Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 16.08.2011 E-3719/2011

16 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,688 mots·~8 min·2

Résumé

Vollzug der Wegweisung | Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. Juni 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­3719/2011 Urteil   v om   1 6 .   Augus t   2011 Besetzung Einzelrichter Markus König, mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli; Gerichtsschreiberin Karin Maeder­Steiner. Parteien A._______,  Mazedonien,    B._______, C._______, D._______, alle Tschechische Republik,  alle vertreten durch Tilla Jacomet, Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende (…),  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. Juni 2011 / N (…).

E­3719/2011 Sachverhalt: A.  Die Beschwerdeführenden – eine Familie mit zwei Kindern –   reisten am  29.  Januar 2011  in die Schweiz ein, wo  sie gleichentags  im Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  Vallorbe  um  Asyl  nachsuchten.  Im  Transitzentrum  Altstätten  wurden  sie  summarisch  befragt  und  für  die  Dauer  des Asylverfahrens dem Kanton G._______  zugeteilt.  Am 2. Mai  2011 führte das BFM die Anhörungen den Asylgründen durch. Die Beschwerdeführenden machten im Wesentlichen Folgendes geltend: Der Beschwerdeführer  sei  ein Rom aus Mazedonien und habe bis  zum  Jahr 1981 zusammen mit seiner Familie in E._______ gelebt. Danach sei  er  nach  Deutschland  ausgewandert,  bis  er  im  Jahr  1993  wegen  seiner  beruflichen  Tätigkeit  als  (…)  nach  Tschechien  gezogen  sei.  Seit  1993  habe  er  in  F._______/Tschechien  gelebt  und  über  eine  permanente  Aufenthaltsbewilligung  verfügt.  Im  Jahr  1997  habe  er  Mazedonien  zum  letzten Mal  besucht,  weil  er  sich mit  der  Beschwerdeführerin  dort  habe  niederlassen  wollen.  Seine  Familie  habe  noch  immer  ein  Haus  in  E._______. Er habe sich  jedoch in Mazedonien nicht sicher gefühlt, und  seine  Frau  sei  von  den  mazedonischen  Männern  belästigt  worden.  Deshalb  seien  sie  wieder  nach  Tschechien  zurückgekehrt.  Dort  sei  er  jedoch  als  Roma  Behelligungen  ausgesetzt  gewesen.  Er  sei  ständig  malträtiert,  beschimpft  und  ausgegrenzt  worden.  Deswegen  habe  er  mehrmals erfolglos bei der Polizei um Schutz nachgesucht. Die Tochter  habe bereits zweimal die Schule wechseln müssen. Die  Beschwerdeführerin  führte  aus,  sie  sei  Roma  aus  Tschechien  und  seit  (…)  mit  dem  Beschwerdeführer  verheiratet.  Die  Kinder  hätten  Probleme  in  der  Schule  gehabt,  sie  hätten  keine  Rechte  und  würden  wegen  ihrer  ethnischen  Zugehörigkeit  diskriminiert.  Zudem  sei  die  Tochter  herzkrank  und  auf  ärztliche  Kontrollen  angewiesen,  was  in  Tschechien  nicht  möglich  sei.  Als  sie  während  einer  Schwangerschaft  Komplikationen  gehabt  habe,  habe  man  sie  im  Spital  grundlos  warten  lassen. Sie sei zurzeit erneut  im (…) Monat schwanger, das Kind werde  (…) 2011 erwartet. Die  Beschwerdeführenden  reichten  ihre  Reisepässe  und  die  Beschwerdeführerin zusätzlich ihre Identitätskarte zu den Akten.

E­3719/2011 B.  Mit  Schreiben  vom  1.  April  2011  bat  das  Migrationsamt  des  Kantons  G._______  um  prioritäre  Behandlung  des  Asylgesuchs  der  Familie  A._______.  Am  29.  März  2011  seien  der  Beschwerdeführer  und  die  Beschwerdeführerin  vom  Zentrum  für  Asylsuchende  verwarnt  worden,  weil  sie  wiederholt  dissozial  und  gewalttätig  in  Erscheinung  getreten  seien. Gemäss  Mitteilung  der  Kantonspolizei  G._______  wurde  am  28.  April  2011  gegen  die  Beschwerdeführerin  Anzeige  wegen  einfacher  Körperverletzung  erhoben.  Demgemäss  habe  sie  einen  anderen  Asylsuchenden mit einem Glas verletzt und ihm Schnittwunden zugefügt.  C.  Mit Verfügung vom 21. Juni 2011 – eröffnet am 23. Juni 2011 – trat das  BFM  gestützt  auf  Art.  34  Abs.  1  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht  ein,  verfügte  ihre  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnete  den  Wegweisungsvollzug an.  D.  Mit Eingabe vom 30. Juni 2011  liessen die Beschwerdeführenden durch  ihre  Rechtsvertreterin  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  beantragen,  die  Verfügung  des  BFM  sei  betreffend  die  Ziffern  3  und  4  des  Dispositivs  aufzuheben  und  die  Vorinstanz  anzuweisen, sie  infolge Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  vorläufig  in  der  Schweiz  aufzunehmen.  Ausserdem  sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  bis  nach  der  Geburt  des  Kindes  der  Beschwerdeführenden  auszusetzen  und  eine  angemessene  Ausreisefrist  anzusetzen.  In  prozessualer  Hinsicht  beantragten  die  Beschwerdeführenden  die Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  den  Verzicht  auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.  E.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  5.  Juli  2011  hielt  der  Instruktionsrichter  fest, die Beschwerdeführenden könnten den Ausgang des Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  und  setzte  Frist  zur  Nachreichung  der  in  der  Beschwerdeschrift angekündigten Arztberichte.

E­3719/2011 F.  Mit  Eingabe  vom 8.  Juli  2011  reichten  die Beschwerdeführenden  innert  Frist die angekündigten Arztberichte nach. Es handelt sich dabei um eine  Bestätigung  der  Reiseunfähigkeit  der  Beschwerdeführerin  vom  6.  Juli  2011,  um einen Bericht  der Kinder­  und  Jugendpsychiatrischen Dienste  G._______ vom 7. Juli 2011 betreffend den Sohn sowie um ein ärztliches  Zeugnis vom 3. Juli 2011 betreffend den Beschwerdeführer. G.  Mit  Eingabe  vom  2.  August  2011  reichten  die  Beschwerdeführenden  ausserdem einen Austrittsbericht der Klinik H._______ vom 27. Juli 2011  betreffend die Beschwerdeführerin zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art.  33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet darüber, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens  des Staates, vor welchem die Beschwerdeführende Partei Schutz sucht,  endgültig  (Art. 105  AsylG,  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Beurteilung des Verfahrens richtete sich nach dem VwVG und dem BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art.  37  VGG  und  Art.  6  AsylG). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  48  Abs. 1, Art. 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

E­3719/2011 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.  4.1.  Wie  bereits  in  der  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  5.  Juli  2011  festgestellt,  wird  mit  der  Beschwerde  ausschliesslich  der  angeordnete  Vollzug  der  Wegweisung  angefochten.  Die  Ziffern  1  (Nichteintreten  auf  Asylgesuch)  und  2  (Anordnung  der  Wegweisung)  des  Dispositivs  der  Verfügung  des  BFM  vom  21.  Juni  2011  sind  somit  mangels  Anfechtung  in  Rechtskraft  erwachsen. 4.2.  Im  vorliegenden Verfahren  ist  somit  einzig  die Frage  zu beurteilen,  ob  die  Wegweisung  zu  vollzeihen  oder  ob  anstelle  des  Vollzugs  eine  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen  ist  (Art.  44  AsylG  i.V.m.  Art.  83  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer (AuG, SR 142.20). 5.  5.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht  möglich,  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 

E­3719/2011 WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi/Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 5.2. Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden,  in dem  ihr Leib oder  ihre Freiheit aus einem Grund  nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet  ist oder  in dem sie Gefahr  läuft, zur  Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG;  vgl.  ebenso Art.  33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die  Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen  werden. 5.2.1. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. MARIO GATTIKER, Das  Asyl­ und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Angesichts  des  rechtskräftigen  Nichteintretensentscheids  gemäss  Art.  34  Abs.  1  AsylG  kann  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  praxisgemäss  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der  Beschwerdeführenden  in  den  Heimat­  bzw.  Herkunftsstaat  ist  demnach  unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 5.2.2.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie  für den Fall einer Ausschaffung  in den Heimatstaat dort mit beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des 

E­3719/2011 Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des UN­Anti­Folter­ausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihnen  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung drohen würde  (vgl. EGMR,  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde  Nr. 37201/06, §§ 124­ 127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Heimat­  beziehungsweise  Herkunftsland  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig erscheinen.  5.2.3. Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im  Sinn der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 5.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002  3818). 5.3.1.  Im  vorliegenden  Fall  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  in  die  Tschechische  Republik  als  zumutbar  im  Sinn  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  zu  bezeichnen,  da  sie  nicht  glaubhaft  darzutun  vermochten,  dass  sie  bei  einer  Rückkehr  ins  Heimat­  beziehungsweise Herkunftsland einer konkreten Gefährdungssituation im  Sinn  der  zu  beachtenden  Bestimmung  ausgesetzt  wären.  In  der  Tschechischen  Republik  herrscht  zurzeit  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt,  weshalb  in  konstanter  Praxis  von  der  grundsätzlichen  Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen wird. 5.3.2. Das BFM hält  in der angefochtenen Verfügung  fest, weder die  im  Heimatstaat  herrschende  politische  Situation  noch  andere  Gründe  würden  gegen  die  Zumutbarkeit  der  Rückführung  der  Beschwerdeführenden  sprechen.  Zudem  sei  der  Beschwerdeführer  mazedonischer  Staatsangehöriger.  Somit  hätten  die  Beschwerdeführenden  grundsätzlich  auch  die  Möglichkeit  in  das  Heimatland  des  Beschwerdeführers  zurückzukehren.  Vorliegend  seien  auch  keine  Gründe  ersichtlich,  welche  gegen  die  Rückkehr  nach 

E­3719/2011 Mazedonien  sprechen  würden.  Betreffend  der  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Probleme  der  Kinder  sei  festzuhalten,  dass  keine  Angaben  über  angebliche  gesundheitliche  Probleme  der  Kinder  aktenkundig seien. Zudem sei die medizinische Versorgungslage sowohl  in der Tschechischen Republik wie auch in Mazedonien als relativ gut zu  bezeichnen, so dass die Probleme der Kinder behandelbar wären. 5.3.3.  Auf  Beschwerdeebene  machen  die  Beschwerdeführenden  demgegenüber  geltend,  die  Beschwerdeführerin,  der  Beschwerdeführer  und  auch  der  Sohn  hätten  gesundheitliche  Probleme.  Die  Beschwerdeführerin  sei  schwanger,  der  errechnete  voraussichtliche  Geburtstermin  sei  am  (…)  2011.  Sie  habe  vorzeitige  Wehen  und  sei  deshalb  nicht  reisefähig,  weil  die  Gefahr  einer  Frühgeburt  bestehe.  Im  angefochtenen  Entscheid  des  BFM  sei  die  Situation  der  Beschwerdeführerin  unerwähnt  geblieben.  Der  Beschwerdeführer  sei  wegen  Nierensteinen  vom  23.  Juni  2011  bis  zum  26.  Juni  2011  im  Kantonsspital  G._______  hospitalisiert  gewesen.  Ausserdem  habe  er  einen  zweifachen  Nasenbruch  erlitten.  Er  sei  weiterhin  behandlungsbedürftig.  Auch  auf  die  gesundheitliche  Situation  des  Beschwerdeführers  sei  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  nicht  eingegangen. Der (…)­jährige Sohn sei mehrfach zu Untersuchungen im  Kinder­ und Jugendpsychiatrischen Dienst G._______ gewesen. Er leide  unter  einem  allgemeinen  Entwicklungsrückstand  aufgrund  mangelnder  Förderung,  welcher  auf  seine  Vergangenheit  als  Roma  in  Tschechien  zurückzuführen sei. Gemäss der zuständigen Psychologin sollte dringend  mit  einer  heilpädagogischen  Therapie  begonnen werden.  Diesbezüglich  sei  darauf  hinzuweisen,  dass  bereits  in  Tschechien  eine  neurologische  Untersuchung stattgefunden habe und die Notwendigkeit einer Therapie  festgestellt worden sei, welche aber dem Jungen aufgrund seiner Ethnie  vorenthalten  worden  sei.  Deshalb  könne  nicht  davon  ausgegangen  werden,  dass  der  Sohn  im  Fall  einer  Rückkehr  in  die  Tschechische  Republik  die  notwendige  Therapie  erhalten  würde.  Der  Vollzug  der  Wegweisung entspreche nicht dem Kindswohl und würde der gesunden  Entwicklung des Kindes schaden. Auch die diskriminierende Behandlung,  welche  die  Beschwerdeführenden  in  Tschechien  erlebt  hätten  und   im  Fall  einer  Rückkehr  erneut  erleben  würden,  würde  sich  negativ  auf  die  Entwicklung der Kinder auswirken.  5.3.4.  In  den  Akten  befinden  sich  keine  ausreichend  begründeten  Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr  in  die  Heimat  aus  individuellen  Gründen  wirtschaftlicher,  sozialer  oder 

E­3719/2011 gesundheitlicher  Natur  in  eine  existenzbedrohende  Situation  geraten  würden.  5.3.4.1 Der Beschwerdeführer hat zwar keinen Beruf erlernt, hat indessen  ein  paar  Jahre  die  Schule  besucht  und  in  verschiedenen  Bereichen  Berufserfahrung  gesammelt.  So  hat  er  eigenen  Angaben  zufolge  in  Tschechien Handel betrieben, in (…) und (…) gearbeitet. Auch wenn der  Beschwerdeführer im Fall einer Rückkehr bei der Wiedereingliederung in  den  Arbeitsmarkt  mit  Schwierigkeiten  konfrontiert  sein  dürfte,  ist  vorliegend  dennoch  davon  auszugehen,  dass  es  ihm  gelingen  wird  ein  Auskommen für sich und seine Familie zu finden und somit nicht  in eine  existenzielle Notlage zu geraten. Ausserdem  leben ein Bruder und eine  Schwester des Beschwerdeführers in I._______, eine Schwester lebt seit  acht Jahren  in  (…) und eine weitere  ist  (…) Staatsangehörige. Somit  ist  auch  mit  der  Unterstützung  der  Familienangehörigen  zu  rechnen.  Die  gesundheitlichen  Probleme  des  Beschwerdeführers  sind  nicht  derart  gravierend,  dass  ihm  daraus  Nachteile  bei  der  Wiedereingliederung  in  den Arbeitsmarkt erwachsen werden. Gemäss Arztberichten musste der  Beschwerdeführer  im  Juni  2011  zweimal  zur  Entfernung  von  Nierensteinen  für  kurze  Zeit  hospitalisiert  werden.  Gemäss  Arztbericht  vom 3. Juli 2011 könnten immer noch Reststeine vorhanden sein, was zu  wiederholten Nierenkoliken führen könnte. Diesbezüglich ist festzuhalten,  dass Nierensteine auch in der Tschechischen Republik behandelt werden  können  und  somit  keinen  Grund  für  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  darstellen.  Der  –  im  Rahmen  einer  Schlägerei  zugezogene  –  Nasenbeinbruch  des  Beschwerdeführers  ist  bei  der  Prüfung  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  offensichtlich  ebenfalls nicht relevant. 5.3.4.2  Die  Beschwerdeführerin  hat  eine  dreijährige  Lehre  als  (…)  abgeschlossen aber danach keine Arbeit gefunden. Sie wurde von ihren  Eltern unterstützt und hat nach der Heirat die Ware, mit welcher ihr Mann  gehandelt  hat,  verkauft.  Ausserdem  wurde  sie  finanziell  vom  Staat  unterstützt,  so  dass  das  Existenzminimum  sichergestellt  war.  Die  Beschwerdeführerin  ist  zurzeit  schwanger,  der  Geburtstermin  ist  (…)  2011. Im Arztbericht vom 6. Juni 2011 wird ihr Reiseunfähigkeit attestiert,  zumal  es  sich  um  eine  Risikoschwangerschaft  handelt  und  die  Beschwerdeführerin  bis  zur  Geburt  unter  ärztlicher  Aufsicht  sein  muss.  Die  Beschwerdeführerin  war  ausserdem  wegen  vorzeitiger  Wehentätigkeit  drei  Tage  in  der Klinik  J._______ hospitalisiert. Gemäss  Austrittsbericht  des  Spitals  H._______  vom  27.  Juli  2011  musste  die 

E­3719/2011 Beschwerdeführerin  wegen  akuten  stechenden  Brustschmerzen  und  Panikattacke  vom  29.  Juni  2011  bis  zum  30.  Juni  2011  stationär  behandelt  werden.  Was  die  Schwangerschaft  der  Beschwerdeführerin  betrifft,  ist  festzuhalten,  dass  dieser Umstand  –  auch wenn  es  sich wie  offenbar  vorliegend  um  eine  Risikoschwangerschaft  handelt  –  nicht  in  erster  Linie  die  Zumutbarkeit  sondern  vielmehr  die  Möglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  beschlägt,  nachdem  die  damit  verbundenen  medizinischen Aspekte naturgemäss vorübergehender Natur sind (und im  Übrigen  zweifellos  auch  im  Heimatland  der  Beschwerdeführerin  behandelbar wären). Damit die Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs  aber  zur  Anordnung  einer  vorläufigen  Aufnahme  führt,  muss  diese  mindestens ein Jahr dauern (vgl. EMARK 1995 Nr. 14 E. 8, 2002 Nr. 17  E. 6), wovon vorliegend nicht auszugehen ist.  Hingegen ist das BFM anzuweisen, die Geburt abzuwarten und eine den  vorliegenden Umständen angemessene Ausreisefrist anzusetzen, welche  dem Wohl der Mutter und des neugeborenen Kinds Rechnung trägt.  5.3.4.3 Was  die  gesundheitlichen  Probleme  des  Sohns  betrifft,  hält  der  Bericht  der Kinder­  und Jugendpsychiatrischen Dienste G._______ vom  7. Juli 2011  fest, der Junge sei körperlich altersentsprechend entwickelt,  gepflegt  und  interessiert.  Im  motorischen  und  sprachlichen  Bereich  sei  sein  Entwicklungsrückstand  deutlich.  Er  zeige  grosse  Probleme  im  motorischen  Bereich,  im  Orientierungsbereich  und  im  sprachlichen  Bereich.  Sein  Satzaufbau  bleibe  auf  ein  Wort  beschränkt.  Es  sei  zu  vermuten,  dass  keine  entsprechende  Anregung  in  der  Entwicklung  stattgefunden habe. Eine heilpädagogische Massnahme bei allgemeinem  Entwicklungsrückstand wird dringend empfohlen. Nach Kenntnissen des  Bundesverwaltungsgerichts  ist  ein  solches  Entwicklungsdefizit  auch  in  der  Tschechischen Republik  behandelbar. Davon,  dass Roma aufgrund  ihrer  Ethnie  durch  Nichtgewährung  der  notwendigen  medizinischen  Leistungen diskriminiert würden, ist nicht auszugehen. Abgesehen davon  könnte  gegen  solche Umstände  im EU­Staat Tschechien  auch auf  dem  Rechtsweg  vorgegangen  werden.  Auch  die  gesundheitlichen  Probleme  des  Sohnes  sind  für  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  nicht  relevant. 5.3.5.  Abschliessend  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  mazedonischer Staatangehöriger ist und die Beschwerdeführenden auch  die Möglichkeit hätten, nach Mazedonien zu gehen, zumal keine Gründe  ersichtlich  sind,  die  gegen  eine  Rückkehr  nach  Mazedonien  sprechen 

E­3719/2011 würden  und  die  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Probleme  der  Beschwerdeführenden auch dort behandelbar wären. 5.3.6.  Nach  diesen  Ausführungen  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung auch als zumutbar. 5.4.  Schliesslich  obliegt  es  den  Beschwerdeführenden,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  allenfalls noch notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4  AsylG),  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.  Insgesamt  ist  die  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Wegweisung  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  deren  Vollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  bezeichnet.  Nach  dem  Gesagten  fällt  eine  Anordnung der  vorläufigen Aufnahme ausser Betracht  (Art.  83 Abs.  1­4  AuG). 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist damit abzuweisen. 8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  den  Beschwerdeführenden aufzuerlegen  (Art.  63 Abs. 1 VwVG; Art.  1­3 des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Das Gesuch  um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist abzuweisen, weil die  Beschwerdebegehren  als  aussichtslos  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  bezeichnet werden mussten. (Dispositiv nächste Seite)

E­3719/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das BFM wird angewiesen, nach der Niederkunft der Beschwerdeführerin  eine den Umständen angemessene Ausreisefrist anzusetzen. 3.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.‒  werden  den  Beschwerdeführenden auferlegt. 4.  Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und kantonale  Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Karin Maeder­Steiner Versand:

E-3719/2011 — Bundesverwaltungsgericht 16.08.2011 E-3719/2011 — Swissrulings