Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 22.08.2011 E-4517/2011

22 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,368 mots·~7 min·2

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung nach Österreich (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 9. August 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­4517/2011 Urteil   v om   2 2 .   Augus t   2011   Besetzung Einzelrichterin Christa Luterbacher, mit Zustimmung von Richter Kurt Gysi;   Gerichtsschreiberin Sarah Diack. Parteien A._______, geboren am (…), Moldova,  zur Zeit in Haft, c/o Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen, Döbelistrasse 13, 8280 Kreuzlingen, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung nach  Österreich (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 9.  August 2011 / N (…).

E­4517/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer,  ein  moldavischer  Staatsangehöriger  aus  B._______,  seinen  Heimatstaat  eigenen  Angaben  zufolge  im  Oktober  2003  verliess  und  über  die  Ukraine  und  die  Slowakei  nach  Österreich  gelangte,  wo  er  aussagegemäss  etwa  nach  zwei Wochen  in  Innsbruck  um Asyl nachsuchte, dass er am 3. Oktober 2010 unter Umgehung der Grenzkontrolle  in die  Schweiz  einreiste,  wo  er  am  6.  Oktober  2010  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Kreuzlingen  ein  erstes  Mal  um  Asyl  nachsuchte,  dass  das  BFM  am  12.  Oktober  2010  im  EVZ  anlässlich  der  Kurzbefragung  die  Personalien  des  Beschwerdeführers  erhob  und  ihn  summarisch  zum  Reiseweg  sowie  zu  den  Gründen  für  das  Verlassen  seines Heimatstaates befragte,  dass der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend machte, er habe im  Jahr  2001  beobachtet,  wie  Polizisten  einen  seiner  Bekannten  ermordet  hätten,  dass einer der Polizisten zu fünf Jahren Haft verurteilt worden sei,  dass  man  ihn  jedoch  nach  einem  Jahr  entlassen  habe  und  der  Beschwerdeführer als Zeuge gegen  ihn habe aussagen sollen, weshalb  er mit der Polizei Probleme bekommen habe und in der Folge im Sommer  2002 15 Tage inhaftiert und dabei geschlagen worden sei, dass er auch Probleme mit der Familie des Ermordeten bekommen habe,  weshalb er schliesslich ausgereist sei, dass  ein  Fingerabdruckvergleich  mit  der  EURODAC­Datenbank  vom  6. Oktober  2010  ergab,  dass  der  Beschwerdeführer  von  den  österreichischen  Behörden  am  14.  Januar  2004  erkennungsdienstlich  erfasst  worden  ist  und  am  gleichen  Tag  in  Innsbruck  ein  Asylgesuch  gestellt hat, dass  dem  Beschwerdeführer  im  Rahmen  seines  ersten  Asylverfahrens  am  12.  Oktober  2010  im  Hinblick  auf  eine  allfällige  Zuständigkeit  Österreichs  oder  der  Slowakei  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens das rechtliche Gehör gewährt wurde, 

E­4517/2011 dass  er  hierzu  geltend  machte,  sein  Asylgesuch  sei  in  Österreich  abgelehnt  worden  und  überdies  möchte  er  nicht  dorthin  weggewiesen  werden,  weil  er  dort  eine  Beziehung  zu  einem  tschetschenischen  Mädchen  gehabt  und  deswegen  mit  ihrer  Verwandtschaft  Probleme  bekommen habe, dass er auch nicht in die Slowakei weggewiesen werden möchte, dass  für  den  Inhalt  der  weiteren  Aussagen  auf  die  Akten  verwiesen  werden kann,  dass  das  BFM  am  1.  März  2011  die  österreichischen  Behörden –  aufgrund  des  EURODAC­Treffers  vom  14.  Januar  2011  in  Österreich –   um  eine  Rückübernahme  des  Beschwerdeführers  gestützt  auf  Art.  16  Abs.  1  Bst.  e  der  Verordnung  EG  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Feststellung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  Asylantrags  zuständig  ist,  den  ein  Staatsangehöriger  eines  Drittlandes  in  einem  Mitgliedstaat  gestellt  hat  (Dublin­II­VO)  ersuchte  und  diese  am  7. März  2011  dem  Gesuch  um  Rückübernahme  des  Beschwerdeführers  zustimmten, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  17.  März  2011  auf  das  erste  Asylgesuch des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht eintrat und ihn  nach  Österreich  wegwies,  und  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  vom  8.  April  2011  eine  gegen  diese  Verfügung  gerichtete  Beschwerde  vollumfänglich  abwies,  da  Österreich  für  die  Durchführung  seines  Asylverfahrens  und  –  falls  dieses  bereits  rechtkräftig  abgeschlossen  sei  –  für  die  Durchführung  eines  allfälligen  Wegweisungsvollzuges zuständig sei, dass  der  Beschwerdeführer  am  13.  April  2011  nach  Österreich  rücküberstellt wurde, dass  er  eigenen Angaben  zufolge  trotz  Einreiseverbot  am  5.  Juni  2011  von  Italien  her mit  dem Zug  in  die Schweiz  einreiste, wo er  am 7.  Juni  2011  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Kreuzlingen  ein  zweites Mal um Asyl nachsuchte, dass  er  seinen  Angaben  zufolge  in  Österreich  in  Ausschaffungshaft  (Schubhaft)  gewesen  sei,  dort  einen  Hungerstreik  gemacht  habe  und 

E­4517/2011 dann  freigelassen  worden  sei,  worauf  er  nach  Italien  gereist  sei  (vgl.  B34/2), dass  das  BFM  mit  Schreiben  vom  18.  Juli  2011  erneut  die  österreichischen Behörden  um Rückübernahme  des Beschwerdeführers  ersuchte (vgl. B22/4), und dass diese dem Gesuch mit Schreiben vom 27.  Juli 2011 zustimmten (vgl. B31/1), dass  dem  Beschwerdeführer  am  9.  August  2011  im  Hinblick  auf  eine  Wegweisung  nach  Österreich  das  rechtliche  Gehör  gewährt  wurde  (B34/2), dass  er  dabei  erläuterte,  er  komme  in  Österreich  wieder   in  Schubhaft  und  er  würde  daraufhin  wieder  in  den  Hungerstreik  treten,  worauf  er  entlassen  werden  und  dann  zwei  Tage  Ruhe  haben  würde,  bevor  das  Ganze wieder von Vorne beginnen würde,  dass  er  aus  den  gleichen Gründen wie  beim  ersten Asylgesuch wegen  seiner  vergangenen  Beziehung  zu  einem  tschetschenischen  Mädchen   nicht nach Österreich weggewiesen werden könne,  dass das BFM mit Verfügung vom 9. August 2011 – gleichentags eröffnet  – gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auch auf das zweite Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eintrat  und  ihn  nach  Österreich  wegwies,  ihn  aufforderte,  die  Schweiz  spätestens  am  Tag  nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  den  Kanton  (...)  mit  dem  Vollzug  der  Wegweisung  beauftragte,  festhielt,  eine  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung  habe  keine  aufschiebende  Wirkung,  und  dem  Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis  aushändigte, dass  das  BFM  sodann  zur  Sicherstellung  des  Vollzugs  die  Ausschaffungshaft für eine Dauer von höchstens 30 Tagen anordnete, dass es zur Begründung anführte, der Beschwerdeführer habe sich nach  seiner Ausschaffung aus der Schweiz am 13. April 2011 in Österreich und  Italien  aufgehalten  und  sei  dann  mit  dem  Zug  erneut  in  die  Schweiz  gereist, dass  es  sich wiederum  auf  das  Vorliegen  des  EURODAC­Treffers  vom  14. Januar 2004 und neu auf den EURODAC­Treffer vom 14. April 2011  in Österreich stützte,

E­4517/2011 dass  es  anführte,  Österreich  sei  gestützt  auf  die  einschlägigen  staatsvertraglichen Bestimmungen (Dublin­Assoziierungsabkommen vom  26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  [SR  0.142.392.68,  DAA],  Dublin­II­VO  und  Verordnung  [EG]  Nr.  1560/2003  der  Kommission  vom  2.  September  2003  mit  Durchführungsbestimmungen  zur  Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates [DVO­Dublin]) für die Durchführung des Asylverfahrens (recte: und  Wegweisungsverfahrens) zuständig, dass die österreichischen Behörden am 27. Juli 2011 gestützt auf Art. 16  Abs.  1  Bst.  e  Dublin­II­VO  einer  Übernahme  des  Beschwerdeführers  zugestimmt hätten,  dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder  Verlängerung – bis spätestens am 27. Januar 2012 zu erfolgen habe, dass  der  Beschwerdeführer  Gründe  geltend  mache,  die  praxisgemäss  einen Vollzug nach Österreich nicht verhindern würden, dass bezüglich seiner Befürchtung, von den österreichischen Behörden in  sein  Heimatland  zurückgeschickt  zu  werden,  festzuhalten  sei,  dass  Österreich  seinen  aus  dem  Abkommen  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30)  und  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  erwachsenden  Verpflichtungen  nachkomme  und  er  daher  nicht  damit  rechnen müsse,  von  dort  aus  in  einen möglichen Verfolgerstaat zurückgeschickt zu werden, wenn er eine  entsprechende Gefährdung geltend mache,  dass auf das Asylgesuch somit nicht einzutreten sei, dass  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  die Regelfolge  des Nichteintre­ tens auf ein Asylgesuch sei (Art. 44 Abs. 1 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  in  einen  Drittstaat  reisen  könne,  in  dem  er  Schutz vor Rückschiebung  im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG  finde, und  das Non­Refoulement­Gebot bezüglich des Heimatstaates nicht zu prüfen  sei,

E­4517/2011 dass ferner keine Hinweise auf eine Verletzung von Art. 3 EMRK im Falle  einer  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Österreich  bestehen  würden, dass zudem weder die  in Österreich herrschende Situation noch andere  Gründe gegen die Zumutbarkeit der Wegweisung sprechen würden, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  technisch  möglich  und  praktisch  durchführbar sei,  dass  der  Vollzug  nach  Österreich  innerhalb  der  nächsten  30  Tage  absehbar  sei  und  die  Voraussetzungen  für  eine Haft  zur  Sicherstellung  des Wegweisungsvollzugs gegeben seien, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  16.  August  2011  (Poststempel)  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen  den  vorinstanzlichen  Entscheid  vom  9.  August  2011  erhob  und  sinngemäss  die  Aufhebung  der  Verfügung  und  den  Verzicht  auf  den  Wegweisungsvollzug nach Österreich beantragte,  dass gegen die Haftanordnung nicht Beschwerde erhoben wurde, dass auf die Begründung der Rechtsbegehren, soweit  für den Entscheid  wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Verfügung vom 18. August 2011  den Vollzug im Sinne einer vorsorglichen Massnahme vorsorglich bis zum  Vorliegen  der  Akten  und  zum  Entscheid  über  die  allfällige  Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung aussetzte, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  17.  und  18.  August  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eingingen, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021])  des  BFM  entscheidet  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 

E­4517/2011 beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31­ 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [VGG,  SR  173.32]); Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005 [BGG, SR 173.110]), dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48  Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37  VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Missbrauch  und  Überschreitung  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art.  32  ­  35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.),

E­4517/2011 dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs  indes  materiell  geprüft  hat,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  grundsätzlich  volle  Kognition  zukommt,  wobei  sich  diese  Fragen  –  namentlich  diejenigen  hinsichtlich  des  Bestehens  von  Vollzugshindernissen  (Durchführbarkeit  der  Überstellung  an  den  zuständigen  Staat)  –  in  den  Dublin­Verfahren  bereits  vor  Erlass  des  Nichteintretensentscheids stellen,  dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (vgl. Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  sich  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  aufgrund  der  Akten  als  zutreffend erweisen, weshalb zur Vermeidung von Wiederholungen vorab  auf  die  nicht  zu  beanstandenden  Ausführungen  des  BFM  in  der  angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann,  dass  aufgrund  der  Abklärungen  des  BFM  feststeht,  dass  der  Beschwerdeführer  am  14. Januar  2004  in  Österreich  ein  Asylgesuch  eingereicht hat,  dass  die  in  der  Schweiz  geltend  gemachten  Asylgründe  daher  in  Österreich,  welches  aufgrund  der  einschlägigen  Staatsverträge  (vgl.  vorstehend  S.  3),  Dublin­Assoziierungsabkommen  sowie  Dublin­II­VO  und der DVO­Dublin  (vgl.  insbesondere Art. 10 Abs.  1 Dublin­II­VO)  als  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens  zuständig  zu  erachten  ist,  zu  prüfen sein werden, dass,  selbst  wenn  das  Asylverfahren  des  Beschwerdeführers  in  Österreich bereits rechtskräftig abgeschlossen sein sollte und er deshalb  kein Anrecht mehr auf Unterbringung oder weitergehende staatliche oder  nichtstaatliche  Unterstützung  hätte,  Österreich  gemäss  Art. 16  Abs. 2  Bst. e  Dublin­II­VO  weiterhin  für  das  Verfahren  des  Beschwerdeführers  bis zu einem allfälligen Wegweisungsvollzug zuständig ist (Art. 16 Abs. 4  Dublin­II­VO  sowie  CHRISTIAN  FILZWIESER/ANDREA  SPRUNG,  Dublin  II­ Verordnung, 3., überarb. Aufl., Wien/Graz 2010, K 25 zu Art. 16 Abs. 4), dass  Österreich  Signatarstaat  der  FK,  der  EMRK  und  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  oder  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105)  ist, und keine konkreten Anhaltspunkte dafür vorliegen, 

E­4517/2011 wonach  Österreich  sich  nicht  an  die  daraus  resultierenden  völkerrechtlichen  Verpflichtungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot, halten würde,  dass  auch  kein  Grund  zur  Annahme  besteht,  Personen,  die  sich  im  Rahmen  eines  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  in  Österreich  aufhalten, würden aufgrund der dortigen Aufenthaltsbedingungen  in eine  existenzielle Notlage versetzt,  dass  somit  für  das  Bundesverwaltungsgericht  keine  Gründe  ersichtlich  sind,  die  das  BFM  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrecht  (Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO) hätten veranlassen sollen,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  mit  den  Problemen  wegen  seiner  ehemaligen  tschetschenischen  Freundin  an  die  zuständigen  österreichischen Behörden vor Ort zu wenden hat und dieses Vorbringen  keinen Anlass zum Selbsteintritt bietet,  dass  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Beschwerdeschrift  geltend macht,  er habe nie  freiwillig  in Österreich ein Asylgesuch gestellt  und es drohe  ihm  dort  Lebensgefahr,  weil  militärische  tschetschenische  Separatisten  und weitere Islamisten an ihm Blutrache üben wollten, dass  er  gleichzeitig  um  Unterbrechung  oder  Verlängerung  der  Rückführungsfrist vom Januar 2012 ersuchte, da er noch ein wenig Zeit  benötige, "seine Arbeit zu Ende zu bringen, sein Gewand abzuholen und  ausreisen zu können", dass  diese  Vorbringen  an  der  obgenannten  Einschätzung  nichts  zu  ändern vermögen, zumal der Beschwerdeführer lediglich wiederholt, was  er schon anlässlich seines ersten Asylgesuches  in der Schweiz erwähnt  hatte, dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG  auf  das  zweite  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  zu  Recht  nicht  eingetreten ist,  dass  die  Anordnung  der  Wegweisung  nach  Österreich  der  Systematik  des Dublin­Verfahrens – bei dem es sich um ein Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuchs  zuständigen  Staat  handelt –  entspricht und im Einklang mit der Bestimmung von Art. 44 Abs. 1 AsylG  steht, wobei in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG die Frage nach 

E­4517/2011 der Zulässigkeit  und Möglichkeit  des Wegweisungsvollzugs  regelmässig  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheids ist, und hier nicht mehr zu prüfen ist,  dass sich auch die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in  einem  Dublin­Verfahren  nicht  unter  dem  Aspekt  der  vorläufigen  Aufnahme  gemäss  Art. 83  Abs. 1  und  4  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  stellt,  sondern  eine  entsprechende  Prüfung,  soweit  notwendig,  vielmehr  bereits  im  Rahmen  der  Entscheidfindung  hinsichtlich  der  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  stattfinden  muss  (vgl.  vorstehende  Erwägungen),  dass  vorliegend  –  wie  aufgezeigt  –  kein  Anlass  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO) besteht, weshalb der vom  BFM verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist,  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–(Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­4517/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Sarah Diack Versand:

E-4517/2011 — Bundesverwaltungsgericht 22.08.2011 E-4517/2011 — Swissrulings