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Bundesverwaltungsgericht 23.01.2012 D-4848/2011

23 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,382 mots·~12 min·1

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. Juli 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4848/2011 law/auj Urteil   v om   2 3 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Gérald Bovier;  Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger. Parteien A._______, geboren am […], Pakistan,  vertreten durch lic. iur. et phil. Florian Wick, Rechtsanwalt,  […],  Beschwerdeführer,    gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 28. Juli 2011 / N […].

D­4848/2011 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer, ein ethnischer Paschtune aus Z._______, Provinz  Mardan,  verliess  seinen  Heimatstaat  gemäss  eigenen  Angaben  Ende  Oktober  2010  und  gelangte  auf  dem  Land­  und  Seeweg  über  Iran,  die  Türkei,  Griechenland  und  Italien  am  3. Dezember  2010  in  die  Schweiz,  wo er noch am selben Tag um Asyl nachsuchte. Anlässlich der Befragung  zur  Person  (BzP)  vom  10. Dezember  2010  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen erhob das BFM seine Personalien  und befragte ihn summarisch zum Reiseweg und zu den Gründen für das  Verlassen  des  Heimatlandes.  Mit  Verfügung  vom  20. Dezember  2010  wies  ihn das Bundesamt  für  die Dauer  des Asylverfahrens dem Kanton  Y._______ zu. Am 14. Juni 2011 hörte das BFM den Beschwerdeführer  zu seinen Asylgründen an. Zur  Begründung  des  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  geltend,  er  sei  am  6. September  2010  nach  dem Besuch  einer Moschee von vier Personen, vermutlich Taliban, attackiert worden.  Sie hätten ihn festnehmen beziehungsweise entführen und ihm dann die  Kehle durchschneiden wollen. Wegen der Anwesenheit anderer Leute vor  Ort  hätten  die  vier  Männer  jedoch  Angst  gekriegt,  seien  in  ihr  Auto  gestiegen und geflohen. Nach diesem Vorfall sei er zunächst nach Hause  gegangen, und in der Nacht habe er sich auf den örtlichen Polizeiposten  begeben, um den Vorfall zu melden,  respektive nach zirka einer Stunde  sei  die  Polizei  am  Ort  des  Geschehens  erschienen  und  habe  ihn  aufgefordert, auf der Polizeistation zu erscheinen. Die Polizei habe einen  Rapport  geschrieben.  Nach  diesem  Überfall  habe  er  bis  zu  seiner  Ausreise permanent  in Schwierigkeiten und  in Angst gelebt und sich bei  einem Onkel und bei diversen Tanten versteckt. Sein Bruder B._______  sei  vor  zwei  Jahren  entführt  worden  und  gelte  seither  als  verschollen.  Man vermute, er habe der pakistanischen Armee Informationen über eine  Gruppe  der  Leute  gegeben,  welche  früher  in  Afghanistan  gekämpft  hätten. Er habe erfahren, dass seine Familienangehörigen wegen seiner  Flucht  aus  Angst  den  Wohnort  gewechselt  hätten,  doch  habe  er  noch  nicht herausgefunden, wo sie sich jetzt aufhielten. Seine Schwierigkeiten  in  Pakistan  hätten  dazu  geführt,  dass  seine  ganze  Familie  und  seine  Verbindung  zu  seiner  Heimat  vernichtet  worden  seien.  Zur  Untermauerung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  eine  Identitätskarte,  eine  nicht  unterzeichnete  und  undatierte  Arbeitsbestätigung  der  britischen  NGO  […],  einen  handgeschriebenen, 

D­4848/2011 fremdsprachigen,  vom  6. September  2010  datierenden  Polizeibericht  sowie diverse Schulzeugnisse ein.  B.  Mit Verfügung  vom 28. Juli  2011 – eröffnet  am 3. August  2011 –  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte  das  Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung  an.  C.  Gegen diesen Entscheid  liess der Beschwerdeführer mit Eingabe seines  Rechtsvertreters  vom  2. September  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen,  es  sei  die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft des  Beschwerdeführers festzustellen und ihm Asyl zu gewähren; eventualiter  sei  von  der  Wegweisung  abzusehen  und  dem  Beschwerdeführer  die  vorläufige Aufnahme  zu  gewähren;  allenfalls  sei  die Sache  zur  Prüfung  von  Wegweisungsvollzugshindernissen  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er beantragen, es  sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, insbesondere sei von  der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen. Zur Untermauerung  seiner  Vorbringen  liess  der  Beschwerdeführer  diverse  Beweismittel  einreichen:  Zwei  handschriftliche  Briefe  im  Original  sowie  in  deutscher  Übersetzung, mit dem Titel "Bewegung des Taliban Swat" und datierend  vom 5. Mai 2011 und 9. Juli 2011, einen Polizeirapport ("First Information  Report")  einer  lokalen  Polizeistation  vom  4. Juli  2011  in  Kopie  mit  englischer  Übersetzung,  vom  21.  und  22. August  2011  datierende  Zeitungsberichte  im  Original  mit  zwei  markierten  und  übersetzten  Ausschnitten sowie Kopien von Fotos einer ausgebrannten Wohnung.  D.  Mit Verfügung vom 14. September 2011 hiess der Instruktionsrichter das  Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) unter der Voraussetzung des  Nachreichens einer Fürsorgebestätigung sowie unter dem Vorbehalt der  Veränderung der finanziellen Lage des Beschwerdeführers gut.  E.  Mit  Eingabe  vom  20. September  2011  reichte  die  Asylkoordination  der 

D­4848/2011 Gemeinde  X._______  dem  Gericht  eine  Fürsorgebestätigung  für  den  Beschwerdeführer ein.  F.  Der  Instruktionsrichter  lud  am  22. September  2011  die  Vorinstanz  zur  Vernehmlassung zur Beschwerde und zu den Beweismitteln ein.  G.  Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 27. September 2011  die Abweisung der Beschwerde.  H.  Mit  Eingabe  vom  29. September  2011  reichte  der  Rechtsvertreter  dem  Gericht eine Kopie der obgenannten Fürsorgebestätigung ein.  I.  Mit Verfügung vom 29. September 2011 liess der Instruktionsrichter dem  Beschwerdeführer  die  vorinstanzliche  Vernehmlassung  zur  Replik  zukommen. Dieser machte vom Replikrecht keinen Gebrauch.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.   1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; es  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).  1.2.  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er  ist daher zur Einreichung der  Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1  VwVG).  Auf  die  frist­  und  formgerecht  (Art. 108  Abs. 1  AsylG;  Art. 105 

D­4848/2011 AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 52  Abs. 1  VwVG)  eingereichte  Beschwerde ist einzutreten.  2.  Mit Beschwerde  können die Verletzung  von Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  3.   3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken (Art. 3 AsylG).  3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG).  4.   4.1. Das BFM hielt zur Begründung seines ablehnenden Asylentscheides  fest,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hielten  den  Anforderungen  an die Glaubhaftmachung der Flüchtlingseigenschaft  (Art. 7 AsylG) nicht  stand,  so  dass  ihre  asylrechtliche  Relevanz  (Art. 3  AsylG)  nicht  geprüft  werden  müsse.  Im  Einzelnen  führte  es  aus,  die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  insgesamt  unsubstanziiert,  nicht  nachvollziehbar  und  unglaubhaft.  Die  Schilderung  des  Angriffs  der  Taliban sei durchwegs oberflächlich, unscharf und unpersönlich, so dass  der  Eindruck  entstehe,  dass  es  sich  um  eine  konstruierte  Geschichte  handle.  Der  Beschwerdeführer  habe  nicht  überzeugend  darzulegen  vermocht,  weshalb  ihm  von  Seiten  der  Taliban  Gefahr  drohe.  Die  Vorbringen  wiesen  zudem  in  zentralen  Punkten  der  Fluchtgründe 

D­4848/2011 Ungereimtheiten  auf.  Der  Beschwerdeführer  habe  vorgebracht,  sein  Heimatland  wegen  eines  Angriffs  der  Taliban  verlassen  zu  haben,  sei  jedoch nicht in der Lage gewesen, konkrete Angaben über das Motiv und  die  Hintergründe  zu  machen,  weshalb  er  zur  Zielscheibe  der  Taliban  geworden sei. Zwar habe er erwähnt, es könne wegen seiner Anstellung  bei  […] sein, doch an anderer Stelle habe er zu Protokoll gegeben, der  Angriff der Taliban habe vielleicht gar nichts mit seiner Tätigkeit bei dieser  Organisation  zu  tun. Er  habe auch angegeben,  nicht  zu wissen,  ob der  Angriff  der  Taliban  mit  dem  Verschwinden  seines  Bruders  vor  zwei  Jahren  in  Zusammenhang  stehe,  und  eine  Feindschaft  der  Taliban  mit  der  politischen  Partei,  mit  welcher  er  sympathisiere,  habe  er  ebenfalls  ausgeschlossen.  Zudem  habe  der  Beschwerdeführer  den  Vorfall  des  Angriffs äusserst vage und  inkonsequent geschildert. So habe er an der  BzP gesagt, vier Personen in einem Auto hätten sich ihm genähert, eine  Person  sei  ausgestiegen,  und  als  er  gesehen habe,  dass  diese Person  ein  weisses  Tuch  in  der  Hand  gehalten  habe,  sei  er  in  Richtung  des  Kanals  gelaufen  und  habe  sich  unter  der  Brücke  versteckt,  worauf  er  Schüsse  gehört  habe.  An  der  Anhörung  hingegen  habe  er  zu  Protokoll  gegeben,  zwei  Personen  seien  aus  dem  Auto  ausgestiegen,  zwischen  diesen  und  ihm  sei  es  zu  einem  Handgemenge  gekommen,  in  dessen  Folge er in den Kanal gestossen worden sei, und so habe er entkommen  können. Aufgrund dieser widersprüchlichen und vagen Ausführungen sei  der  vorgebrachte  Angriff  der  Taliban  als  konstruiert  und  somit  als  unglaubhaft zu beurteilen. Dem Beschwerdeführer sei es nicht gelungen,  die  geltend  gemachte  Verfolgung  durch  die  Taliban  überzeugend  darzulegen. An dieser Einschätzung vermöchten auch die eingereichten  Beweismittel nichts zu ändern, zumal sie sich auf Umstände bezögen, die  nicht in Zweifel gezogen würden.  4.2.   4.2.1.  In  der  Beschwerde  wird  demgegenüber  vorgebracht,  wie  andere  grenznahe Provinzen zu Afghanistan hätten die Taliban auch Mardan als  Ziel und Rückzugspunkt ausgewählt. Unter Hinweis auf Berichte diverser  Organisationen  zur  allgemeinen  Situation  in  diesen  Regionen  wird  geltend  gemacht,  für  die  FATA  (Federally  Administered  Tribal  Areas)­ Provinzen wie auch die nordwestlichen Provinzen sei von einer Situation  allgemeiner Gewalt  gegenüber  Personen  auszugehen,  welche  sich  den  Taliban  nicht  bedingungslos  unterordneten.  Aus  den  zahlreichen  Berichten  von  NGOs  und  Medien  gehe  hervor,  dass  der  Staat  in  den  fraglichen  Provinzen  offensichtlich  nicht  über  die Macht  und  den Willen  verfüge,  Private  auch  tatsächlich  vor  Übergriffen  durch  die  Taliban  zu  schützen. 

D­4848/2011 Weiter wird geltend gemacht, die Glaubhaftigkeitsprüfung der Vorinstanz  erscheine  wenig  überzeugend.  Dass  der  Beschwerdeführer  nicht  behauptet habe, zu wissen, dass er von den Taliban wegen seiner Arbeit  für die NGO […] verfolgt werde, und ausgesagt habe, nicht zu wissen, ob  der Angriff  der Taliban mit dem Verschwinden seines Bruders etwas zu  tun  habe,  und  dass  er  nichts  Konkretes  über  die  Motive  des  Angriffs  gewusst  habe,  werde  von  der  wissenschaftlichen  Forschung  als  besonders glaubhaftes Aussageverhalten eingestuft. Er sei geflohen, weil  er die dringende Vermutung gehabt habe, dass er erneut von den Taliban  verfolgt  werde.  Die  mit  der  Beschwerde  eingereichten  zahlreichen  Beweismittel  würden  die  glaubhafte  Darstellung  der  Fluchtgründe  des  Beschwerdeführers konsistent und substanziiert stützen. Im Drohbrief der  Taliban  vom  5. Mai  2011  werde  dem  Beschwerdeführer  untersagt,  weiterhin für die NGO […] zu arbeiten, da diese gegen den Islam und die  Bewegung der Taliban sei. Im Drohbrief vom 9. Juli 2011 werde er darauf  hingewiesen,  dass  er  mit  der  Bewegung  noch  keinen  Kontakt  aufgenommen  habe  und  gewarnt,  den  richtigen  Weg  zu  nehmen,  ansonsten  ihm  dasselbe  wie  seiner  Familie  geschehen  könne.  Der  eingereichte Polizeirapport weise darauf hin, dass es in Z._______, dem  Wohnort der Familie des Beschwerdeführers, zu Morden gekommen sei.  Frau  C._______  habe  mitgeteilt,  acht  bis  neun  Taliban  hätten  ihren  Ehemann ermordet und das Haus  in Brand gesetzt; schon  früher hätten  die  Taliban  ihren  Sohn  B._______  entführt  und  ihren  anderen  Sohn  A._______  mit  dem  Tod  bedroht.  Letzteren  hätten  sie  auch  einmal  angegriffen, er habe sich nur knapp retten können, sei geflohen und bis  heute  nicht  zurückgekehrt.  Der  Zeitung  "Global  Post"  vom  22. August  2011 sei zu entnehmen, dass das Haus der Familie D._______ in Brand  gesetzt und der Hausherr ermordet worden sei; ein Sohn werde vermisst.  Die obdachlose Witwe suche nach dem entkommenen Sohn A._______,  der  sich  wegen  Drohungen  und  einem  lebensgefährlichen  Anschlag  versteckt  habe.  Aus  der  Zeitung  "Daily  Express"  vom  21. August  2011  gehe  hervor,  dass  die  Taliban  Zettel  geklebt  hätten,  wonach  Ärzte,  Geschäfte etc. ihre lebensweltliche Ausrichtung zu korrigieren hätten, und  man  habe  auch  an  die Moschee  Zettel  geklebt  und  dem Volk  gedroht.  Weiter  lägen  Fotos  der  ausgebrannten  Wohnung  der  Familie  des  Beschwerdeführers  vor.  Der  vom  Beschwerdeführer  unterschiedlich  geschilderte Angriff durch die Taliban wird in der Beschwerde zum einen  mit  Übersetzungsproblemen  und  mit  wissenschaftlichen  Erkenntnissen  aus  der  Aussagepsychologie  beziehungsweise  Psychotraumatologie  erklärt,  und  zum  anderen  mit  der  Persönlichkeit  und  dem  kulturellen  Hintergrund  des  Beschwerdeführers.  Der  Beschwerdeführer  habe  den  Übersetzer nicht gut verstanden, und zum Teil hätten ihm die Fragen auf 

D­4848/2011 Englisch  erklärt  werden  müssen.  Der  Übersetzer  habe  deshalb  vermutungsweise  auch  nicht  alle  Antworten  des  Beschwerdeführers  richtig  respektive  vollständig  übersetzt.  Der  Beschwerdeführer  habe  zudem  aufgrund  der  Ereignisse  unter  einem  hohen  psychischen  Druck  gestanden  und  sei  äusserst  nervös  gewesen.  Ein  Angriff  durch  die  Taliban  könne  sicherlich  traumatisierende  Wirkung  erzeugen,  und  traumatisierende  Erlebnisse  könnten  sich  in  solchem  Mass  auf  die  Gedächtnisleistungen  niederschlagen,  dass  gewisse  Fehlleistungen  bei  der  Wiedergabe  des  Erlebten  unvermeidlich  seien.  Gedächtnislücken  würden mit Vermutungen gefüllt,  und Störungen der Gedächtnisleistung  könnten  sich  auf  Logik,  Widerspruchsfreiheit  und  Konsistenz  der  Aussagen auswirken. Aus diesen Gründen seien "gewisse Widersprüche"  (vgl.  Beschwerde  Ziff.  25  S. 9)  aus  aussagepsychologischer  respektive  psychotraumatologischer  Sicht  zu  betrachten  und  bei  der  Prüfung  der  Glaubhaftigkeit  der  Aussagen  dementsprechend  einzuordnen.  Schliesslich  sei  zu  beachten,  dass  es  bei  der  Befragung  von  "kulturfremden  Menschen"  zu  erheblichen  Missverständnissen  kommen  könne  (vgl.  Beschwerde  Ziff.  26  S. 9).  Die  Aussagen  des  Beschwerdeführers würden durch die neu eingereichten Beweismittel klar  gestützt.  Daraus  ergebe  sich  auch,  dass  seine  angeblich  vagen  Ausführungen in seiner Persönlichkeit und seinem kulturellen Hintergrund  begründet seien.  4.3.  In  seiner  Vernehmlassung  hält  das  BFM  fest,  die  auf  Beschwerdeebene eingereichten Drohbriefe der Taliban vermöchten den  Asylentscheid  nicht  in  ein  anderes  Licht  zu  stellen.  In  der  Beschwerdeschrift werde nicht erwähnt, wie der Beschwerdeführer in den  Besitz der eingereichten Drohbriefe der Taliban gelangt sei, und weshalb  er zumindest den auf den 5. Mai 2011 datierten Drohbrief nicht zu einem  früheren Zeitpunkt eingereicht habe. Der Arbeitsbestätigung von  […] sei  der 12. September 2010 als letzter Arbeitstag des Beschwerdeführers zu  entnehmen. Dass er acht Monate, nachdem er die Arbeit bei dieser NGO  niedergelegt  habe,  Drohbriefe  erhalten  haben  solle,  sei  vor  diesem  Hintergrund  unglaubhaft.  Beim  Polizeirapport  handle  es  sich  um  eine  nicht  beglaubigte  Kopie  ohne  Beweiskraft.  Alleine  aufgrund  des  Zeitungsberichts,  gemäss  welchem  eine  Witwe  ihren  Sohn  A._______  vermisse,  könne  keine  Verfolgungssituation  abgeleitet  werden,  da  nicht  feststehe,  ob  es  sich  bei  dem  im  Zeitungsartikel  offenbar  erwähnten  Namen  tatsächlich  um  den  Beschwerdeführer  handle,  zumal  in  der  Schweiz  unter  diesem  Namen  über  vier  Dutzend  Personen  registriert  seien. 

D­4848/2011 5.  5.1.  Zunächst  ist  festzuhalten,  dass  sich  für  die  in  der  Beschwerde  geltend  gemachten  Verständigungsschwierigkeiten  und  Übersetzungsprobleme  anlässlich  der  Befragungen  des  Beschwerdeführers  in den Protokollen keinerlei Hinweise  finden und die  diesbezügliche  Rüge  daher  unbegründet  ist.  Der  Beschwerdeführer  erklärte  sowohl  zu Beginn als  auch am Ende der BzP,  er  verstehe den  Dolmetscher  gut  (vgl. BFM­act. A1/11 S. 2 und 9),  und auch  zu Beginn  der Anhörung gab er zu Protokoll, er verstehe den Dolmetscher ganz (vgl.  act. A16/17 S. 1). Mit seiner Unterschrift bestätigte er, das Protokoll der  BzP  sei  ihm  in  eine  ihm  verständliche Sprache  (Paschtu)  rückübersetzt  worden und entspreche seinen Aussagen  (vgl. act. 1/11 S. 9). Auch die  korrekte  Übersetzung,  inhaltliche  Richtigkeit  und  Vollständigkeit  des  Anhörungsprotokolls bestätigte er unterschriftlich (vgl. act. A16/17 S. 16).  Darauf muss  er  sich  behaften  lassen.  Schliesslich  hat  auch  die  bei  der  Anhörung  vom  14. Juni  2011  anwesende  Hilfswerkvertreterin  in  ihrem  dem  Protokoll  angefügten  Unterschriftenblatt  keinerlei  Einwände  zum  Protokoll  vorgebracht, was sie zweifellos getan hätte, wenn es während  der  Anhörung  merklich  zu  Verständigungsproblemen  zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  dem  Dolmetscher  oder  zu  Übersetzungsproblemen gekommen wäre. 5.2. Das  BFM  hat  in  der  angefochtenen  Verfügung  die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  zu  Recht  als  unsubstanziiert,  nicht  nachvollziehbar  und  widersprüchlich  und  daher  als  unglaubhaft  bezeichnet.  Die  in  der  Beschwerde  vorgebrachte  Kritik  an  der  Glaubhaftigkeitsprüfung  des  BFM  ist  angesichts  der  Aktenlage  nicht  nachvollziehbar. Die sehr vagen Aussagen des Beschwerdeführers sind  voll  von  Ungereimtheiten,  ohne  dass  sich  in  den  Akten  irgendwelche  Hinweise  auf  eine  Traumatisierung  des  Beschwerdeführers  und  auf  allenfalls  darauf  zurückführende  Gedächtnislücken  finden  liessen.  Im  Gegenteil:  Insbesondere  aus  dem  Anhörungsprotokoll  geht  klar  hervor,  dass  der  Beschwerdeführer  sehr  wohl  wusste,  was  er  erzählte  beziehungsweise bereits erzählt hatte, und die Sachbearbeiterin des BFM  wiederholt  darauf  hinwies:  "Ich  habe  Ihnen  ja  gesagt,  dass…",  wenn  diese  eine  vertiefende  Frage  stellte  (vgl.  act.  A16/17  S. 3  ­  14).  Den  allgemeinen  Ausführungen  in  der  Beschwerde  zu  wissenschaftlichen  Erkenntnissen  aus  der  Aussagepsychologie  beziehungsweise  Psychotraumatologie  fehlt  der  Bezug  zu  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers,  wird  doch  nicht  konkret  auf  die  Widersprüche  in  diesen  eingegangen.  Die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  erweisen sich in der Tat als derart vage und inkonsequent, dass auch bei 

D­4848/2011 einer sehr wohlwollenden Betrachtungsweise nicht auf die Glaubhaftigkeit  seiner  Vorbringen  geschlossen  werden  kann.  Die  Frage  der  BFM­ Sachbearbeiterin  an  der  Anhörung,  wie  er  gemerkt  habe,  dass  die  Taliban  gerade  ihm  etwas  hätten  antun  wollen,  beantwortete  er  folgendermassen: "Sie sind in meine Richtung gekommen und sie wollten  mich  festnehmen.  Sie  sind  nicht  zu  irgendjemand  anderem  gegangen"  (vgl. act. A16/17 S. 4). Auf die Frage, weshalb die angreifenden Taliban  ihm  nicht  in  den  Fluss  gefolgt  seien,  antwortete  er:  "Das  wäre  für  sie  natürlich  gefährlich, weil  sie mich  ja  zuerst  erwischen müssten und das  wäre dann zeitraubend. Die Leute waren aufmerksam geworden und es  wären  Polizisten  gekommen"  (vgl.  act. 16/17  S. 12).  Weshalb  der  Beschwerdeführer sich vor vier Männern, die angesichts der Anwesenheit  anderer Leute Angst gekriegt hätten und geflohen seien (vgl. act. A16/17  S. 4  f.),  überhaupt  fürchten  sollte,  ist  nicht  nachvollziehbar.  Der  Beschwerdeführer  konnte  sich  anlässlich  der Anhörung wiederholt  nicht  entscheiden,  welcher  von  zwei  widersprüchlichen  Darstellungen  desselben Ereignisses er den Vorzug geben wollte. Zusätzlich zu den von  der  Vorinstanz  aufgezeigten  Widersprüchen  ist  an  dieser  Stelle  beispielsweise  auf  seine  Aussage  hinzuweisen,  er  habe  erfahren,  dass  seine Familienangehörigen wegen seiner Flucht aus Angst den Wohnort  gewechselt  hätten  (vgl.  act.  A16/17  S. 9 f.),  der  er  kurz  danach  gleich  selbst  widersprach,  in  dem  er  zu  Protokoll  gab,  er  glaube  nicht,  dass  seine Familienangehörigen  seit  seiner Ausreise  irgendwelche  konkreten  Probleme mit  den Taliban gehabt hätten  (vgl.  act.  16/17 S. 10). Die auf  Beschwerdeebene eingereichten Kopien von Fotos einer ausgebrannten  Wohnung  –  angeblich  derjenigen  der  Familie  des  Beschwerdeführers –  sind  vor  dem  Hintergrund  der  Unglaubhaftigkeit  der  Verfolgungsvorbringen als nicht erheblich zu beurteilen. Entgegen der  in  der Beschwerde vertretenen Ansicht sind auch die auf Beschwerdeebene  eingereichten  Beweismittel  nicht  geeignet,  den  Wahrheitsgehalt  der  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  zu  belegen.  Bezüglich  der  Würdigung  dieser  Beweismittel  ist  vollumfänglich  auf  die  vorstehend  in  E. 4.3  wiedergegebenen  Ausführungen  des  BFM  in  dessen  Vernehmlassung zu verweisen, welchen  im Übrigen  in der Replik nichts  entgegengesetzt wird. Die unsubstanziierten Vorbringen lassen sich auch  nicht  auf  kulturell  unterschiedliche  Kommunikationsstile  oder  die  Persönlichkeit  des Beschwerdeführers  zurückführen,  sondern  sind  ganz  einfach Ausdruck der Tatsache, dass sowohl der Angriff der Taliban als  auch  die  daraus  abgeleitete  Verfolgungsgeschichte  offensichtlich  konstruiert  sind. Beim Fehlen  von glaubhaften Asylvorbringen  stellt  sich  sodann  die  Frage  nach  der  Schutzwilligkeit  und  ­fähigkeit  des  Staates  nicht. 

D­4848/2011 5.3. Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer nicht  gelingt, nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen, dass er  im  Zeitpunkt der Ausreise ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG  ausgesetzt  gewesen  sein  soll  oder  begründete  Furcht  hat,  solche  Nachteile  im  Falle  der  Rückkehr  in  absehbarer  Zukunft  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit  erleiden  zu  müssen.  Das  BFM  hat  sein  Asylgesuch  demnach zu Recht abgelehnt.  6.   6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).  6.2.  Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  (Art. 32  Bst. a  der  Asylverordnung  1  vom  11. August  1999  [AsylV 1,  SR  142.311])  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  (EMARK  2001  Nr. 21). Die Wegweisung des Beschwerdeführers wurde demnach vom  BFM zu Recht verfügt.  7.   7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht  möglich,  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländerinnen und Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]).  Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser,  Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148).  7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den Heimat­, Herkunfts­ oder  in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83  Abs. 3 AuG). So darf  keine Person  in  irgendeiner Form zur Ausreise  in  ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit  aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet  ist oder in dem sie 

D­4848/2011 Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).  Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen  werden.  7.2.1. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt,  welche  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5  AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Pakistan  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5 AsylG rechtmässig.  7.2.2.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für  den  Fall  einer  Rückschaffung  nach  Pakistan  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  er  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR,  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124­127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Dies  ist  dem  Beschwerdeführer  unter  Hinweis  auf  die  vorstehenden Erwägungen zur Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen nicht  gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtslage in Pakistan lässt den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen. Der Vollzug der Wegweisung  ist daher sowohl  im Sinne der  asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.  7.3.  

D­4848/2011 7.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).  7.3.2. Das BFM hat den Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers  im Wesentlichen mit  der  Begründung  als  zumutbar  erklärt,  dieser  habe  eine solide Schulausbildung und Berufserfahrung und verfüge namentlich  mit  seinen Eltern,  einem  verheirateten Bruder  und  einer Schwester, mit  welchen  er  bis  zur  Ausreise  zusammengelebt  habe,  sowie  mit  Onkeln  und Tanten über ein tragfähiges Beziehungsnetz.  7.3.3.  In  der  Beschwerde wird  demgegenüber  geltend  gemacht,  für  die  FATA  (Federally  Administered  Tribal  Areas)­Provinzen  wie  auch  die  nordwestlichen  Provinzen  sei  von  einer  Situation  allgemeiner  Gewalt  gegenüber  Personen  auszugehen,  welche  sich  den  Taliban  nicht  bedingungslos unterordneten. Eine Wegweisung des Beschwerdeführers  nach  Pakistan  erscheine  daher  als  unzumutbar.  Da  er  keinen  Familienverband in anderen Regionen des Landes habe, sich alleine das  Leben  gar  nicht  verdienen  könne  und  insofern  auf  Bettelei  und  dergleichen  zurückgeworfen wäre,  verfüge  er  über  keine  innerstaatliche  Aufenthaltsalternative.  7.3.4. In Pakistan besteht keine Situation generalisierter Gewalt, die sich  über  das  ganze  Staatsgebiet  oder  weite  Teile  desselben  erstrecken  würde.  Eine  gänzlich  unsichere,  von  bewaffneten  Konflikten  oder  permanent  drohenden  Unruhen  dominierte  Lage,  aufgrund  derer  der  Beschwerdeführer sich bei einer Rückkehr unvermeidlich einer konkreten  Gefährdung  im Sinne  von Art. 83 Abs.  4 AuG ausgesetzt  sehen würde,  besteht auch in seiner Herkunftsprovinz Mardan nicht.  7.3.5.  Der  mittlerweile  […]­jährige,  aktuell  an  keinen  nennenswerten  gesundheitlichen  Problemen  leidende  Beschwerdeführer  ist  im  Dorf  Z._______  in  der  Provinz  Mardan  geboren  und  aufgewachsen  und  hat  dort  bis  zur Ausreise während über  30  Jahren gelebt;  er  hat  in Mardan  während 12 Jahren die Schule besucht. Deshalb  ist davon auszugehen,  dass  er  in  seiner  Herkunftsregion  über  ein  soziales  Beziehungsnetz  verfügt,  an welches  er  nach  der  kurzen  Landesabwesenheit  problemlos 

D­4848/2011 wird anknüpfen können. Zudem verfügt der Beschwerdeführer an seinem  Heimatort auch über ein  tragfähiges familiäres Beziehungsnetz. Hatte er  an  der  BzP  noch  zu  Protokoll  gegeben,  sein  älterer  Bruder  E._______  lebe  irgendwo  in Pakistan, und die Familie habe keinen Kontakt  zu  ihm  (vgl.  act.  A1/11  S. 4),  räumte  er  anlässlich  der  Anhörung  ein,  im  elterlichen Haushalt, in dem er bis zur Ausreise gelebt hat, wohnten auch  sein  älterer,  im  Jahr  2010  aus  Dubai  zurückgekehrter,  verheirateter  Bruder  E._______  mit  der  Ehefrau  und  zwei  Kindern  sowie  eine  Schwester  (vgl.  act.  A16/17  S. 10 f.).  In  seinem  Heimatdorf  oder  in  unmittelbarer  Nähe  leben  ferner  mindestens  ein  Onkel  sowie  diverse  Tanten  (vgl.  act.  A16/17  S. 6  und  14).  Die  Aussage,  seine  Familie  sei  nach seiner Flucht aus Angst vom Heimatdorf weggezogen, und er habe  noch nicht  herausgefunden, wo sie  jetzt  lebe  (vgl.  act. A16/17 S. 9  und  14), kann vor dem Hintergrund der unglaubhaften Asylvorbringen und der  fehlenden  Glaubwürdigkeit  des  Beschwerdeführers  ebenfalls  nicht  geglaubt  werden.  Dem  auf  Beschwerdeebene  eingereichten  Polizeibericht  und  den  Kopien  der  Fotos  der  ausgebrannten  Wohnung  kommt,  wie  von  der  Vorinstanz  in  ihrer  Vernehmlassung  zutreffend  ausgeführt,  kein  Beweiswert  für  die  im  Übrigen  ohnehin  nachgeschobenen  und  damit  unglaubhaften  Vorbringen  betreffend  die  angebliche Ermordung des Vaters, das  Inbrandsetzen der Wohnung der  Familie  und  deren  Obdachlosigkeit  zu.  Aufgrund  des  bestehenden  familiären  und  sozialen  Beziehungsnetzes  des  Beschwerdeführers,  seiner  12­jährigen  Schulbildung  sowie  der  Berufserfahrung  als  Bauarbeiter  und  Landwirt  (vgl.  act.  A16/17  S. 7)  bestehen  somit  keine  konkreten  Anhaltspunkte,  die  darauf  hinweisen  würden,  er  geriete  im  Falle  der  Rückkehr  nach  Pakistan  aus  individuellen  Gründen  wirtschaftlicher,  sozialer  oder  gesundheitlicher  Natur  in  eine  existenzbedrohende Situation.  7.3.6.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  vor  dem  Hintergrund  der  allgemeinen  Lage  in  Pakistan als auch in individueller Hinsicht nicht als unzumutbar erweist.  7.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art. 8  Abs.  4  AsylG),  weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist  (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

D­4848/2011 7.5.  Das  BFM  hat  daher  den  Vollzug  der  Wegweisung  zu  Recht  als  zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Die Anordnung der vorläufigen  Aufnahme fällt somit nicht in Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG).  8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen.  9.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Nachdem  das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  VwVG  mit  Zwischenverfügung  vom  14. September  2011  gutgeheissen  wurde  und  sich  die  finanziellen  Verhältnisse  des  Beschwerdeführers  seither nicht verbessert haben, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) 

D­4848/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen.  2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Jacqueline Augsburger Versand:

D-4848/2011 — Bundesverwaltungsgericht 23.01.2012 D-4848/2011 — Swissrulings