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Bundesverwaltungsgericht 12.08.2011 E-4369/2011

12 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,256 mots·~6 min·1

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung nach Spanien (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 3. August 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­4369/2011 Urteil   v om   1 2 .   Augus t   2011   Besetzung Einzelrichterin Christa Luterbacher, mit Zustimmung von Richter Bendicht Tellenbach;   Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien,  zurzeit im Transitbereich des Flughafens Zürich­Kloten, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung nach  Spanien (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 3.  August 2011 / N (…).

E­4369/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  sein  Heimatland  am  (…)  Juli  2011  verliess  und  am  14.  Juli  2011  per  Flugzeug  –  von  Spanien  herkommend  –  in  die  Schweiz  gelangte,  wo  er  am  darauffolgenden  Tag  bei  der  Grenzpolizeibehörde  im  Flughafen  Zürich­ Kloten um Asyl nachsuchte,  dass  ihm  das  BFM  mit  Verfügung  vom  15.  Juli  2011  –  gleichentags  eröffnet  –  die Einreise  in  die Schweiz  vorläufig  verweigerte  und  ihm  für  maximal  60  Tage  den  Transitbereich  des  Flughafens  Zürich­Kloten  als  Aufenthaltsort zuwies, dass  durch  die  Flughafenpolizei  Zürich  folgende  Dokumente  abgenommen  wurden:  ein  gültiger  syrischer  Reisepass  ([…];  inkl.  für  Spanien  gültiges  Visum),  zwei  syrische  Studentenausweise  sowie  ein  Diplomausweis ([…]), zahlreiche SIM­ sowie Visitenkarten, ein USB­Stick,  ein  Schlüssel  sowie  zahlreiche  Papiere  betreffend  Studiengesuch,  Verschiebung Militärdienst zu Studienzwecken, Führerscheinkurs und ein  Zettel ein Hotel in [Spanien] betreffend,  dass  der  Beschwerdeführer  am  19.  Juli  2011  im  Flughafen  Zürich  summarisch zu seinen Asyl­ und Ausreisegründen befragt wurde und ihm  das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid sowie  einer  etwaigen  Wegweisung  nach  Spanien  –  aufgrund  der  möglichen  Zuständigkeit  Spaniens  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens – gewährt wurde, dass er hierbei zu Protokoll gab, er sei sunnitischer Araber und stamme  aus B._______, wo er an der Universität studiert habe,  dass er und sein Bruder von den syrischen Behörden gesucht würden –  die  Polizei  sei  bereits  bei  ihm  zu  Hause  gewesen  –,  weil  sie  an  den  letzten  gegen  den  syrischen  Präsidenten  gerichteten  Demonstrationen  teilgenommen hätten und dabei fotografiert worden seien,  dass er des Weiteren seinen Reisepass, welcher ein von der spanischen  Botschaft  in  Damaskus  erteiltes  Visum  vom  (…)  2011  (gültig  vom  […])  enthält, mit Hilfe eines Agenten bekommen habe,  dass es  ihm darum gegangen sei, ein Visum für  irgendein europäisches  Land zu erhalten, 

E­4369/2011 dass er aber nicht nach Spanien zurückkehren wolle, da die Situation für  Asylbewerber  dort  sehr  schlecht  sei  und  er  deshalb  in  diesem  Mitgliedstaat kein Asylgesuch gestellt habe,  dass  er  keine  weiteren  Gründe  gegen  die  Zuständigkeit  Spaniens  zur  Behandlung  des  Asylgesuchs  oder  gegen  die  Rückkehr  in  diesen  Drittstaat vortrug, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  3.  August  2011  –   gleichentags  eröffnet – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eintrat,  seine  Wegweisung  nach  Spanien  anordnete  und  ihn  aufforderte,  die  Schweiz  spätestens  am  Tag  nach  Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen,  dass  es  sodann  festhielt,  einer  Beschwerde  gegen  diesen  Entscheid  komme gemäss Art. 107a AsylG keine aufschiebende Wirkung zu und die  editionspflichtigen  Verfahrensakten  würden  dem  Beschwerdeführer  ausgehändigt, dass  das  Bundesamt  zur  Begründung  seiner  Verfügung  ausführte,  gestützt  auf  die  einschlägigen  staatsvertraglichen  Bestimmungen  (unter  anderem:  Abkommen  vom  26.  Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in  der Schweiz gestellten Asylantrags [Dublin­Assoziierungsabkommen, SR  0.142.392.68]; Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar  2003  zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  [Dublin­II­VO];  Verordnung  [EG]  Nr.  1560/2003  der  Kommission  vom  2.  September  2003  mit  Durchführungsbestimmungen  zur Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates [DVO Dublin]) sei Spanien  für die Durchführung des vorliegenden Asylverfahrens zuständig, dass es – gestützt auf das am (…) 2011 von der spanischen Botschaft in  Damaskus erteilte Visum – am 25. Juli 2011 an Spanien ein Ersuchen um  Übernahme des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 9 Abs. 2 Dublin­II­ VO gestellt habe,

E­4369/2011 dass Spanien mit Schreiben vom 2. August 2011 das Ersuchen gemäss  Art. 9 Abs. 2 Dublin­II­VO gutgeheissen habe, dass  die  Rückführung  nach  Spanien  –  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung oder Verlängerung der Überstellungsfrist – bis spätestens  am 1. Februar 2012 zu erfolgen habe, dass  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  seiner  Befragung  vom  19.  Juli  2011 ausgeführt habe, am (…) Juli 2011 von Syrien herkommen legal in  Spanien  eingereist  und  am  14. Juli  2011  von  Madrid  nach  Zürich  weitergereist zu sein,  dass er das Visum durch einen Agenten auf der spanischen Botschaft in  Damaskus erhalten habe,  dass  wegen  des  Fehlens  eines  für  die  Schweiz  gültigen  Visums  dem  Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz verweigert worden sei und  er,  als  ihn die Flughafenpolizei  nach Madrid habe zurückweisen wollen,  am Flughafen ein Asylgesuch gestellt habe,  dass dieser Sachverhalt mit  der Vorlage des Reisepasses, welcher das  spanische Visum enthalte, belegt sei,  dass  dem Beschwerdeführer  am  19.  Juli  2011  das  rechtliche Gehör  im  Hinblick auf einen allfälligen Nichteintretensentscheid sowie eine etwaige  Wegweisung nach Spanien gewährt worden sei und er dabei zu Protokoll  gegeben  habe,  nicht  nach  Spanien  zurückkehren  zu  wollen,  weil  die  Situation für Asylbewerber dort sehr schlecht sei,  dass  nach  Ansicht  der  Vorinstanz  keine  Hinweise  vorliegen  würden,  welche  die  Zuständigkeit  Spaniens  zur  Durchführung  des  vorliegenden  Asyl­ und Wegweisungsverfahrens zu widerlegen vermöchten,  dass der Beschwerdeführer vielmehr  in einen Drittstaat  reisen könne,  in  welchem er Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG  finde, weshalb das Non­Refoulement­Gebot bezüglich des Heimat­ oder  Herkunftsstaates nicht zu prüfen sei, dass  im  Übrigen  keine  Hinweise  auf  eine  Verletzung  von  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  im  Falle  einer  Rückkehr  des  Beschwerdeführers nach Spanien bestehen würden,

E­4369/2011 dass  der  Beschwerdeführer  somit  grundsätzlich  keine  Einwände  vorgebracht habe, die Hindernisse für den Vollzug der Wegweisung nach  Spanien darzustellen vermöchten, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Spanien  daher  zulässig,  zumutbar und möglich sei, dass der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung durch Vermittlung der  Flughafenpolizei  mit  einer  englischsprachigen  Formularbeschwerde,  welche  durch  eine  in  englischer  Sprache  handschriftlich  verfasste  Eingabe  ergänzt  wurde,  am  8.  August  2011  (Datum  Telefaxeingang  sowie  Beschwerde)  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob  und  beantragte,  die  Verfügung  des  BFM  sei  aufzuheben,  er  sei  als  Flüchtling anzuerkennen, es sei ihm Asyl zu gewähren und festzustellen,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  unzulässig,  unzumutbar  sowie  unmöglich sei und folglich sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen, dass  in  prozessualer  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  und  Rechtsverbeiständung  sowie  um  Verzicht  auf  Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht wurde, dass  eventualiter  die  aufschiebende  Wirkung  der  Beschwerde  wiederherzustellen sei, dass  die  zuständige  Behörde  zudem  vorsorglich  anzuweisen  sei,  die  Kontaktnahme  mit  den  heimatlichen  Behörden  sowie  jegliche  Datenweitergabe  an  dieselben  zu  unterlassen,  wobei  der  Beschwerdeführer  –  bei  allfällig  bereits  erfolgter  Datenweitergabe  –  in  einer separaten Verfügung darüber zu orientieren sei, dass  der  Beschwerdeführer  im  handschriftlichen  Teil  seiner  Beschwerdeeingabe  ausführte,  er  und  sein  Bruder  würden  in  Syrien  gesucht, deshalb habe man bereits vier Mal  ihr Haus durchsucht, einige  Freunde und Verwandte verhaftet und andere gar umgebracht,   dass man ihn im Falle einer Rückkehr nach Syrien am Flughafen abfange  und niemand wisse, was danach mit ihm geschehe, dass ausserdem Spanien nicht einmal die Probleme des eigenen Volkes  bewältigen  könne  und  deshalb  erst  recht  nicht  im  Stande  sei,  die  Anliegen der Flüchtlinge zu wahren, 

E­4369/2011 dass er sehr viel über die schlechte Lage in Spanien erfahren habe und  nun Angst habe, die spanischen Behörden würden ihn in sein Heimatland  überstellen,  dass des Weiteren sein Visum nur für Spanien Gültigkeit habe und nicht  für die Europäische Union,  dass  er  schliesslich  die  Schweiz  um  Asyl  nachgesucht  habe  und  nicht  Spanien,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Telefax  vom  9. August  2011  (08.23  h)  gestützt  auf  Art.  56  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das Verwaltungsverfahren  (VwVG, SR  172.021)  den Vollzug  der  angefochtenen  Verfügung  mittels  vorsorglicher  Massnahme  provisorisch  aussetzte,  nachdem  die  vorinstanzlichen  Akten  noch  nicht  vollständig vorgelegen waren, dass  die  vollständigen  vorinstanzlichen  Akten  am  9.  August  2011  (nachmittags, 16.33 h) beim Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109  Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung: dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art.  6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

E­4369/2011 dass  auf  die  frist­  und  formgerechte  Beschwerde  –  mit  nachfolgender  Einschränkung  –  einzutreten  ist  (Art. 108  Abs.  2  AsylG  und  Art.  52  VwVG),  dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art.  32  –  35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht  eingetreten  ist  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr.  34  E.  2.1),  dass  demgegenüber  die  Fragen  der  Flüchtlingseigenschaft  und  der  Asylgewährung  nicht  Gegenstand  des  Verfahrens  bilden  und  auf  die  entsprechenden  Rechtsbegehren  des  Beschwerdeführers  nicht  einzutreten ist, dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  geprüft  hat,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  grundsätzlich  volle  Kognition  zukommt,  wobei  sich  diese  Fragen  –  namentlich  diejenigen  hinsichtlich  des  Bestehens  von  Vollzugshindernissen  (Durchführbarkeit  der  Überstellung  an  den  zuständigen  Staat)  –  in  den  Dublin­Verfahren  bereits  vor  Erlass  des  Nichteintretensentscheides stellen, dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), 

E­4369/2011 dass  der  syrische  Reisepass  des  Beschwerdeführers  ein  von  der  spanischen Botschaft  in Damaskus erteiltes Visum vom (…) 2011 (gültig  vom  (…)  2011)  enthält  (in  der  dem  Gericht  vorliegenden  Fax­Kopie  schlecht  leserlich; der Originalpass befindet sich bei der Vorinstanz und  liegt dem Gericht nicht vor; vgl. aber Protokoll vom 19. Juli 2011 S. 5), dass das BFM am 25.  Juli  2011 gestützt  auf Art.  9 Abs.  2 Dublin­II­VO  das  Ersuchen  um Rückübernahme  des  Beschwerdeführers  an  Spanien  richtete, dass die spanischen Behörden dem Ersuchen des BFM um Übernahme  des Beschwerdeführers am 2. August 2011 zugestimmt haben, dass gemäss Art. 9 Abs. 2 Dublin­II­VO für die Prüfung des Asylantrags  derjenige Mitgliedstaat zuständig  ist, welcher der asylsuchenden Person  ein Visum erteilt hat,  dass (…) der Zeitpunkt der erstmaligen Asylgesuchseinreichung gemäss  Art.  5  Abs.  2  Dublin­II­VO  die  massgebliche  Situation  definiert,  der  zufolge die Zuständigkeitskriterien der Dublin­II­VO – und damit auch der  vorliegend  anwendbare Art. 9 Abs.  2 Dublin­II­VO –  zu  bestimmen  sind  (sog. Versteinerungsprinzip;  vgl. CHRISTIAN  FILZWIESER,  ANDREA  SPRUNG,  Dublin  II­Verordnung,  Das  Europäische  Asylzuständigkeitssystem,  3.  Aufl., Wien­Graz 2010, K4 zu Art. 5, S. 86 f.), dass  im Übrigen  selbst  nach Ablaufen  des  spanischen Visums  gemäss  Art. 9  Abs.  4 Dublin­II­VO  die  Zuständigkeit  Spaniens weiter  bestanden  hätte, zumal der Beschwerdeführer das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten  nicht verlassen hat,  dass nach dem Gesagten  vorliegend Spanien  für  die Durchführung des  Asyl­ und Wegweisungsverfahrens zuständig ist,  dass Spanien unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30),  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  oder  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105) sowie der EMRK ist und keine konkreten Hinweise dafür  bestehen,  Spanien  missachte  das  Rückschiebungsverbot  oder  die  einschlägigen Normen der EMRK,

E­4369/2011 dass  namentlich  kein  konkreter  Grund  zur  Annahme  besteht,  die  spanischen  Behörden  würden  den  Beschwerdeführer  ohne  korrekte  Prüfung  seiner  Gesuchsgründe  in  die  Heimat  zurückführen,  zumal  er  bisher in Spanien gar kein Asylgesuch eingereicht hat,  dass  bei  dieser  Sachlage  für  die  schweizerischen  Asylbehörden  insgesamt  keine  Veranlassung  besteht,  in  Abweichung  von  der  festgestellten  Zuständigkeitsordnung  vom  Selbsteintritt  gemäss  Art.  3  Abs. 2 Dublin­II­VO Gebrauch zu machen, das BFM die Überstellung des  Beschwerdeführers  nach  Spanien  in  diesem  Sinne  zu  Recht  und  mit  zutreffender Begründung als zulässig, zumutbar und möglich erachtet hat  und  die  vom  Bundesamt  verfügte  Wegweisung  samt  ihrem  Vollzug  zu  bestätigen ist,  dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG  richtigerweise  nicht  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  eingetreten ist,  dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus der Schweiz zu Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG) und vorliegend keine  Ausnahme  von  diesem  Grundsatz  ersichtlich  ist  (vgl.  BVGE  2008/34  E. 9.2; EMARK 2001 Nr. 21),  dass  in  Verfahren  nach  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  die  Frage  der  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  regelmässig  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheides  ist  (vgl.  BVGE  2010/45,  E.  10.2),  weshalb  allfällige  Vollzugshindernisse  bereits  im  Rahmen  der  eventuellen  Anwendung der sogenannten Souveränitätsklausel (Art. 3 Abs. 2 Dublin­ II­VO) geprüft wurden,   dass  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  darzutun,  inwiefern  die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtserheblichen  Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen ist  (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist,  dass mit  dem negativen Entscheid  in  der Hauptsache die  prozessualen  Anträge  (Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses,  vorsorgliche  Anweisung  an  die  zuständige  Behörde,  die  Kontaktaufnahme mit  den Behörden des Heimat­  oder Herkunftsstaates  sowie jegliche Datenweitergabe an diese zu unterlassen) gegenstandslos  werden, 

E­4369/2011 dass  aus  den  Akten  nicht  hervorgeht,  dass  dem  Heimatstaat  des  Beschwerdeführers  Daten  weitergegeben  worden  wären,  weshalb  auch  der  entsprechende  Eventualantrag,  eine  derartige  erfolgte  Datenweitergabe  sei  dem  Beschwerdeführer  in  einer  separaten  Verfügung bekanntzugeben, gegenstandslos ist, dass  sich  die  Beschwerde  aufgrund  vorstehender  Erwägungen  als  aussichtslos  darstellte,  weshalb  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  und  2  VwVG  abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­4369/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM,  die  Flughafenpolizei und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Natasa Stankovic Versand:

E-4369/2011 — Bundesverwaltungsgericht 12.08.2011 E-4369/2011 — Swissrulings