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Bundesverwaltungsgericht 21.07.2011 D-2680/2011

21 juillet 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,279 mots·~6 min·2

Résumé

Familienzusammenführung (Asyl) | Familienzusammenführung (Asyl); Verfügung des BFM vom 13. April 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­2680/2011 Urteil   v om   2 1 .   Juli   2011 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, Richter Hans Schürch,  Gerichtsschreiber Martin Scheyli Parteien A._______B._______, geboren [...], Eritrea,  vertreten durch lic. iur. Patricia Müller, Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende Solothurn,  Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,  Vorinstanz Gegenstand Familienzusammenführung (Asyl);  Verfügung des BFM vom 13. April 2011

D­2680/2011 Sachverhalt: A.  Der Sohn der Beschwerdeführerin, B._______ B._______ [...], wurde mit  Verfügung  des Bundesamts  für Migration  (BFM)  vom 18. April  2008  als  Flüchtling anerkannt; zugleich wurde ihm in der Schweiz Asyl gewährt. B.  Mit Eingabe vom 15. November 2010 stellte B._______ B._______ beim  BFM  in  Bezug  auf  die  Beschwerdeführerin  ein  Gesuch  um  Familienzusammenführung  beziehungsweise  um  Einbezug  in  seine  Flüchtlingseigenschaft.  C.  Mit  Verfügung  vom  27. Dezember  2010  bewilligte  das  Bundesamt  die  Einreise der Beschwerdeführerin  in die Schweiz.  In der Folge  reiste die  Beschwerdeführerin am 31. Januar 2011 in die Schweiz ein.  D.  Das  BFM  befragte  die  Beschwerdeführerin  am  10.  Februar  2011  summarisch  und  am  1.  April  2011  eingehend  zu  den  Gründen  ihrer  Gesuchstellung.  E.  Mit  Verfügung  vom  13. April  2011  lehnte  das  BFM  das  Gesuch  um  Einbezug  der  Beschwerdeführerin  in  die  Flüchtlingseigenschaft  von  B._______ B._______ ab. Des Weiteren stellte das Bundesamt  fest, die  Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte ihr  Asylgesuch  ab.  Indessen  ordnete  das  Bundesamt  die  vorläufige  Aufnahme  der  Beschwerdeführerin  in  der  Schweiz  wegen  Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung an.  F.  Mit  Eingabe  ihrer  Rechtsvertreterin  vom  9. Mai  2011  focht  die  Beschwerdeführerin  die  Verfügung  des  BFM  vom  13. April  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht an. Dabei beantragte sie, es sei die Ziff. 1  im  Dispositiv  der  genannten  Verfügung  aufzuheben,  und  sie  sei  gemäss  Art. 51 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) in  die  Flüchtlingseigenschaft  ihres  Sohnes  einzubeziehen.  In  prozessualer  Hinsicht  ersuchte  sie  ausserdem  darum,  es  seien  ihr  die  unentgeltliche  Prozessführung  im  Sinne  von  Art.  65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 

D­2680/2011 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  und Einsicht in die Verfahrensakten zu gewähren. G.  Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters vom 18. Mai 2011 wurden  die  Gesuche  um  unentgeltliche  Prozessführung  gemäss  Art. 65  Abs. 1  VwVG  und  um  Akteneinsicht  gutgeheissen.  Zudem  wurde  der  Beschwerdeführerin  die  Gelegenheit  erteilt,  bis  zum  3. Juni  2011  eine  Ergänzung  ihrer  Beschwerde  einzureichen.  In  Bezug  auf  die  mit  der  Beschwerdeschrift geltend gemachten gesundheitlichen Probleme wurde  die  Beschwerdeführerin  zur  Einreichung  ärztlicher  Zeugnisse  aufgefordert.  H.  Mit  Eingabe  ihrer  Rechtsvertreterin  vom  31.  Mai  2011  reichte  die  Beschwerdeführerin eine Beschwerdeergänzung, drei ärztliche Zeugnisse  sowie eine Entbindungserklärung von der ärztlichen Schweigepflicht ein. I.  Mit Vernehmlassung vom 13. Juni 2011 hielt das BFM vollumfänglich an  seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.  Davon  wurde  der  Beschwerdeführerin  mit  Schreiben  vom  6.  Juli  2011  Kenntnis gegeben.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Über  Beschwerden  gegen  Verfügungen, die gestützt auf das AsylG durch das BFM erlassen worden  sind,  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  grundsätzlich  (mit  Ausnahme  von  Verfahren  betreffend  Personen,  gegen  die  ein  Auslieferungsersuchen  des  Staates  vorliegt,  vor  welchem  sie  Schutz  suchen)  endgültig  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31­33  VGG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).

D­2680/2011 1.2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  können  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Missbrauch  und  Überschreitung  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  Die  Beschwerdeführerin  ist  legitimiert;  auf  ihre  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  einzutreten  (Art. 6  AsylG  i.V.m.  Art. 48  Abs. 1, Art. 50 und 52 VwVG). 3.  3.1.  Nachdem  das  BFM  der  Beschwerdeführerin  mit  Verfügung  vom  27. Dezember  2010  die  Einreise  in  die  Schweiz  bewilligte  und  mit  der  vorliegend angefochtenen Verfügung vom 13. April 2011 deren vorläufige  Aufnahme in der Schweiz anordnete, ist nachfolgend einzig zu beurteilen,  ob das BFM zu Recht  zum Schluss gelangt  ist,  die Beschwerdeführerin  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  und  sei  auch  nicht  in  die  Flüchtlingseigenschaft  ihres  Sohnes  B._______  B._______  einzubeziehen. 3.2. In Bezug auf die Beschwerdeführerin wurden weder gegenüber dem  BFM  noch  im  vorliegenden  Verfahren  spezifische,  sich  auf  ihre  eigene  Person  beziehende  Gründe  im  flüchtlingsrechtlichen  Sinn  vorgebracht.  Insofern  hat  die  Vorinstanz  im  Ergebnis  zutreffenderweise  die  Einschätzung  getroffen,  die  Beschwerdeführerin  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft nicht.  3.3.  Des  Weiteren  ist  zu  prüfen,  ob  das  Bundesamt  auch  die  Einbeziehung der Beschwerdeführerin in die Flüchtlingseigenschaft  ihres  Sohnes B._______ B._______ zu Recht abgelehnt hat.  3.3.1.  Ehegatten,  eingetragene  Partnerinnen  und  Partner  von  Flüchtlingen  und  ihre  minderjährigen  Kinder  werden  als  Flüchtlinge  anerkannt und erhalten Asyl, wenn keine besonderen Umstände dagegen  sprechen  (Art. 51  Abs. 1  AsylG).  Andere  nahe  Angehörige  von  in  der  Schweiz  lebenden  Flüchtlingen  können  in  das  Familienasyl  eingeschlossen  werden,  wenn  besondere  Gründe  für  die  Familienvereinigung  sprechen  (Art. 51  Abs. 2  AsylG).  Andere  nahe  Angehörige im Sinne von Art. 51 Abs. 2 AsylG sind insbesondere dann zu  berücksichtigen, wenn sie behindert sind oder aus einem anderen Grund 

D­2680/2011 auf  die  Hilfe  einer  Person,  die  in  der  Schweiz  lebt,  angewiesen  sind  (Art. 38  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]).  3.3.2. Besondere Gründe, die für eine Familienvereinigung im Sinne von  Art. 51  Abs. 2  AsylG  sprechen,  liegen  nach  der  Praxis  vor,  wenn  die  einzubeziehenden  nahen  Angehörigen  einer  besonderen  Unterstützung  im  Sinne  einer  persönlichen  Fürsorge  bedürfen,  die  nur  die  in  der  Schweiz lebenden, asylberechtigten Familienangehörigen zu erbringen in  der  Lage  sind  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [ehemaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr. 24  E. 3,  EMARK 2000 Nr. 27 E. 5 f., EMARK 2000 Nr. 21 E. 6.c). Ausnahmsweise  kann  die  Abhängigkeit  und  Betreuungsbedürftigkeit  auf  Seiten  der  als  Flüchtling  anerkannten  und  Asyl  geniessenden  Person  liegen  (EMARK  1994  Nr. 9  E. 2c).  Bei  der  Gewährung  von  Familienasyl  im  Sinne  von  Art. 51  Abs. 2  AsylG  wird  zudem  vorausgesetzt,  dass  die  betreffende  Person mit  dem  in  der  Schweiz  anerkannten  Flüchtling  im Moment  der  Flucht  in  einem  gemeinsamen  Haushalt  gelebt  hat,  eine  Wiederherstellung  dieser  Gemeinschaft  unentbehrlich  ist  und  in  der  Schweiz  auch  tatsächlich  angestrebt  wird  (vgl.  EMARK  2000  Nr.  11,  EMARK 2001 Nr. 24 E. 3 S. 191). 3.3.3.  Das  BFM  hat  das  Vorhandensein  der  soeben  umschriebenen  Voraussetzungen des Familienasyls  in der angefochtenen Verfügung  im  Wesentlichen  folgendermassen  verneint:  Bei  der Anhörung  vom 1. April  2011  habe  die  Beschwerdeführerin  angegeben,  in  Eritrea  sei  oft  ihre  Tochter zu ihr nach Hause gekommen und habe sich um sie gekümmert.  Auch  die  Kinder  ihrer  verstorbenen  Schwester  hätten  sie  besucht  und  Erledigungen  gemacht.  Ihr  in  der  Schweiz  lebender  Sohn  habe  sie  finanziell unterstützt und ihr die von ihrem Arzt  in Eritrea verschriebenen  Medikamente  geschickt.  Anlässlich  der  genannten  Anhörung  habe  die  Beschwerdeführerin  ausserdem  ausgeführt,  sie  wolle  nicht  bei  ihrem  Sohn  B._______  B._______  beziehungsweise  ihrer  Schwiegertochter  wohnen,  sondern  in  einer  eigenen Unterkunft  leben. Angesichts  dessen  könne  nicht  von  einem  Abhängigkeitsverhältnis  zwischen  der  Beschwerdeführerin  und  ihrem Sohn  gesprochen werden,  weshalb  sich  ein Einbezug in dessen Flüchtlingseigenschaft nicht rechtfertigen lasse. 3.3.4.  Im  Rahmen  des  Beschwerdeverfahrens  wird  im  Wesentlichen  geltend  gemacht,  die  Beschwerdeführerin  habe  die  Situation  in  Eritrea  anlässlich  ihrer  Befragungen  beschönigt  dargestellt,  da  sie  ihre  Familie 

D­2680/2011 nicht  in  ein  schlechtes Licht  habe stellen wollen. Sie habe eine betagte  Schwester,  von  der  sie  aber  höchstens  einmal  jährlich  besucht  worden  sei. Die Kinder  ihrer Schwester  hätten  sie  ebenfalls  nur  selten besucht.  Ihre  beiden  Grossneffen  seien  berufstätig  und  hätten  kaum  je  bei  ihr  vorbeikommen  können.  Ihre  Grossnichte  habe  selbst  fünf  Kinder  und  kaum je Zeit für sie. Ihre Tochter lebe in der Umgebung von Asmara mit  ihrem Kind und den betagten Schwiegereltern. Von der Tochter habe die  Beschwerdeführerin  zwar  Besuch  erhalten,  aber  nicht  so  oft,  wie  anlässlich  der  Anhörungen  angegeben.  Insbesondere  aber  sei  es  jener  völlig  unmöglich  gewesen,  die  Beschwerdeführerin  bei  sich  aufzunehmen.  Die  Hilfeleistungen  ihrer  Verwandten  in  Eritrea  seien  ungenügend.  Insbesondere sei es zu Schwierigkeiten gekommen, wenn  sie  schnell  Hilfe  benötigt  habe.  Sie  sei  deshalb  dringend  auf  die  Unterstützung  ihres  Sohnes  in  der  Schweiz  angewiesen  gewesen,  weshalb  sie  sich  schliesslich  zur  Ausreise  entschlossen  habe.  Die  Aussage der Beschwerdeführerin anlässlich  ihrer Anhörungen,  sie wolle  in der Schweiz alleine wohnen, sei auf  ihren Stolz und einen Mangel an  Realitätssinn  zurückzuführen.  Indessen  könne  sie  nicht  mehr  alleine  in  einer  Wohnung  leben  und  sei  auf  die  Hilfe  ihrer  Schwiegertochter  angewiesen. Sie  sei  nahezu blind  und habe grosse Schwierigkeiten mit  dem  Gehen.  Insofern  sei  sie  in  hohem  Mass  auf  die  persönliche  Hilfe  ihrer  Familienangehörigen  in  der  Schweiz  angewiesen,  womit  die  Voraussetzungen  für  den  Einbezug  in  die  Flüchtlingseigenschaft  ihre  Sohnes B._______ B._______ gegeben seien.  3.3.5.  Aus  den  mit  der  Beschwerdeergänzung  vom  31.  Mai  2011  eingereichten  ärztlichen  Zeugnissen  geht  im  Wesentlichen  Folgendes  hervor: Gemäss  einem Schreiben  von Dr. med. C._______ D._______,  Ärztin  für  Allgemeine  Medizin  in  E._______,  vom  29. April  2011  stehe  fest,  dass  die  Beschwerdeführerin  auf  dem  linken  Auge  blind  sei.  Aus  einem ärztlichen Zeugnis von Dr. med. F._______ G._______, Augenarzt  in  E._______,  vom  9. Mai  2011  geht  hauptsächlich  hervor,  dass  die  Beschwerdeführerin  verschiedene  Augenleiden  habe,  wobei  der  Fernvisus  (Sehschärfe  ab  einer  Entfernung  von  einem  Meter)  nicht  überprüfbar  sei.  Aus  einem  weiteren  ärztlichen  Bericht  von  Dr.  med.  C._______ D._______ vom 23. Mai 2011 ergibt sich ausserdem, dass die  Beschwerdeführerin beim Gehen in den Beinen Schmerzen habe und an  einer  Gonarthrose  (Arthrose  des  Kniegelenks)  leide.  Sie  benötige  sicherlich Hilfe bei der Bewältigung  ihres Alltags. Sie könne wohl selber  kochen,  waschen  und  sich  ankleiden,  benötige  aber  im  Haushalt  beim 

D­2680/2011 Heben  schwererer  Gegenstände  Hilfe.  Beim  Einkaufen  und  bei  Arztbesuchen brauche sie jemanden, der übersetze. 3.3.6.  Angesichts  der  vorliegenden  ärztlichen  Zeugnisse  ist  nicht  zu  bezweifeln,  dass  die  Beschwerdeführerin,  die  73  Jahre  alt  ist,  an  gesundheitlichen  Problemen  leidet,  die  sie  in  ihrem  Alltag  in  nicht  unerheblichem  Ausmass  von  der  Unterstützung  anderer  Personen  abhängig  machen.  Allerdings  ist  hinsichtlich  der  gesetzlichen  Voraussetzungen  der  Familienvereinigung  im  Sinne  von  Art. 51  Abs. 2  AsylG  festzustellen,  dass  die  Beschwerdeführerin  bereits  in  Eritrea  von  mehreren  Familienangehörigen  verschiedenen  Verwandtschaftsgrads  in  gewisser  Weise  Unterstützung  erfuhr,  wenn  auch  in  unterschiedlicher  Intensität und Häufigkeit. Im Einzelnen erwähnte die Beschwerdeführerin  in  diesem  Zusammenhang  ihre  Schwester  und  deren  Kinder,  ihre  Grossneffen,  ihre  Grossnichte  sowie  insbesondere  ihre  Tochter.  Es  ist  davon  auszugehen,  dass  es  für  die  Beschwerdeführerin  in  Eritrea  nicht  immer einfach gewesen sein dürfte, jederzeit ­ nämlich im Alltag, wie die  im Beschwerdeverfahren eingereichten ärztlichen Zeugnisse nahelegen ­  die  adäquate  Unterstützung  ihrer  Verwandten  zu  erlangen.  Jedoch  erscheint  es  aus  Sicht  der  persönlichen  Lebensumstände  in  Eritrea  gleichwohl  ­  und  zwar  unter  Berücksichtigung  der  gesundheitlichen  Leiden  ­  nicht  eindeutig  ersichtlich,  weshalb  einzig  ihr  in  der  Schweiz  lebender  Sohn  dazu  hätte  in  der  Lage  sein  sollen,  der  Beschwerdeführerin  die erforderliche Unterstützung  zu  leisten. Dabei  ist  darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin gemäss dem ärztlichen  Zeugnis von Dr. med. C._______ D._______ vom 23. Mai 2011 zwar auf  eine  gewisse  Unterstützung  in  Belangen  des  täglichen  Lebens  angewiesen ist; von einer eigentlichen Pflegebedürftigkeit ist jedoch nicht  die Rede. So ist zwar möglicherweise davon auszugehen, dass es für die  Angehörigen  der  Beschwerdeführerin  in  Eritrea  einer  gewissen  Härte  gleichgekommen  wäre,  für  die  Beschwerdeführerin  eine  regelmässige  Unterstützung  und  Pflege  zu  organisieren  oder  sie  allenfalls  sogar  bei  sich  aufzunehmen.  Gleichzeitig  ist  aber  nicht  einzusehen,  weshalb  es  insbesondere  für  die  (wie  die  Beschwerdeführerin  selbst  in  der  Hauptstadt  Asmara  lebende)  Tochter  H._______  hätte  ausgeschlossen  sein  sollen,  gegebenenfalls mit  Hilfe  weiterer  Verwandter  für  die  nötige  Unterstützung der Beschwerdeführerin zu sorgen.  3.3.7. Zusammenfassend  erweist  sich  somit,  dass  die  gesetzlichen  und  praxisgemässen Voraussetzungen  (vgl.  E. 3.3.1  f.)  für  einen Einschluss  der  Beschwerdeführerin  in  die  Flüchtlingseigenschaft  ihres  Sohnes 

D­2680/2011 B._______  B._______  nicht  erfüllt  sind.  Nachdem  das  BFM  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  zutreffenderweise  abgelehnt  hat  (E. 3.2),  erfolgte  somit  auch  die  Ablehnung  des  Gesuchs  um  Familienvereinigung im Sinne von Art. 51 Abs. 2 AsylG zu Recht.  4.  4.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).  4.2. Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 4.3.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]).  4.4.  Die  Vorinstanz  hat  mit  ihrer  Verfügung  vom  13. April  2011  die  Beschwerdeführerin  infolge  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  vorläufig  in  der  Schweiz  aufgenommen.  Damit  erübrigen  sich  zum  heutigen  Zeitpunkt  praxisgemäss  Erwägungen  zur  Wegweisung  respektive zur Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Ergänzend ist  zu  erwähnen,  dass  jene  Dispositivziffern  der  genannten  Verfügung,  welche  die  Durchführbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  betreffen,  durch  die Beschwerdeführerin nicht angefochten worden sind. 5.  Aus  dem  Gesagten  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist folglich abzuweisen. 6.  Bei  diesem Ausgang des Verfahrens wären  dessen Kosten  an  sich  der  Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Indessen  wurde  der mit  der Beschwerdeschrift  gestellte Antrag  auf  unentgeltliche 

D­2680/2011 Prozessführung  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  mit  Zwischenverfügung  vom  18.  Mai  2011  gutgeheissen.  Somit  hat  die  Beschwerdeführerin keine Verfahrenskosten zu tragen. (Dispositiv nächste Seite)

D­2680/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin und das BFM. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Martin Scheyli Versand:

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