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Bundesverwaltungsgericht 02.02.2012 E-490/2012

2 février 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·946 mots·~5 min·1

Résumé

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 30. November 2011 / N

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­490/2012 Urteil   v om   2 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichter Kurt Gysi, mit Zustimmung von Richter Gérard Scherrer;   Gerichtsschreiber Christoph Berger. Parteien A._______, geboren am (…), und ihre Tochter B._______, geboren am (…), Kolumbien,  c/o Schweizerische Botschaft in Bogotà, Beschwerdeführerinnen,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 30. November 2011 / N (…).

E­490/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführerinnen mit an die Schweizerische Botschaft  in  Kolumbien  gerichtetem  Schreiben  (am  4. Mai 2010  bei  der  Botschaft  eingegangen)  unter  Beilage  verschiedener  Beweismittel  um Bewilligung  der Einreise in die Schweiz und um Gewährung von Asyl ersuchten, dass  das  BFM  den  Beschwerdeführerinnen  mit  Schreiben  vom  9.  September 2010 das rechtliche Gehör bezüglich eines Verzichts auf eine  Anhörung  in  der  Schweizerischen  Botschaft  und  bezüglich  der  Absicht  des  BFM,  das  Asylgesuch  abzulehnen,  einräumte,  wozu  sie  mit  Schreiben vom 20. Oktober 2010 Stellung nahmen, dass ihnen mit Schreiben des BFM vom 10. August 2011 Zusatzfragen zu  ihrem  Asylgesuch  gestellt  wurden,  die  sie  mit  Schreiben  vom  22.  September 2011 beantworteten, dass  am  15.  November  2011  durch  die  Schweizerische  Botschaft  eine  Anhörung zum Asylgesuch durchgeführt wurde, dass  die  Beschwerdeführerinnen  im  Verlaufe  des  vorinstanzlichen  Verfahrens zahlreiche weitere Beweismittel zu den Akten reichten, dass  zur  Begründung  des  Asylgesuches  im  Wesentlichen  geltend  gemacht  wurde,  die  Beschwerdeführerin  sei  im  Rahmen  einer  Zusammenarbeit mit  der Untersuchungsbehörde  der  Fiscalía  (CTI)  vom  14.  Januar  2005  mit  der  Guerillagruppierung  FARC  (Fuerzas  Armadas  Revolucionarias de Colombia) in Kontakt gekommen und von dieser zum  militärischen Ziel erklärt worden, dass sie und Familienmitglieder von ihr fortan über Jahre von der FARC  und  paramilitärischen  Gruppierungen  auf  verschiedene Weise  ernsthaft  bedroht worden seien, dass  sie  aus  Sicherheitsgründen mehrmals  innerhalb  Kolumbiens  ihren  Wohnsitz hätten wechseln müssen, dass  der  Lebenspartner  der  Beschwerdeführerin  im  Juni  2008  zum  Verschwinden gebracht  und  im Jahre 2008 auch ein Onkel  umgebracht  worden sei, dass  am  8.  April  2011  ein  Cousin  der  Beschwerdeführerin  ermordet  worden sei,

E­490/2012 dass im Mai 2011 die Beschwerdeführerin mit ihrem Grossvater in Bogotà  mit  einem  Taxi  unterwegs  gewesen  sei,  das  von  einem  anderen  Auto  gerammt worden  sei  und  ihr Grossvater  am  26. Mai  2011  im Spital  an  den Folgen der erlittenen Verletzungen gestorben sei, dass  die  Beschwerdeführerin  auch  im  Rahmen  einer  Kandidatur  (…)  Drohungen erhalten und deshalb die Kandidatur  im  (…)  zurückgezogen  habe, dass  die  Beschwerdeführerin  all  die  Ereignisse  den  zuständigen  staatlichen Institutionen gemeldet habe, dass bezüglich der Begründung des Asylgesuches  im Einzelnen auf die  Sachverhaltsfeststellung  in  der  angefochtenen  Verfügung  und  auf  die  Akten zu verweisen ist, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  30.  November  2011  den  Beschwerdeführerinnen  die  Einreise  in  die  Schweiz  nicht  bewilligte  und  ihr Asylgesuch ablehnte, dass  es  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  Drohungen  oder  Verfolgung durch Guerillagruppierungen seit  dem Jahre 2007 seien von  der Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht worden und sie habe seit  dem Jahre 2007 – wenn auch an  verschiedenen Adressen –  in Bogotà  gewohnt, weshalb  davon  ausgegangen werden  könne,  dass  von Seiten  der Guerilla keine akute Gefahr im Sinne des Asylgesetzes mehr drohe, dass  gemäss  dem  Subsidiaritätsprinzip  Personen  mit  einer  innerstaatlichen  Fluchtalternative  nicht  auf  den  Schutz  eines  Drittstaats  angewiesen seien, dass  im Weiteren  die  geltend  gemachten Drohungen  und Verfolgungen  durch paramilitärische Gruppierungen nicht hinreichend bewiesen, belegt  oder glaubhaft gemacht werden könnten, dass  es  sich  bei  den  Beschwerdeführerinnen  nicht  um  landesweit  bekannte Persönlichkeiten handle, weshalb sie von den Verfolgern nicht  an  jedem  beliebigen  Ort  in  Kolumbien  ausfindig  gemacht  werden  könnten, dass sie demnach keiner unmittelbaren Gefahr ausgesetzt seien und des  Schutzes der Schweiz nicht bedürften,

E­490/2012 dass  schliesslich  die  Beschwerdeführerinnen  keine  besonders  nahen  Beziehungen zur Schweiz geltend machen würden, dass es ihnen unter diesen Umständen zuzumuten sei, in einem anderen  Land als der Schweiz um Schutz nachzusuchen, beispielsweise in einem  der  Nachbarstaaten  Kolumbiens,  welche  sowohl  das  Abkommen  vom  28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge  (FK, SR 0.142.30)  als auch das entsprechende Zusatzprotokoll  vom 31. Juli  1967  ratifiziert  hätten, dass  demnach  das  Asylgesuch  auch  gestützt  auf  Art.  52  Abs.  2  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  abgelehnt  werden  könnte, dass  bezüglich  der  Erwägungen  des  BFM  im  Einzelnen  auf  die  angefochtene Verfügung verwiesen wird, dass  die  angefochtene  Verfügung  des  BFM  vom  30.  November  2011  durch  die  Schweizerische  Botschaft  in  Bogotà  am  13.  Dezember  2011  den Beschwerdeführerinnen per Post zur Eröffnung zugestellt wurde, dass  sich  die  Beschwerdeführerinnen  mit  einer  Eingabe  vom  15.  Dezember  2011  mit  zusätzlichen  Informationen  an  die  Schweizerische  Botschaft  in Bogotà wandten  und  sich  diese Eingabe mit  der Eröffnung  der angefochtenen Verfügung des BFM postalisch gekreuzt haben dürfte, dass  die  Beschwerdeführerinnen  bei  der  Schweizerischen  Botschaft  in  Bogotá eine Beschwerde vom 12. Januar 2012 in spanischer Sprache mit  deutscher Übersetzung und verschiedenen Beilagen einreichten, die mit  Schreiben  der  Botschaft  vom  17.  Januar  2012  an  das  Bundesverwaltungsgericht übermittelt wurde, dass  die  Rechtsmitteleingabe  am  27.  Januar  2012  beim  Bundesverwaltungsgericht eintraf, dass  die  Beschwerdeführerinnen  sinngemäss  beantragen,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben,  ihnen  sei  die  Einreise  in  die  Schweiz zu bewilligen und Schutz zu gewähren, dass  für  den  Inhalt  der  Beschwerde  auf  die  Akten  zu  verweisen  und –  soweit entscheidwesentlich – nachfolgend darauf einzugehen ist,

E­490/2012 und zieht in Erwägung, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  in  der  Regel  –  so  auch  vorliegend  –  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des Bundesgesetzes  vom 20. Dezember 1968 über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  die  Beschwerdeführerinnen  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  sind  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art. 108 Abs. 1 AsylG  und Art.  105 AsylG  i.V.m. Art.  37  VGG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  insbesondere  auch  vor  dem  Hintergrund  der  im  vorliegenden  Zusammenhang  konstanten  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gemäss Art. 19 Abs. 1 AsylG ein Asylgesuch  im Ausland bei einer  schweizerischen Vertretung gestellt werden kann,  dass  das  BFM  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen  kann,  wenn  die  asylsuchenden  Personen  keine  Verfolgung  glaubhaft  machen 

E­490/2012 können oder  ihnen die Aufnahme  in einem Drittstaat  zugemutet werden  kann (Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG), dass das BFM Asylsuchenden gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG die Einreise  zur  Abklärung  des  Sachverhalts  bewilligt,  wenn  ihnen  nicht  zugemutet  werden kann,  im Wohnsitz­ oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder  in ein  anderes Land auszureisen, dass  das  Eidgenössische  Justiz­  und  Polizeidepartement  (EJPD)  schweizerische  Vertretungen  gestützt  auf  Art.  20  Abs.  3  AsylG  ermächtigen  kann,  Asylsuchenden,  die  glaubhaft  machen,  dass  eine  unmittelbare Gefahr  für Leib und Leben oder  für die Freiheit  aus einem  Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG besteht, die Einreise zu bewilligen, dass  zwar  die  Feststellung  des  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung,  wonach der kolumbianische Staat grundsätzlich über eine funktionierende  und  effiziente  Schutzinfrastruktur,  insbesondere  über  einen  funktionierenden Polizeiapparat sowie über ein Rechts­ und Justizsystem  verfüge,  nicht  vorbehaltlos  geteilt  werden  kann  (vgl.  statt  vieler:  Bericht  des Human Rights  Council  vom  12. September 2011:  "  […]  Those who  take up  leadership  roles  in  the search  for  justice are  frequently  targeted  by the guerrillas, neo­paramilitaries and state actors. Unfortunately, those  responsible for these violations are rarely brought to  justice perpetuating  a culture of impunity. […]"), dass auch rein aufgrund der Vorbringen der Beschwerdeführerinnen nicht  leichthin  davon  ausgegangen werden  kann,  diese  könnten  sich  in  einer  anderen  Region  innerhalb  Kolumbiens  möglichen  Übergriffen  (der  Paramilitärs und der FARC) entziehen, dass es sich vorliegend  jedoch erübrigt,  im Einzelnen zu prüfen, ob die  Einschätzung  des  BFM,  wonach  von  Seiten  der  Guerilla  (FARC)  keine  Gefahr  im  Sinne  des  Asylgesetzes  mehr  drohe  und  die  geltend  gemachten  Drohungen  und  Verfolgungen  durch  paramilitärische  Gruppierungen nicht hinreichend hätten bewiesen, belegt oder glaubhaft  gemacht  werden  können,  einer  vertieften  Auseinandersetzung  mit  den  Vorbringen der Beschwerdeführerinnen standzuhalten vermöchte, dass  vielmehr  in  entscheidwesentlicher  Hinsicht  mit  hinreichender  Überzeugung  des  Gerichts  festgestellt  werden  kann,  dass  die  Beschwerdeführerinnen  keiner  akuten,  unmittelbaren  Gefahr  in  Kolumbien  ausgesetzt  sind  und  zudem aufgrund  der  Akten  kein Anlass 

E­490/2012 zur  Annahme  besteht,  es  handle  sich  bei  ihnen  um  bekannte  Persönlichkeiten,  welche  aufgrund  einer  exponierten  Stellung  gegebenenfalls auch über die Landesgrenzen hinaus mit Nachstellungen  zu rechnen hätten, dass  sie  zudem  –  wie  vom  BFM  zu  Recht  erkannt  –  keine  besonders  nahen Beziehungen zur Schweiz haben,  dass  es  bei  dieser  Sachlage  nach  konstanter  Rechtsprechung  den  Beschwerdeführerinnen  zuzumuten  ist,  in  einem  anderen,  Kolumbien  geografisch, kulturell und sprachlich näher liegenden südamerikanischen  Land um Schutz nachzusuchen (vgl. dazu Art. 52 Abs. 2 AsylG),  dass  in  diesem  Zusammenhang  vollumfänglich  auf  die  zutreffenden  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  und  auf  die  gefestigte  Rechtsprechung  zu  verweisen  ist  (vgl.  statt  vieler:  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts vom 7. Juni 2010 in Sachen D­3832/2010 E.  6.1 bis 6.3 und vom 14. Oktober 2011 in Sachen D­5542/2011 E. 6.1 bis  6.3), dass auch die Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe und die Eingabe  der  Beschwerdeführerinnen  vom  15.  Dezember  2011  an  die  Schweizerische  Botschaft  in  Bogotà  an  dieser  Feststellung  offenkundig  nichts zu ändern vermögen, dass  der  Einwand  der  Beschwerdeführerinnen  in  der  Rechtsmitteleingabe,  sie  hätten  Angst,  sich  in  ein  anderes  Land  Südamerikas  zu  begeben,  da  sie  an  der  Grenze  von  subversiven  Gruppen  kontrollierte  Checkpoints  zu  passieren  hätten,  in  dieser  Form  nicht zu überzeugen vermag, dass  das  BFM  den  Beschwerdeführerinnen  unter  den  genannten  Umständen  zu Recht  die Einreise  in  die Schweiz  nicht  bewilligt  und  ihr  Asylgesuch abgelehnt hat, dass  es  den  Beschwerdeführerinnen  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt  oder  unangemessen  ist  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  den  Beschwerdeführerinnen aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. 

E­490/2012 Art.  1­3  des  Reglements  vom  21.Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]), aus verwaltungsökonomischen Gründen  indessen von einer  Kostenauflage abzusehen ist (vgl. Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 6  Bst. b VGKE). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, an die schweizerische  Vertretung in Bogotà und an das BFM. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Kurt Gysi Christoph Berger Versand:

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