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Bundesverwaltungsgericht 07.12.2011 D-6214/2011

7 décembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,203 mots·~6 min·2

Résumé

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 24. Oktober 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­6214/2011 law/bah/sps Urteil   v om   7 .   D e z embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Walter Lang, mit Zustimmung von Richterin Muriel Beck Kadima;   Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren am (…), Liberia,   c/o schweizerische Vertretung in Accra (Ghana),  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 24. Oktober 2011 / N (…).

D­6214/2011 Sachverhalt: A.  A.a. Der Beschwerdeführer, ein liberianischer Staatsangehöriger, wandte  sich mit Schreiben vom 25. August 2010 an die schweizerische Botschaft  in Accra  (Ghana)  (Eingang:  3. September  2010;  nachfolgend Botschaft)  und  ersuchte  um  Bewilligung  der  Einreise  in  die  Schweiz  und  um  Asylgewährung.  Er  machte  geltend,  er  habe  in  der  Schweiz  keine  Verwandten, habe aber seit dem 6. April 1996, dem Tag als er in Liberia  von Rebellen angegriffen und beinahe getötet worden sei, keinen Kontakt  mehr  zu  seinen  Angehörigen.  Er  befinde  sich  alleine  in  einem  Flüchtlingscamp  in Ghana.  Er  friste  dort  ein  Leben  ohne  Zukunft,  dürfe  nicht arbeiten und habe nicht die Universität besuchen können. Aus dem  Flüchtlingscamp  seien  Leute  verschwunden,  die  von  Unbekannten  getötet worden seien. Er lebe in Ghana in Furcht, könne aber auch nicht  in  seine  Heimat  zurückkehren,  da  die  liberianische  Präsidentin  und  andere  wichtige  Personen  früher  Rebellenorganisationen  angehört  hätten, von denen er in Liberia im Jahr 1996 wegen seiner Aktivitäten für  die damalige Regierungspartei behelligt worden sei. Er würde von diesen  Leuten  getötet  werden.  Für  die  genauen  Gründe,  aus  denen  der  Beschwerdeführer  am  5. Mai  1996  sein  Heimatland  verlassen  habe,  ist  auf  das  dem  Asylgesuch  beiliegende  Schreiben  zu  verweisen.  Dem  Schreiben lagen zudem Kopien eines "UNHCR Refugee Certificate" vom  9. Juli 2010 und eines Geburtsscheins vom 23. Juni 1994 bei. A.b. Die  Botschaft  leitete  das  schriftliche  Asylgesuch  am  3. September  2010  an  das  BFM  weiter  und  teilte  mit,  sie  verfüge  nicht  über  die  personellen Kapazitäten zur Durchführung von Befragungen. A.c.  Am  31. Januar  2011  ging  bei  der  Botschaft  eine  Übersetzung  in  französischer  Sprache  der  Eingabe  vom  25.  August  2010  ein.  Diese  Eingabe wurde am 2. Februar 2011 an das BFM weitergeleitet. A.d. Das BFM teilte dem Beschwerdeführer am 22. Februar 2011 mit, es  erachte  den  Sachverhalt  als  erstellt.  Es  beabsichtige,  das  Asylgesuch  abzulehnen,  da  alle  anderen  Flüchtlinge,  die  in  Ghana  lebten,  von  denselben  Problemen  wie  er  betroffen  seien.  Solche  Asylgründe  fielen  nicht  unter  eine  Verfolgung  im  Sinne  von  Art. 3  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31). Das ghanaische UNHCR habe ihn als  Flüchtling  anerkannt,  was  ihm  Schutz  vor  einer  Wegweisung  in  den  Heimatstaat biete, solange er dort gefährdet sei. Im Falle von Übergriffen  könne er sich an die ghanaischen Sicherheitskräfte wenden. Zudem habe 

D­6214/2011 er keine engen Beziehungen zur Schweiz. Dem Beschwerdeführer setzte  es Frist zur Einreichung einer Stellungnahme an.  A.e.  Am  23. Februar  2011  reichte  der  Beschwerdeführer  bei  der  Botschaft ein Schreiben mit der Kopie eines Zeitungsartikels ein, das am  4. Mai 2011 an das BFM weitergeleitet wurde. Er wies darauf hin,  dass  am  13. Februar  2011  Polizei­  und  Armeeangehörige  das  Flüchtlingscamp,  in  dem  er  lebe,  angegriffen  und  sechs  Flüchtlinge  getötet  hätten.  Über  85 Personen  seien  mitgenommen  und  an  unbekannte  Orte  verbracht  worden.  Über  25 Personen  seien  verletzt  worden. Im Camp lebten ungefähr 11'000 liberianische Flüchtlinge. Er sei  an  diesem  Tag  aus  seinem  Haus  gezerrt  und  grundlos  geschlagen  worden.  Während  dem  die  Sicherheitskräfte  in  andere  Häuser  eingedrungen  seien,  sei  ihm  die  Flucht  geglückt.  Er  habe  die  darauffolgende  Nacht  im  Wald  verbracht.  Am  15. Februar  2011  seien  weitere  10 Flüchtlinge mitgenommen  und  an  unbekannte Orte  gebracht  worden.  Auch  am  19. und  20. Februar  2011  seien  erneut  Personen  abgeholt worden. Nach dem 13. Februar 2011 habe er an verschiedenen  Orten  geschlafen,  da  er  befürchtet  habe,  ebenfalls  mitgenommen  zu  werden. Das Camp sei bereits im März 2001, Mai 2004 und am 17. März  2008 angegriffen worden. Im Jahr 2008 seien 16 Flüchtlinge nach Liberia  ausgeschafft  worden;  er  habe  gehört,  dass  einige  von  ihnen  getötet  worden seien.  A.f. Der Beschwerdeführer übermittelte der Botschaft am 21. März 2011  eine Stellungnahme mit mehreren Beweismitteln. Er führte aus, er könne  aufgrund des  repressiven Regimes nicht  in  seine Heimat  zurückkehren.  Sein  Leben  sei  im  Flüchtlingscamp  in Ghana  nicht  sicher.  Im Weiteren  wies er erneut auf die schwierigen Lebensumstände und die Angriffe der  Sicherheitsbehörden auf das Camp hin. B.  Mit Verfügung vom 24. Oktober  2011 – eröffnet  durch die Botschaft  am  2. November  2011  –  verweigerte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  die  Bewilligung zur Einreise in die Schweiz und lehnte das Asylgesuch ab.  C.  Mit  Eingabe  vom  7. November  2011  (Eingang  Botschaft:  9. November  2011,  Eingang  Bundesverwaltungsgericht:  16. November  2011)  beantragte  der  Beschwerdeführer  die  Überprüfung  der  vorinstanzlichen  Verfügung.  Es  sei  ihm  in  der  Schweiz  Asyl  zu  gewähren.  Der  Eingabe 

D­6214/2011 lagen  Kopien  des  bereits  bei  der  Vorinstanz  eingereichten  "UNHCR  Refugee  Certificate"  vom  9. Juli  2010,  eines  ghanaischen  Flüchtlingsausweises  und  eines  nicht  unterzeichneten  Schreibens  von  B._______ vom 2. Februar 2011 bei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1  AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie 

D­6214/2011 nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.  4.1.  Ein  Asylgesuch  kann  gemäss  Art. 19  AsylG  im  Ausland  bei  einer  schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an  das  Bundesamt  überweist  (Art. 20  Abs. 1  AsylG).  Hinsichtlich  des  Verfahrens bei  der  schweizerischen Vertretung  im Ausland  sieht Art. 10  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person  in  der  Regel  eine  Befragung  durchführt.  Davon  kann  nur  abgewichen  werden, wenn eine Befragung  faktisch  oder  aus  organisatorischen  oder  kapazitätsmässigen Gründen  unmöglich  ist,  oder  wenn  der  Sachverhalt  bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs als entscheidreif erstellt  erscheint  (vgl.  BVGE  2007/30  E. 5.8  S. 367 f.).  Ist  eine  Befragung  im  Ausland  nicht  möglich,  ist  die  asylsuchende  Person  aufzufordern,  ihre  Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das BFM hat  den  Verzicht  auf  eine  Befragung  im  Ausland  in  der  Verfügung  zu  begründen (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.8 S. 368). 4.2.  Vorliegend  ging  das  BFM  davon  aus,  der  Sachverhalt  sei  schon  aufgrund  der  schriftlichen  Eingaben  entscheidreif  erstellt.  Diese  Sichtweise  ist  vertretbar,  sind  doch  besagte  Eingaben  relativ  detailliert  und  klar  formuliert.  Unter  diesen  Umständen  erübrigte  sich  für  die  Vorinstanz  die  Aufbietung  des  Beschwerdeführers  zu  einer  Befragung.  Da  den  vom  Bundesverwaltungsgericht  ferner  aufgeführten  Erfordernissen  (Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs;  Begründung  des  Verzichts  auf  eine  Befragung  [vgl.  act.  A5/3])  ebenfalls  Rechnung  getragen wurde, ist die Vorgehensweise des BFM nicht zu beanstanden. 5.  5.1. Einer Person, welche im Ausland ein Asylgesuch gestellt hat, ist die  Einreise in die Schweiz zu bewilligen, wenn eine unmittelbare Gefahr für  Leib,  Leben  oder  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  glaubhaft gemacht wird (Art. 20 Abs. 3 AsylG) – das heisst im Hinblick auf  die Anerkennung als Flüchtling und die Asylgewährung – oder aber, wenn  für  die  Dauer  der  näheren  Abklärung  des  Sachverhalts  ein  weiterer 

D­6214/2011 Aufenthalt im Wohnsitz­ oder Aufenthaltsstaat oder die Ausreise in einen  Drittstaat  nicht  zumutbar  erscheint  (Art. 20  Abs. 2  AsylG).  Asyl  –  und  damit  die  Einreise  in  die  Schweiz  –  ist  ihr  zu  verweigern,  wenn  keine  Hinweise  auf  eine  aktuelle  Gefährdung  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  vorliegen oder ihr zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu  bemühen (Art. 52 Abs. 2 AsylG). Hält sich die Person, die ein Asylgesuch  aus dem Ausland gestellt hat,  in einem Drittstaat auf,  ist  zwar  im Sinne  einer  Vermutung  davon  auszugehen,  die  betreffende  Person  habe  in  diesem Drittstaat bereits Schutz vor Verfolgung gefunden oder könne ihn  dort erlangen, weshalb auch anzunehmen ist, es sei  ihr zuzumuten, dort  zu  verbleiben  beziehungsweise  sich  dort  um  Aufnahme  zu  bemühen.  Diese  Vermutung  kann  sich  jedoch  sowohl  in  Bezug  auf  die  Schutzgewährung  durch  den Drittstaat  (vgl.  EMARK  2005 Nr. 19  E. 5.1  S. 176 f.) wie auch die Zumutbarkeit der Inanspruchnahme des Schutzes  im Drittstaat als unzutreffend erweisen. Es  ist deshalb zu prüfen, ob die  asylsuchende  Person  im Drittstaat  Schutz  vor  Verfolgung  gefunden  hat  oder  erlangen  kann,  und  –  falls  dies  zu  bejahen  ist  –  ob  der  asylsuchenden  Person  die  Inanspruchnahme  des  Schutzes  des  Drittstaates  und  somit  der  Verbleib  in  diesem  Staat  objektiv  zugemutet  werden  kann.  Bei  dieser  Abwägung  bildet  die  besondere  Beziehungsnähe  der  asylsuchenden  Person  zur  Schweiz  ein  zentrales,  wenn  auch  nicht  das  einzige  Kriterium  (vgl.  BVGE  E­8127/2008  vom  12. Mai 2011 E. 5.1, EMARK 2004 Nr. 21 E. 4b.aa S. 139 f.). 5.2.  Für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  gelten  im  Übrigen  restriktive  Voraussetzungen,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  sind  mit  Blick  auf  den  Ausschlussgrund  von  Art. 52 Abs. 2 AsylG namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz und zu  anderen  Staaten,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  einer  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl. BVGE E­8127/2008 vom 12. Mai 2011 E. 3.3, Entscheidungen und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2005  Nr. 19 E. 4 S. 174 ff.,  EMARK 2004 Nr. 21 E. 2 S. 136  f., EMARK 2004  Nr. 20 E. 3 S. 130 f., EMARK 1997 Nr. 15 E. 2f S. 131 f.). 6.  6.1.  Das  BFM  führte  zur  Begründung  seines  Entscheides  aus,  das  Asylgesuch  einer  Person,  die  sich  im  Ausland  befinde,  werde  gemäss 

D­6214/2011 Art. 52  Abs. 2  AsylG  abgelehnt,  wenn  ihr  zugemutet  werden  könne,  in  einem  anderen  Staat  um Schutz  nachzusuchen.  Der  Beschwerdeführer  halte sich seit 1996 in Ghana auf und sei von den dortigen Behörden als  Flüchtling anerkannt worden. Es sei ihm demnach Schutz vor der geltend  gemachten  Verfolgung  im  Heimatstaat  gewährt  worden.  Die  von  ihm  geltend gemachten wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten stellten  keine Verfolgungsgründe nach Art. 3 AsylG dar. Es sei bedauerlich, dass  er  am  13. Februar  2011  aus  seinem  Haus  gezerrt  und  geschlagen  worden  sei. Aufgrund der Akten  sei  von einem einmaligen Übergriff  auf  ihn auszugehen, der zu wenig intensiv sei, um die Anforderungen an die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen.  Von  den  Angriffen  auf  das  Flüchtlingslager  in den Jahren 2001, 2004 und 2008 sei er gemäss den  Akten nicht persönlich betroffen worden. Mangels gegenteiliger Hinweise  sei  davon  auszugehen,  dass  er  den Schutz  der  ghanaischen Behörden  weiterhin  in  Anspruch  nehmen  könne.  Bei  dieser  Sachlage  sei  nicht  darauf  einzugehen,  ob  ihm  im  Heimatstaat  asylrelevante  Verfolgung  drohe. 6.2.  In  der  Beschwerde  wird  geltend  gemacht,  das  Leben  des  Beschwerdeführers sei in Ghana nicht sicher. Er lebe im Flüchtlingslager  in  ständiger Angst  und  fühle  sich mit  dem Tode bedroht.  Im Falle einer  Rückkehr nach Liberia fürchte er ebenfalls um sein Leben. Im beigelegten  Schreiben eines Freundes, der  für den  liberianischen Sicherheitsapparat  arbeite,  werde  er  vor  einer  Rückkehr  in  seine  Heimat  gewarnt.  Er  befürchte,  im Flüchtlingslager  in Ghana  von Agenten  des  liberianischen  Regimes angegangen zu werden.  6.3. Auch in Anbetracht der Einwände in der Beschwerde präsentiert sich  die  Situation  des  Beschwerdeführers  nicht  dergestalt,  dass  davon  auszugehen wäre, es für ihn in Berücksichtigung der heutigen Situation in  Ghana  objektiv  unzumutbar,  den  in  diesem  Land  gegenüber  der  Verfolgungsgefahr  im  Heimatstaat  bestehenden  Schutz  weiterhin  in  Anspruch  zu  nehmen.  So  ist  es  ihm  unbenommen,  sich  an  die  örtliche  Vertretung des UNHCR beziehungsweise die ghanaischen Behörden zu  wenden,  falls  er  sich  konkret  bedroht  fühlt.  Er  hat  grundsätzlich  die  Möglichkeit,  sich  wieder  im  Flüchtlingslager  C._______  niederzulassen,  falls er sich an seinem aktuellen Aufenthaltsort – offenbar ausserhalb des  Camps  –  nicht  hinreichend  sicher  fühlen  sollte.  Hinsichtlich  der  gewaltsamen  Vorfälle,  die  sich  im  Flüchtlingslager  zugetragen  haben,  kann  auf  die  zutreffenden  Ausführungen  des  BFM  verwiesen  werden.  Ergänzend  ist  festzuhalten,  dass  sich  gemäss  dem  vom 

D­6214/2011 Beschwerdeführer eingereichten Zeitungsartikel vom 14. Februar 2011 im  Flüchtlingslager  gewaltsame  Auseinandersetzungen  zwischen  rivalisierenden  Flüchtlingsgruppen  zugetragen  haben.  Dabei  seien  die  lokale  Polizeistation  und  die  Krankenstation  angegriffen  und  massive  Sachbeschädigungen begangen worden. Die Sicherheitskräfte hätten mit  einem  Grossaufgebot  für  Ruhe  und  Ordnung  sorgen  müssen  und  20 Tatverdächtige  festgenommen. Diese Darstellung der Sachlage steht  im  Widerspruch  zu  den  Angaben  des  Beschwerdeführers,  wonach  die  Behörden das Lager angegriffen hätten. Angesichts der Berichterstattung  ist  vielmehr  davon  auszugehen,  die  Sicherheitskräfte  seien  eingeschritten, um den Sachbeschädigungen und Auseinandersetzungen  zwischen den Flüchtlingen (und Schlimmerem) Einhalt zu gebieten. Den  Akten  ist  auch  kein  besonderes  Profil  des  Beschwerdeführers  zu  entnehmen, das ihn der konkreten Gefahr einer Deportation nach Liberia  aussetzen könnte. Er verwies zwar darauf, er habe gehört, dass im Jahr  2008  16 liberianische  Staatsangehörige  von  Ghana  nach  Liberia  zurückgeschafft  worden  seien,  konnte  aber  keine  konkreten  Begebenheiten  nennen,  aufgrund  derer  er  sich  persönlich  vor  einer  Ausschaffung  in sein Heimatland  fürchten muss. Eine Schutzgewährung  durch die Schweiz ist somit nicht erforderlich. 6.4. Zusammenfassend ergibt sich, dass das BFM zutreffend festgestellt  hat,  der  Beschwerdeführer  sei  nicht  schutzbedürftig  im  Sinne  des  Asylgesetzes. Unter diesen Umständen hat es zu Recht die Erteilung der  Einreisebewilligung verweigert und das Asylgesuch abgelehnt. 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen. 8.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Aus  verwaltungsökonomischen  Gründen  ist  vorliegend  jedoch  auf  die  Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­6214/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  schweizerische Botschaft in Accra. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Christoph Basler Versand:

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