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Bundesverwaltungsgericht 09.01.2012 E-6916/2011

January 9, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,294 words·~6 min·3

Summary

Flughafenverfahren (Asyl und Wegweisung) | Flughafenverfahren (Asyl und Wegweisung); Verfügung des BFM vom 21. Dezember 2011 / N

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6916/2011 Urteil   v om   9 .   J a nua r   2012 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;   Gerichtsschreiber Urs David. Parteien A._______, Tunesien,  (…),   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung (Flughafenverfahren); Verfügung des BFM vom 21. Dezember 2011 / N (…).

E­6916/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  sich  der  Beschwerdeführer  im  Jahre  2010  beziehungsweise  2011  mehrere  Monate  in  Italien  aufgehalten  habe  und  am  4.  Juli  2011  ein  erstes Asylgesuch  in  der Schweiz  stellte,  dieses  aber  am 25.  Juli  2011  wieder zurückzog, dass  er  am  (…)  2011  freiwillig  auf  dem  Luftweg  in  seine  Heimat  zurückkehrte,  woraufhin  das  BFM  das  Asylverfahren  am  8.  September  2011 als gegenstandslos geworden abschrieb, dass  er  am  (…) Dezember  2011  von B._______  herkommend auf  dem  Luftweg nach Zürich gelangte und am 12. Dezember 2011 am Flughafen  erneut um Asyl ersuchte, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  12.  Dezember  2011  dem  Beschwerdeführer die Einreise  in die Schweiz vorläufig verweigerte und  ihm  für  die  Dauer  von  maximal  60  Tagen  den  Transitbereich  des  Flughafens Zürich als Aufenthaltsort zuwies,  dass der Beschwerdeführer anlässlich der Befragung vom 16. Dezember  2011  zur  Person  und  der  Anhörung  vom  19.  Dezember  2011  zu  den  Asylgründen geltend machte, am (…) 2011 nach Tunesien zurückgekehrt  zu sein, um nach seinem Bruder zu schauen, dass  er  nicht  politisch  tätig  gewesen  sei  und  seine  Heimat  im  Wesentlichen  aus  den  gleichen  Gründen  wie  beim  ersten  Asylgesuch  (weitgehend  fehlende  Bezugspersonen  in  Tunesien  nach  Scheidung  beziehungsweise  Versterben  seiner  Eltern,  Heimatlosigkeitsgefühl,  wirtschaftliche  Gründe,  Probleme  mit  der  ihn  und  seinen  Bruder  pflegenden Familie) verlassen habe, dass  zwischenzeitlich  keine  verfolgungsbegründenden  Ereignisse  hinzugetreten seien beziehungsweise er nunmehr von der Polizei gesucht  werde, weil er sich für seinen von der Pflegefamilie schlecht behandelten  Bruder eingesetzt habe und deshalb von letzterer angezeigt worden sei,  dass er kontrolliert, mit den kurz zuvor erhältlich gemachten Reise­ und  Identitätsdokumenten  (Pass,  Identitätskarte)  sowie  seinem  Asylbewerberausweis  aus  dem  ersten  Asylverfahren,  jedoch  ohne  gültiges Visum, auf dem Luftweg in das Zielland Schweiz gereist sei,

E­6916/2011 dass  er  nebst  Pass,  Identitätskarte  und  Asylbewerberausweis  insbesondere  auch  seinen  Führerschein  und  ein  Arbeitszeugnis  zu  den  Akten  gab  beziehungsweise  ihm  diese  Dokumente  bei  der  Einreise  abgenommen worden seien, dass  der  Reisepass  und  die  Identitätskarte  von  der  Flughafenpolizei  Zürich einer Dokumentenprüfung unterzogen wurden, welche das Fehlen  objektiver Fälschungsmerkmale ergab, dass  das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  mit  Verfügung  vom 21. Dezember  2011  –  eröffnet  am 23. Dezember  2011  –  ablehnte  und dessen Wegweisung aus dem Transitbereich des Flughafens Zürich  sowie den Vollzug anordnete, dass  das  Bundesamt  seinen  ablehnenden  Asylentscheid  damit  begründete, dass die Schilderungen des Beschwerdeführers sowohl den  Anforderungen  von Art.  7  des Asylgesetzes  vom 26.  Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  an  das  Glaubhaftmachen  eines  Asyl  begründenden  Sachverhalts als auch jenen an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit im  Sinne von Art. 3 AsylG nicht genügten, dass  die  allgemeinen  politischen,  wirtschaftlichen  und  sozialen  Lebensbedingungen  in einem Land keine asylbeachtliche Verfolgung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  darstellten  und  insbesondere  die  geltend  gemachten  fehlenden  wirtschaftlichen  Zukunftsperspektiven  des  Beschwerdeführers  zwar  angesichts  der  Betroffenheit  breiter  Bevölkerungskreise  in Tunesien unbestritten und bedauerlich, nicht aber  relevant im Sinne des Asylgesetzes seien, dass dies auch  für die angebliche polizeiliche Suche nach  ihm aufgrund  einer  Anzeige  durch  Drittpersonen  gelte,  da  die  Behörden  legitimiert  seien,  in  solchen  Streitfällen  zum  Schutz  der  öffentlichen Ordnung  und  Sicherheit der involvierten Personen einzugreifen, dass  angesichts  dieser  offensichtlichen  Feststellungen  bezüglich  fehlender Asylrelevanz auf eine Glaubhaftigkeitsprüfung nach Massgabe  von Art.  7  AsylG  verzichtet  werden  könnte,  vorliegend  aber  auch  diese  klar  negativ  ausfalle,  da  die  Vorbringen  zum  Streitfall  und  zu  den  Fahndungsumständen  substanz­  und  detailarm  und  die  Angaben  zu  seiner  familiären  Situation  ebenfalls  substanzarm  und  zudem  widersprüchlich seien,

E­6916/2011 dass die Wegweisung die Regelfolge eines ablehnenden Asylentscheides  darstelle  und  keine  zureichenden  Gründe  ersichtlich  seien,  die  auf  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  oder  Unmöglichkeit  eines  Wegweisungsvollzugs schliessen lassen würden, dass  mangels  Erfüllung  der  Flüchtlingseigenschaft  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG keine Anwendung finde  und  keine  Anhaltspunkte  für  eine  den  Beschwerdeführenden  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  drohende,  durch  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  verbotene  Bestrafung  oder  Behandlung ersichtlich seien, dass ferner von der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs auszugehen  sei,  da  in  Tunesien  trotz  häufiger  Demonstrationen  und  Protestbewegungen  derzeit  keine  Bürgerkriegslage  oder  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt  herrsche,  der  Beschwerdeführer  jung  und  gesund  und  gut  ausgebildet  sei  und  –  angesichts  der  diesbezüglich  unglaubhaften  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  –  von  einem  funktionierenden familiären und sozialen Netzwerk auszugehen sei, dass  der  Vollzug  schliesslich  technisch  möglich  und  praktisch  durchführbar sei, dass  der  Beschwerdeführer  mit  arabischsprachiger  Eingabe  vom  24.  Dezember  2011  gegen  diese Verfügung  vom 21. Dezember  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob  und  darin  ­  nebst  den  prozessualen  Begehren  um  Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung,  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  für  die  Verfahrenskosten  und  Vorschusserhebung  sowie  Vornahme  einer  amtlichen Übersetzung  ­  die Aufhebung des angefochtenen Entscheids,  die  Gewährung  von  Asyl  unter  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  eventualiter  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  unter  Feststellung  der  Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges beantragt,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  antragsgemäss  eine  Übersetzung  der  Beschwerdeschrift  in  eine  schweizerische  Amtssprache  bei  der  Flughafenpolizei eingefordert hat, welche am 28. Dezember 2011 (1. Teil)  und am 4. Januar 2012 (2. Teil) beim Gericht eingegangen ist,

E­6916/2011 dass  der  Beschwerdeführer  in  der  Begründung  vorab  die  für  das  Asyl  beziehungsweise  die  Wegweisung  massgeblichen  Gesetzesartikel  erwähnt, dass er sodann seine "vielen Probleme" mit "mehreren Familien"  in  Tunesien  im  Zusammenhang  mit  seinem  Bruder  sowie  das  Fehlen  eines familiären und verwandtschaftlichen Beziehungsnetzes bekräftigt, dass  er  deshalb  darum  bitte,  nicht  nach  Italien  oder  Tunesien  zurückgeschickt  zu  werden,  zumal  ihn  in  seinem  Heimatland  das  Gefängnis erwarte, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass Parteieingaben vor den Behörden des Bundes grundsätzlich in einer  schweizerischen  Amtssprache  abzufassen  wären  (Art.  70  Abs.  1  der 

E­6916/2011 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999  [BV,  SR  101]  und  Art.  33a  Abs.  1  VwVG),  vorliegend  aber  aus  prozessökonomischen  Gründen  auf  eine  Rückweisung  der  arabischsprachigen  Beschwerdebegründung  verzichtet  und  antragsgemäss eine amtliche Übersetzung veranlasst wurde, dass  der  vorliegende  Entscheid  indessen  in  deutscher  Sprache  ergeht  (vgl. Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  vorab  klarzustellen  ist,  dass  eine  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach  Italien  entgegen  seiner  Befürchtung  in  casu  nicht zur Diskussion steht, da eine solche Massnahme nicht Gegenstand  des Dispositivs und/oder der Begründung der angefochtenen Verfügung  bildet, weshalb darauf nicht näher einzugehen ist, dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die  in  ihrem Heimatstaat oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 AsylG),

E­6916/2011 dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält, dass  Vorbringen  insbesondere  dann  unglaubhaft  sind,  wenn  sie  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden, dass  die Vorinstanz  gesetzes­  und  praxiskonform erkannt  hat,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  betreffend  seine  angebliche  Verfolgungs­  und  Gefährdungssituation  den  Anforderungen  von  Art.  3  und 7 AsylG offensichtlich nicht genügen, dass  zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  auf  die  betreffenden  Erwägungen  gemäss  angefochtener  Verfügung  und  die  zusammenfassende  Darstellung  oben  vollumfänglich  verwiesen  werden  kann, dass eine Überprüfung von Amtes wegen keine Unzulänglichkeiten in der  Sachverhaltsfeststellung  oder  Rechtsfindung  durch  das  BFM  erkennen  lässt, dass  auch  die  Beschwerdeschrift  keine  zureichenden Anhaltspunkte  für  eine  von  den  vorinstanzlichen  Erkenntnissen  abweichende  Betrachtungsweise enthält,  dass  sie  sich  im Wesentlichen auf  eine Wiedergabe der massgeblichen  Gesetzesbestimmungen,  die Bekräftigung der  vor dem BFM gemachten  Asylvorbringen  und  das  Aufstellen  blosser  Gegenbehauptungen  beschränkt,  die  einzelnen  Erwägungsargumente  gemäss  angefochtener  Verfügung jedoch substanziell unbestritten belässt,  dass  zudem  mit  der  unbestrittenerweise  legalen  und  kontrollierten  Ausreise  aus  Tunesien  nebst  den  weiteren  erkannten  Unglaubhaftigkeitselementen  ein  deutliches  Indiz  für  eine  fehlende  behördliche Suche nach dem Beschwerdeführer vorliegt, unbesehen der  Frage, ob diese behördliche Suche flüchtlingsrechtlich relevant ist, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  darüber  hinaus  mehrere  weitere  Ungereimtheiten enthalten, welche die bisherigen Erkenntnisse zusätzlich 

E­6916/2011 stützen, jedoch angesichts des bisher Erwogenen nicht näher zu erörtern  sind, dass  es  dem  Beschwerdeführer  somit  nicht  gelingt,  die  Flüchtlingseigenschaft  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen,  weshalb  das  Bundesamt  das  Asylgesuch  zu  Recht  abgelehnt  hat, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.  9),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen, wenn  der  strikte  Beweis möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel  2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]),

E­6916/2011 dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  BV,  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  EMRK)  ersichtlich  sind,  die  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass  weder  die  allgemeine  Lage  in  Tunesien  noch  individuelle  Gründe  auf eine konkrete Gefährdung im Falle einer Rückkehr schliessen lassen,  weshalb der Vollzug der Wegweisung vorliegend zumutbar ist,  dass  in  diesem  Zusammenhang  erneut  auf  die  begünstigenden  Zumutbarkeitselemente  hinzuweisen  ist,  insbesondere  das  junge  Alter  des Beschwerdeführers, dessen gemäss den Akten nicht beeinträchtigte  Gesundheit,  das  trotz  anderslautender  Behauptung  offensichtlich  bestehende  soziale  Beziehungsnetz  im  Heimatland,  die  überdurchschnittliche  Schul­  und  Berufsbildung  und  ­erfahrung  (Maturaabschluss, Diplom als […], Erfahrung im Gastgewerbe) sowie die  Sprachkenntnisse (Arabisch, Französisch und Italienisch), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach  Tunesien schliesslich möglich ist, da keine Vollzugshindernisse bestehen  (Art. 83  Abs. 2  AuG),  und  es  ihm  im  Bedarfsfall  obliegt,  bei  der  Beschaffung  gültiger Reisepapiere mitzuwirken  (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 

E­6916/2011 rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.­­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG),  dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss Art.  65 Abs. 1 VwVG ungeachtet der behaupteten Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  abzuweisen  ist,  da  die  Beschwerdebegehren  nach dem Gesagten als aussichtslos zu bezeichnen sind, dass  die  prozessualen  Gesuche  um  Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  und  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  mit  dem  instruktionslosen  Entscheid  in  der  Hauptsache  hinfällig  geworden  sind,  der  Vollständigkeit  halber  aber  dennoch klarzustellen ist, dass das BFM die aufschiebende Wirkung der  Beschwerde gar nicht entzogen hat. (Dispositiv nächste Seite)

E­6916/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  nach  Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Urs David Versand:

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