Zivilrecht (ZGB) Droit civil (CC) KGE (Kassationshof in Zivilsachen) vom 29. August 2005 i.S. Vormundschaftsamt A. c. X. (Nichtigkeitsklage). Vormundschaftliche Behörden (Art. 361 ZGB): kantonale Organisation und Zuständigkeiten. Der Bezirksrichter ist einzig in den im Gesetz abschliessend aufgezählten Fällen, die der Berufung ans Bundesgericht unterliegen, Aufsichtsbehörde (Art. 17a EGZGB); die allgemeine Aufsichtspflicht obliegt demgegenüber der Vormundschaftskammer und die Oberaufsicht dem Staatsrat bzw. dem Departement (Art. 17 und 18 EGZGB). Autorités de tutelle (art. 361 CC): organisation cantonale et compétences. Le juge de district est la seule autorité de tutelle compétente dans les cas énumérés exhaustivement dans la loi, susceptibles de recours en réforme au Tribunal fédéral (art. 17a LACC); la surveillance générale incombe en revanche aux chambres de tutelle et la haute surveillance au Conseil d’Etat, respectivement au département concerné (art. 17 et 18 LACC). 150 ceg Texte tapé à la machine KGVS C3 04 170 ceg Texte tapé à la machine
Aus den Erwägungen 3. a) Gemäss Art. 361 Abs. 1 ZGB bilden die Vormundschaftsbehörde und die Aufsichtsbehörde zusammen die vormundschaftlichen Behörden. Die Kantone können die Vormundschaftsbehörde sowie eine oder zwei Aufsichtsbehörden bestimmen (Abs. 2). Sieht der Kanton zwei Aufsichtsbehörden vor, so grenzt er ihre Zuständigkeiten gegeneinander ab (Langenegger, Basler Kommentar, 2. A. 2002, N. 2 zu Art. 361 ZGB; Geiser, ebenda., N. 4 zu Art. 420 ZGB). Gestützt auf Art. 6 Ziff. 1 EMRK entschied das Bundesgericht (BGE 118 Ia 473 ff.), dass die Kantone die Zuständigkeit im Vormundschaftsbereich so zu regeln haben, dass wenigstens in einer Instanz ein Gericht mit umfassender Kognition die Rechts- und Tatfragen prüft. b) In der Folge wurde das EGZGB teilweise revidiert. Gemäss Änderung vom 6. März 2003, in Kraft seit 1. September 2003, bestehen neu zwei vormundschaftliche Aufsichtsbehörden, nämlich die Vormundschaftskammer (Art. 17 EGZGB) und das Bezirksgericht (Art. 17a EGZGB), wobei wie bis dahin dem Staatsrat die Oberaufsicht über die Vormundschaftsämter (Vormundschaftsbehörde [Gemeinde; Waisenamt] Art. 13 EGZGB) und die Vormundschaftskammern (Bezirk) obliegt (Art. 18 EGZGB), welche durch das Departement ausgeübt wird (Art. 7 Abs. 1 der Verordnung über die Vormundschaft vom 27. Oktober 1999 [VO], 211.250). aa) Gemäss Art. 17 EGZGB ist «vorbehältlich der Zuständigkeit des Bezirksgerichts» die Vormundschaftskammer die vormundschaftliche Aufsichtsbehörde, welche also grundsätzlich als vormundschaftliche Aufsichtsbehörde zuständig ist, während der Bezirksrichter als besondere vormundschaftliche Aufsichtsbehörde in den im Gesetz abschliessend aufgezählten Fällen fungiert, nämlich nach Art. 17a EGZGB «bei Entscheiden des Vormundschaftsamtes zur Anordnung oder Verweigerung der Entmündigung, einer Beirat- oder Beistandschaft (Art. 45 f.), oder von Kindesschutzmassnahmen (Art. 55 ff.) oder wenn es Gesuche um Abänderung eines Scheidungsurteils (Art. 134 und 315b ZGB) beurteilt (vgl. Botschaft zur Änderung des Einführungsgesetzes zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch, in: Bulletin des séances du Grand Conseil, Session ordinaire de mars 2003, S. 644; Eintretensdebatte, a.a.O., S. 659 f.). In diesem Sinn erging auch das Rundschreiben des Vorstehers des Departements für Volkswirtschaft, Institutionen und Sicherheit vom 16. Mai 2003 betreffend die Zuständigkeit der Vormundschaftskammer und des Bezirksgerichts, wonach die 151