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Bundesverwaltungsgericht 20.10.2011 E-6653/2009

October 20, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,064 words·~15 min·1

Summary

Asyl und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. September 2009

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V Geschäfts­Nr. E­6653/2009 Geschäfts­Nr. E­6656/2009 Geschäfts­Nr. E­6659/2009 Urteil   v om   2 0 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richter Hans Schürch,  Richter Jean­Pierre Monnet,    Gerichtsschreiber Jonas Tschan. Parteien A._______, geboren (…), dessen Ehefrau B._______, geboren (…), und deren Kinder C._______, geboren (…), D._______, geboren (…), E._______, geboren (…), sowie die Schwester von A._______ F._______, geboren (…), und der Bruder von A._______ G._______, geboren (…), Irak, alle vertreten durch lic. iur. Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt, Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügungen des BFM vom 21. September 2009 N (…), N (…), N (…).

E­6653/2009 E­6656/2009 E­6659/2009 Sachverhalt: A. Der  Beschwerdeführer  A._______,  ein  Staatsangehöriger  des  Irak,  verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen Angaben am 22. Mai 2000  und ging  in die Türkei, wo er  sich neun Monate aufhielt. Anschliessend  gelangte er über ihm unbekannte Länder am 1. Juni 2001 in die Schweiz;  gleichentags  suchte  er  im  Empfangszentrum  Basel  um  Asyl  nach.  Er  wurde  am  5.  Juni  2001  zu  seinen  Asylgründen  befragt;  die  Bundesanhörung fand am 17. August 2001 statt.  Zur  Begründung  seines  Asylgesuches  machte  der  Beschwerdeführer  geltend,  er  habe  in  seinem  Heimatland  als  (…)  gearbeitet  und  einem  Geschäftspartner  namens H._______ mehrere Millionen  irakische Dinar  ausgeliehen. In der Folge habe er entdeckt, dass H._______ nicht ehrlich  gewesen  sei.  Er  habe  (…)  dessen Vater  aufgesucht,  doch  habe  dieser  ihm nicht  helfen  können. Da  er  sehr wütend  gewesen  sei,  habe  er  ihm  gesagt, er würde H._______ töten, wenn er das Geld nicht zurückerhalte.  H._______  sei  am  (…)  in  Bagdad  ermordet  worden,  worauf  er  von  dessen  Vater  beschuldigt  worden  sei,  für  die  Tötung  verantwortlich  zu  sein.  Er  sei  von  diesem  angezeigt  worden,  habe  jedoch  mit  dem  Verbrechen nichts zu  tun. Hinzu komme, dass er den Militärdienst nicht  geleistet habe und deshalb Probleme bekäme, wenn er in die Hände der  irakischen Behörden fallen würde.  B. Mit  Verfügung  vom  17. Oktober  2002  trat  das  BFM  in  Anwendung  von    Art.  32  Abs.  2  Bst.  c  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  (AsylG,            SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers A._______ nicht  ein  und  ordnete  die Wegweisung  und  den Vollzug  an.  Zur  Begründung  führte das Bundesamt  insbesondere an,  dieser  sei  seit  dem 31. August  2002 verschwunden und habe damit  seine Mitwirkungspflicht  schuldhaft  in  grober  Weise  verletzt  sowie  klar  zu  erkennen  gegeben,  dass  er  an  einer Fortsetzung des Asylverfahrens nicht interessiert sei. C. Der  Beschwerdeführer  A._______  gelangte  am  28.  Mai  2008  erneut  in  die  Schweiz,  diesmal  in  Begleitung  seiner  Ehefrau,  seiner  Kinder  und  seiner Schwester F._______; gleichentags suchten sie um Asyl nach. Am         

E­6653/2009 E­6656/2009 E­6659/2009 10.  Juni  2008  wurden  sie  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Kreuzlingen  zu  ihren  Asylgründen  befragt;  die  direkte  Bundesanhörung  erfolgte am 3. April 2009.  Zur Begründung machten die Beschwerdeführenden geltend, im (…), als  sich der Beschwerdeführer A._______ zwecks Durchführung des ersten  Asylverfahrens  in  der Schweiz  aufgehalten habe,  seien dessen Ehefrau  und  Kinder  im  Irak  entführt  worden.  Zweck  dieser  Entführung  sei  es  gewesen, ihn dazu zu bewegen, in sein Heimatland zurückzukehren und  sich den Behörden oder der Familie H._______ zu stellen. Deshalb sei er  damals  aus  der  Schweiz  verschwunden.  Zurück  im  Irak  habe  er  seine  Familie mit Geld frei bekommen. Eines der Kinder sei jedoch in den (…)  ihrer  Festhaltung  verstorben.  Bis  ins  Jahr  2006  habe  die  Familie  keine  grösseren  Probleme  gehabt.  Zur  Ausreise  habe  sie  sich  in  der  Folge  gezwungen  gesehen,  weil  die  Behörden  immer  wieder  nach  dem  Beschwerdeführer A._______ gesucht hätten. D. Der  Beschwerdeführer  G._______  gelangte  am  29.  August  2008  in  die  Schweiz  und  stellte  am  3.  September  2008  im  EVZ  Kreuzlingen  ein  Asylgesuch.  Am  18.  September  2008  fand  die  summarische Befragung  zu  seinen  Asylgründen  statt;  die  direkte  Bundesanhörung  erfolgte  am         25. Juni 2009. Zur  Begründung  machte  der  Beschwerdeführer  geltend,  er  habe  an  seinem  Arbeitsplatz  immer  wieder  Drohbriefe  vorgefunden.  In  diesen  Briefen sei er dazu aufgefordert worden, den Verfassern mitzuteilen, wo  sich sein Bruder befinde, andernfalls werde er umgebracht. Er habe also  wegen der Probleme des Beschwerdeführers A._______ mit der Familie  H._______ aus dem Irak ausreisen müssen. E. Mit  Verfügungen  vom  21.  September  2009  stellte  das  BFM  fest,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  genügten  den  Anforderungen  an  die Flüchtlingseigenschaft nicht,  lehnte die Asylgesuche ab, verfügte die  Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. F.  Mit Eingaben vom 22. Oktober 2009 erhoben die Beschwerdeführenden 

E­6653/2009 E­6656/2009 E­6659/2009 durch  ihren  Rechtsvertreter  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragten  in  materieller  Hinsicht,  die  angefochtenen  Verfügungen  seien  aufzuheben,  es  sei  festzustellen,  dass  sie  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen,  und  es  sei  ihnen  Asyl  zu  gewähren,  eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit  oder  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  festzustellen  und  die  vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie  um  den  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  samt  anwaltlicher  Rechtsverbeiständung,  zudem  seien  die  Verfahren  E­6653/2009,  E­ 6656/2009  und  E­6659/2009  zu  vereinigen  und  I._______und  J._______als Zeugen anzuhören. G. Mit  Zwischenverfügung  vom  2.  November  2009  stellte  der  Instruktionsrichter  fest,  die  Beschwerdeführenden  dürften  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten.  Das  Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wurde  gutgeheissen  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  wurde  verzichtet.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  wurde  abgewiesen. Die Verfahren E­6653/2009, E­6656/2009 und E­6659/2009  wurden vereinigt. Der Entscheid über die weiteren prozessualen Anträge  wurde für einen späteren Zeitpunkt in Aussicht gestellt H. Das BFM hielt in seiner Vernehmlassung vom 6. November 2009 vollum­ fänglich  an  seinen Verfügungen  fest  und beantragte  die Abweisung der  Beschwerde. I. Die Beschwerdeführenden hielten in ihrer Replik vom 24. November 2009  an ihren bisherigen Vorbringen und Standpunkten fest und ersuchten das  Gericht um Gutheissung ihrer Anträge.

E­6653/2009 E­6656/2009 E­6659/2009 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde;  es  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates, bei welchem die beschwerdeführenden Personen Schutz suchen  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2  Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht. Die Beschwer­ deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs.  1, Art. 52 VwVG); auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2. 2.1  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person 

E­6653/2009 E­6656/2009 E­6659/2009 anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen  (Art. 3 AsylG). 2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen  oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3. 3.1  3.1.1  Die  Vorinstanz  führte  zur  Begründung  ihrer  ablehnenden  Verfügungen aus, die Vorbringen der Beschwerdeführenden würden den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  nicht  standhalten.  So  mache  der  Beschwerdeführer  A._______  zum  Kontakt  mit  dem Vater  von H._______ widersprüchliche Angaben. Während der  direkten Bundesanhörung vom 3. April  2009 habe er angegeben, er  sei  (…)  zu  diesem  nach  K._______  gegangen  und  habe  das  Geld  zurückverlangt. An anderer Stelle dagegen habe er ausgesagt, nur sein  Vater  und der Nachbar  seien dorthin gegangen,  er  selber  habe nicht  in  den damaligen Zentralstaat gehen können. Er habe sich dann aber sofort  korrigiert  und  gesagt,  er  sei  (…)  zum  Vater  von  H._______  gegangen,  wobei er sich mit dem Militärausweis seines Bruders ausgewiesen habe.  Dies  widerspreche  jedoch  seinen  Aussagen  im  ersten  Asylverfahren.  Damals  habe  er  gesagt,  er  sei  (…)  selber  zum  Vater  von  H._______  gegangen und er habe sich damals mit einem gefälschten Börsenausweis  seines Bruders ausgewiesen. Diese Aussagen stünden teilweise auch im  Widerspruch mit den Aussagen der Beschwerdeführerin B._______. Auf 

E­6653/2009 E­6656/2009 E­6659/2009 die  Widersprüche  angesprochen  hätten  beide  versucht,  mit  diversen  Korrekturen  die  unterschiedlichen  Aussagen  irgendwie  in  Einklang  zu  bringen. Weiter  schildere  der  Beschwerdeführer  A._______  unterschiedlich,  weshalb er H._______ Geld ausgeliehen habe.  Im ersten Asylverfahren  habe  er  ausgesagt,  er  habe  H._______ Geld  gegeben,  damit  dieser  in  Bagdad  Kleider  kaufen  könne.  H._______  habe  diese  dann  in  Dohuk  verkauft  und  ihm  (…)  des  Gewinns  abgegeben.  Im  April  2009  (Bundesanhörung)  dagegen  habe  er  ausgesagt,  es  habe  diesbezüglich  keine Abmachungen gegeben. Er habe H._______ Geld ausgeliehen, um  von Kursschwankungen zu profitieren.  Auch  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  B._______  würden  gravierende  Widersprüche  enthalten,  beispielsweise  wie  sie  vom  Tod  ihres Sohnes L._______ erfahren habe. Sodann mache sie geltend, mit  ihren  Kindern  verschleppt  und  während  rund  (…)  in  einem  Keller  festgehalten  worden  zu  sein.  Eine  solche  Entführung  sei  ein  dramatisches  Erlebnis.  Personen,  die  solches  durchgemacht  hätten,  könnten sich auch noch Jahre danach genau daran erinnern. Es  könne  deshalb  von  entführten  Personen  erwartet  werden,  dass  sie  solche  Erlebnisse  persönlich,  genau  und  detailliert  schildern  könnten.  Dies  sei  jedoch bei der Beschwerdeführerin B._______ nicht der Fall. 3.1.2  Die  Beschwerdeführerin  F._______  mache  geltend,  wegen  der  Probleme  ihres  Bruders  A._______  ausgereist  zu  sein.  Dessen  Vorbringen  und  diejenigen  ihrer  Schwägerin  B._______  würden  jedoch  den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG in keiner  Weise  standhalten.  Die  Beschwerdeführerin  F._______  habe  die  Vorbringen  ihres  Bruders  auch  nicht  konkretisieren  oder  die  Widersprüche gar auflösen können. 3.1.3 Der Beschwerdeführer G._______ mache ebenfalls geltend, wegen  der  Probleme  seines  Bruders  A._______  ausgereist  zu  sein.  Auch  dessen  Vorbringen  und  die  Vorbringen  der  Schwägerin  B._______  würden  aber  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  nicht  standhalten.  Ausserdem  stünden  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  G._______  im  Widerspruch  zu  den  Aussagen  der  anderen Familienmitglieder. Es stehe demzufolge fest, dass dieser in der 

E­6653/2009 E­6656/2009 E­6659/2009 Heimat wegen des von seinem Bruder geltend gemachten Problems gar  nie verfolgt worden sein könne. 3.1.4  Da  die  Beschwerdeführenden  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllten, könne auch der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art.  5   Abs. 1 AsylG nicht angewendet werden. Ferner würden sich aus den  Akten  keine  Anhaltspunkte  dafür  ergeben,  dass  ihnen  im  Falle  einer  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  eine  durch  Art.  3  der  Konvention  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  vom  4.  November  1950  (EMRK,  SR  0.101)  verbotene  Strafe oder Behandlung drohte.  Die Beschwerdeführenden würden aus einer der drei von der kurdischen  Regionalregierung  kontrollierten  nordirakischen  Provinzen  Dohuk,  Erbil  und  Sulaymanyia  stammen.  Der  Wegweisungsvollzug  sei  daher  grundsätzlich  zumutbar.  Zudem  sprächen  auch  keine  individuellen  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs,  welcher  technisch möglich und praktisch durchführbar sei. 3.2  In  der  Beschwerde  wird  der  Argumentation  der  Vorinstanz  entge­ gengehalten, die unterschiedlichen Aussagen der Beschwerdeführenden  in  Bezug  auf  die  Besuche  bei  H._______  Familie  seien  einfach  zu  erklären. Der Beschwerdeführer A._______ habe ausgesagt,  er  sei  (…)  bei  H._______  vorbeigegangen.  Mit  dieser  Aussage  habe  er  gemeint,  dass  mindestens  (…)  jemand  in  seinem  Namen  H._______  besucht  habe. In seiner Aussage, dass er persönlich (…) vorbeigegangen sei, sei  er  konstant  geblieben.  Dass  die  Beschwerdeführerin  B._______  nicht  gewusst  habe,  dass  auch  ihr  Mann  H._______  Familie  besucht  habe,  dürfe  nicht  als  Widerspruch  gewertete  werden,  würden  sich  doch  in  kurdischen Verhältnissen Ehegatten gegenseitig nicht über jeden Besuch  informieren.  Zudem  müsse  berücksichtigt  werden,  dass  die  Besuche  bereits (…) zurückliegen würden. Die  Vorinstanz  zweifle  an  der  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  A._______ H._______ Geld geliehen habe, da er im ersten Asylverfahren  angegeben  habe,  H._______  habe  das  Geld  für  einen  Kleiderkauf  benötigt, während er  im zweiten Asylverfahren ausgesagt habe, er habe  durch  H._______  von  den  Kursschwankungen  profitieren  wolle.  In  Tat  und  Wahrheit  handle  es  sich  nicht  um  einen  Widerspruch.  H._______ 

E­6653/2009 E­6656/2009 E­6659/2009 habe mit dem geliehenen Geld Kleider gekauft, die er anschliessend zu  einem  höheren  Preis  verkauft  habe.  Der  Beschwerdeführer  A._______  habe einen Anteil des erzielten Gewinns erhalten, wobei dieser von den  momentanen Kursschwankungen abhängig gewesen sei. Das  BFM mache  geltend,  die  Beschwerdeführerin  B._______  habe  die  Drohbriefe, welche von H._______ Familie gesendet worden seien, erst  bei der zweiten Anhörung vorgebracht zu haben. Auch ihr Mann habe nie  von  Drohbriefen  gesprochen.  Solche  eigentlichen  Drohbriefe  habe  es  keine gegeben, doch habe sie andere im Zusammenhang mit der Suche  nach dem Beschwerdeführer A._______ stehende Briefe als bedrohliche  Briefe  interpretiert.  Zu  berücksichtigen  sei  auch,  dass  sie  sich  als  Analphabetin  aus  den  Inhalten  keinen  eigenen  Reim  habe  machen  können. Das Bundesamt stelle fest, die Beschwerdeführerin B._______ behaupte  einerseits, durch den Schwiegervater vom Tod ihres Sohnes erfahren zu  haben,  anderseits  sage  sie  aus,  ihr  Ehemann  habe  sie  zum Grab  des  Sohnes geführt. Für sie seien in diesem Zusammenhang zwei Situationen  besonders  einschneidend  gewesen.  Erstens  sei  dies  der  Moment  gewesen,  in dem sie von  ihrem Schwiegervater erfahren habe, dass  ihr  Sohn  gestorben  sei,  und  zweitens  sei  es  der  Besuch  des  Friedhofs  gewesen.  In  beiden  Situationen  sei  sie  emotional  stark  aufgewühlt  gewesen. Es sei keineswegs erstaunlich, dass sie in ihren Ausführungen  diese beiden Situationen durcheinanderbringe. Die Vorinstanz mache weiter geltend, die Beschwerdeführerin B._______  habe den Raum,  in dem sie mit  ihren Kindern eingesperrt gewesen sei,  nicht  genügend  präzise  umschreiben  können.  Weiter  könne  sie  nicht  erklären, weshalb sie schliesslich aus der Haft entlassen worden sei, und  sie wisse auch nicht, wann ihr Sohn verletzt worden sei. Trotz der langen  Zeit  seit  diesem  Ereignis  habe  sie  bereits  bei  ihrer  ersten  Anhörung  überaus  präzise  Ausführungen  zu  den  Umständen  der  Entführung  machen können. Sodann sei darauf hinzuweisen, dass man erst einmal  froh  sei,  wenn  man  aus  der  Gefangenschaft  von  den  Entführern  entlassen werde. Es wäre  leichtsinnig, die Befreiung bei den Entführern  zu  hinterfragen. Der Umstand,  dass  die Beschwerdeführerin B._______  zu  Hause  ihren  Mann  vorgefunden  habe,  habe  sie  darauf  schliessen  lassen,  dieser  habe  ihre  Freilassung  bewirken  können.  Ihn  nach  den 

E­6653/2009 E­6656/2009 E­6659/2009 dafür nötig gewesenen Mitteln zu befragen, habe sich ihr aus Scham und  kulturellen  Gründen  verboten.  Dass  sie  das  genaue  Datum,  wann  ihr  Sohn  verletzt  worden  sei,  nicht  habe  nennen  können,  sei  nicht  weiter  erstaunlich,  da  man  bei  anhaltender  Unterernährung  während  der  Gefangenschaft in einem Keller jegliches Zeitgefühl verliere. Mit der Asylrelevanz setze sich die Vorinstanz gar nicht erst auseinander.  Diese  sei  jedoch  zweifelsfrei  gegeben.  Die  drohende  Verfolgung  durch  die  Familie H._______  gefährde  den Beschwerdeführer  A._______  und  dessen  Familie  konkret  an  Leib  und  Leben.  Es  gebe  auch  keine  innerstaatliche  Fluchtalternative,  wie  sein  Aufenthalt  in  M._______  belege. Unter  dem  Aspekt  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  sei  zu  berücksichtigen,  dass  der  Beschwerdeführer  C._______  an  gesundheitlichen  Problemen  leide.  Angesichts  der  prekären  medizinischen  Versorgung  im  Heimatland  würden  solche  zusätzlichen  Probleme die Rückkehr der Familie als unzumutbar erscheinen lassen. 3.3 Das BFM führt in seiner Vernehmlassung aus, die Asylgesuche seien  aufgrund  von  Unstimmigkeiten  und  groben  Widersprüchen  in  den  Aussagen  der  Beschwerdeführenden  abgelehnt  worden.  Der  Rechtsvertreter  versuche  diese  Unstimmigkeiten  primär  mit  der  schlechten  Kommunikation  zwischen  den  Beschwerdeführenden,  dem  grossen  zeitlichen  Abstandes  zwischen  den  Ereignissen  und  den  Anhörungen  und  dem  psychischen  Zustand  der  Beschwerdeführerin  B._______  zu  erklären.  Seine  komplizierten  Erklärungen  seien  jedoch  nicht überzeugend. 3.4  In  der  Replik  wird  entgegnet,  die  Vernehmlassung  enthalte  keine  Argumente,  welche  inhaltlich  entgegnet  werden  müssten.  Dass  die  Ausführungen  in  der  Beschwerde  der  Vorinstanz  zu  kompliziert  erscheinen  würden,  spreche  noch  nicht  gegen  deren  Plausibilität.  Vielmehr  spreche  die  Reaktion  des  BFM  dagegen,  dass  man  sich  ernsthaft  mit  den  einzelnen  Argumenten  auseinandersetzen  wolle,  was  einer  sorgfältigen  Abwägung  bei  der  Glaubwürdigkeitsprüfung  widerspreche. 4.

E­6653/2009 E­6656/2009 E­6659/2009 4.1  Das  Bundesamt  stützt  seinen  ablehnenden  Entscheid  vor  allem  darauf  ab,  dass  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  unglaubhaft  seien. Dazu Folgendes: Für  die  subjektive  Wahrheit  spricht  einerseits,  wenn  die  Aussage  zahlreiche  und  qualitativ  hochwertige  Details  enthält,  welche  sich  zu  einem  stim­migen  Ganzen  zusammenfügen  (beispielsweise  wechselseitige Gespräche und Interaktionen, nachträgliche Ergänzungen  oder Komplikationen), anderseits, wenn die befragte Person über ihre bei  dem  Ereignis  aufgetretenen  Gefühle,  Assoziationen,  unverstandenen  Erscheinungen  oder  Missverständnisse  berichtet.  Für  ein  realitätsbegründetes  Ereignis  spricht  weiter,  wenn  der  rechtsrelevante  Tatbestand gleich bleibt; dazu zählen  insbesondere die Schilderung des  zentralen  Kerngeschehens  und  der  eigenen  Rolle,  die  Benennung  der  unmittelbar  am  Kerngeschehen  beteiligten  Personen,  des  fraglichen  Tatortes,  von  unmittelbar  handlungsrelevanten  Gegenständen  oder  Angaben über unangenehme Empfindungen (insbesondere Schmerzen).  Sodann spricht für den Wahrheitswillen der angehörten Person, wenn sie  ihre  eigene  Rolle  eher  unvorteilhaft  darstellt,  auf  Schutzbehauptungen,  die  naheliegen,  verzichtet,  und  wenn  sie  entlastende  Umstände  bedeutsamer  Art  für  denjenigen  vorbringt,  den  sie  mit  anderen  Teilen  ihrer Aussage belastet. Gegen die subjektive Wahrheit spricht, wenn die  Aussage  detailarm  ist,  obwohl  beim  betreffenden  Erlebnis  ein  Mindestmass  an Detailreichtum  zu  erwarten  wäre,  oder  wenn  auch  auf  Aufforderung  hin  keine  Einzelheiten  vorgebracht  und  Nebensächlichkeiten berichtet werden  (ROLF BENDER/ARMIN NACK/WOLF­ DIETER  TREUER,  Tatsachenfeststellung  vor  Gericht,  3.  Aufl.,  München  2007,        S. 72 ff.). 4.2 Sodann  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  die  vormalige  Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK)  in  einem Grundsatzurteil  festgehalten  hat,  dass  der  Befragung  zu  den  Ausreisegründen  in  der  Empfangsstelle  aufgrund  des  summarischen  Charakters  für  die  Beurteilung  der  Glaubwürdigkeit  der  vorgebrachten  Asylgründe  nur  ein  beschränkter  Beweiswert  zukommt  (Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1993  Nr.  3  S.  13,  welche  Praxis  vom  Bundesverwaltungsgericht  übernommen  wird.).  Es  kann  deshalb  nicht  angehen,  blossen  Unvollständigkeiten  und  unwesentlichen  Abweichungen  zu  späteren  Aussagen  eine 

E­6653/2009 E­6656/2009 E­6659/2009 entscheidende  Bedeutung  beizumessen,  und  es  darf  auch  nicht  davon  ausgegangen  werden,  dass  Asylbewerber  im  Rahmen  dieser  Kurzbefragung  grundsätzlich  die Möglichkeit  oder  gar  die Pflicht  hätten,  sämtliche Gründe ihres Asylgesuches abschliessend darzulegen. Anders  verhält  es  sich  jedoch,  wenn  Aussagen  in  der  Empfangsstelle  in  wesentlichen Punkten der Asylbegründung von späteren Aussagen in der  kantonalen  Anhörung  diametral  abweichen,  oder  wenn  bestimmte  Ereignisse  oder  Befürchtungen,  welche  später  als  zentrale  Asylgründe  genannt  werden,  nicht  bereits  in  der  Empfangsstelle  –  zumindest  ansatzweise – erwähnt werden. Solche Widersprüche  lassen sich  in der  Regel nicht mit dem summarischen Charakter der Befragung erklären. Es  ist daher nicht einzusehen, weshalb sie im Rahmen der Beweiswürdigung  nicht berücksichtigt werden sollten. 4.3 Wie in der angefochtenen Verfügung ausgeführt, sind einige Angaben  der  Beschwerdeführenden  tatsächlich  unstimmig.  So  gab  der  Beschwerdeführer  A._______  im  ersten  Asylverfahrens  zu  Protokoll,  er  sei  (…)  zum  Vater  von  H._______  gegangen,  um  das  Geld  zurückzufordern  (Akten  BFM  A1/8  S.4).  Anlässlich  der  Anhörung  im  zweiten Asylverfahren führte er dagegen (unter anderem) aus, er sei (…)  zu  den  Eltern  von  H._______  gegangen  (a.a.O.  B36/14  S.7).  Auch  die  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  B._______  sind  diesbezüglich  nicht  ganz  stimmig  (B35/14  S.  3  und  B35/14  S.9).  Die  Erklärung  in  der  Beschwerde,  wonach  sie  von  ihrem Ehemann  nicht  über  jeden Besuch  informiert  worden  sei,  und  die  Ereignisse  bereits  Jahre  zurückliegen  würden, vermögen die Widersprüche dabei zwar teilweise zu erklären.  Wie  das  BFM  jedoch  aufgezeigt  hat,  finden  sich  in  den  Aussagen  der  Beschwerdeführenden  weitere  Ungereimtheiten,  so  beispielsweise  hinsichtlich des Umstandes, wie die Beschwerdeführerin B._______ vom  Tod     ihres  Sohnes  erfahren  hat.  Zudem  erstaunt,  dass  die  Beschwerdeführenden  keinerlei  Beweismittel,  wie  etwa  die  angeblichen  Quittungen  und  Drohbriefe,  zu  den  Akten  gegeben  haben.  Nicht  nachvollziehbar  ist sodann, dass der Beschwerdeführer A._______ nicht  hat  erklären  können,  weshalb  seine  Familie  von  den  Entführern  freigelassen  worden  sei  (a.a.O.  B36/14  S.4).  Auf  die  entsprechende  Frage  hat  er  bloss  geantwortet,  er  habe  Leuten Geld  gegeben,  um  die  Freilassung  seiner  Familie  zu  bewirken.  Wie  sie  dies  gemacht  hätten,  wisse  er  nicht.  Gleichzeitig  ist  allerdings  festzustellen,  dass  die 

E­6653/2009 E­6656/2009 E­6659/2009 Beschwerdeführerin B._______ die angebliche Entführung anlässlich der  summarischen Befragung  im EVZ   Kreuzlingen ausführlich und teilweise  detailliert schilderte. So gab sie beispielsweise zu Protokoll, die hinteren  Sitzbänke im Auto seien nach hinten geklappt worden, damit sie und ihre  Kinder Platz haben würden. Wer eine Geschichte erfindet, hält sie in der  Regel  möglichst  einfach,  da  dies  eine  Herausforderung  für  das  menschliche Gehirn darstellt. Eine Gesamtwürdigung  der  Akten  und  insbesondere  der  Protokolle  der  Beschwerdeführenden  lässt  deren  Vorbringen  zwar  aufgrund  der  Unstimmigkeiten  als  zweifelhaft  erscheinen,  doch  muss  festgestellt  werden,  dass  die  Ereignisse  tatsächlich  bereits  Jahre  zurückliegen  und  Teile davon dennoch in einer gewissen Ausführlichkeit und Detailliertheit  geschildert werden. 4.4 Die  generellen  Voraussetzungen,  die  erfüllt  sein müssen,  damit  ein  Asylsuchender in der Schweiz als Flüchtling anerkannt werden kann, sind  vorstehend erwähnt. Anzufügen bleibt Folgendes: Die Umschreibung der  Verfolgung als ernsthafte Nachteile für die zentralsten Rechtsgüter macht  klar,  dass  eine  gewisse  Intensität  der  Eingriffe  für  die  Anerkennung  als  Flüchtling  vorauszusetzen  ist.  Während  Massnahmen,  wie  sie  in  Art.  3  EMRK  umschrieben  werden  (Folter,  unmenschliche  und  erniedrigende  Handlung), die erforderliche Intensität ohne weiteres zuzusprechen ist, ist  bei  geringeren  Eingriffen  in  die  genannten  Rechtsgüter  –  wie  Freiheitsentzug,  Schläge  und  sexuelle  Belästigungen  –  die  physische  oder  psychische  Beeinträchtigung  in  Relation  zur  Dauer  und  Häufigkeit  sowie  zu  den  gesamten  Umständen  (unter  Einbezug  der  individuellen  Empfindlichkeit  und  Verletzlichkeit)  zu  setzen.  Massnahmen,  welche  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken,  müssen  sich  demgegenüber  nicht  gegen  eines  der  drei  namentlich  aufgeführten  Rechtsgüter  Leib,  Leben  und  Freiheit  richten.  Da  es  aber  auch  bei  diesem  Tatbestand  um  einschneidende  Eingriffe  gehen  muss,  sind  gemäss  der  von  der  ARK  festgelegten  und  vom  Bundesverwaltungsgericht  übernommenen  Praxis  grundsätzlich  hohe  Anforderungen  an  solche  Verfolgungsmassnahmen  zu  stellen:  Sie  müssen  derart  ernsthaft  und  intensiv  sein,  dass  damit  dem Betroffenen  ein  menschenwürdiges  Leben  verunmöglicht  wird  (vgl.  EMARK  1996      Nr.  28).  Zudem  bedarf  es  der  Aktualität  der  Verfolgungssituation.  Die  Furcht  vor  Verfolgung  muss  im  Zeitpunkt  der  Flucht  aus  dem 

E­6653/2009 E­6656/2009 E­6659/2009 Verfolgerstaat  bestanden  und  bis  zum  Zeitpunkt  des  Asylentscheides  angedauert  haben. Vom Bestehen der begründeten Furcht  im Zeitpunkt  der  Ausreise  wird  in  der  Regel  ausgegangen,  wenn  zwischen  einer  erfolgten  Verfolgungsmassnahme  oder  der  Kenntnisnahme  einer  Verfolgungsgefahr  und  der  Ausreise  ein  zeitlicher  und  sachlicher  Zusammenhang besteht.  Wie bereits  ausgeführt,  ist  aufgrund  von  (mehreren) Unstimmigkeiten  in  den  Aussagen  zweifelhaft,  ob  sich  die  von  den  Beschwerdeführenden  geltend  gemachten  Vorbringen  wirklich  so  zugetragen  haben  wie  behauptet. Das Bundesverwaltungsgericht ist jedenfalls der Ansicht, dass  sie  zum  heutigen  Zeitpunkt  in  ihrem  Heimatland  nicht  in  asylrelevanter  Weise  gefährdet  sind.  So  sind  nach  der  angeblichen  Tötung  von  H._______(…),  und  auch  die  Entführung  der  Beschwerdeführerin  B._______ und der Kinder  ist  (…) her. Dass die Familie von H._______  immer noch Willens sein soll, Rache zu üben,  ist unwahrscheinlich, dies  insbesondere  vor  dem  Hintergrund  der  Entführung  und  des  Todes  von  L._______. Seit diesem Ereignis im Jahre (…) ist nichts mehr geschehen,  was  die  oben  definierte  Intensität  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  erreichen  würde.  Es  ist auch darauf hinzuweisen, dass es einerseits  legitim  ist, wenn ein  Staat  eine  Person  zur  Leistung  des  Militärdienstes  als  allgemeine  Bürgerpflicht  aufbietet,  und  anderseits  ist  es  die  Pflicht  der  Strafverfolgungsbehörden und der Gerichte, Verbrechen aufzuklären und  die Täter gerecht zu bestrafen. In diesem Zusammenhang ist es aufgrund  der  vom  Beschwerdeführer  A._______  vorgebrachten  Vorgeschichte  nicht verwunderlich, dass er zur Tötung H._______ befragt werden sollte  und  deswegen  gesucht  wurde,  schliesslich  hat  er  Todesdrohungen  ausgesprochen.  Sodann  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  in  seinem  Urteil BVGE 2008/4 festgestellt, dass die Sicherheits­ und Justizbehörden  der drei irakisch­kurdischen Nordprovinzen Dohuk, Erbil und Sulaymanyia  grundsätzlich in der Lage und Willens sind, deren Einwohnern Schutz vor  Verfolgung zu gewähren. 4.5  Das  BFM  hat  somit  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführenden  zu  Recht  abgelehnt.  Der  Antrag,  I._______und  J._______als  Zeugen  anzuhören,  ist ebenfalls abzuweisen, da diese an den für den Entscheid  des Gerichts zentralen Erkenntnissen nichts ändern könnten.

E­6653/2009 E­6656/2009 E­6659/2009 5. 5.1  Lehnt  das  Bundesamt  das  Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2  Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine  ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf  Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E.9). 6. 6.1  Ist  der Vollzug der Wegweisung nicht  zulässig,  nicht  zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,         SR 142.20]). 6.2 Der Vollzug  ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den Heimat­, Herkunfts­ oder  in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30 ]). Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überein­ kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,            SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder  unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen  werden.

E­6653/2009 E­6656/2009 E­6659/2009 Die Vorinstanz wies  in  ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt,  die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art. 5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der  Beschwerdeführenden in den Irak ist demnach unter dem Aspekt von Art.  5 AsylG rechtmässig. Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Irak  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des UN­Anti­Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihnen  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien, Urteil  vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr.  37201/06,  §§ 124  bis 127, mit weiteren Hinweisen). Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Irak  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  vorliegend  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  mithin  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3  6.3.1 Gemäss Art.  83 Abs.  4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Neben  den  im  Gesetz  beispielhaft  aufgezählten  Faktoren  können  namentlich  auch  die  fehlenden  oder  mangelhaften  medizinischen  Behandlungsmöglichkeiten,  die  Beeinträchtigung  des  Kindeswohls  bei  minderjährigen Gesuchstellern  oder  eine Kombination  von Faktoren wie 

E­6653/2009 E­6656/2009 E­6659/2009 Alter,  Beeinträchtigung  der  Gesundheit,  fehlendes  Beziehungsnetz,  schlechte Aussichten für das wirtschaftliche Fortkommen von Bedeutung  sein,  immer  vorausgesetzt,  dass  sie  zu  einer  konkreten  Gefährdung  führen.  Wird  eine  solche  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art.  83  Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002, BBl 2002 3818). 6.3.2  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  sich  im  Urteil  BVGE  2008/5  ausführlich mit der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs  in  den  kurdisch  verwalteten  Nordirak  befasst.  Es  gelangte  zum  Schluss,  dass  in  den  drei  kurdischen  Provinzen  (Dohuk,  Erbil  und  Sulaymanyia)  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  herrscht  und  die  dortige  politische  Lage nicht dermassen angespannt ist, dass eine Rückführung dorthin als  generell unzumutbar betrachtet werden müsste. Zudem ist die Region mit  Direktflügen aus Europa und aus den Nachbarländern erreichbar. Damit  entfällt  das  Element  der  unzumutbaren  Rückreise  via  Bagdad  und  anschliessend  auf  dem  Landweg  durch  den  nach  wie  vor  von  Gewalt  heimgesuchten Zentralirak in das durch die kurdische Regionalregierung  ("Kurdistan  Regional  Government"  [KRG])  dominierte  Gebiet.  Die  Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs  setzt  jedoch  voraus,  dass  die  betreffende  Person  ursprünglich  aus  der  Region  stammt  oder  eine  längere  Zeit  dort  gelebt  hat  und  über  ein  soziales  Netz  (Familie,  Verwandtschaft  oder  Bekanntenkreis)  oder  über  Beziehungen  zu  den  herrschenden  Parteien  verfügt.  Andernfalls  dürfte  eine  soziale  und  wirtschaftliche Integration in die kurdische Gesellschaft nicht gelingen, da  der  Erhalt  einer  Arbeitsstelle  oder  von  Wohnraum  weitgehend  von  gesellschaftlichen  und  politischen  Beziehungen  abhängt.  Problematisch  wegen  einer  möglichen  konkreten  Gefährdung  kann  namentlich  die  Rückreise für Familien mit Kindern sein, da oft weder ein ausreichendes  Einkommen noch adäquater Wohnraum in Aussicht stehen. Dasselbe gilt  für alleinstehende Frauen, die nicht über eine spezialisierte und auf dem  dortigen  Arbeitsmarkt  nachgefragte  Berufsbildung  verfügen.  Angesichts  des  defizitären  Gesundheitssystems  ist  auch  bei  der  Rückführung  von  kranken und betagten Personen grosse Zurückhaltung geboten. Zusammenfassend  wurde  festgehalten,  dass  die  Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs  in  der  Regel  für  alleinstehende,  gesunde  und  junge kurdische Männer, die ursprünglich aus der KRG­Region stammen 

E­6653/2009 E­6656/2009 E­6659/2009 und  dort  nach  wie  vor  über  ein  soziales  Netz  oder  Parteibeziehungen  verfügen,  zumutbar  ist.  Für  alleinstehende  Frauen  und  für  Familien mit  Kindern  sowie  für  Kranke  und  Betagte  ist  bei  der  Feststellung  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  jedoch  grosse  Zurückhaltung  angebracht. 6.3.3 Sind Kinder von einem Wegweisungsvollzug betroffen, so bildet im  Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen Gesichtspunkt  von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt sich nicht zuletzt aus einer völker­ rechtskonformen Auslegung des Art. 83 Abs. 4 AuG im Lichte von  Art. 3  Abs.  1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte  des  Kindes  (SR  0.107).  Demzufolge  sind  unter  dem  Aspekt  des  Kindeswohls sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im  Hinblick auf eine Wegweisung wesentlich erscheinen (vgl. EMARK 1998      Nr. 13 E. 5e.aa S. 98 f.).  In Bezug auf das Kindeswohl  ist  insbesondere  die Dauer  des Aufenthaltes  in  der  Schweiz  im Hinblick  auf  die  Prüfung  der  Chancen  und  Hindernisse  einer  Reintegration  im  Heimatland  als  gewichtiger  Faktor  zu  werten,  da  Kinder  nicht  ohne  guten  Grund  aus  einem  einmal  vertrauten  Umfeld  herausgerissen  werden  sollten.  Die  Verwurzelung  in der Schweiz kann demnach eine reziproke Wirkung auf  die  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  haben,  indem  eine  starke  Assimilierung  in  der  Schweiz  eine  Entwurzelung  im  Heimatstaat  zur  Folge  haben  kann,  welche  unter  Umständen  die  Rückkehr dorthin als unzumutbar erscheinen lässt (vgl. EMARK 1998 Nr.  31 E. 8c.ff.ccc S. 260 f.).  6.3.4 Vorliegend geht aus den Akten hervor, dass der Beschwerdeführer  A._______,  dessen  Ehefrau  B._______  und  die  gemeinsamen  Kinder  zuletzt  rund  sechs  Jahre  in  M._______  (Provinz  Dohuk)  gelebt  haben.  Eigenen Angaben zufolge haben sie in der Landwirtschaft gearbeitet, was  gerade einmal zum Überleben gereicht habe. Beruflich verfügen sie nicht  über  eine  besondere  Ausbildung,  und  sie  sind  in  der  Schweiz  fürsorgeabhängig.  Hinsichtlich  des  Beziehungsnetzes  verfügt  die  Beschwerdeführerin B._______ in der Provinz Dohuk über ihre Eltern und  drei Geschwister, während der Beschwerdeführer A._______ noch zwei  verheiratete  Schwestern  im  Nordirak  hat;  seine  Eltern  sind  im  (…)  verstorben.  Aufgrund  dieser  Umstände  ist  angesichts  der  zitierten  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts,  wonach  für  Familien  mit  Kindern  bei  der  Feststellung  der  Zumutbarkeit  des 

E­6653/2009 E­6656/2009 E­6659/2009 Wegweisungsvollzugs  grosse  Zurückhaltung  angebracht  ist,  zweifelhaft,  ob es  ihnen möglich wäre, sich  in  ihrem Heimatland eine neue Existenz  aufzubauen.  In  Würdigung  sämtlicher  Umstände  ist  daher  festzustellen,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  A._______,  seiner  Ehefrau  B._______  und  deren  gemeinsamen  Kindern  C._______,  D._______  und  E._______  in  den  Irak  zum  heutigen  Zeitpunkt  unzumutbar ist. 6.3.5.  Anders  stellt  sich  die  Situation  für  die  Beschwerdeführenden  G._______  und  F._______  dar.  Sie  gehören  nicht  zur  Kernfamilie  von  A._______ und B._______. Hierzu  zählen nur die Ehegatten und deren  minderjährige Kinder (vgl. Art. 51 AsylG). Ein Abhängigkeitsverhältnis  ist  vorliegend  nicht  ersichtlich.  Sodann  ist  –  wie  bereits  ausgeführt –   festzustellen,  dass  der  Vollzug  für  alleinstehende,  gesunde  und  junge  kurdische Männer,  die  ursprünglich  aus  der  KRG­Region  stammen  und  dort  nach  wie  vor  über  ein  soziales  Netz  oder  Parteibeziehungen  verfügen, grundsätzlich zumutbar ist. Das Bundesverwaltungsgericht geht  aufgrund  der  Akten  davon  aus,  dass  der  Beschwerdeführer  G._______  im  Nordirak  nach  wie  vor  über  ein  Beziehungsnetz  verfügt  und  auch  wieder  in  der  Landwirtschaft  arbeiten  könnte.  Er  ist  sodann  jung  und  gesund,  so  dass  er  bei  einer  Rückkehr  nicht  konkret  gefährdet  sein  dürfte. Ausserdem hat er seit seiner Geburt  in der Provinz Dohuk gelebt  und  kennt  die  dortigen  Sitten  und  Bräuche.  Letzteres  gilt  auch  für  die  Beschwerdeführerin  F._______.  Bei  Frauen  ist  zwar  hinsichtlich  dem  Vollzug  der  Wegweisung  in  den  Nordirak  Zurückhaltung  angebracht,  jedoch  kann  sie  bei  der  Rückkehr  auf  die  Unterstützung  ihres  Bruders  G._______ zählen. Ausserdem leben noch zwei verheiratete Schwestern  sowie ein Onkel in der Provinz Dohuk. Das Bundesverwaltungsgericht ist  daher  unter  Würdigung  der  gesamten  Umstände  der  Ansicht,  dass  es  ihnen zumutbar ist, in den Nordirak zurückzukehren. 7. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten bezüglich der Nichtanerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft,  der  Ablehnung  des  Asylgesuchs  und  der  Anordnung  der  Wegweisung  abzuweisen.  Soweit  die  Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs  von  A._______,  dessen  Ehefrau  B._______  und  deren  gemeinsame  Kinder  C._______,  D._______  und  E._______ 

E­6653/2009 E­6656/2009 E­6659/2009 betreffend,  ist  die  Beschwerde  gutzuheissen. Das BFM  ist  anzuweisen,  den  Aufenthalt  der  besagten  Beschwerdeführenden  nach  den  gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (Art.  83   Abs. 4 AuG). Weitergehend ist die Beschwerde abzuweisen. 8. 8.1  Bei  diesem  Verfahrensausgang  wären  die  Verfahrenskosten  den  Beschwerdeführenden  anteilsmässig  aufzuerlegen. Da  ihnen  jedoch  die  unentgeltliche Rechtspflege  im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt  wurde,  ist  praxisgemäss  auf  die  Auferlegung  von  Verfahrenskosten  zu  verzichten. 8.2 Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädigung  für  die  ihnen  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen  Kosten (Art. 7 Abs. 1 und 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Im  vorliegenden  Fall  sind  die  Beschwerdeführenden mit  ihren Begehren teilweise durchgedrungen. Es  wurde  keine  Kostennote  zu  den  Akten  gereicht.  Der  notwendige  Vertretungsaufwand  lässt sich  indes aufgrund der Aktenlage zuverlässig  abschätzen, weshalb auf die Einholung einer  solchen verzichtet werden  kann (vgl. Art. 14      Abs. 2 in fine VGKE). In Anwendung der genannten  Bestimmungen  und  unter  Berücksichtigung  der  massgeblichen  Bemessungsfaktoren  (vgl.  Art.  8  ff.  VGKE)  wird  die  von  der  Vorinstanz  auszurichtende  Parteientschädigung  demnach  von  Amtes  wegen  auf  insgesamt Fr. 500.– festgesetzt. (Dispositiv nächste Seite)

E­6653/2009 E­6656/2009 E­6659/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  teilweise  gutgeheissen,  indem  festgestellt  wird,  dass  der  Wegweisungsvollzug  für  den  Beschwerdeführer  A._______,  dessen  Ehefrau  B._______  und  deren  gemeinsame  Kinder  C._______,  D._______  und  E._______  unzumutbar  ist,  weitergehend  wird  die  Beschwerde abgewiesen. 2.  Die  Vorinstanz  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführer  A._______,  dessen  Ehefrau  B._______  und  deren  gemeinsame  Kinder  C._______,  D._______ und E._______ vorläufig aufzunehmen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Das BFM hat den Beschwerdeführenden eine Parteientschädigung in der  Höhe von Fr. 500.­ zu entrichten. 5.  Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, an das BFM und an das  Migrationsamt des Kantons N._______. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Jonas Tschan Versand:

E-6653/2009 — Bundesverwaltungsgericht 20.10.2011 E-6653/2009 — Swissrulings