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Bundesverwaltungsgericht 10.08.2011 D-1972/2011

10 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,606 mots·~8 min·1

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch (erneutes Asylverfahren Schweiz) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 25. März 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­1972/2011 law/mah Urteil   v om   1 0 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Walter Stöckli, Richterin Contessina Theis, Gerichtsschreiberin Sarah Mathys. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, vertreten durch lic. iur. Felice Grella, Erdös & Lehmann  Rechtsanwälte,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 25. März 2011 / N (…).

D­1972/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  das  BFM  das  erste  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  vom  17. Oktober  2003  mit  Verfügung  vom  8. Dezember  2005  ablehnte,  die  Wegweisung aus der Schweiz verfügte und deren Vollzug anordnete, dass  die  damals  zuständige  Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK) eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 9. Januar  2006 mit Urteil vom 14. Juni 2006 abwies, dass  das  BFM  daraufhin  dem  Beschwerdeführer  eine  Frist  bis  zum  18. August 2006 zum Verlassen der Schweiz einräumte, dass  der  Beschwerdeführer  nach  eigenen  Angaben  die  Schweiz  am  18. August 2006 verlassen hatte, in die Türkei zurückgekehrt war, um den  Jahreswechsel 2008/2009 sein Heimatland erneut verlassen hat und am  12. Februar 2011 in die Schweiz eingereist ist, dass  der  Beschwerdeführer  am  12. Februar  2011  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen ein zweites Asylgesuch einreichte, dass das BFM mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 25. März 2011  auf das zweite Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 12. Februar 2011  nicht eintrat, dessen Wegweisung aus der Schweiz anordnete, ihn – unter  Androhung  von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  –  aufforderte,  die  Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft zu verlassen, feststellte, der  Kanton  (…)  sei  verpflichtet  die  Wegweisung  zu  vollziehen,  dem  Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis  aushändigte und eine Gebühr in der Höhe von Fr. 600.– erhob, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  1. April  2011  (Datum  Poststempel)  mittels  seines  Rechtsvertreters  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  beantragen  liess,  es  sei  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben,  auf  das  Asylgesuch  einzutreten  und  der  Beschwerdeführer  dem  Kanton  (…)  zuzuweisen,  eventualiter  sei  der Streitgegenstand zur ergänzenden und  rechtsgenügenden  Sachverhaltsabklärung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen,  dass er zudem in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragen  liess, es sei  der  Beschwerde  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen,  ihm  die  unentgeltliche  Prozessführung  und  die  unentgeltliche 

D­1972/2011 Rechtsverbeiständung  zu  gewähren  und  ihm  eine  angemessene  Parteientschädigung zuzusprechen, dass er ferner beantragte, das BFM sei anzuweisen, dem Rechtsvertreter  die  Akten  (inklusive  Akten  des  ersten  Asylverfahrens)  zwecks  Akteneinsicht  zukommen  zu  lassen  und  nach  Eingang  der  Akten  eine  angemessene  Nachfrist  zur  Beschwerdeergänzung  einzuräumen  und  schliesslich  sei  ihm  eine  ausreichende  Frist  zu  gewähren,  um  Beweismittel einzureichen, dass  der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  mit  Verfügung vom 11. April 2011 auf den Antrag, es sei der Beschwerde die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen,  nicht  eintrat,  feststellte,  der  Beschwerdeführer  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten, die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  und um Ansetzung einer Frist zur Einreichung von Beweismitteln abwies  und  den  Beschwerdeführer  aufforderte,  einen  Kostenvorschuss  in  der  Höhe von Fr. 600.– einzuzahlen, dass  der  Instruktionsrichter  gleichzeitig  das  BFM  anwies,  dem  Beschwerdeführer  die  Akten  des  ersten  Asylverfahrens  offen  zu  legen,  und dem Beschwerdeführer Gelegenheit gab, innert fünf Tag ab Versand  der Akten durch das BFM eine Beschwerdeergänzung einzureichen, dass  der  Beschwerdeführer  am  14. April  2011  dem  Kanton  (…)  zugewiesen wurde, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Schreiben  vom  18. April  2011  durch  seinen  Rechtsvertreter  mitteilte,  das  BFM  habe  lediglich  das  Aktenverzeichnis, das Personalienblatt und das Befragungsprotokoll vom  27. März 2003 zugestellt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht ersucht  werde, erneut das BFM anzuweisen, die gesamten Verfahrensakten des  ersten Asylverfahrens offen zu legen, dass  der  Beschwerdeführer  am  20. April  2011  den  verlangten  Kostenvorschuss leistete, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  12. Mai  2011  seines  Rechtsvertreters  eine  Kopie  eines  Haftbefehls  vom  24. März  2011  einreichen liess,

D­1972/2011 dass  der  Instruktionsrichter  mit  Verfügung  vom  3. Juni  2011  das  BFM  anwies,  dem  Beschwerdeführer  sämtliche  bisher  nicht  editierten  Akten  des  ersten  Asylverfahrens  zur  Einsicht  zuzustellen,  und  diesem  Gelegenheit  gab,  innert  fünf  Tagen  ab  Versand  der  vom  BFM  zu  eröffnenden Akten eine Beschwerdeergänzung einzureichen, dass  der  Beschwerdeführer  am  14. Juni  2011  durch  seinen  Rechtsvertreter  eine  deutsche  Übersetzung  des  Haftbefehls  vom  24. März  2011  und  am  15. Juli  2011  die  Beschwerdeergänzung  einreichen liess, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, SR 173.110]), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass der einverlangte Kostenvorschuss  innert angesetzter Frist geleistet  wurde,  dass auf die  frist­ und  formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten  ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 37 VGG und Art. 52  Abs. 1 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

D­1972/2011 dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  ARK  [EMARK]  2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüfte,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  volle Kognition zukommt, dass  in  der  Beschwerde  geltend  gemacht  wird,  der  Beschwerdeführer  habe dem Rechtsvertreter lediglich den Entscheid und das Protokoll vom  14. März 2011 vorlegen können, weshalb das BFM anzuweisen sei,  die  gesamten  Akten  (inkl.  die  Akten  des  ersten  Asylverfahrens)  innert  nützlicher Frist zuzustellen, dass gemäss Art. 26 VwVG die Partei oder ihr Vertreter – unter Vorbehalt  der Ausnahmen gemäss Art. 27 Abs. 1 VwVG – grundsätzlich Anspruch  darauf  hat,  sämtliche Aktenstücke einzusehen, welche geeignet  sind,  in  einem konkreten Verfahren als Beweismittel zu dienen, dass gemäss Art. 27 Abs. 3 VwVG die Einsichtnahme in eigene Eingaben  der Partei, ihre als Beweismittel eingereichten Urkunden und ihr eröffnete  Verfügungen  nicht  und  die  Einsichtnahme  in  Protokolle  über  eigene  Aussagen der Partei nur bis zum Abschluss der Untersuchung verweigert  werden darf, dass  einzig  Unterlagen,  welche  von  den  verfügenden  Behörde  ausschliesslich  für  den  Eigengebrauch  bestimmt  sind,  wie  Entscheidentwürfe  oder  Notizen  zuhanden  einer  Person  innerhalb  der  Behörde vom Recht auf Akteneinsicht ausgenommen sind, da  ihnen  für  die Behandlung eines Falles kein Beweischarakter zukommt und lediglich  Hilfsmittel zur Entscheidfindung darstellen,

D­1972/2011 dass der  Instruktionsrichter mit Verfügung vom 11. April 2011  feststellte,  dem Beschwerdeführer seien gemäss Verfügung vom 25. März 2011 die  editionspflichtigen  Akten  des  zweiten  Asylverfahrens  ausgehändigt  worden, weshalb diesbezüglich dem Anspruch auf Akteneinsicht Genüge  getan sei, es ihm jedoch unbenommen bleibe, das BFM zu ersuchen, ihm  allfällige  Aktenstücke  des  zweiten  Asylverfahrens  –  allenfalls  gegen  Erhebung einer Gebühr – nochmals zuzustellen, dass er  gleichzeitig  das BFM anwies,  dem Beschwerdeführer  die Akten  des ersten Asylverfahrens zuzustellen, dass das BFM gemäss seinem Schreiben vom 12. April 2011 unter dem  Hinweis,  dass  die Behörde  die Einsicht  in Akten  verweigern  darf, wenn  wesentliche öffentlich oder private Interessen an der Geheimhaltung das  Recht auf Einsicht überwögen oder weil es sich um interne Akten handle,  die  nach  der  bundesgerichtlichen  Praxis  dem  Akteneinsichtsrecht  nicht  unterstünden,  dem  Beschwerdeführer  eine  Kopie  des  Aktenverzeichnisses  sowie  Kopien  der  editionspflichtigen  Akten  des  ersten Asylverfahrens zustellte,  dass daraufhin der Beschwerdeführer dem Bundesverwaltungsgericht mit  Schreiben  vom  18. April  2011  mittels  seines  Rechtsvertreters  mitteilte,  das BFM habe  lediglich das Aktenverzeichnis,  das Personalienblatt  und  das Befragungsprotokoll vom 27.  Oktober 2003 zugestellt, weshalb das  Bundesverwaltungsgericht  ersucht werde,  erneut  das BFM  anzuweisen,  die gesamten Verfahrensakten des ersten Asylverfahrens offen zu legen, dass  der  Instruktionsrichter  mit  Verfügung  vom  3. Juni  2011  feststellte,  das BFM habe auch die von ihm als unwesentlich bezeichnete Akten (D)  zu  eröffnen,  insofern  sie  geeignet  seien,  im  konkreten  Verfahren  als  Beweismittel zu dienen, dass das BFM zudem anzuweisen sei, dem Beschwerdeführer, nachdem  er nun bereits zum zweiten Mal darum ersucht habe, auch die ihm bereits  bekannten Akten (E) zu edieren, dass die erste Anhörung des Beschwerdeführers zu den Asylgründen am  15. Dezember  2003  gestützt  auf  Art. 29  AsylG  in  der  Fassung  vom  26. Juni 1998 zwar vom (…) des Kantons  (…) durchgeführt worden sei,  das im Original dem Bundesamt übermittelte Anhörungsprotokoll (Original  act. A14/19  im Dossier N 457 749; Kopie  act. A11/19  im Dossier N 553 

D­1972/2011 506)  jedoch  Bestandteil  der  vorinstanzlichen  Akten  geworden  sei,  weshalb dieses vom BFM zwecks Einsichtnahme zu edieren sei,  dass das BFM somit erst nach der zweiten Anweisung durch das Gericht,  dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten eröffnet hat, dass in der Verfügung vom 25. März 2011 mehrmals Bezug auf das erste  Asylverfahren  genommen  wird,  weshalb  die  Akten  des  ersten  Asylverfahrens  –  insbesondere  das  nicht  eröffnete  Anhörungsprotokoll  mit der einlässlichen Schilderung der Asylgründe im ersten Asylverfahren  – entscheiderheblich sind, dass  das  BFM  deshalb  das  Recht  auf  Akteneinsicht  des  Beschwerdeführers verletzt hat,  dass eine Verletzung des  rechtlichen Gehörs grundsätzlich – das heisst  ungeachtet der materiellen Auswirkungen – zur Aufhebung des daraufhin  ergangenen Entscheides  führt  (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 S. 676  f. mit  weiteren Hinweisen), dass  eine  Heilung  von  Gehörsverletzungen  aus  prozessökonomischen  Gründen  auf  Beschwerdeebene  nur  möglich  ist,  sofern  das  Versäumte  nachgeholt wird, der Beschwerdeführer dazu Stellung nehmen kann und  der Beschwerdeinstanz  im streitigen Fall die  freie Überprüfungsbefugnis  in  Bezug  auf  Tatbestand  und  Rechtsanwendung  zukommt,  sowie  die  festgestellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist und die fehlende  Entscheidreife  durch  die  Beschwerdeinstanz  mit  vertretbarem  Aufwand  hergestellt werden kann (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 S. 676 f.), dass  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  nach  der  zweiten  Aufforderung  durch  das  Gericht  Einsicht  in  die  Akten  des  ersten  Asylverfahrens  gewährte  und  der  Instruktionsrichter  dem  Beschwerdeführer  jeweils  Gelegenheit bot,  innert Frist eine Stellungnahme einzureichen, wovon er  durch seinen Rechtsvertreter Gebrauch machte,  dass  deshalb  der  Umstand,  dass  ihm  die  Akten  des  ersten  Asylverfahrens  nicht  zur  Einsicht  eröffnet  wurden,  für  den  Beschwerdeführer mit keinen erheblichen Nachteilen verbunden gewesen  ist, dass  daher  die  Verletzung  des  Akteneinsichtsrechts  als  geheilt  zu  betrachten ist, weshalb kein Anlass besteht, die angefochtene Verfügung 

D­1972/2011 aufzuheben  und  die  Sache  an  das  Bundesamt  zur  Neubeurteilung  zurückzuweisen (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 S. 676 f.), dass  bezüglich  des  in  der  Beschwerde  geltend  gemachten  Rückweisungsantrags  festzustellen  ist,  dass  aufgrund  der  Akten  und  mangels näherer diesbezüglicher Ausführungen in der Beschwerde nicht  ersichtlich  ist,  inwiefern  das  BFM  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  festgestellt  oder  die  Prüfungs­  und  Begründungspflicht verletzt haben soll,  dass  auf  ein  Asylgesuch  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  der Schweiz bereits  ein Asylverfahren erfolglos  durchlaufen haben oder  während  des  hängigen  Asylverfahrens  in  den  Heimat­  oder  Herkunftsstaat zurückgekehrt sind, ausser es gebe Hinweise, dass in der  Zwischenzeit  Ereignisse  eingetreten  sind,  die  geeignet  sind,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  oder  die  für  die  Gewährung  vorübergehenden Schutzes relevant sind (Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG), dass der Nichteintretenstatbestand von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG somit  ein  formelles  (früheres  Asylverfahren)  und  ein  materielles  Erfordernis  (fehlende Hinweise) enthält, welche im Einzelfall beide gleichzeitig erfüllt  sein müssen, dass  das  formelle  Erfordernis  eines  in  der  Schweiz  erfolglos  durchlaufenen Asylverfahrens offensichtlich erfüllt ist, nachdem das BFM  das erste Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 17. Oktober 2003 mit  Verfügung vom 8. Dezember 2005 ablehnte und dieser Entscheid durch  das Urteil der ARK vom 14. Juni 2006  in Rechtskraft erwachsen  ist  (vgl.  EMARK 2006 Nr. 20 E. 2.1. S. 213; EMARK 1998 Nr. 1 E. 5 S. 5 ff.), dass  bei  der  Prüfung,  ob  Hinweise  auf  Ereignisse  vorliegen,  welche  geeignet  sind,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  vom  engen  Verfolgungsbegriff im Sinne von Art. 3 AsylG auszugehen ist, dass  jedoch  gleichzeitig  ein  gegenüber  der  Glaubhaftmachung  reduzierter  Beweismassstab  zur  Anwendung  kommt,  weshalb  auf  ein  Asylgesuch bereits dann eingetreten werden muss, wenn sich Hinweise  auf  eine  relevante  Verfolgung  ergeben,  welche  nicht  von  vornherein  haltlos sind (vgl. BVGE 2009/53 E. 4.2 S. 769 mit weiteren Hinweisen), dass  der Beschwerdeführer  zur  Asylbegründung  geltend machte,  er  sei  Kurde und nach der Ablehnung des ersten Asylgesuchs in der Schweiz in 

D­1972/2011 die Türkei zurückgekehrt, wo er eine Woche später der Partei BDP (Barış  ve  Demokrasi  Partisi;  zu  Deutsch:  Partei  für  Frieden  und  Demokratie)  beigetreten sei und Zeitschriften und Flugblätter verteilt habe, dass  er  im  März  2007  in  Z._______  bei  Ankara  seinen  Militärdienst  angetreten  habe,  aus welchem  er  wegen  einer  Disziplinarstrafe  erst  im  Juli 2008 entlassen worden sei,  dass  er  wegen  den  bereits  im  ersten  Asylverfahren  geltend  gemachten  Gründen  nach  seiner Rückkehr  in  die  Türkei  erneut  schlecht  behandelt  und schikaniert worden sei und sieben Mal von der Gendarmerie jeweils  für  ein  bis  drei  Tage  festgenommen  und  befragt  worden  sei,  letztmals  Ende 2008, dass er sich Ende 2008 oder Anfang 2009 mit der Identitätskarte seines  Cousins nach Nordzypern begeben habe, von wo er am 6. Februar 2011  via Italien in die Schweiz gereist sei, dass das BFM eine Anhörung im Sinne von Art. 29 AsylG durchführte und  in  der  Verfügung  vom  25. März  2011  nicht  verkannte,  dass  der  Beschwerdeführer  auch  andere  Asylgründe  als  im  ersten  Asylverfahren  geltend machte,  und  ausführlich  darlegte,  aus welchen Gründen  es  auf  das zweite Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist, dass das BFM nicht in Frage gestellt hat, dass es nach seiner Rückkehr  in die Türkei zu den geschilderten Verhaftungen gekommen ist,  dass  das  BFM  jedoch  zutreffend  festgestellt  hat,  der  Beschwerdeführer  habe  einzig  aufgrund  dieser  kurzzeitigen  Verhaftungen  noch  keine  begründete  Furcht  vor  einer  zukünftigen  asylrelevanten  Verfolgung,  zumal  er  nur  ein  einfaches  Parteimitglied  sei,  es  sich  bei  der  BDP  um  eine  legale  Partei  handle  und  bei  den  sechs  von  sieben  Verhaftungen  und Einvernahmen ein Anwalt der BDP zugegen gewesen sei, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung zwar erklärte, er sei  zwischen dreieinhalb und vier Jahren in der Schweiz gewesen, und man  habe bei den Festnahmen von ihm wissen wollen, wo er während dieser  Zeit gewesen sei, zudem habe man ihm vorgeworfen, er mache wie sein  Vater,  der  kurdischer Musiker  gewesen  sei,  bei  der  "kurdischen Sache"  mit (vgl. B7/15 S. 6 f.),

D­1972/2011 dass  indes  unwahrscheinlich  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Zusammenhang  mit  dem  angeblich  kulturellen  und  politischen  Engagement  seines Vaters  für die  kurdische Volksgruppe  in der Türkei,  verhaftet  worden  sein  soll,  zumal  schon  die  anlässlich  des  ersten  Asylverfahrens  geltend  gemachte  Reflexverfolgung  wegen  seines  Vater  von  der  ARK  als  unglaubhaft  beurteilt  wurde  (vgl.  Urteil  der  ARK  vom  14. Juni 2006 E. 5.1. und 5.2.), dass  die  Behörden  den  Beschwerdeführer  offenbar  auch  nicht  verdächtigten, konkrete Straftaten begangen zu haben, andernfalls hätten  sie  gegen  ihn  ein  Strafverfahren  eingeleitet  und  ihn  nicht  nach  jeweils  kurzer Zeit wieder auf freien Fuss gesetzt, dass der Beschwerdeführer nach der  letzten Festnahme die Türkei nicht  verlassen,  sondern  in  die Türkische Republik Nordzypern gegangen  ist,  wo er während  rund zwei  Jahren unbehelligt  leben und arbeiten konnte  (vgl. act. B7/15 S. 6 F51­54), bevor er via  Italien  in die Schweiz gelangt  ist, dass er mit diesem Verhalten dokumentiert, dass er selbst nicht mit ihm in  absehbarer  Zukunft  drohenden  erheblichen  Nachteilen  seitens  der  Behörden  rechnete,  andernfalls  er  sich  nach  der  letzten  Festnahme  ausserhalb  der  Türkei  beziehungsweise  Nordzyperns  in  Sicherheit  gebracht hätte,  dass  auch  zum  heutigen  Zeitpunkt  nichts  darauf  hindeutet,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Falle  der  Rückkehr  in  die  Türkei mit  asylrechtlich  erheblichen Nachteilen seitens der Behörden zu rechnen hätte,  dass  an  dieser  Einschätzung  auch  die  auf  Beschwerdeebene  eingereichte Kopie eines am 24. März 2011  in Y._______ ausgestellten  Haftbefehls nichts zu ändern vermag,  dass  es  sich  bei  einem  Haftbefehl  um  behördeninterne  Mitteilungen  handelt,  in  deren  Besitz  der  Beschwerdeführer  grundsätzlich  gar  nicht  gelangen kann,  dass er keinerlei Angaben dazu macht, wie es ihm dennoch möglich war,  den eingereichten Haftbefehl in der Heimat zu beschaffen,  dass darüber hinaus aufgrund der Akten und seiner bisherigen Angaben  in  keiner  Weise  plausibel  wird,  weshalb  der  Beschwerdeführer  aktuell, 

D­1972/2011 das  heisst  seit  dem  24. März  2011  mittels  Haftbefehl  gesucht  werden  sollte, weil  ihm – so gemäss Haftbefehl  –  zur Last gelegt wird,  er habe  der PKK Hilfe und Unterschlupf gewährt beziehungsweise er sei Mitglied  dieser Organisation,  obschon er  sich  seit Ende 2008 oder Anfang 2009  nicht  in der Provinz Y._______, sondern  in Nordzypern aufgehalten hat,  und der Beschwerdeführer  nicht  geltend machte,  er  habe  sich  in  dieser  Zeit politisch betätigt,  dass  unter  diesen  Umständen  dem  –  ohnehin  nur  in  Form  einer  manipulierbaren  Kopie  –  eingereichten  Haftbefehl  kein  Beweiswert  zuerkannt werden kann, dass  sich  mithin  aus  den  Akten  keine  Hinweise  ergeben,  dass  nach  Abschluss  des  ersten  Verfahrens  Ereignisse  eingetreten  sind,  die  geeignet wären, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, oder die für die  Gewährung vorübergehenden Schutzes relevant wären,  dass das BFM deshalb zu Recht gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG  auf das zweite Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 12. Februar 2011  nicht eingetreten ist, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer solchen besteht (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2008/34 E.  9.2 S. 510, EMARK 2001 Nr. 21), weshalb die  verfügte Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu 

D­1972/2011 machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ersichtlich  sind,  die  dem  Beschwerdeführer in der Türkei droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass weder die allgemeine Lage  in der Türkei noch  individuelle Gründe  auf  eine  konkrete  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen  lassen  und  in  der  Beschwerde  und  deren  Ergänzungen  bezüglich  Zumutbarkeit  des  Vollzug  nichts  eingewendet  wurde, weshalb der Vollzug der Wegweisung vorliegend zumutbar ist,

D­1972/2011 dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  dem  Beschwerdeführer  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  vorliegend  der  Beschwerdeführer  zwar  unterlegen  ist,  jedoch  zu  berücksichtigen  ist,  dass  die  Rüge,  das  BFM  habe  sein  Recht  auf  Akteneinsicht verletzt, begründet ist, dass  von  der Kassation  der  angefochtenen Verfügung  lediglich  deshalb  abgesehen wurde, weil die  festgestellte Verletzung von Bundesrecht  für  den  Beschwerdeführer  letztlich  mit  keinem  erheblichen  Nachteil  verbunden war, dass es sich unter diesen Umständen rechtfertigt, dem Beschwerdeführer  keine Verfahrenskosten aufzuerlegen und die ihm im Zusammenhang mit  dem  vorliegenden  Urteil  entstandenen  Kosten  zu  entschädigen  (vgl.  BVGE 2007/9 E. 7.2 S. 109), dass  dem  Beschwerdeführer  der  am  20.  April  2011  geleistete  Kostenvorschuss von Fr. 600.– zurückzuerstatten ist, dass  der  Rechtsvertreter  keine  Kostennote  zu  den  Akten  gereicht  hat,  weshalb die Parteientschädigung aufgrund der Akten (Art. 14 Abs. 2 des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  unter  Beachtung  der  massgeblichen  Bemessungsfaktoren  (vgl.  Art. 8  VGKE)  auf Fr. 1050.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist, dass das BFM anzuweisen ist, dem Beschwerdeführer diesen Betrag als  Parteientschädigung zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­1972/2011 D­1972/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben.  Der  geleistete  Kostenvorschuss  von  Fr. 600.–  wird  dem  Beschwerdeführer  zurückerstattet. 3.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung von Fr. 1050.– auszurichten. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Sarah Mathys Versand:

D-1972/2011 — Bundesverwaltungsgericht 10.08.2011 D-1972/2011 — Swissrulings