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Bundesverwaltungsgericht 10.08.2011 E-7495/2009

August 10, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,636 words·~8 min·2

Summary

Nichteintreten auf Asylgesuch (Papierlosigkeit) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. November 2009

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­7495/2009 Urteil   v om   1 0 .   Augus t   2011   Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiberin Esther Karpathakis. Parteien A._______, dessen Ehefrau B._______, und ihr Kind  C._______, Irak, alle vertreten durch Rebecca Moses Möhrle, Thurgauer  Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende, Bahnhofstrasse 2,  Postfach 2136, 8280 Kreuzlingen,  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 26. November 2009 / N (…).

E­7495/2009 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführenden  ihren  Heimatstaat  eigenen  Angaben  zufolge am 3. Oktober 2009 verliessen, auf dem Landweg nach Istanbul  gelangten,  drei  Wochen  später  mit  einem  Lastkraftwagen  weiterreisten  und am 2. November 2009 illegal in die Schweiz gelangten,  dass  die  Beschwerdeführenden  am  selben  Tag  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Kreuzlingen  um  Asyl  nachsuchten,  wo  sie  aufgefordert  wurden,  innert  48  Stunden  Reise­  oder  Identitätspapiere  abzugeben, dass  die Beschwerdeführenden  am 18. November  2009  zum Reiseweg  und den Ausreisegründen befragt (Protokoll in den Vorakten: A1 und A2)  und  am  23.  November  2009  zu  den  Asylgründen  angehört  wurden  (Protokoll in den Vorakten: A9 und A10), dass  die  Beschwerdeführenden  zu  ihren  Reise­  und  Identitätspapiere  ausführten, sie besässen Identitätskarten, die 2007 nach ihrer Hochzeit in  D._______ausgestellt worden seien,  dass  der  Beschwerdeführer  ausführte,  sie  beide  besässen  auch  einen  Nationalitätenausweis,  und  die  Beschwerdeführerin  angab,  sie  habe  keinen solchen, dass  die  Beschwerdeführenden  angaben,  sie  könnten  die  Papiere  problemlos beschaffen, da sie sich bei der Mutter des Beschwerdeführers  befänden,  wo  sie  sie  zurückgelassen  hätten  beziehungsweise  wo  der  Schlepper, dem sie sie übergeben hätten müssen, sie abgegeben habe, dass der Beschwerdeführer zu seinen Asylgründen ausführte, er habe bis  im  Sommer  2009  ein  Gemüsegeschäft  geführt,  wo  er  einen  guten  Verdienst erzielt habe, und habe sich auf eine freie Stelle in der Kantine  einer  Kaserne  der  irakischen  und  der  amerikanischen  Armee  in  E._______ hin gemeldet, dass  er  sich mit  seinem Nationalitätenausweis  dort  ausgewiesen  habe,  sein Name registriert worden sei und er die Stelle erhalten habe, dass er am 2. Oktober 2009 von drei Mujaheddins aufgefordert worden  sei, ihnen jeweils mitzuteilen, wenn Amerikaner die Kantine besuchten,

E­7495/2009 dass  er  sich  nicht  gewagt  habe,  seinen  Unwillen  kundzutun,  weil  er  gefürchtet habe, er würde sonst von den Terroristen umgebracht, dass  er  deswegen  noch  am  selben Tag  seine Ausreise  vorbereitet  und  das  Land  am  Tag  darauf  zusammen  mit  seiner  Ehefrau  und  mit  Hilfe  eines Schleppers verlassen habe, dass er weder mit der Armee noch der Polizei oder anderen Behörden in  seinem Heimatland je Probleme gehabt habe, dass die Beschwerdeführerin keine eigenen Asylgründe geltend machte,  sondern ausführte, mit ihrem Ehemann zusammenleben zu wollen, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  26.  November  2009  –  eröffnet  am  selben Tag – auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden gestützt auf  Art.  32  Abs.  2  Bst.  a  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31) – nicht eintrat,  ihre Wegweisung aus der Schweiz verfügte, den  Wegweisungsvollzug anordnete und eine Ausreisefrist ansetzte, dass  es  zur  Begründung  im  Wesentlichen  ausführte,  die  Beschwerdeführenden  hätten  den  Behörden  trotz  entsprechender  Aufforderung  innert  48  Stunden  keine  Identitätsdokumente  eingereicht  und  keine  entschuldbaren  Gründe  für  die  Unterlassung  glaubhaft  gemacht, dass  sie  mit  ihrem  Verhalten  die  zumutbare  Mitwirkungspflicht  verletzt  hätten und anzunehmen sei, sie hätten ihre Reise­ und Identitätspapiere  bewusst vorenthalten, um ihre Identität zu verschleiern, dass  sich  im  Übrigen  die  Vermutung  aufdränge,  die  Beschwerdeführenden stammten entgegen  ihren Angaben nicht aus der  Provinz (…), sondern aus der Provinz (…), dass nämlich nicht nachvollziehbar sei, weshalb die Beschwerdeführerin  weder  aktiv  noch  passiv  der  (…)  Sprache  mächtig  sei,  wenn  sie  aus  einem (…) Gebiet komme, (…) dass  auch  weitere  Merkmale  für  diese  Vermutung  sprächen,  insbesondere  die  mangelnden  Kenntnisse  zu  den  Verhältnissen  am  angeblichen Herkunftsort sowie die von ihr gesprochene Sprache (…), dass die Verfolgungsvorbringen den Anforderungen gemäss Art. 3 und 7  AsylG  an  das  Glaubhaftmachen  eines  flüchtlingsrechtlich  beachtlichen 

E­7495/2009 Sachverhalts  offensichtlich  nicht  genügten,  zumal  die  Angaben  des  Beschwerdeführers substanzarm und realitätsfremd seien,  dass  er  etwa  nicht  im  Stande  gewesen  sei,  das  Datum,  an  dem  er  angeblich von Terroristen besucht worden sei, auch nur annähernd in den  zeitlichen  Ablauf  der  betreffenden  Woche  einzuordnen,  und  nicht  nachvollziehbar  sei,  weshalb  er  keiner  eingehenden  Sicherheitsüberprüfung  unterzogen  worden  wäre,  hätte  er  tatsächlich  eine  Stelle  in  einer  Militärkantine  angetreten,  wo  auch  amerikanische  Soldaten verkehrten, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllten  und zusätzliche Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft  oder eines Wegweisungsvollzugshindernisses nicht erforderlich seien, dass die Wegweisung Regelfolge eines Nichteintretensentscheides sei, dass  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich erweise,  zumal die Beschwerdeführenden höchstwahrscheinlich  aus  einer  der  drei  von  der  kurdischen  Regionalregierung  kontrollierten  nordirakischen Provinzen stammten, dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 2. Dezember 2009 beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhoben  und  beantragten,  die  BFM­Verfügung  vom  26.  November  2009  sei  aufzuheben  und  das  Asylgesuch zur Prüfung an das BFM zurückzuweisen, eventualiter sei die  Unzumutbarkeit  und  die  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen, dass  sie  in  formeller  Hinsicht  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung beantragten, dass  sie  zur  Begründung  im  Wesentlichen  ausführten,  die  Identitätspapiere  der  Beschwerdeführenden  seien  am  25.  November  2009 in der Schweiz angekommen und am 27. November 2009 dem BFM  in  Kreuzlingen  im  Original  und  mit  Briefumschlag  abgegeben  worden,  zusammen mit dem Hochzeitsfoto und der Heiratsbescheinigung, dass  insgesamt  den  Beschwerdeführenden  keine  Mitwirkungspflichtverletzung vorgeworfen werden könne,

E­7495/2009 dass  die  eingereichten  Papiere  die  Herkunft  der  Beschwerdeführenden  aus  E._______  bestätigen  würden,  weshalb  auf  die  Zweifel  des  BFM  bezüglich des Herkunftsorts nicht näher eingegangen werden müsse, dass  demzufolge  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  einzutreten und ihre Flüchtlingseigenschaft zu prüfen sei, dass  zu  prüfen  sei,  ob  ein Vollzug  der Wegweisung  in  die Provinz  (…)  zulässig, zumutbar und möglich sei,  dass sich die Sicherheits­ und Menschenrechtslage in den an Kurdistan­ Irak  angrenzenden  Städten  (…)  samt  Umgebung  im  Jahr  2009  wieder  massiv  verschlechtert  habe,  weshalb  ein  Wegweisungsvollzug  dorthin  unzumutbar sei, dass  die  Beschwerdeführenden  zusammen  mit  ihrer  Beschwerde  ein  Update  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH)  zur  aktuellen  Entwicklung  im  Zentral­  und  Südirak  vom  5.  November  2009  sowie  ein  Hochzeitsfoto  im  Original,  zwei  Identitätskarten  und  eine  Ehebescheinigung (alles in arabischer Sprache, in Kopie) einreichten,  dass  der  zuständige  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  mit  Zwischenverfügung  vom  9.  Dezember  2009  unter  anderem  das  Gesuch  der  Beschwerdeführenden  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  guthiess  –  verbunden mit  der  Aufforderung,  umgehend  ihre  Bedürftigkeit  zu  belegen  –  und  das  BFM  zum  Schriftenwechsel  einlud, dass  das  BFM  mit  Vernehmlassung  vom  11.  Dezember  2009  die  Abweisung der Beschwerde beantragte, wobei es ergänzend festhielt, der  Nichteintretensentscheid sei aufgrund der damaligen Aktenlage zu Recht  erfolgt,  und  das  BFM  habe  nicht  antizipieren  können,  dass  die  Beschwerdeführenden  die  in  Aussicht  gestellten  Ausweispapiere  auch  tatsächlich nachreichen würden, dass im Übrigen der vom Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung vom  23.  November  2009  in  Aussicht  gestellte  Nationalitätsausweis,  dessen  Beweiswert  höher  einzustufen  sei  als  derjenige  der  Identitätskarte,  bezeichnenderweise nicht nachgereicht worden sei, dass Identitätskarten bekanntlich  im Irak ohne grossen Aufwand käuflich  erworben  werden  könnten,  und  der  nachgereichte  Eheschein  bezeichnenderweise Fälschungsmerkmale aufweise,

E­7495/2009 dass irakische Identitätskarten ausserdem nicht Aufschluss gäben zu den  Wohnadressen  der  Ausweisinhaber,  sondern  lediglich  zur  amtlichen  Registrierung,  und  es  denkbar  sei,  dass  die  Beschwerdeführenden  im  Kindesalter einmal in der Provinz (…) gelebt hätten, dass  dieser  Umstand,  insbesondere  angesichts  der  Unkenntnis  der  Beschwerdeführenden  zur  Region  E._______,  nichts  an  der  Einschätzung ändere, dass die Beschwerdeführenden schon  lange nicht  mehr  dort  lebten,  sondern  wohl  vielmehr  den Grossteil  ihres  Lebens  in  der Herkunftsregion ihres Stammes (Provinz …) verbracht hätten, dass  der  zuständige  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  den  Beschwerdeführenden  mit  Zwischenverfügung  vom  16.  Dezember  2009 Gelegenheit zur Stellungnahme gab, dass  die  Beschwerdeführenden  in  ihrer  Replik  vom  4.  Januar  2010  ausführten,  die  Papiere  seien  innert  der  kürzest­möglichen  Zeit  nachgereicht worden, und die nun eingereichten Dokumente würden die  Angaben der Beschwerdeführenden untermauern, dass  die  Mutter  des  Beschwerdeführers  es  leider  versäumt  habe,  den  Dokumenten,  die  sie  in  die  Schweiz  geschickt  habe,  auch  die  Nationalitätenausweise  beizulegen,  diese  aber  noch  innert  Wochenfrist  beim EVZ Kreuzlingen eintreffen sollten, dass  das  BFM  hinsichtlich  der  Echtheit  der  eingereichten  Papiere  nur  Vermutungen  aufstelle,  ebenso  wie  betreffend  den  Herkunftsort  der  Beschwerdeführenden, dass  die Beschwerdeführenden  das Bundesverwaltungsgericht mit  Brief  vom  24.  Februar  2011  über  die  Geburt  ihres  Kindes  C._______  informierten, dass die zuständige Migrationsbehörde (…) auf entsprechendes Geheiss  des BFM hin dem Bundesverwaltungsgericht am 16. März 2011 (Datum  des Eingangs)  die  beiden  Identitätskarten  der Beschwerdeführenden  im  Original  sowie zwei Dokumentenprüfungsberichte der Kantonspolizei St.  Gallen vom 11. März 2011 zukommen liess, dass  die  kriminaltechnischen  Experten  feststellen,  die  beiden  Identitätskarten der Beschwerdeführenden seien Totalfälschungen,

E­7495/2009 dass  das  Bundesverwaltungsgericht  den  Beschwerdeführenden  mit  Zwischenverfügung  vom  27.  Juni  2011  Gelegenheit  zur  Stellungnahme  gab, dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 4. Juli 2011 ausführten,  sie könnten sich das Ergebnis der Dokumentenprüfung nicht erklären, es  könne  sich  nur  um  einen  Fehler  der  Behörden  bei  der  Ausstellung  der  Papiere handeln und sie würden versuchen, eine Bestätigung der Polizei  oder Ausweise ihrer Verwandten kommen zu lassen, und erwägt, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  in  der  Regel  –  so  auch  im  vorliegenden  Fall  –  endgültig  über  Beschwerden  gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021])  des  BFM  entscheidet  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 ­ 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, SR 173.110]), dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach  dem  VwVG richtet, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG), dass auf die  frist­ und  formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten  ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass das Kind Hewi in das Verfahren seiner Eltern einzuschliessen ist, dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 ­ 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der 

E­7495/2009 Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist, dass  indessen  bei  einem  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG ungeachtet der  vorzunehmenden  Überprüfung  eines  formellen  Nichteintretensentscheides  auch  die  Flüchtlingseigenschaft  Prozessgegenstand  bildet  und  über  deren Nichtbestehen  abschliessend  materiell zu entscheiden ist, soweit dies im Rahmen einer summarischen  Prüfung  möglich  ist  (vgl.  BVGE  2007/8,  insbesondere  E.  2.1  und  E.  5.6.5), dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  volle Kognition zukommt, dass auf ein Asylgesuch nicht eingetreten wird, wenn Asylsuchende den  Behörden nicht innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs  Reise­ oder Identitätspapiere abgeben (Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG), dass  diese  Bestimmung  jedoch  keine  Anwendung  findet,  wenn  Asylsuchende  glaubhaft  machen  können,  sie  seien  dazu  aus  entschuldbaren Gründen nicht  in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG),  auf  Grund  der  Anhörung  sowie  gestützt  auf  Art.  3  und  7  AsylG  die  Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG) oder  sich auf Grund der Anhörung erweist, dass zusätzliche Abklärungen zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses nötig sind (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG;  BVGE 2009/50 E. 5 ­ 8),  dass die Beschwerdeführenden  innert 48 Stunden unbestrittenermassen  keine  rechtsgenüglichen  Identitätsdokumente  eingereicht  haben  und  dafür keine entschuldbaren Gründe geltend machen konnten,  dass  sich  im  heutigen  Zeitpunkt  eine  Auseinandersetzung  mit  den  Argumenten  des  BFM  und  den  Einwänden  der  Beschwerdeführenden 

E­7495/2009 erübrigt, weil  sich  inzwischen  herausgestellt  hat,  dass  die Bemühungen  der  Beschwerdeführenden,  Reise­  und  Identitätspapiere  einzureichen,  darin gipfelten, gefälschte Dokumente nachzureichen,  dass  die  Totalfälschung  der  beiden  Identitätskarten  aufgrund  des  überzeugenden  und  vielfältigen  Nachweises  des  mit  der  Untersuchung  beauftragten  kriminaltechnischen  Dienstes  auch  für  das  Bundesverwaltungsgericht unzweifelhaft feststeht, dass  die  Stellungnahme  der  Beschwerdeführenden  vom  4.  Juli  2011,  wonach es  sich  um einen Fehler  der Behörden bei  der Ausstellung  der  Ausweise  handeln  müsse,  offensichtlich  untauglich  ist,  und  im  Übrigen  auch der angekündigte Nationalitätenausweis nicht eingereicht wurde, dass diese Umstände die vorinstanzliche Erkenntnis einer wissentlichen  und  willentlichen Missachtung  der  den  Beschwerdeführenden  bezüglich  der  Offenlegung  ihrer  Identität  und  Beibringung  von  Reise­  und  Identitätspapieren obliegenden Mitwirkungspflicht (Art. 8 Abs. 1 b AsylG)  stützen, dass die Beschwerdeführenden somit nicht glaubhaft machen können, sie  seien  durch  nicht  selbst  zu  verantwortende  Umstände  an  der  unverzüglichen Einreichung von Reise­ oder  Identitätspapieren  im Sinne  von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG gehindert worden (Art. 32 Abs. 3 Bst. a  AsylG), dass  die  Missachtung  der  ihnen  obliegenden  Mitwirkungspflicht  ihrer  persönlichen  Glaubwürdigkeit  abträglich  ist,  was  die  behauptete  Verfolgungssituation  bereits  deshalb  als  unwahrscheinlich  erscheinen  lässt, dass sich die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung in Bezug auf  die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführenden  als  zutreffend  erweisen und zwecks Vermeidung von Wiederholungen darauf verwiesen  werden kann, dass  sich  die  Beschwerdeführenden  auf  Rechtsmittelstufe  mit  diesen  Erwägungen des BFM nicht befassen,  dass unter Hinweis auf die wiederum zu bestätigenden Erkenntnisse des  BFM  kein  Anlass  zur  Vornahme  zusätzlicher  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses noch gar zur direkten Feststellung der 

E­7495/2009 Flüchtlingseigenschaft besteht (Art. 32 Abs. 3 Bst. b und c AsylG, BVGE  2007/8 E. 2.1 und BVGE 2009 Nr. 50 E. 5 ­ 8), dass das BFM nach dem Gesagten zu Recht  in Anwendung von Art. 32  Abs. 2 Bst. a AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht  eingetreten ist,  dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat (Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 vom  11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]) und auch  kein Anspruch auf Erteilung einer  solchen besteht  (vgl. Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr. 21  E.  8d),  weshalb  die  verfügte Wegweisung  im  Einklang mit  den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach vom BFM zu Recht  angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  demgegenüber  Hinweise  auf  blosse  Eventualitäten  und  vage  Möglichkeiten von Vollzugshindernissen nicht genügen, dass  die  ausführlichen  Erwägungen  des  BFM  betreffend  Wegweisungsvollzug sich als zutreffend erweisen, weshalb vorab darauf  verwiesen werden kann, dass  die  Zweifel  an  der  geltend  gemachten  Herkunft  der  Beschwerdeführenden  sich  durch  die  Einreichung  gefälschter  Papiere 

E­7495/2009 nochmals bestätigen und es, wie vom BFM zutreffend festgehalten, nicht  Aufgabe  der  Asylbehörden  ist,  bei  fehlenden  Hinweisen  seitens  der  Beschwerdeführenden  näher  nach  allfälligen  Wegweisungsvollzugshindernissen  bezogen  auf  mutmassliche  Herkunftsorte  zu  forschen,  falls  diese,  wie  vorliegend,  ihrer  Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsermittlung nicht nachkommen, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  Beachtung  dieser  völker­  und  landesrechtlichen  Bestimmungen  zulässig  ist,  da  es  den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb  das  in  Art. 5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­ Refoulement  vorliegend  keine  Anwendung  findet,  und  auch  keine  Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im Sinne von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  ersichtlich  sind,  die  den  Beschwerdeführenden  im Heimatland droht,  zumal mit  dem BFM davon  auszugehen  ist,  dass  sie  aus  einer  der  drei  Provinzen  der  Autonomen  Region Kurdistan im Norden des Iraks kommen, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),

E­7495/2009 dass weder  die  allgemeine  Lage  in  der mutmasslichen Herkunftsregion  der  Beschwerdeführenden  noch  individuelle  Gründe  auf  eine  konkrete  Gefährdung im Falle einer Rückkehr schliessen lassen,  dass  zwar  bei  einem  Wegweisungsvollzug  in  die  drei  kurdischen  Provinzen  des  Nordiraks  Zurückhaltung  geboten  ist,  wenn  Familien mit  Kindern betroffen sind, weil oftmals weder ein ausreichendes Einkommen  noch  adäquater  Wohnraum  in  Aussicht  stehen  (vgl.  BVGE  2008/5  E.  7.5.8), dass der Beschwerdeführer laut eigenen Angaben selbständig einen (…)  betrieben und dabei gut verdient hat, und es keinen Grund zur Annahme  gibt, er könne dies nach seiner Rückkehr nicht wieder tun, womit er und  seine  Familie  Zugang  zu  adäquatem  Wohnraum  und  den  übrigen  notwendigen Existenzgrundlagen haben werden, dass  ferner  davon  auszugehen  ist,  die  Beschwerdeführenden  verfügten  am Herkunftsort über ein soziales Netz, dass deshalb der Vollzug der Wegweisung zumutbar ist, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  in  ihren  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es den Beschwerdeführenden obliegt,  bei der Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (vgl. Art. 8 Abs. 4  AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  BFM  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  sich  nach  dem  Gesagten  erübrigt,  auf  weitere  Argumente  der  Beschwerdeführenden einzugehen,  dass  es  ihnen  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt  oder  unangemessen  ist  (Art. 106  AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist, dass die  im Laufe des Beschwerdeverfahrens eingereichten gefälschten  irakischen  Identitätskarten  einzuziehen  und  zuhanden  des  BFM  sicherzustellen sind (Art. 10 Abs. 4 AsylG),

E­7495/2009 dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten grundsätzlich den  Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG), dass  zwar  das  Gesuch  um  unentgeltliche  Prozessführung  mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  9.  Dezember  2009 gutgeheissen worden war, dass  allerdings  die  vom  Gericht  gleichzeitig  eingeforderte  Fürsorgebestätigung nicht eingereicht wurde, dass  demzufolge  die  Bedürftigkeit  nicht  belegt  und  die  damalige  Zwischenverfügung  in diesem Punkt wiedererwägungsweise aufzuheben  ist,  zumal  die  Kostenauflage  auch  wegen  der  im  Beschwerdeverfahren  begangenen  Verletzung  von  Verfahrenspflichten  in  sinngemässer  Anwendung von Art. 63 Abs. 3 VwVG geboten ist, dass  die Verfahrenskosten  im Betrag  von  Fr.  600.−  (vgl.  Art.  1  ­  3  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  VGKE,  SR  173.320.2)  den  Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  gefälschten  irakischen  Identitätskarten,  lautend  auf  die  Namen  der  Beschwerdeführenden  (Nrn. …) werden  eingezogen  und  zuhanden  des  BFM sichergestellt. 3.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  wiedererwägungsweise abgewiesen. 4.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

E­7495/2009 5.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzenden Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Esther Karpathakis Versand:  

E­7495/2009 Zustellung erfolgt an: – die  Rechtsvertreterin  der  Beschwerdeführenden  (Einschreiben;  Beilage: Einzahlungsschein) – das  BFM,  Asyl  und  Rückkehr,  mit  den  Akten  N  (…)  (per  Kurier;  Beilagen: gefälschte irakische Identitätskarten Nrn. …) – die zuständige Migrationsbehörde (in Kopie)

E-7495/2009 — Bundesverwaltungsgericht 10.08.2011 E-7495/2009 — Swissrulings