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Bundesverwaltungsgericht 18.11.2011 D-6087/2011

18 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,070 mots·~5 min·3

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 7. November 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­6087/2011 Urteil   v om   1 8 .   No v embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Martin Zoller, mit Zustimmung von Richter Walter Stöckli; Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Emil Robert Meier, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 7. November 2011 / N (…).

D­6087/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführerin  am  25. Juli  2011  in  der  Schweiz  um Asyl  nachsuchte, dass  sie  anlässlich  der  Kurzbefragung  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  B._______  vom  18. August  2011  im  Wesentlichen  geltend machte, sie sei sri­lankische Staatsangehörige tamilischer Ethnie  und habe von 2005 (vgl. Akten Vorinstanz A4 S. 5) beziehungsweise von  Dezember  2006  bis  Januar  2009  (vgl.  A4  S. 3)  in  einem  Spital  in  C._______ gearbeitet,  dass  eine  Frau  aus  D._______  namens  E._______,  die  auch  dort  gearbeitet  habe,  nach  ihrer  Rückkehr  nach  D._______  im  Mai  2009  Interviews zur Situation der Verletzten im besagten Spital gegeben habe,  dass  sie  (die  Beschwerdeführerin)  aufgrund  ihrer  Zusammenarbeit  mit  E._______  seit  anfangs 2011  von den  sri­lankischen Behörden gesucht  werde,  da befürchtet werde,  dass auch  sie  sich  an die Medien wenden  könnte,  dass wiederholt  unbekannte Personen  ihre Mutter  aufgesucht  und nach  ihr gefragt hätten,  dass  sie  zudem  am  24. April  2009  und  15. Mai  2009  bei  Gefechten  angeschossen  beziehungsweise  von  Bombensplittern  getroffen  worden  sei, weshalb sie sechs Monate lang in F._______ hospitalisiert gewesen  sei,  dass ein Kollege namens G._______, der sie nach der Hospitalisation bei  sich  aufgenommen  habe,  aufgrund  der  geschilderten  Ereignisse  ihre  Ausreise organisiert habe,  dass sie am 3. Juli  2011 zusammen mit einem europäischen Schlepper  von H._______ nach I._______ geflogen sei, wobei sie mit ihrem eigenen  Pass und einem italienischen Visum gereist sei,  dass  der  besagte  Schlepper  sie  bis  zum  24. Juli  2011  in  I._______  beherbergt und danach mit dem Auto in die Schweiz gebracht habe,  dass  sie  in  Italien  niemanden  habe,  jedoch  in  der  Schweiz  über  Verwandte – (Aufzählung Verwandte) – verfüge, zu denen sie bisher zwar  keinen Kontakt gehabt habe, die sie aber gerne aufsuchen würde, 

D­6087/2011 dass sie sowohl physisch – es befänden sich noch einige Bombensplitter  in  ihrem Körper  und  sie  leide  deshalb  immer wieder  an  Infektionen mit  Fieberschüben – als auch psychisch angeschlagen sei,  dass bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  auf  das  Protokoll  bei  den  Akten  verwiesen wird (vgl. A4),  dass Abklärungen der Schweizer Botschaft in Colombo ergaben, dass die  Beschwerdeführerin  mit  einem  italienischen  Staatsangehörigen  verheiratet  ist  und  am  (…)  zwecks  Familienzusammenführung  ein  italienisches Visum, gültig bis zum (…), erhalten hat,  dass  das  BFM  am  19. Oktober  2011  ein  Übernahmeersuchen  an  die  italienischen  Behörden  stellte,  welchem  am  4. November  2011  zugestimmt wurde,  dass das BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes  vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch mit Verfügung  vom 7. November 2011 – eröffnet am 8. November 2011 – nicht eintrat,  die  Wegweisung  der  Beschwerdeführerin  nach  Italien  und  den  Wegweisungsvollzug  anordnete  und  gleichzeitig  feststellte,  dass  einer  allfälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme,  dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  Italien  sei  gestützt  auf  das  Abkommen  vom  26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­Assoziierungsabkommen  [DAA],  SR 0.142.392.689)  und  das Übereinkommen  vom  17. Dezember  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft,  der  Republik  Island und dem Königreich Norwegen über die Umsetzung, Anwendung  und Entwicklung des Schengen­Besitzstands und über die Kriterien und  Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines  in  der  Schweiz,  in  Island  oder  in  Norwegen  gestellten  Asylantrags  (Übereinkommen  vom  17. Dezember  2004,  SR 0.362.32)  für  die  Durchführung des Asylverfahrens zuständig,  dass  angesichts  dessen,  dass  Italien  der  Übernahme  der  Beschwerdeführerin  gestützt  auf  Art. 9  Abs. 2  der  Verordnung  [EG]  Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18. Februar  2003  zur  Festlegung  der 

D­6087/2011 Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin­II­VO), zugestimmt habe, die  Zuständigkeit  zur  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  bei Italien liege,  dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder  Verlängerung  gemäss  Art. 19  f.  Dublin­II­VO  –  bis  am  4. Mai  2012  zu  erfolgen habe, dass daher auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht einzutreten  und deren Wegweisung aus der Schweiz anzuordnen sei,  dass die Beschwerdeführerin in einen Drittstaat reisen könne, in dem sie  Schutz  vor  Rückschiebung  im  Sinne  von  Art. 5  Abs. 1  AsylG  fände,  weshalb  das  Non­Refoulement­Gebot  bezüglich  des  Heimat­  oder  Herkunftsstaats  nicht  zu  prüfen  sei,  und  ferner  für  den  Fall  einer  Rückkehr nach Italien keine Hinweise auf eine Verletzung von Art. 3 der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) bestehen würden, dass weder die  in  Italien herrschende allgemeine Situation noch andere  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  diesen  Staat sprechen würden,  dass  die  Einwände  der  Beschwerdeführerin  kein  Hindernis  für  den  Vollzug der Wegweisung darstellen würden, dass  Italien  –  wie  jeder  Dublin­Mitgliedsstaat  –  in  der  Lage  sei,  eine  angemessene medizinische Versorgung zu gewährleisten, und auch die  Aufnahmerichtlinie  ohne  Beanstandungen  von  Seiten  der  Europäischen  Kommission umgesetzt habe,  dass  der  Wegweisungsvollzug  zudem  technisch  möglich  und  praktisch  durchführbar sei, dass  die  Beschwerdeführerin  gegen  die  Verfügung  vom  7. November  2011  mit  Eingabe  vom  15. November  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob, worin  um Aufhebung  der  vorinstanzlichen Verfügung und um Rückweisung der Sache an das BFM  zur  ergänzenden  Sachverhaltsabklärung  und  neuem  Entscheid,  eventualiter um Anweisung des BFM, auf die Sache einzutreten und vom  Selbsteintrittsrecht Gebrauch zu machen, ersucht wurde,

D­6087/2011 dass  in  prozessualer  Hinsicht  beantragt  wurde,  der  Beschwerde  sei  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  die  aufschiebende  Wirkung  zuzuerkennen,  dass  die  Beschwerdeführerin  im  Wesentlichen  vorbrachte,  ihr  Kollege  G._______, der mittlerweile von der sri­lankischen Polizei festgenommen  worden sei, habe ihr zur Flucht aus Sri Lanka verholfen, und sie habe erst  im  Zuge  des  vorliegenden  Asylverfahrens  erfahren,  dass  sie  angeblich  verheiratet sei und deshalb über ein italienisches Visum verfüge,  dass  erhebliche  Zweifel  bestünden,  ob  Italien  die  Verfahrensgarantien  und den Minimalstandard hinsichtlich der Unterbringung und Versorgung  Asylsuchender, zu deren Einhaltung es sich verpflichtet habe, tatsächlich  erfülle, dass  sie  in  Italien  nicht mit  dem Zugang  zu  einem  richtlinienkonformen  Asylverfahren  und  existenzsichernder  Versorgung  sowie  ärztlicher  Betreuung rechnen könne, da die  italienischen Behörden wohl kaum auf  ein  nachträglich  gestelltes  Asylgesuch  eintreten würden, wenn  entdeckt  würde,  dass  sie  nur  aufgrund  einer  Scheinheirat  über  einen  Aufenthaltstitel verfüge,  dass vielmehr damit zu rechnen sei, dass sie unter Verletzung von Art. 3  EMRK und Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  nach  Sri  Lanka  ausgeschafft  würde, dass  auf  die  weitere  Begründung  der  Beschwerde  –  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich  –  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  einzugehen  ist,  dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  16. November  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),  und zieht in Erwägung,  dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines 

D­6087/2011 Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  die  Beschwerdeführerin  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert  ist,  weshalb  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37  VGG und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG),  dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt – um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  auf  einen  Schriftwechsel  verzichtet wurde,  dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32­35a  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,  dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  der  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  sich  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  aufgrund  der  Akten  als  zutreffend erweisen, weshalb zur Vermeidung von Wiederholungen vorab  auf  die  nicht  zu  beanstandenden  Ausführungen  des  BFM  in  der  angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann, 

D­6087/2011 dass  der  vorgängige  Aufenthalt  in  Italien  und  die  ausdrückliche  Zustimmung  Italiens  zur  Rückübernahme  der  Beschwerdeführerin  aufgrund der Aktenlage feststehen,  dass  die  geltend  gemachten  Asylgründe  daher  in  Italien,  das  staatsvertraglich  für  das  vorliegende  Verfahren  zuständig  ist,  zu  prüfen  sein werden,  dass  hinsichtlich  der  Furcht  der  Beschwerdeführerin  vor  einer  Rückschiebung  von  Italien  nach  Sri  Lanka  festzuhalten  ist,  dass  Italien  Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung  der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), der EMRK und der FoK ist, und keine  konkreten Anhaltspunkte dafür vorliegen, wonach Italien sich nicht an die  daraus resultierenden völkerrechtlichen Verpflichtungen, insbesondere an  das Rückschiebungsverbot, halten würde, selbst wenn sich herausstellen  sollte, dass die Beschwerdeführerin tatsächlich nur zum Schein mit einem  italienischen Staatsbürger verheiratet ist,  dass  auch  kein  Grund  zur  Annahme  besteht,  Personen,  die  sich  im  Rahmen  eines Asylverfahrens  in  Italien  aufhalten, würden  aufgrund  der  dortigen Aufenthaltsbedingungen in eine existenzielle Notlage versetzt,  dass  ebensowenig  Hinweise  dafür  bestehen,  Italien  würde  seinen  Verpflichtungen  im  Rahmen  der  Dublin­II­VO  in  medizinischer  Hinsicht  nicht nachkommen,  dass  Italien  wie  jeder  Dublin­Staat  die  Verfahrens­  und  Aufnahmerichtlinien  in  Landesrecht  umgesetzt  hat,  und  davon  ausgegangen  werden  darf,  dass  die  Beschwerdeführerin  dort  grundsätzlich  adäquate  Betreuung,  medizinische  Versorgung  und  ein  rechtsstaatlich konformes Asylverfahren findet,  dass  Dublin­Rückkehrende  zudem  betreffend  Unterbringung  von  den  italienischen  Behörden  bevorzugt  behandelt  werden,  und  sich  –  neben  den staatlichen Strukturen – auch zahlreiche private Hilfsorganisationen  der Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen,  dass sich die Beschwerdeführerin mit allfälligen diesbezüglichen Klagen  an die zuständigen Behörden vor Ort zu wenden hat,  dass bezüglich des Vorbringens der Beschwerdeführerin im Rahmen der  Befragung  vom  18. August  2011,  in  der  Schweiz  über  Verwandte  zu  verfügen, festzuhalten ist, dass es sich bei (Aufzählung Verwandte) nicht 

D­6087/2011 um  Familienangehörige  im  Sinne  von  Art. 2  Bst. i  Dublin­II­VO  (Ehegatten,  minderjährige  Kinder)  handelt,  weshalb  die  Beschwerdeführerin  aus  Art. 7  Dublin­II­VO  nichts  zu  ihren  Gunsten  abzuleiten vermag,  dass  gemäss  Art. 8  EMRK  auch  über  die  Kernfamilie  hinausgehende  verwandtschaftliche  Bande  unter  den  Schutz  der  Einheit  der  Familie  fallen,  sofern  eine  nahe,  echte  und  tatsächlich  gelebte  Beziehung  zwischen den Angehörigen besteht (vgl. BVGE 2008/47 E. 4.1.1),  dass die Berufung auf den Grundsatz der Familieneinheit bei Verwandten  ausserhalb  der  Kernfamilie  jedoch  nicht  nur  eine  nahe,  echte  und  tatsächlich  gelebte  Beziehung,  sondern  ein  darüber  hinausgehendes  besonderes Abhängigkeitsverhältnis voraussetzt (vgl. BGE 129 II 11 E. 2  S. 14),  dass  zwischen  der  Beschwerdeführerin  und  (Aufzählung  Verwandte)  keine  derartige,  durch  ein  besonderes  Abhängigkeitsverhältnis  gekennzeichnete Beziehung ersichtlich ist, zumal die Beschwerdeführerin  bisher über keinen Kontakt zu diesen verfügte,  dass somit nicht davon auszugehen ist, das BFM hätte Veranlassung zu  einem Selbsteintritt (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO) gehabt,  dass das BFM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d  AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten ist,  dass  die  Anordnung  der  Wegweisung  nach  Italien  der  Systematik  des  Dublin­Verfahrens  –  bei  dem  es  sich  um  ein  Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuchs  zuständigen  Staat  handelt –  entspricht und im Einklang mit der Bestimmung von Art. 44 Abs. 1 AsylG  steht, wobei in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG die Frage nach  der Zulässigkeit  und Möglichkeit  des Wegweisungsvollzugs  regelmässig  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheids ist, und hier nicht mehr zu prüfen ist,  dass sich auch die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in  einem  Dublin­Verfahren  nicht  unter  dem  Aspekt  der  vorläufigen  Aufnahme  gemäss  Art. 83  Abs. 1  und  4  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR 142.20)  stellt,  sondern  eine  entsprechende  Prüfung,  soweit 

D­6087/2011 notwendig,  bereits  im  Rahmen  der  Entscheidfindung  hinsichtlich  der  Ausübung des Selbsteintrittsrechts stattfinden muss,  dass  vorliegend  –  wie  aufgezeigt  –  kein  Anlass  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO) besteht, weshalb der vom  BFM verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist,  dass  es  der Beschwerdeführerin  demnach  nicht  gelungen  ist,  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  sich  das  Gesuch  um  Erlass  vorsorglicher  Massnahmen  mit  vorliegendem  Urteil  ohne  vorgängige  Instruktion  als  gegenstandslos  erweist,  dass bei diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten von Fr. 600.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite) 

D­6087/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Susanne Burgherr Versand:

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