Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 24.10.2011 D-5755/2011

24 octobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,673 mots·~8 min·3

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch (Papierlosigkeit) und Wegweisung

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­5755/2011/sed Urteil   v om   2 4 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Einzelrichter Hans Schürch, mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn,    Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. Parteien A._______, geboren am (…), Algerien,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 11.Oktober 2011 / N (…).

D­5755/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  unter  der  Identität  B._______,  geboren  am  (…), sein erstes Asylgesuch in der Schweiz einreichte, dass  das  damals  zuständige  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF)  das  Asylgesuch  mit  Verfügung  vom  30.  September  2002  abwies  und  die  Wegweisung des Beschwerdeführers anordnete, dass  die  damals  zuständige  Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK)  mit  Urteil  vom  18.  Dezember  2002  auf  die  dagegen  erhobene  Beschwerde nicht  eintrat,  und dem Beschwerdeführer  in der Folge eine  Ausreisefrist bis am 14. Februar 2003 angesetzt wurde, dass  die  zuständige  kantonale  Behörde  dem  BFM  mitteilte,  der  Beschwerdeführer sei seit dem 16. Januar 2003 verschwunden, dass für die weiteren Ausführungen des Beschwerdeführers auf die Akten  des ersten Asylverfahrens verwiesen wird, dass  der  Beschwerdeführer  am  31.  Januar  2003  unter  der  Identität  A._______,  geboren  am  (…),  eine  schweizerische  Staatsangehörige  ehelichte  und  in  der  Folge  eine  Aufenthaltsbewilligung  für  die  Schweiz  erhielt, dass  ihm  mit  Verfügung  der  zuständigen  kantonalen  Behörde  vom  9. März 2007 die Aufenthaltsbewilligung verweigert und er zum Verlassen  des  Kantonsgebiets  aufgefordert  wurde,  weil  er  die  eheliche  Gemeinschaft aufgegeben hatte, dass  er  mit  Urteil  der  zuständigen  Strafverfolgungsbehörden  vom  9.  Oktober 2007 zu 16 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurde, wobei der  Vollzug  der  Freiheitsstrafe  zugunsten  einer  stationären  therapeutischen  Massnahme  im Sinn von Art. 59 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs  vom 21. Dezember 1937 (StGB, SR 311.0) aufgeschoben wurde, dass  er  in  der  Folge  vom 9.  August  2007  bis  zum 17. Dezember  2010  den  Vollzug  der  angeordneten  Massnahme  in  einem  Massnahmenzentrum absolvierte  und  jeweils  ein  Jahresbericht  über  ihn  verfasst wurde,

D­5755/2011 dass  er  Ende  Dezember  2010  aus  dem Massnahmenvollzug  entlassen  wurde,  worauf  er  gemäss  eigenen  Angaben  rückfällig  geworden  sei,  wieder Alkohol getrunken und gestohlen habe mit dem Ziel, erneut in den  Massnahmenvollzug  zu  kommen,  damit  man  ihn  nicht  ausschaffen  könne, dass  der  Beschwerdeführer  von  der  zuständigen  Strafverfolgungsbehörde  am  1.  Juni  2011  aufgrund  des  mehrfachen  Diebstahls zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 150 Tagen verurteilt  und am 10. Juli 2011 bedingt entlassen wurde, dass  am  6.  Juli  2011  von  der  zuständigen  Migrationsbehörde  des  Kantons  eine  Haft­  und  Ausschaffungsanordnungsverfügung  gegen  ihn  erlassen wurde, welche das zuständige Gericht am 12. Juli 2011 bestätigt  hat, dass der Beschwerdeführer am 15. Juli 2011 aus C._______ das zweite  Asylgesuch einreichte, worauf am 1. September 2011  in C._______ die  Befragung zur Person und die Anhörung zu den Asylgründen erfolgte, dass  er  dabei  geltend  machte,  er  sei  im  Jahr  1992  oder  1993  in  den  Militärdienst  einberufen  worden,  habe  die  ersten  sechs  Monate  eine  Ausbildung genossen und danach mit den Rebellen kämpfen müssen, dass  er  Schreckliches  erlebt  und  schreckliche  Bilder  gesehen  habe,  weshalb er dies nicht mehr ertragen habe, worauf er zwecks Behandlung  seines Traumas mit Medikamenten hospitalisiert und nach zwei Monaten  wieder in den Militärdienst zurückgebracht worden sei, dass  er  und  andere  Soldaten  unter  Betäubung  mit  Medikamenten  von  einem  Leutnant  und  zwei  Sergeants  während  drei  Monaten  sexuell  missbraucht worden seien,  dass  er  gegen  Ende  1993  auf  dem  Wachposten,  wo  er  Waffen  und  Munition habe bewachen müssen, vom erwähnten Leutnant einen Kaffee  bekommen habe, wobei ihm hochgekommen sei, was dieser alles mit ihm  gemacht  habe,  weshalb  er  diesen  und  zwei  Sergeants,  welche  auf  Patrouille gewesen und herbeigeeilt seien, einfach erschossen habe, dass  er  anschliessend  mit  dem  Jeep  und  vier  Gewehren  in  die  Berge  geflohen  sei  und  den  Angehörigen  der muslimischen  Bruderschaft  vom 

D­5755/2011 Vorgefallenen erzählt habe, worauf diese ihm geholfen hätten, das Land  über den Seeweg zu verlassen, dass er sich bis ins Jahr 2002 in Marseille aufgehalten habe und während  dieser  Zeit  oft  illegal  in  die  Schweiz  gereist  sei,  indessen  von  der  Einreichung eines Asylgesuchs auf Rat anderer Leute verzichtet habe, dass  er  sich  im  Jahr  2003  einen  algerischen  Pass  habe  ausstellen  lassen,  mit  welchem  er  in  den  Jahren  2003  und  2004  nach  Algerien  zurückgekehrt sei, um seine kranke Mutter zu besuchen, dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Einreichung  seines  zweiten  Asylgesuchs  erneut  keine  heimatlichen  Identitätspapiere  abgab,  obwohl  er schriftlich dazu aufgefordert wurde, dass  er  anfangs  Oktober  2011  aus  der  Ausschaffungshaft  entlassen  wurde und sich am gleichen Tag beim Empfangs­ und Verfahrenszentrum  D._______ meldete, dass für den Inhalt der weiteren Aussagen auf die Akten verwiesen wird, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  11.  Oktober  2011  –  eröffnet  am  folgenden Tag – in Anwendung von Art. 33 Abs. 1 des Asylgesetzes vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  das  Asylgesuch  nicht  eintrat  und  die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete, dass  das BFM den Beschwerdeführer  aufforderte,  die Schweiz  am Tag  nach  Eintritt  der  Rechtskraft  zu  verlassen,  den  zuständigen  Kanton mit  dem  Vollzug  der  Wegweisungsverfügung  beauftragte  und  die  Aushändigung  der  editionspflichtigen  Akten  gemäss  Aktenverzeichnis  anordnete, dass  das  BFM  zur  Begründung  anführte,  der  Beschwerdeführer  habe  sein Asylgesuch erst im Zusammenhang mit dem drohenden Vollzug der  Wegweisung gestellt, dass  er  gestützt  auf  die  Akten  mehrere  Jahre  Zeit  gehabt  hätte,  ein  Asylgesuch  einzureichen,  und  es  nicht  nachvollziehbar  sei,  warum  dies  nicht früher möglich beziehungsweise zumutbar gewesen sein solle, dass  zudem  keine  Hinweise  auf  eine  Verfolgung  vorlägen,  da  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  unglaubhaft  und  nicht 

D­5755/2011 nachvollziehbar  seien,  weil  er  anlässlich  seines  ersten  Asylgesuchs  andere  Vorbringen  geltend  gemacht  habe  und  mit  dem  im  Jahr  2003  ausgestellten algerischen Reisepass mehrmals in sein Heimatland gereist  sei, dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  auch  nicht  asylrelevant  seien,  wobei  die  vorgebrachten  sexuellen  Missbräuche  nicht  nachvollziehbar und unsubstanziiert seien, dass es dem Beschwerdeführer somit nicht gelungen sei, die Vermutung  zu widerlegen, sein Asylgesuch in engem zeitlichem Zusammenhang mit  seiner  Verhaftung  eingereicht  zu  haben,  obwohl  ihm  eine  frühere  Einreichung möglich und zumutbar gewesen wäre, und Hinweise auf eine  Verfolgung fehlten, dass  die  Vorinstanz  zudem  die  Zulässigkeit,  die  Zumutbarkeit  und  die  Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs als gegeben erachtete, wobei sie  insbesondere  festhielt,  der Vollzug der Wegweisung sei  zumutbar, auch  wenn  in  abgelegenen Gegenden Algeriens Gewalttätigkeiten  herrschten  und  der  Beschwerdeführer  mit  Schwierigkeiten  konfrontiert  werden  könne, dass  er  nämlich  die  prägenden  Jahre  in  Algerien  verbracht  habe,  dort  über  Familienangehörige  verfüge  und  in  seinem  Heimatland  eine  genügende  medizinische  Versorgung  gewährleistet  sei,  weshalb  die  posttraumatische  Belastungsstörung  (PTBS)  oder  die  psychischen  Probleme  und  die  Epilepsie  des  Beschwerdeführers  dort  behandelt  werden könnten,  dass er  insbesondere die Epilepsie bereits  in Algerien gehabt habe und  es  nebst  zahlreichen  andern  Spitälern  das  psychiatrische  E._______  gebe, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Beschwerde  vom  18.  Oktober  2011  in  materieller  Hinsicht  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung,  die  Rückweisung  an  die  Vorinstanz  zwecks  materieller  Prüfung  und  eventualiter  die Gewährung  der  vorläufigen Aufnahme  infolge  fehlender  Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs beantragte, dass  er  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  um Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses,  um  Erlass  der  Verfahrenskosten  und  um  Gewährung der aufschiebenden Wirkung ersuchte,

D­5755/2011 dass  er  zur  Stützung  seiner  Vorbringen  Kopien  von  medizinischen  Berichten beilegte, dass  auf  die  Begründung  der  Rechtsbegehren  und  die  eingereichten  Dokumente,  soweit  für  den Entscheid wesentlich,  in  den nachfolgenden  Erwägungen eingegangen wird, dass die vollständigen vorinstanzlichen Akten am 20. Oktober 2011 beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der 

D­5755/2011 Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  volle Kognition zukommt, dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  der  vorliegenden  Beschwerde  aufschiebende  Wirkung  zukommt  (Art. 55 Abs. 1 VwVG), dass  Art.  33  Abs.  1  AsylG  keine  Anwendung  findet,  wenn  eine  frühere  Einreichung  des  Gesuchs  nicht  möglich  oder  nicht  zumutbar  war  oder  sich Hinweise auf eine Verfolgung ergeben (Art. 33 Abs. 3 AsylG), dass  die  Vorinstanz  zu  Recht  und mit  zutreffender  Begründung  festge­ stellt hat, dem Beschwerdeführer sei es nicht gelungen, die Vermutung zu  widerlegen,  er  habe  sein  Asylgesuch  in  engem  zeitlichem  Zusammenhang  mit  seiner  Verhaftung  und  offensichtlich  nur  zwecks  Vermeidung  des  drohenden  Vollzugs  seiner  Wegweisung  aus  der  Schweiz eingereicht, dass eine frühere Einreichung seines Asylgesuchs (beispielsweise bereits  während seines stationären Aufenthalts im Massnahmezentrum zwischen  dem 9. August 2007 und Ende 2010 oder nach dessen Entlassung aus  dem  Massnahmevollzug  Ende  2010)  für  den  Beschwerdeführer  ohne 

D­5755/2011 weiteres  möglich  und  zumutbar  gewesen  wäre,  zumal  der  Beschwerdeführer  –  wie  sich  aus  den  Akten  ergibt  –  über  gute  Französischkenntnisse  verfügt  und  auch  deutsch  spricht,  weshalb  von  einer  gewissen  Vertrautheit  mit  den  schweizerischen  Verhältnissen  auszugehen ist, dass  der  Beschwerdeführer  zudem  gestützt  auf  die  Aktenlage während  mehrerer Jahre im Massnahmevollzug eine regelmässige Psychotherapie  absolvierte, um seine psychischen Probleme in den Griff zu bekommen, dass  er  unter  diesen  Umständen  aufgrund  des  dabei  entstandenen  Vertrauensverhältnisses  zur  psychotherapeutisch  tätigen  Person  das  Thema,  wie  er  in  der  Schweiz  eine  Verfolgung  im  Heimatland  geltend  machen könnte, hätte zur Sprache bringen und entsprechend hätte  tätig  werden können, dass folglich die Vermutung, das Asylgesuch des Beschwerdeführers sei  in  engem zeitlichem Zusammenhang mit  seiner Verhaftung und  zwecks  Vermeidung  des  drohenden  Vollzugs  seiner  Wegweisung  aus  der  Schweiz eingereicht worden, zu bestätigen ist, dass darüber hinaus aus dem jahrelangen Verstreichen der Zeit und dem  Verhalten  des  Beschwerdeführers  deutlich  zum  Ausdruck  kommt,  dass  nicht  die  Gefahr  einer  Verfolgung  im  Heimatland  im  Vordergrund  gestanden  haben  kann,  da  er  dies  andernfalls  bereits  früher  zum  Ausdruck gebracht hätte, dass  sich  somit  aus  seinen  Aussagen  schon  aus  diesem  Grund  keine  Hinweise auf Verfolgung ergeben, wie die Vorinstanz zu Recht feststellte, dass  der  Beschwerdeführer  ferner  –  wie  sich  aus  den  Akten  ergibt –  mehrmals mit einem eigenen Reisepass  in sein Heimatland gereist sein  will, was ebenfalls gegen die geltend gemachte Verfolgung spricht, dass  zudem  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  anlässlich  des  zweiten Asylgesuchs  auch  nicht  ansatzweise mit  denjenigen, welche  er  im  ersten Asylgesuch  zu Protokoll  gab,  übereinstimmen, weshalb  seine  Vorbringen  grundsätzlich  in  Zweifel  zu  ziehen  sind,  wobei  die  Glaubhaftigkeit  seiner  Aussagen  vorliegend  infolge  der  fehlenden  Asylrelevanz  nicht  näher  zu  prüfen  ist,  wie  die  nachfolgenden  Erwägungen zeigen,

D­5755/2011 dass  nämlich  eine  allfällige  Suche  nach  dem  Beschwerdeführer  im  Zusammenhang mit dem vorgebrachten Tötungsdelikt asylrechtlich nicht  relevant  ist,  weil  die  strafrechtliche  Verfolgung  eines  Tötungsdelikts  als  legitime Handlung des algerischen Staates zur Durchsetzung von Recht  und Ordnung zu sehen ist und somit keine Verfolgungshandlung im Sinne  des Gesetzes darstellt,  dass an dieser Einschätzung das Vorbringen des Beschwerdeführers, er  habe die drei Personen getötet, weil  sie  ihn sexuell misshandelt hätten,  nichts  zu  ändern  vermag,  auch  wenn  diese  Handlungen  –  ihre  Glaubhaftigkeit vorausgesetzt – nicht als legitim im oben erwähnten Sinn  zu betrachten wären,  dass nämlich die geltend gemachten sexuellen Übergriffe angesichts der  Tatsache, dass sie im ersten Asylverfahren unerwähnt blieben, und – wie  die Vorinstanz zu Rechte feststellte – substanzlos vorgebracht wurden –  zu bezweifeln sind, dass ferner die Befürchtung des Beschwerdeführers, wegen der erfolgten  Desertion festgenommen und bestraft zu werden, nicht zur Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  zu  führen  vermag,  da  auch  sie  –  die  Glaubhaftigkeit  vorausgesetzt  –  als  legitime  Handlung  des  algerischen  Staates  zu  betrachten  sind  und  vorliegend  keine  Anhaltspunkte  dafür  bestehen,  der  Beschwerdeführer  müsse  infolge  eines  Malus  mit  einer  ungerechtfertigt hohen Bestrafung wegen Desertion rechnen, dass  im  Übrigen  auch  diesbezüglich  Zweifel  an  der  Darstellung  des  Beschwerdeführers  bestehen,  da  er  im  Rahmen  der  mit  ihm  durchgeführten  Psychotherapie  von  einer  Entlassung  aus  dem  Militärdienst  spricht  (vgl.  Verlaufsbericht  vom  8.  Juli  2010  S.  3  1.  Abschnitt),  was  mit  der  im  zweiten  Asylverfahren  vorgebrachten  Flucht  beziehungsweise Desertion nicht zu vereinbaren ist, dass  –  gestützt  auf  die  vorangehenden  Erwägungen  eine  allfällige  Bestrafung  und  Inhaftierung  des  Beschwerdeführers  –  sei  es  aus  militärrechtlichen Gründen oder weil er drei Personen getötet hat – keine  Verfolgung  im Sinne des Asylgesetzes darstellen würde, auch wenn die  Haftbedingungen  in  Algerien  nicht  denjenigen  in  der  Schweiz  entsprechen,  dass im Übrigen auf die zutreffenden Ausführungen in der angefochtenen  Verfügung verwiesen wird, um unnötige Wiederholungen zu vermeiden,

D­5755/2011 dass  schliesslich  die  in  der  Beschwerde  vorgebrachte  Traumatisierung  des  Beschwerdeführers  beziehungsweise  seine  psychischen  Probleme  nicht  zu  einer  andern Einschätzung  führen  können,  da  seine Aussagen  anlässlich  des  zweiten  Asylgesuchs  auch  nicht  ansatzweise  mit  denjenigen,  welche  er  im  ersten  Asylgesuch  zu  Protokoll  gab,  übereinstimmen,  weshalb  ihm  nicht  geglaubt  werden  kann,  er  habe  als  Folge  eines  sexuellen  Missbrauchs  im  Militärdienst  durch  Vorgesetzte  oder  als  Folge  der  kriegerischen  Handlungen  eine  Traumatisierung  erlitten, dass  die  psychischen  Probleme  des  Beschwerdeführers  infolge  der  unglaubhaften Angaben vielmehr einen andern Grund haben müssen,  dass  an  dieser  Einschätzung  die  eingereichten  medizinischen  Berichte  nichts  zu  ändern  vermögen,  da  sie  sich  alle  ausschliesslich  auf  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  stützen,  welche  –  wie  vorangehend  bereits mehrfach erwähnt – zu bezweifeln sind, dass  die  im  erwähnten  Verlaufsbericht  festgehaltenen  Ängste  des  Beschwerdeführers  insbesondere  im  Zusammenhang  mit  der  bevorstehenden  Ausschaffung  zu  sehen  sind,  was  auch  darin  zum  Ausdruck  kommt,  dass  er  mit  dem  Ziel,  wieder  in  den  Massnahmenvollzug  zu  kommen,  um  die  Ausschaffung  zu  verhindern,  erneut Alkohol trinkt und straffällig ist, dass dieses Verhalten auch als  rechtsmissbräuchlich  zu qualifizieren  ist  und nicht geschützt werden kann, dass  das  BFM  folglich  zu  Recht  gestützt  auf  Art.  33  AsylG  auf  das  Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbe­ willigung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer solchen  besteht (vgl. EMARK 2001 Nr. 21), weshalb die verfügte Wegweisung im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass  das  BFM  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt, 

D­5755/2011 wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  vormaligen  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  dass  heisst,  sie  sind  zu beweisen, wenn der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (vgl.  Walter  Stöckli,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser,  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel, Rz. 11.148, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoule­ments  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im  Sinne von   Art.  3 der Konvention  vom 4. November 1950 zum Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ersichtlich  sind, die dem Beschwerdeführer  im Heimat­ oder Herkunftsstaat drohen  würde, dass  insbesondere  die  dem  Beschwerdeführer  allenfalls  drohende  Strafverfolgung  nicht  gegen  Art.  3  EMRK  verstösst,  zumal  sie  aus  rechtsstaatlich legitimen Motiven erfolgen würde und keine konkreten, auf  den Beschwerdeführer bezogenen Anhaltspunkte vorliegen, gestützt auf  welche mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer Verletzung dieser  Norm auszugehen wäre, 

D­5755/2011 dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass weder die allgemeine Lage im Heimatstaat noch individuelle Gründe  – der  Beschwerdeführer  verfügt  eigenen  Angaben  zufolge  in  Algerien  über ein  familiäres Beziehungsnetz und hat sich seinen Lebensunterhalt  vor  der  Ausreise  als  Elektriker  selber  verdient  –  auf  eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  seiner  Rückkehr  schliessen  lassen,  weshalb  der  Vollzug der Wegweisung vorliegend zumutbar ist, dass  die  gesundheitlichen Beschwerden  auch  im Heimatland  behandelt  werden können, dass auch diesbezüglich – um unnötige Wiederholungen zu vermeiden –  auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen  (Art.  83  Abs.  2  AuG),  und  es  nötigenfalls  dem  Beschwerdeführer  obliegt,  bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken (Art. 8 Abs. 4 AsylG), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  BFM  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist,  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  sich  die  Rechtsbegehren  aufgrund  vorstehender  Erwägungen  als  aussichtslos  erweisen,  weshalb  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege abzuweisen und der Antrag auf Erlass der  Verfahrenskosten  (Art.  65  Abs.  1  VwVG)  unbesehen  der  allenfalls  bestehenden Mittellosigkeit  abzuweisen  sowie  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.−  (Art.  1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG),

D­5755/2011 dass  mangels  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  infolge  Direktentscheides  das  Gesuch  um  Erlass  eines  Kostenvorschusses  gegenstandslos ist.  (Dispositiv nächste Seite)

D­5755/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  nach  Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Eva Zürcher Versand:

D-5755/2011 — Bundesverwaltungsgericht 24.10.2011 D-5755/2011 — Swissrulings