Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 23.01.2012 D-5412/2011

23 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,285 mots·~11 min·3

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 7. September 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­5412/2011/sed Urteil   v om     2 3 .   J a nua r   2012 Besetzung Einzelrichter Bendicht Tellenbach, mit Zustimmung von Richterin Claudia Cotting­Schalch,   Gerichtsschreiberin Susanne Scheidegger. Parteien A._______, geboren am (…), Serbien,   vertreten durch lic. iur. Isabella Zürcher, Rechtsanwältin,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 7. September 2011 / N (…).

D­5412/2011 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer  reiste am 18. September 2010  trotz bestehender  Einreisesperre  in  die  Schweiz  ein,  wo  er  sich  bis  zum  25.  September  2010  aufhielt.  Am  18.  Januar  2011  reiste  er  erneut  in  die  Schweiz  ein,  obwohl er Kenntnis von der Einreisesperre hatte. Als Grund gab er an, er  habe  seinen Neffen  besuchen wollen.  Bei  einer  Polizeikontrolle wies  er  sich  gegenüber  den  Beamten  mit  einer  gefälschten  rumänischen  Identitätskarte sowie einem gefälschten rumänischen Führerausweis aus.  Mit  der  gefälschten  rumänischen  Identitätskarte  reiste  der  Beschwerdeführer  am  27.  März  2011  erneut  in  die  Schweiz  ein.  Zwischenzeitlich  wurde  die  Einreisesperre  bis  21.  Februar  2012  für  die  Schweiz  sowie  den  gesamten  Schengenraum  verlängert.  Der  Beschwerdeführer mietete sich in B._______ unter falschem Namen eine  Wohnung, wo er sich rechtswidrig aufhielt.  Anlässlich  einer  polizeilichen  Kontrolle  wies  er  sich  am  20.  April  2011  wiederum  mit  der  gefälschten  rumänischen  Identitätskarte  sowie  dem  gefälschten rumänischen Führerausweis aus.  Im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  in  C._______  reichte  der  Beschwerdeführer am 26. April 2011 ein Asylgesuch ein. Am 9. Mai 2011  wurde  er  erstmals  summarisch  befragt  und  am  16. Mai  2011  hörte  ihn  das BFM zu seinen Asylgründen an.  Im Wesentlichen machte er geltend,  dass er  in die Schweiz gekommen  sei, weil er in Serbien zu Unrecht wegen Mordes zu zwölfeinhalb Jahren  Haft verurteilt worden sei.  B.  Gestützt auf einen nationalen Haftbefehl wurde der Beschwerdeführer am  31.  Mai  2011  im  D._______  verhaftet  und  ins  Gefängnis  E._______  überstellt.  Gemäss  Anklageschrift  der  Staatsanwaltschaft  F._______  wurden  ihm Diebstahl, Hausfriedensbruch, mehrfaches Vergehen gegen  das Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  sowie  mehrfache  Fälschung  von  Ausweisen vorgeworfen.  C.  Mit  Verfügung  vom  7.  September  2011  –  zugestellt  am  8.  September 

D­5412/2011 2011 –  lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und  ordnete gleichzeitig die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug  an.  Die  Vorinstanz  begründete  ihre  Verfügung  im  Wesentlichen  damit,  dass  die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers,  er  sei  zu  Unrecht  des  Mordes  beschuldigt  worden,  nicht  glaubhaft  seien  und  die  in  diesem  Zusammenhang  stehenden  staatlichen  Massnahmen  daher  rechtsstaatlich  legitim  seien.  Auf  die  weitere  Begründung  wird,  soweit  entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen.  D.  Das  Bezirksgericht  G._______  verurteilte  den  Beschwerdeführer  mit  Urteil vom 12. September 2011 wegen mehrfachen Vergehens gegen das  AuG sowie wegen mehrfacher Fälschung von Ausweisen zu 6 Monaten  Freiheitsstrafe,  wovon  105  Tage  durch  Untersuchungs­  und  Sicherheitshaft erstanden waren. Vom Vorwurf des Diebstahls sowie des  Hausfriedensbruchs  wurde  er  freigesprochen.  Die  mit  Strafbefehl  des  Untersuchungsamtes H._______ vom 21. April 2009 ausgefällte bedingte  Geldstrafe  von  20  Tagessätzen  zu  Fr.  30.­  wurde  widerrufen.  Weiter  wurde  verfügt,  dass  der  Beschwerdeführer  bis  längstens  27. November  2011  in  Sicherheitshaft  belassen  und  anschliessend  der  Auslieferungshaft zugeführt werde.  E.  Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  29.  September  2011  (Poststempel)  beantragte  der  Beschwerdeführer  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  vom  7. September  2011,  die  Anerkennung  der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung des Asyls. Desweitern sei  die  Unzulässigkeit  und  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Zudem seien die  Akten  des  Strafverfahrens  im  Kanton  I._______  (…),  jene  des  Auslieferungsverfahrens  (B  …)  sowie  die  Akten  des  Asylverfahrens  seines Neffen J._______ (geb. …) beizuziehen. In prozessualer Hinsicht  sei  die  unentgeltliche  Prozessführung  sowie  die  unentgeltliche  Rechtsvertretung gemäss Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  zu  gewähren  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten. F.  Die Botschaft der serbischen Republik  in Bern beantragte mit Note vom  29. September 2011 die Auslieferung von A._______ im Hinblick auf die 

D­5412/2011 Vollstreckung  einer  Freiheitsstrafe  von  12  Jahren  aus  dem  Urteil  des  Obergerichts  K._______  vom  (…)  in  Verbindung  mit  dem  Urteil  des  Appellationsgerichts  L._______  vom  (…)  wegen  Mordes.  In  den  angeblichen  Raub  mit  nachträglicher  Tötung  durch  den  Beschwerdeführer  war  gemäss  den  Akten  unter  anderem  auch  sein  Neffe, J._______, verwickelt.  G.  Mit  Zwischenverfügung  des  Instruktionsrichters  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  12.  Oktober  2011  wurde  festgestellt,  dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Beschwerdeverfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  könne  und  beim  Bundesamt  für  Justiz  (BJ)  die  Akten des Auslieferungsverfahrens B  (…) angefordert und  im  laufenden  Verfahren  beigezogen  würden.  Über  den  allfälligen  Beizug  der  Asylverfahrensakten  von  J._______  sowie  über  die  Gesuche  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  werde  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  befunden.  Auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  wurde  verzichtet.   H.  Mit  Schreiben  vom  3.  November  2011  retournierte  das  BJ  dem  Bundesverwaltungsgericht  die  Akten  und  übermittelte  aus  den  Auslieferungsakten  eine  Kopie  der  Stellungnahme  des  Verfolgten  zum  serbischen  Auslieferungsersuchen  vom  27.  Oktober  2011.  Desweitern  liessen sie dem Gericht des Faxschreibens M._______ vom 1. November  2011  zukommen,  worin  erklärt  wurde,  dass  der  Beschwerdeführer  bedingt  aus  der  Haft  entlassen  und  am  1.  November  2011  in  Auslieferungshaft versetzt wurde.  I.  Mit  Entscheid  vom  18.  Januar  2012  bewilligte  das  BJ  die  Auslieferung  des Beschwerdeführers an die serbische Republik, unter Vorbehalt eines  rechtskräftigen, ablehnenden Asylentscheids.

D­5412/2011 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden Beschwerde (Art. 105 AsylG). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art.  111  Bst.  e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a Abs. 2 AsylG). 

D­5412/2011 4.  4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich  die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den  frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 5.  5.1.  Die  Vorinstanz  hielt  zur  Begründung  ihres  ablehnenden  Asylentscheides im Wesentlichen fest, dass entgegen den Behauptungen  des Beschwerdeführers,  er  sei  unschuldig,  davon ausgegangen werden  müsse, dass er die ihm zur Last gelegte schwere Straftat begangen habe  und folglich zu Recht zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden sei. Durch  die Flucht  in  die Schweiz  habe er  sich einer  drohenden Strafverfolgung  entziehen  wollen.  Das  Problem  des  Beschwerdeführers  mit  den  Behörden  sei  daher  strafrechtlicher  Natur.  Es  sei  im  Rahmen  der  Aufrechterhaltung  von  Recht  und  Ordnung  legitim,  wenn  der  Staat  kriminelles  Unrecht  ahndet  respektive  Untersuchungen  tätigt,  die  es  erlauben, die verantwortlichen Personen zur Rechenschaft zu ziehen. Die  Begründung  der  Verfolgung  durch  die  Behörden  aufgrund  seiner  Zugehörigkeit zu der Minderheit der Roma sei nicht überzeugend. Weiter  müsse angemerkt werden, dass der Beschwerdeführer nicht nur in seiner  Heimat Diebstähle verübt habe,  sondern dass auch hier  in der Schweiz  ein  Verfahren  unter  anderem  wegen  Diebstahls  gegen  ihn  hängig  sei.  Hinzu  komme,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  überzeugend  habe  erklären  können,  weshalb  er  nicht  unverzüglich  nach  seiner  Ankunft  in  der  Schweiz  ein  Asylgesuch  eingereicht  habe.  Vielmehr  habe  er  sich 

D­5412/2011 unter  falschem  Namen  eine  Wohnung  gemietet.  Von  einer  verfolgten  Person dürfe  jedoch erwartet werden, dass sie sich unverzüglich an die  entsprechenden  Stellen  wende  und  um  Hilfe  ersuche.  Entgegen  den  Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach es keinerlei Beweise oder  Indizien  gegen  ihn  gegeben  habe,  die  zu  seiner  Verurteilung  geführt  hätten,  sei  in  den  besagten  Urteilen  äusserst  ausführlich  und  nachvollziehbar ausgeführt, weshalb genau es zum Schuldspruch gegen  den  Gesuchsteller  gekommen  sei.  Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  würden  den  Anforderungen  an  die  Glaubwürdigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  sowie  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten.  5.2.  In  seiner  Beschwerdeschrift  vom  29.  September  2011  erklärte  der  Beschwerdeführer,  die  Vorinstanz  habe  richtig  ausgeführt,  dass  der  Beschwerdeführer  in  den  Jahren  2005  und  2007  von  den  Gerichten  seines Heimatstaates in einem Verfahren wegen Mordes freigesprochen,  jedoch im Jahre 2010 für den gleichen Sachverhalt wiederum zu Unrecht  zu  zwölf  Jahren Gefängnis  verurteilt  worden  sei.  Im  letzten  Urteil  habe  sich der Richter auf das Geständnis des mit angeschuldigten Neffen des  Beschwerdeführers  gestützt,  welches  unter  Folter  erfolgt  sei.  Beim  Richter  habe  es  sich  zudem  um  den  Vater  des  wegen  dieser  Folterhandlungen verurteilten Polizisten gehandelt.  6.  6.1. Die Schweiz gewährt Flüchtlingen auf Gesuch hin Asyl (Art. 2 Abs. 1  AsylG).  6.2. Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine um Asyl nachsuchende  Person  die  Flüchtlingseigenschaft  im Sinne  von  Art.  3  AsylG,  wenn  sie  Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  berechtigterweise  befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter,  in  Art.  3  Abs.  1  AsylG  aufgezählter  Verfolgungsmotive  zugefügt  worden  sind  oder  zugefügt  zu  werden  drohen.  Die  erlittene  Verfolgung  beziehungsweise  die  begründete  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung muss  sachlich  und  zeitlich  kausal  für  die  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  und  grundsätzlich  auch  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheids  noch  aktuell  sein.  Für  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft muss  schliesslich  feststehen,  dass  sich  eine  von  flüchtlingsrechtlich erheblichen Nachteilen bedrohte Person landesweit in  einer  ausweglosen  Situation  befindet,  mithin  über  keine  innerstaatliche 

D­5412/2011 Fluchtalternative verfügt  (vgl.  zum Ganzen EMARK 2006 Nr. 32 E. 5 S.  339 f., mit weiteren Hinweisen).  6.3. Gemäss  herrschender  Lehre  und  Praxis  bildet  die  Flucht  vor  einer  Strafverfolgung  (Englisch  "prosecution")  per  se  keinen  Grund  für  die  Anerkennung als Flüchtling. Ausnahmsweise kann aber die Durchführung  eines  Strafverfahrens  respektive  die  Verurteilung  wegen  eines  gemeinrechtlichen  Delikts  eine  Verfolgung  (Englisch  "persecution")  im  flüchtlingsrechtlichen Sinne darstellen. Dies trifft unter anderem dann zu,  wenn einer Person eine gemeinrechtliche Tat unterschoben wird, um sie  wegen  ihrer äusseren oder  inneren Merkmale – namentlich  ihrer Rasse,  Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe  oder  ihrer politischen Anschauungen  (vgl.  dazu EMARK 2006 Nr.  32 E.  8.7.1)  –  zu  verfolgen,  oder  wenn  die  Situation  eines  Täters,  der  ein  gemeinrechtliches  Delikt  tatsächlich  begangen  hat,  aus  einem  der  genannten  Motive  in  bedeutender  Weise  erschwert  wird.  Eine  solch  relevante Erschwerung der Lage (sog. Politmalus) ist insbesondere dann  anzunehmen,  wenn  deswegen  eine  unverhältnismässig  hohe  Strafe  ausgefällt  wird  (sog.  Malus  im  absoluten  Sinne)  und  wenn  Verfahrensrechte  in  schwerwiegender  Weise  vorenthalten  werden,  ein  signifikant  höheres  Folterrisiko  besteht  oder  eine  bedeutend  schärfere  Strafe  drohen  würde  als  bei  einem  Straftäter  mit  anderem  Hintergrund  (sog. Malus im relativen Sinne) (vgl. EMARK 1996 Nr. 29 E. 2g, EMAKR  1996  Nr.  34  E.  3,  WALTER  KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt  a.  M.  1990,  S.  112  ff.,  ALBERTO  ACHERMANN/CHRISTIAN  HAUSAMMAN,  Handbuch  des  Asylrechts,  Bern/Stuttgart  1991,  S.  102,  MARIO GATIKKER,  Das  Asyl­  und Wegweisungsverfahren,  Bern  1999,  S.  74, MARIO VENA, Parallele Asyl­ und Auslieferungsverfahren in ASYL Nr.  2/2007, S. 3ff.).  Eine  von  den  zuständigen  schweizerischen  Behörden  bewilligte  Auslieferung  ist  im  Asylverfahren  gemäss  nach  wie  vor  zutreffender  Praxis  der  ARK  (vlg.  EMARK  1996  Nr.  34  E.  4a)  zwar  durch  die  Asylbehörden nicht auf ihre Rechtmässigkeit zu überprüfen. Indessen gilt  es mit Bezug auf das  im Herkunftsstaat angehobenen Strafverfahren zu  prüfen,  ob  und  inwieweit  dieses  Verfahren  eine  Verfolgung  im  flüchtlingsrechtlichen Sinne darstellen kann (vgl. VENA, a.a.O., Ziff. 1.2.2,  S. 7 f.).  Der  Beschwerdeführer  machte  in  seiner  Beschwerde  geltend,  dass  im  Urteil aus dem Jahre 2010 auf das unter Folter erzwungene Geständnis 

D­5412/2011 seines  mitangeklagten  Neffen  J._______  abgestellt  worden  sei.  Dabei  habe  das  Gericht  in  seinem  Urteil  im  Jahr  2010  erklärt,  dass  die  Aussagen  des  unter  Folter  erfolgten  Geständnisses  nicht  ausser  Acht  gelassen werden könne, was ohne Zweifel rechtsstaatlichen Grundsätzen  zuwiderlaufe und menschliche Grundrechte verletzte. Als Grund für seine  angeblich  ungerechtfertigte  Verurteilung  wegen  Mordes  in  Serbien  gab  der  Beschwerdeführer  notorische  Übergriffe  auf  seine  Volksgruppe  an.  Das  gegen  rechtsstaatliche  Grundsätze  und  Art.  3  EMRK  zuwiderlaufende  Urteil  richte  sich  gegen  die  Bevölkerungsgruppe  der  Roma  und  es  komme  keine  andere  Erklärung  in  Frage.  Zudem  sei  unbeachtet geblieben, dass angeblich der Richter befangen gewesen sei,  da dessen Sohn, welcher Polizist  ist,  im selben Verfahren wegen Folter  verurteilt worden sei.  6.4. Ob der Beschwerdeführer der Täter  in dem ihm in Serbien zur Last  gelegten Mordfall ist oder nicht, bildet nicht Gegenstand des vorliegenden  Asylverfahrens.  Es  ist  daher  nicht  Aufgabe  des  Bundesverwaltungsgerichts,  eine  Beweiswürdigung  hinsichtlich  der  Anschuldigung des Mordes oder eine Überprüfung der strafprozessualen  Korrektheit der entsprechenden serbischen Gerichtsurteile vorzunehmen.  Im Asylverfahren ist in der vorliegenden Konstellation vielmehr zu prüfen,  ob  es  sich  bei  diesen  Strafverfahren  um  eine  rechtsstaatlich  legitime  Strafverfolgung  handelt  oder  ob  die  Anklageerhebung  oder  die  Verurteilung  auf  eine  ethnisch­rassistisch  motivierte  Diskriminierungsabsicht  aufgrund  der  Roma­Zugehörigkeit  des  Beschwerdeführers  schliessen  lässt  und  damit  aus  einem  asylrechtlich  relevanten Verfolgungsmotiv erfolgte. Der  Beschwerdeführer  kann  indessen  keine  überzeugenden Argumente  für  seine  Behauptung  vorbringen,  der  Prozess  gegen  ihn  sei  aus  rassistischen  oder  politischen  Gründen  angestrebt  worden.  Es  liegen  dafür weder hinreichende Beweise noch zumindest plausible Indizien vor.  Auch  die  geltend  gemachten  rechtstaatlich  unzulässigen  Ermittlungsmethoden  und  andere  Verfahrensmängel  (das  Urteil  basiere  auf  einem  durch  Folter  erzwungenen  Geständnis  und  der  zuständige  Richter sei befangen gewesen) würden, selbst wenn zutreffend,  für sich  allein  noch  keinen  genügenden  Grund  für  die  Annahme  einer  asylrechtlich  relevanten  Diskriminierungsabsicht  bilden.  Diese  Frage  ist  nach dem Gesagten grundsätzlich nicht Gegenstand der asylrechtlichen  Prüfung,   sondern  kann  allenfalls  im  Auslieferungsverfahren  von 

D­5412/2011 Bedeutung  sein.  Ansonsten  liegen  keine  Anhaltspunkte  für  eine  Diskriminierung im Strafverfahren vor.  In  seinen  Vorbringen  konnte  der  Beschwerdeführer  nicht  glaubhaft  machen,  weshalb  das  Urteil  politisch  motiviert  gewesen  sein  soll.  Die  reine  Behauptung,  er  sei  aufgrund  seiner  Zugehörigkeit  zu  den  Roma  verurteilt  worden,  reicht  dabei  nicht  aus.  Die  Tat,  aufgrund welcher  der  Beschwerdeführer  und  die  Mittäter  verurteilt  wurden,  weist  keinerlei  politischen  Konnex  auf.  In  seiner  Heimat  in  Serbien  war  der  Beschwerdeführer von Beruf Viehhändler und war nie politisch engagiert.  Auf  die  Frage,  weshalb  ausgerechnet  der  Beschwerdeführer  dieser  Tat  beschuldigt werde, obwohl es viele Roma  in seiner Gegend gebe, hatte  er keine Antwort (Befragungsprotokoll vom 16. Mai 2011, A 9/12, S. 7, F  50). Wie von der Vorinstanz im Übrigen zu Recht festgehalten wurde (E.  I.1,  S.5),  lagen  aufgrund  der  kriminellen  Vergangenheit  des  Beschwerdeführers  und  seiner  Verwicklung  in  den Diebstahl,  in  dessen  Zusammenhang  es  zum  Mord  kam,  offensichtlich  zumindest  Verdachtsgründe vor, weshalb die Darstellung, er sei völlig willkürlich und  nur weil er Roma sei zu Unrecht einer Tat beschuldigt worden, nicht zu  überzeugen vermag.  Es besteht somit kein Grund für die Annahme, dass  der  Beschwerdeführer  in  Serbien  aus  asylrechtlich  relevanten  Gründen  zu Unrecht angeschuldigt oder unverhältnismässig streng bestraft wurde. In Bezug auf das Verhalten des Beschwerdeführers nach Ankunft  in der  Schweiz  ist auszuführen, dass dies nicht dem normalen Vorgehen einer  politisch  verfolgten  Person  entspricht.  Es  wäre  anzunehmen,  dass  bei  einer  politischen  Verfolgung  der  Schutz  eines  anderen  Staates  in  Anspruch  genommen  werden  möchte.  Es  ist  nicht  nachvollziehbar,  weshalb er sich bei seiner Einreise in die Schweiz Ende März 2011 nicht  unverzüglich  bei  den  Behörden  meldete  und  um  Schutz  ersuchte.  Stattdessen  mietete  er  sich  zuerst  eine  Wohnung.  Die  Begründung,  wonach er zuerst alle nötigen Papiere aus Serbien besorgen wollte, um  damit Asyl zu beantragen, ist unglaubhaft (Einvernahmeprotokoll vom 22.  April 2011, A 4/7, S. 2, Z 31ff.). Anlässlich einer Personenkontrolle durch  die  Grenzwachtkorps  in  Zwingen/BL  vom  22. April  2011  wurde  festgestellt,  dass der Beschwerdeführer  illegal  in die Schweiz eingereist  ist  und  sich  seither  auch  illegal  in  der  Schweiz  aufgehalten  hat.  Dabei  wurde  ihm nahegelegt, die Schweiz unverzüglich zu verlassen oder sich  bei  einer Asylbehörde  zu melden. Von einem  freiwilligen und geplanten  Kontakt mit den schweizerischen Behörden kann somit nicht gesprochen  werden. Hinzu kommt, dass er einen gefälschten rumänischen Pass auf 

D­5412/2011 sich  trug.  Vielmehr  macht  es  den  Anschein,  als  wollte  er  untertauchen  und sich seiner Strafe in der Heimat entziehen. Es  besteht  keine  asylrelevante  Verfolgung,  wenn  strafrechtliche  oder  militärische  Massnahmen  ausschliesslich  rechtsstaatlich  legitimen  Zwecken  wie  der  Klärung  allfälliger  Straftaten  dienen.  Der  Beschwerdeführer  konnte mit  seinen Vorbringen kein  flüchtlingsrechtlich  erhebliches Verfolgungsmotiv  beziehungsweise  eine  begründete  Furcht,  künftig einer solchen Verfolgung ausgesetzt zu sein, glaubhaft machen.  Nach  dem  Gesagten  ergibt  sich,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Anforderungen  an  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  und  7  AsylG  nicht  erfüllt.  Die  Vorinstanz  hat  somit  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  verneint  und  dessen  Asylgesuch abgelehnt.  Eine  Übersetzung  der  durch  die  Verteidigung  mit  Schreiben  vom  27.  Oktober  2011  eingereichten  vollständigen  Urteile  des  Bezirksgerichtes  N._______  vom  (…)  sowie  vom  (…)  ist  nach  Ansicht  des  Gerichts  überflüssig und ändert nichts an den ausgeführten Erwägungen. 7.  Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den  Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie  (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 8.  8.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]).

D­5412/2011 Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 8.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art. 83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Die Vorinstanz wies  in  ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf  hin,  dass  das  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  nur  Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den Heimatstaat    ist  demnach  unter  dem Aspekt  von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer 

D­5412/2011 Ausschaffung  in  den  Heimatstaat    dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohen würde  (vgl. EGMR  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124 – 127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Heimatstaat    lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  klarerweise  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Daran  vermag  auch  nichts  zu ändern, dass der Beschwerdeführer  in Serbien die Verbüssung einer  Gefängnisstrafe riskiert, zumal das Bundesamt für Justiz die Auslieferung  bewilligt hat.  Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Vorliegend  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  zumutbar  zu  erachten,  weil keine Hinweise dafür erkennbar sind, der Beschwerdeführer wäre bei  einer Rückkehr  nach Serbien  einer  konkreten Gefährdung aufgrund  der  allgemeinen  Lage  ausgesetzt.  Das  Bundesverwaltungsgericht  erachtet  den Wegweisungsvollzug  gestützt  auf  die  allgemeine  Lage  als  generell  zumutbar. Dies gilt auch in Bezug auf die Situation der Roma, weil die –  nicht  auszuschliessenden  –  Schikanen  und  Diskriminierungen  im  Allgemeinen  nicht  ein  Ausmass  erreichen,  das  den  Vollzug  der  Wegweisung als unzumutbar erscheinen liesse.  8.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug 

D­5412/2011 der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 8.5. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10.  Gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  wird  eine  Partei,  die  nicht  über  die  erforderlichen  Mittel  verfügt,  auf  Antrag  hin  von  der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten  befreit,  wenn  ihr  Begehren  im  Zeitpunkt  der  Gesuchseinreichung nicht aussichtslos erscheint. Nicht  über  die  erforderlichen  Mittel  verfügt,  wer  ohne  Beeinträchtigung  des  notwendigen  Lebensunterhaltes  die  Prozesskosten  nicht  zu  bestreiten vermag. Aussichtslos  ist  eine  Beschwerde,  wenn  die  Gewinnaussichten  beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und deshalb kaum als  ernsthaft bezeichnet werden können (vgl. BGE 128 I 235 E. 2.5.3 S. 235  f., BGE 125 II 265 E. 4b S. 275). Für die Beurteilung der Prozesschancen  ist eine summarische Prüfung vorzunehmen. Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den  Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind.  Im Hinblick  auf  die Bedürftigkeit  deutete  bereits  die Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  nach  seiner  Einreise  in  die  Schweiz  nicht  in  einem  Empfangs­ und Verfahrenszentrum unterkam, sondern sich sogleich eine  eigene  Wohnung  mietete,  auf  ein  Fehlen  einer  solchen  hin.  Bei  der  Befragung  der  O._______  vom  22.  April  2011  erklärte  der  Beschwerdeführer,  dass  es  ihm  finanziell  gut  gehe.  Sein  Sohn  schicke  ihm aus Serbien Geld, wobei  er  jeweils  so  viel  erhalte, wie  er  brauche.  Anlässlich  der  Befragung  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  Basel 

D­5412/2011 vom 9. Mai 2011 führte der Beschwerdeführer aus, dass er in P._______  zwei  Häuser  besitze.  Diese  Angaben  bestätigte  er  anlässlich  der  Befragung durch die Kantonspolizei vom 27. Juni 2011.  Bei seinem Kurz­Eintrittsgespräch vom 27. Mai 2011  im D._______  fuhr  er mit eigenem Auto vor.  Als Erklärung gab er an, dass es sich dabei um  das Auto seiner Nichte handle. Weiter führte er damals aus, dass er keine  Kleidergutscheine benötige und auch genug Geld besitze,  um sich eine  Wohnung zu leisten. Die Argumentation in der Beschwerdeeingabe vom 29. September 2011,  wonach er bedürftig sei und er in Serbien lediglich Besitz ohne relevanten  Wert  habe,  vermag  nicht  zu  überzeugen.  Der  Verweis  auf  das  Strafverfahren  (…)  reicht  ebenfalls  nicht  aus,  um  die  Bedürftigkeit  nachzuweisen.  Die  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG kann  indessen  letztlich dahingestellt bleiben, da die Beschwerde,  wie sich aus vorstehenden Erwägungen ergibt, ohnehin als aussichtslos  zu  bezeichnen  ist.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege ist somit abzuweisen.  Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung  im Sinne von Art.  65 Abs. 2 VwVG ist mangels Erfüllung der Voraussetzungen von Art. 65  Abs. 1 VwVG ebenfalls abzuweisen. 11.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  auf  insgesamt  Fr. 600.­­  festzusetzen  (Art. 1  –  3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 12.  Da  im vorliegenden Fall ein Auslieferungsersuchen des Staates vorliegt,  vor welchem der Beschwerdeführer  im Asylverfahren um Schutz suchte,  liegt  eine  Ausnahme  im  Sinne  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) vor. Das  Urteil  kann daher unter den Voraussetzungen von Art.  82  ff. BGG beim  Bundesgericht angefochten werden.

D­5412/2011 (Dispositiv nächste Seite)

D­5412/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses Urteil  geht an den Beschwerdeführer, das BFM, das BJ und die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Bendicht Tellenbach Susanne Scheidegger Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

D-5412/2011 — Bundesverwaltungsgericht 23.01.2012 D-5412/2011 — Swissrulings