprüchlich  und  nicht  hinreichend  begründet  und  sie  hielten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand. Sodann seien die vom  Beschwerdeführer geltend gemachten Probleme mit den Behörde vor (…)  nicht  asylbeachtlich,  da  diese  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  zwei  Jahre  zurückliegen  würden  und  es  folglich  sowohl  am  zeitlichen  als  auch  am  sachlichen  Kausalzusammenhang  fehle.  Demzufolge  erfülle  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  so  dass  das  Asylgesuch abzulehnen sei. Zur Unglaubhaftigkeit der Ereignisse im Jahre (…) führte das BFM in der  angefochtenen  Verfügung  sowie  in  seinen  zwei  Stellungsnahmen  aus,  der Beschwerdeführer habe im Rahmen der Erstbefragung ausgesagt, er  sei am (…) von einem zivilen Fahrzeug angehalten worden, um dann bei  der  Anhörung  zu  Protokoll  anzugeben,  es  sei  ein  Polizeistreifenwagen  gewesen.  Kurz  darauf  habe  der  Beschwerdeführer  von  einem  weissen  Fahrzeug  mit  getönten  hinteren  Fenstern  geredet,  um  schliesslich  auf 

E­5225/2009 Nachfragen hin  vorzubringen,  es  sei  kein Polizeistreifenwagen,  sondern  ein  ziviles  Fahrzeug  gewesen.  Der  Begriff  "polis  arabasi"  bezeichne  gemäss  Angaben  einer  zugezogenen  Dolmetscherin  einen  Polizeistreifenwagen mit entsprechender Lackierung und Martinshorn und  nicht  ein  ziviles  Fahrzeug.  Die  Behauptung  in  der  Beschwerde,  die  türkischen  Sprache  würde  den  Begriff  "Polizeistreifenwagen"  nicht  kennen, gehe deshalb fehl. Weiter  würden  sich  die  Angaben  des  (...)  bezüglich  des  Ablaufs  der  Hausdurchsuchung vom (…) nicht mit denjenigen des Beschwerdeführers  decken.  Dieser  habe  nämlich  zu  Protokoll  gegeben,  bei  der  Hausdurchsuchung  anwesend  gewesen  zu  sein.  Hätte  aber,  wie  im  Bestätigungsschreiben  angegeben,  tatsächlich  eine  Anzeige  gegen  den  Beschwerdeführer  vorgelegen,  wäre  er  von  der  Polizei  bei  dieser  Gelegenheit festgenommen worden. Auch die erneut in Auftrag gegebene  Übersetzung  im  Rahmen  des  zweiten  Schriftenwechsels  würde  diese  Einschätzung stützen. Des weiteren gebe der Beschwerdeführer zu Protokoll, er wisse nicht und  habe  sich  nirgends  danach  erkundigt,  ob  nach  besagter  Hausdurchsuchung  nach  ihm  gefahndet  worden  sei.  Der  Beschwerdeführer  hätte  aber  vier  Wochen  vor  und  mehrere  Wochen  nach seiner Ausreise Zeit gehabt, um sich diesbezüglich zu  informieren.  Ein  solches  Desinteresse  an  einer  möglichen  Verfolgung  beziehungsweise Gefährdung sei nicht nachvollziehbar. Ferner  habe  der  Beschwerdeführer  unglaubhafte  Angaben  bezüglich  seines Aufenthaltes  (vom […] bis zu seiner Ausreise am […]) bei einem  früheren  Schulkameraden  in  G._______   gemacht.  Im  Rahmen  der  Erstbefragung und anlässlich der Anhörung habe er nämlich angegeben,  nicht zu wissen, wo in G._______ er besagte dreieinhalb Wochen gelebt  habe.  Auch  die  Frage,  in  welchem  Stadtteil  sich  die  Wohnung  des  Kollegen befunden habe, habe der Beschwerdeführer nicht beantworten  können,  jedoch  nach  erneutem  Nachfragen  M._______  zu  Protokoll  gegeben.  Die  Vorinstanz  verweist  im  weiteren  auf  die  sich  seit  dem  Jahre  2001  verbesserte  Menschenrechtslage  in  der  Türkei.  Dies  gelte  seit  der  Einführung  von  zusätzlichen  Strafverfahrensgarantien  im  Juni  2005,  insbesondere  auch  im  Bereich  der  Rechtssicherheit.  Dennoch  sei  es  möglich,  dass  Angehörige  von  verfolgten  Personen  auch  heute  noch 

E­5225/2009 Reflexverfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein könnten. Solche würden  jedoch  in  der  Regel  in  ihrer  Intensität  kein  asylbeachtliches  Ausmass  annehmen.  Es  bestehe  vorliegend  kein  Grund  zu  Annahme,  der  Beschwerdeführer  könnte  wegen  seines  familiären  Umfeldes  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  Reflexverfolgungsmassnahmen ernsthaften Ausmasses erleiden.  Der Bericht  aus  der  Zeitung  "Atilim",  der Newsletter  der  Friedrich Ebert  Stiftung  und  ebenso  das  Schreiben  der  DTP  hätten  keine  Beweiskraft,  denn  diese  seien  nicht  geeignet,  eine  persönliche  Verfolgung  des  Beschwerdeführers  zu  belegen.  Letzteres  habe  zudem  reinen  Gefälligkeitscharakter, und es sei bekannt, dass solche Schreiben gegen  entsprechende Bezahlung zu erstehen seien. Für die weitere Begründung wird auf die angefochtene Verfügung und die  Stellungsnahmen verwiesen. 4.2.  In  der  Rechtsmitteleingabe  und  im  Rahmen  der  Schriftenwechsel  machte der Beschwerdeführer – soweit nicht der Sachverhalt wiederholt  oder  die  Chronologie  der  Ereignisse  dargelegt  wird  –  zunächst  zur  Glaubhaftigkeit  der  Asylvorbringen  geltend,  die  unterschiedlichen  Angaben bezüglich des Fahrzeuges bei der Festnahme vom (…) würden  nicht zwingend einen Widerspruch begründen. Er sei nämlich anlässlich  des  Vorfalls  davon  ausgegangen,  dass  es  sich  bei  den  Männern  im  Fahrzeug  um Polizisten  gehandelt  habe, weshalb  er möglicherweise  zu  Beginn  der  Anhörung  allgemein  von  "polis  arabasi"  (Polizeiwagen)  gesprochen habe, und an dieser Einschätzung halte er auch heute  fest.  Dies  sei  als  "Polizeistreifenwagen"  übersetzt  worden,  obwohl  die  türkische  Sprache  keinen  eigenen  Begriff  für  "Polizeistreifenwagen"  kenne. Seine Beschreibung "ein weisses Fahrzeug mit getönten hinteren  Scheiben"  mache  aber  deutlich,  dass  er  stets  ein  ziviles  Fahrzeug  gemeint  habe.  Ein  ziviles Auto,  von welchem man  aber wisse,  dass  es  der  Polizei  gehöre,  werde  in  der  türkischen  Sprache  als  "polis  arabasi"  bezeichnet. Des  weiteren  gebe  das  zu  den  Akten  gereichte  Bestätigungsschreiben  des (...) nur das Gespräch wieder, welches  im Vorfeld zwischen diesem  und  der  Polizei  stattgefunden  habe,  und  es  äussere  sich  weder  zur  Anwesenheit  des  Beschwerdeführers  während  der  Hausdurchsuchung  vom  (…)  noch  zu  deren  Ablauf.  Im  besagten  Schreiben  werde  einzig  angegeben, dass sich die Polizisten zu diesem Zeitpunkt beim (...) nach 

E­5225/2009 der  Wohnung  des  Beschwerdeführers  erkundigt  hätten,  weil  gegen  diesen  angeblich  eine  Anzeige  vorgelegen  habe  und  er  von  der  Polizeidirektion  bezüglich  seiner  Verbindung  zur  DTP  hätte  angehört  werden  sollen.  Der  Polizei  sei  es  einzig  darum  gegangen,  der  bei  der  Festnahme ergangenen Aufforderung zur Zusammenarbeit Nachdruck zu  verleihen  und  nicht  –  wie  von  der  Vorinstanz  fälschlicherweise  angenommen – darum, den Beschwerdeführer tatsächlich festzunehmen.  Die vom BFM geltend gemachte Übersetzung, welche überhaupt keinen  Sinn ergebe, sei somit falsch. Dadurch,  dass  sich  das  Bundesamt  mit  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  welche  die  Flüchtlingseigenschaft  begründen  würden, nicht auseinandersetze, liege eine Gehörsverletzung vor. Dieser  habe  glaubhaft  dargelegt,  dass  er  aufgrund  seiner  Aktivitäten  für  die  kurdischen  Parteien  mit  asylrechtlich  relevanten  staatlichen  Verfolgungsmassnahmen  habe  rechnen  müssen.  Er  sei  in  einer  exponierten Stellung  für die DEHAP und die DTP  tätig gewesen und es  sei allgemein bekannt, dass Mitglieder beziehungsweise Funktionäre der  prokurdischen Parteien  in der Türkei asylrechtlich  relevanten staatlichen  Verfolgungsmassnahmen  ausgesetzt  seien.  Es  sei  auch  darauf  hinzuweisen,  dass  er  im Rahmen  der  Erstbefragung  und  der  Anhörung  angegeben habe, die Polizei habe bei der geltend gemachten Festnahme  nach  dem Aufenthaltsort  seines  (…)  gefragt.  Der  Beschwerdeführer  sei  gemeinsam mit seinem (…) für die prokurdischen Parteien aktiv gewesen  und  verhaftet  worden.  Sein  (…)  sei  daraufhin  geflüchtet  und  in  O._______  als  Flüchtling  anerkannt  worden.  Die  türkischen  Behörden  würden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass der  Beschwerdeführer  mit  seinem  (…)  in  Kontakt  stehe,  weshalb  er  einer  Reflexverfolgung ausgesetzt sei. Für die weitere Begründung wird auf die Akten verwiesen. 5.  5.1. Im Folgenden ist zunächst auf die in der Beschwerde erhobene Rüge  einzugehen,  wonach  das  BFM  den  Grundsatz  des  rechtlichen  Gehörs  verletzt  habe,  indem  es  sich  in  seinem  Entscheid  nicht  mit  den  Flüchtlingseigenschaft begründenden Vorbringen des Beschwerdeführers  auseinandergesetzt habe. Diese formelle Rüge ist vorab zu prüfen, da sie  im  Bejahungsfall  einer  materiellen  Behandlung  der  vorliegenden  Beschwerde im Wege stehen würde. 

E­5225/2009 5.2.  Der  Grundsatz  des  rechtlichen  Gehörs  (Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 [BV, SR 101], Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die  verfügende  Behörde  die  Vorbringen  des  Betroffenen  tatsächlich  hört,  sorgfältig und ernsthaft prüft und  in der Entscheidfindung berücksichtigt,  was sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss  (vgl. Art. 35  Abs.  1  VwVG  sowie  die  weiterhin  zutreffende  Praxis  der  vormaligen  ARK  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr.  38  E. 6.3).  Die  Begründung  soll  es  dem  Betroffenen  ermöglichen,  den  Entscheid  gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was nur möglich ist, wenn sich  sowohl  der  Betroffene  als  auch  die  Rechtsmittelinstanz  über  die  Tragweite des Entscheides ein Bild machen können  (BGE 129  I 232 E.  3.2).  Dabei  muss  sich  die  verfügende  Behörde  nicht  ausdrücklich  mit  jeder  tatbeständlichen  Behauptung  und  jedem  rechtlichen  Einwand  auseinandersetzen,  sondern  sie  darf  sich  auf  die  wesentlichen  Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 I 97 E. 2b). 5.3.  Das  Bundesverwaltungsgericht  kommt  zum  Schluss,  dass  die  vorinstanzliche Begründung zwar nicht besonders ausführlich, insgesamt  aber in rechtsgenüglich Weise ausgefallen sind, und eine Verletzung der  Begründungspflicht darin nicht zu erblicken ist. So hat das BFM in seiner  Verfügung  die Gründe  aufgeführt,  welche  das  Bundesamt  zum Schluss  der fehlenden Glaubhaftigkeit der Vorbringen bezüglich der Ereignisse im  Jahre  (…)  kommen  liessen  (vgl.  angefochtene  Verfügung  S. 3  f.),  und  bezüglich  der  geltend  gemachten  Probleme mit  den  Behörden  vor  (…)  festgestellt,  dass  sowohl  der  zeitliche  als  auch  der  sachliche  Kausalzusammenhang zur Ausreise fehle. Zudem hat sich die Vorinstanz  auch  mit  den  eingereichten  Beweismitteln  und  in  den  beiden  Vernehmlassungen  sowohl  zur  geltend  gemachten Reflexverfolgung  als  auch  zur  angeblichen  Tätigkeit  für  die  prokurdischen  Parteien  auseinandergesetzt. Dem Beschwerdeführer war es darüber hinaus auch  möglich,  ausführlich  zu  den  vorinstanzlichen  Erwägungen  Stellung  zu  nehmen  und  diese  gezielt  anzufechten,  mithin  seine  Partei­  und  Verfahrensrechte wahrzunehmen. Die in der Beschwerde erhobene Rüge  der  Gehörsverletzung  geht  somit  fehl  und  ist  ohne  weiteren  Begründungsaufwand abzuweisen. 6.  Im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen  ist weiter zu prüfen, ob die  Vorinstanz zu Recht in Bezug auf die Vorbringen bis zum (…) gestützt auf 

E­5225/2009 Art. 3 AsylG  die  flüchtlingsrechtliche Relevanz  verneint  und  den  geltend  gemachten  Ereignissen  im  Jahre  (…)  gestützt  auf  Art. 7  AsylG  die  Glaubhaftigkeit abgesprochen hat. 6.1.  6.1.1. Wie  in Erwägung 3.1.  bereits  ausgeführt,  setzt  der Flüchtlingsbe­  griff  unter  anderem  voraus,  dass  eine  Person  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt  zu  werden  (Art.  3  Abs.  1  AsylG).  Als  solche  gelten  namentlich  die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art.  3  Abs.  2  AsylG).  Diese  Umschreibung  macht  klar,  dass  eine  gewisse  Intensität der Eingriffe für die Anerkennung als Flüchtling vorauszusetzen  ist.  Während  Massnahmen,  wie  sie  in  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  umschrieben  werden  (Folter,  unmenschliche und erniedrigende Handlung), die erforderliche  Intensität  ohne  weiteres  zuzusprechen  ist,  ist  bei  geringeren  Eingriffen  (etwa  Freiheitsentzug,  Schläge  und  sexuelle  Belästigungen)  in  die  genannten  Rechtsgüter die physische oder psychische Beeinträchtigung  in Relation  zu  ihrer  Dauer  und  Häufigkeit  sowie  zu  den  gesamten  Umständen  zu  setzen.  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken,  müssen  sich  demgegenüber  nicht  gegen  eines  der  drei  namentlich aufgeführten Rechtsgüter Leib, Leben und Freiheit richten. Da  es aber auch bei diesem Tatbestand um einschneidende Eingriffe gehen  muss,  sind  gemäss  der  von  der  ARK  festgelegten  und  vom  Bundesverwaltungsgericht  weitergeführten  Praxis  grundsätzlich  hohe  Anforderungen  an  derartige  Verfolgungsmassnahmen  zu  stellen:  Sie  müssen  derart  ernsthaft  und  intensiv  sein,  dass  damit  dem Betroffenen  ein menschenwürdiges Leben verunmöglicht wird (vgl. EMARK 1996 Nr.  28). 6.1.2.  Zunächst  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  mit  dem  allgemeinen Hinweis  auf  seine Mitgliedschaft  beziehungsweise Tätigkeit  für  die  DEHAP  und  die  DTP  bis  zu  den  Wahlen  vom  (…)  keine  persönliche  Verfolgung  geltend  macht.  Auch  dem  nachträglich  eingereichten  Schreiben  der  DTP  kann  nichts  zu  Gunsten  des  Beschwerdeführers abgeleitet werden. Dieses bestätigt einzig, dass er für  die  DTP  aktiv  gewesen  sei,  enthält  jedoch  keinen  Hinweis  auf  das  Vorliegen einer persönlichen Verfolgung des Beschwerdeführers. Weiter 

E­5225/2009 ist  festzustellen,  dass  der  von  der  Polizei  auf  den  Beschwerdeführer  ausgeübte Druck aufgrund seiner politischen Tätigkeit und die in diesem  Zusammenhang  erfolgten  Festnahmen  keine  asylrechtlich  relevanten  Eingriffe darzustellen vermögen. So gab der Beschwerdeführer explizit zu  Protokoll,  er  sei  bei  beiden  Festnahmen  jeweils  am  selben  Tag  freigelassen worden  (vgl. Akten BFM A 9/12 S. 5). Des weiteren gab er  einzig  an,  während  der  ersten  Festnahme  habe  die  Polizei  ihm  vorgeworfen, die Schüler politisch zu organisieren (vgl. A 1/12 S. 5), und  während der zweiten sei "Druck ausgeübt worden" (vgl. A 9/12 S. 4). Auf  Frage des Hilfswerkvertreters, wie dieser Druck denn ausgesehen habe,  führte er aus, er sei anlässlich der Wahl gewarnt und bedroht worden, er  solle  sich  nicht  für  die  Partei  einsetzen  (vgl.  A 9/12  S. 9).  Vom  (…)  bis  zum (…) habe er keine Probleme mit den Behörden gehabt (vgl. A 9/12  S. 5). 6.1.3. Das Bundesverwaltungsgericht  kommt nach Durchsicht der Akten  zum  Schluss,  dass  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Übergriffe durch die Polizei zwar zu verurteilen sind, aber die vorstehend  definierte  Intensität,  welche  Voraussetzung  für  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  bildet,  nicht  erreichen.  Es  kann  diesbezügliche  ohne  weitere  Erwägungen  geschlossen  werden,  dass  die  geltend  gemachten Behelligungen  nicht  über  das  hinausgehen, was weite  Teile  der kurdischen Bevölkerung zu ertragen haben. 6.2. Im Folgenden bleibt schliesslich zu prüfen, ob die geltend gemachten  Ereignisse  im  Jahre  (…)  (Festnahme  und  Hausdurchsuchung)  gesamthaft als glaubhaft gemacht zu erachten sind, denn wie vorstehend  dargelegt  (s.  vorstehend  E.  3.2.),  muss,  wer  um  Asyl  nachsucht,  die  Flüchtlingseigenschaft zumindest glaubhaft machen (Art. 7 Abs. 1 AsylG). 6.2.1. Grundsätzlich  sind Vorbringen dann glaubhaft  gemacht, wenn sie  genügend substanziiert,  in  sich  schlüssig und plausibel  sind. Sie dürfen  sich  nicht  in  vagen Schilderungen  erschöpfen,  in wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein,  der  inneren  Logik  nicht  entbehren  oder  den  Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung nicht widersprechen. Bei der  Beurteilung  der Glaubhaftmachung  geht  es  um  eine Gesamtbeurteilung  aller  Elemente  (Übereinstimmung  bezüglich  des  wesentlichen  Sachverhaltes,  Substanziiertheit  und  Plausibilität  der  Angaben,  persönliche  Glaubwürdigkeit  etc.),  die  für  oder  gegen  die  Beschwerdeführenden  sprechen.  Glaubhaft  ist  eine  Sachverhaltsdarstellung  nur,  wenn  die  positiven  Elemente  überwiegen. 

E­5225/2009 Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt  der  Vorbringen  zwar  möglich  ist,  aber  in  Würdigung  der  gesamten  Aspekte  wesentliche  oder  überwiegende  Umstände  gegen  die  vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. 6.2.2.  In  Übereinstimmung mit  der  Vorinstanz  ist  festzuhalten,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  bezüglich  der  Ereignisse  im  Jahre  (…) in ihrer Gesamtheit nicht zu überzeugen vermögen. Sie erscheinen in  erheblichen  Teilen  nicht  hinreichend  begründet,  entbehren  in  wesentlichen Punkten der inneren Logik, widersprechen der allgemeinen  Erfahrung und fallen durch Unstimmigkeiten auf. Der  Beschwerdeführer  macht  zwischen  dem  (…)  und  dem  (…)  (Festnahme)  keine  Behelligungen  seitens  der  Behörden  geltend  (vgl.  A  9/12 S.5). Er bringt vor, im Jahre (…) als örtlicher Funktionär der DEHAP  tätig  gewesen,  nach  deren  Verbot  das  Parteilokal  der  DTP  besucht  zu  haben und  im Jahre  (…) als deren Urnenwächter  eingesetzt worden zu  sein (vgl. A 1/12 S. 6). Von diesem Zeitpunkt an bis zur Teilnahme an der  Protestkundgebung  vom  (…)  machte  der  Beschwerdeführer  keine  politischen Tätigkeiten geltend, und er gab überdies an, nicht Mitglied der  DTP gewesen zu sein, beziehungsweise dies nicht genau zu wissen (vgl.  A 1/12 S.6). Gemäss eigenen Angaben hatte der Beschwerdeführer somit  bei  der DEHAP eine  vergleichsweise  exponiertere Stellung  inne  als  bei  der  DTP,  war  im  Zeitpunkt  der  angeblichen  Festnahme  nicht  mehr  Mitglied einer politischen Partei und blieb seit  fast  zwei  Jahren von den  Behörden  unbehelligt.  Bei  dieser  Sachlage  ist  nicht  nachzuvollziehen,  weshalb  er  ausgerechnet  im  besagten  Zeitpunkt  (erneut)  in  den  Fokus  der  polizeilichen  Untersuchungen  geraten  und  überdies  von  der  Polizei  zur  Spitzeltätigkeit  gezwungen  worden  sein  soll.  Es  ist  sehr  unwahrscheinlich,  dass  er  der  Polizei  wertvolle  Informationen  bezüglich  der DTP hätte liefern können. Ein solches Vorgehen der Polizei erscheint  nicht plausibel. Auf die Frage nach dem Grund des plötzlichen Interesses  der Behörden,  ihn als Spitzel  einzusetzen, gab er denn auch einzig an,  "er  habe das Parteilokal  der DTP besucht  und die Region gut  gekannt"  (vgl.  A  1/12  S.  7),  was  nicht  nur  als  ausweichende,  sondern  auch  als  gänzlich inhaltslose Antwort zu werten ist.  Es ist dem Beschwerdeführer nicht gelungen, glaubhaft zu machen, er sei  er  von  den  Behörden  anlässlich  der  Festnahme  vom  (…)  zur  Spitzeltätigkeit aufgefordert worden. Mit dieser Feststellung wird der vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Festnahme  einerseits  das 

E­5225/2009 angebliche Motiv und anderseits auch die Begründung der kurzen Dauer  der Inhaftierung (eineinhalb Stunden) entzogen. Zweifel  an  der  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Festnahme  vom  (…)  erweckt  auch  der Umstand,  dass  sich  die Behörden  vom  (…)  (Festnahme des Beschwerdeführers und seines […]) bis zur angeblichen  Festnahme  im  Jahre  (…)  nicht  beim  Beschwerdeführer  nach  dem  Aufenthaltsort seines (…) erkundigten, um diesen dann (…) Jahre später  vom  Beschwerdeführer  in  Erfahrung  bringen  zu  wollen.  Ein  solches  Vorgehen der Polizei ist in keiner Weise nachvollziehbar. Zudem gibt der  Beschwerdeführer  in  diesem  Zusammenhang  an,  er  sei  von  den  Polizisten beschimpft worden, sein (…) sei ein Terrorist (vgl. A 9/12 S. 4).  Gemäss vom Gericht zugezogenen Akten (N […]) steht jedoch fest, dass  besagter  (…),  welcher  im  Jahre  (…)  in  der  Schweiz  als  Flüchtling  anerkannt  worden  ist,  mit  Schreiben  vom  (…)  erklärte,  auf  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  verzichten,  dies mit  der  Begründung,  er  dürfe  aufgrund eines neuen Gesetzes wieder  in seinen Heimatstaat einreisen,  weshalb er seinen sichergestellten türkischen Pass benötige.  Im  Übrigen  widerspricht  sich  der  Beschwerdeführer,  wie  von  der  Vorinstanz zu Recht festgestellt, auch bezüglich des Fahrzeuges welches  ihn  am  (…)  angeblich  angehalten  hat  (vgl.  vorstehend E.  4.1.). Der  auf  Beschwerdeebene geltend gemachte Einwand, der Begrif "polis arabasi"  bezeichne  auch  ein  ziviles,  von  der  Polizei  benutztes  Fahrzeug,  und  in  der  türkischen  Sprache  würde  der  Begriff  "Polizeistreifenwagen"  nicht  existieren, geht fehl. Gemäss Angaben eines zugezogenen Dolmetschers  kennt die  türkische Sprache sehr wohl den Unterschied zwischen einem  Polizeistreifenwagen beziehungsweise einem Auto der Polizei und einem  von der Polizei genutzten, aber nicht gekennzeichneten zivilen Fahrzeug.  (Ersteres  wird  als  "polis  arabasi"  oder  alternativ  als  "polis  araci"  und  letzteres als "sivil polis araci" bezeichnet.)  Ganz  allgemein  lässt  sich  feststellen,  dass  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  zum  Ablauf  der  Festnahme  vom  (…)  während  des  freien  Berichts  durch  eine  auffallend  strukturierte  Darstellungsweise  gekennzeichnet sind, was diese konstruiert erscheinen lässt.  Bezüglich  der  weiteren  Widersprüche  und  Unstimmigkeiten  ist  zur  Vermeidung von Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen in der  angefochtenen Verfügung hinzuweisen.

E­5225/2009 6.2.3.  Zusammenfassend  kommt  das  Gericht  zum  Schluss,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Festnahme  vom  (…)  nicht  glaubhaft  darzulegen  vermag.  Da  der  Beschwerdeführer  zur  Erklärung  seiner  vom  Bestätigungsschreiben  des  (...)  abweichenden  Angaben  vorbrachte,  die  Hausdurchsuchung  sei  eine  Folge  der  Festnahme  vom  (…)  gewesen,  und  sie  habe  einzig  dem Zweck  gedient,  ihn  einzuschüchtern,  damit  er  die  Spitzeltätigkeit  auch  tatsächlich  aufnehme  (vgl.  Akten  BVGer  act.  1  S.6), erübrigt sich vorliegend eine Glaubhaftigkeitsprüfung der auffallend  knappen  und  realitätsfremden  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  zur  Hausdurchsuchung vom (…). 6.3.  In  der  Beschwerde  wird  schliesslich  vorgebracht,  der  Beschwerdeführer sei bei seiner Festnahme vom (…) von den türkischen  Behörden nach dem Aufenthaltsort seines (…) gefragt worden. Dieser sei  in  O._______  als  Flüchtling  anerkannt  worden,  weshalb  er  einer  Reflexverfolgung  ausgesetzt  sei.  Zudem  machte  er  im  Rahmen  der  Erstbefragung und der Anhörung geltend, er sei bei besagter Festnahme  beschimpft  worden,  sein  (…)  sei  ein  Terrorist,  und  aufgrund  dessen  Festnahme  im Jahre  (…) habe er  schon  früh Behelligungen seitens der  Sicherheitskräfte hinnehmen müssen. Das  Bundesverwaltungsgericht  geht  –  in  Anlehnung  an  die  Praxis  der  vormaligen  ARK  –  davon  aus,  dass  es  in  der  Türkei  staatliche  Repressalien  gegen  Familienangehörige  von  politischen  Aktivisten  gibt,  die  als  so  genannte  Reflexverfolgung  flüchtlingsrechtlich  erheblich  im  Sinne von Art. 3 AsylG sein können. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer  Reflexverfolgung zu werden, war nach der Praxis der ARK vor allem dann  gegeben,  wenn  nach  einem  flüchtigen  Familienmitglied  gefahndet  wird  und  die  Behörde  Anlass  zur  Vermutung  hat,  dass  jemand  mit  der  gesuchten  Person  in  engem  Kontakt  steht.  Diese  Wahrscheinlichkeit  erhöht  sich, wenn ein nicht  unbedeutendes politisches Engagement  der  reflexverfolgten Person für illegale politische Organisationen hinzu kommt  beziehungsweise  ihr  seitens  der Behörden  unterstellt wird  (vgl.  EMARK  2005 Nr.  21 E.  10.1.  S.  195, mit  weiteren Hinweisen).  In  diesem ARK­ Urteil  wurde  weiter  ausgeführt,  dass  sich  die  Verfolgungspraxis  der  türkischen Behörden  im Zuge des Reformprozesses zur Annäherung an  die Europäische Union zwar  insofern geändert habe, als Fälle,  in denen  Familienangehörige  kurdischer  Aktivisten  gefoltert  oder  misshandelt  worden  seien,  abgenommen  hätten;  sie  müssten  aber  unverändert  mit 

E­5225/2009 Hausdurchsuchungen  und  kürzeren  Festnahmen  rechnen,  die  oft  mit  Beschimpfungen  und  Schikanen  verbunden  seien.  Ein  Regelverhalten  der  türkischen  Behörden  lasse  sich  jedoch  nicht  ausmachen,  vielmehr  hingen die Wahrscheinlichkeit einer Reflexverfolgung und deren Intensität  stark von den konkreten Umständen des Einzelfalles ab. Feststellen lasse  sich  immerhin,  dass  zur  Zeit  besonders  diejenigen  Personen  von  einer  Reflexverfolgung  bedroht  seien,  die  sich  offen  für  politisch  aktive  Verwandte einsetzen würden (EMARK 2005 Nr. 21 E. 10.2.3. S. 199 f.).  Diese  Einschätzung  wird  auch  durch  verschiedene  Berichte  zur  Menschenrechtslage  in der Türkei gestützt  (vgl. etwa HELMUT OBERDIEK,  Schweizerische  Flüchtlingshilfe  [SFH],  Türkei,  Zur  aktuellen  Situation  ­  Oktober  2007;  U.S.  Department  of  State,  Country  Reports  on  Human  Rights Practices 2006: Turkey, March 2007, Section 1  [a,  c­ e], Human  Rights Watch, World Report 2008, Turkey). Vorweg  ist bezüglich einer allfälligen Reflexverfolgung aufgrund des (…)  des  Beschwerdeführers  auf  die  vorstehenden  Ausführungen  in  Erwägung 6.2.2.  hinzuweisen  und  festzustellen,  dass  besagter  (…)  offenbar  keine Verfolgung mehr zu befürchten hat und somit auch nicht  Ursache für eine Reflexverfolgung sein kann.  Der  Beschwerdeführer  macht  vom  (…)  (Festnahme  des  Beschwerdeführers  und  des  […])  bis  zum  (…)  keine  Behelligungen  seitens  der  Sicherheitskräften  im  Zusammenhang  mit  seinem  als  anerkannter Flüchtling in O._______ lebenden (…) geltend. Er gibt einzig  an,  im  Rahmen  der  angeblichen  Festnahme  vom  (…)  nach  dessen  Aufenthaltsort  gefragt  worden  zu  sein.  Ob  nach  dem  (…)  tatsächlich  gefahndet  wurde,  kann  vorliegend  offenbleiben,  denn  dieses  Verhalten  der  türkischen Behörde zeigt, dass kein Anlass zur Vermutung bestand,  der  Beschwerdeführer  stehe  in  engem  Kontakt  mit  dem  (…).  Ein  angeblich  enger  Kontakt  wird  vom Beschwerdeführer  –  abgesehen  von  einem  allgemeinen  Hinweis  auf  Beschwerdeebene  "die  türkischen  Behörden  würden  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  davon  ausgehen, dass der Beschwerdeführer mit seinem (…) in Kontakt stehe"  – denn auch nicht geltend macht.  Angesichts  dieser  Sachlage  und  insbesondere  auch  aufgrund  der  als  nicht  asylrelevant  beziehungsweise  nicht  glaubhaft  qualifizierten  Vorbringen  zur  Begründung  des  Asylgesuchs  kann  eine  diesbezügliche  Reflexverfolgung des Beschwerdeführers durch die  türkischen Behörden  ausgeschlossen werden.

E­5225/2009 7.  Das Bundesverwaltungsgericht kommt unter Berücksichtigung der Akten,  Vorbringen  und  Beweismittel  zum  Schluss,  dass  das  BFM  das  Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgewiesen hat. 8.  8.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 8.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733).

E­5225/2009 9.  9.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 9.2. Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art.  25  Abs.  3  BV,  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10. De­ zember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu  Art.  3  EMRK  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Die  Vorinstanz  wies  in  der  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt,  welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nach­ zuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  die  Türkei  ist  demnach  unter  diesem  Aspekt  rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung in die Türkei dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer  nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK  verbotenen Strafe  oder Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofs  für 

E­5225/2009 Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR,  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28.  Februar  2008,  Beschwerde  Nr.  37201/06,  §§ 124­127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  der  Türkei  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  vorliegend  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  mithin  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 9.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002.  BBl  2002  3818). Angesichts der heutigen Lage in der Türkei kann nicht von einer Situation  allgemeiner  Gewalt  oder  von  kriegerischen  oder  bürgerkriegsähnlichen  Verhältnissen gesprochen werden, welche für den Beschwerdeführer bei  einer Rückkehr eine konkrete Gefährdung darstellen würde. Es sind auch  keine persönlichen Gründe ersichtlich, die gegen die Rückkehr des noch  recht  jungen  und  gemäss  Aktenlage  gesunden  Beschwerdeführers  sprechen  würden.  Dieser  verfügt  zudem  in  seiner  Heimat  über  ein  familiäres Beziehungsnetz, über eine gute Schulbildung, eine Berufslehre  als  (…)  und  über  mehrere  Jahre  Berufspraxis.  Nach  dem  Gesagten  erweist sich der Vollzug der Wegweisung aus als zumutbar.  9.4. Schliesslich obliegt  es dem Beschwerdeführer,  sich nötigenfalls  bei  der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr not­ wendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb  der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83  Abs. 2 AuG).

E­5225/2009 10.  Insgesamt  ist der durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  diesen  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  erachtet.  Nach  dem  Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG). 11.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer­ de ist demnach abzuweisen. 12.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  an  sich  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG).  Nachdem  aber  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege mit Zwischenverfügung vom 25. August 2009 gutgeheissen  worden  ist,  ist  praxisgemäss  auf  die Auferlegung  von Verfahrenskosten  zu verzichten (Art. 65 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­5225/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und P._______. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Laura Wayllany Versand:

E-5225/2009 — Bundesverwaltungsgericht 01.12.2011 E-5225/2009 — Swissrulings