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Bundesverwaltungsgericht 03.02.2012 E-4829/2009

3 février 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,247 mots·~6 min·2

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom .

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­4829/2009 Urteil   v om   3 .   Februar   2012   Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Jean­Pierre Monnet,    Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. Parteien A._______, Eritrea,   vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan,  Advokatur Kanonengasse, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. Juni 2009 / N (…).

E­4829/2009 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer – ein aus B._______ stammender Tigre – verliess  eigenen  Angaben  zufolge  den  Heimatstaat  am  2. Januar  2008  und  gelangte  über  Sudan,  Libyen  und  Italien  am  22.  März  2008  in  die  Schweiz,  wo  er  gleichentags  ein  Asylgesuch  stellte.  Am  27. März  2008  wurde er im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (…) summarisch und am  4.  April  2008  durch  das  Bundesamt  ausführlich  zu  seiner  Person,  dem  Reiseweg und den Asylgründen befragt.  Zur  Begründung  des  Asylgesuchs  brachte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  vor,  im  (…)  2004  sei  seine  Mutter  anstelle  des  Vaters  festgenommen  worden,  nachdem  sich  dieser  in  der  Zeitung  "(…)"  regierungskritisch  geäussert  gehabt  habe.  Die  Mutter  sei  zu  jenem  Zeitpunkt  schwanger  gewesen  und  habe  während  der  Inhaftierung  ihr  Kind verloren. Im (…) 2004 sei sie freigekommen, man habe aber an ihrer  Stelle  ihn  (Beschwerdeführer)  festgenommen;  er  habe  zu  dieser  Zeit  gerade das zehnte Schuljahr absolviert. Er sei  im Gefängnis C._______  festgehalten worden. Dank der Bürgschaftsleistung eines Cousins sei er  (…)  2004  freigekommen,  habe  jedoch  nicht  mehr  weiter  die  Schule  besuchen  dürfen.  Im  (…)  2005  habe  er  in  D._______  den Militärdienst  antreten  müssen.  Im  (…)  2005  habe  er  sich  dort  anlässlich  einer  Versammlung  darüber  beklagt,  dass  er  nicht  wie  andere  Gleichaltrige  nach  drei  Monaten  aus  dem  Militärdienst  entlassen  worden  sei,  um  wieder  die  Schule  besuchen  zu  können.  Zwei  Tage  später  sei  er  deswegen  festgenommen  und  ins Gefängnis  E._______  bei  F._______  überführt  worden.  Dort  habe man  ihn  befragt  und misshandelt.  Im  (…)  2007  sei  er  entlassen  worden  und  habe  den  Militärdienst  bei  seiner  Einheit  in D._______ fortsetzen müssen. Mitte (…) 2007 sei nach einem  Zusammenbruch  in  ein  Spital  überführt  worden.  Dort  sei  ihm  nach  fünf  Tagen  die  Flucht  gelungen.  Er  sei  zunächst  nach  B._______  zurückgekehrt und dort noch etwa zwei Wochen lang geblieben, bevor er  mit Hilfe eines Schleppers die Ausreise in Angriff genommen habe. Der  Beschwerdeführer  reichte  am  23.  Juli  2008  beim  kantonalen  Migrationsdienst  seinen  Identitätsausweis  zuhanden  des  BFM  zu  den  Akten. B.  Mit Verfügung  vom 26.  Juni  2009 – eröffnet  am 29.  Juni  2009 –  lehnte  das  BFM  unter  Hinweis  auf  die  angebliche  Unglaubhaftigkeit  der 

E­4829/2009 Vorbringen  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab  und  ordnete  dessen  Wegweisung  aus  der  Schweiz  an;  gleichzeitig  verfügte  es  die  vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers wegen Unzumutbarkeit des  Vollzugs der Wegweisung.  C.  Mit Eingabe vom 29. Juli 2009  liess der Beschwerdeführer durch seinen  vormaligen Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde  erheben.  Die  Verfügung  der  Vorinstanz  sei  in  den  Dispositivpunkten  1  bis 3  aufzuheben;  es  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter  sei die Unzulässigkeit der Wegweisung  festzustellen und die Vorinstanz  sei anzuweisen, ihn als Flüchtling anzuerkennen. In prozessualer Hinsicht  wurde  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  vorab  der  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  beantragt.  Auf  die  Begründung der Rechtsbegehren wird in den nachfolgenden Erwägungen  eingegangen Mit  der  Beschwerde  liess  der  Beschwerdeführer  drei  Faxkopien  von  behördlichen Dokumenten mit summarischer Übersetzung (Randnotizen)  zu den Akten reichen.  D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  14.  August  2009  stellte  der  Instruktionsrichter  fest,  der  Beschwerdeführer  könne  den  Ausgang  des  Beschwerdeverfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  und  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  werde  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  befunden.  Gleichzeitig  übermittelte  er  die  Beschwerdeschrift  einschliesslich  der  Beweismittel  der  Vorinstanz  zur  Stellungnahme. E.  Die  Vorinstanz  hielt  in  der  Vernehmlassung  vom  29.  Juli  2009  ohne  Begründung  an  ihrer Verfügung  fest  und  beantragte  die Abweisung  der  Beschwerde.  Diese  Stellungnahme  wurde  dem  Beschwerdeführer  am  21. August 2009 zur Kenntnis gebracht. F.  Mit  Schreiben  vom  8.  Juni  2011  legte  der  Rechtsvertreter  sein Mandat  nieder und reichte seine Honorarnote zu den Akten.

E­4829/2009 G.  Am 15.  Juni  2011  zeigte  der  neu  bevollmächtigte Rechtsvertreter  seine  Mandatsübernahme  an  und  beantragte  Einsicht  in  zwei  in  seinen  Unterlagen fehlende Aktenstücke. Der  Instruktionsrichter  nahm mit  Schreiben  vom  16.  Juni  2011  von  der  Mandatsübernahme  Kenntnis  und  liess  dem  Rechtsvertreter  die  gewünschten Fotokopien zugehen.  H.  Mit  Eingabe  vom  11.  Juli  2011  liess  der  Beschwerdeführer  zwei  der  in  Kopie vorliegenden Beweisstücke – je eine Vorladung vom 26. Dezember  2007 und 5. Januar 2008 – sowie neu ein Entlassungsgesuch datierend  vom  20.  Dezember  2004  und  ein  Arztzeugnis  eines  Facharztes  für  Radiologie vom 17. Juli 2009 zu den Akten reichen.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

E­4829/2009 durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1. Die Vorinstanz beurteilte die geltend gemachte  Inhaftierung  im Jahr  2004 zufolge zeitlicher und inhaltlicher Widersprüche als nicht glaubhaft.  Hinsichtlich der Festnahme zwischen (…) 2005 und (…) 2007 führte das  BFM aus, diese angebliche zweijährige Haft und die Entlassung würden  "nicht  der  geltend  gemachten  Inhaftierung  […]  entsprechen".  Die  in  diesem  Zusammenhang  geschilderten  Inhaftierungs­  und  Entlassungsumstände  seien  nicht  nachvollziehbar.  Insgesamt  könnten  die  angeblichen  Inhaftierungen  und  die  damit  verbundene  Flucht, 

E­4829/2009 namentlich in Bezug auf die angeblich illegale Ausreise aus Eritrea, nicht  geglaubt werden.  4.2.  Auf  Beschwerdeebene  wird  vorab  festgestellt,  dass  die  Glaubhaftigkeit  des  Vorbringens  des  Beschwerdeführers,  er  sei  zum  Militärdienst eingezogen worden und habe desertiert, von der Vorinstanz  grundsätzlich  nicht  bestritten  worden  sei.  Seine  diesbezüglichen  Ausführungen  seien  denn  auch  durchaus  glaubhaft.  Zudem  könne  er  nunmehr  mit  Beweismitteln  belegen,  dass  er  seit  (…)  2007  von  der  Polizei gesucht werde. Der Beschwerdeführer sei während der Dienstzeit  geflohen,  habe  sich  so dem weiteren Militärdienst  entzogen und Eritrea  illegal  verlassen.  Gemäss  entsprechender,  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2006  Nr. 3  publizierter  Praxis  sei  daher  von  einer  begründeten  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung  auszugehen.  Der  gemäss Gerichtspraxis  relevante  Kontakt  des  Beschwerdeführers  zu  den  Militärbehörden  sei  ebenfalls  unbestritten.  Schliesslich  müsste  er  allein  aufgrund  seiner  illegalen  Ausreise  und  des  Stellens  eines  Asylgesuchs  im  Ausland  mit  asylrechtlich relevanter Verfolgung rechnen. Nur so sei übrigens wohl die  von  der  Vorinstanz  ohne  weitere  Erläuterung  verfügte  vorläufige  Aufnahme des Beschwerdeführers letztlich zu erklären.  4.3.  Mit  Bezug  auf  die  Frage  der  Glaubhaftigkeit  der  Asylvorbringen  hinterlässt  die  Argumentation  der  Vorinstanz  (soweit  sie  sprachlich  nachvollzogen  werden  kann)  nach  Durchsicht  der  Akten  einen  wenig  überzeugenden Eindruck. 4.3.1.  Die  protokollierten  Aussagen  des  Beschwerdeführers  sind  substanziiert, im Wesentlichen widerspruchsfrei und auch sonst von einer  Vielzahl so genannter Realitätskennzeichen geprägt.  4.3.2.  Die  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  weisen  zu  Recht  darauf  hin,  dass  den  protokollierten  Aussagen  zu  den  angeblichen  Misshandlungen respektive deren Folgen bei genauer Betrachtung keine  echten Widersprüche zu entnehmen sind (vgl. Eingabe vom 11. Juli 2011  S.  3);  davon,  dass  die  Angaben  inhaltlich  "deutlich  voneinander  ab[weichen]"  (vgl.  angefochtene  Verfügung  S.  2  f.),  kann  jedenfalls –  auch  angesichts  der  konstanten  Praxis  der  Beschwerdeinstanz  zur  Verwertbarkeit  von  Aussagen  anlässlich  der  Summarbefragung  (vgl.  bereits EMARK 1993 Nr. 3) – nicht die Rede sein. 

E­4829/2009 Der  einzige  beim  Vergleich  der  beiden  Protokolle  feststellbare  echte  Aussagewiderspruch  betrifft  den  Zeitpunkt  der  Haftentlassung  im  Jahr  2004:  Bei  den  beiden  Befragungen,  die  (…)  Jahre  nach  den  zu  schildernden  Umständen  stattfanden,  nannte  der  Beschwerdeführer  einmal (…) 2004 (vgl. Protokoll Summarbefragung S. 6) einmal (…) 2004  (vgl. Protokoll Anhörung zu den Asylgründen S. 7 und 11). 4.3.3.  Dass  das  vom  Beschwerdeführer  geschilderte  Vorgehen  der  eritreischen Behörden nicht willkürfrei und nur schwer nachvollziehbar sei  (vgl.  angefochtene  Verfügung  S.  3),  darf  bei  der  Beurteilung  der  Glaubhaftigkeit  kaum  dem  Beschwerdeführer  angelastet  werden:  Wie  dessen Rechtsvertreter unter Hinweis auf einen entsprechenden Bericht  von  amnesty  international  zu  Recht  festhält  (vgl.  Eingabe  vom  11.  Juli  2011 S. 2 f.), entspricht jedenfalls das geschilderte behördliche Vorgehen  bei der  Inhaftierung durchaus der von grosser Willkür gekennzeichneten  eritreischen Realität (vgl. hierzu auch EMARK 2006 Nr. 3 E. 4.3 ff.). 4.3.4.  Hinzu  kommt,  dass  der  Beschwerdeführer  auf  Rekursebene  mehrere  Vorladungen  und  die  Garantieerklärung  eines  Cousins  zu  den  Akten  gereicht  hat,  deren  Authentizität  vom  BFM  in  seiner  Vernehmlassung nicht bestritten worden ist.  4.3.5.  Schliesslich  ist  festzuhalten,  dass  die  Feststellungen  in  dem  auf  Beschwerdeebene  eingereichten  Arztbericht  (betreffend  Ellbogen  und  Nase) sich mit den vom Beschwerdeführer geschilderten Misshandlungen  ebenso  in  Einklang  bringen  lassen,  wie  die  Narben  auf  seinem  Körper  (vgl. Protokoll Anhörung zu den Asylgründen S. 3). 4.3.6. Unter den gegebenen Umständen ist schwer nachvollziehbar, dass  das  BFM  seine  Feststellung  in  der  Vernehmlassung,  die  Beschwerde  enthalte keine Tatsachen oder Beweismittel, welche geeignet wären, die  Änderung  der  angefochtenen  Verfügung  zu  bewirken,  mit  keinem Wort  begründet hat. 4.4.  Letztlich  braucht  die  Frage  der  Glaubhaftigkeit  der  Inhaftierungen  und  Misshandlungen  des  Beschwerdeführers  indessen  vorliegend  deshalb  nicht  abschliessend  beurteilt  zu  werden,  weil  er  die  Flüchtlingseigenschaft schon aus einem anderen Grund erfüllt: 4.4.1.  Der  Beschwerdeführer  hat  geltend  gemacht,  im  (…)  2005  –  in  seinem (…) Lebensjahr – in den Militärdienst eingezogen worden zu sein 

E­4829/2009 und  im  (…)  2007  desertiert  zu  haben.  Die  Glaubhaftigkeit  dieser  Vorbringen wurde vom BFM nicht bestritten.  In Eritrea gelten Männer und Frauen ab 18 Jahren als dienstpflichtig. Die  Schilderung  von  Zwangsrekrutierung  und  Desertion  sind  substanziiert  und  im  Wesentlichen  widerspruchsfrei  erfolgt.  Nach  Würdigung  aller  massgebenden  Umstände  müssen  die  zwangsweise  Einberufung  zum  Militärdienst  und  vor  allem  auch  die  Desertion  (…)  2007  als  glaubhaft  gemacht qualifiziert werden. 4.4.2.  Vor  dem  Hintergrund  der  von  der  vormaligen  ARK  begründeten  Rechtsprechung, welche vom Bundesverwaltungsgericht fortgeführt wird,  ist  festzustellen,  dass  Dienstverweigerung  und  Desertion  in  Eritrea  unverhältnismässig  streng  bestraft  werden,  mithin  die  Bestrafung  als  politisch  motiviert  einzustufen  ist  (absoluter  Malus).  Demzufolge  sind  Personen,  die  begründete  Furcht  haben,  einer  solchen  Bestrafung  ausgesetzt  zu  sein,  als  Flüchtlinge  anzuerkennen.  Die  Furcht  vor  einer  Bestrafung  wegen  Dienstverweigerung  oder  Desertion  ist  dann  begründet,  wenn  die  betroffene  Person  in  einem  konkreten  Kontakt  zu  den  Militärbehörden  stand.  Ein  solcher  Kontakt  ist  regelmässig  anzunehmen,  wenn  die  betroffene  Person  im  aktiven  Dienst  stand  und  desertierte (vgl. dazu EMARK 2006 Nr. 3). 4.4.3.  Nach  dem  Gesagten  hätte  der  Beschwerdeführer  im  Fall  seiner  Rückkehr  ins  Heimatland  folglich  begründete  Furcht  vor  ernsthaften  Nachteilen im Sinn von Art. 3 Abs. 2 AsylG. 4.5. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Voraussetzungen von Art. 2,  3 und 7 AsylG erfüllt  sind. Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise  auf das Vorliegen von Asylausschlussgründen.  4.6.  Die  Beschwerde  ist  somit  gutzuheissen  und  die  angefochtene  Verfügung  der  Vorinstanz  vollumfänglich  aufzuheben.  Das  BFM  ist  anzuweisen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 5.  5.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen.  Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss  Art. 65 Abs. 1 VwVG wird damit gegenstandslos. 5.2. Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädigung  für  die  ihnen  erwachsenen  notwendigen  Kosten  (Art.  64  Abs.  1  VwVG; 

E­4829/2009 Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Der  vormalige  Rechtsvertreter  hat  am  8.  Juni  2011  eine  Kostenaufstellung  zu  den  Akten  gereicht;  eine  solche  liegt  vom  neu  bevollmächtigten  Rechtsvertreter  nicht  vor;  diesbezüglich  ist  jedoch  der  notwendige  Vertretungsaufwand  aufgrund  der  Aktenlage  hinreichend  zuverlässig abschätzbar. Die  von  der  Vorinstanz  auszurichtende  Parteientschädigung  ist  unter  Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren auf insgesamt  Fr. 2'000.–  (inklusive  sämtlicher  Auslagen  und Mehrwertsteuer  [heutiger  Rechtsvertreter]) festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 VGKE). (Dispositiv nächste Seite)

E­4829/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die  angefochtene  Verfügung  wird  aufgehoben.  Das  BFM  wird  angewiesen, den Beschwerdeführer als Flüchtling anzuerkennen und ihm  Asyl zu gewähren. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'000.– auszurichten. 5.  Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale  Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Eveline Chastonay Versand:

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