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Bundesverwaltungsgericht 08.09.2011 C-5856/2008

8 septembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,499 mots·~7 min·2

Résumé

Sonderabgabepflicht | Sicherheitsleistungen/Sonderabgabe

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­5856/2008 Urteil   v om   8 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Antonio Imoberdorf, Richter Andreas Trommer, Gerichtsschreiberin Barbara Kradolfer. Parteien A._______,   Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Sicherheitsleistungen / Sonderabgabe.

C­5856/2008 Sachverhalt: A.  Die aus Sri Lanka stammende Beschwerdeführerin (geb. 1982) reiste am  14.  Juli  1999  zusammen mit  ihrer Mutter  und  zwei Geschwistern  in  die  Schweiz  ein.  Mit  Verfügung  vom  17.  November  2000  lehnte  das  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF,  heute  BFM)  ihre  Asylgesuche  ab  und  ordnete  gleichzeitig  die  vorläufige  Aufnahme  im  Rahmen  der  Humanitären Aktion 2000 an. Der Ehemann und Vater war bereits am 26.  Juni 2000 vorläufig aufgenommen worden. B.  Am 3. April  2001 wurde dem Vater der Beschwerdeführerin ein Entwurf  einer  Zwischenabrechnung  über  sein  Sicherheitskonto  zugestellt.  Darin  setzte  das  Bundesamt  die  für  das  Asylverfahren  rückerstattungspflichtigen  Kosten  auf  Fr.  25'200.­  fest  (Pauschale  für  allgemeine  Fürsorge  einer  Familie  gemäss  den  damals  geltenden  Regelvermutungen).  Hinzu  kamen  Fr.  1'320.90  für  ungedeckte  Zahnarztkosten.  Da  der  Kontoinhaber  auf  eine  Stellungnahme  verzichtete,  erliess  das  Bundesamt  am  23.  Mai  2001,  unter  Berücksichtigung  einer  weiteren,  inzwischen  eingegangenen  Zahlung,  eine entsprechende Verfügung. Diese erwuchs in Rechtskraft. C.  Weil  die  Beschwerdeführerin  im  April  2006  eine  Erwerbstätigkeit  aufnahm, wurde für sie das Sicherheitskonto Nr. (…) eröffnet. D.  Am 27. April  2007 erteilte das BFM die Zustimmung zur Erteilung einer  Aufenthaltsbewilligung an die Eltern und den damals noch minderjährigen  jüngeren Bruder der Beschwerdeführerin. Gleichzeitig wurde festgestellt,  dass  die  vorläufige  Aufnahme  erloschen  sei.  In  der  Folge  wurde  den  Eltern ein Entwurf einer Schlussabrechnung über  ihre Sicherheitskonten  zugestellt. Darin setzte das Bundesamt die angefallenen Kosten  für das  Asylverfahren  (unter  Berücksichtigung  der  Zwischenabrechnung  vom  23. Mai  2001)  auf  Fr.  4'620.90  und  für  die  Dauer  der  vorläufigen  Aufnahme auf Fr. 28'400.­  (Pauschale  für die allgemeine Fürsorge einer  Familie  gemäss  den  damals  geltenden  Regelvermutungen)  fest.  Hinzu  kamen  Fr. 2'949.70  für  ungedeckte  Zahnarztkosten. Mit  Verfügung  vom  29.  Februar  2008  liquidierte  die  Vorinstanz  die  Sicherheitskonten  der  Eltern der Beschwerdeführerin und vereinnahmte den Saldo der Konten  zugunsten des Bundes.

C­5856/2008 E.  Mit  Verfügung  vom  21.  August  2008  liquidierte  die  Vorinstanz  das  Sicherheitskonto der Beschwerdeführerin. Sie stellte dem Kontostand von  Fr. 5'491.25 den unter der Sonderabgabepflicht zu leistenden Betrag von  Fr. 15'000.­ gegenüber und hielt fest, dass der Saldo in vollem Umfang an  die Sonderabgabepflicht angerechnet werde. F.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  11.  September  2008  beantragt  die  Beschwerdeführerin  sinngemäss  die  Aufhebung  der  Verfügung  der  Vorinstanz  und  den  Verzicht  auf  die  Erhebung  der  Sonderabgabe.  Zur  Begründung bringt sie vor, sie sei im Jahre 1999 als Kind zusammen mit  ihrer Mutter  in  die Schweiz gekommen. Sie  seien  sofort  zu  ihrem Vater  gezogen  und  hätten  nie  in  Durchgangsheimen  oder  von  der  Fürsorge  gelebt.  Inzwischen sei  ihr Vater einige Zeit von der Fürsorge unterstützt  worden.  Die  Vorinstanz  habe  bereits  in  der  ihre  Eltern  betreffenden  Schlussabrechnung die  verursachten Fürsorgekosten berücksichtigt. Sie  habe  immer  bei  ihren  Eltern  gelebt  und  hoffe  daher,  nicht  sonderabgabepflichtig zu sein. G.  Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 13. Januar 2009 die  Abweisung der Beschwerde. H.  Mit  Verfügung  vom  15.  Januar  2009  wurde  die  Beschwerdeführerin  eingeladen,  zur  Vernehmlassung  der  Vorinstanz  Stellung  zu  nehmen.  Von dieser Möglichkeit machte sie keinen Gebrauch. I.  Aufgrund von Unklarheiten im Wortlaut der Beschwerdeschrift wurde der  Beschwerdeführerin  mit  Verfügung  vom  27.  Juni  2011  Gelegenheit  gegeben,  sich  bis  zum 14.  Juli  2011 dazu  zu  äussern.  Innert  Frist  ging  keine Stellungnahme ein. J.  Auf  den weiteren Akteninhalt wird  –  soweit  entscheiderheblich  –  in  den  Erwägungen eingegangen.

C­5856/2008 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Verfügungen  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyl­  und  Ausländerrechts  unterliegen  der  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  (Art.  31,  Art.  32  und  Art.  33  Bst.  d  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). 1.2. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  richtet sich nach  dem Verwaltungsverfahrensgesetz vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR  172.021), soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt  (Art. 37 VGG). 1.3.  Die  Beschwerdeführerin  ist  als  Verfügungsadressatin  zur  Beschwerde  legitimiert  (vgl.  Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  im  Übrigen  frist­ und formgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten (vgl.  Art. 50 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.4. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet endgültig  (Art. 83 Bst. c  Ziff. 3 und Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  [BGG, SR 173.110]).  2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  (BVGer)  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  49  VwVG).  Das  BVGer  wendet  im Beschwerdeverfahren  das Bundesrecht  von Amtes wegen an. Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Rechts­  und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides (vgl. BVGE 2007/41 E. 2 und Urteil des BVGer A­2682/2007  vom 7. Oktober 2010 E. 1.2. und 1.3). 3.  Strittig  ist  vorliegend,  ob  das  BFM  die  von  der  Beschwerdeführerin  zu  leistende  Sonderabgabe  auf  Fr.  15'000.­  festlegen  und  den  Saldo  von  Fr. 5'491.25  zu  Gunsten  des  Bundes  vereinnahmen  durfte.  Die  Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, sie habe nie Kosten 

C­5856/2008 verursacht. Die Kosten,  die  in den Asylverfahren entstanden  seien,  und  die später durch ihren Vater bezogenen Fürsorgeleistungen seien bereits  bei  der  Schlussabrechnung  des  Sicherheitskontos  ihres  Vaters  abgezogen worden. Sie habe  immer bei  ihren Eltern gewohnt und hoffe  deshalb, die Sonderabgabe nicht bezahlen zu müssen. 4.  4.1. Am 1. Januar 2008 trat das zweite Paket der Asylgesetzrevision vom  16. Dezember 2005  in Kraft, mit dem durch entsprechende Änderungen  des Asylgesetzes (AsylG, SR 142.31) und des auf denselben Zeitpunkt in  Kraft  gesetzten  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) ein Systemwechsel von  der  individuellen  Sicherheitsleistungs­  und  Rückerstattungspflicht  zur  Sonderabgabe vollzogen wurde (vgl. zum Ganzen das Urteil des BVGer  C­7179/2008 vom 21. Dezember 2010 E. 4 und E. 6). 4.2. Der 2. Abschnitt des 5. Kapitels des Asylgesetzes in seiner Fassung  vom 26. Juni 1998, die bis 31. Dezember 2007 in Geltung stand (AS 1999  2262),  regelt  die  Rückerstattungs­  und  Sicherheitsleistungspflicht  von  Personen, die sich gestützt auf das Asylgesetz in der Schweiz aufhalten.  Gemäss Art. 85 Abs. 1 AsylG (in der Fassung vom 26. Juni 1998) haben  sie – soweit zumutbar – die Kosten der Fürsorge, der Ausreise und des  Vollzugs sowie die Kosten des Rechtsmittelverfahrens zurückzuerstatten.  Asylsuchende  und  Schutzbedürftige  ohne  Aufenthaltsbewilligung  sind  gemäss Art. 86 AsylG (in der Fassung vom 26. Juni 1998) darüber hinaus  verpflichtet, für die Rückerstattung der vorerwähnten Kosten Sicherheiten  zu  leisten.  Zu  diesem  Zweck  richtet  der  Bund  (individuelle)  Sicherheitskonten  ein,  die  durch  Lohnabzüge  und  Vermögenswertabnahmen  geäufnet  werden.  Die  Sicherheitsleistungen  werden gemäss Art. 87 Abs. 1 AsylG (in der Fassung vom 26. Juni 1998)  aufgrund  einer  individuellen  Abrechnung  über  die  rückerstattungspflichtigen  Kosten  ausbezahlt,  wenn  die  sicherheitsleistungspflichtige Person die Schweiz endgültig verlässt  (Bst.  a),  sie  als  Asylsuchender  oder  Flüchtling  eine  Aufenthaltsbewilligung  erhält (Bst. b) oder als Schutzbedürftiger eine Niederlassungsbewilligung  erhält  oder  sich  seit  mindestens  zehn  Jahren  in  der  Schweiz  aufhält  (Bst. c).  Man  spricht  in  diesem  Zusammenhang  von  der  Schlussabrechnung  über  das  Sicherheitskonto.  Die  Asylverordnung  2  vom 11. August  1999  über  Finanzierungsfragen  in  ihrer  ursprünglichen,  bis  31.  Dezember  2007  geltenden  Fassung  (AsylV  2,  SR  142.312;  AS  1999  2318)  führt  zusätzlich  eine  Zwischenabrechnung  ein,  die  erfolgt, 

C­5856/2008 wenn  eine  sicherheitsleistungspflichtige  Person  des  Asylrechts  die  vorläufige  Aufnahme  erhält.  Im  Rahmen  dieser  Zwischenabrechnung  werden  die  bis  zum  Statuswechsel  entstandenen,  rückerstattungspflichtigen  Kosten  mit  dem  Guthaben  des  Sicherheitskontos  verrechnet  und  der  sich  ergebende  Saldo,  sei  es  zu  Gunsten  oder  zu  Lasten  des  Kontoinhabers,  in  die  Schlussabrechnung  übertragen  (Art.  16 AsylV 2  in  der Fassung  vom 11. August  1999). Die  Verpflichtung  zur  Leistung  von  Sicherheiten  ist  nicht  zeitlich,  sondern  betragsmässig limitiert. Auf Gesuch hin können Personen von der Pflicht  zur  Sicherheitsleistung  befreit  werden,  wenn  das  Guthaben  auf  dem  Sicherheitskonto die voraussichtliche Höhe der rückerstattungspflichtigen  Kosten übersteigt und einen Mindeststand aufweist (Art. 15 AsylV 2 in der  Fassung  vom  11.  August  1999).  Die  Rückerstattungs­  und  Sicherheitsleistungspflicht  vorläufig  aufgenommener  Personen  ist  durch  Verweise auf das Asylgesetz und die Asylverordnung 2 im Wesentlichen  analog  ausgestaltet  (vgl.  Art.  14c  Abs.  6  des  Bundesgesetzes  vom  26.  März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer [ANAG, BS  1 121] in der Fassung vom 26. Juni 1998, in Kraft bis 31. Dezember 2007  [AS 1999 2262]; ferner die per 1. Dezember 2008 aufgehobenen Art. 22  und 23 der Verordnung vom 11. August 1999 über den Vollzug der Weg­  und  Ausweisung  von  ausländischen  Personen  [VVWA,  SR  142.281]  in  der Fassung vom 11. August 1999 [AS 1999 2254]). 4.3. Das neue Recht ändert an der Pflicht von Personen des Asylrechts,  Sozialhilfe­,  Ausreise­  und  Vollzugskosten  sowie  die  Kosten  des  Rechtsmittelverfahrens  zurückzuerstatten,  grundsätzlich  nichts  (vgl.  Art.  85  Abs. 1  AsylG).  Zwecks  Vereinfachung  der  Verfahrensabläufe  und  Kostensenkung  wird  jedoch  das  bisherige  System  der  Rückerstattung  individuell  zurechenbarer  Kosten  aus  den  geleisteten  Sicherheiten  aufgegeben (vgl. dazu Botschaft zur Änderung des Asylgesetzes vom 4.  September  2002,  in:  BBl  2002  6872).  An  seine  Stelle  tritt  eine  Sonderabgabe,  der  erwerbstätige  Asylsuchende  und  Schutzbedürftige  ohne  Aufenthaltsbewilligung  unterworfen  werden  (Art.  86  Abs.  1  erster  Satz  AsylG).  Diese  Sonderabgabe,  welche  der  Arbeitgeber  direkt  vom  Lohn der betroffenen Person abzuziehen und dem Bund zu überweisen  hat,  darf  nicht  mehr  als  10  Prozent  des  Erwerbseinkommens  betragen  und  längstens  zehn  Jahre  seit  der  erstmaligen  Aufnahme  einer  Erwerbstätigkeit erhoben werden (Art. 86 Abs. 2 und 3 AsylG). Zweck der  Sonderabgabe  ist  die  Deckung  der  Kosten,  welche  die  Gesamtheit  der  Abgabepflichtigen  und  ihrer  (durch  sie  unterstützten)  Angehörigen  verursachen  (Art.  86 Abs.  1  zweiter Satz AsylG). Eine Verrechnung mit 

C­5856/2008 den  individuell  zurechenbaren  Kosten  und  die  Auszahlung  eines  allfälligen,  zu  Gunsten  des  Abgabepflichtigen  lautenden  Saldos  findet  nicht  statt.  Mit  der  Regelung  weiterer  Einzelheiten,  namentlich  der  Statuierung  von  Ausnahmen  von  der  Rückerstattungspflicht  und  der  Festsetzung der Höhe der Sonderabgabe, wird der Bundesrat beauftragt  (Art. 85 Abs. 4 und Art. 86 Abs. 4 AsylG).  4.4. Von der Ermächtigung zur Rechtsetzung machte der Bundesrat mit  der  Änderung  der  Asylverordnung  2  vom  24.  Oktober  2007  für  alle  rückerstattungspflichtigen  Personengruppen  einheitlich  in  ein  und  demselben Erlass Gebrauch. Art.  8 Abs.  1 AsylV 2 bestimmt,  dass  sich  die  Rückerstattung  von  Sozialhilfeleistungen,  die  eine  Person  als  Flüchtling oder Schutzbedürftiger mit Aufenthaltsbewilligung erhält, nach  kantonalem  Recht  richtet,  wobei  der  Anspruch  auf  Rückerstattung  vom  Kanton geltend gemacht wird. Für Asylsuchende, Schutzbedürftige ohne  Aufenthaltsbewilligung  und  vorläufig  Aufgenommene  (ohne  Flüchtlingsstatus)  rekapituliert  Art.  8  Abs.  2  AsylV 2  die  Pflicht  zur  Rückerstattung  der  in  Art. 85  Abs.  1  AsylG  genannten  Kosten,  zu  welchem Zweck der Bund Vermögenswertabnahmen vornimmt und eine  Sonderabgabe erhebt, welche Art. 13 Abs. 1 AsylV 2 auf 10 Prozent des  Erwerbseinkommens  festsetzt.  Den  Beginn  und  das  Ende  der  Sonderabgabepflicht  regelt  Art.  10  AsylV 2.  Danach  beginnt  die  Sonderabgabepflicht mit der erstmaligen Aufnahme einer Erwerbstätigkeit  oder  im  Zeitpunkt,  in  dem  die  Verfügung  über  eine  erste  Vermögenswertabnahme  in  Rechtskraft  erwächst  (Abs. 1).  Sie  endet,  wenn einer der in Absatz 2 genannten Tatbestände eintritt, d.h. wenn der  Betrag von 15'000 Franken erreicht ist, spätestens aber zehn Jahre nach  dem  Beginn  der  Sonderabgabepflicht  (Bst.  a),  wenn  die  betroffene  Person  die  Schweiz  verlassen  hat  (Bst.  b),  wenn  sie  die  Aufenthaltsbewilligung  (Bst.  c)  oder  Asyl  erhält  bzw.  als  Flüchtling  vorläufig  aufgenommen  wird  (Bst.  d)  oder  aber  –  bei  vorläufig  aufgenommenen Personen, die nicht Flüchtling sind – nach drei  Jahren  vorläufiger  Aufnahme,  spätestens  aber  sieben  Jahre  nach  der  Einreise  (Bst. e). 4.5. Die  Überführung  des  alten  Systems  der  Rückerstattung  individuell  zurechenbarer  Kosten  aus  den  geleisteten  Sicherheiten  in  das  neue  System  der  voraussetzungslos  geschuldeten  Sonderabgabe  wird  auf  Gesetzesebene  für  Asylsuchende  und  Schutzbedürftige  ohne  Aufenthaltsbewilligung (Abs. 1 bis 3 der Übergangsbestimmungen zu der  am  16.  Dezember  2005  beschlossenen  Änderung  der  Asylgesetzes, 

C­5856/2008 nachfolgend: Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG) und für  vorläufig Aufgenommene  (Art. 126a Abs. 1 bis 3 AuG) parallel geregelt.  Es  gilt  der  Grundsatz,  dass  das  neue  Recht  sofort  zur  Anwendung  gelangt  (Abs.  1  der Übergangsbestimmungen  zur Änderung  des AsylG,  Art.  126a  Abs.  3  AuG).  Vorbehalten  bleiben  zwei  Konstellationen.  Einerseits  unterstellt  das  Gesetz  die  Abrechnung  und  die  Saldierung  eines Sicherheitskontos dem bisherigen Recht, wenn sich ein (Zwischen­  oder) Schlussabrechnungsgrund nach Art. 87 AsylG in der Fassung vom  26. Juni 1998 vor Inkrafttreten des neuen Rechts verwirklicht hat (Abs. 2  der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG, Art. 126a Abs. 1  AuG; der in den Übergangsbestimmungen teilweise enthaltene Vorbehalt  zu  Gunsten  einer  altrechtlichen  Zwischenabrechnung  ist  für  praktische  Bedürfnisse  ohne Relevanz). Andererseits wird  der Bundesrat  in Bezug  auf  Personen,  die  vor  dem  Inkrafttreten  der  Gesetzesänderung  einer  Erwerbstätigkeit nachgingen, ohne dass zum Zeitpunkt des Inkrafttretens  ein  Schlussabrechnungsgrund  vorliegt,  ermächtigt,  ein  Abrechnungsverfahren  vorzusehen  sowie  Regelungen  über  die  Dauer  und  den  Umfang  der  Sonderabgabe  sowie  zur  Abnahme  von  Vermögenswerten  zu  treffen  (Abs.  3  der  Übergangsbestimmungen  zur  Änderung des AsylG, Art. 126a Abs. 2 AuG). 4.6.  Die  Übergangsbestimmungen  zur  am  24.  Oktober  2007  beschlossenen  Änderung  der  Asylverordnung  2  (nachfolgend:  Übergangsbestimmungen  zur  Änderung  der  AsylV  2),  soweit  für  die  Beurteilung der vorliegenden Streitsache von Bedeutung, stützen sich auf  die zitierte Rechtsetzungsermächtigung. Deren Absatz 6 bestimmt, dass  Asylsuchenden,  vorläufig  Aufgenommenen  und  Schutzbedürftigen  ohne  Aufenthaltsbewilligung, die mit Inkrafttreten dieser Verordnungsänderung  der Sonderabgabe  nach Artikel  86  des AsylG  unterstehen,  die  Zeit  seit  Aufnahme der ersten sicherheitsleistungspflichtigen Erwerbstätigkeit oder  die  Zeit  seit  Eintritt  der  Rechtskraft  der  Verfügung  über  eine  erste  Vermögenswertabnahme  an  die  Dauer  der  Sonderabgabepflicht  angerechnet wird. Absatz 7 sagt, dass Rückerstattungen, die gestützt auf  eine  Zwischenabrechnung  nach Artikel  16  AsylV 2  in  der  Fassung  vom  11. August 1999 geleistet wurden, den von dieser Zwischenabrechnung  betroffenen,  sonderabgabepflichtigen  Personen  vollumfänglich  an  die  Sonderabgabepflicht  angerechnet  wird.  Absatz  8  schliesslich  führt  aus,  dass Sicherheitsleistungen nach Art. 86 des Asylgesetzes in der Fassung  vom 26. Juni 1998 und Art. 14c Abs. 6 ANAG unter Anrechnung allfälliger  Rückerstattungen nach Abs. 6 bis zum Maximalbetrag der Sonderabgabe  von  15'000  Franken  vom  Bund  vereinnahmt  und  vollumfänglich  an  die 

C­5856/2008 Sonderabgabepflicht  angerechnet  werden.  Die  über  den  Betrag  von  15'000  Franken  hinausgehenden  Sicherheitsleistungen  werden  den  Kontoinhabern  ausbezahlt  oder  an  die  Sonderabgabepflicht  des  Ehegatten angerechnet. 5.  Die  vorliegende  Streitsache  beschlägt  die  Überführung  des  alten  Sicherheitsleistungssystems  mit  individueller  Abrechnung  über  zurechenbare  Kosten  in  das  neue  System  der  Sonderabgabe.  Die  Beschwerdeführerin  äufnete  als  vorläufig  aufgenommene  Person  noch  unter  der  Geltung  des  alten  Rechts  ihr  Sicherheitskonto  mit  Lohnabzügen.  Zur  Schlussabrechnung  kam  es  bei  der  Beschwerdeführerin – im Gegensatz zur Situation ihrer Eltern – mangels  Verwirklichung eines Schlussabrechnungsgrundes nicht mehr. Das BFM  sah sich daher nach dem Inkrafttreten des neuen Rechts veranlasst, das  Sicherheitskonto  gestützt  auf  die  Absätze  6  bis  8  der  Übergangsbestimmungen  zur  Änderung  der  AsylV 2  aufzulösen.  Zu  diesem Zweck  erliess  es  die  angefochtene Verfügung. Darin wurde  der  Saldo  des  fraglichen  Sicherheitskontos,  der  Fr.  5'491.25  betrug,  zu  Gunsten  des  Bundes  eingezogen.  Die  Differenz  von  Fr.  9'508.75  zum  Maximalbetrag  der  Sonderabgabe  von  Fr.  15'000.­  müsste  die  Beschwerdeführerin  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  nur  dann  bezahlen,  wenn sie zu Vermögen kommen sollte, das nicht aus Erwerbseinkommen  stammt. 6.  6.1. Die  Beschwerdeführerin  macht  nun  sinngemäss  geltend,  sie  habe  immer  mit  ihren  Eltern  zusammengelebt,  weshalb  die  Kosten,  die  sie  verursacht  habe,  in  der  Schlussabrechnung  über  die  Sicherheitskonten  ihrer  Eltern  bereits  berücksichtigt  seien.  Deshalb  hoffe  sie,  die  Sonderabgabe  nicht  entrichten  zu  müssen.  Die  Vorinstanz  führt  diesbezüglich  in  ihrer Vernehmlassung (vgl. Ziff. 2  in  fine) aus, dass die  unter  dem  altrechtlichen  Regime  geltende  Solidarhaftung  der  Eltern  gegenüber der Beschwerdeführerin mit dem Erreichen ihrer Volljährigkeit  am  13.  September  2000  (also  vor  der  Anordnung  ihrer  vorläufigen  Aufnahme)  entfallen  sei  (vgl.  aArt.  9  Abs.  2  AsylV  2  in  der  bis  am  31.  Dezember  2007  gültigen  Fassung,  AS  2006  4870).  Schon  aus  diesem  Grunde  hätten  ihre  Eltern  nicht  mehr  für  allenfalls  während  der  Dauer  ihrer  vorläufigen  Aufnahme  entstanden  Fürsorgekosten  herangezogen  werden können.

C­5856/2008 6.2. Was die von der Beschwerdeführerin im Asylverfahren verursachten  Kosten betrifft, wurde  ihrem Vater  im Rahmen der Zwischenabrechnung  über  sein  Sicherheitskonto  die  Familienpauschale  in  Rechnung  gestellt  (vgl.  Sachverhalt  Bst.  B).  Insofern  ist  einzuräumen,  dass  für  die  drei  Kinder  (und  damit  auch  für  die  Beschwerdeführerin)  Fürsorgekosten  gemäss  dem  damals  geltenden  maximalen  Pauschalbetrag  zurückerstattet wurden. Daraus kann aber für das vorliegende Verfahren  nichts abgeleitet werden. Zum Einen wurde – wie die Vorinstanz  in  ihrer  Vernehmlassung  zurecht  ausführt  –  über  die  Konten  der  Eltern  vor  Inkrafttreten  der  Gesetzesrevision  eine  Schlussabrechnung  vorgenommen; insofern können die übergangsrechtlichen Bestimmungen  keine  Wirkung  entfalten.  Zum  Andern  kann  die  Anrechnung  von  Rückerstattungen  im Rahmen altrechtlicher Zwischenabrechnungen, wie  sie  Absatz 7  der  Übergangsbestimmungen  zur  Änderung  der  AsylV 2  vorsieht,  nur  zugunsten  des  betroffenen  Kontoinhabers  erfolgen.  Auch  diese  Voraussetzung  ist  vorliegend  nicht  erfüllt,  wurde  doch  seinerzeit  nicht  über  das  Konto  der  Beschwerdeführerin,  sondern  über  dasjenige  ihres Vater eine Zwischenabrechnung vorgenommen.  6.3. Was nun das Konto der Beschwerdeführerin anbelangt, so sind das  Vorgehen  der  Vorinstanz  und  die  eingesetzten  Beträge  nicht  zu  beanstanden. Wie bereits weiter oben ausgeführt,  liegt es gerade  in der  Natur  der  Sonderabgabe,  dass  keine  individuelle  Abrechnung  mehr  stattfindet.  Das  Sicherheitskonto  der  Beschwerdeführerin  hatte  am  31.  Dezember  2007  Bestand,  weshalb  es  in  das  neue  System  der  Sonderabgabe  zu  überführen  war.  Aufgrund  der  Dauer  der  vorläufigen  Aufnahme  wurde  ihre  Pflicht  zur  Leistung  der  Sonderabgabe  jedoch  sogleich wieder beendet (vgl. Art. 10 Abs. 2 Bst. e AsylV 2), woraufhin die  Vorinstanz  das  Konto  in  Übereinstimmung  mit  den  in  den  Übergangsbestimmungen der AsylV 2 festgelegten Regeln liquidierte. 7.  Aus diesen Erwägungen  folgt,  dass die angefochtene  im Ergebnis nicht  zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Verfahrenskosten  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG,  Art.  1  ff.  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

C­5856/2008 (Dispositiv S. 11)

C­5856/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  800.­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt. Sie sind durch den einbezahlten Kostenvorschuss gedeckt. 3.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. […] zurück) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Kradolfer Versand:

C-5856/2008 — Bundesverwaltungsgericht 08.09.2011 C-5856/2008 — Swissrulings