Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 28.07.2011 D-4101/2011

28 juillet 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,313 mots·~7 min·1

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 8. Juli 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4101/2011 law/mah/sed Urteil   v om   2 8 .   Juli   2011 Besetzung Einzelrichter Walter Lang, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer; Gerichtsschreiberin Sarah Mathys. Parteien A._______, geboren am (…), Nigeria,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 8. Juli 2011 / N (…).

D­4101/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge ein nigerianischer  Staatsangerhöriger aus Anambra State mit letztem Wohnsitz in Lagos am  15. Mai  2011  illegal  mit  Zug  aus  Italien  herkommend  in  die  Schweiz  einreiste und gleichentags um Asyl nachsuchte, dass  ein  Fingerabdruckvergleich  mit  der  EURODAC­Datenbank  ergab,  dass der Beschwerdeführer am 18. März 2009  in  Italien ein Asylgesuch  eingereicht  hatte  und  in  diesem  Zusammenhang  erkennungsdienstlich  erfasst worden war, dass  am  25. Mai  2011  eine  summarische  Befragung  des  Beschwerdeführers  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  Kreuzlingen  stattfand  und  ihm  dabei  das  rechtliche  Gehör  zu  einer  möglichen  Zuständigkeit  Italiens  für  das  vorliegende  Verfahren  sowie  zu  einer  allfälligen Wegweisung dorthin gewährt wurde, dass  das  BFM  am  22. Juni  2011  die  italienische  Behörde  gestützt  auf  Art. 16  Abs. 1  Bst. c  der  Verordnung  Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18. Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  Asylantrags  zuständig  ist,  den  ein  Staatsangehöriger  eines  Drittlandes  in  einem  Mitgliedstaat  gestellt  hat  (Dublin­II­VO)  darum  ersuchte,  den  Beschwerdeführer wiederaufzunehmen, dass das BFM am 7. Juli 2011 der italienischen Behörde mitteilte, Italien  sei  gestützt  auf  Art. 20  Abs. 1  Bst. c  Dublin­II­VO  zur  Prüfung  des  Asylgesuchs zuständig, dass das BFM mit Verfügung vom 8. Juli 2011 – eröffnet am 15. Juli 2011  – in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eintrat,  die Wegweisung  nach  Italien  verfügte,  den  Beschwerdeführer  –  unter  Androhung  von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  –  aufforderte,  die  Schweiz  spätestens  am  Tag  nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  feststellte,  der  Kanton  Z._______  sei  verpflichtet,  die  Wegweisungsverfügung  zu  vollziehen,  dem  Beschwerdeführer  die  editionspflichtigen  Akten  gemäss  Aktenverzeichnis aushändigte, und feststellte, eine allfällige Beschwerde  gegen die vorliegende Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung,

D­4101/2011 dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  21. Juli  2011  (Datum  Poststempel)  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde erhob und beantragte,  die Verfügung des BFM vom 8. Juli  2011  sei  aufzuheben  und  das  BFM  anzuweisen,  das  Recht  zum  Selbsteintritt  auszuüben  und  sich  für  das  Asylgesuch  für  zuständig  zu  erachten, dass  er  zudem  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantragte,  der  Beschwerde  sei  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen  und  im  Sinne  einer  superprovisorischen  Massnahme  seien  die  Vollzugsbehörden  anzuweisen,  von  einer  Überstellung  nach  Italien  abzusehen,  bis  das  Bundesverwaltungsgericht  über  die  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  entschieden  habe  und  es  sei  ihm  die  unentgeltliche  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  zu gewähren, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten  und ihm ein unentgeltlicher Rechtsvertreter beizugeben, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  den  Vollzug  der  Wegweisung  gestützt  auf  Art. 56  VwVG mit  Verfügung  vom  22. Juli  2011  vorsorglich  aussetzte, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  25. Juli  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i. V. m.  Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

D­4101/2011 dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG;  Art.  105  AsylG  i. V. m.   Art. 37  VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  im vorliegenden Beschwerdeverfahren einzig zu prüfen  ist, ob das  BFM  gestützt  auf  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers zu Recht nicht eingetreten  ist und  infolgedessen die  Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat, dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  in  der  Beschwerde  vom  21. Juli  2007  geltend  gemacht  wird,  das  BFM  verletze  mit  seiner  Praxis  –  die  Nichteintretensentscheide  erst  zu  diesem  Zeitpunkt  zu  eröffnen,  in  dem  auch  die Wegweisung  vollzogen  werden soll – das Gebot des effektiven Rechtsschutzes, dass  gemäss  Grundsatzurteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­5814/2009  vom  2. Februar  2010  der Wegweisungsvollzug  ausgesetzt  werden  müsse,  bis  das  Bundesverwaltungsgericht  über  eine  allfällige  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  nach  Art. 107a  AsylG  entscheiden könne, dass  sich  das  erwähnte  Grundsatzurteil  auf  eine  Verfügung  des  BFM  bezog,  mit  welcher  unzulässigerweise  der  sofortige  Vollzug  der  Wegweisung  aus  der  Schweiz  angeordnet  wurde,  wodurch  der  beschwerdeführenden  Person  verunmöglicht  wurde,  während  ihres  Aufenthaltes in der Schweiz die Gewährung der aufschiebenden Wirkung  zu verlangen (vgl. BVGE 2010/1 E. 3.5),

D­4101/2011 dass  dem  Beschwerdeführer  hingegen  im  vorliegenden  Fall  nach  Eröffnung  der  Verfügung  bis  zum  Ablauf  der  Beschwerdefrist  von  fünf  Arbeitstagen  ein  Zeitraum  zur  Verfügung  stand,  währenddessen  die  Wegweisung nicht vollzogen werden konnte (vgl. BVGE 2010/1 E.6.2 S.  17), dass  es  ihm  mithin  möglich  war,  innerhalb  dieses  Zeitraums  die  aufschiebende  Wirkung  der  Beschwerde  zu  verlangen  und  das  Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der Wegweisung am 22. Juli 2011  gestützt auf Art. 56 VwVG ausgesetzt hat, dass  deshalb  das  BFM  das  Gebot  des  effektiven  Rechtsschutzes  (Art. 29a der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  [BV,  SR  101]  und  Art. 13  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  [EMRK,  SR  0.101])  im  vorliegenden  Fall  nicht  verletzt  hat, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass sich aus den Akten ergibt, dass der Beschwerdeführer am 18. März  2009  ein  Asylgesuch  einreichte  und  entsprechend  in  der  EURODAC­ Datenbank erfasst worden ist, dass  das BFM  bei  dieser  Sachlage  und  der  innert  Frist  seitens  Italiens  unbeantwortet  gebliebenen  (Art. 20  Abs. 1  Bst. c  Dublin­II­VO),  gestützt  auf  Art. 16  Abs. 1  Bst. c  Dublin­II­VO  erfolgten  Anfrage  um  Wiederaufnahme  des  Beschwerdeführers  vom  22. Juni  2011  Italien  zu  Recht  als  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens  zuständig  erachtet  hat, dass  die  grundsätzliche  Zuständigkeit  Italiens  gemäss  Art. 3  Abs. 1  Dublin­II­VO in der Beschwerde nicht explizit bestritten, hingegen geltend  gemacht wird,  das BFM hätte  vorliegend  von Art. 3  Abs. 2 Dublin­II­VO  Gebrauch  machen  müssen,  da  eine  Rückschaffung  nach  Italien  gegen  Art. 3 EMRK und gegen das Non­Refoulement­Gebot verstosse, oder die  humanitäre Klausel nach Art. 15 Dublin­II­VO anwenden müssen,

D­4101/2011 dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragung  im  EVZ  zu  einer  Rückführung nach Italien meinte, er wäre nicht sehr glücklich darüber, er  habe dort sehr gelitten, auf der Strasse geschlafen und gebettelt,  Italien  kümmere sich nicht um ihn, er habe beispielsweise Augenprobleme und  sehe nicht so gut (vgl. act. A6/10 S. 7), dass  Italien  unter  anderem  Signatarstaat  des  Abkommens  vom  28. Juli1951  über  die Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK, SR 0.142.30),  der  EMRK  und  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist, dass Italien als nach Art. 3 Abs. 1 Dublin­II­VO zuständiger Staat zudem  gehalten  ist,  unter  anderem  die  Richtlinie  2005/85/EG  des  Rates  vom  1. Dezember  2005  über  Mindestnormen  für  Verfahren  in  den  Mitgliedstaaten  zur  Zuerkennung  und  Aberkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  (sog.  Verfahrensrichtlinie)  und  die  Richtlinie  2003/9/EG  des  Rates  vom  27. Januar  2003  zur  Festlegung  von  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  von Asylbewerbern  in Mitgliedstaaten  (sog. Aufnahmerichtlinie) anzuwenden respektive umzusetzen, dass keine Hinweise dafür bestehen, wonach Italien  in genereller Weise  seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht nachkommen respektive in  völkerrechtswidriger Weise gegen die Verfahrens­ und Aufnahmerichtline  verstossen  würde  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­7654/2010 vom 20. April 2011 E. 5.8.1), dass aufgrund der Aktenlage  insbesondere nicht davon auszugehen  ist,  Italien  werde  den  Beschwerdeführer  in  Verletzung  der  vorgenannten  völkerrechtlichen  Abkommen  in  sein  Heimatland  zurückschaffen,  zumal  er gemäss eigenen Angaben seit  letztem Jahr über einen  "permesso di  soggiorno" verfügt, der bis ins Jahr 2013 gültig ist (vgl. act. A6/10 S. 7), dass  an  dieser  Einschätzung  auch  der  Verweis  in  der  Beschwerde  auf  den  –  für  die  schweizerischen  Behörden  ohnehin  nicht  bindenden –  Beschluss  des  Verwaltungsgerichts  Darmstadt  vom  9. November  2010  nichts zu ändern vermag,  dass das italienische Fürsorgesystem für Asylsuchende zwar in der Kritik  steht,  in  den  Aufenthalts­  und  Verfahrensbedingungen  für  Personen,  welche  sich  im  Rahmen  eines  Asylverfahrens  in  Italien  aufhalten,  indessen kein Vollzugshindernis zu erkennen ist, 

D­4101/2011 dass der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben von der Polizei in  Rom die Adresse von Caritas erhalten hat, wo er einen Freund hat, der  im Besitz  seiner  Aufenthaltspapiere  ist,  und  er Nahrung  bekommen  hat  bis  er  Rom  verlassen  und  sich  in  andere  Städte  begeben  hat  (vgl.  act. A6/10 S. 6 f.), weshalb davon auszugehen ist, der Beschwerdeführer  verfüge  dort  über  ein  soziales  Netz,  welches  ihm wieder  Unterstützung  bieten könnte, dass  im  Übrigen  auch  die  allgemeine  Situation  von  Asylsuchenden  in  Italien  nicht  darauf  schliessen  lässt,  der  Beschwerdeführer  würde  bei  seiner  Rückkehr  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  Gefahr  laufen,  die  notwendige  soziale  Hilfe  zur  Bewältigung  des  existenziellen  Lebensbedarfs nicht erhalten und das Gericht  in den –  im Vergleich zur  Schweiz  –  erschwerten  Aufenthaltsbedingungen  kein  Grund  für  eine  grundsätzliche  Nichtanwendung  der  einschlägigen  Bestimmungen  der  Dublin­II–VO  erkennt  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­ 7654/2010 vom 20. April 2011 E. 5.8.1 mit weiteren Hinweisen), dass  nach Kenntnis  des Gerichts Dublin­Rückkehrende und  verletzliche  Personen  bezüglich  Unterbringung  von  den  italienischen  Behörden  bevorzugt behandelt werden und sich – neben den staatlichen Strukturen  – auch  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von  Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen, dass  beispielsweise  die  Organisation  Arci  con  Fraternità  seit  dem  1. Januar  2009  die  Betreuung  der  Flüchtlinge  im  Flughafen  Fiumicino  (Rom)  organisiert  und  dort  den  Asylsuchenden  kostenlose  Rechtsberatung anbietet, dass  unter  diesen  Umständen  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  ersichtlich  sind,  die  darauf  hindeuten,  der  Beschwerdeführer  würde  im  Falle einer Rückkehr nach Italien in eine existenzielle Notlage geraten,  dass selbst wenn dem Beschwerdeführer bei seiner Rückkehr nicht sofort  eine  Unterkunft  zugeteilt  werden  könnte,  darin  per  se  noch  kein  mittelbarer Verstoss gegen die Aufnahmerichtlinie respektive gegen Art. 3  EMRK  zu  erblicken  wäre,  zumal  bis  dato  auch  nicht  angenommen  werden kann, die  von  Italien bereitgestellten Geldleistungen würden zur  Deckung des notwendigen Lebensunterhaltes eines Asylsuchenden nicht  ausreichen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D­7654/2010 vom  20. April 2011 E. 5.8.1),

D­4101/2011 dass  dem  Beschwerdeführer  ausserdem  die  Möglichkeit  offen  stünde,  sich  mit  Hilfe  einer  Rechtsberatungsstelle  einer  italienischen  Hilfsorganisation  in  Italien  gegen  eine  allfällige  Nichteinhaltung  der  gemäss Aufnahmerichtlinie geltenden Mindeststandards zu wehren, dass  sein  geltend  gemachtes,  aber  in  keiner  Weise  belegtes  Augenproblem  (vgl.  act. A6/10  S. 7)  kein  schwerwiegend  humanitärer  Grund  im  Sinne  von  Art. 29a  Abs. 3  der  Asylverordnung 1  vom  11. August 1999 über Verfahrensfragen  (AsylV 1, SR 142.311) darstellt,  der  einer  Überstellung  des  Beschwerdeführers  nach  Italien  entgegensteht, dass  aufgrund  der  Akten  auch  sonst  keine  Gründe  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  der  Schweiz  (Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO)  ersichtlich  sind, dass Art. 15 Abs. 1 Dublin­II­VO grundsätzlich nur dann zur Anwendung  gelangt,  wenn  sich  ein  Asylbewerber  in  dem  für  die  Prüfung  des  Asylgesuches  nach  Art. 6­14  Dublin­II­VO  zuständigen  Staat  aufhält,  humanitäre  Erwägungen  –  wie  das  Zusammenführen  von  Familienmitgliedern – jedoch dafür sprechen, das Asylverfahren in einem  weiteren  Staat  durchzuführen  (vgl.  CHRISTIAN  FILZWIESER/ANDREA  SPRUNG, Dublin II­Verordnung, 3., überarb. Aufl., Wien/Graz 2010, K4 zu  Art. 15),  dass  sich  der  Beschwerdeführer  indessen  in  der  Schweiz  und  damit  in  einem  für  die Durchführung  des Asylverfahrens  nicht  zuständigen Staat  aufhält, weshalb entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung  die  sogenannte  humanitäre  Klausel  von  Art. 15  Dublin­II­VO  vorliegend  nicht zum Tragen kommt und demnach für das BFM keine Veranlassung  bestand, sich damit in der Entscheidbegründung auseinanderzusetzen, dass  das  BFM  demzufolge  zu  Recht  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E. 9  S. 733,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte 

D­4101/2011 Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass es sich beim Dublin­Verfahren um ein Überstellungsverfahren in den  für die Prüfung des Asylgesuches zuständigen Staat handelt,  dass  deshalb  das  Fehlen  von  Wegweisungsvollzugshindernissen  regelmässig  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  gestützt  auf  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  erfolgenden  Nichteintretensentscheides  ist  (vgl.  der  zur  Publikation  vorgesehene  BVGE E­5644/2009 vom 31. August 2010 E. 10.2),  dass mithin allfällige völkerrechtliche und humanitäre Vollzugshindernisse  im  Rahmen  der  eventuellen  Anwendung  der  sogenannten  Souveränitätsklausel  (Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO  i.V.m.  Art.  29a  Abs.  3  AsylV1) zu prüfen sind, und folglich kein Raum für Ersatzmassnahmen im  Sinne von Art. 44 Abs. 2 i.V.m. Art. 83 Abs. 1­4 des Bundesgesetzes vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR 142.20) besteht, dass  in diesem Sinne die Vorinstanz den Vollzug der Wegweisung nach  Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist,  dass die Gesuche, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu  gewähren  und  es  sei  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten,  angesichts  des  vorliegenden  Entscheids  in  der  Hauptsache  gegenstandslos werden, dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65  Abs. 1  und  2  VwVG  zufolge  Aussichtslosigkeit  der  Beschwerde abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 

D­4101/2011 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und  5 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­4101/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  Verbeiständung werden abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Sarah Mathys Versand:

D-4101/2011 — Bundesverwaltungsgericht 28.07.2011 D-4101/2011 — Swissrulings