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Bundesverwaltungsgericht 23.01.2012 D-2942/2011

23 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,300 mots·~7 min·3

Résumé

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 23. März 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­2942/2011 Urteil   v om   2 3 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Fulvio Haefeli,    Gerichtsschreiberin Viktoria Szczepinski. Parteien A._______, geboren (…), dessen Ehefrau B._______, geboren (…), sowie deren Tochter C._______, geboren (…), Kolumbien,  c/o schweizerische Vertretung in Bogotá, Kolumbien, Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 23. März 2011 / N (…).

D­2942/2011 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführenden  –  kolumbianische  Staatsangehörige  mit  aktuellem Wohnsitz in D._______, Departement E._______ – stellten am  10. September  2009  bei  der  Schweizer  Vertretung  in  Bogotá  (Eingang  Botschaft:  11. September  2009)  ein  schriftliches  Asylgesuch,  das  sie –  auf  entsprechende  Zusatzfragen  der  Botschaft  hin  –  mit  Eingabe  vom  13. Oktober 2009 ergänzten. B.  Mit  Begleitschreiben  vom  21. Oktober  2009  (Eingang BFM:  30. Oktober  2009)  übermittelte  die  Schweizer  Vertretung  die  Akten  zuständigkeitshalber an das BFM. C.  Mit  Schreiben  vom  10. Februar  2010  und  vom  21. Juni  2010  leitete  die  Schweizer Botschaft  je  eine weitere Eingabe der Beschwerdeführenden  vom 10. Februar 2010 und vom 8. Juni 2010, jeweils mit Beilagen, an das  BFM weiter. D.  Mit  am  30. Juni  2010  über  die  Schweizer  Botschaft  versandtem  Schreiben  vom 31. Mai  2010  teilte  das BFM den Beschwerdeführenden  mit,  es  erachte  den  entscheidrelevanten  Sachverhalt  aufgrund  der  schriftlichen  Begründung  des  Asylgesuches  und  der  beigelegten  ausführlichen Dokumentation als erstellt, weshalb eine Anhörung auf der  Botschaft  nicht  notwendig  erscheine.  Im  Weiteren  erwäge  es  unter  Berücksichtigung  der  Akten  und  aller  Faktoren  (Beziehungsnähe  zur  Schweiz und hiesige Assimilationsmöglichkeiten, aktuelle Gefährdung im  Heimatstaat,  Möglichkeit  der  Schutzsuche  in  einem  anderen  Staat,  öffentliches Interesse der Schweiz), die Asylgesuche abzulehnen und die  Einreise  zu  verweigern.  Insbesondere  erachte  es  die  Möglichkeit  einer  anderweitigen  Schutzsuche  als  gegeben.  Das  Bundesamt  räumte  den  Beschwerdeführenden  die  Gelegenheit  ein,  sich  dazu  innert  dreissig  Tagen ab Erhalt des Schreibens zu äussern, verbunden mit dem Hinweis,  dass  bei  ungenutztem  Fristablauf  aufgrund  der  bestehenden  Aktenlage  entschieden werde. Das Schreiben traf am 2. Juli 2010 bei den Beschwerdeführenden ein.

D­2942/2011 E.  Am  6. Juli  2010  ging  der  Vertretung  in  Bogotá  eine  Stellungnahme  der  Beschwerdeführenden zum sich abzeichnenden negativen Asylentscheid  mit  weiteren  Beweismitteln  zu,  welche  am  13. Juli  2010  an  das  BFM  weitergeleitet wurde. F.  Am 7. Dezember  2010  richteten  die  Beschwerdeführenden  ein weiteres  Schreiben  mit  Beilagen  an  die  Vertretung  in  Bogotá,  welches  am  21. Dezember 2010 an das Bundesamt weitergeleitet wurde. G.  Die  Beschwerdeführenden machten  in  ihren  Eingaben  im Wesentlichen  geltend,  sie  seien  in  F._______,  Departement  G._______,  wohnhaft  gewesen.  Am  [Datum]  habe  die  (…)  Guerillagruppierung  FARC  ihre  (zweite)  Tochter  getötet,  weil  sich  der  Beschwerdeführer  gegen  seine  Zwangsrekrutierung  geweigert  habe.  Aus  diesem Grund  hätten  sich  die  Beschwerdeführenden nach H._______ begeben. Am [Datum] seien zwei  Männer auf einem Motorrad zu ihnen nach Hause gekommen und hätten  ihnen ausrichten lassen, dass man über ihren Aufenthaltsort informiert sei  und  den  Beschwerdeführer  umbringen  werde,  weil  er  Kronzeuge  im  Mordprozess seiner Tochter sei. Wegen der Drohungen durch die FARC  in  H._______  hätten  sich  die  Beschwerdeführenden  am  [Datum]  nach  D._______,  Departement  E._______,  begeben.  Die  Vorfälle  hätten  sie  bei  der  "Fiscaliía",  dem  Innen­  und  Justizministerium  und  weiteren  Institutionen  gemeldet.  In  Venezuela  hätten  sie  kein  Asylgesuch  stellen  können,  da  dort  Kolumbianer  umgebracht  würden.  Auch  in  Peru  seien  diese  wegen  des  Präsidenten  von  Kolumbien,  Álvaro  Uribe  Vélez,  unbeliebt; gleiches gelte für Ecuador. H.  Mit  durch  die  Schweizer  Vertretung  an  die  Beschwerdeführenden  versandter  und  ihnen  am  30. April  2011  zugegangener  Verfügung  vom  23. März  2011  verweigerte  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  die  Einreise  in  die  Schweiz  und  lehnte  deren  Asylgesuche  ab.  Zur  Begründung führte es in formeller Hinsicht aus, dass in den vorliegenden  Fällen  die  Voraussetzungen  für  ein  Absehen  von  einer  Anhörung  der  Beschwerdeführenden  gegeben  seien  und  sie  die  Möglichkeit  erhalten  hätten, sich dazu zu äussern. Im Wesentlichen sei in materieller Hinsicht,  soweit die Bedrohungen seitens der Guerillabewegung FARC betreffend,  festzuhalten,  dass  der  kolumbianische  Staat  grundsätzlich  über  eine 

D­2942/2011 funktionierende  und  effiziente  Schutzinfrastruktur,  insbesondere  über  einen  funktionierenden  Polizeiapparat  sowie  über  ein  Rechts­  und  Justizsystem  verfüge.  Da  der  kolumbianische  Staat  die  Aktivitäten  der  Guerilla  im  Rahmen  des  Möglichen  bekämpfe,  könne  dessen  Schutzwilligkeit  als  gegeben  erachtet  werden.  Schliesslich  gelte  es  festzuhalten, dass es keinem Staat gelinge, die absolute Sicherheit aller  seiner  Bürger  jederzeit  und  überall  zu  garantieren.  Zudem  hätten  die  Beschwerdeführenden dem Asylgesuch Drohbriefe der paramilitärischen  Gruppierung "Águilas Negras" beigelegt. Allerdings hätten sie im Gesuch  nie  eine  Verfolgung  dieser  Gruppierung  erwähnt.  Die  Drohbriefe  hätten  sich auch nicht persönlich gegen die Beschwerdeführenden gerichtet. Es  handle  sich  vielmehr  um  allgemeine  Drohungen  gegen  zahlreiche  Nichtregierungsorganisationen  und weitere  Institutionen.  Es  sei  deshalb  davon  auszugehen,  dass  ihnen  von  dieser  Seite  keine  akute  Gefahr  drohe.  Da  es  sich  bei  den  Beschwerdeführenden  überdies  nicht  um  landesweit  bekannte  Persönlichkeiten  handle,  sei  nicht  anzunehmen,  dass  ihre Verfolger  sie  an  einem  beliebigen Ort  in  Kolumbien  ausfindig  machen  könnten.  Die  Beschwerdeführenden  hätten  zwar  geltend  gemacht,  ihren Wohnort  mehrmals  gewechselt  zu  haben.  Trotzdem  sei  anzunehmen,  dass  für  die  Beschwerdeführenden  Fluchtalternativen  bestünden  und  dass  sie  sich  in  einer  anderen  Region  innerhalb  von  Kolumbien den Übergriffen seitens der Guerilla zumindest vorübergehend  entziehen könnten. Demzufolge seien sie keiner unmittelbaren Gefahr im  Sinne  des  Asylgesetzes  ausgesetzt  und  bedürften  dementsprechend  auch  nicht  des  Schutzes  der  Schweizer  Behörden.  Ferner  sei  es  den  Beschwerdeführenden  möglich  und  zumutbar,  gegebenenfalls  in  einem  anderen Land als der Schweiz um Schutz nachzusuchen, beispielsweise  in einem der Nachbarstaaten Kolumbiens, welche sowohl das Abkommen  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 0.142.30)  als  auch  das  entsprechende  Zusatzprotokoll  vom  31. Juli  1967 ratifiziert hätten; besonders nahe Beziehungen zur Schweiz hätten  die Beschwerdeführenden in ihrem Asylgesuch nicht geltend gemacht. I.  Mit Eingaben vom 3. sowie 10. Mai 2011 an die Schweizer Vertretung in  Bogotá  (Eingang  Botschaft:  16. Mai  2011)  erhoben  die  Beschwerdeführenden  gegen  diese  Verfügung  Beschwerde,  welche  in  der  Folge  zuständigkeitshalber  an  das  Bundesverwaltungsgericht  weitergeleitet  wurden.  Dabei  beantragten  sie  –  im  Wesentlichen  unter  Wiederholung  der  im  erstinstanzlichen  Verfahren  geltend  gemachten 

D­2942/2011 Vorbringen – sinngemäss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung  und die Schutzgewährung in der Schweiz. J.  Mit  Schreiben  vom  3. September  2011  wandten  sich  die  Beschwerdeführenden erneut an die Botschaft. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Die  Frage  eines  Auslieferungsgesuches  stellt  sich  vorliegend  nicht,  weil  sich  die  Beschwerdeführenden  in  Kolumbien  aufhalten,  und  demnach  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig  entscheidet. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1  sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

D­2942/2011 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Die  Abteilungen  des  Bundesverwaltungsgerichts  entscheiden  in  der  Regel  in  der  Besetzung  mit  drei  Richtern  oder  Richterinnen  (Spruchkörper:  vgl.  Art. 21  VGG).  Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  kann  das  Gericht  auch  in  solchen  Fällen  auf  die  Durchführung  eines  Schriftenwechsels verzichten. 4.  4.1.  Ein  Asylgesuch  kann  gemäss  Art. 19  AsylG  im  Ausland  bei  einer  schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an  das  Bundesamt  überweist  (Art. 20  Abs. 1  AsylG).  Hinsichtlich  des  Verfahrens bei  der  schweizerischen Vertretung  im Ausland  sieht Art. 10  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person  in  der  Regel  eine  Befragung  durchführt  (Art. 10  Abs. 1  AsylV 1).  Ist  dies  nicht  möglich,  so  wird  die  asylsuchende  Person  aufgefordert,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten  (Art. 10  Abs. 2  AsylV 1).  Allerdings  kann  sich  eine  Befragung  beziehungsweise  eine  schriftliche  Sachverhaltsabklärung erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund  des  eingereichten  Asylgesuchs  als  entscheidreif  erstellt  erscheint;  der  asylsuchenden Person ist aber diesfalls im Sinne des rechtlichen Gehörs  die  Gelegenheit  zu  geben,  sich  zu  einem  abzusehenden  negativen  Entscheid  zumindest  schriftlich  zu  äussern  (vgl.  BVGE  2007/30 E. 5.7).  Sodann ist das Bundesamt in jedem Fall gehalten, den Verzicht auf eine  Befragung  in  der  anfechtbaren  Verfügung  zu  begründen  (BVGE  a.a.O.  E. 5.6 sowie 5.7). 4.2. Die  Beschwerdeführenden  sind  von  der  Vertretung  in  Bogotá  nicht  mündlich  befragt  worden.  Sie  haben  ihre  Vorbringen  jedoch  in  ihrem  Asylgesuch  vom  10. September  2009  und  in  den  folgenden  Eingaben  schriftlich  dargelegt  und  dokumentiert.  Ausserdem  ist  ihnen  mit  Zwischenverfügung des BFM vom 31. Mai 2010 das rechtliche Gehör im  Hinblick auf die in Erwägung gezogene Abweisung der Gesuche gewährt  worden.  Sie  haben  von  ihrem  Recht  auf  Stellungnahme  in  der  Folge  Gebrauch  gemacht.  Aufgrund  der  einlässlichen  Ausführungen  der  Beschwerdeführenden  in  ihrem  schriftlichen  Asylgesuch  und  den 

D­2942/2011 weiteren Eingaben sowie der zahlreich eingereichten Beweismittel ist der  Sachverhalt  –  wie  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  zu  Recht  ausführt – erstellt. Schliesslich hat das BFM sowohl in seinem Schreiben  vom  31. Mai  2010  als  auch  in  seiner  Verfügung  vom  23. März  2011  hinlänglich  zum  Ausdruck  gebracht,  welche  Gründe  dazu  führten,  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  abzuweisen  beziehungsweise  ihnen die Einreise in die Schweiz zu verweigern (vgl. Sachverhalt Bstn. D.  und  H.).  Das  BFM  hat  den  verfahrensrechtlichen  Vorschriften  damit  Genüge getan. 5.  5.1.  Das  Bundesamt  kann  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen,  wenn  die  asylsuchenden  Personen  keine  Verfolgung  glaubhaftmachen  können  oder  ihnen  die  Aufnahme  in  einem  Drittstaat  zugemutet  werden  kann  (vgl.  Art. 3,  Art. 7  und  Art. 52  Abs. 2  AsylG).  Gemäss  Art. 20  Abs. 2  AsylG  bewilligt  das  BFM  Asylsuchenden  die  Einreise  zur Abklärung  des Sachverhaltes, wenn  ihnen  nicht  zugemutet  werden kann,  im Wohnsitz­ oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder  in ein  anderes Land auszureisen. 5.2.  Bei  diesem  Entscheid  gelten  restriktive  Voraussetzungen  für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im  Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2e­g S.  131  ff.;  die  dort  beschriebene  Praxis  hat  nach  bloss  redaktionellen  Änderungen bei der  letzten Totalrevision des Asylgesetzes nach wie vor  Gültigkeit). 6.  6.1.  Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  zunächst zum Schluss, dass die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, die  Beschwerdeführenden  hätten  in  ihrem  Gesuch  keine  besonders  nahen  Beziehungen zur Schweiz geltend gemacht. Im Weiteren hat das BFM zu  Recht  erwogen,  dass  es  den  Beschwerdeführenden  zuzumuten  sei,  in  einem  anderen  Land  um  Asylgewährung  nachzusuchen  (Art. 52  Abs. 2 

D­2942/2011 AsylG).  So  sind  beispielsweise  die  Nachbarstaaten  Brasilien,  Ecuador,  Panama  und  Peru  Vertragsparteien  sowohl  der  FK  als  auch  des  betreffenden  Zusatzprotokolls  vom  31. Januar  1967;  Venezuela  wiederum hat zwar das Abkommen selbst nicht  ratifiziert, wohl aber das  Protokoll.  Diese  Länder  verfügen  mit  Ausnahme  Venezuelas  über  ein  eigenes,  gesetzlich  geregeltes  Verfahren  zur  Anerkennung  von  Flüchtlingen.  Zudem  halten  sie  sich  gemäss  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  grundsätzlich  an  das  Gebot  des  Non­ Refoulements von Art. 33 FK, auch wenn als Einschränkung  festgestellt  werden  muss,  dass  es  in  den  Grenzgebieten  –  insbesondere  in  denjenigen  zu  Panama  und  Venezuela  –  in  den  letzten  Jahren  zu  unkontrollierten  Rückschiebungen  durch  die Grenzbehörden  gekommen  ist. Für die praktische Möglichkeit und die Zumutbarkeit der anderweitigen  Schutzsuche  spricht  im  Weiteren  die  Möglichkeit  der  visumsfreien  Einreise  nach  Brasilien,  Ecuador  und  Peru  sowie  der  Umstand,  dass  jährlich  mehrere  tausend  kolumbianische  Staatsangehörige  in  den  Nachbarländern – namentlich in Ecuador – um Asyl nachsuchen und dort  zu  einem  beträchtlichen  Teil  auch  tatsächlich  als  Flüchtlinge  anerkannt  werden.  Insgesamt  ergeben  sich  keine  Anhaltspunkte,  die  darauf  schliessen liessen, es sei den Beschwerdeführenden praktisch unmöglich  oder objektiv unzumutbar, sich in einen anderen Staat – insbesondere in  einen der Nachbarstaaten Kolumbiens – zu begeben (vgl. EMARK 2004  Nr. 20 und 1997 Nr. 15). 6.2.  Bei  dieser  Sachlage  kann  letztlich  offen  bleiben,  ob  die  Beschwerdeführenden  in  Kolumbien  tatsächlich  einer  Verfolgung  im  Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt wären oder sich allenfalls den geltend  gemachten  Bedrohungen  seitens  der  FARC  beziehungsweise  paramilitärischen  Gruppierungen  durch  eine  innerstaatliche  Wohnsitzverlegung dauerhaft entziehen könnten. 6.3. Nach  dem  Gesagten  ist  zusammenfassend  festzuhalten,  dass  die  Beschwerdeführenden  aufgrund  der  Akten  über  keine  konkrete  Beziehungsnähe  zur  Schweiz  verfügen,  hingegen  die  Möglichkeit  der  anderweitigen  Schutzsuche  haben.  Unter  diesen  Umständen  hat  die  Vorinstanz  den  Beschwerdeführenden  zu  Recht  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung verweigert und die Asylgesuche abgewiesen. 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 

D­2942/2011 vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  Abs. 1  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG).  Aus  verwaltungsökonomischen  Gründen  sowie  in  Anwendung  von  Art. 63  Abs. 1  in  fine  VwVG  und  Art. 2  und  6  Bst. b  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 173.320.2)  ist  vorliegend  auf  die  Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­2942/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  Schweizerische Vertretung in Bogotá. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Viktoria Szczepinski Versand:

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