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Bundesverwaltungsgericht 14.09.2011 D-4599/2011

14 septembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,283 mots·~6 min·2

Résumé

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 20. Juni 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4599/2011 law/rep Urteil   v om   1 4 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Pietro Angeli­Busi, Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren am (…), dessen Ehefrau B._______,  geboren am (…), sowie deren Kinder C._______, geboren  am (…), und D._______, geboren am (…), Eritrea, c/o schweizerische Vertretung in Khartum, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 20. Juni 2011 / N (…).

D­4599/2011 Sachverhalt: A.  Mit  der  schweizerischen  Botschaft  in  Khartum  am  7. September  2010  zugegangener  Eingabe  beantragten  die  Beschwerdeführenden  sinngemäss,  es  sei  ihnen  die  Einreise  in  die  Schweiz  zwecks  Durchführung eines Asylverfahrens zu bewilligen. Als Beilage  legten sie  ihrem  Asylgesuch  ein  Schreiben  des  Amtes  des  Hohen  Flüchtlingskommissars  der  Vereinten  Nationen  (UNHCR)  über  die  Fortführung des Flüchtlingsstatus vom 31. März 2003 sowie vom UNHCR  am 31. August 2010 ausgestellte Be­stätigungen, wonach sie im Gefolge  einer  weiteren  Überprüfung  ihres  Flüchtlingsstatus  im  Jahre  2010  nach  wie vor von der sudanesischen Regierung als Flüchtlinge anerkannt seien  und als solche sowohl seitens des UNHCR als auch der sudanesischen  Regierung registriert worden seien, bei. B.  Mit  Schreiben  vom  19. November  2010  teilte  das  BFM  den  Beschwerdeführenden mit, dass gemäss Art. 20 Abs. 2 des Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  das  BFM  Asylsuchenden  für  weitere  Abklärungen  zu  den  Asylgründen  die  Einreise  in  die  Schweiz  bewilligen  könne,  falls  es  diesen  nicht  zugemutet  werden  könne,  im  Drittstaat  (hier:  Sudan)  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes  Land  weiterzureisen.  Gemäss  aktueller  Entscheidpraxis  würden  solche  Einreisebewilligungen  sehr  restriktiv  gehandhabt.  Eine  Einreisebewilligung  in  die  Schweiz  setze  zunächst  (im  Sinne  einer  Vorbedingung) eine akute und schwere Gefährdung von Leib und Leben  des Asylsuchenden voraus. Weitere Faktoren bei der Prüfung der Frage  einer  Einreisebewilligung  seien  die  Schutzmöglichkeiten  im  gegenwärtigen Drittland  (hier: Sudan), die Beziehungsnähe zur Schweiz  und  die  zu  erwartende  Integration  in  der Schweiz. Da  das UNHCR alle  Eritreer,  die  im  Sudan  Zuflucht  suchten,  ungeachtet  ihrer  Fluchtgründe  registriere  und einem Flüchtlingslager  zuweise,  und  sich  zusammen mit  den  sudanesischen  Behörden  um  die  Grundversorgung  kümmere,  erachte  das  BFM  den  Verbleib  von  Schutzsuchenden  im  Sudan  als  zumutbar, weshalb es entsprechende Asylgesuche in der Regel ablehne.  Diese  Praxis  des  BFM  sei  durch  die  höchstrichterliche Rechtsprechung  der  Schweiz  in  Asylangelegenheiten,  also  durch  das  Bundesverwaltungsgericht,  bestätigt  worden,  das  etwa  im  Urteil  D­ 2047/2010 vom 29. April 2010  festgehalten habe, dass die betreffenden  Personen  im  Sudan  nicht  unüberwindbaren  Schwierigkeiten 

D­4599/2011 gegenüberstünden  und  aufgrund  des  vom  UNHCR  und  den  sudanesischen  Behörden  garantierten  Schutzes  ein  dortiger  Verbleib  erwartet  werden  könne.  Die  Erfolgsaussichten  für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  seien  auch  im  vorliegenden Fall  gering. Gleichzeitig  räumte das BFM den Beschwerdeführenden die Gelegenheit ein, sich bis  zum  19. Dezember  2010  zur  Frage  zu  äussern,  ob  sie  an  ihrem  Asylgesuch festhalten wollten oder nicht. C.  Mit Eingabe vom 13. Dezember 2010 (Posteingang Botschaft) hielten die  Beschwerdeführenden an ihrem Asylgesuch fest. D.  Mit  Schreiben  vom  17. Mai  2011  teilte  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  mit,  dass  gemäss  Mitteilung  der  Schweizer  Botschaft  in  Khartum  vom  23. März  2010  eine  Befragung  vor  Ort  aus  sicherheitstechnischen,  strukturellen  und  organisatorischen  Gründen  nicht möglich sei, weshalb von einer solchen abgesehen werde, was der  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  entspreche  (BVGE  2007/30,  E. 5.8  S. 367 f.).  Gleichzeitig  ersuchte  das  BFM  die  Beschwerdeführenden  zur  Vervollständigung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts um Beantwortung konkreter Fragen zu deren Aufenthalt  in  Eritrea,  zu  Familienangehörigen  und  Verwandten  in  Drittstaaten,  zu  Ereignissen,  die  zur  Ausreise  aus  Eritrea  geführt  hätten,  und  zum  Aufenthalt  im Sudan (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.4 S. 364 f.). Zudem wurde  ihnen  die  Mitteilung  der  Schweizer  Botschaft  vom  23.  März  2010  ausgehändigt. E.  Mit  Stellungnahme  vom  6. Juni  2011  (Posteingang  Botschaft)  beantworteten  die  Beschwerdeführenden  das  Schreiben  des  BFM  vom  17. Mai 2011. F.  Der  Beschwerdeführer  A._______  machte  in  den  Eingaben  vom  7. September  2010,  13. Dezember  2010  und  vom  6. Juni  2011  im  Wesentlichen  geltend,  er  habe  sich  im  Jahre  (…)  der  "Eritreischen  Befreiungsfront"  ("Eritrean  Liberation  Front",  ELF)  angeschlossen  und  vier Jahre lang gegen die äthiopischen Machthaber gekämpft, bis die ELF  von der "Eritreischen Volksbefreiungsfront" ("Eritrean People's Liberation  Front",  EPLF)  besiegt  worden  sei  und  sich  die  ELF­Kämpfer  in  alle 

D­4599/2011 Richtungen zerstreut hätten. Im Jahre 1981 sei er in den Sudan geflohen,  wo er den Flüchtlingsstatus erhalten habe. Im Sudan lebe er zusammen  mit seiner Ehefrau und seinen vier Kindern in Khartum. Sämtliche seiner  Kinder  seien  Analphabeten,  da  sie  die  Schule  nicht  hätten  besuchen  dürfen. Zudem seien diese von den sudanesischen Kindern benachteiligt  worden. Ferner hätten er und seine Familie ungenügenden Schutz vom  UNHCR und von der sudanesischen Regierung erhalten. Ferner sei sein  Haus  in  Khartum  von  Agenten  der  eritreischen  Botschaft  und  deren  sudanesischen  Partnern  niedergebrannt  worden.  Schliesslich  sei  seine  Frau  schon  mehrmals  von  den  sudanesischen  Behörden  inhaftiert  worden,  weil  sie  auf  der  Strasse  Tee  verkauft  habe.  Das  Leben  in  Khartum sei sehr hart. G.  Mit  Verfügung  vom  20. Juni  2011  –  eröffnet  am  18. Juli  2011 –  verweigerte  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  die  Einreise  in  die  Schweiz  und  lehnte  deren Asylgesuche  ab.  Zur  Begründung  führte  das  BFM im Wesentlichen aus, die Schilderungen der Beschwerdeführenden  liessen darauf schliessen, dass ihre Schwierigkeiten mit den eritreischen  Behörden asylbeachtlich seien. Indessen könne aufgrund des vollständig  erstellten  Sachverhaltes  davon  ausgegangen  werden,  dass  keine  unmittelbare  Gefährdung  vorliege,  welche  eine  sofortige  Einreise  der  Beschwerdeführenden in die Schweiz als notwendig erscheinen lasse. Im  Folgenden sei zu prüfen, ob einer Asylgewährung durch die Schweiz der  Asylausschlussgrund  von Art.  52  Abs.  2  AsylG  entgegenstehe,  wonach  einer  Person  das  Asyl  verweigert  werden  könne,  wenn  ihr  zugemutet  werden könne, sich  in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen.  Der Beschwerdeführer A._______ habe sich eigenen Angaben zufolge im  April  1981  beim  UNHCR  im  Sudan  registrieren  lassen,  den  Flüchtlingsstatus  erhalten  und  sich  im  Flüchtlingslager  E._______  in  F._______ aufgehalten, bevor er 1983 nach Khartum gezogen sei, weil er  die  Sicherheitslage  im  Flüchtlingslager  als  ungenügend  erachtet  habe.  Zwar  –  so  das  BFM  –  sei  die  Lage  der  eritreischen  Flüchtlinge  und  Asylbewerber  im  Sudan  angesichts  deren  Anzahl  nicht  einfach.  Der  Beschwerdeführer A._______ halte sich seit dem Jahre 1983 in Khartum  auf.  Die  zahlreichen  eritreischen  Flüchtlinge  im  Sudan  verfügten  nicht  über  ein  freies  Aufenthaltsrecht  für  das  ganze  Land,  sondern  würden  nach  ihrer  Registrierung  einem  Flüchtlingslager  zugeteilt,  wo  sie  sich  aufzuhalten  hätten  und  die  nötige  Versorgung  erhielten.  Es  sei  den  Beschwerdeführenden zuzumuten, zu diesem Zweck wieder in das ihnen  zugewiesene  Flüchtlingslager  zurückzukehren.  Nach  dem  Gesagten 

D­4599/2011 benötigten sie den zusätzlichen subsidiären Schutz der Schweiz gemäss  Art.  52  Abs.  2  AsylG  nicht  und  es  sei  ihnen  zuzumuten,  im  Sudan  zu  verbleiben. H.  Mit  am  28. Juli  2011  bei  der  Schweizer  Botschaft  in  Khartum  eingetroffener  und  von  dieser  zuständigkeitshalber  an  das  Bundesverwaltungsgericht  weitergeleiteter  englischsprachiger  Eingabe  (Eingang beim Bundesverwaltungsgericht: 22. August 2011) beantragten  die  Beschwerdeführenden  sinngemäss,  es  sei  die  vorinstanzliche  Verfügung  aufzuheben  und  ihnen  die  Einreise  in  die  Schweiz  zwecks  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  zu  bewilligen.  Zur  Begründung  führte  A._______  namentlich  aus,  er  sei  nach  dem  Kollaps  der  ELF  gezwungen gewesen, aus Eritrea zu fliehen, und sei im Jahre 1981 vom  UNHCR  und  der  sudanesischen  Regierung  als  Flüchtling  anerkannt  worden. Seit  dem Jahre  2008  sei  er  bis  zur  erzwungenen behördlichen  Schliessung Mitglied der sudanesischen Sektion der ELF geworden. Am  (…)  sei  er  unter  dem  Vorwurf,  für  die  ELF  Geld  zu  sammeln,  festgenommen und im Gefängnis von G._______ inhaftiert gewesen, am  (…) indessen nach einlässlicher Prüfung seines Falls wieder freigelassen  worden.  Darüber  hinaus  seien  in  der  Vergangenheit  im  Sudan  immer  wieder eritreische Flüchtlinge entführt worden, welche wie er bei der ELF  gewesen  seien.  Im  Weiteren  hätten  seine  Kinder  seit  ihrer  Geburt  nie  Zugang  zu  medizinischer  Versorgung,  Nahrung,  Kleidung,  Unterkunft  oder  schulischer  Ausbildung  erhalten,  was  wohl  daran  liege,  dass  sich  das  UNHCR  in  Khartum  für  sie  nicht  verantwortlich  gefühlt  und  ihrem  Leiden  kein  Gehör  geschenkt  habe.  So  besehen  führten  er  und  seine  Familie  trotz  Flüchtlingsstatus  seit  vielen  Jahren  ein  von  Elend  und  Entbehrungen geprägtes Leben im Sudan. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 

D­4599/2011 des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde;  es  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Partei  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. c  Ziff.   1  und  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  nicht  in  einer  Amtssprache  des  Bundes  abgefasst.  Auf  die  Ansetzung  einer  Frist  zur  Beschwerdeverbesserung  kann  indessen  verzichtet  werden,  da  der  in  Englisch  verfassten  Beschwerdeeingabe genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und  deren  Begründung  zu  entnehmen  sind  und  ohne  Weiteres  darüber  befunden werden kann. 1.3. Die Beschwerdeführenden  haben  am Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  sind  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt,  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  und  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert. Auf die die frist­ und – vom sprachlichen Mangel  abgesehen  –  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  einzutreten  (Art.  108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1  und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Gestützt  auf  Art.  111a Abs.  1 AsylG wurde  auf  die Durchführung  eines  Schriftenwechsels verzichtet. 4.  4.1. Nach Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG  ist die Einreise  in die Schweiz zu  bewilligen, wenn eine unmittelbare Gefahr  für  Leib,  Leben oder Freiheit  aus einem Grund nach Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird, das heisst  im Hinblick auf die Anerkennung als Flüchtling und Asylgewährung, oder  aber  wenn  für  die  Dauer  der  näheren  Abklärung  des  Sachverhalts  ein 

D­4599/2011 weiterer Aufenthalt im Wohnsitz­ oder Aufenthaltsstaat oder die Ausreise  in einen Drittstaat nicht zumutbar erscheint. 4.2. Gemäss  Art.  3  AsylG  wird  ein  Ausländer  als  Flüchtling  anerkannt,  wenn  er  in  seinem  Heimatstaat  oder  im  Land,  wo  er  zuletzt  wohnte,  wegen  seiner  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  seiner  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen  (Art. 3 AsylG). 4.3. Nach Art. 52 Abs. 2 AsylG kann einer Person, die sich  im Ausland  befindet,  das  Asyl  verweigert  werden,  wenn  es  ihr  zugemutet  werden  kann, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Bei der Anwendung von Art. 52 Abs. 2 AsylG ist in einer Gesamtschau zu  prüfen, ob es aufgrund der ganzen Umstände geboten erscheint, dass es  gerade die Schweiz ist, die den angesichts der bestehenden Gefährdung  erforderlichen  Schutz  gewähren  soll  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr.  21  E. 4a  S. 139).  Dabei  sind  namentlich  die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  der  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in Betracht  zu ziehen  (vgl. EMARK 1997 Nr.  15 E. 2f S. 131 f.). 5.  5.1.  Zunächst  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  der  Vorinstanz  einig  geht,  wonach  die  Vorbringen des Beschwerdeführers A._______ darauf schliessen lassen,  dass  seine  Schwierigkeiten  mit  den  eritreischen  Behörden  in  asylrechtlicher Hinsicht relevant sind. Angesichts der Tatsache, dass die  eritreischen  Behörden  oftmals  auch  harte  Sanktionen  gegen  nahe  Angehörige  von Flüchtlingen  verhängen,  ist  deshalb ohne Weiteres  von  einer  begründeten  Furcht  der  Ehefrau  und  der  beiden  minderjährigen  Kinder  des  Beschwerdeführers  A._______  vor  einer  drohenden 

D­4599/2011 Reflexverfolgung  auszugehen,  weshalb  diese  ebenfalls  die  Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllen. 5.2. Weiter  ist  zu  prüfen,  ob  es  den  Beschwerdeführenden  zugemutet  werden kann, sich in einem anderen Drittstaat um Aufnahme zu bemühen  (Art.  20  Abs.  2  und  Art.  52  Abs.  2  AsylG).  Die  Überprüfung  der  Akten  ergibt, dass sich die diesbezüglichen Erwägungen  in der angefochtenen  Verfügung  (vgl.  Sachverhalt  Bst.  G)  als  zutreffend  erweisen.  Der  Beschwerdeführer  A._______  und  dessen  Ehefrau  befinden  sich  seit  nunmehr bald 30 Jahren  im Sudan, wo sie vom UNHCR  registriert  sind  und ohne ernsthafte Probleme leben. Ihre beiden Kinder C._______ und  D._______ wurden im Sudan geboren und sind ebenfalls als Flüchtlinge  registriert. Es mag zutreffen, dass es im Sudan in vereinzelten Fällen zu  Entführungen  von  ehemaligen  Mitgliedern  der  ELF  gekommen  ist.  Die  Tatsache  indessen, dass der Beschwerdeführer A._______ seit beinahe  30  Jahren  als  Flüchtling  im  Sudan  lebt,  spricht  im  Ergebnis  allerdings  dagegen,  dass  hinsichtlich  seiner  Person  oder  seiner  Angehörigen  diesbezüglich eine konkrete Gefahr besteht. In diese Richtung weist auch  seine Aussage, wonach er am (…) nach einer einwöchigen  Inhaftierung  unter  dem Vorwurf, Geld  für  die ELF  gesammelt  zu  haben,  seitens  der  sudanesischen  Behörden  wieder  auf  freien  Fuss  gesetzt  worden  ist.  Soweit die Beschwerdeführenden darauf hinweisen, dass sie seitens des  UNHCR  in  Khartum  keine  humanitäre  Hilfe  erhalten  hätten,  ist  darauf  hinzuweisen, dass sie alle  im Sudan einem Flüchtlingslager zugewiesen  worden  sind,  es  jedoch  den  Akten  zufolge  vorgezogen  haben,  sich  in  Khartum  ausserhalb  des  Flüchtlingslagers  aufzuhalten.  Es  ist  ihnen  deshalb  grundsätzlich  zuzumuten,  sich  in  das  ihnen  zugewiesene  Flüchtlingslager  zurückzubegeben  und  dort  um  entsprechende  Hilfe  nachzusuchen.  Im  vorliegenden  Fall  tritt  hinzu,  dass  keinerlei  Anhaltspunkte  für  eine  besondere  Beziehungsnähe  der  Beschwerdeführenden zur Schweiz bestehen. Vielmehr lebt die gesamte  Kernfamilie  –  die  Eltern,  ihre  beiden  minderjährigen  Kinder  C._______  und  D._______  sowie  ihre  beiden  volljährigen  Kinder  beziehungsweise  Geschwister H._______ (…) und I._______ (…) – im Sudan, weshalb sie  dort  auch  über  ein  tragfähiges  soziales  Beziehungsnetz  verfügen.  Eine  Abwägung der Gesamtumstände im Sinne von Art. 52 Abs. 2 AsylG führt  somit im vorliegenden Fall zum Schluss, dass den Beschwerdeführenden  ein Verbleib im Sudan zuzumuten ist. 5.3.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 

D­4599/2011 vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  Abs.  1  AsylG).  Das  BFM hat die Asylgesuche der Beschwerdeführenden aus dem Ausland zu  Recht  abgelehnt  und  ihnen  die  Einreise  in  die  Schweiz  verweigert.  Die  Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 6.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Aus  verwaltungsökonomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 6  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­4599/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  die  Schweizer  Vertretung in Khartum und das BFM. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Philipp Reimann Versand:

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