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Bundesverwaltungsgericht 19.07.2011 D-3925/2011

19 juillet 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,367 mots·~7 min·2

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch (Papierlosigkeit) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 6. Juli 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­3925/2011 Urteil   v om   1 9 .   Juli   2011 Besetzung Einzelrichter Hans Schürch, mit Zustimmung von Richter Gérard Scherrer; Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren am _______, Algerien, c/o _______, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 6. Juli 2011 / N _______.

D­3925/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführerin,  eine  algerische  Staatsangehörige  mit  letztem  Wohnsitz  in  B._______  (Provinz  Constantine),  ihr  Heimatland  eigenen Angaben zufolge  im Mai 2011  in einem Boot  in Richtung Italien  verliess und am 1. Juni 2011 im Zug von dort herkommend illegal  in die  Schweiz einreiste, dass  sie  am  6.  Juni  2011  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  C._______ um Asyl nachsuchte und dort am 17. Juni 2011 summarisch  befragt wurde, dass  das  BFM  die  Beschwerdeführerin  am  30.  Juni  2011  gestützt  auf  Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31)  ausführlich zu ihren Asylgründen anhörte, dass  die  Beschwerdeführerin  zur  Begründung  ihres  Asylgesuchs  im  Wesentlichen vorbrachte, sie habe ca. vier Jahre lang hinter dem Rücken  ihrer Eltern eine Beziehung zu einem Mann namens M. gepflegt, dass  M.  im  Jahr  2010  mehrfach  um  ihre  Hand  angehalten  habe,  ihre  Eltern jedoch eine Heirat abgelehnt hätten und ihr Vater sie in der Folge  täglich geschlagen und ungerecht behandelt habe, dass M. zu einer Haft­ und Geldstrafe verurteilt worden sei und daraufhin  ungefähr  im  Februar/März  2011  nach  Europa  geflohen  sei,  um  seiner  Verhaftung zu entgehen, dass  sie  ungefähr  einen Monat  nach  seiner  Flucht  bemerkt  habe,  dass  sie schwanger sei, dass  sie  befürchtet  habe,  ihre  Familie  werde  sie  töten  oder  vertreiben,  wenn  ihre  Schwangerschaft  bekannt  würde,  da  eine  schwangere,  unverheiratete Frau für die Familie eine Ehrverletzung darstelle, dass sie sich deshalb zur Flucht aus dem Heimatland entschlossen habe,  zumal sich auch ihr Freund in Europa aufhalte und sie mit ihm zusammen  leben wolle, dass  für  den  weiteren  Inhalt  der  Aussagen  auf  die  Protokolle  bei  den  Akten zu verweisen ist,

D­3925/2011 dass  die  Beschwerdeführerin  im  Verlaufe  des  vorinstanzlichen  Verfahrens  weder  Identitäts­  oder  Reisepapiere  noch  anderweitige  Beweismittel zu den Akten reichte, dass  das  BFM  auf  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  mit  Verfügung vom 6. Juli 2011 – gleichentags eröffnet – in Anwendung von  Art.  32  Abs. 2  Bst.  a  AsylG  nicht  eintrat  und  die Wegweisung  aus  der  Schweiz sowie den Vollzug anordnete, dass  das  BFM  zur  Begründung  seines  Entscheids  im  Wesentlichen  ausführte,  die  Beschwerdeführerin  habe  auf  Fragen  nach  der  Beschaffungsmöglichkeit  ihrer  Identitätskarte  mit  Ausflüchten  und  Ausreden geantwortet und die ihr zumutbare Mitwirkungspflicht verletzt, dass sie im Weiteren in Bezug auf ihren Pass erklärt habe, dieser befinde  sich bei  ihrer Freundin in A., aber sie könne diese nicht kontaktieren, da  sie weder  deren Nachnamen noch  deren Adresse  oder  Telefonnummer  kenne, was unglaubhaft sei, dass  die  Beschwerdeführerin  ausserdem  unglaubhafte  Angaben  zum  Reiseweg gemacht habe, dass  daher  keine  entschuldbaren  Gründe  für  das  Nichteinreichen  von  Identitäts­ oder Reisepapieren vorlägen, dass  es  der  Beschwerdeführerin  im  Weiteren  nicht  gelungen  sei,  die  geltend  gemachte  Verfolgungsfurcht  glaubhaft  darzulegen,  da  ihre  diesbezüglichen  Aussagen  ungenau,  unsubstanziiert  und  realitätsfremd  ausgefallen seien und konstruiert wirkten, dass sie daher die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, keine zusätzlichen  Abklärungen  erforderlich  seien  und  der  Wegweisungsvollzug  durchführbar sei, dass für den weiteren Inhalt der vorinstanzlichen Verfügung auf die Akten  zu verweisen ist, dass  die  Beschwerdeführerin  diese  Verfügung  mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  vom 12.  Juli  2011  (Poststempel)  anfocht  und  dabei  beantragte,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben  und  die  Sache sei zur materiellen Entscheidung an das BFM zurückzuweisen,

D­3925/2011 dass  in  prozessualer  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht wurde, dass  auf  die  Beschwerdebegründung  ­  soweit  entscheidwesentlich  ­  in  den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  13.  Juli  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art.  6 AsylG), dass  die  Beschwerdeführerin  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  sowie  die  Unangemessenheit  gerügt  werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

D­3925/2011 dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art.  111  Bst.  e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass die Beurteilung von Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide  nach Art. 32 – 35 AsylG, mit denen es das BFM ablehnt, ein Asylgesuch  auf  seine materielle  Begründetheit  hin  zu  überprüfen,  grundsätzlich  auf  die Überprüfung der Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf  das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  die  Beschwerdeinstanz  demnach  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist, dass  indessen  im Falle  des Nichteintretens  auf  ein Asylgesuch gestützt  auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG über das Nichtbestehen der  Flüchtlingseigenschaft abschliessend materiell zu entscheiden ist, soweit  dies  im  Rahmen  einer  summarischen  Prüfung  möglich  ist  (vgl.  BVGE  2007/8 insbes. E. 5.6.5 S. 90 f.), dass  dementsprechend  in  einem  diesbezüglichen  Beschwerdeverfahren  ungeachtet  der  vorzunehmenden  Überprüfung  eines  formellen  Nichteintretensentscheides  auch  die  Flüchtlingseigenschaft  Prozessgegenstand bildet (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 S. 73), dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  volle Kognition zukommt, dass auf ein Asylgesuch nicht eingetreten wird, wenn Asylsuchende den  Behörden nicht innert 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs Reise­  oder Identitätspapiere abgeben (Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG), dass  diese  Bestimmung  jedoch  keine  Anwendung  findet,  wenn  Asylsuchende  glaubhaft  machen  können,  sie  seien  dazu  aus 

D­3925/2011 entschuldbaren Gründen nicht  in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG),  oder wenn aufgrund der Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG  die  Flüchtlingseigenschaft  festgestellt  wird  (Bst.  b),  oder  wenn  sich  aufgrund  der  Anhörung  die  Notwendigkeit  zusätzlicher  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses ergibt (Bst. c), dass  die  Beschwerdeführerin  bis  heute  kein  rechtsgenügliches  Identitätspapier  eingereicht  hat,  womit  die  Grundvoraussetzung  für  die  Anwendbarkeit des Nichteintretenstatbestandes von Art. 32 Abs. 2 Bst. a  AsylG erfüllt ist (vgl. dazu auch BVGE 2007/7), dass die Beschwerdeführerin geltend machte, ihre Identitätskarte befinde  sich zuhause und der Reisepass bei ihrer Freundin B. in A., dass  ihren Aussagen zu entnehmen  ist,  sie habe  lediglich einmal,  nach  der  Erstbefragung,  die  Mutter  ihres  Freundes  angerufen  und  diese  beauftragt, die Identitätskarte bei ihrem Elternhaus abzuholen, dass sie den Akten zufolge diesbezüglich nichts Weiteres unternommen  hat und  insbesondere bei der Mutter  ihrer Freundin nicht  insistierte  (vgl.  A11  S.  5),  obwohl  ihr  weitere  Bemühungen  angesichts  der  ihr  obliegenden  Mitwirkungspflicht  (vgl.  Art.  8  Abs.  1  Bst.  a  und  b  AsylG)  durchaus zuzumuten gewesen wären, dass  die  Beschwerdeführerin  ausserdem  vorbrachte,  sie  könne  die  Freundin, bei welcher sich ihr Reisepass befinde, nicht kontaktieren oder  kontaktieren  lassen,  da  sie  weder  deren  Familienname  noch  deren  Adresse oder Telefonnummer kenne (vgl. A11 S. 3 und 4), dass dieses Vorbringen realitätsfremd ist, zumal die Beschwerdeführerin  zu  Protokoll  gab,  sie  habe  vor  der  Ausreise  einige  Tage  bei  dieser  Freundin gewohnt (vgl. A11 S. 3 und 4), dass sie erklärte, die Mutter ihres Freundes sei die einzige, die ihr bei der  Identitätspapierbeschaffung  behilflich  sein  könne,  sie  kenne  sonst  niemanden (vgl. A11 S. 3), was offensichtlich unglaubhaft ist, dass  ihre  anschliessende  Aussage,  sie  habe  alle  Telefonnummern  verloren  und  wisse  ausser  derjenigen  der  Mutter  ihres  Freundes  keine  Nummern auswendig, weshalb sie niemanden sonst  kontaktieren könne 

D­3925/2011 (vgl.  A11  S.  3),  realitätsfremd  erscheint  und  eine  Schutzbehauptung  darstellen dürfte, dass sie im Übrigen auch die Mutter ihres Freundes hätte bitten können,  ihr  die  Telefonnummern  von  weiteren  Bekannten  ausfindig  zu machen,  oder  allenfalls  beim  Auskunftsdienst  der  Algérie  Télécom  hätte  anrufen  können, dass die Beschwerdeführerin  im Weiteren unsubstanziierte und teilweise  tatsachenwidrige  Angaben  zu  ihrer  Reiseroute machte,  wobei  sie  unter  anderem  vorbrachte,  sie  sei  mit  einem  Boot  in  Sardinien  angekommen  und  von  dort  aus mit  Bus  und Zug weitergereist  (vgl.  A7 S.  7  und A11  S. 7), dass sie geltend machte, ihre Freundin, welche sie knapp drei Monate vor  ihrer Ausreise kennengelernt habe, habe die Ausreise finanziert (vgl. A11  S. 4 und 6), was realitätsfremd erscheint, dass  mit  Blick  auf  die  vorstehenden  Erwägungen  Grund  zur  Annahme  besteht,  die  Beschwerdeführerin  wolle  den  Asylbehörden  ihre  Identitätspapiere  vorenthalten,  um  einen  allfälligen Wegweisungsvollzug  zu erschweren oder gar zu verhindern, dass es  ihr nach dem Gesagten nicht gelingt, entschuldbare Gründe  für  das  nicht  fristgerechte  Einreichen  von  Identitäts­  oder  Reisepapieren  glaubhaft zu machen, dass  demnach  zu  prüfen  bleibt,  ob  das  BFM  zu  Recht  davon  ausgegangen  ist,  die  Flüchtlingseigenschaft  sei  nicht  gegeben  und  es  bestehe aufgrund der Anhörung keine Notwendigkeit  zur Vornahme von  weiteren  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines Wegweisungsvollzugshindernisses, dass die Beschwerdeführerin geltend macht, sie sei aus dem Heimatland  geflüchtet, weil  sie befürchtet  habe,  von  ihrer Familie,  namentlich  ihrem  Vater,  umgebracht  zu werden,  weil  sie  ein  uneheliches  Kind  von  ihrem  Freund M., welchen ihre Familie ablehne, erwarte, dass  das  BFM  jedoch  zu  Recht  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  dieses  Vorbringens geäussert hat,

D­3925/2011 dass  die  Beschwerdeführerin  vorbrachte,  sie  habe  M.  vier  Jahre  lang  regelmässig  heimlich  und  gegen  den Willen  ihrer  Eltern  getroffen,  was  indessen unplausibel erscheint, zumal sie erklärte,  ihre Eltern hätten sie  zumindest  in  den  letzten  zwei  Jahren  im  Verdacht  gehabt,  eine  Beziehung mit M. zu führen, und ihre Mutter habe jeweils gesehen, wenn  sie das Haus verlassen habe (vgl. A11 S. 9 und 10), dass es  ihr bei dieser Sachlage kaum möglich gewesen sein dürfte, die  Beziehung zu M. derart lange unbehelligt aufrechtzuerhalten, dass die Beschwerdeführerin ausserdem zunächst  zu Protokoll  gab,  sie  und  M.  hätten  sich  "überall"  getroffen  und  "alles"  gemacht  und  diese  Aussage erst auf Vorhalt dahingehend einschränkte,  sie hätten sich nur  an  menschenleeren  Orten  getroffen,  um  nicht  zusammen  gesehen  zu  werden (vgl. A11 S. 15), dass die Beschwerdeführerin die angeblichen  täglichen Misshandlungen  durch  ihren Vater  relativ unsubstanziiert  schilderte und ausserdem nicht  genau sagen konnte, wann dieser damit begonnen habe, sie zu schlagen  (vgl. A11 S. 15 f.), dass sie auch nicht präzise angeben konnte, wann ihre Beziehung zu M.  ihren  Anfang  genommen  habe  (vgl.  A11  S.  9)  und  zudem  äusserst  ungenaue und ausweichende Angaben zum aktuellen Aufenthaltsort ihres  Freundes machte, dass  sie  schliesslich  ihr  genaues Ausreisedatum nicht  angeben  konnte,  was nicht nachvollziehbar ist, dass  die  Asylvorbringen  der  Beschwerdeführerin  daher  als  unglaubhaft  zu bezeichnen sind, dass  im Übrigen  selbst  bei  unterstellter Glaubhaftigkeit  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  bestehen,  die  Beschwerdeführerin  wäre  im  Heimatland in asylrelevanter Weise gefährdet, dass insbesondere die seitens der Beschwerdeführerin geltend gemachte  Furcht,  ihr  Vater  würde  sie  bei  Bekanntwerden  der  Schwangerschaft  töten,  aufgrund  der  Aktenlage  unbegründet  erscheint,  zumal  sie  nie  erwähnte, ihr Vater habe ihr dies ausdrücklich angedroht,

D­3925/2011 dass  es  sich  beim  angeblichen  Problem  zudem  um  eine  private,  familieninterne Angelegenheit handelt, welcher kein asylrelevantes Motiv  im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG zugrunde liegt, dass  sich  die  Beschwerdeführerin  angesichts  der  privaten  und  lokalen  Natur  ihres angeblichen Problems zudem durch einen Umzug  innerhalb  des  Heimatlandes  der  befürchteten  Verfolgung  durch  ihren  Vater  hätte  entziehen und dabei überdies die zuständigen Behörden um Schutz hätte  ersuchen können, dass  das  Bestehen  der  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführerin  nach  dem  Gesagten  ohne  weiteres  ausgeschlossen  werden  kann  und  auch  keine  zusätzlichen  Abklärungen  hinsichtlich  der  Frage  des  Wegweisungsvollzugs  notwendig  erscheinen  (vgl.  dazu  auch  nachfolgend), dass  darauf  verzichtet  werden  kann,  auf  die  Vorbringen  in  der  Beschwerde  einzugehen,  da  sie  an  der  vorstehenden  Einschätzung  nichts zu ändern vermögen, dass das BFM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a  AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten ist, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  EMARK 2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  zu bestätigen ist, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  im  Bereich  des  Asylrechts  vormals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 

D­3925/2011 Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  der  Beschwerdeführerin  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet, dass  überdies  keine  konkreten  und  glaubhaften  Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 (BV, SR 101), von Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) ersichtlich sind,  die in Algerien droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass  weder  die  allgemeine  Lage  im  Heimat­  bzw.  Herkunftsstaat  der  Beschwerdeführerin  noch  individuelle  Gründe  auf  eine  konkrete  Gefährdung im Falle einer Rückkehr schliessen lassen,

D­3925/2011 dass in Algerien im heutigen Zeitpunkt keine Situation allgemeiner Gewalt  herrscht, weshalb der Wegweisungsvollzug dorthin als generell zumutbar  zu bezeichnen ist, dass  es  sich  bei  der  Beschwerdeführerin  den  Akten  zufolge  um  eine  junge  Frau  mit  rudimentärer  Schulbildung  und  ohne  relevante  gesundheitliche  Probleme  handelt,  wobei  insbesondere  keine  Anhaltspunkte auf das Bestehen einer Risikoschwangerschaft hinweisen, dass  sie  in  der  Herkunftsregion  über  ein  familiäres  Beziehungsnetz  verfügt,  welches  sie  bei  Bedarf  unterstützen  könnte,  und  sie  gegebenenfalls  auch  ihre  Freundin  B.  um  Hilfe  bei  der  sozialen  und  wirtschaftlichen Wiedereingliederung bitten könnte, dass nach dem Gesagten nicht zu erwarten  ist, die Beschwerdeführerin  würde  bei  einer  Rückkehr  nach  Algerien  in  eine  existenzbedrohende  Situation  geraten,  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  im  heutigen  Zeitpunkt insgesamt als zumutbar zu erachten ist, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführerin  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen  (Art. 83  Abs. 2  AuG),  und  es  ihr  obliegt,  bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und  dazu  auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ­ 515), dass der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Wegweisung demnach zu  bestätigen ist, dass  es  der  Beschwerdeführerin  somit  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist, da sich die Beschwerde  nach dem Gesagten als aussichtslos erwies, dass  das  Gesuch  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses angesichts des vorliegenden, direkten Entscheids  in  der Hauptsache gegenstandslos geworden ist,

D­3925/2011 dass bei diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten von Fr. 600.–  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut Versand:

D-3925/2011 — Bundesverwaltungsgericht 19.07.2011 D-3925/2011 — Swissrulings