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Bundesverwaltungsgericht 27.09.2011 C-622/2009

27 septembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,483 mots·~7 min·1

Résumé

Schlussabrechnung | Schlussabrechnung Sonderabgabekonto

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­622/2009 Urteil   v om   2 7 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richter Blaise Vuille, Richter Bernard Vaudan, Gerichtsschreiber Lorenz Noli. Parteien X._______, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Schlussabrechnung Sonderabgabekonto.

C­622/2009 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer,  ein  1967  geborener  somalischer  Staatsangehöriger,  gelangte  nach  eigenen  Angaben  am  21.  Oktober  1994  in die Schweiz und ersuchte hier um Asyl. Das damals zuständige  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF,  heute:  BFM)  lehnte  das  Gesuch  mit  Verfügung vom 29. November 1994 ab und ordnete die Wegweisung aus  der  Schweiz  an. Der  Vollzug  der Wegweisung wurde  zu Gunsten  einer  vorläufigen Aufnahme aufgeschoben. B.  Am 2. Juli 2002 unterbreitete die Vorinstanz dem Beschwerdeführer den  Entwurf  einer  Zwischenabrechnung  über  sein  Sicherheitskonto.  Darin  wurde  den  von  ihm  bisher  geleisteten  Sicherheiten  die  für  das  Asylverfahren  rückerstattungspflichtigen  und  zur  Vereinnahmung  vorgesehenen  Kosten  gegenübergestellt,  woraus  ein  Saldo  zugunsten  des Beschwerdeführers von Fr. 26'338.65 resultierte. C.  Nachdem sich der Beschwerdeführer  in einem Formular­Schreiben  vom  30.  Juli  2002  mit  dem  Entwurf  der  Zwischenabrechnung  einverstanden  erklärt hatte, erliess die Vorinstanz am 2. August 2002 (unter zusätzlicher  Berücksichtigung  einer  weiteren,  inzwischen  eingegangenen  Zahlung)  eine entsprechende Verfügung. Diese blieb unangefochten und erwuchs  in Rechtskraft. D.  Gestützt  auf  ein  entsprechendes  Gesuch  verfügte  die  Vorinstanz  am  8. August  2002  die  Befreiung  des  Beschwerdeführers  von  der  Sicherheitsleistungspflicht  mit  Wirkung  per  1. September 2002.  Die  Befreiung  erfolgte  gestützt  auf  die  Feststellung,  dass  die  bisher  geleisteten  Sicherheiten  sowohl  den  (damals)  erforderlichen  Mindestbetrag  von  Fr.  20'000.­  wie  auch  die  bereits  verursachten  und  noch zu erwartenden Fürsorgekosten überstiegen. Die Befreiung erfolgte  unter  ausdrücklichem  Vorbehalt  eines  Widerrufs  im  Falle  wesentlicher  Veränderungen in den persönlichen Verhältnissen. E.  Mit  Schreiben  vom  25.  November  2008  informierte  die  Vorinstanz  den  Beschwerdeführer über ihre Absicht, sein Sicherheitskonto abzurechnen.  Gemäss  den  Übergangsbestimmungen  zu  der  am  16.  Dezember  2005 

C­622/2009 verabschiedeten Änderung des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG,  SR  142.31)  unterstehe  er  per  1. Januar  2008  grundsätzlich  der  neuen  Sonderabgabe.  Aufgrund  der  Übergangsbestimmungen  zur  am  24.  Oktober  2007  beschlossenen  Änderung  der  Asylverordnung  2  vom  11.  August  1999  über  Finanzierungsfragen  (AsylV2,  SR  142.312)  sei  er  jedoch  nicht  mehr  sonderabgabepflichtig,  weil  das  Total  der  von  ihm  geleisteten  Sicherheiten  (bestehend  aus  dem  aktuellen  Saldo  des  Sicherheitskontos  in  der  Höhe  von  Fr. 29'105.70,  zuzüglich  des  teilsaldierten Betrages von Fr. 1'610.­, also insgesamt Fr. 30'715.70) den  Maximalbetrag  der  Sonderabgabe  von  Fr.  15'000.­  übersteige.  Die  Differenz von Fr. 15'715.70 werde ihm ausbezahlt. Abschliessend wurde  der Beschwerdeführer von der Vorinstanz gebeten, den zu diesem Zweck  beigelegten  Auszug  aus  seinem  Sicherheitskonto  zu  kontrollieren  und  eine Zahladresse zu bezeichnen. F.  Nachdem  der  Beschwerdeführer  auf  die  erwähnte  Einladung  offenbar  nicht  reagiert  hatte,  liquidierte  die  Vorinstanz  mit  Verfügung  vom  14. Januar 2009 das Sicherheitskonto des Beschwerdeführers. Sie stellte  dem Kontostand von Fr. 29'214.85  zuzüglich des  teilsaldierten Betrages  aus  der  Zwischenabrechnung  von  Fr.  1'610.­  den  unter  der  Sonderabgabepflicht  zu  leistenden  Betrag  von  Fr.  15'000.­  gegenüber  und  hielt  fest,  nach  Verrechnung  beider  Positionen  seien  noch  Fr.  13'390.­  zu  Gunsten  des  Bundes  zu  vereinnahmen.  Das  Restguthaben  zuzüglich Zins bleibe auf dem Konto Nr.  […] bestehen und verfalle dem  Bund,  falls  der  Auszahlungsanspruch  nicht  innert  10  Jahren  geltend  gemacht werde. G.  Der  Beschwerdeführer  gelangte  dagegen  mit  einer  undatierten  Rechtsmitteleingabe  (Postaufgabe:  29.01.09)  an  das  Bundesverwaltungsgericht und beantragt sinngemäss die Aufhebung der  angefochtenen Verfügung. Er begründete sein Begehren unter Berufung  auf  eine  entsprechende  Bestätigung  der  zuständigen  Sozialberatungsstelle  damit,  dass  er  während  der  Dauer  seines  Aufenthaltes  in  der  Schweiz  Sozialhilfegelder  in  der  Höhe  von  lediglich  Fr. 6'960.­  bezogen  habe.  Der  für  die  Sonderabgabe  veranschlagte  Betrag  von  insgesamt  Fr.  15'000.­  sei  deshalb  zu  hoch  angesetzt  und  entsprechend zu korrigieren. 

C­622/2009 H.  In  ihrer Vernehmlassung vom 24. April  2009 spricht  sich die Vorinstanz  unter  Erläuterung  der  Rechtsgrundlagen  für  die  Abweisung  der  Beschwerde aus. I.  Der Beschwerdeführer verzichtete auf eine Replik. J.  Gestützt  auf  ein  entsprechendes  Ersuchen  des  Beschwerdeführers  verfügte die Vorinstanz am 19. Oktober 2009 die Auszahlung des  in der  angefochtenen Verfügung errechneten Restguthabens.  K.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Verfügungen  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyl­  und  Ausländerrechts  unterliegen  der  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  (Art.  31,  Art.  32  und  Art.  33  Bst.  d  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). 1.2. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  richtet sich nach  dem  Bundesgesetz  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021),  soweit  das  Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3. Der  Beschwerdeführer  ist  als  Verfügungsadressat  zur  Beschwerde  legitimiert  (48 Abs.  1 VwVG). Auf  die  im Übrigen  frist­  und  formgerecht  eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  –  soweit  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit 

C­622/2009 gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE  2011/1 E.2). 3.  Der  Beschwerdeführer  bestreitet  die  Legitimation  der  Vorinstanz,  von  seinem Sicherheitskonto  unter  dem Titel  der Sonderabgabepflicht  einen  Betrag  von  Fr.  15'000.­  zu  vereinnahmen.  Die  von  ihm  effektiv  verursachten Sozialhilfekosten seien mit Fr. 6'960.­ ausgewiesen.  4.  4.1. Am 1. Januar 2008 trat das zweite Paket der Asylgesetzrevision vom  16. Dezember 2005  in Kraft, mit dem durch entsprechende Änderungen  des  Asylgesetzes  und  des  auf  denselben  Zeitpunkt  in  Kraft  gesetzten  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  ein  Systemwechsel  von  der  individuellen  Sicherheitsleistungs­  und  Rückerstattungspflicht  zur  Sonderabgabe  vollzogen wurde. 4.2.  Das  SiRück­System  wurde  mit  dem  dringlichen  Bundesbeschluss  über das Asylverfahren vom 22. Juni 1990  (AS 1990 938)  für Personen  des Asylrechts und mit dem Bundesbeschluss über Sparmassnahmen im  Asyl­ und Ausländerbereich vom 16. Dezember 1994 (AS 1994 2874) für  vorläufig  Aufgenommene  auf  Gesetzesebene  eingeführt.  Seine  Grundsätze  –  soweit  für  die  vorliegende  Streitsache  von  Bedeutung –  stellten sich per 31. Dezember 2007 wie folgt dar:  4.3. Der 2. Abschnitt des 5. Kapitels des Asylgesetzes in seiner Fassung  vom 26. Juni 1998, die bis 31. Dezember 2007 in Geltung stand (AS 1999  2262),  regelt  die  Rückerstattungs­  und  Sicherheitsleistungspflicht  von  Personen, die sich gestützt auf das Asylgesetz in der Schweiz aufhalten.  Gemäss Art. 85 Abs. 1 AsylG (in der Fassung vom 26. Juni 1998) haben  sie – soweit zumutbar – die Kosten der Fürsorge, der Ausreise und des  Vollzugs sowie die Kosten des Rechtsmittelverfahrens zurückzuerstatten.  Asylsuchende  und  Schutzbedürftige  ohne  Aufenthaltsbewilligung  sind  gemäss Art. 86 AsylG (in der Fassung vom 26. Juni 1998) darüber hinaus  verpflichtet, für die Rückerstattung der vorerwähnten Kosten Sicherheiten 

C­622/2009 zu  leisten.  Zu  diesem  Zweck  richtet  der  Bund  (individuelle)  Sicherheitskonten  ein,  die  durch  Lohnabzüge  und  Vermögenswertabnahmen  geäufnet  werden.  Die  Sicherheitsleistungen  werden gemäss Art. 87 Abs. 1 AsylG (in der Fassung vom 26. Juni 1998)  aufgrund  einer  individuellen  Abrechnung  über  die  rückerstattungspflichtigen  Kosten  ausbezahlt,  wenn  die  sicherheitsleistungspflichtige Person die Schweiz endgültig verlässt  (Bst.  a),  sie  als  Asylsuchender  oder  Flüchtling  eine  Aufenthaltsbewilligung  erhält (Bst. b) oder als Schutzbedürftiger eine Niederlassungsbewilligung  erhält oder sich seit mindestens zehn Jahren in der Schweiz aufhält (Bst.  c).  Man  spricht  in  diesem  Zusammenhang  von  der  Schlussabrechnung  über  das Sicherheitskonto. Die Asylverordnung  2  vom 11. August  1999  über Finanzierungsfragen in ihrer ursprünglichen, bis 31. Dezember 2007  geltenden Fassung (AsylV 2, SR 142.312; AS 1999 2318) führt zusätzlich  eine  Zwischenabrechnung  ein,  die  erfolgt,  wenn  eine  sicherheitsleistungspflichtige  Person  des  Asylrechts  die  vorläufige  Aufnahme erhält. Im Rahmen dieser Zwischenabrechnung werden die bis  zum  Statuswechsel  entstandenen,  rückerstattungspflichtigen  Kosten mit  dem Guthaben des Sicherheitskontos verrechnet und der sich ergebende  Saldo,  sei  es  zu  Gunsten  oder  zu  Lasten  des  Kontoinhabers,  in  die  Schlussabrechnung übertragen (Art. 16 AsylV 2 in der Fassung vom 11.  August  1999).  Die  Verpflichtung  zur  Leistung  von  Sicherheiten  ist  nicht  zeitlich,  sondern  betragsmässig  limitiert.  Auf  Gesuch  hin  können  Personen von der Pflicht zur Sicherheitsleistung befreit werden, wenn das  Guthaben  auf  dem  Sicherheitskonto  die  voraussichtliche  Höhe  der  rückerstattungspflichtigen  Kosten  übersteigt  und  einen  Mindeststand  aufweist  (Art.  15  AsylV  2  in  der  Fassung  vom  11.  August  1999).  Die  Rückerstattungs­  und  Sicherheitsleistungspflicht  vorläufig  aufgenommener Personen ist durch Verweise auf das Asylgesetz und die  Asylverordnung 2 im Wesentlichen analog ausgestaltet (vgl. Art. 14c Abs.  6  des  Bundesgesetzes  vom  26.  März  1931  über  Aufenthalt  und  Niederlassung der Ausländer [ANAG, BS 1 121] in der Fassung vom 26.  Juni 1998, in Kraft bis 31. Dezember 2007 [AS 1999 2262]; ferner die per  1.  Januar  2008  aufgehobenen  Art.  22  und  23  der  Verordnung  vom  11.  August  1999  über  den  Vollzug  der  Weg­  und  Ausweisung  von  ausländischen Personen  [VVWA,  SR  142.281]  in  der  Fassung  vom  11.  August 1999 [AS 1999 2254]). 4.4. Das neue Recht ändert an der Pflicht von Personen des Asylrechts,  Sozialhilfe­,  Ausreise­  und  Vollzugskosten  sowie  die  Kosten  des  Rechtsmittelverfahrens  zurückzuerstatten,  grundsätzlich  nichts  (vgl.  Art. 

C­622/2009 85  Abs.  1  AsylG).  Zwecks  Vereinfachung  der  Verfahrensabläufe  und  Kostensenkung  wird  jedoch  das  bisherige  System  der  Rückerstattung  individuell  zurechenbarer  Kosten  aus  den  geleisteten  Sicherheiten  aufgegeben (vgl. dazu Botschaft zur Änderung des Asylgesetzes vom 4.  September  2002,  in:  BBl  2002  6872).  An  seine  Stelle  tritt  eine  Sonderabgabe,  der  erwerbstätige  Asylsuchende  und  Schutzbedürftige  ohne  Aufenthaltsbewilligung  unterworfen  werden  (Art.  86  Abs.  1  erster  Satz  AsylG).  Diese  Sonderabgabe,  welche  der  Arbeitgeber  direkt  vom  Lohn der betroffenen Person abzuziehen und dem Bund zu überweisen  hat,  darf  nicht  mehr  als  10  Prozent  des  Erwerbseinkommens  betragen  und  längstens  zehn  Jahre  seit  der  erstmaligen  Aufnahme  einer  Erwerbstätigkeit erhoben werden (Art. 86 Abs. 2 und 3 AsylG). Zweck der  Sonderabgabe  ist  die  Deckung  der  Kosten,  welche  die  Gesamtheit  der  Abgabepflichtigen  und  ihrer  (durch  sie  unterstützten)  Angehörigen  verursachen  (Art.  86 Abs.  1  zweiter Satz AsylG). Eine Verrechnung mit  den  individuell  zurechenbaren  Kosten  und  die  Auszahlung  eines  allfälligen,  zu  Gunsten  des  Abgabepflichtigen  lautenden  Saldos  findet  nicht  statt.  Mit  der  Regelung  weiterer  Einzelheiten,  namentlich  der  Statuierung  von  Ausnahmen  von  der  Rückerstattungspflicht  und  der  Festsetzung der Höhe der Sonderabgabe, wird der Bundesrat beauftragt  (Art. 85 Abs. 4 und Art. 86 Abs. 4 AsylG). Neben die Sonderabgabepflicht  tritt  die  Vermögenswertabnahme,  die  im Wesentlichen  unter  denselben  Voraussetzungen  erhoben werden  kann,  wie  im  alten Recht.  Allerdings  wird auch hier keine Verrechnung mit  individuell verrechenbaren Kosten  vorgenommen.  Stattdessen  ergeht  an  den  Bundesrat  die  Ermächtigung  festzusetzen,  in welchem Umfang die abgenommenen Vermögenswerte  an die Sonderabgabe angerechnet werden  (Art. 87 AsylG). Art. 88 AuG  unterstellt  vorläufig  Aufgenommene  der  Sonderabgabepflicht  und  der  Vermögenswertabnahme nach Art. 86 AsylG und 87 AsylG und erklärt die  Bestimmungen  des  2.  Abschnitts  des  5.  Kapitels  des  Asylgesetzes  für  anwendbar. 4.5. Von der Ermächtigung zur Rechtsetzung machte der Bundesrat mit  der  Änderung  der  Asylverordnung  2  vom  24.  Oktober  2007  für  alle  rückerstattungspflichtigen  Personengruppen  einheitlich  in  ein  und  demselben Erlass Gebrauch. Art. 8 Abs. 1 AsylV 2 bestimmt, dass sich  die  Rückerstattung  von  Sozialhilfeleistungen,  die  eine  Person  als  Flüchtling oder Schutzbedürftiger mit Aufenthaltsbewilligung erhält, nach  kantonalem  Recht  richtet,  wobei  der  Anspruch  auf  Rückerstattung  vom  Kanton geltend gemacht wird. Für Asylsuchende, Schutzbedürftige ohne  Aufenthaltsbewilligung  und  vorläufig  Aufgenommene  (ohne 

C­622/2009 Flüchtlingsstatus)  rekapituliert  Art.  8  Abs.  2  AsylV  die  Pflicht  zur  Rückerstattung  der  in  Art.  85  Abs.  1  AsylG  genannten  Kosten,  zu  welchem Zweck der Bund Vermögenswertabnahmen vornimmt und eine  Sonderabgabe erhebt, welche Art. 13 Abs. 1 AsylV 2 auf 10 Prozent des  Erwerbseinkommens  festsetzt.  Den  Beginn  und  das  Ende  der  Sonderabgabepflicht  regelt  Art.  10  AsylV  2.  Danach  beginnt  die  Sonderabgabepflicht mit der erstmaligen Aufnahme einer Erwerbstätigkeit  oder  im  Zeitpunkt,  in  dem  die  Verfügung  über  eine  erste  Vermögenswertabnahme  in  Rechtskraft  erwächst  (Abs.  1).  Sie  endet,  wenn einer  der  in Abs.  2 genannten Tatbestände eintritt,  d.h. wenn der  Betrag von 15'000 Franken erreicht ist, spätestens aber zehn Jahre nach  dem  Beginn  der  Sonderabgabepflicht  (Bst.  a),  wenn  die  betroffene  Person  die  Schweiz  verlassen  hat  (Bst.  b),  wenn  sie  die  Aufenthaltsbewilligung  (Bst.  c)  oder  Asyl  erhält  bzw.  als  Flüchtling  vorläufig  aufgenommen  wird  (Bst.  d)  oder  aber  –  bei  vorläufig  aufgenommenen Personen, die nicht Flüchtling sind – nach drei  Jahren  vorläufiger  Aufnahme,  spätestens  aber  sieben  Jahre  nach  der  Einreise  (Bst. e). 4.6. Die  Überführung  des  alten  Systems  der  Rückerstattung  individuell  zurechenbarer  Kosten  aus  den  geleisteten  Sicherheiten  in  das  neue  System  der  voraussetzungslos  geschuldeten  Sonderabgabe  wird  auf  Gesetzesebene  für  Asylsuchende  und  Schutzbedürftige  ohne  Aufenthaltsbewilligung (Abs. 1 bis 3 der Übergangsbestimmungen zu der  am  16.  Dezember  2005  beschlossenen  Änderung  der  Asylgesetzes,  nachfolgend: Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG) und für  vorläufig Aufgenommene  (Art. 126a Abs. 1 bis 3 AuG) parallel geregelt.  Es  gilt  der  Grundsatz,  dass  das  neue  Recht  sofort  zur  Anwendung  gelangt  (Abs.  1  der Übergangsbestimmungen  zur Änderung  des AsylG,  Art.  126a  Abs.  3  AuG).  Vorbehalten  bleiben  zwei  Konstellationen.  Einerseits  unterstellt  das  Gesetz  die  Abrechnung  und  die  Saldierung  eines Sicherheitskontos dem bisherigen Recht, wenn sich ein (Zwischen­  oder) Schlussabrechnungsgrund nach Art. 87 AsylG in der Fassung vom  26. Juni 1998 vor Inkrafttreten des neuen Rechts verwirklicht hat (Abs. 2  der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG, Art. 126a Abs. 1  AuG; der in den Übergangsbestimmungen teilweise enthaltene Vorbehalt  zu  Gunsten  einer  altrechtlichen  Zwischenabrechnung  ist  für  praktische  Bedürfnisse  ohne Relevanz). Andererseits wird  der Bundesrat  in Bezug  auf  Personen,  die  vor  dem  Inkrafttreten  der  Gesetzesänderung  einer  Erwerbstätigkeit nachgingen, ohne dass zum Zeitpunkt des Inkrafttretens  ein  Schlussabrechnungsgrund  vorliegt,  ermächtigt,  ein 

C­622/2009 Abrechnungsverfahren  vorzusehen  sowie  Regelungen  über  die  Dauer  und  den  Umfang  der  Sonderabgabe  sowie  zur  Abnahme  von  Vermögenswerten  zu  treffen  (Abs.  3  der  Übergangsbestimmungen  zur  Änderung des AsylG, Art. 126a Abs. 2 AuG). 4.7.  Die  Übergangsbestimmungen  zur  am  24.  Oktober  2007  beschlossenen  Änderung  der  Asylverordnung  2  (nachfolgend:  Übergangsbestimmungen  zur  Änderung  der  AsylV  2),  soweit  für  die  Beurteilung der vorliegenden Streitsache von Bedeutung, stützen sich auf  die  zitierte  Rechtsetzungsermächtigung.  Deren  Abs.  6  bestimmt,  dass  Asylsuchenden,  vorläufig  Aufgenommenen  und  Schutzbedürftigen  ohne  Aufenthaltsbewilligung, die mit Inkrafttreten dieser Verordnungsänderung  der Sonderabgabe  nach Artikel  86  des AsylG  unterstehen,  die  Zeit  seit  Aufnahme der ersten sicherheitsleistungspflichtigen Erwerbstätigkeit oder  die  Zeit  seit  Eintritt  der  Rechtskraft  der  Verfügung  über  eine  erste  Vermögenswertabnahme  an  die  Dauer  der  Sonderabgabepflicht  angerechnet wird.  Abs.  7  sagt,  dass Rückerstattungen,  die  gestützt  auf  eine Zwischenabrechnung nach Artikel  16 AsylV  2  in  der  Fassung  vom  11. August 1999 geleistet wurden, den von dieser Zwischenabrechnung  betroffenen,  sonderabgabepflichtigen  Personen  vollumfänglich  an  die  Sonderabgabepflicht  angerechnet werden. Abs.  8  schliesslich  führt  aus,  dass Sicherheitsleistungen nach Art. 86 des Asylgesetzes in der Fassung  vom 26. Juni 1998 und Art. 14c Abs. 6 ANAG unter Anrechnung allfälliger  Rückerstattungen nach Abs. 6 bis zum Maximalbetrag der Sonderabgabe  von  15'000  Franken  vom  Bund  vereinnahmt  und  vollumfänglich  an  die  Sonderabgabepflicht  angerechnet  werden.  Die  über  den  Betrag  von  15'000  Franken  hinausgehenden  Sicherheitsleistungen  werden  den  Kontoinhabern  ausbezahlt  oder  an  die  Sonderabgabepflicht  des  Ehegatten angerechnet. 5.  5.1.  Die  vorliegende  Streitsache  beschlägt  die  Überführung  des  alten  Sicherheitsleistungssystems  mit  individueller  Abrechnung  über  zurechenbare  Kosten  in  das  neue  System  der  Sonderabgabe.  Der  Beschwerdeführer äufnete noch unter der Geltung des alten Rechts sein  Sicherheitskonto  mit  Lohnabzügen.  Zu  einer  Schlussabrechnung  des  Sicherheitskontos  des  Beschwerdeführers  kam  es  vor  dem  1.  Januar  2008  mangels  Verwirklichung  eines  altrechtlichen  Schlussabrechnungsgrundes  indes  nicht.  Die  Vorinstanz  sah  den  Beschwerdeführer  deshalb  gemäss Art.  1  der Übergangsbestimmungen  zur  Änderung  des  AsylG  dem  neuen  Recht  unterstellt  und  löste  sein 

C­622/2009 Sicherheitskonto  in  Anwendung  von  Art.  10  AsylV  2  in  Verbindung  mit  Abs. 6 bis 8 ihrer Übergangsbestimmungen auf. Zu diesem Zweck erliess  sie  die  angefochtene  Verfügung.  Darin  wurden  vom  fraglichen  Sicherheitskonto, welches einen Stand  von Fr.  29'214.85  aufwies,  noch  Fr.  13'390.­  zu  Gunsten  des  Bundes  eingezogen.  In  Bezug  auf  das  Restguthaben  ordnete  die  Vorinstanz  mit  Verfügung  vom  19.  Oktober  2009  die  Auszahlung  an  den  Beschwerdeführer  an.  Der  vereinnahmte  Betrag  von Fr.  13'390.­  versteht  sich  dabei  als Differenz  zwischen  dem  Maximalbetrag der Sonderabgabe von Fr. 15'000.­ einerseits und dem im  Rahmen  der  Zwischenabrechnung  zwecks  Kostendeckung  bereits  eingezogenen Betrag von Fr. 1'610.­ andererseits. 5.2.  Zur  Zulässigkeit  der  rechtssatzmässigen  Ausgestaltung  der  Sonderabgabe, der entsprechenden Übergangsbestimmungen sowie der  konkreten  Handhabung  einzelner  Verordnungsbestimmungen  hat  sich  das Bundesverwaltungsgericht in einem Grundsatzurteil geäussert (Urteil             C­7179/2008 vom 21. Dezember 2010 E. 3 und 6). Die Vorgehensweise  der  Vorinstanz  im  Falle  des  Beschwerdeführers  ist  auch  sonst  nicht  zu  beanstanden.  Sein  Sicherheitskonto  hatte  Ende  2007  Bestand  und  ein  altrechtlicher  Schlussabrechnungsgrund wurde  vor  dem  1.  Januar  2008  nicht verwirklicht. Das neue Recht kam deshalb zu Recht zur Anwendung  und  es  liegt  –  wie  aufgezeigt  –  in  der  Natur  des  Systems  der  Sonderabgabe, dass keine individuelle Abrechnung mehr stattfindet.  6.  Aus  vorstehenden Erwägungen  folgt,  dass  die  angefochtene Verfügung  im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist  deshalb abzuweisen. 7.  Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wird der Beschwerdeführer  kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Verfahrenskosten sind auf Fr.  700.­  festzusetzen  (Art.  1,  Art.  2  und  Art.  4  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 8.  Das vorliegende Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 3 und Bst. d Ziff. 1  des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). (Dispositiv Seite 11)

C­622/2009 C­622/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  700.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Beilage: Dossier N […]) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Andreas Trommer Lorenz Noli

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