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Bundesverwaltungsgericht 08.11.2011 D-5197/2011

8 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,740 mots·~9 min·2

Résumé

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 9. August 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­5197/2011 Urteil   v om   8 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Martin Zoller, Richter Walter Lang;, Gerichtsschreiberin Viktoria Szczepinski. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka,  c/o schweizerische Vertretung in Colombo, Sri Lanka, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 9. August 2011 / N (…).

D­5197/2011 Sachverhalt: A.  Mit  in englischer Sprache abgefasstem Schreiben vom 29. April 2010 an  die  Schweizer  Vertretung  in Colombo  (Eingang Botschaft  14. Mai 2010)  ersuchte  der  Beschwerdeführer  –  ein  srilankischer  Staatsangehöriger,  tamilischer Ethnie aus B._______, Distrikt C._______ – sinngemäss um  Bewilligung der Einreise in die Schweiz und um Gewährung von Asyl. Auf  entsprechende Zusatzfragen der Botschaft vom 18. Mai 2010 ergänzte er  sein  Asylgesuch  mit  Eingabe  vom  25. Mai 2010.  Zur  Begründung  des  Gesuchs  führte  er  aus,  er  sei  ein  ehemaliges  Mitglied  der  Liberation  Tigers of Tamil Eelam  (LTTE). Am  [Datum] sei er der LTTE beigetreten  und  unter  dem  Namen  D._______  bekannt  gewesen.  Nach  der  Absolvierung  von  drei  Monaten  militärischen  Trainings  habe  er  an  Gefechten  gegen  die  srilankischen  Sicherheitskräfte  teilgenommen  und  auch politische Tätigkeiten ausgeübt. Zwischen [Datum] und [Datum] sei  er  [Funktion]  in C._______ gewesen. Gegen Ende des Krieges habe er  der  LTTE  als  Krieger  dienen  müssen.  Am  [Datum]  sei  er  mit  seiner  Familie aus dem umkämpften E._______­Gebiet geflohen. Auf dem Weg  nach F._______ seien er und seine Familie von der srilankischen Marine  verhaftet  und  ins  G._______  nach  H._______  im  I._______  Distrikt  gebracht worden, wo sie befragt geworden seien. Während eines Verhörs  habe  er  zugegeben,  ein  LTTE­Mitglied  zu  sein.  Am  [Datum]  sei  er  ins  J._______  Rehabilitationszentrum  im  K._______  Distrikt  überführt  worden,  während man  seine  Familie  am  [Datum]  freigelassen  habe.  Er  sei  dabei  fortlaufend  durch  ein  Spezialteam  des  Criminal  Investigation  Departments (CID) befragt worden. Nach sechs Monaten Haft sei er am  [Datum] aus humanitären Gründen entlassen worden, weil er seit seiner  Kindheit auf dem rechten Auge blind sei. Seither  führe er ein Leben als  normaler  Zivilist  und  fürchte  sich  vor  einer  Verhaftung  durch  die  srilankischen  Sicherheitskräfte.  Um  Probleme  mit  den  Behörden  zu  vermeiden, seien Personen, die er kenne, auf Abstand zu ihm gegangen.  Am [Datum] hätten zwei Männer in Zivil nach ihm gesucht, weshalb er in  der  Folge  zu  Verwandten  gezogen  sei.  Am  [Datum]  seien  drei  Unbekannte auf Motorrädern  in der Nähe seines Hauses auf der Suche  nach  ihm gewesen. Er vermute, dass es Mitglieder des Geheimdienstes  oder  von  paramilitärischen  Gruppen  gewesen  seien.  Wegen  dieser  beiden Vorfälle habe er am [Datum] beim International Committee of the  Red  Cross  (ICRC)  C._______  eine  Beschwerde  hinterlegt.  Aufgrund  dieser Probleme und weil er keine Arbeit finde, sei es ihm nicht möglich,  sich zu integrieren und ein normales Leben zu führen.

D­5197/2011 Als Beweismittel  reichte der Beschwerdeführer zahlreiche Dokumente  in  Kopie und mit Übersetzung zu den Akten. B.  Am 23. August 2010 wurde mit dem Beschwerdeführer bei der Botschaft  eine Befragung durchgeführt. Im Rahmen dieser Befragung bestätigte er  die bereits geschilderten Ereignisse und ergänzte, dass er seit dem Jahr  (…) den Rang eines (…) gehabt und während des Krieges fünfundvierzig  Männer  befehligt  habe.  Nachdem  ihn  die  srilankische  Marine  für  einundzwanzig  Tage  verhaftet  und  in  dieser  Zeit  während  zehn  Tagen  verhört habe, sei er ins G._______ gebracht worden. C.  Mit  Begleitschreiben  vom  23. August 2010  (Eingang  BFM  3. September  2010) leitete die Vertretung in Colombo die Akten zuständigkeitshalber an  das BFM weiter. D.  Am 30. November 2010 wandte sich der Beschwerdeführer erneut an die  Botschaft und führte aus, er sei am [Datum] vom L._______, welcher der  Sri  Lanka  Army  (SLA)  angeschlossen  sei,  zu  einer  Befragung  ins  Armeecamp bestellt worden. Dort sei er während dreissig Minuten befragt  worden.  Danach  hätten  ihn  drei  Mitglieder  der  Terrorist  Investigation  Division  (TID)  über  eine  Stunde  verhört,  bedroht  und  zwei  Mal  geschlagen. Am nächsten Tag sei er  freigelassen worden, wobei er von  ihnen  hingewiesen  worden  sei,  dass  er  erneut  befragt  werden  könne,  wann immer sie Informationen brauchen würden. Das Schreiben wurde am 14. Dezember 2010 an das BFM übermittelt. E.  Mit  –  am  9. Mai 2011  an  das  BFM  weitergeleitetem  –  Schreiben  vom  21. April 2011  schilderte  der  Beschwerdeführer  der  Vertretung  in  Colombo zwei weitere Vorfälle. Sowohl am [Datum] als auch am [Datum]  sei er – so vermute er – von Mitgliedern der SLA angehalten und befragt  worden. F.  Am  5. Juni 2011 wiederholte  der  Beschwerdeführer  der  Botschaft  seine  Vorbringen  und  reichte  gleichzeitig  ein  Bestätigungsschreiben  des  Citizen's Committee, C._______ District, vom 30. Mai 2011 zu den Akten. 

D­5197/2011 Beide  Schreiben  wurden  dem  Bundesamt  am  21. Juni 2011  weitergeleitet. G.  Am  11. Juli 2011  listete  der  Beschwerdeführer  der  Schweizerischen  Vertretung von Colombo erneut sämtliche Vorfälle seit seiner Entlassung  aus  dem  Rehabilitationszentrum  auf.  Er  fügte  hinzu,  er  sei  einen  Tag  nach  seiner  Entlassung  von  Mitgliedern  des  Marine­Geheimdienstes  angehalten  und  befragt  worden.  Zudem  hätten  ihn  der  Armee­ Geheimdienst  und  der  Polizei­Geheimdienst  Civil  Security Office  (CSO)  besucht  und  Informationen  von  ihm gefordert. Einen Monat  nach  seiner  Freilassung  hätten  ihn  Mitglieder  der  TID  verhört  und  sich  beim  Dorfvorsteher nach ihm erkundigt. H.  Das Bundesamt verweigerte dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom  9. August 2011  (versandt  am  16. August 2011)  die  Einreise  in  die  Schweiz und lehnte dessen Asylgesuch ab. I.  Mit  französischsprachiger  Eingabe  vom  15. September 2011  (eingegangen  am  19. September 2011)  erhob  der  Beschwerdeführer  gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er  beantragte  sinngemäss  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  und  die  Schutzgewährung  in  der  Schweiz.  Der  Eingabe  lagen mehrere  Beweismittel bei. Auf  die  Begründung  der  Beschwerde  wird,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 

D­5197/2011 Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). Eine  solche  Ausnahme  liegt  vorliegend  nicht  vor,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Der  genaue  Zeitpunkt  der  Eröffnung  des  vorinstanzlichen  Entscheides  kann  den  Akten  nicht  entnommen  werden,  weil  keine  Empfangsbestätigung vorliegt. Da die Beweislast bei den Behörden  liegt  (vgl.  ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel  2008,  S. 166  f.,  Rz. 3.150),  wird von der Rechtzeitigkeit der Beschwerdeeinreichung ausgegangen. 1.4. Die Rechtsmitteleingabe  ist  in  französischer Sprache und  folglich  in  einer Amtssprache des Bundes abgefasst. Da die Sprache der Verfügung  des  BFM  massgebend  ist,  ergeht  der  Entscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  indessen  in  deutscher  Sprache  (Art. 33a  Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). 1.5.  Die  Beschwerde  ist  daher  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

D­5197/2011 3.  Die  Abteilungen  des  Bundesverwaltungsgerichts  entscheiden  in  der  Regel  in  der  Besetzung  mit  drei  Richtern  oder  Richterinnen  (Spruchkörper:  vgl.  Art. 21  VGG).  Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  kann  das  Gericht  auch  in  solchen  Fällen  auf  die  Durchführung  eines  Schriftenwechsels verzichten. 4.  4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (vgl. Art. 3 AsylG). 4.2.  Das  Bundesamt  kann  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen,  wenn  die  asylsuchenden  Personen  keine  Verfolgung  glaubhaftmachen  können  oder  ihnen  die  Aufnahme  in  einem  Drittstaat  zugemutet werden kann. Glaubhaft machen heisst, wenn die Behörde ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft sind  insbesondere Vorbringen, die  in wesentlichen Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (vgl.  Art. 3,  Art. 7  und  Art. 52  Abs. 2  AsylG). 4.3. Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM Asylsuchenden die  Einreise  zur Abklärung  des Sachverhaltes, wenn  ihnen  nicht  zugemutet  werden kann,  im Wohnsitz­ oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder  in ein  anderes  Land  auszureisen. Gestützt  auf  Art. 20 Abs. 3  AsylG  kann  das  Eidgenössische  Justiz­  und  Polizeidepartement  (EJPD)  schweizerische  Vertretungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu bewilligen, die  glaubhaft  machen,  dass  eine  unmittelbare  Gefahr  für  Leib  und  Leben  oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 4.4.  Bei  diesem  Entscheid  gelten  restriktive  Voraussetzungen  für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im 

D­5197/2011 Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2e­g S.  131  ff.;  die  dort  beschriebene  Praxis  hat  nach  bloss  redaktionellen  Änderungen bei der  letzten Totalrevision des Asylgesetzes nach wie vor  Gültigkeit). 5.  5.1. Das  BFM  führte  zur  Begründung  seines  ablehnenden  Entscheides  aus,  der  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  im  Rehabilitationszentrum  vermöge  zum  heutigen  Zeitpunkt  keine  Einreisebewilligung  in  die  Schweiz  zu  begründen,  da  das  schweizerische  Asylrecht  nicht  dem  Ausgleich  erlittenen  Unrechtes  diene.  Angesichts  seines  dortigen  Aufenthaltes  könne  das  BFM  seine  Befürchtungen  vor  einer  erneuten  Inhaftierung  seitens  der  srilankischen  Sicherheitskräfte  zwar  gut  nachvollziehen,  jedoch  müsse  seine  Furcht  vor  einer  zukünftigen  Verfolgung  bei  einer  objektiven  Betrachtungsweise  als  unbegründet  im  Sinne des Asylgesetzes eingestuft werden. Nach  ständiger  Praxis  der  schweizerischen  Asylbehörden  könne  eine  Einreisebewilligung  nur  erteilt  werden,  wenn  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit von einer akuten Gefährdung des Beschwerdeführers  bei  einem Verbleib  in  Sri  Lanka  ausgegangen werden müsse. Gemäss  den  Erkenntnissen  der  Vorinstanz  würden  die  Insassen  der  Rehabilitationscamps  einem  intensiven  Screening  unterzogen,  um  zu  prüfen,  ob  diese  nach  wie  vor  eine  Gefahr  für  die  Sicherheit  des  srilankischen Staates darstellten. Seine Freilassung nach sechs Monaten  im  J._______  Rehabilitation  Centre  mache  deutlich,  dass  er  von  den  srilankischen  Behörden  nicht  mehr  ernsthaft  verdächtigt  werde,  in  terroristische Aktivitäten verwickelt oder eine Gefahr für den srilankischen  Staat  zu  sein.  Es  bestünden  zudem  keine  Anhaltspunkte,  dass  er  im  Anschluss  an  seine  Rehabilitation  in  absehbarer  Zukunft  erneut  staatlichen  Verfolgungsmassnahmen  ausgesetzt  sein  könnte.  Es  sei  allerdings  nicht  auszuschliessen,  dass  er  auch  nach  seiner  Freilassung  weiterhin unter Beobachtung der srilankischen Behörden gestanden und  wiederholt  befragt  worden  sei.  Derartigen  Massnahmen,  die  im  Zusammenhang  mit  der  allgemeinen  Bekämpfung  der  LTTE  durch  die 

D­5197/2011 srilankischen Behörden zu sehen seien, komme indessen schon aufgrund  mangelnder  Intensität  kein  Verfolgungscharakter  zu.  Hätten  die  srilankischen Behörden  die Überzeugung  gehabt,  dass  er  nach wie  vor  Verbindungen zur LTTE habe oder  in  irgendeiner Weise eine Gefahr  für  die Sicherheit des srilankischen Staates darstelle, wäre er zweifellos auch  nach  seiner  Entlassung  aus  dem  Rehabilitationscamp  erneut  inhaftiert  und  nicht  nur  befragt  worden.  Dies  sei  bei  ihm  jedoch  nicht  der  Fall  gewesen.  Seine  diesbezüglichen  Vorbringen  seien  daher  nicht  einreiserelevant. Weiter habe der Beschwerdeführer geltend gemacht, er finde keine Arbeit  und  könne  sich  deshalb  nicht  integrieren  sowie  kein  normales  Leben  führen. Das Bundesamt bedaure seine gegenwärtige Lage, jedoch könne  eine  Einreisebewilligung  nur  erteilt  werden,  wenn  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit von einer akuten Gefährdung bei einem Verbleib in Sri  Lanka ausgegangen werden müsse. Eine schwierige Lebenssituation und  insofern humanitäre Überlegungen  seien  kein Grund  für  die Bewilligung  der  Einreise  in  die  Schweiz.  Die  von  ihm  geltend  gemachte  schwierige  Lebenssituation  und  ökonomische  Schwierigkeiten  könnten  demzufolge  nicht  zur  Gewährung  einer  Einreisebewilligung  führen.  An  diesen  Erwägungen vermöchten die eingereichten Dokumente nichts zu ändern,  stützten sie doch  lediglich seine Vorbringen. Bei offensichtlich  fehlender  Schutzbedürftigkeit  sei  darauf  zu  verzichten,  auf  allfällig  vorhandene  Unglaubhaftigkeitselemente  in  seinen  Asylvorbringen  einzugehen.  Zusammenfassend  sei  festzustellen,  dass  er  nicht  schutzbedürftig  im  Sinne  von Art. 3 AsylG sei. Daher  sei  sein Asylgesuch abzulehnen und  die Einreise in die Schweiz nicht zu bewilligen. 5.2. Der Beschwerdeführer machte  zur Begründung  seiner Beschwerde  geltend, die Bedrohungen durch Armeemitglieder und Paramilitärgruppen  hätten  seit  April  2011  zugenommen.  Aufgrund  dessen  fürchte  er  sich,  Opfer einer Entführung zu werden. Dabei würden die Bedrohungen nicht  nur  wegen  seiner  politischen  Anschauung,  sondern  auch  wegen  seiner  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  von  ehemaligen  LTTE­Mitgliedern  erfolgen.  Zur  letzteren  gehöre  er,  weil  er  ein  potenzieller Zeuge der durch die srilankischen Sicherheitskräfte während  der  letzten  Phase  des  Krieges  begangen  Gräueltaten  sei.  Am  [Datum]  habe  er  an  einer  Wiedervereinigung  von  ehemaligen  Gefangenen  im  Militärcamp von M._______ teilgenommen. Einen Tag später habe er die  Aufforderung  erhalten,  sich  im  Militärcamp  von  N._______  zu  melden.  Dort  hätten  ihn  Militärangehörige  eineinhalb  Stunden  zum  Bericht  der 

D­5197/2011 Expertengruppe der Vereinigten Nationen  (United Nations; UN) über Sri  Lanka verhört. Sie hätten  ihn dabei  zur Aussage aufgefordert,  dass der  Bericht der UN  falsch sei, da gegen Ende des Krieges nicht die Armee,  sondern  die  LTTE  die Gräueltaten  begangen  habe.  Zwischen  dem  (…)  und  dem  [Datum]  sei  er  zwei  Mal  von  der  Armee  in  seinem  Haus  aufgesucht  worden.  Seit  Juli  2011  würden  etwa  alle  zwei  Tage  Sicherheitskräfte nach Hause kommen und ihm mit drohendem Unterton  dieselben Fragen  stellen. Zudem würden  sie  immer die  "weissen Vans"  erwähnen,  welche  für  gewaltsames  Verschwinden  oder  Entführungen  bekannt  seien.  Schliesslich  habe  ihn  [Datum]  ein  hochgradiger  Kommandant  der Region  aufgefordert,  zum Militärcamp  zu  gehen.  Dort  hätte  er  bestätigen  sollen,  dass  die  Berichterstattung  von  "Channel  4"  unwahr  sei.  Insgesamt  sei  die  Verfügung  fehlerhaft,  da  die  allgemeine  Menschenrechtslage  in  Sri  Lanka  nur  teilweise  und  ungenau  abgeklärt  worden sei. Sowohl  lokale NGO's als auch Amnesty  International hätten  von  Verfolgungen  und  Entführungen  von  ehemaligen  Gefangenen  berichtet. Ausserdem sei die Interpretation von Art. 3, 7 und 20 AsylG im  Hinblick  auf  die  Richtlinien  des  UNHCR  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  fehlerhaft.  Er  könne nicht  im Heimatstaat  bleiben  und  habe  zudem  auch  keine  Möglichkeit,  in  einen  anderen  Staat  zu  fliehen.  Sodann  wiederholte  er  seine  bereits  im  erstinstanzlichen  Verfahren geltend gemachten Vorbringen. 5.3. Die Erwägungen des BFM sind nach Prüfung der Akten  durch das  Gericht  zutreffend  und  zu  bestätigen. Der Beschwerdeführer  befürchtet,  aufgrund  seiner  ehemaligen,  langjährigen  Tätigkeit  für  die  LTTE  staatlichen  Verfolgungsmassnahmen  ausgesetzt  zu  sein.  Mit  der  Vorinstanz  kann  das  Bundesverwaltungsgericht  diese  (subjektiven)  Befürchtungen  nachvollziehen.  Indes  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  der  Beschwerdeführer  zunächst  ins  G._______  gebracht  wurde  und  sich  anschliessend in einem Rehabilitationscamp aufgehalten hat, wo er nach  sechs  Monaten  ohne  Auflagen  entlassen  wurde.  In  seinen  Eingaben  bringt  der  Beschwerdeführer  namentlich  nicht  vor,  dass  er  während  seiner  Festnahme  und  Internierung  im  Rehabilitierungslager  in  irgendeiner Weise schlecht behandelt worden wäre. Dies macht deutlich,  dass  sich  keine  konkreten  Verdachtsmomente  gegen  den  Beschwerdeführer  ergeben  haben,  andernfalls  er  mit  Sicherheit  nicht  freigelassen respektive wieder verhaftet und strafrechtlich verfolgt worden  wäre.  Angesichts  der  nunmehr  verstrichenen  Zeitspanne  und  der  aktuellen  Verhältnisse  im  Heimatland  ist  nicht  von  einem  realen  Verfolgungsinteresse  seitens  der  srilankischen  Behörden  auszugehen, 

D­5197/2011 zumal  der  Beschwerdeführer  nach  seiner  Rehabilitierung  kein  spezifisches Risikoprofil mehr aufweist, welches ihn aktuell aus objektiver  Sicher  als  gefährdet  erscheinen  liesse.  Dementsprechend  wurde  der  Beschwerdeführer  seit  seiner  Entlassung  auch  nicht  mehr  verhaftet,  obwohl  unter  anderem  seitens  des  CID  dazu  hinreichend  Gelegenheit  bestanden hätte. Aufgrund der Tatsache, dass ihm seit seiner Entlassung  im  April  2010,  mithin  seit  gut  eineinhalb  Jahren,  nichts  Nachteiliges  im  Sinne von Art. 3 AsylG widerfahren ist, ist davon auszugehen, dass er in  seiner  Heimatregion  keine  asylrelevanten  Verfolgungsmassnahmen  zu  befürchten  hat.  Diese  Feststellung  wird  ebenfalls  durch  die  Umstände  untermauert,  dass  der  Beschwerdeführer  einerseits  unmittelbar  nach  seiner Entlassung aus dem Rehabilitationscamp sich beim Dorfvorsteher  registriert  hat  und  anderseits  ohne  Probleme  zur  Anhörung  nach  Colombo  fahren  konnte.  Allein  die  Angst  vor  einer  allfällig  künftig  möglichen  Bedrohung  genügt  nicht,  um  auf  das  Vorliegen  einer  begründeten  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung  zu  schliessen.  Ausserdem  handelt  es  sich  bei  den  vom  Beschwerdeführer  vorgebrachten  Nachforschungen  und  Belästigungen  durch  unbekannte  Personen  teilweise  um  Übergriffe  seitens  Dritter,  die  klarerweise  keine  flüchtlingsrechtlich  relevante  Intensität  erreicht  haben.  Der  Beschwerdeführer  könnte  sich  ausserdem  um  den  Schutz  des –  entgegen  seiner  Ansicht  –  schutzfähigen  und  schutzwilligen  Heimatstaates  bemühen.  Schliesslich  ist  auch  eine  vom BFM  und  dem  Gericht anerkannte sozial sowie wirtschaftlich schwierige Lebenssituation  unter dem Blickwinkel des Asylrechts nicht relevant. 5.4. Es ist nicht in Abrede zu stellen, dass die allgemeine Situation für die  Tamilen  insbesondere  im  Norden  und  Osten  Sri  Lankas  während  des  langjährigen  Bürgerkriegs  sehr  schwierig  war.  Am  18. Mai  2009  wurde  seitens der Regierung der endgültige Sieg über die LTTE verkündet und  der  Bürgerkrieg  offiziell  für  beendet  erklärt.  Nach  dieser Niederlage  der  LTTE  haben  die  srilankischen  Behörden  –  namentlich  im  Grossraum  Colombo  –  die  Sicherheitsmassnahmen  nicht  gelockert.  Daher  laufen  junge  Männer  Gefahr,  von  srilankischem  Sicherheitspersonal  einer  minutiösen  Personenkontrolle  unterzogen  und  auch  für  eingehendere  Abklärungen  auf  den  Posten  mitgenommen  oder  in  ein  Armeecamp  beordert  zu  werden.  Diese  sogenannten  „Anti­Terrormassnahmen“  werden im Raum Colombo – unbesehen der Rügen des Supreme Court –  als  repressives  Instrument  gegen  befürchtete  Infiltrationen  tamilischer  Separatisten  eingesetzt.  Diesen  Massnahmen,  denen  ein  Grossteil  der  tamilischen  Bevölkerung  im  ganzen  Land  und  vor  allem  im  Grossraum 

D­5197/2011 Colombo  ausgesetzt  ist,  kommt  indes  aufgrund  mangelnder  Intensität  kein Verfolgungscharakter im Sinne von Art. 3 AsylG zu. In casu fällt auf,  dass  der  Beschwerdeführer  seit  dem  Erlass  der  vorinstanzlichen  Verfügung  seine  Vorbringen  an  die  Erwägungen  des  Bundesamtes  insoweit  anpasst,  als  er  behauptet,  alle  zwei  Tage  von  srilankischen  Sicherheitskräften behelligt zu werden. Diesen Vorbringen fehlt es sowohl  an Realkennzeichen als auch an Detailreichtum. Ausserdem beschränkte  er sich lediglich auf eine chronologische Auflistung der Vorfälle, ohne die  angeführten  Behelligungen  anschaulich  oder  nachvollziehbar  darzustellen.  Diese  Ausführungen  müssen  folglich  als  nachgeschoben  und  damit  als  unglaubhaft  qualifiziert  werden.  Der  Beschwerdeführer  vermag  mithin  mit  dem  Bekräftigen  seiner  Vorbringen  in  der  Rechtsmitteleingabe  nicht  substanziiert  darzutun,  inwiefern  das BFM  zu  Unrecht  geschlossen  habe,  er  sei  nicht  schutzbedürftig  im  Sinne  des  AsylG.  Um Wiederholungen  zu  vermeiden,  kann  vollumfänglich  auf  die  zutreffenden  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  verwiesen  werden. 5.5. Vor  diesem Hintergrund  kann  die  Frage,  ob  der  Beschwerdeführer  aufgrund  seiner  Mitgliedschaft  bei  den  LTTE  und  geltend  gemachter  Beteiligung an Kampfhandlungen in seiner Heimat allenfalls asylunwürdig  gemäss Art. 53 AsylG sein könnte, offengelassen werden. 6.  Zusammenfassend  lassen  die  vom  Beschwerdeführer  geschilderten  Vorfälle nicht auf eine gezielt gegen  ihn gerichtete Verfolgung von einer  gemäss der Praxis zu Art. 3 AsylG erforderlichen Intensität schliessen. Es  erübrigt sich deshalb, auf die Vorbringen in der Beschwerde im Einzelnen  sowie die Beweismittel einzugehen, da sie am Ergebnis nicht zu ändern  vermögen. Das BFM hat demnach zu Recht die Einreise  in die Schweiz  nicht bewilligt und das Asylgesuch abgelehnt. 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG).  Aus 

D­5197/2011 verwaltungsökonomischen  Gründen  sowie  in  Anwendung  von  Art. 63  Abs. 1  in  fine  VwVG  und  Art. 2  und  6  Bst. b  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 173.320.2)  ist  vorliegend  jedoch  auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten.

D­5197/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  Schweizerische Vertretung in Colombo. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Viktoria Szczepinski Versand:

D-5197/2011 — Bundesverwaltungsgericht 08.11.2011 D-5197/2011 — Swissrulings