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Bundesverwaltungsgericht 21.09.2011 E-4846/2011

21 septembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,652 mots·~8 min·2

Résumé

Wegweisung und Wegweisungsvollzug (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid) | Wegweisung und Wegweisungsvollzug (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid / Nichteintretensentscheid im Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 3. August 2011 / N 546 354

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­4846/2011 Urteil   v om   2 1 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, mit Zustimmung von Richter Pietro Angeli­Busi, Gerichtsschreiberin Tu­Binh Truong. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, vertreten durch Frau Edith Hofmann, Freiplatzaktion Zürich,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz,  Gegenstand Wegweisung und Wegweisungsvollzug (Beschwerde gegen  Wiedererwägungsentscheid / Nichteintretensentscheid im  Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 3. August 2011 /  N (…).

E­4846/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  –  ein  alevitischer  Kurde  aus  B._______ –  eigenen  Angaben  zufolge  seinen  Heimatstaat  am  11.  September  2010  verlassen  habe  und  in  einem  Lastwagen  versteckt  am  15.  September  2010  in  die  Schweiz  eingereist  sei,  wo  er  –  gemeinsam  mit  seiner  Ehefrau  und  den  beiden  Töchtern  –  am  16.  September  2010  um  Asyl  nachsuchte, dass  er  anlässlich  der  Kurzbefragung  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  C._______  vom  7.  Oktober  2010  zur  Begründung des Asylgesuchs im Wesentlichen geltend machte, er sei in  den  letzten drei bis vier Jahren aufgrund seiner Ethnie und Religion von  unbekannten Personen bedroht, und beim Versuch diese Drohungen der  Polizei zu melden, von Polizisten geschlagen worden; ferner befürchte er  insbesondere  politische  Verfolgung,  da  die  Polizei  von  D._______  aufgrund  von  ihm  verfasster  und  im  Internet  publizierter  Artikel  für  die  Zeitung  (…) eine Untersuchung gegen  ihn eingeleitet habe, wovon man  ihn per Email am 15. Juli 2010 unterrichtet habe (vgl. A5/10 S. 6), dass  seine  Ehefrau  und  die  beiden  Töchter  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  und  der  Ehefrau  zufolge  die  Türkei  am  4. August  2010 verlassen und mit einem gültigen Visum – Mitte Mai 2010 von der  dänischen Behörde  in Ankara erteilt  – am 5. August 2010  in Dänemark  eingereist  seien,  wo  sie  fünf  Tage  verbracht  hätten,  um  dann  am  10.  August  2010  per  Flugzeug  in  die  Schweiz  einzureisen  (vgl.  A6/11  S.  3  und A5/10 S. 7), dass  dem  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragung  vom  7.  Oktober  2010 das rechtliche Gehör im Hinblick auf einen Nichteintretensentscheid  und den allfälligen Wegweisungsvollzug nach Dänemark gewährt wurde,  da sich der Grossteil seiner Familie, vor der Einreichung der Asylgesuche  in  der  Schweiz  in  Dänemark  aufgehalten  habe,  weshalb  mutmasslich  Dänemark für die Durchführung ihres Asyl­ und Wegweisungsverfahrens  zuständig sei, dass  er  und  seine  Familie  am  12.  Oktober  2010  für  die  Dauer  des  Asylverfahrens dem Kanton E._______ zugewiesen wurden, dass  das  BFM  am  24.  November  2010  gestützt  auf  Art.  14  der  Verordnung  EG  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des 

E­4846/2011 Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrages  zuständig ist (Dublin­II­VO) i.V.m. Art. 8 der Konvention vom 4. November  1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR  0.101)  ein  Ersuchen  um  Rückübernahme  des  Beschwerdeführers  –  da  Dänemark  aufgrund  von  Art.  9  Abs.  2  oder  Abs.  4  Dublin­II­VO  für  die  Behandlung  des  Asylgesuches  seiner  Familie  zuständig  sei  –  an  Dänemark richtete, dass  Dänemark  mit  Schreiben  vom  12.  Januar  2010  seiner  Rückübernahme  gestützt  auf  Art.  14  Bst.  a  Dublin­II­VO  (bzw.  mit  gleichdatiertem, separatem Schreiben der Rückübernahme seiner Familie  gestützt auf Art. 9 Abs. 4 Dublin­II­VO) ausdrücklich zustimmte, dass das BFM sodann gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  die  Asylgesuche  des  Beschwerdeführers und seiner Familie mit Verfügungen vom 21. Februar  2011 nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug  nach  Dänemark  anordnete,  da  Dänemark  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens zuständig sei, dass die gegen diese Entscheide erhobenen Beschwerden vom 28. März  2011  vom  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  vom  14.  April  2011  abgewiesen  wurden  (E­1868/2011,  E­1944/2011)  und  die  Verfügungen  vom 21. Februar 2011 somit in Rechtskraft erwuchsen, dass  der  Beschwerdeführer  am  11.  Mai  2011  ein  Gesuch  um  Wiedererwägung des Nichteintretentsentscheids und um Aussetzung des  Wegweisungsvollzuges  aufgrund  gesundheitlicher  Probleme  des  Beschwerdeführers  –  Suizidalität  und  depressive  Verstimmung  –  bzw.  wegen einer  ihm bei der Rückkehr  in die Türkei drohenden  langjährigen  Gefängnisstrafe einreichte, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  22.  Juni  2011  das  Wiedererwägungsgesuch  mit  der  Begründung  ablehnte,  Dänemark  sei  nach der Dublin­II­VO für die Prüfung seines Asylantrages zuständig und  die dänischen Behörden hätten mit Schreiben vom 12. Januar 2011 der  Wiederaufnahme gestützt auf Art. 9 Abs. 4 bzw. Art. 14 Bst. a Dublin­II­ VO  zugestimmt,  so  dass  es  dem Beschwerdeführer  und  seiner  Familie  freistehen  würde,  nach  der  Ankunft  in  Dänemark  bei  den  dänischen  Behörden  ein  Asylgesuch  einzureichen  und  damit  Zugang  zu  den 

E­4846/2011 dänischen  Asylstrukturen  zu  erhalten,  wobei  keine  Hinweise  vorliegen  würden,  dass  Dänemark  seinen  völkerrechtlichen  Verpflichtungen  zur  korrekten  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  nicht  nachkommen würde, dass  mit  der  geltend  gemachten  Suizidalität  vorliegend  keine  Hinweise  auf  eine  Verletzung  von  Art.  84  As.  4  des  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (Ausländergesetz, AuG; SR 142.20) oder von Art. 3 EMRK im Falle einer  Wegweisung des Beschwerdeführers nach Dänemark festzustellen seien,  da  Dänemark  die  benötigten  medizinischen  Versorgungsleistungen  gemäss  der  "Richtlinie  2003/9/EG  des Rates  vom  27.  Januar  2003  zur  Festlegung von Mindestnormen  für die Aufnahme von Asylbewerbern  in  den  Mitgliedstaaten"  (Aufnahmerichtlinie)  erbringen  müsse,  und  es  würden  keine  Hinweise  bestehen,  dass  Dänemark  die  notwendige  medizinische Betreuung nicht zur Verfügung stellen würde, dass  somit  keine Gründe  vorliegen würden,  welche  die Rechtskraft  der  Verfügung  vom  21.  Februar  2011  beseitigen  könnten,  weshalb  das  Wiedererwägungsgesuch  abzuweisen  sei,  zumal  das  Bundesverwaltungsgericht  in  seinem  Entscheid  vom  14.  April  2011  die  gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers bereits beurteilt habe,  dass  der  Beschwerdeführer  sodann  durch  seine  Rechtsvertreterin  mit  undatierter  Eingabe  (Eingang  BFM:  29.  Juni  2011;  vorab  beim  Migrationsdienst  des  Kantons  E._______  am  27.  Juni  2011  persönlich  eingereicht  und von diesem am 28.  Juni  2011 per Telefax an das BFM  weitergeleitet)  beim  BFM  ein  "neues  Asylgesuch"  einreichte  und  beantragte,  dass  die  Schweiz  sein  Asylgesuch  behandle,  da  seine  Familie  gedenke  in  die  Türkei  zurückzukehren  und  dass  er  zu  seinen  Asylgründen  zu  befragen  sowie  ihm  die  Erlaubnis  zu  erteilen  sei,  weiterhin im Kanton E._______ zu verbleiben, dass  dieser  Eingabe  ein  ärztlicher  Bericht  vom  21.  Juni  2011  den  Beschwerdeführer betreffend beilag,  dass er zur Begründung  im Wesentlichen ausführte, Dänemark habe der  Rückübernahme  des  Beschwerdeführers  gestützt  auf  Art.  14  Bst.  a  Dublin­II­VO nur zugestimmt, weil es sich gleichzeitig gestützt auf Art. 9  Abs. 4  Dublin­II­VO  zuständig  erklärt  habe,  die  Asylgesuche  für  den  grössten Teil der Familienmitglieder (Ehefrau und Kinder) zu behandeln, 

E­4846/2011 letzerer Sachverhalt mit der beabsichtigten Rückkehr seiner Familie in die  Türkei indessen nicht mehr gegeben sei, dass  er  unter  Hinweis  auf  die  bereits  anlässlich  der  Befragung  vom  7.  Oktober  2010  vorgebrachte  Furcht  vor  politischer  Verfolgung  aufgrund  seiner  journalistischen  Tätigkeit  anführte,  es  sei  zwischenzeitlich  in  der  Türkei  ein Gerichtsverfahren  gegen  ihn  eröffnet  worden,  wobei  gemäss  dem  beigelegten  (auf  Deutsch  übersetzten)  Schreiben  seines  Anwaltes  F._______ vom 9. Mai 2011 eine hohe Wahrscheinlichkeit bestehe, dass  er  in  Abwesenheit  zu  einer  Gefängnisstrafe  von  bis  zu  fünf  Jahren  verurteilt  werde,  weshalb  er  ernsthafte  Asylgründe  habe,  zu  denen  er  nochmals angehört werden sollte,  dass  das  BFM  die  Eingabe  vom  28.  Juli  2011  mit  Verfügung  vom  3.  August  2011  –  eröffnet  am  9.  August  2011 –  als  Wiedererwägungsgesuch  qualifizierte,  da  der  Beschwerdeführer  sinngemäss die Anpassung einer ursprünglich  fehlerfreien Verfügung  im  Wegweisungspunkt  an  eine  nachträglich  eingetretene  Veränderung  der  Sachlage geltend machen würde,  dass  es  ferner  das Wiedererwägungsgesuch  abwies,  die  zu  erhebende  Gebühr  mit  dem  bereits  geleisteten  Vorschuss  verrechnete,  die  Verfügung  vom  21. Februar  2011  als  rechtskräftig  und  vollstreckbar  erklärte  sowie  verfügte,  einer  allfälligen  Beschwerde  komme  keine  aufschiebende Wirkung zu, dass  es  zur  Begründung  des  Festhaltens  am Wegweisungsvollzug  des  Beschwerdeführers  nach  Dänemark  ausführte,  die  beabsichtigte  Rückkehr seiner Ehefrau und Töchter  in die Türkei würde "nichts an der  Zuständigkeit  Dänemarks  für  die  Durchführung  seines  Asyl­  und  Wegweisungsvollzuges ändern, und die Tatsache, dass die Wegweisung  seiner  Familienmitglieder  nicht  gemeinsam  vollzogen  werden  könne,  habe  gemäss  Dublin­II­VO  kein  Erlöschen  der  Aufnahmepflicht  Dänemarks zur Folge",  dass  die  Vorinstanz  ferner  in  Bezug  auf  die  geltend  gemachten  Asylgründe anführte, sie sei bereits in ihrer Verfügung vom 22. Juni 2011  auf diese eingegangen, und in der Eingabe vom 28. Juni 2011 habe der  Beschwerdeführer keine "neuen Tatsachen" vorgebracht,  dass  sie  bezüglich  des  Gesundheitszustandes  des  Beschwerdeführers  schliesslich  ausführte,  die  gesundheitlichen  Probleme  seien  bereits  in 

E­4846/2011 ihrer Verfügung vom 22. Juni 2011 – bzw. mit dortigem Hinweis auf die  bereits  erfolgte  Würdigung  des  Gesundheitszustandes  im  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  14.  April  2011  [E­1868/2011]) –  gewürdigt worden,  dass der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin gegen diesen  Entscheid  mit  Eingabe  vom  3.  September  2011  (Poststempel)  Beschwerde erhob und dabei sinngemäss beantragte, die Verfügung des  BFM  vom  3.  August  2011  sei  aufzuheben  und  an  das  BFM  zur  Neubeurteilung  des  Wegweisungsvollzuges  nach  Dänemark  zurückzuweisen,  eventualiter  sei  auf  sein  "neues  Asylgesuch"  einzutreten, er sei zu seinen Asylgründen anzuhören und ihm sei Asyl zu  gewähren,  subeventualiter  sei  ihm  wegen  Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzuges  in  die  Türkei  die  vorläufige  Aufnahme zu gewähren, dass  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  sinngemäss  beantragt  wurde,  die  aufschiebende Wirkung der Beschwerde für den Wegweisungsvollzug sei  gemäss Art. 112 AsylG wieder herzustellen und es sei auf die Erhebung  eines Kostenvorschusses zu verzichten, dass die Familie des Beschwerdeführers gemäss beigelegter Bestätigung  des Migrationsamtes des Kantons E._______ am 2. September 2011 mit  dem Flugzeug freiwillig in die Türkei zurückgereist ist, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Telefax vom 3. September 2011  den  Vollzug  der Wegweisung  gestützt  auf  Art.  56  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021) vorsorglich aussetzte, bis es nach Eingang der vorinstanzlichen  Akten  über  die  allfällige  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde befunden habe,  dass  die  vorinstanzlichen  Akten  beim  Bundesverwaltungsgericht  am  7. September 2011 eingingen, und zieht in Erwägung,  dass  gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (VGG, SR 173.32)  das Bundesverwaltungsgericht  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  Beschwerden  gegen 

E­4846/2011 Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  beurteilt,  welche  von einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde erlassen wurden, dass darunter auch Verfügungen fallen, mit denen das BFM (vgl. Art. 33  Bst.  d  VGG)  ein  Gesuch  um  Wiedererwägung  eines  rechtskräftigen  Entscheides  betreffend  den  Vollzug  einer  nach  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch angeordneten Wegweisung abgewiesen hat, dass  dagegen  erhobene  Beschwerden  vom  Bundesverwaltungsgericht  endgültig  beurteilt  werden,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]),  eine  solche  Ausnahme  aber  vorliegend  nicht  gegeben  ist,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig entscheidet, dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde –  unter  Vorbehalt  nachfolgender  Erwägungen  –  einzutreten  ist  (Art.  108  Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG),  dass vorab festgestellt wird, dass die Wahrnehmung des Akteneinsichts­  und  Beweisführungsrechts  durch  den  von  einer  Verfügung  Betroffenen  eine Aktenführungspflicht der Verwaltung voraussetzt (vgl. zur Publikation  vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 2C_327/2010 vom 19. Mai 2011  E. 3.2, mit weiteren Hinweisen), dass  vorliegend  zwar  keine  Rüge  der  unsorgfältigen  Aktenführung  vorliegt,  indessen  auffällt,  dass  diverse  Aktenstücke  nicht  im  Aktenverzeichnis  vermerkt  sind  (insbesondere  betreffend  das  erste  Wiedererwägungsverfahren des Beschwerdeführers) bzw. Akten auf dem 

E­4846/2011 Aktenverzeichnis  aufgeführt wurden  (vgl.  beispielsweise A26, A27, A29,  A31, A33 bis A36), deren entsprechende Aktenstücke nicht klar wieder zu  erkennen sind, da diverse Aktenstücke keine Aktennummer tragen,  dass  deshalb  das  BFM  daran  zu  erinnern  ist,  dass  die  Akten  grundsätzlich  von  Beginn  weg  in  chronologischer  Reihenfolge  abgelegt  und  durchgehend  paginiert  werden müssen  sowie  ein  Aktenverzeichnis  zu  erstellen  ist,  welches  eine  chronologische  Auflistung  sämtlicher  in  einem  Verfahren  gemachten  Eingaben  enthält  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts 8C_319 vom 15. Dezember 2010 E. 2.2),  dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  obwohl  der Beschwerdeführer  die Eingabe  vom 28.  Juni  2011  als  "neues  Asylgesuch"  betitelte,  er  im  Wesentlichen  vorbrachte,  neu  eingetretene  Sachumstände  –  die  freiwillige  Rückkehr  seiner  Familie –  würden  die  Zuständigkeit  Dänemarks  zur  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens aufheben, dass die Vorinstanz in ihrer rechtskräftigen Verfügung vom 21. Februar  2011  festgestellt  hat,  Dänemark  sei  zuständig,  um  über  die  Begründetheit  der  Asylgründe  des  Beschwerdeführers  und  über  den  Wegweisungsvollzug in die Türkei zu befinden, dass somit die vorgebrachten Hinweise auf die zwischenzeitlich in der  Türkei  eingeleiteten  Gerichtsverfahren  nicht  als  "neue  flüchtlingsrelevante  Tatsachen"  für  ein  "neues  Asylgesuch"  gelten  können, weil systembedingt  im Rahmen des Dublin Systems nur über  die  Zuständigkeit  eines  Mitgliedstaates  zur  Durchführung  des  Asylverfahrens entschieden wird, 

E­4846/2011 dass  deshalb  in  der  Schweiz  in  Anwendung  der  Dublin­II­VO  betreffend  den  Beschwerdeführer  kein  Asylverfahren  in  dem  Sinne  durchgeführt  wurde,  dass  über  dessen  Flüchtlingseigenschaft  überhaupt  je  explizit  oder  implizit  befunden  worden  wäre  (vgl.  zur  Bedeutung des  "erfolglosen Durchlaufens eines Asylverfahrens  in der  Schweiz"  gemäss  Art.  32  Abs.  2  lit.  e  AsylG:  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1998  Nr.  1  E.  5.  S.  5  ff.),  so  dass  es  sich  systembedingt  bei  der  Eingabe vom 28. Juni 2011 – entgegen  ihrer Bezeichnung – nicht um  ein "neues Asylgesuch" handeln kann,  dass deshalb auf die Begehren, es sei auf das "neue Asylgesuch" des  Beschwerdeführers  einzutreten,  er  sei  zu  seinen  Asylgründen  anzuhören und ihm sei Asyl zu gewähren, nicht einzutreten ist, dass  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens,  bei  dem  es  sich  um  ein  Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuches  zuständigen Staat handelt, systembedingt ebenso kein Raum bleibt für  Ersatzmassnahmen  im Sinne  von Art.  44 Abs.  2 AsylG  i.V.m. Art.  83  Abs.  1  AuG  (vgl.  das  zur  Publikation  vorgesehene  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts E­7221/2009 vom 10. Mai 2011 E. 5), dass  eine  entsprechende  Prüfung  allfälliger  Überstellungshindernisse  soweit  notwendig  vielmehr  bereits  im  Rahmen  des  Nichteintretensentscheides stattfinden muss, dass  dementsprechend  die  Anordnung  von  Ersatzmassnahmen  (die  vorläufige  Aufnahme)  respektive  die  Feststellung  von  diesen  zugrundeliegenden  Vollzugshindernissen  der  Wegweisung  in  den  Heimatstaat  auch  nicht  Gegenstand  des  vorliegenden  Beschwerdeverfahrens sein kann,  dass  deshalb  auf  die  Beschwerde  ebenfalls  nicht  einzutreten  ist,  soweit  darin  beantragt  wird,  es  sei  dem  Beschwerdeführer  allenfalls  die vorläufige Aufnahme zu gewähren, dass  die  Eingabe  vom  27.  Juni  2011  somit  von  der  Vorinstanz  richtigerweise  nur  als  Anpassung  einer  ursprünglich  fehlerfreien  Verfügung  im  Wegweisungspunkt  an  eine  nachträglich  eingetretene  Veränderung  der  Sachlage  erachtet  wurde,  und  sie  zu  Recht  das  Gesuch  allein  nach  den  Regeln  über  die Wiedererwägung  behandelt  hat (vgl. EMARK 1998 Nr. 1 E. 6 c. bb. S. 13), 

E­4846/2011 dass  Prozessgegenstand  des  vorliegenden  Beschwerdeverfahrens  folglich  die  Abweisung  des  Wiedererwägungsgesuchs  eines  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  gefällten  Nichteintretensent­scheides (Dublin­Verfahren) ist, dass nach der Sachverhaltsversteinigungsregel des Art. 5 Abs. 2 Dublin­ II­VO  bei  der  Prüfung  des  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens  zuständigen  Staates  lediglich  jener  Sachverhalt  beachtlich  ist,  der  zum  Zeitpunkt  der  Stellung  des  ersten  Asylantrages  vorgelegen  hat,  d.h.  nachträgliche  Änderungen  somit  grundsätzlich  unbeachtlich  sind,  mit  Ausnahme  jener  Änderungen,  die  die  Zuständigkeit  eines  Staates  erlöschen  lassen  und  eine  neue  Zuständigkeit  begründen,  beziehungsweise sind Änderungen nur insoweit beachtlich, als sie in der  Dublin­II­VO ausdrücklich geregelt sind (siehe zum Beispiel Art. 3 Abs. 2  [Selbsteintrittsrecht] und Art. 16 Abs. 2 [Erteilung eines Aufenthaltstitels];  vgl.  CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG,  Dublin  II­Verordnung  – Das  Europäische  Asylzuständigkeitssystem,  3.,  überarbeitete  Auflage,  Wien/Graz 2010, K4 zu Art. 5), dass  zum  Zeitpunkt  der  Stellung  des  ersten  Asylantrages  Dänemark  nachgewiesenermassen  gestützt  auf  Art.  9  Abs.  4  Dublin­II­VO  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  für  den  Grossteil  der Familie des Beschwerdeführers zuständig war, weshalb es auch mit  Schreiben vom 12. Januar 2010 gestützt auf Art. 14 Bst. a Dublin­II­VO  der Übernahme des Beschwerdeführers zugestimmt hat,  dass  die  am  2.  September  2011  erfolgte  Rückkehr  der  Familie  des  Beschwerdeführers  in  die  Türkei  –  wie  von  der  Vorinstanz  richtig  ausgeführt –  keine  Änderung  des  beachtlichen  Sachverhaltes  darstellt,  die die  rechtskräftig  festgestellte Zuständigkeit  von Dänemark erlöschen  lässt,  dass auch in der Dublin­II­VO nichts derartiges vorgesehen ist,  dass  ferner  keine  anderen  Hinweise  bestehen,  seit  dem  letzten  rechtskräftigen  Entscheid  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichtes  vom  14.  April  2011  E­1868/2011  und  E­1944/2011)  wären  Ereignisse  eingetreten, die zum Selbsteintrittsrecht der Schweiz führen müssten (vgl.  Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO),  dass sich  in diesem Zusammenhang die  in der Eingabe vom 27. Juni  2011  und  auf  Beschwerdeebene  vorgebrachten  Ausführungen  des 

E­4846/2011 Beschwerdeführers  zu  seiner  fortgeschrittenen  Integration  und  seiner  Familienbande  in  der  Schweiz  ebenso  wenig  als  behilflich  erweisen  wie  den  von  ihm  auf  kommentarlos  eingereichten  ihn  betreffenden  Arztbericht vom 21. Juni 2011,  dass nach dem Gesagten vorliegend Dänemark weiterhin – wie bereits  rechtskräftig  festgestellt  wurde  –  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens des Beschwerdeführers zuständig ist,  dass  der  Vorinstanz  ferner  beizupflichten  ist,  die  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Probleme  des  Beschwerdeführers  könnten  auch  in  Dänemark behandelt werden,  dass  das BFM demnach  zu Recht  das Wiedererwägungsgesuch  vom  27. Juni 2011 mit Verfügung vom 3. August 2011 abgelehnt hat,  dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  rechtskräftige  Vollzug der Wegweisung nach Dänemark zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  die  in  der  Rechtsmitteleingabe  gestellten  verfahrensrechtlichen  Anträge,  es  sei  der  Beschwerde  (im  Sinne  von  Art.  112  AsylG)  die  aufschiebende Wirkung  zu  erteilen  und  es  sei  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses zu verzichten, mit dem vorliegenden Endentscheid in  der Hauptsache gegenstandslos geworden sind, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 1'200.­­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite) 

E­4846/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 1'200.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Tu­Binh Truong Versand:

E-4846/2011 — Bundesverwaltungsgericht 21.09.2011 E-4846/2011 — Swissrulings