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Bundesverwaltungsgericht 02.09.2011 D-978/2011

2 septembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,647 mots·~8 min·2

Résumé

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 4. Februar 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­978/2011 Urteil   v om   2 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Bendicht Tellenbach, mit Zustimmung von Richter Jean­Pierre Monnet;   Gerichtsschreiber Daniel Stadelmann. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka,  c/o Schweizerische Vertretung in Colombo, Sri Lanka, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 4. Februar 2010 / N (…).

D­978/2011 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer  –  ein  srilankischer  Staatsangehöriger  tamilischer  Ethnie  –  ersuchte  mit  Eingabe  vom  21.  Mai  2009  (Eingang  bei  der  Schweizerischen Botschaft in Colombo [nachstehend kurz: die Botschaft]  am  26.  Mai  2009)  um  Asyl  in  der  Schweiz.  Mit  Schreiben  vom  3.  Juni  2009  forderte die Botschaft den Beschwerdeführer auf, sein Gesuch mit  detaillierten  Angaben  zu  den  geltend  gemachten  Asylgründen  zu  ergänzen  sowie Beweismittel  und  Identitätspapiere  einzureichen. Dieser  Aufforderung kam er mit Schreiben vom 27. Juni 2009 (Eingang bei der  Botschaft  am  2.  Juli  2009)  nach.  Am  14.  Oktober  2009  führte  die  Botschaft  mit  dem  Beschwerdeführer  eine  Befragung  durch.  Mit  Schreiben  vom  30. Oktober  2009  (Eingang  bei  der  Botschaft  am  2.  November  2009)  reichte  er  die  anlässlich  der  Befragung  in  Aussicht  gestellten  Gerichtsdokumente  mitsamt  englischer  Übersetzung  zu  den  Akten. Für die übrigen im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweismittel  wird auf die Akten verwiesen. B.  Mit  den  oben  erwähnten  Eingaben  machte  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Gesuches  im  Wesentlichen  geltend,  er  stamme  ursprünglich aus B._______ (Jaffna District). Von 1990 bis 2006 habe er  in C._______ gelebt. Als er im August 2006 nach D._______ habe gehen  wollen, sei er in E._______ für zwei Wochen von der Polizei festgehalten  und  danach  wieder  freigelassen  worden.  Anschliessend  habe  er  zwischen  D._______  und  F._______  mit  Früchten  gehandelt.  Am  13.  August  2008  sei  er  in  G._______  (Mannar  District)  von  der  Polizei  festgenommen worden. Unter Drohungen und Schlägen habe er zugeben  müssen, dass er den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) angehöre.  Das  zuständige  Gericht  habe  seine  Überweisung  in  das  H._______  Rehabilitationscamp veranlasst. Vom 22. August 2008 bis 30. September  2008  sei  er  im  Rehabilitationsprogramm  in  I._______  gewesen.  Sein  älterer  Bruder  T.  K.  habe  für  seine  Freilassung  gebürgt,  und  der  Beschwerdeführer sei zu ihm nach J._______ gegangen. Am 19. Januar  2009 sei T. K. in J._______ festgenommen worden, nachdem dieser von  Konkurrenten  fälschlich  denunziert  worden  sei.  T.  K.  sei  im  K._______  Gefängnis  inhaftiert  gewesen,  sitze  nun  beim  Criminal  Investigation  Department (CID) in Haft und gegen ihn laufe ein Gerichtsverfahren. Weil 

D­978/2011 es sein älterer Bruder gewesen sei,  der  für  ihn gebürgt  habe,  habe der  Beschwerdeführer  untertauchen müssen  und  sei  noch  im  selben Monat  nach D._______  gegangen, wo  er  sich  versteckt  gehalten  habe.  Am  2.  März 2009 habe man ihm einen Pass ausgestellt. Sein jüngerer Bruder T.  S. sei in L._______ über ihn und T. K. ausgefragt worden. C.  Mit Verfügung vom 4. Februar 2010 verweigerte das BFM die Bewilligung  der  Einreise  in  die  Schweiz  und  lehnte  das  Asylgesuch  ab.  Ein  erster  Zustellungsversuch  vom  29.  Februar  2010  war  erfolglos;  der  Entscheid  wurde der Botschaft am 7. April 2010 retourniert. Mit Schreiben vom 23.  Dezember 2010 (Eingang bei der Botschaft am 27. Dezember 2010) teilte  der  Beschwerdeführer  der  Botschaft  seinen  aktuellen  Wohnsitz  in  L._______  mit.  Mit  auf  den  27.  Dezember  2010  datierten  Schreiben  übermittelte  die  Botschaft  dem  Beschwerdeführer  die  Verfügung  der  Vorinstanz erneut. Zur Begründung seines Entscheides führte das Bundesamt aus, gemäss  schweizerischer  Asylpraxis  sei  für  die  Gewährung  der  Einreise  die  Gefährdung  einer  asylsuchenden  Person  im  Zeitpunkt  der  Einreisebewilligung  massgebend.  Vergangene  Verfolgung  –  vorliegend  die rund zweiwöchige Haft des Beschwerdeführers im August 2006 – sei  somit nur dann beachtlich, als sie noch andaure oder konkrete Hinweise  auf eine zukünftige Verfolgung bestünden. Die Bewilligung der Einreise in  die Schweiz diene nämlich nicht dem Ausgleich vergangenen Unrechts,  sondern solle demjenigen gewährt werden, der aktuell des Schutzes des  Zufluchtlandes bedürfe. Befürchtungen,  künftig  staatlichen  Verfolgungsmassnahmen  ausgesetzt  zu  sein,  seien  nur  dann  asylrelevant,  wenn  begründeter  Anlass  zur  Annahme  bestehe,  dass  sich  die  Verfolgung  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  verwirklichen  werde.  Der  Beschwerdeführer  mache  geltend,  er  sei  am  13.  August  2008  in  G._______  (Mannar  District)  festgenommen  und  anschliessend  in  ein  Rehabilitationscamp  gesteckt  worden.  Am  30.  September  2008  sei  er  freigelassen worden,  nachdem  sein  älterer  Bruder  T.  K.  für  ihn  gebürgt  und  der  Beschwerdeführer  sich  schriftlich  dazu  verpflichtet  habe,  der  LTTE  fern  zu  bleiben.  Auch  wenn  die  geschilderten  Umstände  seiner  Einweisung und Entlassung aus dem Rehabilitationsprogramm nicht ganz  dem  üblichen  Vorgehen  entsprächen,  könne  gesagt  werden,  dass  die  srilankischen  Behörden  ihn  im  Endeffekt  freigelassen  hätten,  weil  ihm 

D­978/2011 keine  LTTE­Aktivitäten  hätten  nachgewiesen  werden  können.  Deshalb  gebe  es  keinen  Grund  zur  Annahme,  dass  der  Beschwerdeführer  aus  demselben  Anlass  wieder  behelligt  werden  sollte.  Seine  Furcht  vor  zukünftigen  Verfolgungsmassnahmen  sei  somit  nicht  hinreichend  begründet. Vorbringen  seien  dann  unglaubhaft,  wenn  sie  in  wesentlichen  Punkten  der allgemeinen Erfahrung oder der Logik des Handelns widersprächen.  Am  2.  März  2009  sei  dem  Beschwerdeführer  in  D._______  ein  Pass  ausgestellt worden. Dies widerspreche seiner Behauptung, er würde seit  der Verhaftung seines Bruders T. K. (am 19. Januar 2009) von der Polizei  und  der  Armee  gesucht,  zumal  eine  gesuchte  Person  kaum  die  administrativen  Vorgänge  zur  Passausstellung  hätte  erledigen  können.  Die  aktuell  geltend  gemachte  Gefährdungssituation  sei  deshalb  nicht  glaubhaft. An  dieser  Einschätzung  vermöchten  auch  die  vom  Beschwerdeführer  eingereichten Dokumente nichts zu ändern, würden diese doch  lediglich  seine Vorbringen stützen, deren Glaubhaftigkeit vorliegend nicht in Frage  gestellt werde. Zusammenfassend  sei  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  schutzbedürftig im Sinne des Asylgesetzes (Art. 3 des Asylgesetzes vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31])  sei.  Daher  sei  das  Asylgesuch  abzulehnen und die Einreise in die Schweiz nicht zu bewilligen. D.  Mit vom 11. Januar 2011 datierter, am 28. Januar 2011 bei der Botschaft  beziehungsweise  am  10.  Februar  2011  beim Bundesverwaltungsgericht  eingegangener  Eingabe  focht  der  Beschwerdeführer  die  Verfügung  des  BFM  an.  In  seiner  Beschwerde  wiederholte  er  im  Wesentlichen  seine  bereits  bei  der  Vorinstanz  gemachten  Vorbringen.  Aufgrund  des  Umstandes der Gefährdung seines Lebens, habe er seinen Wohnort sehr  oft wechseln müssen, weshalb der Entscheid des BFM auch nicht bereits  beim ersten Versuch habe zugestellt werden können. Sein älterer Bruder  T.  K.  sei  zwar mittlerweile  auf  Kaution  aus  der  Haft  entlassen  worden,  könne  jedoch  jederzeit  wieder  verhaftet  werden.  Auch  er  selber  stehe  unter dem Risiko einer erneuten Inhaftierung. Sein jüngerer Bruder T. S.  fürchte  sich  auch  vor  einer  Verhaftung,  und  halte  sich  wie  er  selber  versteckt. Wegen  ihm  sei  T.  S.  bereits  einmal  fünf  Tage  lang  inhaftiert  und gefoltert worden. Zudem stehe seine Familie wegen ihm unter Druck 

D­978/2011 und  werde  belästigt  sowie  bedroht.  Sowohl  seine  Festnahme  als  auch  diejenige von T. K. und die in diesem Zusammenhang stehenden Vorfälle  seien in Zeitungen veröffentlicht und auch in TV­Nachrichten ausgestrahlt  worden.  Aus  diesem  Grund  sei  ihr  Leben  in  ständiger  Gefahr.  Die  diesbezüglichen  Dokumente  seien  zwar  in  seinem  Besitz  gewesen,  er  habe sie aber nicht durch die Sicherheitskontrollen schleusen können. Er  sei  ein  Opfer  wiederholter  Verhaftungen  und  Folter  und  der  akuten  Gefahr ausgesetzt, entführt und getötet zu werden. Weil sein Leben seit  2006 stets mit dem Risiko einer Entführung verbunden sei, habe er auch  – obwohl bereits (…)­jährig – noch nicht heiraten können. Zurzeit halte er  sich  in  einem  Versteck  in  L._______  auf,  jedoch  nicht  an  der  angegebenen Adresse. Er könne nicht auf den Schutz der srilankischen  Behörden  hoffen,  sondern  einzig  die  Schweiz  um  Hilfe  beten.  Die  Situation in L._______ sei momentan äusserst gefährlich, es würden sich  sehr viele Morde und Entführungen ereignen und auch er befinde sich in  Gefahr,  ein  solches  Schicksal  erdulden  zu  müssen.  Er  bitte  deshalb  darum,  dass  seine  Beschwerde  gutgeheissen  werde,  und  er  in  der  Schweiz Schutz erhalte. Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte er  ein  Bestätigungsschreiben  vom  10.  Januar  2011  eines  Anwalts  aus  D._______ zu den Akten. E.  Am  18.  Januar  2011  (Eingang  bei  der  Botschaft  am  3.  Februar  2011  beziehungsweise  beim  Bundesverwaltungsgericht  mitsamt  Begleitschreiben  am  17.  Februar  2011)  bekräftigte  und  wiederholte  der  Beschwerdeführer nochmals seine Asylvorbringen und verweist auf seine  schwierigen Lebensbedingungen in Sri Lanka. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 

D­978/2011 grundsätzlich  (mit  einer  hier  nicht  zutreffenden  Ausnahme)  endgültig  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).  1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Dem  vorinstanzlichen  Aktendossier  ist  zu  entnehmen,  dass  die  Botschaft nach einem erfolglosen ersten Zustellversuch vom 29. Februar  2010  die  Verfügung  des  BFM  mit  vom  27.  Dezember  2010  datierten  Schreiben  erneut  an  den  Beschwerdeführer  übermittelte  (siehe  Sachverhalt  Bst.  C.  oben).  Es  sind  jedoch  weder  Angaben  dazu  enthalten,  wann  die  vorinstanzliche  Verfügung  die  Botschaft  auf  dem  Postweg  verliess,  noch  liegt  eine  Empfangsbestätigung  seitens  des  Beschwerdeführers  vor.  Der  genaue  Zeitpunkt  der  Eröffnung  der  angefochtenen  Verfügung  steht  somit  nicht  fest.  Indessen  trägt  die  Beweislast  für  die  erfolgte Zustellung  und deren Zeitpunkt  die Behörde,  welche  die  Zustellung  veranlasst  hat  (vgl.  FELIX  UHLMANN/ALEXANDRA  SCHWANK,  in:  Bernhard  Waldmann/Philippe  Weissenberger  [Hrsg.],  Praxiskommentar  VwVG,  Zürich/Basel/Genf  2009,  Art.  34,  N  10).  Das  Begleitschreiben  der  Botschaft  bei  der  zweiten  Versendung  der  Verfügung datiert – wie bereits erwähnt – auf den 27. Dezember 2010. Es  ist  jedoch nicht klar, ob dieses Schreiben zusammen mit dem Entscheid  des BFM auch an demselben Tag von der Botschaft bei der srilankischen  Post  aufgegeben  wurde.  Die  Eingabe  des  Beschwerdeführers  vom  11.  Januar 2011 ging bei  der Botschaft  am 28. Januar  2011 ein. Unter  den  gegebenen  Umständen  eines  Asylverfahrens  im  Ausland  ist  somit  im  vorliegenden  Fall  davon  auszugehen,  dass  die  Beschwerde  innert  der  gesetzlichen Frist von 30 Tagen (Art. 108 Abs. 1 AsylG) erhoben worden  ist,  da  nicht  davon  auszugehen  ist,  dass  die  Verfügung  des  BFM  dem  Beschwerdeführer  vor  dem  29.  Dezember  2010  in  L._______  eröffnet  wurde. 1.4. Die  Beschwerde  ist  somit  als  frist­  und  formgerecht  eingereicht  zu  betrachten. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz  teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  und  Art. 108  Abs. 1  AsylG,  Art. 48  Abs. 1  sowie  Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

D­978/2011 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.  In  formeller  Hinsicht  ist  zunächst  festzuhalten,  dass  gemäss  Art.  19  Abs. 1  AsylG  ein  Asylgesuch  im  Ausland  bei  einer  schweizerischen  Vertretung  gestellt  werden  kann,  welche  es  mit  einem  Bericht  an  das  Bundesamt  überweist  (Art.  20  Abs.  1  AsylG).  Die  schweizerische  Vertretung  führt  mit  der  asylsuchenden  Person  in  der  Regel  eine  Befragung  durch  (Art.  10 Abs.  1  der Asylverordnung  1  vom 11.  August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV  1,  SR  142.311]).  Ist  dies  nicht  möglich,  so  wird  die  asylsuchende  Person  von  der  Vertretung  aufgefordert,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten  (Art. 10  Abs. 2  AsylV 1). Die  schweizerische Vertretung überweist  dem Bundesamt das  Befragungsprotokoll  oder  das  schriftliche  Asylgesuch  sowie  weitere  zweckdienliche  Unterlagen  und  einen  ergänzenden  Bericht,  der  ihre  Beurteilung  des  Asylgesuchs  enthält  (Art.  10  Abs.  3  AsylV  1).  Im  vorliegenden  Fall  wurden  diesen  gesetzlichen  Bestimmungen  durch  die  Einholung detaillierter  Informationen durch die schweizerische Botschaft,  die Befragung des Beschwerdeführers sowie den entsprechenden Bericht  der schweizerischen Vertretung praxisgemäss Genüge getan (vgl. BVGE  2007/30). 5.  5.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 

D­978/2011 wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich  die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken  (Art. 3 AsylG). 5.2.  Das  Bundesamt  kann  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen, wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft  machen können oder  ihnen die Aufnahme  in einem Drittstaat zugemutet  werden  kann. Glaubhaft  gemacht  ist  die  Verfolgung, wenn  die Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte Beweismittel abgestützt werden (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52  Abs. 2 AsylG). 6.  6.1. Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM Asylsuchenden die  Einreise  zur  Abklärung  des  Sachverhalts,  wenn  ihnen  nicht  zugemutet  werden kann,  im Wohnsitz­ oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder  in ein  anderes Land auszureisen. Gestützt auf Art.  20 Abs. 3 AsylG kann das  Eidgenössische  Justiz­  und  Polizeidepartement  (EJPD)  schweizerische  Vertretungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu bewilligen, die  glaubhaft  machen,  dass  eine  unmittelbare  Gefahr  für  Leib  und  Leben  oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 6.2.  Bei  diesem  Entscheid  gelten  restriktive  Voraussetzungen  für  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im  Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr.  21  E.  2b,  EMARK  1997  Nr.  15  E.  2.e­g).  Ausschlaggebend  für  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  ist  die  Schutzbedürftigkeit  der  betroffenen  Person  (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2c), mithin die Frage, ob eine Gefährdung im 

D­978/2011 Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am  Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung  zugemutet  werden kann. 7.  7.1. Einleitend ist festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer in seiner  Beschwerde  vom  11.  Januar  2011  und  dem  zusätzlich  eingereichten  Schreiben vom 18. Januar 2011 nicht explizit mit den substanziierten und  überzeugenden Erwägungen  der  Vorinstanz  auseinandersetzt.  Vielmehr  wiederholt  er  in  verkürzter  Version  seine  bereits  im  Verfahren  vor  dem  Bundesamt  gemachten  Sachverhaltsvorbringen  und  verweist  pauschal  auf  seine  schwierigen  Lebensbedingungen  in  Sri  Lanka.  Er  und  seine  beiden Brüder T. K. und T. S. seien Opfer wiederholter Verhaftungen und  Folter.  Auch  seine  übrigen  Familienangehörigen  würden  immer  wieder  belästigt und bedroht. Er müsse sich seit geraumer Zeit versteckt halten,  da  er  sich  vor  einer  weiteren  Entführung  und  gar  einer  Ermordung  fürchte. Er  könne sich nicht  auf  den Schutz der  srilankischen Behörden  verlassen.  Zudem  sei  auch  die  aktuelle  Situation  in  L._______  sehr  gefährlich. 7.2.  Insgesamt vermitteln die vom Beschwerdeführer geltend gemachten  Vorbringen  nicht  den  Eindruck  zielgerichtet  und  asylrelevant  verfolgter  Personen  vor  Ort.  An  dieser  Einschätzung  vermögen  auch  die  beiden  eher  kurzen  Festnahmen  im  August  2006  sowie  im  August/September  2008  nichts  zu  ändern.  Bei  einem  ernsthaften  Verdacht  der  staatlichen  Behörden, dass sich der Beschwerdeführer an  terroristischen Aktivitäten  beteiligt hätte oder sonst eine Gefahr für die Sicherheit des srilankischen  Staates  darstellen  würde,  wäre  er  nicht  nach  relativ  kurzer  Zeit  beziehungsweise  durch  die Bürgschaft  seines Bruders  T.  K. wieder  frei  gelassen  worden.  Gemäss  Erkenntnissen  der  schweizerischen  Asylbehörden  geht  der  srilankische  Staat  nämlich  rigoros  gegen  Terrorverdächtige  vor.  Zudem spricht  auch  die Erlangung  eines Passes  am  2.  März  2009  in  D._______  gegen  die  aktuell  geltend  gemachte  Gefährdungssituation,  welche  vor  diesem  Hintergrund  als  unglaubhaft  bewertet  werden  muss.  Die  Furcht  des  Beschwerdeführers  vor  einer  Verfolgung  in  seiner  Heimat  ist  somit  unbegründet.  An  dieser  Einschätzung  vermögen  weder  die  im  vorinstanzlichen  Verfahren  eingereichten  Beweismittel  noch  das  im  Beschwerdeverfahren  eingereichte Schreiben eines Anwalts etwas zu ändern.

D­978/2011 7.3. Das Bundesverwaltungsgericht hat sodann im Grundsatzurteil BVGE  2008/2  eine  Lageanalyse  betreffend  Sri  Lanka  vorgenommen  und  gelangte  dabei  zum  Schluss,  dass  sich  die  allgemeine  Sicherheitslage  seit  Januar  2006  insgesamt,  insbesondere  aber  in  D._______,  kontinuierlich  verschlechtert  habe.  Seit  Ergehen  dieses  Urteils  am  14. Februar  2008  hatte  sich  der  bewaffnete  Konflikt  zwischen  der  Regierung  und  den  LTTE  zunächst  weiter  zugespitzt.  Nach  der  Rückeroberung  des  letzten  von  den  LTTE  kontrollierten  Gebietes  im  Raum Mullaitivu indessen wurde am 18. Mai 2009 seitens der Regierung  der endgültige Sieg über die LTTE verkündet und der Bürgerkrieg offiziell  für  beendet  erklärt.  Nach  dieser  Niederlage  der  LTTE  haben  die  srilankischen  Behörden  –  namentlich  im  Grossraum  Colombo  –  die  Sicherheitsmassnahmen  zwar  nur  schrittweise  gelockert,  und  die  verschiedenen  Kontrollmassnahmen  richteten  sich  vor  allem  gegen  die  tamilische  Bevölkerung.  Es  kommt  ihnen  indes  aufgrund  mangelnder  Intensität  in  der  Regel  kein  Verfolgungscharakter  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  zu.  Der  aktuelle  beziehungsweise  der  den  Asylbehörden  zuletzt  bekannte Wohnsitz des Beschwerdeführers ist im nördlichen Teil von Sri  Lanka  in M._______  (Jaffna District), wo er – eigenen Angaben zufolge  war er ohnehin nie Mitglied der LTTE und gemäss Akten konnten ihm die  srilankischen  Behörden  auch  keine  Tätigkeit  für  diese  Organisation  nachweisen  –  nach  jüngsten  Erkenntnissen  des  Gerichts  nicht  mit  gezielten  Repressionen  zu  rechnen  hat.  Er  vermag  mithin  nicht  substanziiert darzutun, inwiefern das BFM zu Unrecht geschlossen habe,  er sei nicht schutzbedürftig im Sinne des AsylG. 8.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  schutzbedürftig im Sinne von Art. 3 AsylG ist. Aufgrund der vorstehenden  Erwägungen erübrigt es sich, auf die weiteren Ausführungen und die  im  vorinstanzlichen Verfahren sowie im Beschwerdeverfahren eingereichten  Beweismittel  einzugehen,  da  sie  am  festgestellten  Ergebnis  nichts  zu  ändern  vermögen. Das BFM  hat  demnach  zu Recht  die  Einreise  in  die  Schweiz nicht bewilligt und das Asylgesuch abgelehnt. 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

D­978/2011 10.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 600.­ an  sich  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG);  aus  verwaltungsökonomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 6  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2) auf das Erheben von Verfahrenskosten zu verzichten. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  Schweizerische Botschaft in Colombo. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Daniel Stadelmann Versand:

D-978/2011 — Bundesverwaltungsgericht 02.09.2011 D-978/2011 — Swissrulings