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Bundesverwaltungsgericht 20.09.2011 E-2923/2008

20 septembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,287 mots·~11 min·1

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 1. April 2008

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­2923/2008 Urteil   v om   2 0 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter François Badoud, Gerichtsschreiber Rudolf Raemy. Parteien A._______, und B._______, Kolumbien, vertreten durch (…) Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 1. April 2008 / N (…).

E­2923/2008 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführenden  ersuchten  – zusammen mit  C._______,  dem  Ehemann der Beschwerdeführerin, von welchem sie getrennt lebt und der  nicht der Vater  (…)  ist – am 20. September 2007 durch Vermittlung des  Internationalen  Komitees  des  Roten  Kreuzes  (IKRK)  bei  der  Schweizer  Botschaft  in  Bogotá  um  Asyl  nach.  Diese  übermittelte  die  schriftlichen  Asylgesuche  mitsamt  den  dazu  eingereichten  Unterlagen  gleichentags  dem BFM. B.  Das BFM bewilligte den Beschwerdeführenden (und C._______) am (…)  2007 die Einreise in die Schweiz zur Durchführung der Asylverfahren. Die  Beschwerdeführenden reisten am (…) 2008, C._______ am (…) 2008, in  die Schweiz ein. C.  Am  18. Februar  2008 wurden  die  Beschwerdeführerin  (und C._______)  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (…)  zu  ihren  Ausreise­  und  Asylgründen  angehört.  Am  19. März  2008  führte  das  BFM  eine  direkte  Anhörung durch. D.  Mit  Eingabe  vom  11. März  2008  reichte  die  Beschwerdeführerin  (zusammen mit C._______) weitere Beweismittel zu den Akten. E.  Das  BFM  wies  mit  Verfügung  vom  1. April  2008  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  und  von  C._______  ab  und  ordnete  die  Wegweisung  und  deren  Vollzug  an.  Zur  Begründung  machte  es  im  Wesentlichen  geltend,  ihre  Vorbringen  genügten  den Anforderungen  an  die Glaubhaftigkeit nicht. F.  Am 10. April 2008 wurde die Verfügung vom 1. April 2008 von der Post  mit dem Vermerk "nicht abgeholt" an das BFM zurückgeschickt. G.  Die  Beschwerdeführenden  stellten  am  5. Mai  2008  durch  ihren  Rechtsvertreter  beim  Bundesverwaltungsgericht  ein  "Gesuch  um  Verlängerung der Rekursfrist".

E­2923/2008 H.  Das  BFM  schickte  dem  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführenden  am  6. Mai 2008 antragsgemäss eine Kopie der Verfügung vom 1. April 2008. I.  Das Bundesverwaltungsgericht hielt mit Zwischenverfügung vom 14. Mai  2008  fest,  die  Eingabe  vom  5.  Mai  2008  werde  als  verbesserungsbedürftige  Beschwerde  entgegen  genommen,  die  Beschwerdeführenden  könnten  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  und  forderte  sie  unter  Fristgewährung  zur  Verbesserung sowie zur Einzahlung eines Kostenvorschusses auf. J.  Die  Beschwerdeführenden  reichten  mit  Eingabe  vom  21. Mai  2008  (Datum Poststempel 23. Mai 2008) eine Beschwerdeverbesserung unter  Beilage  zahlreicher  Beweismittel  ein  und  bezahlten  gleichentags  den  Kostenvorschuss. In ihrer Beschwerde beantragten sie die Aufhebung der  angefochtenen  Verfügung,  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  sowie  die  Asylgewährung.  Die  Beschwerdeführerin  sei  zu  einer  neuen  Befragung  vorzuladen.  Eventualiter  sei  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben  und  die  Sache  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Unzulässigkeit des Vollzugs der  Wegweisung festzustellen und die vorläufige Aufnahme zu gewähren.  In  verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde die Gewährung der unentgeltlichen  Rechtspflege  und  Rechtsverbeiständung  sowie  der  Verzicht  auf  die  Erhebung eines Kostenvorschusses beantragt. K.  Mit  Eingabe  vom  24. Mai  2008  reichten  die  Beschwerdeführenden  weitere Beweismittel zu den Akten. L.  Mit Urteil vom 5. Juni 2008 trat das Bundesverwaltungsgericht auf die von  C._______  eingereichte  Beschwerde  vom  22. Mai  2008  zufolge  Nichteinhaltung der Beschwerdefrist nicht ein (…). C._______ kehrte am  (…) 2008 nach Kolumbien zurück. M.  Das Bundesverwaltungsgericht  gewährte  den Beschwerdeführenden mit  Zwischenverfügung  vom  16. Juni  2011  die  Möglichkeit  der  Einreichung 

E­2923/2008 einer  ergänzenden  Stellungnahme  unter  Beilage  allfälliger  Beweismittel  bis zum 1. Juli 2011. Sie enthielten sich einer Eingabe. N.  Das  Bundesverwaltungsgericht  forderte  die  Beschwerdeführenden  mit  Zwischenverfügung vom 24. August 2011 zur Übersetzung der von ihnen  im Beschwerdeverfahren  eingereichten  fremdsprachigen Dokumente  bis  zum  13. September  2011  auf.  Dabei  wurden  die  Beschwerdeführenden  darauf  hingewiesen,  dass  nicht  übersetzt  gebliebene  fremdsprachige  Dokumente keine Beachtung  im Verfahren  finden könnten und  letzteres  gestützt auf die bestehende Aktenlage fortgeführt werde. O.  Die  Beschwerdeführenden  reichten  am  9. September  2011  eine  Übersetzung eines Briefes  vom 19. Mai  2008 zu den Akten und wiesen  darauf  hin,  dass  sie  sich  unter  Berücksichtigung  des  Umfangs  der  Dokumente,  der  hohen  Kosten  und  der  knappen  Frist  auf  die  Übersetzung der wichtigsten Dokumente beschränkten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).

E­2923/2008 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  legitimiert  (Art. 108  AsylG  sowie  Art. 105  Abs. 1  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  Vorab  ist  festzustellen, dass die Beschwerdeführenden auf Aufforderung  des  Gerichts  vom  24. August  2011  einzig  das  als  Beweismittel 

E­2923/2008 eingereichte Schreiben vom 19. Mai 2008 (…) in deutscher Übersetzung  einreichten. Die weiteren von den Beschwerdeführenden als Beweismittel  eingereichten  fremdsprachigen  Dokumente  können  daher  androhungsgemäss  (vgl.  Zwischenverfügung  vom  24. August  2011)  im  vorliegenden Verfahren keine Berücksichtigung finden. 5.  5.1. Zur Begründung ihres Asylgesuches machte die Beschwerdeführerin  bei der Vorinstanz  im Wesentlichen geltend, aufgrund der Probleme von  C._______ sei  ihr  Leben und dasjenige  (…)  in Gefahr. Der Hauptgrund  ihrer  Probleme  seien  jene  von  C._______  gewesen.  Eine  zusätzliche  Ursache  sei  ihre  Arbeit  bei  der  Nichtregierungsorganisation  (NGO)  D._______  gewesen,  welche  sich  um  den  Fall  der  E._______  vor  der  interamerikanischen Menschenrechtskommission gekümmert habe. Sie  habe  C._______  im  Juni  2006  kennengelernt,  als  er  bei  der  D._______,  wo  sie  als  (…)  tätig  gewesen  sei,  vorgesprochen  habe.  Geheiratet hätten sie am (…), nachdem sie ein Jahr lang verlobt gewesen  seien. Seit  Januar  (…) sei  sie  verfolgt worden; beispielsweise wenn sie  (…) zur Schule gebracht habe. Es seien die gleichen Männer gewesen,  die  auch  C._______  bedroht  hätten.  Diese  hätten  ihr  gezeigt,  dass  sie  bewaffnet  seien,  sie  angehalten  und  ihr  gesagt,  sie  wüssten,  wo  sie  wohne.  Ihr  sei  zudem  mit  dem  Tod  gedroht  worden.  Wegen  den  Drohanrufen und den Verfolgungen habe sie Anzeige erstattet. Nachdem  sie  erfahren  habe,  dass  C._______.  eine  Beziehung  zu  einer  anderen  Frau gehabt habe, habe sie ­ bereits vor ihrer Ausreise aus Kolumbien ­  die Scheidung beantragt (vgl. vorinstanzliche Akten A 13 und A 21). 5.2.  Den  Aussagen  von  C._______  lässt  sich  im  Wesentlichen  entnehmen,  dass  er  als  (…)  in  einem  von  der  nationalen  Polizei  geleiteten  Spital  tätig  gewesen  sei,  dabei  einen  Finanzskandal  bei  der  Polizei  aufgedeckt  und  diesbezüglich  mehrere  Anzeigen  bei  verschiedenen  Behörden  eingereicht  habe.  Deswegen  habe  er  telefonische Morddrohungen erhalten und werde von der Policia nacional  und von Paramilitärs gesucht und verfolgt. Mit Hilfe von D._______ und  durch Vermittlung  des  IKRK habe  er  ein Asylgesuch  für  sich  und  seine  Familie eingereicht. Die Beschwerdeführerin habe er geheiratet, weil ihm  D._______  gesagt  habe,  dies  sei  für  ihn  die  einzige  Möglichkeit,  Kolumbien  möglichst  rasch  zu  verlassen  und  ihm  nur  geholfen  werden  könne,  wenn  er  verheiratet  sei.  Im  Heimatland  lebten  seine 

E­2923/2008 Lebenspartnerin  mit  einem  gemeinsamen  sowie  einem  weiteren  Kind.  Dessen  Vater  habe  sein  Kind  nicht  ausreisen  lassen  wollen,  so  dass  C._______ nicht mit  seiner Lebenspartnerin  in die Schweiz habe  reisen  können.  Aus  diesen  Gründen  habe  er  eingewilligt,  die  Beschwerdeführerin zu heiraten. 5.3.  Zur  Begründung  seiner  Verfügung  führte  das  BFM  aus,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  und  von  C._______  genügten  den  Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht. Sie seien als der allgemeinen  Erfahrung oder der Logik des Handelns widersprechend, nachgeschoben  sowie  widersprüchlich  zu  qualifizieren  und  basierten  auf  untauglichen  Beweismitteln.  Insbesondere  sei  realitätsfremd,  dass  C._______  von  D._______  gesagt  worden  sei,  für  einen  alleinstehenden  Mann  sei  es  schwierig,  Kolumbien  zu  verlassen.  Auffällig  sei  weiter,  dass  die  Beschwerdeführerin  und C._______ am gleichen Tag geheiratet  hätten,  an  dem  sie  den  Fragebogen  für  die  Schweizer  Vertretung  in  Bogotá  unterzeichnet  und  nach  der  Ankunft  in  der  Schweiz  die  Scheidung  beantragt  hätten.  Dies  lasse  den  Verdacht  aufkommen,  die  Beschwerdeführerin  und  C._______  hätten  lediglich  zum  Zweck  der  Einreise in die Schweiz geheiratet. Weiter stellte die Vorinstanz  fest, die Beschwerdeführerin habe erstmals  in  der Schweiz  angegeben,  (…)  von D._______ gewesen  zu  sein. Weil  sie dies nicht bereits bei der Vertretung in Bogotá geltend gemacht habe,  komme der Verdacht  auf,  sie  habe  bei  der Unterstützung  des Gesuchs  durch  D._______  einen  gewissen  Einfluss  ausgeübt.  Diese  Annahme  werde dadurch erhärtet, dass die Aussagen von C._______ bezüglich der  geltend  gemachten  Übergriffe  nicht  mit  den  Inhalten  der  Bestätigungsschreiben  von  D._______  übereinstimmten.  Zudem  enthielten  die  Unterstützungsschreiben  von  D._______  datums­  und  unterschriftsmässige  Ungereimtheiten.  Vor  diesem  Hintergrund  könnten  sie  nicht  als  beweistauglich  qualifiziert  werden,  und  es  müsse  angenommen  werden,  es  handle  sich  entweder  um  Gefälligkeitsschreiben  oder  um  Fälschungen,  so  dass  die  geltend  gemachte Verfolgungssituation nicht geglaubt werden könne. Als  nachgeschoben  bezeichnete  das  BFM  das  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin, wonach sie aufgrund  ihrer Arbeit  bei D._______  in  Kolumbien Schwierigkeiten gehabt habe, da sie bei der Anhörung im EVZ  eindeutig zu Protokoll gegeben habe, ausser den Problemen wegen ihres  Ehemannes keine weiteren Verfolgungen im Heimatland erlebt zu haben. 

E­2923/2008 Ebenfalls  als  verspätet  seien  die  Vorbringen  von  C._______  zu  beurteilen, wonach er überdies von Paramilitärs gesucht und dass auf ihn  ein Anschlag ausgeübt worden sei, zumal er dies erstmals anlässlich der  Bundesanhörung vorgebracht habe. Schliesslich wies die Vorinstanz auf  gewisse Widersprüche  in den Vorbringen von C._______ hin und stellte  fest, dass sich die Beschwerdeführerin und C._______ bezüglich seiner  Verfolgungssituation in Bogotá ebenfalls widersprochen hätten. 5.4.  In  ihrer  Beschwerde  führte  die  Beschwerdeführerin  aus,  dass  die  Vorinstanz  den  Sachverhalt  im  Wesentlichen  zutreffend  zusammengefasst  habe,  rügte  indessen,  dass  sich  diese  bei  der  Befragung beziehungsweise Anhörung der Beschwerdeführerin zu strikte  an  die  Verfolgungsgründe  von  C._______  gehalten  habe,  ohne  zu  berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin selber in ihrem Heimatland  ebenfalls verfolgt worden sei. Sie habe kaum die Möglichkeit gehabt, ihre  eigenen  Gesuchsgründe  darzulegen.  Die  meisten  der  vom  BFM  festgestellten  Widersprüche  würden  sich  aus  den  Aussagen  von  C._______ ergeben. Dieser habe die Heirat mit der Beschwerdeführerin  nur  angestrebt,  damit  er  in  die  Schweiz  einreisen  könne,  um  anschliessend  seinen  gehbehinderten  Sohn,  den  er  kurz  vor  seiner  Ausreise  anerkannt  habe,  in  die  Schweiz  zu  holen.  Sie  aber  habe  C._______ aus Liebe geheiratet und die Scheidung eingereicht, nachdem  sie erfahren habe, dass er eine Beziehung zu einer anderen Frau habe. Weiter  rügt  die  Beschwerdeführerin,  dass  der  Befragungsstil  der  Anhörungsperson  des  BFM  vermuten  lasse,  dass  diese  nicht  gewillt  gewesen  sei,  ihr  unvoreingenommen  zuzuhören.  Ferner  sei  ihr  nicht  genügend  Gelegenheit  geboten  worden,  über  ihre  Tätigkeit  bei  D._______  und  die  Mitgliedschaft  bei  der  E._______  zu  sprechen.  Dadurch sei  das  rechtliche Gehör nicht  gewahrt worden, und es müsse  ihr  folglich  die  Möglichkeit  gegeben  werden,  sich  nochmals  ausführlich  über ihre Verfolgungsgründe zu äussern.  Zum  Beweis  einer  eigenen  Verfolgung  reichte  die  Beschwerdeführerin  mehrere  Bestätigungsschreiben  von  D._______  zu  den  Akten.  Dem  Vorhalt  der  Vorinstanz,  wonach  die  Bestätigungsschreiben  von  D._______  nicht  beweistauglich  seien,  hielt  sie  entgegen,  dass  C._______ die Unterschriften zu seinen eigenen Gunsten gefälscht habe. 6.  Vorab  ist  auf  die  Rüge  des  Vorliegens  eines  schwerwiegenden 

E­2923/2008 Verfahrensfehlers,  der  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs,  einzugehen,  indem  der  Beschwerdeführerin  von  der  Vorinstanz  nicht  ausreichend  Gelegenheit  gewährt  worden  sei,  ihre  eigenen  Asylgründe  vorzutragen.  Zudem  lasse  das  Verhalten  der  befragenden  Person  des  BFM  die  Vermutung  aufkommen,  dass  diese  nicht  gewillt  gewesen  sei,  ihr  unvoreingenommen  zu  begegnen  und  sie  (die  Beschwerdeführerin)  deshalb nochmals anzuhören sei.  6.1.  Im Verwaltungsverfahren und  im spezifischen Asylverfahren gilt der  Untersuchungsgrundsatz,  das  heisst  die  Behörde  stellt  den  rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 6 AsylG i.V.m.  Art. 12  VwVG;  vgl.  Art. 106  Abs. 1  Bst. b  AsylG).  Die  behördliche  Untersuchungspflicht  wird  durch  die  den  Asylsuchenden  gestützt  auf  Art. 8  AsylG  auferlegte  Mitwirkungspflicht  eingeschränkt,  wobei  sie  insbesondere  ihre  Identität  offenzulegen  und  bei  der  Anhörung  der  Behörde  alle  Gründe  mitzuteilen  haben,  die  für  die  Asylgewährung  relevant sein könnten (BVGE 2009/50 E. 10.2.1 S. 734, BVGE 2008/24 E.  7.2  S.  356  f.  BVGE  2007/21  E.  11.1.3  S. 250).  Was  die  daraus  resultierenden Anforderungen an die mündliche Anhörung gemäss Art. 29  AsylG und die entsprechende Gewährung des rechtlichen Gehörs betrifft,  so  soll  die  Anhörung  immerhin  Gewähr  dafür  bieten,  dass  die  asylsuchende  Person  ihre  Asylgründe  vollständig  darlegen  kann,  und  diese von der Asylbehörde korrekt erfasst werden, wobei die mündliche  Befragung  insbesondere  auch  dazu  dient,  gezielte  Rückfragen  zur  Erhebung  des Sachverhalts  zu  stellen  und Missverständnisse  zu  klären  (vgl.  BVGE  2008/24  E. 7.2  S. 356  f.,  BVGE  2007/30  E. 5.5.1  und  5.5.2  S. 365  f.; WALTER KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt  a.M.1990, S. 256 f.). 6.2. Aus  den Akten  ergibt  sich,  dass  die Beschwerdeführerin  anlässlich  der  Befragung  im  EVZ  vom  18. Februar  2008  ausreichend Gelegenheit  gehabt hat, zu begründen, warum sie  ihr Heimatland verliess und  in die  Schweiz  kam.  Dabei  hat  sie  – auch  auf  Nachfrage  hin –  ausdrücklich  festgehalten,  einzig  wegen  der  Probleme  von  C._______  sei  ihr  Leben  und  dasjenige  ihres  Kindes  in  Gefahr  gewesen.  Nach  erfolgter  Rückübersetzung  hat  sie  die  Vollständigkeit  und  Korrektheit  ihrer  protokollierten Aussagen  unterschriftlich  bestätigt  (vgl.  A13/9 S. 4 f.  und  7). In Übereinstimmung mit der Beschwerdeführerin ist festzustellen, dass es  bei  ihrer  Anhörung  vom  19. März  2008  zu  einem wesentlichen  Teil  um 

E­2923/2008 C._______ und ihr Verhältnis zu ihm ging. Aus dem Protokoll ergibt sich  aber auch, dass die Beschwerdeführerin bei dieser Anhörung, wenn auch  von  der  befragenden  Person  teilweise  in  etwas  harscher  Weise  kommentiert,  über  ihre  eigenen  Verfolgungsgründe  ebenfalls  aussagen  konnte (vgl. vorinstanzliche Akten A 21/8 S. 7). Gesamthaft ergeben sich  aus  den  vorinstanzlichen  Akten  keine  Hinweise,  dass  sich  weitere  Abklärungen  aufgedrängt  hätten.  Überdies  hat  die  bei  der  Anhörung  anwesende  Hilfswerksvertretung  keine  weiteren  Sachverhaltsabklärungen  angeregt  oder  Einwände  zu  Protokoll  angebracht  (vgl.  A 21/8,  letzte  Seite).  Der  Vorhalt,  die  Vorinstanz  habe  die  eigenen  Verfolgungsvorbringen  der  Beschwerdeführerin  nur  ungenügend  abgeklärt,  sich  in  der  angefochtenen  Verfügung  nicht  rechtsgenüglich damit befasst, und dadurch das rechtliche Gehör verletzt,  stösst demnach  ins Leere. Von der beantragten ergänzenden Anhörung  der Beschwerdeführerin kann abgesehen werden.  7.  Die  Beschwerdeführerin  rügt  weiter,  ihre  Vorbringen  seien  von  der  Vorinstanz zu Unrecht als unglaubhaft qualifiziert worden. 7.1.  Nach  eingehender  Prüfung  der  Akten  schliesst  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  der  Ansicht  der  Vorinstanz  an,  dass  die  Vorbringen der Beschwerdeführerin  in einer Gesamtwürdigung aufgrund  realitätsfremder,  nachgeschobener  und  widersprüchlicher  Angaben  als  unglaubhaft  erachtet  werden  müssen.  Die  Vorinstanz  hat  in  der  angefochtenen  Verfügung  die  Unglaubhaftigkeit  überzeugend  und  rechtskonform  dargelegt.  Diese  Erkenntnisse  vermögen  die  Beschwerdeführenden  in  ihrer  Rechtsmitteleingabe  nicht  umzustossen,  zumal  ihnen  nichts  hinreichend  Stichhaltiges  entgegengesetzt  wird.  Insbesondere  ist  als  nachgeschoben  und  mithin  unglaubhaft  zu  bezeichnen, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Tätigkeit als (…)  bei D._______  in Kolumbien Probleme gehabt habe. Abgesehen davon,  dass  sie  sich  diesbezüglich  auch  auf  Beschwerdeebene  nur  wenig  substanziiert  und  pauschal  äussert,  ist  festzustellen,  dass  sie  bei  der  Anhörung  vom  18. Februar  2008  unmissverständlich  zu  Protokoll  gegeben  hat,  ausser  den Problemen wegen  ihres  Ehemannes  keinerlei  weitere  Schwierigkeiten  in  Kolumbien  gehabt  zu  haben.  Die  Vollständigkeit  und  Korrektheit  ihrer  protokollierten  Aussagen  hat  sie  – wie  bereits  erwähnt –  nach  der  Rückübersetzung  unterschriftlich  bestätigt, so dass sie sich darauf behaften lassen muss (vgl. A13/9 S. 7).  Weiter  ergeben  sich  auch  aus  den  bei  der  Schweizer  Vertretung  in 

E­2923/2008 Bogotá eingereichten umfangreichen Unterlagen keine Hinweise auf eine  Gefährdungslage  der  Beschwerdeführerin  aufgrund  ihrer  Aktivitäten  bei  D._______. Die Beschwerdeführerin vermag denn – soweit übersetzt und  im vorliegenden Verfahren zu beachten (vgl. dazu oben E. 4) – auch aus  den  mit  der  Beschwerde  eingereichten  Beweismitteln  nichts  zu  ihren  Gunsten  abzuleiten.  Dabei  fällt  insbesondere  ins  Gewicht,  dass  die  Bestätigungsschreiben  von  D._______  bereits  von  der  Vorinstanz  zu  Recht  als  Gefälligkeitsschreiben  oder  Fälschungen  bezeichnet  worden  sind,  was  denn  von  der  Beschwerdeführerin  auch  nicht  ernsthaft  bestritten wird. Vor diesem Hintergrund ist das Bestätigungsschreiben der  (…) vom 19. Mai 2008 ebenfalls als blosses Gefälligkeitsschreiben ohne  Beweiswert  zu  betrachten.  Weiter  kann  davon  ausgegangen  werden,  dass die D._______ – als Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin – bereits  bei  der  Asylgesuchseinreichung  bei  der  Botschaft  auf  eine  für  die  Beschwerdeführerin  aus  ihrer  Arbeit  resultierende  Gefährdungslage  hingewiesen  hätte.  Zur  Vermeidung  unnötiger  Wiederholungen  – insbesondere auch  in Bezug auf  die Unglaubhaftigkeit  der Vorbringen  von C._______ – kann sodann auf die zu bestätigenden Erwägungen  in  der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. 7.2. Zusammenfassend kommt das Bundesverwaltungsgericht daher zum  Schluss,  dass  das  BFM  die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführenden zu Recht verneint und die Asylgesuche abgelehnt  hat. 8.  8.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 8.2.  Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine  ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf  Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet  (Art. 44 Abs. 1 AsylG; Entscheidungen und Mitteilungen der  Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 9.  9.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 

E­2923/2008 den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 9.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der 

E­2923/2008 Beschwerdeführenden  nach  Kolumbien  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  für  den  Fall  einer  Ausschaffung nach Kolumbien mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müssten  die  Beschwerdeführenden  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihnen  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Heimatstaat  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 9.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.4.1. Nach den Erkenntnissen  des Bundesverwaltungsgerichts  ist  nicht  davon  auszugehen,  in  Kolumbien  herrsche  generell,  mithin  in  allen  Regionen,  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt.  Die  allgemeine  Sicherheitslage hat sich seit dem Amtsantritt von Präsident Uribe im Jahr  2002  zumindest  in  einigen  Teilen  des  Landes  verbessert.  Als  unsicher  sind  vor  allem  die  Departemente  im  Westen  und  Süden  des  Landes  (Nariño,  Chocó,  Putumayo,  Cauca,  Valle  del  Cauca,  Guaviare  und  Caquetá) zu betrachten. Die Beschwerdeführerin stammt hingegegen aus  dem  zentral  gelegenen  Departement  Cundinamarca,  welche  das  Hauptstadtgebiet  (Distrito  Capital  Santa  Fe  de  Bogotá)  umschliesst.  Zu  beachten ist ferner, dass im Jahr 2003 der Demobilisierungsprozess von  Paramilitärs  in  Gang  gesetzt  und  im  Jahr  2006  offiziell  abgeschlossen  wurde.  Selbst  wenn  nicht  davon  ausgegangen  werden  kann,  alle  Paramilitärs  hätten  sich  der  Demobilisierung  angeschlossen  und 

E­2923/2008 zwischenzeitlich  auch  bereits  neue  paramilitärische  oder  paramilitärähnliche  Gruppierungen  entstanden  sind,  kann  heute  nicht  (mehr)  von einer Situation  gesprochen werden, welche den Vollzug  der  Wegweisung als generell unzumutbar erscheinen lassen würde. 9.4.2.  In  den  Akten  finden  sich  sodann  auch  keine  konkreten  Anhaltspunkte wonach die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach  Kolumbien  aus  individuellen  Gründen  wirtschaftlicher,  sozialer  oder  gesundheitlicher  Natur  einer  konkreten  Gefährdung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss ihren eigenen Ausführungen verfügt sie unter anderem über eine  gute  Ausbildung  und  ein  intaktes  soziales  Netz  im  Heimatstaat  (vgl.  Beschwerde S.  7 Pkt  5.3,  vorinstanzliche Akten A 13 S. 3).  Vor  diesem  Hintergrund  ist davon auszugehen, sie sei  in der Lage, ein genügendes  Erwerbseinkommen  für sich und  ihr Kind zu erwirtschaften. Überdies  ist  anzunehmen,  dass  sie  in  Kolumbien  über  einen  Freundes­  und  Bekanntenkreis  verfügt,  welcher  sie  bei  einer  Rückkehr  – sofern  erforderlich –  unterstützen  könnte.  Gesundheitliche  Beeinträchtigungen  werden von der (…)­jährigen Beschwerdeführerin weder für sich noch für  ihr Kind geltend gemacht. Es bestehen somit keine Anzeichen dafür, dass  die  Beschwerdeführenden  bei  einer  Rückkehr  nach  Kolumbien  in  eine  existenzbedrohende  Situation  geraten  würden.  Nach  dem  Gesagten  erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 9.5.  Die  Beschwerdeführenden  sind  sodann  im  Besitz  von  gültigen  heimatlichen  Reisepässen,  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 10. Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 11.

E­2923/2008 11.1.  In  ihrer Beschwerdeverbesserung vom 23. Mai 2008 ersuchten die  Beschwerdeführenden  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  und Rechtsverbeiständung. Zur Begründung wurde geltend gemacht, sie  seien  mittellos  und  ihr  Verfahren  erscheine  nicht  als  von  vornherein  aussichtslos.  Weiter  seien  sie  in  rechtlicher  und  sprachlicher  Hinsicht  nicht  in  der  Lage,  ihre  Sache  selber  zu  vertreten  und  die  in  der  Beschwerde  zur  Diskussion  gestellten  Fragen  seien  für  sie  von  beachtlicher  Bedeutung.  Zum  Beweis  ihrer  Bedürftigkeit  stellten  die  Beschwerdeführenden  die  Nachreichung  einer  entsprechenden  Bestätigung "in den nächsten Tagen" in Aussicht. 11.2. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG befreit die Beschwerdeinstanz nach  Einreichung der Beschwerde eine Partei, die nicht über die erforderlichen  Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern  ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint. Der bedürftigen Partei wird  in  einem für sie nicht aussichtslosen Verfahren von der Beschwerdeinstanz  ein Anwalt bestellt, wenn es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist (vgl.  Art. 65 Abs. 2 VwVG). 11.3.  Aus  den  Akten  ergibt  sich,  dass  die  Beschwerdeführenden  am  23. Mai  2008  – dem  Tag  der  Einreichung  ihrer  Beschwerdeverbesserung – den vom Bundesverwaltungsgericht bis zum  29. Mai 2008 einverlangten Kostenvorschuss einbezahlt haben, weshalb  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65 Abs. 1 VwVG als gegenstandslos geworden abzuschreiben ist. 11.4.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltliche  Rechtsverbeiständung  im  Sinne  von  Art.  65  Abs. 2  VwVG  ist  – unabhängig von den Fragen der Prozessaussichten und der sachlichen  Notwendigkeit  einer  Rechtsverbeiständung –  mangels  ausgewiesener  prozessualer  Bedürftigkeit  der  Beschwerdeführenden  und  fristgerechter  Leistung des Kostenvorschusses abzuweisen. 11.5.  Die  Beschwerdeführenden  sind  im  vorliegenden  Verfahren  unterlegen, weshalb sie vollumfänglich kostenpflichtig werden (vgl. Art. 63  Abs. 1 VwVG).  Die  ihnen  aufzuerlegenden  Verfahrenskosten  sind  auf  insgesamt  Fr. 600.  –  festzusetzen  (Art.  1  –  3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und  mit  dem  am  23. Mai  2008  in  gleichem  Umfang  einbezahlten  Kostenvorschuss  zu  verrechnen.

E­2923/2008 (Dispositiv nächste Seite)

E­2923/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  als  gegenstandslos geworden abgeschrieben. 3.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  wird abgewiesen. 4.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Sie  sind  durch  den  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss gedeckt und werden mit diesem verrechnet. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Rudolf Raemy Versand:

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