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Bundesverwaltungsgericht 10.08.2011 D-4348/2011

10 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,294 mots·~6 min·2

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch (Papierlosigkeit) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 2. August 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4348/2011 Urteil   v om   1 0 .   Augus t   2011 Besetzung Einzelrichter Hans Schürch, mit Zustimmung von Richter Pietro Angeli­Busi; Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren am _______, Nigeria, vertreten durch Elio G. Baumann, _______, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 2. August 2011 / N _______.

D­4348/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer,  ein  nigerianischer  Staatsangehöriger  mit  letztem  Wohnsitz  in  B._______  (Anambra  State),  sein  Heimatland  eigenen Angaben zufolge im Juni 2011 in einem Schiff verliess und am 5.  Juli 2011 im Zug von ihm unbekannten Transitändern herkommend illegal  in die Schweiz einreiste, dass  er  gleichentags  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum C._______  um  Asyl  nachsuchte  und  dort  am  19.  Juli  2011  summarisch  befragt  wurde, dass  das  BFM  den  Beschwerdeführer  am  2.  August  2011  gestützt  auf  Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31)  ausführlich zu seinen Asylgründen anhörte, dass  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  vorbrachte,  er  sei  am  (…)  geboren  worden  und  somit  minderjährig, dass sein Vater verstorben sei, als er noch ein kleines Kind gewesen sei,  worauf er mit seiner Mutter ins Dorf gezogen sei, dass seine Mutter vor drei Jahren ebenfalls gestorben sei und er danach  alleine gelebt habe, dass er von seinem Vater ein Grundstück geerbt habe, welches dessen  Geschwister ihm hätten streitig machen wollen, dass er vor zwei oder drei Monaten andere Leute auf seinem Grundstück  angetroffen habe, darunter sein Onkel und dessen Sohn, dass es zu einer Auseinandersetzung zwischen ihnen gekommen sei,  in  deren Verlauf er seinen Onkel und seinen Cousin getötet habe, worauf er  umgehend geflüchtet sei, dass die Polizei in der Folge via Radio und TV nach ihm gefahndet habe, dass er vorübergehend in Lagos bei einem Freund untergetaucht sei und  dieser für ihn die Ausreise aus Nigeria organisiert habe,

D­4348/2011 dass  er  sein  Heimatland  auf  einem  Schiff  verlassen  habe  und  ohne  Identitätspapiere via ihm unbekannte Länder in die Schweiz gelangt sei, dass er befürchte, bei einer Rückkehr ins Heimatland gehängt zu werden, dass  dem  Beschwerdeführer  im  Rahmen  der  Erstbefragung  das  rechtliche  Gehör  zum  Ergebnis  der  vorfrageweisen  Überprüfung  der  Altersangaben (angebliche Minderjährigkeit) gewährt wurde, dass  der  Beschwerdeführer  dabei  an  der  geltend  gemachten  Minderjährigkeit festhielt, dass  für  den  weiteren  Inhalt  der  Aussagen  auf  die  Protokolle  bei  den  Akten zu verweisen ist, dass der Beschwerdeführer  im Verlaufe des vorinstanzlichen Verfahrens  weder  Identitäts­  oder  Reisepapiere  noch  anderweitige  Beweismittel  zu  den Akten reichte, dass das BFM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit Verfügung  vom  2.  August  2011  –  den  Angaben  des  Rechtsvertreters  zufolge  gleichentags  eröffnet  –  in  Anwendung  von  Art.  32  Abs. 2  Bst.  a  AsylG  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  anordnete, dass  das  BFM  zur  Begründung  seines  Entscheids  im  Wesentlichen  ausführte,  aufgrund  der  Aktenlage  sei  die  geltend  gemachte  Minderjährigkeit  des  Beschwerdeführers  nicht  glaubhaft  (keine  Abgabe  von  Identitätsdokumenten,  Bartwuchs,  unsubstanziierte  Angaben  zu  seinen Eltern sowie zum Reiseweg), dass daher von seiner Volljährigkeit auszugehen sei, dass der Beschwerdeführer nicht in substanziierter und nachvollziehbarer  Weise habe darlegen können, wie er ohne  Identitätspapiere von Nigeria  in die Schweiz habe gelangen können, dass  zudem  sein  Vorbringen,  wonach  ein  Freund  die  Reise  finanziert  habe, realitätsfremd sei, dass  daher  davon  auszugehen  sei,  er  habe  dem  BFM  bewusst  seine  Reise­  und  Identitätspapiere  vorenthalten,  um  seine  Identität  und 

D­4348/2011 Herkunft  zu  verschleiern  und  einen  allfälligen  Wegweisungsvollzug  zu  erschweren, dass  daher  keine  entschuldbaren  Gründe  für  das  Nichteinreichen  von  Identitäts­ oder Reisepapieren vorlägen, dass  es  sich  bei  der  geltend  gemachten Verfolgung  in Nigeria  um eine  legitime Massnahme der dortigen Strafbehörden handle, dass  das  Vorbringen,  er  müsse  befürchten,  für  seine  Tat  gehängt  zu  werden,  den  gesicherten  Erkenntnissen  des  BFM  betreffend  die  Anwendung der Todesstrafe in Nigeria widerspreche, dass die Angaben des Beschwerdeführers ohnehin zu bezweifeln seien,  da  er weder  den Namen  seines Vaters,  von welchem er  angeblich  das  Grundstück  geerbt  habe,  noch  denjenigen  seines  Onkels  kenne  und  zudem  unklar  sei,  wie  er  in  den  Besitz  des  Grundstücks  gelangt  sei,  zumal sein Vater bereits vor ca. 15 Jahren verstorben sei, dass er daher die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, keine zusätzlichen  Abklärungen  erforderlich  seien  und  der  Wegweisungsvollzug  durchführbar sei, dass für den weiteren Inhalt der vorinstanzlichen Verfügung auf die Akten  zu verweisen ist, dass  der  Beschwerdeführer  diese  Verfügung  mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht vom 7. August 2011  (Poststempel) anfechten  und  dabei  beantragen  liess,  es  sei  ihm  die  Flüchtlingseigenschaft  zuzuerkennen,  eventuell  sei  ihm  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  und die Wegweisung sei zu annullieren, dass  auf  die Beschwerdebegründung  –  soweit  entscheidwesentlich  –  in  den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  8.  August  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung,

D­4348/2011 dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art.  6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  sowie  die  Unangemessenheit  gerügt  werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art.  111  Bst.  e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass die Beurteilung von Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide  nach Art. 32 – 35 AsylG, mit denen es das BFM ablehnt, ein Asylgesuch  auf  seine materielle  Begründetheit  hin  zu  überprüfen,  grundsätzlich  auf  die Überprüfung der Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf  das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

D­4348/2011 dass  sich  die  Beschwerdeinstanz  demnach  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist, dass  indessen  im Falle  des Nichteintretens  auf  ein Asylgesuch gestützt  auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG über das Nichtbestehen der  Flüchtlingseigenschaft abschliessend materiell zu entscheiden ist, soweit  dies  im  Rahmen  einer  summarischen  Prüfung  möglich  ist  (vgl.  BVGE  2007/8 insbes. E. 5.6.5 S. 90 f.), dass  dementsprechend  in  einem  diesbezüglichen  Beschwerdeverfahren  ungeachtet  der  vorzunehmenden  Überprüfung  eines  formellen  Nichteintretensentscheides  auch  die  Flüchtlingseigenschaft  Prozessgegenstand bildet (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 S. 73), dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  volle Kognition zukommt, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Erstbefragung geltend machte,  er sei minderjährig, dass  der  Beschwerdeführer  die  Beweislast  dafür  trägt,  dass  die  vorgebrachte  Minderjährigkeit  zumindest  glaubhaft  gemacht  wird,  und  dass er gegebenenfalls die Folgen der Beweislosigkeit tragen muss (vgl.  dazu  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 23, 2004 Nr. 30), dass er keine Identitätspapiere eingereicht hat, weshalb eine zweifelsfreie  Überprüfung seiner Altersangaben nicht möglich ist, dass  der  Beschwerdeführer  für  die  Nichteinreichung  von  Identitätspapieren  keine  plausiblen  Gründe  dartun  konnte  (vgl.  dazu  nachfolgend), dass er auch keine anderen Dokumente beschafft hat, welche zumindest  als  Indiz  für  die  geltend  gemachte  Minderjährigkeit  gelten  könnten  (beispielsweise eine Geburtsurkunde oder Schulunterlagen),

D­4348/2011 dass  der  Beschwerdeführer  ausserdem  unsubstanziierte  Angaben  zu  seinen Eltern,  seinem Schulbesuch und  seinen Lebensumständen nach  dem Tod seiner Mutter gemacht hat (vgl. A4 S. 3 ­5), dass seine Altersangabe auch mit Blick auf die unglaubhaften Angaben  zum Asylgrund sowie zum Reiseweg zu bezweifeln ist, dass  die  Vorinstanz  daher  im  Ergebnis  zu  Recht  von  der  Unglaubhaftigkeit  der  vom  Beschwerdeführer  behaupteten  Minderjährigkeit ausgegangen ist, dass auch im Folgenden von seiner Volljährigkeit auszugehen ist, zumal  er  auch  auf  Beschwerdeebene  nichts  vorbringt,  was  die  behauptete  Minderjährigkeit nachträglich als glaubhaft erscheinen liesse, dass auf ein Asylgesuch nicht eingetreten wird, wenn Asylsuchende den  Behörden nicht innert 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs Reise­  oder Identitätspapiere abgeben (Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG), dass  diese  Bestimmung  jedoch  keine  Anwendung  findet,  wenn  Asylsuchende  glaubhaft  machen  können,  sie  seien  dazu  aus  entschuldbaren Gründen nicht  in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG),  oder wenn aufgrund der Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG  die  Flüchtlingseigenschaft  festgestellt  wird  (Bst.  b),  oder  wenn  sich  aufgrund  der  Anhörung  die  Notwendigkeit  zusätzlicher  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses ergibt (Bst. c), dass  der  Beschwerdeführer  bis  heute  kein  rechtsgenügliches  Identitätspapier  eingereicht  hat,  womit  die  Grundvoraussetzung  für  die  Anwendbarkeit des Nichteintretenstatbestandes von Art. 32 Abs. 2 Bst. a  AsylG erfüllt ist (vgl. dazu auch BVGE 2007/7), dass  der  Beschwerdeführer  geltend  machte,  er  besitze  weder  einen  Reisepass noch eine Identitätskarte, dass er weiter vorbrachte, er sei mit einem Schiff aus Nigeria ausgereist  und  habe  anschliessend  in  einem  ihm  unbekannten  Land  einen  Zug  bestiegen, mit welchem er in die Schweiz gelangt sei, dass  seine  Angaben  zum  Reiseweg  äusserst  spärlich  ausgefallen  sind  und er insbesondere kein einziges Transitland benennen konnte,

D­4348/2011 dass ausserdem sein Vorbringen, wonach er selber  für die Reise nichts  bezahlt und keinerlei Dokumente benötigt habe, realitätsfremd erscheint, dass es dem Beschwerdeführer damit  nicht gelungen  ist,  entschuldbare  Gründe  für  die  Nichteinreichung  von  Identitäts­  oder  Reisepapieren  glaubhaft zu machen, dass  demnach  zu  prüfen  bleibt,  ob  das  BFM  zu  Recht  davon  ausgegangen  ist,  die  Flüchtlingseigenschaft  sei  nicht  gegeben  und  es  bestehe aufgrund der Anhörung keine Notwendigkeit  zur Vornahme von  weiteren  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines Wegweisungsvollzugshindernisses, dass  der  Beschwerdeführer  geltend  macht,  er  werde  im  Heimatland  verfolgt,  nachdem  er  seinen  Onkel  und  seinen  Cousin  in  einem  Streit  getötet habe, dass  dieses  Vorbringen  indessen  nicht  glaubhaft  erscheint,  da  der  Beschwerdeführer  diesbezüglich  unsubstanziierte  und  realitätsfremde  Angaben gemacht hat, dass  er  beispielsweise  nicht  genau  sagen  konnte,  wann  sich  der  Streit  auf dem Grundstück zugetragen hat (vgl. A4 S. 9), dass er den Namen seines Onkels, welchen er umbrachte, nicht kannte  (vgl. A9 S. 4), dass das Vorbringen, wonach er sowohl den Onkel als auch den Cousin  je einmal mit einer Machete oder Gartenhacke geschlagen habe, worauf  beide auf der Stelle gestorben seien, nicht plausibel erscheint, dass  der  Beschwerdeführer  schliesslich  auch  nicht  in  nachvollziehbarer  Weise  darlegen  konnte,  warum  sein  Onkel  sich  nicht  schon  viel  früher  (d.h. bereits nach dem Tod des Vaters des Beschwerdeführers)  für das  Grundstück  interessiert  und weshalb  der Onkel  überhaupt  ein  Interesse  daran habe, dem Beschwerdeführer zu schaden (vgl. A9 S. 4), dass  im Übrigen  selbst  bei  unterstellter Glaubhaftigkeit  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  bestehen,  der  Beschwerdeführer  wäre  im  Heimatland  in  asylrelevanter  Weise  gefährdet,  zumal  es  sich  bei  der  geltend  gemachten  strafrechtlichen  Verfolgung  um  eine  legitime  Massnahme  seitens  der  nigerianischen  Behörden  handelt,  welche 

D­4348/2011 offensichtlich nicht auf einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Motive  beruht, dass  das  Bestehen  der  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  nach  dem  Gesagten  ohne  weiteres  ausgeschlossen  werden  kann  und  auch  keine  zusätzlichen  Abklärungen  hinsichtlich  der  Frage  des  Wegweisungsvollzugs  notwendig  erscheinen  (vgl.  dazu  auch  nachfolgend), dass  darauf  verzichtet  werden  kann,  auf  die  Vorbringen  in  der  Beschwerde  einzugehen,  da  sie  an  der  vorstehenden  Einschätzung  nichts zu ändern vermögen, dass das BFM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a  AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  EMARK 2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  zu bestätigen ist, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  im  Bereich  des  Asylrechts  vormals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der 

D­4348/2011 Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet, dass  überdies  keine  konkreten  und  glaubhaften  Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 (BV, SR 101), von Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) ersichtlich sind,  die in Nigeria droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass  weder  die  allgemeine  Lage  im  Heimat­  bzw.  Herkunftsstaat  des  Beschwerdeführers  noch  individuelle  Gründe  auf  eine  konkrete  Gefährdung im Falle einer Rückkehr schliessen lassen, dass in Nigeria im heutigen Zeitpunkt keine Situation allgemeiner Gewalt  herrscht, weshalb der Wegweisungsvollzug dorthin als generell zumutbar  zu bezeichnen ist,

D­4348/2011 dass  es  sich  beim  Beschwerdeführer  den  Akten  zufolge  um  einen  alleinstehenden  jungen  Mann  mit  rudimentärer  Schulbildung  und  ohne  ersichtliche gesundheitliche Probleme handelt, dass  er  vor  der  Ausreise  durch  Arbeit  in  der  Landwirtschaft  sowie  auf  Baustellen selbständig  für seinen Lebensunterhalt aufgekommen  ist und  davon auszugehen ist, er könne bei einer Rückkehr nach Nigeria erneut  einer derartigen Erwerbstätigkeit nachgehen, dass  er  bei  Bedarf  seinen  Freund  in  Lagos  um  Unterstützung  bitten  könnte, zumal ihm dieser angeblich schon bei der Ausreise behilflich war, dass  im Übrigen das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach er  im  Heimatland  kein  familiäres  Beziehungsnetz  mehr  habe,  angesichts  der  unglaubhaften  Angaben  im  Asylpunkt  sowie  bezüglich  des  Reisewegs  ebenfalls  zu  bezweifeln  ist  und  davon  auszugehen  ist,  er  verfüge  im  Heimatland durchaus über ein Beziehungsnetz, dass  nach  dem  Gesagten  nicht  zu  erwarten  ist,  der  Beschwerdeführer  würde  bei  einer  Rückkehr  nach  Nigeria  in  eine  existenzbedrohende  Situation  geraten,  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  im  heutigen  Zeitpunkt insgesamt als zumutbar zu erachten ist, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen  (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es  ihm obliegt, bei der Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und  dazu  auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ­ 515), dass der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Wegweisung demnach zu  bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  somit  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten von Fr. 600.–  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 

D­4348/2011 SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­4348/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut Versand:

D-4348/2011 — Bundesverwaltungsgericht 10.08.2011 D-4348/2011 — Swissrulings