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Bundesverwaltungsgericht 14.12.2011 E-4750/2011

14 décembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,460 mots·~7 min·4

Résumé

Aufhebung vorläufige Aufnahme (Asyl) | Aufhebung vorläufige Aufnahme (Asyl); Verfügung des BFM vom 18. August 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­4750/2011 Urteil   v om   1 4 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richter Kurt Gysi (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richterin Regula Schenker Senn,    Gerichtsschreiber Christoph Berger. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Aufhebung vorläufige Aufnahme; Verfügung des BFM vom 18. August 2011 / N (…).

E­4750/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass mit Verfügung  vom 18. März 1996 die Vorinstanz das Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  vom  5.  Juni  1989  mangels  Erfüllung  der  Flüchtlingseigenschaft  (Art.  3  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31])  ablehnte  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie deren Vollzug anordnete, dass diese Verfügung bezüglich der Frage der Flüchtlingseigenschaft und  der Ablehnung des Asylgesuches unangefochten in Rechtskraft erwuchs,  jedoch  mit  Beschwerdeurteil  vom  18.  Februar  1997  der  damals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  die  Vorinstanz  angewiesen  wurde,  den  Beschwerdeführer  in  der  Schweiz  vorläufig  aufzunehmen, dass  die  Vorinstanz  mit  Verfügung  vom  24.  März  1997  wegen  Unmöglichkeit  des Wegweisungsvollzuges  die  vorläufige  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  in  der  Schweiz  anordnete  und  diese  Verfügung  in  Rechtskraft erwuchs, dass  das BFM  ­  nach Gewährung  des  rechtlichen Gehörs  vom 27.  Juli  2011  ­  mit  Verfügung  vom  18.  August  2011  die  Anordnung  der  vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers in Anwendung von Art. 84  Abs.  2  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  aufhob,  zur  Begründung im Wesentlich ausführte, der Vollzug der Wegweisung sei im  heutigen Zeitpunkt zulässig, zumutbar und möglich, und den Vollzug der  Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz anordnete, dass  sich  das  BFM  in  der  Verfügung  vom  18.  August  2011  auf  die  Einschätzung  stützt,  wonach  sich  die  allgemeine  Sicherheitslage  in  Sri  Lanka  zwischenzeitlich  deutlich  entspannt  habe  und  festgestellt  worden  sei,  dass  aufgrund  der  Verbesserung  der  Lebensbedingungen  eine  Rückkehr  in  den  Norden  und  Osten  Sri  Lankas  grundsätzlich  wieder  zumutbar sei, dass das BFM zur Begründung seiner Verfügung im Weiteren ausführte,  das Verhalten des Beschwerdeführers habe in der Schweiz durch diverse  aktenkundige  Delikte  in  den  Bereichen  Diebstahl,  Hausfriedensbruch,  Raufhandel,  Sachbeschädigung  und  in  Umlaufsetzen  von  Falschgeld  wiederholt zu Klagen Anlass gegeben,

E­4750/2011 dass  der  Beschwerdeführer  zuletzt  zu  einer  Gesamtfreiheitsstrafe  von  414 Tagen verurteilt worden sei und sich aktuell im Strafvollzug befinde, dass er zudem seit Februar 2005 keiner bewilligten Erwerbstätigkeit mehr  nachgegangen sei, dass  demnach  weder  von  einer  beruflichen  noch  von  einer  sozialen  Integration die Rede sein könne und sich aus den Akten nichts ergebe,  was auf eine derart enge Beziehung zur Schweiz schliessen liesse, dass  vom  Beschwerdeführer  nicht  verlangt  werden  könnte,  sein  Leben  in  einem  anderen  Land,  insbesondere  in  seinem  Heimatland,  weiterzuführen, dass er in der Schweiz auch über keine Familienangehörigen verfüge, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Rechtsmitteleingabe  vom  29.  August  2011  an  das  Bundesverwaltungsgericht  beantragt,  die  Verfügung  des  BFM  vom  18.  August  2011  sei  aufzuheben  und  eventualiter  sei  eine  ordentliche Aufenthaltsbewilligung zu erteilen, dass er weiter beantragt, es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu  gewähren, dass  bezüglich  die  Begründung  seiner  Beschwerde,  soweit  entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Verfügung  vom  2.  September  2011 den Eingang der Beschwerde bestätigte, und zieht in Erwägung, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  im  Bereich  der  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet  (Art. 84     Abs.  2  und  3  AuG  i.V.m.  Art. 31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32] sowie  Art. 83  Bst. c  Ziff. 3  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, SR 173.110]),

E­4750/2011 dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist    (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 112 AuG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ­  unter  nachstehendem Vorbehalt ­ einzutreten ist (Art. 37 VGG i.V.m. 112 AuG  und Art. 50 sowie Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 49 VwVG), dass  am  1. Januar  2008  das  AuG  in  Kraft  trat,  gleichzeitig  das  Bundesgesetz vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121)  aufgehoben  wurde  (vgl.  Art. 125  i.V.m.  Anhang  Ziff. I  AuG)  und  gemäss  der  Übergangsbestimmung  von  Art.  126a Abs. 4 AuG ­ unter Vorbehalt der Absätze 5 bis 7 ­ für Personen, die  im  Zeitpunkt  des  Inkrafttretens  der  Änderung  vom  16.  Dezember  2005  des AsylG sowie des AuG vorläufig aufgenommen sind, neues Recht gilt, dass  der  Beschwerdeführer mit  Verfügung  vom 24. März  1997  gestützt  auf  Art.  44  Abs. 2  AsylG  i.V.m.  Art. 14a  Abs.  2  ANAG  vorläufig  aufgenommen  wurde  und  aufgrund  der  übergangsrechtlichen  Regelung  gemäss Art. 126a Abs. 4 AuG im vorliegenden Beschwerdeverfahren das  AuG anwendbar ist, dass vorliegend die Frage einer ordentlichen Aufenthaltsbewilligung nicht  Gegenstand  des  Verfahrens  bildet,  weshalb  auf  den  entsprechenden  Antrag in der Rechtsmitteleingabe nicht einzutreten ist, dass  das  BFM  die  vorläufige  Aufnahme  aufhebt  und  den  Vollzug  der  Weg­ oder Ausweisung anordnet, wenn die Voraussetzungen nicht mehr  gegeben  sind  (Art.  84  Abs.  2  AuG)  und  die  Voraussetzungen  für  die  vorläufige  Aufnahme  nicht  mehr  gegeben  sind,  wenn  der  Vollzug  der  rechtskräftig  angeordneten  Wegweisung  zulässig  (Art.  83  Abs.  3  AuG)  und  es  der  ausländischen  Person  möglich  (Art.  83  Abs.  2  AuG)  und  zumutbar  (Art. 83 Abs. 4 AuG)  ist, sich  rechtmässig  in  ihren Heimat­,  in  den Herkunftsstaat oder in einen Drittstaat zu begeben,

E­4750/2011 dass  das BFM  in  der  angefochtenen Verfügung  zu Recht  ausführte,  es  sei  rechtskräftig  festgestellt,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllt,  weshalb  das  in  Art. 5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulements  im  vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet und keine Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Sinne  von  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  ersichtlich  sind,  die  im Heimat­  oder Herkunftsstaat droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass das Bundesverwaltungsgericht im Urteil BVGE 2008/2 zur Frage der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  abgewiesener  Asylsuchender  tamilischer Ethnie aus Sri Lanka eine Lageanalyse vornahm und gemäss  der  damals  festgelegten  Praxis  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  die  Nordprovinz und  in die Ostprovinz als unzumutbar galt  (a.a.O., E. 6), so  dass  insofern  der  Einwand  in  der  Rechtsmitteleingabe,  entgegen  der  Meinung  des  BFM  habe  sich  die  Lage  für  Tamilen  in  Sri  Lanka  nicht  verbessert,  im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung aufgrund der damals  geltenden Rechtsprechung nachvollziehbar erscheint, dass  im  zur  Publikation  vorgesehenen  Urteil  BVGE  E­6220/2006  vom  27. Oktober  2011  das  Bundesverwaltungsgericht  angesichts  der  veränderten Lage nach dem Ende des sri­lankischen Bürgerkriegs im Mai  2009  jedoch  eine  erneute  Beurteilung  vorgenommen  hat  und  in  Bezug  auf  die  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  hinsichtlich  des Distrikts  Jaffna  (Nordprovinz)  ­  aus welchem der Beschwerdeführer  stammt  ­  im Wesentlichen  zur  Einschätzung  gelangt  (a.a.O.,  E. 13.2.1),  dort  habe  sich  die  Lage  in  den  vergangenen  zwei  Jahren  deutlich  gebessert und die Versorgungslage sei entspannt, dass dort die Polizei­ und Zivilbehörden  ihre Funktionen und Tätigkeiten  wieder  aufgenommen  beziehungsweise  von  den  Militärbehörden  übernommen  hätten  und  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  herrsche,  sowie  die  politische  Lage  nicht  dermassen  angespannt  sei,  dass  eine  Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müsste,

E­4750/2011 dass  angesichts  der  im  humanitären  und  wirtschaftlichen  Bereich  nach  wie vor fragilen Lage aber im Hinblick auf den Vollzug der Wegweisung in  dieses  Gebiet  eine  sorgfältige,  zurückhaltende  Beurteilung  der  individuellen  Zumutbarkeitskriterien  vorzunehmen  sei,  wobei  neben  allgemeinen  Faktoren  (wie  sozio­ökonomischen  und  medizinischen  Aspekten,  dem  Kindeswohl  usw.)  auch  dem  zeitlichen  Element  gebührend Rechnung zu tragen sei, dass  (zum  Folgenden  BVGE  E­6220/2006  E. 13.2.1.1  f.)  für  Personen,  die  aus  der  Nordprovinz  stammen  und  dieses  Gebiet  erst  nach  Beendigung  des  Bürgerkrieges  im  Mai  2009  verlassen  haben,  der  Wegweisungsvollzug zurück in dieses Gebiet als grundsätzlich zumutbar  zu  beurteilen  sei,  wenn  davon  ausgegangen  werden  könne,  dass  die  betreffende  Person  auf  die  gleiche  oder  gleichwertige  Lebens­  und  Wohnsituation  zurückgreifen  könne,  die  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  bestanden  habe,  und  dem  Wegweisungsvollzug  dorthin  zurück  auch  anderweitig nichts entgegenstehe, dass,  liege  der  letzte  Aufenthalt  der  betreffenden  Person  in  der  Nordprovinz  indessen  längere  Zeit  zurück  (vor  Beendigung  des  Bürgerkriegs  im  Mai  2009)  oder  gingen  konkrete  Umstände  aus  den  Verfahrensakten hervor, dass sich die Lebensumstände seit der Ausreise  massgeblich verändert haben könnten, die aktuell  vorliegenden Lebens­  und Wohnverhältnisse sorgfältig abzuklären und auf die Zumutbarkeit des  Wegweisungsvollzugs  hin  zu  überprüfen  seien  und  in  diesem  Zusammenhang  für  das  Bundesverwaltungsgericht  namentlich  die  Existenz  eines  tragfähigen  Beziehungsnetzes  und  die  konkreten  Möglichkeiten  der  Sicherung  des   Existenzminimums  und  der  Wohnsituation  als  massgebliche  Faktoren  erscheinen  und  falls  solche  begünstigenden  Faktoren  in  der  Nordprovinz  nicht  vorliegen,  die  Zumutbarkeit  einer  innerstaatlichen  Aufenthaltsalternative  im  übrigen  Staatsgebiet,  namentlich  im  Grossraum  Colombo,  zu  prüfen  sei  (vgl.  diesbezüglich BVGE E­6220/2006 E. 13.3), dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  feststellte,  der  Beschwerdeführer  stamme  aus  Jaffna  und  es  ergäben  sich  aus  den  Akten konkret keine Hinweise darauf, dass er im Falle einer Rückkehr in  die  Heimat  aus  individuellen  Gründen  wirtschaftlicher,  sozialer  oder  gesundheitlicher  Natur  in  eine  existenzbedrohende  Situation  geraten  würde, welche  den Wegweisungsvollzug  unzumutbar  erscheinen  lassen  würde, und seine Mutter in Jaffna lebe, mit der er nach wie vor in Kontakt 

E­4750/2011 stehe,  weshalb  ein  familiäres  Beziehungsnetz  vorausgesetzt  werden  könne, dass  der  Beschwerdeführer  diesen  letzteren  Ausführungen  des  BFM  in  der Rechtsmitteleingabe nichts entgegenhält, dass  es  sich  somit  erweist,  dass  der  Beschwerdeführer  die  vom  Bundesverwaltungsgericht  in  der  erneuerten  Lagebeurteilung  bezüglich  der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Sri Lanka formulierten  Kriterien grundsätzlich erfüllt,  da er  ein  tragfähiges Beziehungsnetz  und  eine  gesicherte  Unterkunftsmöglichkeit  vorfinden  wird  und  von  der  konkreten Möglichkeit der Sicherung des Existenzminimums auszugehen  ist,  da  es  ihm  freisteht,  sich  dank  der  in  der  Schweiz  erworbenen  beruflichen  Erfahrungen  etwa  im  Gastronomiebereich  wirtschaftlich  zu  integrieren, dass  im  Rahmen  des  Beschwerdeverfahrens  im  Übrigen  ausser  der  langen  Aufenthaltsdauer  in  der  Schweiz  keine  individuellen  Wegweisungshindernisse  geltend  gemacht  werden  und  keine  Anhaltspunkte  bestehen,  die  darauf  schliessen  liessen,  der  Beschwerdeführer sei bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einer konkreten  Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG ausgesetzt, dass das BFM demnach nach geltender Rechtsprechung die Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  zu  Recht  in  Anwendung  von  Art.  84  Abs.  2  AuG  aufhob  und  den  Vollzug  der  Wegweisung zu Recht als zulässig und zumutbar erachtete, dass  festzustellen  ist,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  mangels  aktenkundiger objektiver Hindernisse im heutigen Zeitpunkt im Sinne von  Art. 83 Abs. 2 AuG auch möglich ist, dass  demnach  die  Voraussetzungen  für  die  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme gemäss Art. 84 Abs. 2 AuG erfüllt sind, dass  zu  prüfen  bleibt,  ob  die  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme mit  dem Verhältnismässigkeitsprinzip im Einklang steht, dass  dieses  Prinzip  einen  allgemeinen  Grundsatz  staatlichen  Handelns  bildet  (vgl.  Art. 5  Abs. 2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  [BV,  SR 101])  und  für  den  vorliegend  relevanten  Rechtsbereich  durch  Art. 96  Abs. 1  AuG  konkretisiert  wird,  wonach  die  zuständigen  Behörden  bei  der 

E­4750/2011 Ermessensausübung  die  öffentlichen  Interessen  und  die  persönlichen  Verhältnisse  sowie  den  Grad  der  Integration  der  Ausländerinnen  und  Ausländer zu berücksichtigen haben, dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  zur  Begründung  der  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahmen  des  Beschwerdeführers  in  der  Schweiz auch sein aktenkundig wiederholt deliktisches Verhalten und  in  diesem Zusammenhang Art. 83 Abs. 7 AuG heranzieht, dass Art. 83 Abs. 7 AuG  in Bst. a­c die Voraussetzungen abschliessend  aufzählt,  bei  deren  Vorliegen  eine  vorläufige  Aufnahme  nach  Art. 83  Abs. 2  und  4  AuG  nicht  verfügt  respektive  ­  gestützt  auf  Art. 84  Abs. 3  AuG ­  eine  bereits  rechtskräftig  angeordnete  vorläufige  Aufnahme  aufgehoben wird und demnach die vorläufige Aufnahme nicht angeordnet  respektive aufgehoben wird, wenn die weg­  oder  ausgewiesene Person  zu  einer  längerfristigen  Freiheitsstrafe  im  In­  oder  Ausland  verurteilt  wurde  oder  wenn  gegen  sie  eine  strafrechtliche  Massnahme  im  Sinne  von Art. 64 oder 61 StGB angeordnet wurde (Bst. a), wenn sie erheblich  oder  wiederholt  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  in  der  Schweiz  oder  im Ausland  verstossen hat  oder  diese gefährdet  oder  die  innere  oder  äussere  Sicherheit  gefährdet  (Bst. b),  oder  wenn  sie  die  Unmöglichkeit des Vollzugs der Weg­ oder Ausweisung durch ihr eigenes  Verhalten verschuldet hat (Bst. c), dass die Bestimmungen von Art. 83 Abs. 7 Bst. a und b AuG inhaltlich im  Wesentlichen  mit  denjenigen  von  Art.  62  Bst.  b  und  c  AuG  übereinstimmen, welche die allgemeinen Voraussetzungen des Widerrufs  von  Bewilligungen  oder  anderen  Verfügungen  nach  diesem  Gesetz  regeln, dass von einer  längerfristigen Freiheitsstrafe  im Sinne von Art. 62 Bst. b  AuG ­ und damit auch von Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG ­ gemäss neuerer  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  bei  einer  Freiheitsstrafe  von  mehr  als einem Jahr auszugehen wäre (BGE 135 II 377 E. 4.2 und E. 4.5), dies  unabhängig  davon,  ob  die Strafe  bedingt,  teilbedingt  oder  unbedingt  zu  vollziehen  ist  (Urteil  des  Bundesgerichts  2C.515/2009  vom  27.  Januar  2010 E. 2.1), dass  die  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung  jedoch  die  Anwendbarkeit von Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG wegen der Verurteilung des  Beschwerdeführers  zu  einer  Gesamtfreiheitsstrafe  von  414  Tagen  (270  Tage  Freiheitsstrafe  und  144  Tage  Ersatzfreiheitsstrafe)  nicht  explizit 

E­4750/2011 bejahte,  sondern  das  deliktische  Verhalten  des  Beschwerdeführers  implizit  unter  dem  Aspekt  der  Verhältnismässigkeit  eines  Wegweisungsvollzuges  prüfte  und  unter  Berücksichtigung  der  Frage  einer  allfälligen  fortgeschrittenen  Integration  zum  Schluss  gelangte,  davon  könne  ­  zumal  der  Beschwerdeführer  seit  Februar  2005  keiner  bewilligten Erwerbstätigkeit mehr nachgehe ­ nicht die Rede sein, dass der Einwand des Beschwerdeführers in der Rechtsmitteleingabe, er  sei tatsächlich zu 270 Tagen Freiheitsstrafe verurteilt worden, die übrigen  Strafbefehle  und  Bussen  könnten  jedoch  jederzeit  mit  Geld  abgegolten  werden  und  er  habe  bezüglich  der  Geldmittel  mit  Bekannten  Kontakt  aufgenommen,  demnach  im  vorliegenden  Zusammenhang  nicht  stichhaltig erscheinen, dass die Frage, ob die Voraussetzungen von Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG  vorliegend  erfüllt  sind,  offen  gelassen  werden  kann,  da,  wie  oben  festgestellt, das BFM nach geltender Rechtsprechung die Anordnung der  vorläufigen  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  zu  Recht  in  Anwendung  von Art. 84 Abs. 2 AuG aufhob, dass  vorliegend  vielmehr  im  Rahmen  der  Verhältnismässigkeitsprüfung  namentlich die persönlichen Verhältnisse sowie der Grad der  Integration  beziehungsweise  die  Dauer  der  bisherigen  Anwesenheit  des  Beschwerdeführers zu berücksichtigen sind, dass  die  Folgerung  des  BFM  zu  bestätigen  ist,  wonach  aufgrund  des  deliktischen Verhaltens (selbst wenn Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG als nicht  erfüllt  zu  betrachten  wäre)  und  der  seit  dem  Jahre  2005  fehlenden  wirtschaftlichen  Integration  weder  von  einer  beruflichen  noch  von  einer  sozialen Integration gesprochen werden kann, dass der Einwand des Beschwerdeführers in der Rechtsmitteleingabe, er  sei  seit  22  Jahren  und  somit mehr  als  die  Hälfte  seines  Lebens  in  der  Schweiz  und  er  habe  wohl  in  der  Schweiz  keine  Familie,  jedoch  viele  Bekannte,  in  entscheidwesentlicher  Hinsicht  nicht  durchzudringen  vermag, dass,  wie  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  zu  Recht  erwog,  ebenso  ins  Gewicht  fällt,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Alter  von  (…)  Jahren  in die Schweiz eingereist  ist und somit die prägenden Jahre der  Kindheit  und  Jugend  in  seinem  Heimatland  verbrachte,  weshalb  er  mit  den Gepflogenheiten seines Heimatlandes vertraut sein dürfte,

E­4750/2011 dass er in der Schweiz über keine Familienangehörigen verfügt, dass  in  Berücksichtigung  der  gesamten  Sachlage  zu  Recht  davon  auszugehen ist, dass die vorliegend zu beachtenden Beziehungsaspekte  des Beschwerdeführers zur Schweiz nicht in entscheidrelevanter Hinsicht  derart ausgestaltet sind, als mit einem Wegweisungsvollzug eine nicht zu  vertretende persönliche Härte vorläge, dass  in  gesamthafter  Würdigung  aller  Umstände  das  Bundesverwaltungsgericht  zum  Schluss  gelangt,  dass  sich  die  von  der  Vorinstanz  verfügte  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  des  Beschwerdeführers als verhältnismässig erweist, dass  sich  demnach  ergibt,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 49  VwVG)  und  die  Beschwerde folglich abzuweisen ist, soweit darauf einzutreten ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG), dass  jedoch  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  angesichts  des  im  Zeitpunkt  der  Einreichung  der  Beschwerde  aufgrund  der  damals  geltenden  Rechtsprechung  zur  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  nicht  aussichtslosen  Rechtsbegehrens gutzuheissen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG), dass demnach keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. (Dispositiv nächste Seite)

E­4750/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  wird  gutgeheissen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Kurt Gysi Christoph Berger Versand:

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